Strategien zur Kapitalbeschaffung und Bilanzoptimierung im Rahmen der modernen Unternehmensfinanzierung


Bachelorarbeit, 2007
47 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Eineitung
1.1. Zielsetzung der Arbeit
1.2. Struktur der Arbeit
1.3. Thematische Abgrenzung

2. Theoretischer Hintergrund der Kapitalbeschaffung
2.1. Aktuelle Kreditvergabepraxis aus Sicht der Banken nach Basel II
2.2. Kriterien zur Beurteilung der Bonität
2.3. Ansätze zur Optimierung der Bonität

3. Finanzierungsinstrumente und deren unternehmensspezifische Anwendung im Rah- men der Bilanzoptimierung
3.1. Darstellung der Instrumente
3.1.1. Fremdkapitalinstrumente
3.1.2. Mezzanine-Kapitalinstrumente
3.1.3. Eigenkapitalinstrumente
3.2. Strategischer Bezugsrahmen für anwendungsspezifische Szenarien

4. Umsetzung von Finanzierungsmaßnahmen

4.1. Theoretischer Hintergrund der Umsetzung

4.2. Instrumente zur Unterstützung der Umsetzung von Finanzierungsmaßnahmen

5. Zusammenfassende Schlussbetrachtung und Ausblick

6. Abbildungen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die drei Säulen von Basel II

Abbildung 2: Rating-Skala nach Moody’s und Standard&Poor’s

Abbildung 3: Die drei Säulen der erfolgreichen Unternehmensfinanzierung

Abbildung 4: Abhängigkeit der Kapitalkosten von der Publizität

Abbildung 5: Die vier Ausgangssituationen für das Finanzmanagement am Finanzmarkt ..

Abbildung 6: Zuordnung der Finanzierungsinstrumente zu anwendungsspezifischen Szenarien

Abbildung 7: Charakteristika der Finanzierungsinstrumente

Abbildung 8: Freiwillige Kommunikationskanäle

Abbildung 9: Bewertung der Kommunikationskanäle

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Seit je her werden als grundlegendes Element des unternehmerischen Wertschöpfungsprozes- ses und der Geschäftstätigkeit zur Erzielung von Gewinnen Finanzmittel benötigt. Jedoch haben sich aufgrund veränderter Rahmenbedingungen die Konditionen und Kriterien zur Ka- pitalbeschaffung in den letzten Jahren stark verändert. Das vom Baseler Ausschuss für Ban- kenaufsicht aufgestellte neue Reglement „Basel II“1 stellt mit seinen 3 Säulen Mindestkapi- talanforderungen, aufsichtsrechtliches Überprüfungsverfahren und erweiterte Offenlegung bzw. Förderung der Marktdisziplin für Banken, besonders aber für Unternehmen, eine neue Herausforderung dar. Offiziell soll der neue Akkord Anfang 20072 innerhalb der Europäi- schen Union in Kraft treten, doch schon heute zeigen sich erste Auswirkungen dieses Regel- werkes auf dem Kapitalmarkt, indem sie bereits in der täglichen Praxis der Kreditvergabe Anwendung finden.3 Als unmittelbare Konsequenz wird stärker als zuvor die Bonität des Kreditnehmers gewichtet, denn die Kreditvergabe wird zukünftig mehr als zuvor nach den wirtschaftlichen Verhältnissen des jeweiligen Unternehmens erfolgen. Demnach müssen sich die Unternehmen einem Rating4 unterziehen, um gute Konditionen bei der Finanzierung zu erreichen, oder um überhaupt an einem Kreditgeschäft beteiligt sein zu können. Bei der Er- zielung einer hohen Bonität bedarf es somit oft eines Anpassungsprozesses der Kapitalstruk- tur, ebenso wie durch den wachsenden Wettbewerbsdruck einer unumgänglich gewordenen Finanzierungsflexibilität bei der Kapitalaufnahme. Besonders dem Mittelstand fällt es schwer diese Hürde zu nehmen und sich auf neue Situationen am Kapitalmarkt einzustellen, um wei- terhin im globalen Konkurrenzkampf bestehen zu können.

