Sündenbock Medien - Trägt die U.S.-Kriegsberichterstattung die Hauptschuld an der Niederlage in Vietnam?


Magisterarbeit, 2007
127 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Themeneinführung und Forschungsstand
1.2. Fragestellung
1.3. Aufbau der Untersuchung
1.4. These
1.5. Definition zentraler Begriffe
1.6. Methodische Vorgehensweise
1.7. Medientheoretische Überlegungen
1.7.1. Der „realistische“ Ansatz
1.7.2. Der „pessimistische“ Ansatz
1.7.3. Der „konstitutionalistische“ Ansatz
1.8. Quellenkritik

2. Kennedys Pressepolitik (1961-1963)
2.1. Anfänge des Pressekorps in Vietnam
2.2. Berichterstattung über die Schlacht bei Ap Bac
2.3. Buddhistenkrise 1963
2.4. US-Heimatredaktionen und Selbstzensur
2.5. Öffentliche Stimmung unter Kennedy

3. Johnsons Pressepolitik
3.1. Rechtfertigung für den Krieg: Golf von Tonkin
3.2. Eskalation des begrenzten Engagements
3.3. “Maximum Candor”
3.4. Kritik aus dem Kongress
3.5. Berichterstattung der Medien
3.5.1. Probleme mit den Medien: Cam Ne
3.5.2. Probleme mit den Medien: Salisbury-Affäre
3.6. Öffentliche Stimmung unter Johnson
3.7. “Credibility Gap” in den Medien
3.8. Johnsons Optimismus-Kampagne

4. Tet-Offensive und ihre Folgen (1968)
4.1. Tet in den Medien
4.2. Öffentliche Stimmung während Tet

5. Kriegsberichterstattung im Fokus
5.1. Fernsehen: Das neue Medium im Krieg
5.2. Bewegte Bilder vom Krieg und ihr Einfluss

6. Die Antikriegsbewegung in den Medien

7. Nixons Pressepolitik
7.1. Kambodscha-Invasion
7.2. Lam Son 719: Vietnamisierung in der Realität
7.3. Oster-Offensive und das Ende des US-Engagements
7.4. Dunkle Geheimnisse des Krieges
7.4.1. Massaker von My Lai
7.4.2. Die “Pentagon Papers”

8. Schlussbetrachtung und Ausblick

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Themeneinführung und Forschungsstand

Während des zwanzigsten Jahrhunderts hat wohl kaum eine andere militärische Konfrontation die amerikanische Nation so sehr gespalten wie der Vietnamkrieg. Nach der traumatischen Niederlage der USA, die mit dem Friedensabkommen im Januar 1973 besiegelt wurde, begannen erst recht die Fragen nach den Ursachen. Wie konnte die militärisch mächtigste Nation der Welt gegen ein Dritte-Welt-Land so in die Knie gehen? In Bezug auf diese Frage ist es unbedingt notwendig, zunächst alle wichtigen Akteure zu benennen, die während dieses Konflikts eine Rolle spielten. So kam es in dieser Zeit zu komplexen Wechselbeziehungen zwischen der amerikanischen Regierung, dem Militär, der Öffentlichkeit, der Antikriegsbewegung und den Medien. Letztere genossen hinsichtlich der Kriegsberichterstattung – wie noch nie zuvor – zahlreiche Freiheiten und wurden anfänglich vom US-Militär großzügig unterstützt. Denn die US-Administration war stets darum bemüht, die Journalisten mit ausgesuchten Informationen zu versorgen, damit die Medien nur die optimistische Regierungsversion für die amerikanische Öffentlichkeit darstellten. So entstand eine Kooperation zwischen den Medien und dem Militär, die jedoch nicht lange andauern sollte. Schnell entwickelten sich unterschiedliche Sichtweisen der Reporter aufgrund der widersprüchlichen Aussagen von Regierung und Militär. Diese Art der Presse- und Informationspolitik lag wiederum in der Tatsache, dass Vietnam von der Regierung stets als ein begrenztes Militär-Engagement behandelt wurde, das – im Kontext des Kalten Kriegs – als Teil des Kampfes gegen den Weltkommunismus zu verstehen war. Letztendlich erwies sich jedoch die Vietnampolitik für die US-Regierung als ein kompliziertes Unterfangen. Während sie bei den Medien und der Bevölkerung den Eindruck eines begrenzten Krieges erwecken wollte, wurde sie immer wieder vom Feind gezwungen, das Militär-Engagement auszuweiten.

Insgesamt war der Vietnamkrieg zweifellos die erste militärische Auseinandersetzung der USA, dem eine vollständige, mediale Aufmerksamkeit zu teil wurde – wenn man neben den Printmedien vor allem das Fernsehen mit einbezieht. Das US-Engagement in Vietnam kann auch als erster Fernsehkrieg bezeichnet werden, da das amerikanische Fernsehen während des Koreakriegs noch nicht für eine umfassende Kriegsberichterstattung ausgereift war.[1] Gleichzeitig war der Vietnamkrieg jedoch auch das erfolgloseste und kontroverseste Militär-Engagement der USA. Diese Tatsachen lassen bei vielen Kritikern einen kausalen Zusammenhang zu.[2] Demnach hätte die kritische Kriegsberichterstattung des Fernsehens und der Printmedien die amerikanische Öffentlichkeit negativ beeinflusst. Daraufhin sank die Unterstützung der Bürger und zwang so die US-Regierung zum Rückzug aus Vietnam. Diese amerikanische „Dolchstosslegende“ machte die Institution Medien zum idealen Sündenbock.

Zu Vertretern dieser These gehören besonders Personen aus den damaligen US-Administrationen wie Präsident Lyndon B. Johnson und dem Militär wie General William C. Westmoreland.[3] Aber auch einige Angehörige der Medien, wie der ehemalige Vietnam-Korrespondent Robert Elegant, waren nach dem Krieg fest von der Schuld der Medien überzeugt: “(…) for the first time in modern history, the outcome of a war was determined, not on the battlefield but on the printed page and, above all, on the television screen”[4], so Elegant in der Zeitschrift Encounter im August 1981. Ein weiterer Kritiker ist der Journalist Peter Braestrup, der speziell die Medienberichterstattung über die Tet-Offensive als entscheidenden Moment für den Meinungsumschwung betrachtet. Diesbezüglich führte er eine der umfangreichsten Untersuchungen durch. Darin betont Braestrup, dass die Reporter den Überraschungsangriff der Kommunisten aufgrund ihrer Unerfahrenheit überbewerteten, was zu fehlerhaften Berichten führte.[5] Auf der anderen Seite gibt es Wissenschaftler wie Daniel C. Hallin – ein Experte im Bereich Politische Kommunikation – der durch seine umfassende Inhaltsanalyse der Medienberichterstattung von 1965 bis 1973 die These der Kritiker als widerlegt ansieht. Hallin ist davon überzeugt, dass die Journalisten erst kritischer wurden, als der Dissens gegenüber Vietnam in der Politik bereits gewachsen war.[6] Auch der Militärhistoriker William M. Hammond hält die Vietnam-Reporter – aufgrund seiner objektiven Analyse der Beziehung zwischen US-Militär und Medien – für nicht schuldig.[7] So ist er unter anderem der Meinung, dass die Medienberichterstattung über Tet die öffentliche Stimmung nicht direkt beeinflusste, sondern nur seit längerem aufgekommene Zweifel bestärkte.[8]

In der Vietnamforschung fand das Verhältnis zwischen der US-Regierung – besonders der Johnson-Administration – sowie den Medien und der Öffentlichkeit große Beachtung. Dadurch kann auf eine große Bandbreite an Spezialstudien, die sich besonders auf die Auswertung zeitlich begrenzter Berichterstattung konzentrieren, zurückgegriffen werden.[9] Oft konnten hierbei jedoch nicht alle Aspekte, angefangen mit den historischen Umständen des Kalten Kriegs, der Presse- und Informationspolitik der Vietnam-Präsidenten bis hin zur Arbeitsweise der Medien sowie die Entwicklung der öffentlichen Stimmung, gleichwertig berücksichtigt werden. In der vorliegenden Arbeit wird deshalb eine systematische und übergreifende Analyse der Beziehungen der jeweiligen Administration von John F. Kennedy, Lyndon B. Johnson sowie Richard M. Nixon zu den Medien und der Öffentlichkeit vorgelegt. Insgesamt soll eine umfassende Untersuchung aller bedeutsamen Akteure – Regierung, Medien und Bevölkerung – gewährleistet werden. Hierbei wird jedoch besonders der Einfluss der Administrationen sowie der Medien auf die öffentliche Stimmung der US-Bevölkerung fokussiert, da die amerikanische Vietnampolitik stets von diesem wichtigen Faktor abhängig war. Somit ist die öffentliche Stimmung in den USA ein zentraler Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit. Die Untersuchung konzentriert sich auf den historisch relevanten Zeitraum von 1961 – der Beginn von Kennedys Pressepolitik – bis zum Ende des amerikanischen Vietnam-Engagements 1973.

1.2. Fragestellung

In der vorliegenden Arbeit stellt sich die zentrale Frage, inwiefern die US-Medien als machtvolles Instrument der Kommunikation überhaupt für die Niederlage Amerikas in Vietnam verantwortlich gemacht werden können. Innerhalb dieser Fragestellung sollen folgende Punkte untersucht werden: Erstens, wie war das Verhältnis zwischen den Medien und der jeweiligen US-Administration? Zweitens, wie wurden die Medien tatsächlich in den Krieg mit eingebunden und ab wann waren sie der jeweiligen Administration ein Dorn im Auge? Drittens, wie sah die Arbeitsweise der Vietnam-Reporter – vom Fernsehen und den Printmedien – eigentlich aus? Viertens, wie verhielt sich die öffentliche Stimmung zur jeweiligen Vietnampolitik ihrer US-Regierung? Und schließlich soll die Frage beantwortet werden, wie sehr die Kriegsberichterstattung der US-Medien wirklich die öffentliche Stimmung in den USA veränderte.

