Geplante Inhalte des Referentenentwurfs eines Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMog/BilModG) und Auswirkungen auf die Abschlussprüfung


Seminararbeit, 2006

32 Seiten, Note: 1,3

Stephan Kochen (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hintergründe der geplanten Bilanzrechtsmodernisierung
2.1 Die jüngste Reformwelle im deutschen Bilanzrecht
2.2 Prämissen und Umsetzungsrestriktionen
2.3 Nutzen

3 Mögliche Änderungen der handelsrechtlichen Rechnungslegung
3.1 Abschaffung von Wahlrechten
3.1.1 Aufwandsrückstellungen
3.1.2 Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs
3.1.3 Derivativer Geschäfts- oder Firmenwert
3.1.4 Gemildertes Niederstwertprinzip
3.1.5 Abschreibungen nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung
3.2 Fair-Value Bewertung
3.2.1 Konzeption
3.2.2 Änderungen im Handelsgesetzbuch
3.2.3 Beweggründe für die Einführung der Fair-Value Bewertung
3.3 Zwischenergebnis und Kritik

4 Auswirkungen auf die Abschlussprüfung

5 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz ist ein Schritt auf dem Wege der Internationalisierung der deutschen Rechnungslegung. Ein Referentenentwurf wurde bereits Mitte 2004 erwartet, seine Veröffentlichung jedoch immer wieder verschoben.

Als Vorbild eines erneuerten deutschen Bilanzrechts werden die internationalen Rechnungslegungsnormen IAS/IFRS angesehen. Mit ihren überlegenen Fähigkeiten in der Kapitalmarktkommunikation scheinen sie den Zeitgeist momentan besser zu treffen als das HGB. Es werden jedoch mit einen IAS/IFRS Abschluss andere Ziele verfolgt, als mit einem HGB Abschluss: während der Letztere auch zu Zwecken der Ausschüttungs- und Steuerbemessung aufgestellt wird, fungiert der IAS/IFRS Abschluss einzig als Lieferant entscheidungsrelevanter Informationen für Finanzinvestoren. Aufgrund dieser unterschiedlichen Zielsetzungen entsteht bei der Angleichung des HGB an die internationalen Vorschriften ein Spannungsfeld.

In einem 10-Punkte Programm1 bestimmte die damalige Bundesregierung am 25. Februar 2003 die Marschrichtung für umfassende Reformen zur Stärkung des Anlegerschutzes und der Unternehmensintegrität.2 Dieses kann als Ausgangspunkt für die jüngste Reformwelle der deutschen Rechnungslegung verstanden werden. Ein Unterpunkt dieses Maßnahmenkataloges fordert eine Fortentwicklung der HGB- Vorschriften in Bezug auf den Einzel- und den Konzernabschluss „zur Anpassung an europäische und internationale Rechnungslegungsregeln.“3 Dieses Ziel soll im Zuge der Bilanzrechtsmodernisierung insbesondere durch die Abschaffung nicht mehr zeitgemäßer Bilanzierungswahlrechte sowie durch die Öffnung des deutschen Handelsrechts für die Fair-Value Bewertung erreicht werden.

Demgemäß sind als zentrale Elemente der geplanten Bilanzrechtsmodernisierung die Internationalisierung, die Abschaffung von Wahlrechten und die Fair-Value Bewertung hervorzuheben.

Im Folgenden werden zunächst Hintergründe erläutert, bevor Kapitel 3 konkret auf die Umsetzung der Hauptelemente einer Modernisierung der deutschen Rechnungslegung eingeht. Der 4. Teil beleuchtet Auswirkungen auf die Abschlussprüfung, wonach mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick das Thema abgeschlossen wird.

2 Hintergründe der geplanten Bilanzrechtsmodernisierung

2.1 Die jüngste Reformwelle im deutschen Bilanzrecht

Der bereits erwähnte 10-Punkte Katalog der Bundesregierung ist nicht nur die Grundlage eines noch ausstehenden Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG); auch das Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) und das Bilanzkontrollgesetz (BilKoG), welche bereits in Kraft getreten sind, gingen aus ihm hervor.