Vor dem Hintergrund, dass zunehmend die traditionelle Unternehmensfinanzierung von den veränderten „Spielregeln“ tangiert wird, ist es besonders wichtig zu beachten, sich rechtzeitig mit den neuen Rahmenbedingungen vertraut zu machen, um auch in Zukunft weiterhin über eine effiziente Kapitalstruktur, sowie über den Zugang zu einer möglichst kostengünstigen Kapitalbeschaffung zu verfügen.

1.1. Zielsetzung der Arbeit

Die verschiedenen Möglichkeiten zur Strukturierung von Kapital durch unterschiedliche Formen der Kapitalbeschaffung sollen im Folgenden dargestellt und analysiert werden. Zu- dem werden Handlungsanweisungen und Empfehlungen gegeben, die durch Nutzung von traditionellen und nicht traditionellen Finanzierungsinstrumenten zu einer höheren Bonität und somit zu einem verbesserten Rating im Zuge des Eigenkapitalakkords „Basel II“ führen. Das Ziel ist es, ein Verständnis zu entwickeln, wie und anhand welcher Instrumente Unter- nehmen in Abhängigkeit des jeweiligen Finanzierungsanlasses erfolgreich zusätzliches Kapi- tal aufnehmen können.

1.2. Struktur der Arbeit

Vor dem Hintergrund der oben genannten Zielsetzung teilt sich die Arbeit in fünf Kapital auf. Nach einer kurzen Einleitung befasst sich Kapitel 2 mit dem theoretischen Hintergrund der Kapitalbeschaffung im Hinblick auf die aktuelle Kreditvergabepraxis. Hierzu werden Ansät- ze zur Bonitätsbeurteilung, sowie zur Bonitätsverbesserung vorgestellt. Basierend auf den in Kapitel 2 gewonnen Erkenntnissen, werden in Kapitel 3 relevante Finanzierungsinstrumente und deren situationsspezifische Anwendungsgebiete vorgestellt und vor dem Hintergrund der Bilanzoptimierung analysiert. Kapitel 4 befasst sich schließlich mit der Umsetzung von Fi- nanzierungsmaßnahmen und erläutert zentrale Instrumente zur Unterstützung der Implemen- tierung. Zwecks besserer Lesbarkeit verwendet diese Arbeit ein getrenntes Abbildungs- und Tabellenverzeichnis.

1.3. Thematische Abgrenzung

Im Folgenden werden die verschiedenen Maßnahmen zur Kapitalbeschaffung ausschließlich durch die Außenfinanzierung unter handelsrechtlichen Aspekten beleuchtet. In der Praxis sind jedoch gleichermaßen die steuerrechtlichen Auswirkungen einzelner Finanzierungsmaß- nahmen von ausschlaggebender Bedeutung, so dass ebenfalls die Optimierung der Unter- nehmensfinanzen unter steuerrechtlichen Gesichtspunkten in den Prozess der Kapitalbeschaf- fung mit einzubeziehen ist. Aufgrund ihrer Komplexität werden diese Aspekte jedoch nicht beleuchtet. Des Weiteren konzentriert sich die Optimierung der Bilanz ausschließlich auf die Verbesserung der Kapitalstruktur in Bezug auf die Passivseite. Grundlage der bilanziellen Aspekte ist das HGB, IFRS und US-GAAP werden im Folgenden außer Acht gelassen.

2. Theoretischer Hintergrund der Kapitalbeschaffung

Zu den zentralen Aufgaben der Unternehmensfinanzierung gehören neben der jederzeitigen Sicherstellung der Liquidität eine möglichst kostengünstige Finanzierung, sowie die Einbet- tung der finanziellen Tätigkeiten in die Unternehmensstrategie.5 Sie stellt keine primäre Un- ternehmensfunktion dar, sondern gilt als Hilfsfunktion 2. Grades, indem sie die leistungswirt- schaftlichen Prozesse eines Unternehmens ermöglicht. In diesem Zusammenhang sollte die Wahl des Finanzierungsweges grundsätzlich die Ziele des Managements unterstützen. Der durch die Leistungserbringung bestehende Kapitalbedarf muss durch finanzielle Mittel ge- deckt werden. Nicht nur in der Gründungsphase eines Unternehmens gilt es von außen Kapi- tal zu beschaffen. Auch in den späteren Entwicklungsphasen besteht die Notwendigkeit ex- ternes Kapital zu beschaffen, da die Innenfinanzierung naturgemäß bestimmte Grenzen hat.