1.3. Aufbau der Untersuchung

Um diese Fragen zu beantworten, bietet sich eine chronologische Vorgehensweise an. Die Arbeit gliedert sich in sechs Hauptkapitel: Im ersten Kapitel wird die restriktive Pressepolitik der Regierung Kennedy untersucht. Hierbei wird der antikommunistische Konsens innerhalb der amerikanischen Öffentlichkeit verdeutlicht. Außerdem werden unter anderem die Anfänge des Pressekorps in Vietnam und seine zunehmenden Probleme mit dem US-Militär erläutert. Das zweite Kapitel wendet sich der Pressepolitik von Johnson zu, als der Krieg endgültig eskalierte. Neben der Berichterstattung der Medien in diesem Zeitrahmen wird auch auf die allmählich aufkommende Kritik aus dem Kongress Bezug genommen. Darüber hinaus werden widersprüchliche Aussagen aus Regierung und Militär, die 1967 ihren kritischen Moment erreichten und für eine Abnahme der Glaubwürdigkeit sorgten, näher erläutert. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Tet-Offensive – die als militärischer und politischer Wendepunkt gilt – auf die Regierung, den Medien sowie der öffentlichen Stimmung. Im vierten Kapitel stehen der amerikanische Journalismus sowie seine Kriegsberichterstattung im Vordergrund. Hierbei wird der Einfluss der Medienberichterstattung – insbesondere des Fernsehens – auf die öffentliche Stimmung näher untersucht. Das fünfte Kapitel fokussiert die Darstellung der Antikriegsbewegung in den Medien, die mit dem Beginn der Eskalation 1965 entstand und Ende der Sechziger ihren Höhepunkt hatte. Diese Teiluntersuchung ist notwendig, zumal da die Berichte über die Antikriegsdemonstrationen von Kritikern immer wieder als Sympathie-Beweis betrachtet wurden und besonders das Fernsehen zusätzlich belasteten. Im sechsten Kapitel wird dann die restriktive Pressepolitik von Nixon erläutert. Hierbei werden als wichtige Ereignisse für die Medienberichterstattung unter anderem das Massaker von My Lai sowie die “Pentagon Papers” bezüglich ihres Einflusses auf die Öffentlichkeit untersucht.

1.4. These

Im Zuge des Vietnamkriegs hat sich für jede amerikanische Administration eine große Problematik in der Presse- und Informationspolitik mit den Medien und der Bevölkerung herauskristallisiert. Die zentrale These dieser Arbeit ist, dass

die öffentliche Stimmung in der US-Bevölkerung nicht erst durch die kritische Kriegsberichterstattung kippte, sondern durch mehrere Faktoren gleichzeitig negativ beeinflusst wurde. Zum einen führten die optimistischen Aussagen der US-Regierung und die reale Situation in Vietnam zu Widersprüchen und dadurch zu einem Vertrauensverlust gegenüber der Vietnampolitik – sowohl bei Politikern und der Bevölkerung als auch in den Medien. Zum anderen sorgte besonders die ansteigende Zahl toter US-Soldaten – ohne Aussichten auf einen klaren Sieg – für die Abnahme der Unterstützung aus der Bevölkerung. Folglich griffen die Medien den allmählich legitimierten Dissens auf und reflektierten ihn in ihren Berichten, sobald die US-Regierung ihre eigene Sichtweise nicht überzeugend genug darstellen konnte.

1.5. Definition zentraler Begriffe

Da in dieser Untersuchung die Beziehungen und der Einfluss der drei bereits genannten Akteure untereinander stets im Mittelpunkt stehen, ist die Definition von drei zentralen Begriffen notwendig. Hierbei handelt es sich um „Medien“, „Pressepolitik“ sowie „politischer Konsens“. Die ersten beiden Begriffe werden im Kontext der politischen Kommunikation erläutert und schließen andere Aspekte der Kommunikation, die beispielsweise die wirtschaftliche Komponente betreffen, aus.

Die „Medien“ sind als gesellschaftliche Institution und Träger der politischen Kommunikation für den „Meinungsbildungsprozess in zeitgenössischen Gesellschaften unverzichtbar“.[10] In Bezug auf außenpolitische Ereignisse „konstruieren die in den Medienorganisationen tätigen Medienakteure durch Selektion und Präsentation die ‚Medienrealität’ (…), die die Rezipienten ihren Beurteilungen von Ereignissen, Personen und Sachverhalten zugrunde legen“[11]. Dabei werden die Themen der Berichterstattung von den Medien nach Dringlichkeiten ausgewählt und gewichtet. Folglich gelten die Medien als so genannte “Agenda-Setter”.[12] Für die vorliegende Arbeit dient der Terminus Medien als Klassenbegriff und schließt sowohl das Fernsehen als auch die Presse, die den Print-Bereich mit Zeitungen und Zeitschriften beschreibt, mit ein.[13]

Der Begriff „Pressepolitik“ umfasst in dieser Untersuchung alle staatlichen Maßnahmen sowie Regulierungen auf Seiten der Regierung, die die Medien und ihre Arbeitsweise betreffen. Dabei ist die Regierung besonders darum bemüht, mithilfe der Berichterstattung ihren Einfluss auf die öffentliche Meinung geltend zu machen.[14] In der Presse- und Informationspolitik der amerikanischen Regierung legt der Präsident – vor allem in Krisenzeiten – durch sein politisches Handeln die Grundlagen für die Öffentlichkeitsarbeit.[15]

Der Begriff „politischer Konsens“ beschreibt in dieser Arbeit die mehrheitliche Übereinstimmung der politischen Elite sowie der gesamten Öffentlichkeit – einschließlich der Institution Medien – mit den Grundüberzeugungen und Strategien der Außenpolitik der Regierung.[16] Hierbei steht der Antikommunismus als außenpolitische Ideologie der USA während des Kalten Kriegs im Mittelpunkt, da er auch im Zuge des Vietnamkriegs die wichtigste Mobilisierungskomponente für die öffentliche Stimmung bildete. Insgesamt wird in dieser Untersuchung somit der politische Konsens mit dem antikommunistischen sowie nationalen Konsens gleichgesetzt.

1.6. Methodische Vorgehensweise

Um ein umfassendes Verständnis in Bezug auf das Thema zu gewährleisten, soll ein interdisziplinärer Ansatz gewählt werden. So werden – in Anlehnung an die historische Sozialforschung[17] – sozialgeschichtliche Methoden der qualitativen Hermeneutik eingesetzt, wobei auch medientheoretische Untersuchungsergebnisse berücksichtigt werden. Hierdurch fließen auch Erkenntnisse anderer Geistes- und Sozialwissenschaften in die Arbeit hinein. Den Ausgangspunkt dieser Untersuchung bildet eine Inhaltsanalyse der Kriegsberichterstattung von Fernsehen und Printpresse in den USA für den genannten Zeitraum. Zur Untersuchung der Öffentlichen Meinung wurde auf relevante Umfragedaten der Meinungsforschungsinstitute Gallup und Harris zurückgegriffen. Hierbei bietet sich die Frage “In view of the developments since we entered the fighting in Vietnam, do you think the U.S. made a mistake sending troops to fight in Vietnam?”[18] des Instituts Gallup als statistisch besonders zuverlässig an, da sie von August 1965 bis Mai 1970 kontinuierlich gestellt wurde.

1.7. Medientheoretische Überlegungen

Um die gesellschaftspolitische Rolle der Medien zu definieren, gibt es unterschiedliche Theorien aus den Kommunikations- und Medienwissenschaften sowie der Soziologie, Publizistik oder Politologie.[19] In Bezug auf historische Fragestellungen sowie das hier zu behandelnde Thema bieten sich besonders drei theoretische Ansätze an, die jeweils – an passender Stelle – auf die Untersuchungsergebnisse angewandt werden. Hierbei handelt es sich um Medientheorien mit begrenzter Reichweite, die in dieser Arbeit speziell für die politische Rolle der Medien während des Vietnamkriegs als Erklärungsansätze dienen sollen.

1.7.1. Der „realistische“ Ansatz

Nach dieser Theorie haben sich die amerikanischen Medien im Laufe der Geschichte zu einem selbstständigen Wirtschaftsbetrieb entwickelt, in dem nicht der informative Charakter des Meinungsbildungsprozesses im Vordergrund steht, sondern die kommerzielle Komponente. Um stets hohe Einschaltquoten oder Auflagen zu erzielen, müssten möglichst viele Zuschauer oder Leser erreicht werden. Dies kann – laut Vertretern der „realistischen“ Theorie – nur dadurch geschehen, in dem Unterhaltung im Verhältnis beispielsweise zur politischen Information deutlich überwiegt.[20] Da die Medien – vor allem das Fernsehen – zu Zeiten eines Krieges aufgrund von Dramatik und emotionaler Spannung ideale Bedingungen zum Erreichen eines breiten Publikums vorfinden, profitiert ihre Berichterstattung vor allem von Krisenzeiten. Folglich neigen die Medien dazu, Informationen zu popularisieren, wodurch die Korrektheit der Berichterstattung oft beeinträchtigt wird.[21] Somit bleibt – nach Auffassung dieser Theorie – das Bestreben der Journalisten, die Öffentlichkeit wertneutral zu unterrichten, zunehmend auf der Strecke. Trotzdem wird davon ausgegangen, dass relevante, politische Informationen die Öffentlichkeit erreichen können, besonders weil das Publikum von den Medien als Nachfrager behandelt werde. Insgesamt ist der „realistische“ Ansatz nicht zu vernachlässigen, da der ökonomische Aspekt bezüglich der Rolle der Medien in der Gesellschaft in der Tat bedeutend ist.