Die jüngsten Reformbestrebungen im deutschen Bilanzrecht sind jedoch keineswegs alleinig auf die Eigeninitiative der damaligen Bundesregierung zurückzuführen. Vielmehr sind sie auch die Umsetzung geänderten EU-Rechts.

Das Kernstück des BilReG von 2004 ist die Übernahme der Regelungen der IAS- Verordnung der EU4 durch Schaffung der §§ 315a und 325 Abs. 2a HGB. Hierdurch wird kapitalmarktorientierten Mutterunternehmen auferlegt (und den übrigen Unternehmen gestattet), ihre konsolidierten Abschlüsse nach IFRS aufzustellen. Und auch der Einzelabschluss darf seitdem zu Publizitätszwecken nach internationalen Grundsätzen erstellt werden.

Weitere wichtige Neuregelungen des BilReG waren die Verschärfung der Ausschlussgründe für Abschlussprüfer und die Erhöhung der Größenkriterien aus § 267 HGB, vorgegeben durch die europäische Schwellenwert Richtlinie5.

Die genannten EG-Richtlinien wurden darüber hinaus durch die Fair-Value Richtlinie6 und die Modernisierungsrichtlinie7 weiteren Änderungen unterzogen.8

Von diesen wurden durch das BilReG bisher jedoch nur die obligatorischen Regelungen in deutsches Recht übernommen (vgl. Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Maßnahmen des Gesetzgebers zur Fortentwicklung des deutschen Bilanzrechts9

Ein Großteil der Bestimmungen dieser Richtlinien sind Wahlrechte. Ihre Ausübung bleibt dem BilMoG vorbehalten, welches die Bundesregierung laut Begründung des BilReG bereits in der zweiten Hälfte des Jahres 2004 vorstellen wollte10.

2.2 Prämissen und Umsetzungsrestriktionen

Bei der konkreten Ausgestaltung eines BilMoG hat der Gesetzgeber einige Restriktionen zu beachten. Diese ergeben sich vornehmlich aus europarechtlichen Vorgaben, steuerlichen Konsequenzen und der Einhaltung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung.

Die Bilanzierungsregelungen des HGB sind, wie bereits oben erwähnt, an die 4. und die 7. EG-Richtlinie geknüpft. Bei den in ihnen enthaltenen Wahlrechten unterscheidet man zwischen Unternehmens- und Mitgliedstaatenwahlrechten.11 Ersteres ist direkt an die bilanzierenden Gesellschaften adressiert. Mit anderen Worten: Die Gesetzgeber sind verpflichtet, diese - ebenfalls als Wahlrecht - in nationales Recht zu überführen. Andersherum bedeutet es aber auch, dass bereits bestehende nationale Wahlrechte, die auf einem Unternehmenswahlrecht beruhen, nicht ohne eine Anpassung auf europäischer Ebene geändert werden können. Somit kann im Rahmen eines BilMoG das HGB nur insoweit „entrümpelt“ werden, wie die nicht mehr zeitgemäßen Wahlrechte auf Mitgliedstaatenwahlrechten zurückzuführen sind. Bei diesen kann nämlich auf nationaler Ebene entschieden werden, ob das Wahlrecht zur Ausübung an die bilanzierenden Gesellschaften weitergegeben oder je nach dem ein Bilanzierungsgebot oder -verbot eingeführt werden soll.

Eine Besonderheit der deutschen Handelsbilanz ist ihre Maßgeblichkeit für die Steuerbilanz.12 Änderungen im dritten Buch des HGB können sich folglich direkt auf die steuerliche Gewinnermittlung auswirken. Auch indirekte Beeinflussungen sind möglich, und zwar dann, wenn handelsrechtliche Änderungen der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung Einfluss auf das Bilanzsteuerrecht nehmen.13 Es ist also für den Entwurf eines BilMoG darauf zu achten, dass für die Unternehmen Steuerneutralität14 herrscht und nicht durch handelsrechtliche Gesetzesänderungen eine Steuererhöhung sozusagen durch die Hintertür erwirkt wird.