Der Kapitalmarkt hält sowohl für große, als auch für kleine und mittlere Unternehmen eine Fülle von Finanzierungsinstrumenten bereit. Allerdings ist der Erfolg unterschiedlicher Strategien zur Kapitalbeschaffung nicht allein von der Unternehmensgröße abhängig. Die Rechtsform, Bonität und der Finanzierungsanlass üben nicht selten einen entscheidenden Einfluss auf die Möglichkeiten der Mittelaufnahme aus. Eine „intelligente“ Unternehmensfinanzierung beinhaltet somit eine für den Verwendungszweck und Unternehmenszustand optimale Selektion aller zur Verfügung stehenden Finanzierungsbausteine.

2.1. Aktuelle Kapitalvergabepraxis aus Sicht der Kapitalgeber nach „Basel II“

Als Reaktion auf mehrere große Bankenzusammenbrüche wurde 1988 die Eigenkapitalver- einbarung „Basel I“ von den Bankaufsichtsbehörden der G10 Länder erlassen.6 Dieses Re- gelwerk forderte eine Eigenkapitalunterlegung der Kredite von pauschal 8%, um die durch den Konkurrenzkampf stark gesunkene Eigenkapitalquote im Bankensektor anzuheben, dem Ruin der Kreditinstitute vorzubeugen und deren unterschiedliche Niveaus der Eigenkapitalausstattungen anzugleichen.7 Dies bedeutet, dass bislang jedes Kreditrisiko prozentual gesehen gleich bewertet wurde oder, anders ausgedrückt, unterschiedliche Kreditrisiken hatten somit den gleichen Preis.

Durch die Globalisierung der Märkte und die verstärkten internationalen Tätigkeiten der Kreditgeber sind in den letzten Jahren die Risikostrukturen dieser Institutionen deutlich komplexer geworden,8 so dass die Pauschale des eingesetzten Eigenkapitals unzureichend das Kreditrisiko widerspiegelt. Der vom Baseler Ausschuss aufgestellte neue Baseler Akkord II, kurz „Basel II“, ersetzt die ursprünglichen Richtlinien. „Basel II“ erlaubt eine exaktere Ab- schätzung der mit dem finanziellen Engagement verbundenen Risiken,9 indem durch die Of- fenlegungspflichten der Unternehmen und eine verbesserte Beaufsichtigung seitens der Ban- ken eine größere Transparenz zwischen Unternehmen und Geldinstituten gefordert wird.10 Die Eigenkapitalunterlegung erfolgt künftig nicht mehr pauschal, sondern in Abhängigkeit vom Ausfallrisiko des Kredites,11 welches wiederum stark von der Kreditwürdigkeit, also der Bonität des Kapitalnehmers abhängt. Die Einschätzung der Bonität wird auf Basis eines Ra- tings durchgeführt und entscheidet letztlich über die individuellen Kreditkonditionen. Ziel eines solchen Bewertungsverfahrens ist es, sowohl die Wahrscheinlichkeit des Schuldendien- stes und somit die termingerechte sowie vollständige Rückzahlung der zur Verfügung gestell- ten Geldmittel zu ermitteln, als auch die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Erfüllung des vorgelegten Geschäftsplanes zu bestimmen. Bei Kreditgeschäften mit Unternehmen, die eine gute Bonität vorweisen können, reicht eine Eigenkapitalunterlegung von weniger als 8%. Das Ausfallrisiko ist gering, so dass auch die Konditionen für das Unternehmen günstig sind. Ist die Bonität schlecht, ist eine Reservierung von mehr Eigenkapital notwendig. In diesem Fall ist das Kreditrisiko hoch, welches sich wiederum in ungünstigeren Konditionen nieder- schlägt.12