1.7.2. Der „pessimistische“ Ansatz

Der „pessimistische“ Ansatz geht davon aus, dass sich die Medien zu einem Kommunikationsinstrument der politischen sowie wirtschaftlichen Elite entwickelt haben, um die öffentliche Meinung zu mobilisieren.[22] Durch die Abhängigkeit der Medien von neuen Informationen werden größtenteils nur Stimmen aus diesen Eliten zitiert und verbreitet. Hinzu kommt, dass offizielle Quellen elitärer Persönlichkeiten eine gewisse Autorität in sich tragen und deshalb von den Medien ernster genommen werden. So ergibt sich eine einseitige Berichterstattung, die den Interessen dieses dominanten Teils der Gesellschaft besonderes Gewicht verleiht.[23] In Bezug auf Krisenzeiten steht für die Medien – laut Vertretern dieses Ansatzes – der national-politische Konsens im Vordergrund. Somit gilt es allgemein als unangemessen, kontroverse Meinungen zu vertreten, die die Politik der Regierung in Frage stellen würden.[24] Als Beispiel hierfür dient besonders die antikommunistische Ideologie während des Kalten Kriegs. Mit der Erhaltung des politischen Konsenses vertrauten die Medien überwiegend auf offizielle Quellen und ließen nur wenig Raum für Meinungsunterschiede.

1.7.3. Der „konstitutionalistische“ Ansatz

Die „konstitutionalistische“ Theorie stützt sich bei der Rolle der Medien ausschließlich auf die Ideale der Presse- und Meinungsfreiheit, die in der amerikanischen Verfassung verankert sind. Nach diesem ideologischen Ansatz sollen die Medien als vierte Gewalt im staatlichen System fungieren und dabei sowohl die Regierung überwachen als auch die Öffentlichkeit wertneutral informieren.[25] Die Aufgabe der Medien ist es vor allem, das Recht der Bürger auf Informationen zu gewährleisten, die von großem öffentlichem Interesse sein könnten. Dabei ist es jedoch unbedingt erforderlich, dass die Journalisten frei von Abhängigkeiten agieren und der Öffentlichkeit die Informationen präzise und objektiv präsentieren.[26] Die Medien haben sich als Kontrollorgan für die „konstitutionalistischen“ Vertreter beispielsweise in Form der Watergate-Affäre von 1974 bestens bewährt. Trotzdem werden die Idealvorstellungen der Konstitutionalisten von Vertretern des „realistischen“ sowie „pessimistischen“ Ansatzes gleichermaßen in Frage gestellt.

1.8. Quellenkritik

Aufgrund vieler freigegebener Akten und Dokumente der US-Regierung sowie dem Militär ergibt sich bezüglich des Themas ein großer Bestand an Forschungsmaterial. Hierzu zählen besonders regierungsinterne Berichte, Aktennotizen, Protokolle, Denkschriften sowie wichtige Präsidenten-Ansprachen an die Nation. Zusätzlich wurden auch die Direktiven der jeweiligen US-Administration, die sich in den “National Security Action Memoranda” befinden, in der Materialauswertung berücksichtigt. Insgesamt beschreiben die untersuchten Dokumente wichtige – insbesondere vertrauliche – Entscheidungen, die sowohl für die Vietnampolitik als auch Presse- und Informationspolitik in den jeweiligen Präsidentschaften von Kennedy, Johnson sowie Nixon getroffen wurden. Hierbei dürfen auch die “Pentagon Papers” nicht außer Acht gelassen werden, da sie unentbehrliche Erkenntnisse bezüglich der Vietnampolitik – besonders der ersten beiden US-Administrationen – liefern.[27] Somit ist das erwähnte Quellenmaterial für das historische Gesamtverständnis unerlässlich.[28] Darüber hinaus bieten Memoiren von Politikern und Militärangehörigen der damaligen Administrationen sowie von bedeutenden Journalisten wichtige Erkenntnisse für diese Untersuchung. So bilden die Erinnerungen von Westmoreland in seinem Buch “A Soldier Reports”, das er 1976 veröffentlichte, die konservative Sichtweise des Militärs in Bezug auf den Vietnamkrieg ab. Besonders interessant sind dabei seine Vorwürfe gegen die Medienberichterstattung, die er als großen Einflussfaktor für die amerikanische Niederlage betrachtete.[29] Auf Medienseite sind in erster Linie Erinnerungen von Vietnam-Reportern wie Neil Sheehan oder David Halberstam nützlich, da sie sich mit den Schwierigkeiten der journalistischen Arbeit in Vietnam beschäftigen und – trotz anfänglicher Euphorie – allmählich die Glaubwürdigkeit der US-Regierung und des Militärs kritisierten.[30] Darüber hinaus werden die unterschiedlichen Sichtweisen der US-Medien durch zahlreich veröffentlichtes Quellenmaterial abgerundet. Aus den Printmedien gehören hierzu Zeitungsartikel, unter anderem von der New York Times und Washington Post sowie Magazine von Newsweek, Time und U.S. News & World Report. Aus dem Fernsehen wird auf Beiträge der Sender “Columbia Broadcasting System” (CBS), “National Broadcasting Company” (NBC) sowie “American Broadcasting Company” (ABC) zurückgegriffen. Zur intensiven Untersuchung der öffentlichen Stimmung wurden – neben den Umfrageinstituten Gallup und Harris – auch zahlreiche, relevante Meinungsstudien aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften herangezogen, die spezielle Ereignisse abdecken.

2. Kennedys Pressepolitik (1961-1963)

Als die Kennedy-Administration 1961 ihre Arbeit aufnahm, war der Kalte Krieg bereits in vollem Gange. Schon Anfang der fünfziger Jahre drohte sich der Koreakrieg zu einer offenen Kraftprobe zwischen dem kapitalistischen und kommunistischen System zu entwickeln. Als die Sowjetunion durch die Errichtung von kommunistischen Satellitenstaaten in Ost-Europa und Asien weiter expandierte, wurde dem amerikanischen Volk die „rote“ Bedrohung stets vor Augen gehalten. So schien sie während der McCarthy-Ära auch aus dem Inneren der USA zu kommen. Der Senator Joseph McCarthy begann eine Hetzjagd auf Kommunisten und linke Intellektuelle. Diese dunkle Zeit schürte bei den Bürgern maßgebend die Angst vor dem Kommunismus.[31] Mit dem Prinzip der Dominotheorie verstärkte schließlich Präsident Dwight D. Eisenhower 1954 das kommunistische Horrorszenario, das schnell zum ideologischen Bestandteil der zukünftigen US-Außenpolitik wurde.[32] Infolge dieser Bedrohung wurde jegliches außenpolitisches Handeln der Regierung vom amerikanischen Volk kaum in Frage gestellt. Hierzu bemerkt Hallin:

It was an age of ideological consensus, and this was true above all in foreign policy. The world view of the Cold War dominated American thinking about international affairs so totally during these years that it became not merely dangerous but virtually impossible for most Americans to question or to step outside it.[33]

Bereits als Senator hatte Präsident John F. Kennedy am 1. Juni 1956 die Dominotheorie auf Indochina übertragen.[34] Ob die USA als wahrer Hüter der Demokratie und Freiheit auch wirklich fähig waren, die kommunistische Bedrohung in den instabilen Ländern der Dritten Welt abzuwenden, sollte sich in Vietnam zeigen. So wurde Vietnam zum Maßstab für das antikommunistische Engagement Amerikas in der Welt gemacht.

Die Situation in Vietnam war jedoch problematisch. Nach der Genfer Indochina-Konferenz 1954, bildete der 17. Breitengrad die provisorische Grenze zwischen der - kommunistisch gelenkten - demokratischen Republik Nordvietnam und der hauptsächlich von den USA gestützten Republik Südvietnam. Die Zukunft Vietnams sollte gemäß dem Indochinaabkommen zwei Jahre später durch Wahlen zur Wiedervereinigung entschieden werden. Doch zu den Wahlen kam es nie, da der südvietnamesische Präsident Ngo Dinh Diem, der nur von einer katholischen Minderheit unterstützt wurde, eine Niederlage befürchtete.[35] So entwickelten sich die beiden Länder unabhängig voneinander. Das Verhältnis der US-Regierung zu Südvietnam wurde als begrenzte Partnerschaft betrachtet. Die USA versorgten das Diem-Regime mit Geld, Waffen und militärischen Beratern, um den Kommunismus in der südvietnamesischen Region zu bekämpfen. Im Gegenzug sollte Diem einen soliden Staat aufbauen und wirtschaftliche sowie politische Reformen einleiten.[36] Doch die Aufrechterhaltung eines stabilen und nicht-kommunistischen Staates war zunehmend schwierig geworden. Erstens war Diem selbst als korrupter Oligarch kein Freund der Demokratie. So schenkte er den südvietnamesischen Bauern, die die Mehrheit des Landes stellten, kaum Beachtung und förderte dadurch die Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Zweitens setzten die mit Nordvietnam sympathisierenden Guerillakämpfer durch die 1960 gegründete “National Liberation Front” (NLF) ihre Kämpfe gegen das Diem-Regime innerhalb Südvietnams fort.[37] Und drittens war die “Army of the Republic of Vietnam” (ARVN) - die südvietnamesische Streitkraft - alleine nicht fähig, die NLF wirksam zu bekämpfen.[38] Nachdem sich die Kennedy-Berater Maxwell D. Taylor und Walt W. Rostow selbst ein Bild von der Lage in Südvietnam gemacht hatten, schlugen sie Kennedy 1961 vor, etwa 8000 US-Kampftruppen zu entsenden. Kennedy entschied sich jedoch gegen amerikanische Bodentruppen und erhöhte stattdessen von Ende 1961 bis 1963 die Zahl der amerikanischen Militärberater von 500 auf mehr als 17.000 Mann, um die ARVN militärisch zu unterstützen.[39] Darüber hinaus sollte das US-Militär den südvietnamesischen Luftraum überwachen und als Unterstützung Helikoptereinsätze fliegen. Somit hatte sich Kennedy für einen Mittelweg entschieden und gleichzeitig demonstriert, dass er noch nicht gewillt war, viele amerikanische Leben aufs Spiel zu setzen.[40]