Als weitere wesentliche Voraussetzung kann man die weitgehende Orientierung an den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) ansehen. Diese bilden „die abstrakte Grundlage für Information, Gläubigerschutz und Ausschüttungsbemessung“15 im HGB. Zwar ist ihre Einhaltung nicht zwingend, jedoch müssen Abweichungen von ihnen besonders rechtfertigt werden können. Vorab kann aber gesagt werden, dass die GoB in ihrer jetzigen Form nicht werden bestehen bleiben können.16

Der Deutsche Standardisierungsrat (DSR) stellt weiterhin an seine Vorschläge für ein Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz die Prämisse, im Namen der besseren innerdeutschen Vergleichbarkeit Mitgliedstaatenwahlrechte so auszuüben, dass sich die Regelungen im Jahres- und im Konzernabschluss weitgehend entsprechen.17

2.3 Nutzen

Durch das BilMoG wird eine verbesserte europäische und internationale Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen angestrebt. Eine Vielzahl der voraussichtlichen Änderungen orientiert sich an den europäischen Vorgaben. Diese wiederum wurden im Hinblick auf die IAS/IFRS reformiert. Die Zielrichtung wird also durch weltweit bestehende einheitliche Standards vorgegeben. Diese Bewegung zeigt eine eindeutige Hinwendung zur kapitalmarktorientierten Rechnungslegung. So bringen vereinheitlichte Standards auf der einen Seite weniger Transaktionskosten mit sich, auf der anderen Seite sind die IAS/IFRS n.h.M. für Zwecke der Investorenkommunikation den Vorschriften des HGB überlegen. Finanzinvestoren können durch sie besser mit entscheidungsrelevanten Informationen ausgestattet werden, was den Unternehmen auf diese Weise die Kapitalaufnahme erleichtert. Andersherum bedeutet das aber, dass Gesellschaften, die nicht nach internationalen Vorschriften bilanzieren, einen Wettbewerbsnachteil erleiden. Dieser soll durch eine Angleichung des HGB an die IAS/IFRS reduziert werden.

3 Mögliche Änderungen der handelsrechtlichen Rechnungslegung

3.1 Abschaffung von Wahlrechten

Die von der Bundesregierung geforderte „Durchforstung und ‚Entrümpelung’“ des HGB18 vollzieht sich in mehreren Schritten. Zunächst müssen die Ansatz- und Bewertungswahlrechte identifiziert werden. Diese werden anschließend mit den Regelungen der IAS/IFRS verglichen, was dem ausgegebenen Ziel der Internationalisierung Rechnung tragen soll. Werden hierbei Abweichungen festgestellt, so ist zu prüfen, ob einer Angleichung an die IAS/IFRS eine der oben genannten Restriktionen entgegensteht. Bis hierhin lässt dieses schrittweise Vorgehen eine recht klare und annähernd objektive Einschätzung zu. Danach zeigen sich jedoch unterschiedliche Strömungen in der Literatur:

Während einige Autoren den praktischen Nutzen einiger Wahlrechte insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen in der Rechtsform der Personengesellschaft besonders hervorheben,19 zielen die Vorschläge anderer auf eine möglichst genaue Übereinstimmung mit internationalen Standards ab.20 Wieder andere legen besonderen Wert auf die Einhaltung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung.21

Die nachfolgende Analyse zur Disposition stehender Ansatz- und Bewertungswahlrechte ist nicht abschließend. Insbesondere wurden nur Regelungen zum Einzelabschluss untersucht.22 Die Bundesregierung stellt jedoch im Maßnahmenkatalog unmissverständlich klar, dass sowohl Einzel- als auch Konzernabschluss von der Modernisierung betroffen sein sollen.23

3.1.1 Aufwandsrückstellungen

Aufwandsrückstellungen können als Verpflichtung des Bilanzierenden gegenüber sich selbst verstanden werden (so genannte Innenverpflichtungen), die hinsichtlich ihrer Höhe und des Zeitpunktes ihres Eintritts ungewiss sind.24 Für diese sieht das HGB gem. § 249 Abs. 1 S. 3 und Abs. 2 HGB ein Wahlrecht vor.