Nach den neuen Kreditvergabe- und Eigenkapitalrichtlinien benötigen Banken und vergleichbare Investoren bei einem höheren Kreditrisiko einen angemessenen „Risikopuffer“ in Form von Eigenkapital. Durch diese erhöhte Zuführung von Eigenkapital geraten die Inve- storen verstärkt in Abhängigkeit von dem Unternehmen. Um sich aus diesen Abhängigkeits- strukturen zu lösen, sind die Kreditinstitute gezwungen, ihre Geschäftspolitik neu auszurich- ten und künftig zunehmend eine bonitäts-, risiko-, und margenabhängige Kreditvergabe zu vollziehen.13 Auf der Bankenebene findet so die von der Bankenaufsicht geforderte Optimie- rung des Kreditrisikomanagements statt.14 Infolgedessen untersagen das erhöhte Risikobe- wusstsein der Finanzinstitute und die aufsichtsrechtlichen Vorschriften Kreditbeziehungen zu Unternehmen mit mangelnder Bonität und damit gegebenenfalls auch langjährige Kreditbe- ziehungen zu traditionsreichen Unternehmen.15 Die veränderten Rahmenbedingungen bezüg- lich der Kreditvergabepraxis führen folglich im Allgemeinen zu einer restriktiven Einstellung der Kapitalgeber und begründen den Rückgang der Kreditgewährung in seiner bisherigen Form.16

Doch nicht nur für Banken, sondern für Fremdkapitalgeber im Allgemeinen bedeutet die durch das Rating erfolgte Bonitätsbeurteilung eine Einschätzung des Ausfallrisikos und dient damit als sinnvolle Grundlage für die Kreditbeziehung. Für Eigenkapitalgeber ermöglicht das Rating durch die Einschätzung der wirtschaftlichen und finanziellen Stärke des Unternehmens Aussagen über die Erzielung zukünftiger Gewinne und wird auch in diesem Zusammenhang als Investitionsgrundlage herangezogen.

2.2. Kriterien zur Beurteilung der Bonität von Kapitalnehmern

Die objektive Bewertung der Bonität eines Unternehmens kann im Rahmen eines internen Ratings durch Kreditinstitute sowie eines externen Ratings durch sogenannte Ratingagentu- ren erfolgen. Als Basis eines solchen Ratingprozesses werden sowohl quantitative Faktoren als auch qualitative Faktoren herangezogen.17 Der Kriterienkorb kann durch Warnsignale und Besicherung des Kredites erweitert werden.18 Durch standardisierte Verfahren werden diese Kriterien zu einem Ratingergebnis verdichtet, um die Ausfallwahrscheinlichkeit zu bestim- men. Das Unternehmen kann schließlich in unterschiedliche Risikoklassen eingestuft wer- den.19

Quantitative Faktoren

Die quantitativen Faktoren werden durch Daten und Zahlen aus der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Kapitalflussrechnung bereitgestellt. Diese Finanzkennzahlen ge- ben in unterschiedlicher Weise Aufschluss über die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Finanzsituation eines Unternehmens. Im Folgenden wird ein Auszug der quantitativen Fakto- ren beleuchtet.

Die weitaus bedeutendsten quantitativen Indikatoren sind Eigenkapitalquote, Fremd- kapitalquote und der Verschuldungsgrad. Die Eigenkapitalquote, gibt nicht nur Auskunft über die eigene Finanzkraft und Liquidität des Unternehmens, sondern auch über die relative Höhe des haftenden Kapitals.20 Die zur Verfügung stehenden Sicherheiten können den festen und unumgänglichen Zahlungsverpflichtungen, die das Fremdkapital erfordert, gegenüberge- stellt werden. Infolgedessen können Aussagen über die Ausgewogenheit der Finanzierung getroffen werden. Die mit der Verschuldung eintretenden Verbindlichkeiten engen den Hand- lungsspielraum des Unternehmens ein. Je geringer die Verschuldung und je höher das haften- de Kapital ist, desto stärker ist die Flexibilität und Leistung des Finanzmanagements.

Neben der Kapitalstruktur werden der Kapitalfluss und die Liquiditätslage besonders beachtet. Die Kapitalflussrechnung gibt zum einen Aufschluss über eventuelle finanzielle Engpässe, die den Produktionsprozess einschränken und somit sogar in existenzgefährdende Krisensituationen führen können, zum anderen stellt der Kapitalfluss Informationen bereit, die Rückschlüsse auf das Deckungspotential, wie zum Beispiel die Dividendenstärke und Schuldendienstfähigkeit, erlauben.21 Anhand des Kapitalflusses kann folglich die Fähigkeit des Unternehmens abgeleitet werden, durch betriebliche Erträge und somit aus eigener Kraft den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. In diesem Zusammenhang ermöglicht die Li- quiditätslage zusätzliche Aussagen über die finanziellen Reserven eines Unternehmens. In unterschiedlichen Liquiditätsstufen werden nicht nur die monetären, direkt einsetzbaren fi- nanziellen Mittel berücksichtigt, sondern auch mittelbar verfügbare Finanzvolumina. Im Falle eines Zahlungsengpasses können diese freigesetzt werden, um die fälligen Verbindlichkeiten weiterhin fristgerecht erfüllen zu können, ohne dass die Notwendigkeit besteht, zusätzliches Kapital extern zu beschaffen.