Der Konflikt in Vietnam wurde sowohl von der US-Bevölkerung als auch den Medien noch nicht als Krisenherd wahrgenommen. Sowohl das militärische Engagement als auch die Zahl toter Amerikaner waren äußerst gering und zählten auch für die Medien noch nicht wirklich als Nachrichten.[41] Außerdem galt Anfang der Sechziger die Unterstützung Südvietnams für die amerikanische Öffentlichkeit als eine von vielen Beiträgen der US-Regierung, um den großen Kampf gegen den kommunistischen Block zu gewinnen.[42] Die Strategie von Kennedys Pressepolitik bezüglich Vietnams bestand hauptsächlich darin, sowohl die Bedeutung eines nicht-kommunistischen Südvietnams in der Öffentlichkeit zu betonen als auch das US-Engagement als eine Art Hilfestellung für Diem darzustellen.[43] Dabei sollte der Fokus der Aufmerksamkeit auf die Erfolge des Diem-Regimes gelegt werden. So wandte sich Kennedy 1961 an die amerikanische Presse und appellierte an die politische Verantwortung der Journalisten:

If the press is awaiting a declaration of war before it imposes the self-discipline of combat conditions, then I can only say that no war ever posed a greater threat to our security. (…) Every newspaper now asks itself with respect to every story: ‘Is it news?’ All I suggest is that you add the question: ’Is it in the interest of national security?’[44]

Für Kennedy war es wichtig, keinerlei Spannungen zwischen Regierung und Medien entstehen zu lassen, die sich auch auf die öffentliche Meinung in Amerika negativ auswirken könnten. Was er vor allem brauchte, war eine positive Darstellung des Diem-Regimes in der amerikanischen Berichterstattung. So wurde die südvietnamesische Regierung, die in Wirklichkeit korrupt und autoritär war, von den USA öffentlich als fähiger und treuer Partner bezeichnet.[45] Da die Kennedy-Administration jedoch davon ausging, dass die US-Bevölkerung keinen begrenzten Krieg in Vietnam unterstützen würde, befand sich ihre Informationspolitik in einer Art Dilemma. So versuchte sie, verschiedene Botschaften in unterschiedliche Richtungen zu senden: “(…) the North Vietnamese had to be convinced that the American commitment was in the end unlimited; the American public, that it was so limited it did not threaten war at all”, so Hallin.[46] Diese Situation prägte Kennedys Pressepolitik zunehmend.

Während die Aufstockung von US-Militärberatern ab 1961 seinen Lauf nahm, war die US-Regierung gleichzeitig bemüht, die amerikanischen Journalisten in Südvietnam in den Griff zu bekommen. So wurde am 21. Februar 1962 eine Direktive namens “Cable 1006”, die unter anderem

Verteidigungsminister Robert McNamara abgesegnet hatte, an das US-Militär nach Saigon übermittelt.[47] Darin enthalten waren - in sieben Punkten - ausführliche Richtlinien, die den Umgang mit der Presse vorschrieben und die Berichterstattung direkt einschränken sollten. So war es unter anderem dem US-Personal in Südvietnam untersagt worden, Informationen über den Umfang des militärischen Engagements preiszugeben. Außerdem sollten Nachrichten über Diem und seinem Regime ausschließlich positiver Natur sein, um die Arbeit des US-Militärs nicht zu erschweren. Darüber hinaus wurde darauf hingewiesen, dass veröffentlichte Informationen über die Beteiligung des US-Militärs an Kampfoperationen sowie über zivile Opfer mit dem nationalen Interesse nicht vereinbar waren.[48] Alles in allem hatte “Cable 1006” ein klares Ziel. Es sollte dafür sorgen, dass das wachsende US-Engagement nicht ins Visier der US-Medien geriet. Die Devise lautete „Maximale Diskretion“: eine deutliche Verschwiegenheit gegenüber der Öffentlichkeit – vor allem gegenüber den Journalisten.

2.1. Anfänge des Pressekorps in Vietnam

Mit der Zunahme des US-Engagements bewegte sich das Thema Vietnam immer mehr in die Interessenssphäre der amerikanischen Medien. Aufgrund von Kampfhandlungen mit dem Vietcong, an denen immer öfter das US-Militär mit Flugzeugen und Ausrüstung beteiligt war, erhielt der Konflikt zunehmend an Nachrichtenwert. Erstmals war die Aufmerksamkeit der Presse im November 1960 erregt worden, als bei einem Aufstand von rebellierenden Fallschirmjägern gegen die südvietnamesische Regierung etwa 400 Zivilisten ums Leben kamen.[49] Außerdem hielten der Bau der Berliner Mauer 1961 und die Kuba-Krise im Oktober 1962 der Öffentlichkeit nochmals die ernste Lage des Kalten Krieges vor Augen. So schien sich der Vietnamkonflikt - als weiterer Schauplatz des Kalten Krieges - für die US-Journalisten allmählich zu einem heißen Krieg zu entwickeln, und zwar ganz im Kontext des politischen Konsens: Die Guten gegen die Kommunisten.[50] Im Januar 1962 richteten die amerikanischen Nachrichtenagenturen Associated Press und United Press International sowie die renommierte US-Zeitung New York Times ihre Büros in Saigon ein.[51] Doch das anfängliche US-Pressekorps zeigte durch seine bescheidene Größe, dass das öffentliche Interesse in der Heimat bezüglich Indochinas noch nicht so groß war. Der Journalist und Autor Stanley Karnow bemerkte sogar, dass es den Korrespondenten aufgrund ihrer geringen Zahl keinerlei Schwierigkeiten bereitete, alle zusammen an einem Tisch zu sitzen.[52] Noch im selben Jahr kam der Journalist Neil Sheehan als Verstärkung für die United Press International. Der Reporter David Halberstam ersetzte den ehemaligen Weltkriegskorrespondenten Homer Bigart bei der New York Times. Weitere Teilzeitkorrespondenten wurden beispielsweise von den Nachrichtenmagazinen Newsweek und Time nach Vietnam beordert oder arbeiteten bereits vor Ort als freie Journalisten.[53]

Die Investitionen der amerikanischen Presse in Ausrüstung und Reportern sollten sich in Form von vermehrten Berichten aus dem Konfliktgebiet bezahlt machen. Doch für die Journalisten vor Ort war es schwierig, in offiziellen Presseeinrichtungen des US-Militärs oder der südvietnamesischen Regierung an verlässliche Quellen und Informationen zu gelangen. Weder die Südvietnamesen noch das US-Militär zeigten sich in dieser Hinsicht besonders großzügig.[54] Darüber hinaus war mit den militärischen Presserichtlinien des bereits erläuterten “Cable 1006” die Recherchearbeit auf dem offiziellen Weg noch weiter beschränkt worden. Dies hatte jedoch nicht die Wirkung, die die Kennedy-Administration sich ursprünglich erhofft hatte. Einige Journalisten merkten schnell, dass sie sich nicht allein auf die offiziellen Aussagen des US-Militärstabs verlassen konnten. Die schwierige Situation als Vietnam-Korrespondent beschreibt David Halberstam folgendermaßen: “In these early days of my Vietnam assignment I was trying to decide how to evaluate this perplexing war. (…) It was very quickly obvious to me that the story could not be covered from Saigon briefing rooms, despite all the multicolored arrows on the maps.”[55] Der regionale Charakter des vietnamesischen Gebietes erleichterte vor allem den Printjournalisten die Recherche auf eigener Faust. Sie konnten sich überwiegend frei bewegen und sich so mehr oder weniger selbst ein Bild von der jeweiligen Lage machen: “Policy makers in Washington, for example, refused to allow information officers to mention the use of napalm in releases to the press lest the Communists make propaganda of it, but newsmen went into the field, observed napalm exploding, and recorded its effects with their cameras”[56], erklärt Hammond. Darüber hinaus ereigneten sich die meisten Kämpfe mit dem Vietcong im Mekong-Delta, das nicht weit von der südvietnamesischen Hauptstadt Saigon entfernt war. So konnten die Journalisten sogar mit dem Taxi aus Saigon heraus und nach getaner Arbeit wieder zurück ins Hotel fahren.[57] Die Bewegungsfreiheit der Presse führte jedoch gleichzeitig zu Unstimmigkeiten zwischen den Aussagen der US-Regierung und den Recherchen der Journalisten. Während die Kennedy-Administration jegliche direkte Beteiligung des US-Militärs an Kampfhandlungen vor den Journalisten dementierte und lediglich auf beratende Funktionen hinwies, interpretierten viele Reporter vor Ort die Situation etwas anders. Das Nachrichtenmagazin Newsweek stellte beispielsweise fest, dass die Trennlinie zwischen militärischer Hilfestellung und direkter Beteiligung an Kampfhandlungen vom US-Militär zunehmend überschritten wurde.[58] Im Juli 1962 kritisierte der New York Times -Reporter Jacques Nevard, dass – trotz der massiven Aufstockung von US-Militärberatern und der beachtlichen Aufrüstung der südvietnamesischen Truppen – die Aktivitäten des Vietcongs enorm angestiegen waren.[59] Ebenso stellte Halberstam im Oktober die militärische Hilfestellung des US-Militärs in Frage: “How deeply is the United States committed here? Americans and Vietnamese live together, march together, fight together and die together, and it is hard to get much more involved than that.”[60] Doch die Kennedy-Administration wusste selbst sehr gut, dass die südvietnamesischen Streitkräfte ohne die direkte Hilfe der USA keine militärischen Erfolge verbuchen konnten. So geht der australische Journalist und Autor Phillip Knightley sogar von bewussten Lügen der US-Administration gegenüber den Medien aus, um das antikommunistische Engagement nicht zu gefährden.[61] Abgesehen davon machte es sich die US-Regierung besonders zur Aufgabe, in offiziellen Aussagen immer wieder die Bedeutung und die Fortschritte Südvietnams im Kampf gegen den Kommunismus zu betonen.[62]