IAS 37 erlaubt die Bildung von Rückstellungen grundsätzlich nur für ungewisse Verbindlichkeiten gegenüber Dritten.25 Somit wäre im Sinne der Übereinstimmung des HGB mit den IAS eine Abschaffung des Wahlrechts zugunsten eines Aktivierungsverbotes für Aufwandsrückstellungen erstrebenswert.

Europarechtlich steht dem nichts entgegen, da der Art. 20 Abs. 2 der 4. EGRichtlinie ein Mitgliedstaatenwahlrecht vorsieht. Aus steuerlicher Sicht hätte die Streichung des Wahlrechts ebenfalls keine Konsequenzen, da Rückstellungen gegenüber sich selbst hier nicht anerkannt werden.26 Es ergeben sich daher auch Zweifel an ihrer praktischen Bedeutung: so können durch ihre Bildung zwar keine positiven Steuereffekte erzielt werden, wohl aber mindert sich der handelsrechtliche Gewinnausweis, mit negativen Folgen für die Außendarstellung des Unternehmens und wohl auch für die Tantiemenzahlungen an den Vorstand.

Schon im Maßnahmenkatalog der Bundesregierung wurde das Wahlrecht zur Aufstellung von Aufwandsrückstellungen als Beispiel eines Entrümpelungsziels erwähnt und auch in der Literatur wird seine Abschaffung weitestgehend befürwortet.27

3.1.2 Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs

§ 269 HGB sieht für Ingangsetzungs- und Erweiterungsaufwendungen ein Aktivierungswahlrecht als Bilanzierungshilfe vor. Bilanzierungshilfen werden steuerrechtlich nicht anerkannt, da sie nicht den Tatbestand eines Wirtschaftsgutes erfüllen.

Zur Disposition steht, ob anstatt des Wahlrechtes ein Aktivierungsverbot eingeführt werden sollte. Die 4. EG-Richtlinie steht dem nicht durch ein Unternehmenswahlrecht im Wege.

Die IFRS kennen keine Bilanzierungshilfen. Jedoch müssen Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs nach IFRS aktiviert werden, sofern sie die Eigenschaft eines Asset aufweisen, was insbesondere bei selbst erstellten immateriellen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens häufig der Fall ist. Für diese besteht jedoch gem. § 248 Abs. 2 HGB (noch) ein Ansatzverbot.28 Somit ist eine Harmonisierung nur vollständig möglich, wenn gleichzeitig beide Paragraphen entsprechend geändert würden.29

Allerdings sollte dabei anerkannt werden, dass die Regelung des § 269 HGB eine gewisse praktische Relevanz aufweist: Sie verhindert, dass wegen Verlustes des halben Grund- oder Stammkapitals eine außerordentliche Haupt- oder Gesellschafterversammlung einberufen werden muss.30 Da darüber hinaus die Kapitalerhaltung im Sinne des Gläubigerschutzes durch eine Ausschüttungssperre gesichert ist31, sprechen sich in diesem Falle einige Diskussionsteilnehmer auch für eine Beibehaltung des Wahlrechtes aus.32 Es könnte dann allerdings auf Ingangsetzungskosten beschränkt werden, da die Abgrenzung zwischen der Erweiterung und der bloßen Ausdehnung des Geschäftsbetriebs als schwierig angesehen wird.33

3.1.3 Derivativer Geschäfts- oder Firmenwert

Dem handelsrechtlichen Wahlrecht, einen nicht selbst geschaffenen Geschäfts- oder Firmenwert zu aktivieren (§ 255 Abs. 4 S. 1 HGB) steht eine Aktivierungspflicht im IFRS und im EStG gegenüber. Eine Anpassung des HGB an die internationalen Normen ist europarechtlich unbedenklich.