Anhand der Umsatzzahlen und der Bilanzsumme können Schlussfolgerungen über die Unternehmensgröße getroffen werden. Das Erreichen einer Mindestgröße eines Unternehmens gilt, besonders im klassischen Firmenkundengeschäft, als Grundvoraussetzung für ein finanzielles Engagement.22 Durch die Darstellung der Entwicklung dieser Größen über mehrere Geschäftsperioden, wird die Stabilität und Konstanz der unternehmerischen Tätigkeit erkennbar.23 Diese haben Einfluss auf die Kreditwürdigkeit und bestimmen somit die Modalitäten der Kreditgewährung oder der Investition.

Des Weiteren werden die Rentabilitätszahlen in die quantitative Analyse einbezogen. Sie erlauben Aussagen über die Leistungsfähigkeit und den Erfolg eines Unternehmens, in- dem sie den Gewinn auf das eingesetzte Kapital beziehen. Für Investoren und Kreditgeber sind diese Kennzahlen von Bedeutung, da von diesen Aussagen über die Ertragsstärke des Zielunternehmens abgeleitet werden können. Somit ist es möglich, abzuschätzen, inwieweit das Unternehmen in der Lage ist, Schulden zu tilgen bzw. Dividenden auszuschütten.

Die Daten und Zahlen der Rechnungslegung decken jedoch nicht ausreichend den Informationsbedarf des Finanzmarktes.24 Diese Angaben sind ausschließlich vergangenheitsorientiert und erklären nur die finanzielle Situation innerhalb einer Unternehmung. Durch die Betrachtung der Kennzahlen aus mehreren Berichtsperioden, kann die unternehmensspezifische Entwicklung aus der Vergangenheit abgeleitet werden. Durch diese Unternehmenshistorie lassen sich, wenn auch nur in begrenztem Ausmaß, wertvolle Hinweise über die zukünftige Geschäftsentwicklung erkennen.25 Um genauere Aussagen über die zukünftige Entwicklung und das operationelle Risiko treffen zu können, werden zusätzlich die qualitativen Beschaffenheiten einer Unternehmung herangezogen und bewertet.

Qualitative Faktoren

Die qualitative Analyse eines Unternehmens anhand der sogenannten weichen Faktoren be- ruht nicht auf vergangenheitsbezogenen Kennzahlen des Jahresabschlusses oder der be- triebswirtschaftlichen Planungsrechnung, sondern auf zukunftsgerichteten Faktoren. Hier werden die Stärken und Schwächen eines Unternehmens beleuchtet, die nicht direkt aus dem Zahlenwerk erkennbar sind und sich folglich nur schwer rechenbar machen lassen.26 Ziel des qualitativen Ratings ist es, das Unternehmen ergänzend zu den wirtschaftlichen Verhältnissen und der Finanzsituation in seiner Gesamtheit zu bewerten.

Die Leistung des Managements ist in diesem Zusammenhang von zentraler Bedeu- tung. Sie erlaubt Schlussfolgerungen auf die Reaktionsfähigkeit des Unternehmens im Falle von veränderten Rahmenbedingungen des unternehmerischen Tätigkeitsfeldes.27 Die Trag- weite negativer Auswirkungen von Krisensituationen hängt folglich stark von der Fähigkeit des Managements ab. Zudem sind ausgeprägte Erfolgspotentiale und eine hohe Marktattrak- tivität kaum nutzbar, wenn das Management nicht in der Lage ist, diese Potentiale zu erken- nen und zu nutzen. Die Managementqualitäten werden anhand der fachlichen Qualifikation, der Berufserfahrung und Branchenkenntnis sowie aufgrund von Erfahrungswerten aus ver- gangenen Krisensituationen bewertet, falls die Investoren auf diese Informationen zurück- greifen können.28 Auch die Organisationsstruktur der Führungsebene hat Einfluss auf die Leistung des Managements, indem Zuständigkeiten und Entscheidungsbefugnisse klar und eindeutig geregelt sind, um Meinungsverschiedenheiten zu umgehen und den Geschäftsab- lauf nicht unnötig zu behindern. Die Effizienz der Arbeitsabläufe und die Übersichtlichkeit des Unternehmensaufbaus stellen Faktoren dar, die für die Beurteilung der Organisations- struktur wesentlich sind.