Aus Mangel an offiziellen Informationen der US-Regierung wandten sich immer mehr Journalisten auch an amerikanische Soldaten, Militärberater sowie Offizieren aus den unteren Rängen. Dadurch wurden die Ansichten, Meinungen und Sorgen des US-Militärs bezüglich des Kriegsverlaufs direkt vom Feld zu einer bedeutenden Quelle für die Vietnam-Reporter. Dieser Gesichtspunkt zu Beginn der amerikanischen Berichterstattung aus Vietnam ist entscheidend, um das weitere Verhältnis zwischen Regierung und Medien besser zu verstehen. Indem die Kennedy-Administration durch ihre restriktive Pressepolitik Informationen bewusst vorenthielt, waren die Journalisten gezwungen, sich für eine saubere Recherchearbeit nach anderen Quellen umzusehen. In Bezug auf die Berichterstattung der Times -Reporter erläutert Hallin: “(...) their reporting was ’pessimistic’ where these officers were pessimistic, and enthusiastic where they were enthusiastic; it reflected their insights, which were many, and the limitations of their perspective, which were also many.”[63] Die Sichtweisen der Offiziere waren jedoch alles andere als optimistisch und stimmten keineswegs mit den Aussagen der offiziellen Linie der US-Regierung überein, was sich schon bald immer häufiger verdeutlichen sollte.

2.2. Berichterstattung über die Schlacht bei Ap Bac

Das amerikanische Pressekorps bezeichnete die Zusammenarbeit mit der ARVN immer wieder als sehr frustrierend. Dies zeigte sich erstmals in der Schlacht bei Ap Bac im Januar 1963. Bei dem Gefecht zwischen einer Division der ARVN und einer Guerillaeinheit des Vietcongs kam es zu einem militärischen Desaster für die Südvietnamesen, dem etwa 100 Soldaten und drei US-Berater zum Opfer fielen.[64] Der klare Sieg der Vietcong-Truppen machte ihr taktisches Geschick deutlich und offenbarte gleichzeitig große Schwächen auf Seiten der südvietnamesischen Armee. Was die US-Militärberater bei der ARVN schon länger als problematisch befanden, hatte sich bei dieser Schlacht bewahrheitet: “The Vietcong had once again been underestimated, and the effectiveness of American technology once again overestimated. (…) American advisers had a hard time pushing the South Vietnamese into action”, so der Historiker Clarence R. Wyatt.[65] Die Wut der Militärberater über die Unfähigkeit der südvietnamesischen Armee fand bei den US-Reportern besonderes Gehör. Vor allem Lieutenant Colonel John Paul Vann, zu dem einige Journalisten wie Halberstam einen guten Kontakt pflegten, äußerte sich verärgert über die militärische Niederlage: “A miserable fucking performance, just like it always is.”[66] Die Informationen, die die Journalisten über die Schlacht bei Ap Bac recherchierten – und die daraus folgenden Berichte – reflektierten die Ansichten der Militärberater vor Ort. So bezeichneten die New York Times, Newsweek sowie die Time Ap Bac als eine herbe Niederlage.[67] Die Presse stand mit ihrer negativen Bewertung nicht allein. Ferner sahen auch führende US-Generäle die Schlacht als eine klare Niederlage der ARVN an. Beispielsweise räumte der spätere US-General Westmoreland ein, dass die US-Presse in Südvietnam – zu Beginn des US-Engagements – recht gut über militärische Angelegenheiten informiert war.[68] Die US-Regierung versuchte dennoch die Schlacht bei Ap Bac als einen Sieg der südvietnamesischen Armee aussehen zu lassen. Folglich wurden die negativen Darstellungen der Presse heruntergespielt. So nahm US-General Harkins öffentlich Stellung: “Anyone who criticizes the fighting of the Armed Forces of the Republic of Vietnam is doing a disservice to the thousands of gallant and courageous men who are fighting in the defense of their country.”[69] Darüber hinaus beschuldigte das Weiße Haus und der Generalstab die US-Medien, schlecht recherchiert und die Kampfhandlungen sowie Verluste der ARVN verzerrt dargestellt zu haben.[70] Alles in allem wurden die Berichte der US-Reporter als unwahr und sensationslüstern herabgesetzt. Zusätzlich versuchte Präsident Kennedy den Reporter David Halberstam – aufgrund seiner besonders kritischen Berichte – aus Vietnam loszuwerden. So bat er den Herausgeber der New York Times, Arthur Sulzberger, um seine Abberufung, was Sulzberger jedoch ablehnte.[71]

Nachdem es der Kennedy-Administration bis dato gelungen war, das wachsende US-Engagement in Vietnam vor der amerikanischen Öffentlichkeit erfolgreich herunter zu spielen, trat es mit der Niederlage in Ap Bac allmählich in den Vordergrund. Darüber hinaus wurden die Spannungen zwischen Medien und Regierung erstmals spürbar. Das Entscheidende an Ap Bac war jedoch, dass es lediglich die Gegensätzlichkeiten zwischen den Aussagen des US-Militärs und den Recherchen der Reporter verdeutlichte. So brachte das Zurückhalten von Informationen eine unvermeidliche Reaktion seitens der Journalisten mit sich, die Halberstam in seinen Berichten feststellte: “It should be reported that there is considerably less optimism out in the field than in Washington or in Saigon and that the closer one gets to the actual contact level of this war, the farther one gets from official optimism.”[72] Diese Tatsache sorgte bei vielen Vietnam-Reportern allmählich für Misstrauen gegenüber der Regierung und dem Militär.

Auch wenn die US-Kriegsberichterstattung etwas kritischer geworden war, bedeutete das nicht, dass die Journalisten die Notwendigkeit des militärischen Vorgehens und das gesamte US-Engagement in Südvietnam in Frage stellten. Was durchaus bezweifelt wurde, betraf die militärische Taktik und die Effektivität der Maßnahmen und nicht den Kampf gegen den Kommunismus selbst.[73] Im Gegenteil, die US-Reporter, die nach Südvietnam kamen, waren von der amerikanischen Sache und der antikommunistischen Ideologie ihrer Regierung überzeugt. Sie forderten teilweise sogar von der Kennedy-Administration, Diem als Staatsoberhaupt abzusetzen und selbst die Kontrolle über den Krieg zu übernehmen. Sie waren davon überzeugt, dass die USA ohne das Diem-Regime die Kommunisten weitaus zügiger besiegen konnten.[74] Der bereits erwähnte politische Konsens umfasste also insbesondere die amerikanischen Medien. So verstanden sich die Vietnam-Korrespondenten als Teil einer guten Sache. Der Journalist Neil Sheehan erinnert sich:

We regarded the conflict as our war too. We believed in what our government said it was trying to accomplish in Vietnam, and we wanted our country to win this war…[75]

Dadurch gehörten kritische Berichte zu Beginn des US-Engagements eher der Minderzahl an. Viel häufiger hingegen waren Berichte, die das US-Militär und seinen Kampf zur Eindämmung des Kommunismus beschönigten und heldenhaft darstellten. Ein Beispiel hierfür ist ein New York Times -Bericht von Halberstam über die Green Berets im Dezember 1962 – also kurz vor der Schlacht bei Ap Bac: “Dak Pek is a far outpost of the non-Communist world (…). Here a handful of tough United States Special Forces men day after day live a precarious existence training (…) mountain tribesmen (…). According to Lieutenant Pete Skamser (…) every man on the team is willing to die for Dak Pek.”[76]

Die Kritik des Pressekorps in Vietnam über die ARVN sowie die unterstützenden Maßnahmen der US-Regierung hielt sich weitgehend in Grenzen und tastete nie die Ideologie der antikommunistischen Sache an. Vielmehr betrachteten die Journalisten die vermeintlichen Fortschritte Südvietnams mit zunehmender Skepsis, besonders da sie Diem allgemein für politisch unfähig hielten.