Umstritten ist, ob der derivative Geschäfts- oder Firmenwert (GoF) ein Vermögensgegenstand ist.34 Einigkeit dürfte hingegen darüber herrschen, dass der GoF über einen gewissen Zeitraum genutzt werden kann und somit die mit ihm verbundenen Aufwendungen den Charakter von Anschaffungskosten tragen.35 Eine sofortige erfolgswirksame Behandlung berücksichtigt dies aber nicht. Somit ist es wahrscheinlich, dass das Aktivierungswahlrecht zugunsten einer Aktivierungspflicht aufgehoben wird. Den gleichen Effekt hätte eine Aufnahme des GoF in die Aufzählung des § 246 Abs. 1 S. 1 HGB.36

Spannend ist die Frage, wie ein aktivierter Geschäfts- oder Firmenwert in der Folge bewertet werden soll. Der deutsche Gesetzgeber gibt bis dato das Mitgliedstaatenwahlrecht der 4. EG-Richtlinie37 im § 255 Abs. 4 HGB an die Unternehmen weiter. Danach ist der GoF gem. S.2 in jedem Jahr zu mindestens einem Viertel durch Abschreibungen zu tilgen; er kann aber auch gem. S. 3 planmäßig über die voraussichtliche Nutzungsdauer verteilt werden. S.3 wurde damals mit dem Ziel eingeführt, den Bilanzierenden die Möglichkeit zu geben, die Abschreibung des GoF in Einklang mit der steuerlichen Abschreibung vorzunehmen.38 Das EStG sieht nämlich eine Abschreibung über 15 Jahre vor.39

Die internationale Rechnungslegung rückt dagegen vollständig von der planmäßigen Abschreibung ab. Gem. IFRS 3.55 muss für die Folgebewertung des GoF jedes Jahr ein so genannter Niederstwerttest (Impairment Test) durchgeführt werden. Eine Abschreibung muss dabei dann erfolgen, wenn der ‚Recoverable Amount’ den Buchwert unterschreitet. Dabei ist der ‚Recoverable Amount’ jeweils der höhere Wert aus dem ‚Net Selling Price’40 und dem ‚Value in Use’41.

Eine Übernahme der Impairment Test Regelung wird im deutschen Schrifttum jedoch weitestgehend abgelehnt. Zum einen ist sie nicht vereinbar mit der europäischen Bilanzrichtlichtlinie, zum anderen wird argumentiert, dass der Impairment Test dem Charakter eines GoF nicht entspricht. Eine planmäßige Abschreibung ist aus dem Grunde sinnvoll, dass sie dem GoF eine Abnutzbarkeit unterstellt.42 Somit kann z.B. dargestellt werden, dass ein übernommener Kundenstamm nicht in alle Ewigkeit erhalten bleibt. Vielmehr gehen auch alte Stammkunden verloren und neue werden gewonnen. Der derivative Geschäfts- oder Firmenwert nimmt also mit der Zeit immer mehr originären Charakter an.

Sollte die planmäßige Abschreibung also beibehalten werden, stellt sich noch die Frage, über welchen Zeitraum abgeschrieben werden sollte. Ein Standpunkt dabei ist, dass eine kurze strikte Abschreibungsdauer dem Vorsichtsprinzip besser Rechnung trägt.43 Somit wäre eine Abschreibung über vier Jahre zu bevorzugen. Auf der anderen Seite wird als zweckmäßig erachtet, die handelsrechtliche Rechnungslegung doch wenigstens an das Steuerrecht anzupassen.44 Dann wäre eine Abschreibung über die Nutzungsdauer vorzuschreiben und die Nutzungsdauer auf 15 Jahre festzulegen.

3.1.4 Gemildertes Niederstwertprinzip

Vermögensgegenstände des Anlagevermögens dürfen gem. § 253 Abs. 2 S. 3 HGB mit einem niedrigeren beizulegenden Wert angesetzt werden, selbst wenn die Wertminderung voraussichtlich nur vorübergehender Natur ist.

[...]