Die betriebswirtschaftliche Unternehmensanalyse aufgrund von weichen Indikatoren beinhaltet die qualitative Ausprägung des gesamten Humankapitals.29 Die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter untermalt die Flexibilität und Widerstandskraft der Unternehmung bei negativen Marktentwicklungen.

Ein weiteres qualitatives Kriterium ist die Forschung und Entwicklung.30 Der Auf- wand und Erfolg dieser unternehmerischen Tätigkeit lässt auf die Innovationsfähigkeit des Unternehmens schließen. Dies ermöglicht die Erschließung neuer Absatz- und Ertragspoten- tiale, welche wiederum für den Finanzmarkt wichtige Aussagen über das Wachstumspotential des Unternehmens sowie dessen Wettbewerbsposition erlauben. Der Erfolg der Forschungsund Entwicklungsarbeit lässt sich zum Beispiel anhand der Anzahl angemeldeter Patente oder Produkte, die sich im Stadium zwischen Entwicklung und Marktreife befinden, messen. Patente ermöglichen stetige Einnahmen und haben folglich positive Auswirkungen auf den Kapitalfluss sowie die GuV-Rechnung.

Die Güte der Unternehmensstrategie lässt sich anhand der Absatzmärkte messen. Das Absatzpotential hat ebenfalls entscheidenden Einfluss auf die Ertrags- und Umsatzstärke, die für den Finanzmarkt von großer Bedeutung sind.31

Unternehmensspezifische Risiken können des Weiteren aus der Markt- und Branchensituation sowie deren Entwicklung abgeleitet werden.32 Relevante Größen stellen in diesem Zusammenhang die Marktposition der einzelnen Produkte und deren Marktanteile dar. Die Entwicklung des Marktes und der Branche lässt auf eventuelle Wachstumspotentiale bzw. Absatzeinbrüche schließen. Auch das wirtschaftliche Umfeld, wie zum Beispiel der Kundenund Lieferantenstamm und die Abhängigkeit von diesen,33 beeinflusst das Verhandlungspotential in Bezug auf Preise und die Wettbewerbsstärke einer Unternehmung. Die Konkurrenzstruktur und deren Verhalten sowie die Wettbewerbsposition geben ebenfalls Aufschluss über eventuelle Risiken durch mögliche Einbrüche auf den Absatzmärkten.

Warnsignale

Im Rahmen der Bonitätsbeurteilung achten Kreditinstitute sowie Ratingagenturen auf Warnsignale, die als ergänzende Informationen herangezogen werden und grundsätzlich zu einer Abstufung der Bonitätsklasse führen.34 Diese können durch eine Kontoanalyse der bisherigen Kreditbeziehung sowie durch Auskünfte anderer Kreditgeber in Erfahrung gebracht werden. Sie finden Ausdruck in Betrugsfällen, Überziehung des vereinbarten Kredites oder sogar Problemen bei Zins- und Tilgungszahlungen. Auch Kreditkündigungen anderer Banken erhöhen in der Regel das unternehmerische Risiko.35

Haftungsverbünde

Haftungsverhältnisse stellen nicht notgedrungen vorhandene Sicherheiten dar, die zur Ver- meidung des Kreditausfalls dienen. Haftungsverbünde aufgrund von Unternehmensverflechtungen können je nach Bonität beteiligter Unternehmen sowohl Chancen als auch Risiken für die Unternehmung bedeuten,36 und werden deshalb ebenfalls in den Ratingprozess mit einge- bunden. Zum einen kann bei Unterbleiben von Rückzahlungen der Verbindlichkeiten infolge finanzieller Engpässe auf finanzielle Unterstützung zurückgegriffen werden, zum anderen können durch Haftungsverpflichtungen Finanzmittel an andere Unternehmen abfließen.