2.3. Buddhistenkrise 1963

Die Beziehungen zwischen den Medien und der Kennedy-Administration wurden im Sommer 1963 in Vietnam erneut auf die Probe gestellt. Das Regime von Diem ging mit unerbittlicher Härte gegen jegliche Kritik aus der Gesellschaft vor. Besonders die Buddhisten wurden in ihrer Religionsfreiheit enorm unterdrückt und diskriminiert. Diem selbst war zum Katholizismus konvertiert und hatte auch Schlüsselpositionen in seiner Regierung mit Katholiken besetzt – ohne Rücksicht auf die buddhistische Mehrheit der Bevölkerung in Süd-Vietnam. Am 8. Mai 1963, dem Geburtstag von Buddha, gab es erstmals größere Demonstrationen buddhistischer Priester gegen ein Verbot von religiösen Fahnen. Daraufhin ließ Diem seine Elitetruppen auf die Demonstranten los. Der Protest wurde brutal niedergeschlagen. Neun Menschen starben.[77] Im Laufe der nächsten Monate eskalierte der Konflikt schließlich. Was als religiöser Protest angefangen hatte, wurde nun politisch. So kam es am 11. Juni zu einer demonstrativen Selbstverbrennung eines buddhistischen Mönches auf offener Strasse, dessen Foto um die ganze Welt ging.[78] Besonders Bilder von Selbstverletzungen, die sich als Verzweiflungsaktionen im Sommer 1963 häuften, wanderten auf die Titelseiten der globalen Presse und brachten der Regierung von Diem weltweite Kritik ein. Außerdem schlossen sich – aus Sympathie – auch südvietnamesische Studenten den buddhistischen Demonstranten an. Diem und sein Bruder Nhu, der die Geheimpolizei leitete, antworteten immer wieder mit staatlicher Gewalt und Massenverhaftungen. Den Höhepunkt der Verhaftungen bildete der 21. August 1963, als südvietnamesische Regierungstruppen und Polizisten, die vom US-Militär ausgebildet worden waren, die buddhistischen Pagoden in allen Teilen des Landes stürmten und mehr als 1400 Demonstranten festnahmen.[79]

Die südvietnamesische Regierung befand sich nun in einer innenpolitischen Krise, die durch die Medien in die ganze Welt vermittelt wurde. Die Dramatik der Situation wurde jedoch bewusst von den buddhistischen Mönchen gesteuert, um einen größtmöglichen Effekt in der internationalen Presse – besonders in den USA – zu erzielen. Durch diese Methoden beabsichtigten sie vor allem, sowohl die amerikanische Bevölkerung als auch die US-Administration zur Aufgabe der Unterstützung Diems zu bewegen.[80] So nahmen die Buddhisten Kontakt zu den US-Journalisten auf und informierten sie genauestens über Zeitpunkt und Ort zukünftiger Demonstrationen oder Selbstverbrennungen. Darüber hinaus trugen die Buddhisten absichtlich Plakate mit englischer Aufschrift.[81] Die Reporter waren für die Mönche das Fenster zur Außenwelt. Folglich ergab sich eine Art Kooperation, bei der die US-Presse – immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort – mit ausgiebig ereignisreichem Material für ihre Berichte versorgt wurde. Dadurch verlagerten sich die Themen der Reporter kurzfristig von der militärischen auf die politische Ebene. Doch dies machte sie gleichzeitig zu Staatsfeinden der südvietnamesischen Regierung. Besonders kritische Journalisten kamen ins Visier von Diem und wurden in ihrer Arbeit massiv behindert. Der südvietnamesische Geheimdienst beschattete sie auf Schritt und Tritt, hörte ihre Telefone ab und durchsuchte ihre Büros in Saigon. Außerdem wurden ihre Berichte teilweise eingesehen oder sogar aufgehalten.[82] Anstatt die Situation aus eigener Sicht durch die Medien darstellen zu lassen, verschlimmerte Diem das Verhältnis zu den Journalisten vor Ort. Eine freie Berichterstattung über die südvietnamesische Führung war schwierig: “These correspondents (…) were accredited by the Diem government, which saw no reason why it should allow [them] to write stories critical of its performance. If the correspondents did so, the Diem regime called them spies and Communists, and did its best to censor their copy (…)”[83], so Knightley. Neben den genannten Repressalien bedeutete die Höchststrafe den Entzug der Akkreditierung und die Ausweisung aus dem Land. So wurden schließlich die Journalisten James Robinson vom US-Sender NBC und Francois Sully vom Nachrichtenmagazin Newsweek wegen kritischer Berichterstattung des Landes verwiesen.[84] In Wirklichkeit sah sich Diem sogar als Opfer der Medien. Vor allem konnte er nicht verstehen, warum die US-Journalisten ihn nicht zu hundert Prozent unterstützten, so wie es die US-Regierung tat.[85]

Die Buddhistenkrise hatte die bereits seit längerem bestehende Antipathie der Medien gegen das Diem-Regime bestätigt. Viele Journalisten in Südvietnam waren längst nicht mehr von der Fähigkeit Diems überzeugt, einen stabilen und antikommunistischen Staat aufzubauen. So schrieb der Reporter Homer Bigart bereits im Juli 1962 für die New York Times: “[V]isions of ultimate victory are obscured by the image of a secretive, suspicious, dictatorial regime.”[86] Die kritische Berichterstattung gegen Diem führte aber auch zu Verstimmungen innerhalb des Pressekorps. So schlugen sich besonders loyale Journalisten wie Joseph Alsop oder Marguerite Higgins auf die Seite der US-Regierung und Diems. Dabei beschuldigten sie Halberstam sowie andere Reporter, mit negativen Berichten die Kommunisten zu unterstützen.[87] Alsop ging noch einen Schritt weiter und sah die negative Berichterstattung als Kreuzzug gegen die US-Regierung an.[88] Diese und andere Kommentare, die kritische Berichte als unpatriotisch diffamierten, trugen einen gewissen Teil zum späteren Nachkriegs-Mythos bei, dass vor allem die Medien für die amerikanische Niederlage in Vietnam verantwortlich waren. Einer der schärfsten Kritiker des damaligen Pressekorps, Robert Elegant, der selbst Jahre lang als Journalist über den Vietnamkonflikt berichtet hatte, beschrieb die Auslands-Reporter folgendermaßen:

(…) most foreign correspondents assigned to cover the story wrote primarily to win the approbation of the crowd, above all their own crowd. As a result (…) the self-proving system of reporting they created became ever further detached from political and military realities because it instinctively concentrated on its own self-justification (…) The press was instinctively ‘agin the government’- and, at least reflexively, for Saigon’s enemies.[89]

Doch was hierbei oft in Vergessenheit geriet, war der bereits erwähnte politische Konsens, der tief im Bewusstsein der US-Reporter verankert war. So schrieb die eher liberal eingestellte New York Times im März 1963: “The cost [of saving Vietnam] is large, but the cost of Southeast Asia coming under the domination of Russia and Communist China would be still larger.”[90] Die US-Journalisten in Vietnam waren von der antikommunistischen Sache überzeugt. Genau wie die amerikanischen Soldaten im Feld sahen es die Reporter als ihre Pflicht an, auf ihre Art und Weise zu helfen, um den Krieg gegen die Kommunisten zu gewinnen. Für Sheehan und seine Kollegen bedeutete dies: “(…) reporting the truth of what was happening in order both to inform the public and to put the facts before those in power so that they could make correct decisions.”[91] Doch was die Journalisten zu in Vietnam sehen bekamen, kollidierte immer mehr mit der Informationspolitik der US-Regierung, die darin bestand, das Vietnam-Engagement und das Diem-Regime stets positiv darzustellen.

Die Kennedy-Administration betrachtete die Buddhistenkrise als Gefahr für ihr militärisches Engagement. Sie hatte Diem in der Öffentlichkeit als einen fähigen Verbündeten der USA dargestellt. Doch viele Bilder und Berichte in der Presse zeigten das genaue Gegenteil und stellten so die Glaubwürdigkeit der US-Regierung in Frage. Daraufhin setzte Kennedy auf eine Doppelstrategie. Südvietnam bekam weiterhin Unterstützung vom US-Militär, wobei Diem offiziell kritisiert und zu mehr demokratischer Stabilität aufgerufen wurde. Außerdem wurde ein Teil der finanziellen und materiellen Unterstützung bewusst ausgesetzt, um den Druck auf Diem zu erhöhen. Doch Diem lenkte nicht ein und setzte die Unterdrückung gegen das eigene Volk weiter fort. Zusätzlich verbrannte sich am 5. Oktober 1963 erneut ein Buddhist aus Protest.[92] Die Devise “sink or swim with Diem”[93], nach der die Kennedy-Administration bislang verfuhr, hatte allmählich ausgedient. Die USA suchten inoffiziell nach politischen Alternativen für Südvietnam. So wurden bereits bestehende Geheimdienstkontakte zu südvietnamesischen Generälen intensiviert, die auf einen Putsch Diems aus waren.[94] Dabei versuchte die US-Regierung eine neutrale Haltung gegenüber einem Putsch einzunehmen. Man würde einen Putsch gegen Diem zwar nicht unterstützen, aber auch nicht verhindern.[95] Der Staatsstreich ließ nicht lange auf sich warten. Nach der Ermordung Diems übernahm am 1. November 1963 die Junta der Putschisten unter Führung von General Van Minh die Macht in Südvietnam.[96] Die Kennedy-Administration, die den Putsch geduldet hatte, erkannte die neue Führung in Südvietnam unverzüglich als offizielle Regierung an und setzte ihre Unterstützung fort. Den erzwungenen Regierungswechsel in Südvietnam betrachteten die US-Medien schließlich als positive Entwicklung. Denn mit Diems Sturz waren auch die Unstimmigkeiten der Journalisten bezüglich des militärischen Fortschritts in Südvietnam zeitweise verstummt.[97] Diese Haltung bestätigt wiederum den Willen der US-Medien, das Vietnam-Engagement weitgehend zu unterstützen.