1 Vgl. Bundesregierung 2003.

2 Vorausgegangen waren der Untergang des neuen Marktes und die Bilanzskandale um die Unternehmen Holzmann und Enron.

3 Bundesregierung 2003, Punkt 4.

4 VO (EG) Nr. 1606/2002.

5 EG-RL 2003/38/EG.

6 EG-RL 2001/165/EG.

7 EG-RL 2003/51/EG.

8 Vgl. Knorr 2004, S. 85-91.

9 Quelle: Jessen/Weller 2006a, S. 489.

10 Begr BilReG, S. 40 und 48.

11 Vgl. Jessen/Weller 2005a, S. 490.

12 Diese geht aus § 5 Abs. 1 EStG hervor.

13 Vgl. Grotherr 2001, S. 149.

14 Vgl. DSR 2005, S. 2.

15 Schulze-Osterloh 2004, S. 1129.

16 Als Beispiel ist hier die geplante Einführung der Fair-Value Bewertung von Finanzinstrumenten zu nennen, die im Konflikt mit dem Realisationsprinzip steht.

17 Vgl. DSR 2005, S. 2.

18 Bundesregierung 2003.

19 Vgl. z.B. Jessen/Weller 2005a; Lehwald 2006.

20 Vgl. z.B. DSR 2005.

21 Vgl. z.B. Schulze-Osterloh 2004.

22 Für eine ausgiebige Auseinandersetzung mit einzelnen Wahlrechten sei verwiesen auf die Beiträge von Breker 2004, Jessen/Weller 2005a und 2005b, Schulze-Osterloh 2004, DSR 2005. Zur Analyse von Wahlrechten im Konzernabschluss vgl. Busse von Colbe 2004.

23 Vgl. Bundesregierung 2003.

24 Umkehrschluss aus R 31c S.1 EStR.

25 Vgl. Breker 2004, S. 14; DSR 2005, S. 3.

26 Vgl. R 31c Abs. 2 Nr. 1 EStR.

27 Vgl. Breker 2004, S. 14; Schulze-Osterloh 2004, S. 1132; DSR 2005, S.3; Gegenmeinung: Jessen/Weller 2005a, S. 491.

28 Eine Abschaffung dieses Verbots wird ebenfalls diskutiert.

29 Vgl. Breker 2004, S. 10.

30 Gem. § 92 Abs. 1 AktG bzw. § 49 Abs. 3 GmbHG.

31 § 269 S. 2 HGB.

32 Vgl. Jessen/Weller 2005a, S.492-493; Schulze-Osterloh 2004, S. 1131-1132.

33 Vgl. Schulze-Osterloh 2004, S. 1132.

34 Der DSR ist dieser Auffassung, vgl. DSR 2005, S. 4-5; Schulze-Osterloh ist dieser Auffassung nicht, vgl. Schulze-Osterloh 2004, S. 1131.

35 Vgl. Schulze-Osterloh 2004, S. 1131.

36 Vgl. Breker 2004, S. 11.

37 Art. 37 Abs. 2 i.V.m. Art. 34 Abs. 1 Buchstabe a.

38 Vgl. Schulze-Osterloh 2004, S. 1131.

39 § 7 Abs. 1 S. 3 EStG.

40 Zu Deutsch etwa ‚Nettoveräußerungspreis’, vgl. Breker 2004, S.15.

41 Zu Deutsch etwa ‚Wert aus der weiteren Nutzung des Asset’, vgl. Breker 2004, S.15.

42 Vgl. Breker 2004, S. 16.

43 Vgl. Schulze-Osterloh 2004, S. 1131.

44 Vgl. DSR 2005, S. 10-11.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Geplante Inhalte des Referentenentwurfs eines Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMog/BilModG) und Auswirkungen auf die Abschlussprüfung
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
32
Katalognummer
V75461
ISBN (eBook)
9783638808491
ISBN (Buch)
9783656057970
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geplante, Inhalte, Referentenentwurfs, Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes, Auswirkungen, Abschlussprüfung
Arbeit zitieren
Stephan Kochen (Autor), 2006, Geplante Inhalte des Referentenentwurfs eines Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMog/BilModG) und Auswirkungen auf die Abschlussprüfung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75461

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