Die quantitativen und qualitativen Eigenschaften sind nicht getrennt voneinander zu betrachten, da zwischen ihnen enge Wechselbeziehungen bestehen.37 Nur durch die Verdichtung beider Kriterien lassen sich die zukünftigen Perspektiven des Unternehmens und die Stärke im Wettbewerb darstellen.

2.3. Ansätze zur Optimierung der Bonität

Nun stellt sich die Frage, wie ein Kapitalnehmer seine Bonität verbessern kann, um auf dem Finanzmarkt möglichst günstige Konditionen für die Mittelüberlassung zu erhalten. Die tat- sächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse unter Berücksichtigung der quantitativen und quali- tativen Einflussfaktoren auf der einen Seite und die Darstellung dieser auf der anderen Seite bestimmen die Attraktivität eines Unternehmens für Kreditgeber und andere Investoren.38 Ein erfolgreiches Finanzmanagement basiert infolgedessen auch auf einer kompetenten Kommu- nikation und einem hohen Maß an Transparenz durch Bereitstellung von relevanten Informa- tionen sowie deren präziser Dokumentation.39 Ziel dabei ist es, den Geldgebern ein vertrau- enswürdiges Bild der Unternehmensführung zu bieten, denn Vertrauen ist die Basis für ein finanzielles Engagement von potentiellen Investoren und Kreditgebern.

Die Bestandsaufnahme des Unternehmens stellt die Grundlage für eine angemessene Darstellung der Chance-Risiko-Relation dar. Diese beinhaltet alle relevanten Größen sowie die Beschaffenheit der wesentlichen Einflussfaktoren.40 Infolge dessen ist eine umfassende und möglichst exakte Analyse der eigenen Unternehmung notwendige Vorraussetzung für eine effiziente und erfolgreiche Unternehmensfinanzierung und wird als erste Säule der er- folgreichen Unternehmensfinanzierung verstanden. Darüber hinaus ermöglicht eine analytische und gewissenhafte Vorbereitung auf das Rating einen Überblick darüber, welche Unter- nehmensbereiche einer Optimierung zu unterziehen sind, um die Bonität nachhaltig zu ver- bessern.

Um die Ausgangssituation der Unternehmung am Finanzmarkt und folglich die Marktfähigkeit zu bestimmen, dient die Ermittlung der Finanzierungs- bzw. Finanzmarktreife des eigenen Unternehmens. Das Niveau der Finanzierungsreife gibt Auskunft über die Pro- blematik und Konditionen der Kapitalbeschaffung. Dabei sind vier Ausgangssituationen für das Finanzmanagement am Finanzmarkt möglich: der „Idealfall“, der „Prämienfall“, der „Zugangsfall“ sowie der „Ernstfall“.41 Eine Verbesserung der Finanzierungsreife und der gewünschten Position im Finanzierungswettbewerb lässt sich nur mit der detaillierten Kennt- nis über den Zustand der Unternehmensstrukturen und dem Marktsentiment gegenüber der Unternehmung erreichen.

Unternehmen, die den „Idealfall“ sowie „Prämienfall“ darstellen, verfügen bereits über eine ausreichende Bonität für den Finanzmarkt. Im „Prämienfall“ liegt jedoch eine Dis- krepanz zwischen der tatsächlichen und der von den Kapitalgebern empfundenen Bonität vor. Hier bedarf es lediglich einer optimierten Dokumentation und Darstellung, welche die zweite Säule der erfolgreichen Unternehmensfinanzierung verkörpern42, um die vorhandene Infor- mationsasymmetrie aufzuheben. Durch die erhöhte Transparenz kann folglich das empfunde- ne Risiko der Kapitalüberlassung verringert und ceteris paribus die Bonität der Unterneh- mung aus Sicht der potentiellen Investoren sowie Kreditgebern verbessert werden. Aufgrund der Tatsache, dass sämtliche die Zukunft betreffende Annahmen mit Unsicherheiten behaftet sind, lässt die Unternehmensbewertung anhand der zu Verfügung stehenden Kriterien Inter- pretationsspielräume seitens der potentiellen Investoren zu. Folglich ist die Attraktivität einer Unternehmung objektiv nur schwer festzustellen und führt zu einer mehr oder weniger sub- jektiven Wahrnehmung des Unternehmenszustandes seitens der Marktteilnehmer. Durch eine durchdachte und gewissenhafte Darstellung kann diese subjektive Einschätzung beeinflusst werden. Hierbei sollte das zugrunde gelegte Daten- und Zahlenwerk keineswegs unrealistisch dargelegt werden.43

[...]