Die Kennedy-Administration betrachtete die Vietnam-Reporter dennoch aus kritischer Sicht. Immer wieder wurde erwähnt, dass die Journalisten in ihrer Arbeit bezüglich Diem mehr Zurückhaltung hätten üben müssen, da dies Diems unnachgiebige Haltung nur verstärkte.[98] Doch die Reporter befanden sich diesbezüglich selbst in einem Dilemma. Sie mussten sich entscheiden, auf welche Weise sie über die Situation berichten wollten. Denn mit jedem Handeln griffen sie unbewusst sowohl in die südvietnamesische als auch in die amerikanische Politik ein. Der Auslandskorrespondent Peter Arnett von Associated Press verdeutlicht diese schwierige Situation, in dem er den Moment beschreibt, an dem er Zeuge einer Selbstverbrennung wurde:

I could have prevented that immolation by rushing at him and kicking the gasoline away (…). As a human being I wanted to. As a reporter I couldn’t (…). If I had stopped him (…) I would have propelled myself directly into Vietnamese politics. My role as a reporter would have been destroyed along with my credibility (…). I photographed him burning on the sidewalk. I beat off half a dozen Secret Police trying to grab my camera. I raced to the AP office, wrote the story and sent a radiophoto. It was on America's front pages the next morning.[99]

Doch für die Korrespondenten war es nahezu unmöglich, die Situation in Vietnam durch ihre Berichte nicht zu beeinflussen. Allein durch ihre Präsenz waren sie zu einem Einflussfaktor im politischen Prozess geworden. Das hatte die Buddhistenkrise deutlich gezeigt.

Die Buddhistenkrise hatte die US-Regierung dazu gebracht, das Verhältnis zu den Medien nochmals zu überdenken. Die rigiden Maßnahmen von Diems Geheimdienst und Polizei gegen die Journalisten hatten die Haltung der Kennedy-Administration beeinflusst. “Cable 1006”, das als Ersatz für eine direkte Zensur gedient hatte, wurde schließlich widerrufen. Die US-Regierung war bemüht, den Umgang mit den Vietnam-Reportern zu verbessern: “They understood that blaming the critical reporting on ideological or generational differences was (…) counterproductive. They saw that their obstructionism had cost them a significant degree of influence and control over what the reporters eventually wrote.”[100] Von nun an war es für die US-Administration wichtig, die Journalisten vermehrt mit Informationen zu versorgen, die sie für ihre Berichte benötigten. Auf diese Weise konnte die Administration ihre Sichtweise in der Öffentlichkeit etwas besser darstellen und kam gleichzeitig den Reportern bezüglich der Recherchearbeit zuvor.

2.4. US-Heimatredaktionen und Selbstzensur

Die Unstimmigkeiten innerhalb der Presse in Vietnam wurden in den amerikanischen Heimatredaktionen auf eine eher patriotische Art gelöst. Um auf einer regierungstreuen Linie zu bleiben, war es für sie größtenteils üblich, eine gewisse Form der Selbstzensur zu üben. Einerseits, da sie ihre überwiegend patriotisch eingestellte Leserschaft sowie Zuschauer durch US-kritische Berichte nicht verärgern wollten. Andererseits, da die Redaktionen in Amerika gegenüber der US-Administration solidarischer eingestellt waren: “For years the press corps in Vietnam was undermined by the White House and the Pentagon. Many American editors ignored what their correspondents in Vietnam were telling them in favor of the Washington version.”[101] Denn während der täglichen Arbeit im Umgang mit Regierungsmitgliedern in der Heimat hatte sich bei den Journalisten das Selbstverständnis entwickelt, ein Teil des politischen Establishments zu sein. So waren beispielsweise wichtige Führungskräfte bei den Fernsehsendern, wie David Sarnoff von NBC oder Frank Stanton sowie William Paley von CBS, bereits in den Fünfzigern an staatlich finanzierte Antikommunismus-Kampagnen beteiligt.[102] Folglich führten diese Gegebenheiten bei vielen Reportern dazu, dass sie eine gewisse journalistisch-neutrale Haltung gegenüber der Regierung verloren. Viele Vietnam-Korrespondenten hingegen, die unmittelbar vom Schauplatz des Krieges aus recherchierten, nahmen die Eindrücke unabhängig von solchen Einflüssen auf, was verstärkt zu unterschiedlichen Ansichten und Interpretationen.[103] Doch viele Herausgeber und Zeitungsverleger tendierten dazu, letztendlich die offizielle Version der US- Regierung übernahmen.[104]

All dies führte zu einem Spannungsverhältnis zwischen den Redaktionen und Verlegern in den USA und den vor Ort berichtenden Vietnam-Korrespondenten. Besonders in Bezug auf den Kriegsverlauf und den Aussichten auf einen militärischen Sieg zeigte sich bei den US-Heimatredaktionen mehr Optimismus als bei ihren Kollegen in Vietnam.[105] So bot sich die Selbstzensur als effektives Mittel an, um kritische Berichte zu entschärfen und sie inhaltlich der offiziellen Regierungslinie anzupassen. Dies sorgte jedoch innerhalb der Medien für Streitereien. Als ein Extrembeispiel soll hier der Bericht der Time -Korrespondenten Merton Perry und Charles Mohr dienen, die mit ihrer Redaktion in Washington in Konflikt gerieten. Der 25 Seiten starke Bericht der beiden Reporter vom August 1963 hatte die aktuelle Lage und das US-Engagement in Vietnam als eher aussichtslos bewertet. So begann bereits der erste Satz mit “The war in Vietnam is being lost”[106]. Doch ihre Heimatredaktion zensierte entscheidende Stellen des kritischen Berichts und machte einen patriotischen Artikel daraus. Schließlich enthielt der umgeschriebene Artikel Schlüsselsätze wie “Government troops are fighting better than ever”.[107] Der verantwortliche Herausgeber des Nachrichtenmagazins Time, Otto Fuerbringer, der die Selbstzensur veranlasst hatte, warf den beiden Reportern vor, nicht gut genug recherchiert zu haben und von der komplexen Situation in Vietnam irritiert worden zu sein.[108] Nachdem die Proteste von Perry und Mohr nichts bewirkt hatten, kündigten Sie bei der Time. Ein weiteres Beispiel ist ein Briefwechsel zwischen Joseph Alsop und James Reston, einem Redakteur von der New York Times. Darin kritisiert Alsop einen Artikel von Sheehan über einen verlustreichen Kampf der US-Truppen im “la-Drang”-Tal in Südvietnam:

Sheehan […] has plenty of competitors for the title of worst war reporter in Saigon, but the tone of his look at me, I have got the big story about our losses, was too much to take […], and although I know you disagree, this business of nothing but casualties, and no mention of the astonishing successes, is somehow enraging.[109]

Daraufhin antwortete Reston: “I wish I could share your confidence that our magnificent fighting at la Drang, and our ‘brilliant victories’, were symbols of decisive victories to come, but a few more ‘victories’ like la Drang and we’re likely to be undone.”[110] Bezüglich des Gefechts am “la-Drang”-Tal berichteten auch andere Zeitungs-Reporter, dass nahezu die gesamte US-Kompanie vernichtet wurde, obwohl das Militär offiziell von leichten Verlusten gesprochen hatte.[111] Die teils gravierenden Differenzen innerhalb der US-Medien verdeutlichen, dass sie keineswegs eine Einheit gegen die US-Regierung bildeten. Folglich gab es zwei Arten von US-Journalisten: Die uneingeschränkt regierungstreuen Reporter erkannten die Aussagen der Regierung stets objektiv und ohne Zweifel an. Zu dieser Gruppe zählten in erster Linie die Heimatredaktionen. Die Vietnam-Korrespondenten jedoch, die sich nicht mit den offiziellen Informationen zufrieden gaben und selbst recherchierten, fanden vor Ort immer öfter eine Situation vor, die der Regierungsversion deutlich widersprach.

An dieser Stelle kann auf die theoretischen Erkenntnisse des „pessimistischen Ansatzes“ zurückgegriffen werden. Demnach dienen die Medien der politisch-ökonomischen Elite als Kommunikationsinstrument. Darüber hinaus sind sie aufgrund ihrer Abhängigkeit von Informationen und Quellen aus der Elite nicht bereit, die Regierungslinie zu verlassen, um eine kritische Position einzunehmen. Berücksichtigt man außerdem den politischen Konsens, der dafür sorgte, dass sich die Wertevorstellungen zwischen den amerikanischen Medien und der Regierung größtenteils deckten, kann dieser Erklärungsansatz allein insgesamt bestätigt werden.[112] Doch bezieht man zusätzlich die „realistische“ Theorie in diesen Erklärungsansatz mit ein, so wird der Grund für das Streben der Heimatredaktionen nach der Regierungslinie noch deutlicher. Denn bei diesem medientheoretischen Ansatz spielt die wirtschaftliche Komponente der Medien eine zentrale Rolle. Wie bereits erwähnt, riskierten die Zeitungsredaktionen sowie Fernsehsender durch kritische Berichte ihr Publikum zu verlieren, was sich besonders negativ auf ihre wirtschaftlichen Erträge auswirken konnte.[113] Außerdem gab es ein großes Konkurrenzdenken innerhalb der Medienunternehmen und Verlage. Somit waren die Heimatredaktionen der US-Medien teilweise gezwungen, kritische Berichte mittels Zensur für die amerikanische Öffentlichkeit akzeptabler zu machen, da sie sonst mit finanziellen Einbußen rechnen mussten.