1 Vgl. Abb. 1

2 Vgl. Wieland, C. (2003), S. 218

3 Vgl. Lee, R. (2002), S. 68

4 Schulte, Ch. (2006), S. 71: „Ein Rating ist eine unabhängige Meinung über die künftige Fähigkeit eines Kreditnehmers oder Emittenten zur termingerechten Erfüllung von Zins- und Tilgungsverpflichtungen.“

5 Vgl. Gräfer, H./Beike, R./Scheld, G. A. (2001), S. 1ff

6 Vgl. Golin, J. (2001), S. 72

7 Vgl. Fischer, P./Mengers, M. (2001), S. 102

8 Vgl. Peterson, J. R. (2002), S. 2

9 Vgl. Norton, A. (2003), S. 40

10 Vgl. Golin, J. (2001), S. 72

11 Vgl. o.V. (2004), S 61

12 Vgl. Petrou, K. (2003), S. 65

13 Werner H. S./Kobabe, R. (2005), S. 2

14 Vgl. Schröder, G. (2001), S. 66

15 Vgl. Lee, R. (2002), S. 68

16 Vgl. Ahrweiler, S./Börner, Ch. J. (2003), S. 16f

17 Vgl. Norton, A. (2003), S. 40

18 Vgl. Breitenbücher, U./Ernst, D. (2004), S. 85

19 Vgl. Abb. 2

20 Vgl. Hildmann, G./Fischer, J. (2002), S. 11

21 Vgl. Breitenbücher U./Ernst, D. (2004), S. 84

22 Hamm-Beckmann, A./Kohl, B. (2004), S. 19

23 Vgl. Pawlik, I. (2001), S. 121

24 Vgl. Burger, A./Burchhart, A. (2000), S. 2119

25 Vgl. Stur, G. (2001), S. 341

26 Vgl. Zantow, R. (2004), S. 93

27 Vgl. Pawlik, I. (2001), S. 121

28 Vgl. Hundt, I./Neitz, B./Grabau, F.-R. (2003), S. 87f

29 Vgl. Hundt, I./Neitz, B./Grabau, F.-R. (2003), S. 87

30 Vgl. Hundt, I./Neitz, B./Grabau, F.-R. (2003), S. 88

31 Vgl. Grunow, H.-W. G./Figgener, S. (2006), S. 59

32 Vgl. Breitenbücher U./Ernst, D. (2004), S. 84

33 Vgl. Zantow, R. (2004), S. 94

34 Vgl. Hundt, I./Neitz, B./Grabau, F.-R. (2003), S. 83

35 Vgl. Breitenbücher U./Ernst, D. (2004), S. 85

36 Vgl. Breitenbücher, U./Ernst, D. (2004), S. 85

37 Vgl. Stur, G. (2001), S. 341

38 Vgl. Abb. 3

39 Abb. 4 zeigt den Einfluss der Informationsbereitschaft auf die Kapitalkosten.

40 Vgl. Grunow, H.-W. G./Figgener, S. (2006), S. 67f

41 Vgl. Abb. 5

42 Vgl. Abb. 3

43 Vgl. Grunow, H.-W. G./Figgener, S. (2006), S. 112

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Strategien zur Kapitalbeschaffung und Bilanzoptimierung im Rahmen der modernen Unternehmensfinanzierung
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
47
Katalognummer
V75923
ISBN (eBook)
9783638722575
ISBN (Buch)
9783656896197
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strategien, Kapitalbeschaffung, Bilanzoptimierung, Rahmen, Unternehmensfinanzierung
Arbeit zitieren
Lina Lisztewink (Autor), 2007, Strategien zur Kapitalbeschaffung und Bilanzoptimierung im Rahmen der modernen Unternehmensfinanzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75923

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