2.5. Öffentliche Stimmung unter Kennedy

Das öffentliche Interesse in Bezug auf Südvietnam war zu Beginn des US-Engagements deutlich begrenzt. So erregte die beträchtliche Erhöhung der militärischen und finanziellen Hilfe sowie die Zahl der amerikanischen Militärberater in Südvietnam kaum Besorgnis in der Bevölkerung.[114] Im Gegenteil, die Unterstützung eines Dritte Welt-Landes, das ansonsten in die Hände der Kommunisten fallen konnte, galt für den Großteil der US-Bürger als legitim.

Das mäßige Interesse der Bevölkerung basiert auf verschiedenen Faktoren. Einerseits hatte Kennedys restriktive Pressepolitik, mit dem der Präsident den Vietnamkonflikt aus dem Bewusstsein der US-Bürger heraushalten wollte, seine Wirkung gezeigt. Die Bürger unterstützten Kennedys Außenpolitik, ohne Näheres über den Konflikt in Vietnam zu wissen.[115] Andererseits spielte die Zahl der Opfer eine entscheidende Rolle. Die Kennedy-Administration hatte im Jahr 1962 etwa 31 tote Amerikaner zu beklagen, während sich die Opferzahl 1963 auf 77 erhöhte.[116] Folglich hatte das US-Engagement unter Kennedy verhältnismäßig geringe Opfer gebracht, wenn man die mehr als 17.000 amerikanischen Militärangehörigen und -berater bis Ende 1963 mitberücksichtigt. Dies trug zusätzlich dazu bei, dass die amerikanische Öffentlichkeit von einem relativ verlustlosen Krieg ausging. Selbst als Journalisten trotz Selbstzensur und Patriotismus Widersprüche in den Regierungsaussagen zu Ereignissen wie die Schlacht bei Ap Bac oder die Buddhistenkrise aufdeckten, tat dies der öffentlichen Stimmung keinen Abbruch. Laut Umfragen des Harris-Instituts im November 1963 - kurz nach Diems Fall - billigten etwa 57 Prozent der US-Bevölkerung die Vorgehensweise ihrer Regierung in Vietnam.[117] Einige Monate später – nach der Ermordung Kennedys – hielt die Unterstützung zwar weiter an, das große öffentliche Interesse war aber immer noch nicht vorhanden. Vietnam schien immer noch nicht fest im Bewusstsein der Bürger zu sein: “Even in 1964, when the United States stood poised on the verge of major military involvement, with thousands of advisors already in Vietnam (…) two thirds of the American people ‘said they paid little or no attention to developments in South Vietnam’.”[118] Solange die Regierung zeigte, dass sie die Sache in Südvietnam im Griff hatte, war auch die Bevölkerung zufrieden und hegte keine Zweifel gegenüber der Außenpolitik. Dadurch waren die Bedingungen für eine Fortsetzung des US-Engagements günstig.

[...]


[1] Vgl. Daniel C. Hallin, The “Uncensored War”: The Media and Vietnam (New York: Oxford University Press, 1986), 6.

[2] Vgl. Michael Mandelbaum, “Vietnam: The Television War”, in: Daedalus 111:4 (Fall 1982), 157.

[3] Vgl. Lyndon B. Johnson, The Vantage Point: Perspectives of the Presidency, 1963-1969 (New York: Holt, Rinehart and Winston, 1971), 383-84; William C. Westmoreland, A Soldier Reports (New York: Doubleday, 1976), 89.

[4] Robert Elegant, “How to Lose A War: The Press and Viet Nam”, in: Encounter 57:2 (August 1981), 89.

[5] Vgl. Peter Braestrup, Big Story: How the American Press and Television Reported and Interpreted the Crisis of Tet 1968 in Vietnam and Washington (Boulder: Westview Press, 1977).

[6] Vgl. Hallin, The “Uncensored War”, 168-78.

[7] Vgl. William M. Hammond, Reporting Vietnam: Media and Military at War (Lawrence: University Press of Kansas, 1998). Für weitere Vertreter dieser Ansicht siehe u.a.: George C. Herring, America’s Longest War: 1950-1975 (New York: Alfred A. Knopf, 1986); George Donelson Moss, “News Or Nemesis: Did Television Lose The Vietnam War?”, in: George Donelson Moss, ed., A Vietnam Reader: Sources and Essays (Englewood Cliffs: Prentice-Hall, 1991), 245-300; Chester J. Pach, “And That’s The Way It Was: The Vietnam War on the Network Nightly News”, in: David Farber, ed., The Sixties: From History to Memory (Chapel Hill: University of North Carolina Press, 1994), 90-118; Chester J. Pach, “TV News, The Johnson Administration, and Vietnam”, in: Marilyn B. Young and Robert Buzzanco, eds., A Companion to the Vietnam War (Malden: Blackwell, 2002), 450-469; Herbert Gans, Deciding What’s News: A Study of CBS Evening News, NBC Nightly News, Newsweek and Time (New York: Vintage, 1979); Clarence R. Wyatt, Paper Soldiers: The American Press and the Vietnam War (New York: W.W. Norton & Company, 1993); David F. Schmitz, The Tet Offensive: Politics, War, and Public Opinion (Lanham: Rowman & Littlefield Publishers, 2005); Jan Wölfl, Kriegsberichterstattung im Vietnamkrieg (Münster: Lit Verlag, 2005).

[8] Vgl. William M. Hammond, Public Affairs: The Military and the Media, 1962-1968 (Washington D.C.:

Center of Military History, 1988), 372.

[9] Siehe besonders die jüngsten Werke von Hallin, Hammond, Wyatt, Pach oder Wölfl.

[10] Max Kaase, „Demokratisches System und die Mediatisierung der Politik“, in: Ulrich Sarcinelli, Hg., Politikvermittlung und Demokratie in der Mediengesellschaft (Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 1998), 34.

[11] Jürgen Bellers und Klaus Wehmeier, „Medienberichterstattung als Faktor im außenpolitischen Entscheidungsprozeß“, in: Politische Vierteljahresschrift 21:1 (1980), 329.

[12] Anm.: Bei diesem Kommunikationsvorgang haben die Medien direkten Einfluss darauf, über welche Themen und Sachverhalte diskutiert wird, jedoch nicht wie diese Angelegenheiten schließlich von der Öffentlichkeit bewertet werden. Vgl. hierzu: Benjamon I. Page and Robert Y. Shapiro, The Rational Public: Fifty Years of Trends in Americans' Policy Preferences (Chicago: University of Chicago Press, 1992), 23. Siehe auch: Donald L. Shaw and Maxwell E. McCombs, The Emergence of American Political Issues: The Agenda-Setting Function of the Press (St. Paul: West, 1977).

[13] Anm.: Der Bereich Hörfunk, der ebenfalls zu den Medien gehört wird in dieser Arbeit aufgrund seiner geringen Bedeutung für den Vietnamkrieg ausgeklammert.

[14] Anm.: Der Begriff „Informationspolitik“, der ebenfalls in dieser Untersuchung auftaucht wird als die Summe aller kommunikativen Maßnahmen verstanden, mit denen die Regierung hinsichtlich der gesamten Öffentlichkeit agiert. Vgl. Jürgen Wilke, „Bedeutung und Gegenstand der Medienpolitik“, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 9:1 (März 1985), 3-16.

[15] Vgl. Jochen Hills, „Asymmetrische Kommunikation? – `Newsbeats´, `sound bites´ und US-Nachrichten im Vorfeld des Golf- und Kosovokrieges”, in: Ulrich Albrecht und Jörg Becker, Hgg., Medien zwischen Krieg und Frieden (Baden-Baden: Nomos, 2002), 75-90.

[16] Vgl. Richard A. Melanson, American Foreign Policy Since the Vietnam War: The Search for Consensus from Nixon to Clinton (Armonk: M. E. Sharpe, 1999), 6. Anm.: Innerhalb des politischen Konsens akzeptierte die amerikanische Öffentlichkeit während des Kalten Kriegs die Notwendigkeit einer globalen Präsenz der USA, um die nationale Sicherheit zu wahren und eine demokratisch gerechte sowie stabile Weltordnung zu erschaffen.

[17] Vgl. Ulrich Muhlack, „Zum ‘Verstehen’ im frühen Historismus. Ein Diskussionsbeitrag“, in: Christian Meier und Jörn Rüsen, Hgg., Historische Methode: Theorie der Geschichte (München: Dt. Taschenbuch Verlag, 1988), 227-232.

[18] American Institute of Public Opinion, the Gallup Organization (AIPO) zit. in: John E. Mueller, War, Presidents and Public Opinion (New York: John Wiley & Sons, 1973), 54. Anm.: Zu den beiden Instituten siehe auch: <http://www.gallup.com>; <http://www.harrisinteractive.com> Letzter Zugriff: 03.03.2007.

[19] Siehe hierzu: Nick Stevenson, Understanding Media Cultures: Social Theory and Mass Communication (London: Sage, 2003); Ansgar Nünning, Metzlers Lexikon der Literatur- und Kulturtheorie: Ansätze, Personen, Grundbegriffe (Stuttgart: Metzler, 1998), 344; Fred Inglis, Media Theory: An Introduction (Cambridge, Massachusetts: B. Blackwell, 1990).

[20] Vgl. Gans, Deciding What’s News, 85. Anm.: Weitere Vertreter der „realistischen“ Theorie sind u.a. Auletta sowie Denton. Siehe auch: Ken Auletta, Three Blind Mice: How the TV Networks Lost Their Way (New York: Random House, 1991); Robert E. Denton, The Media and the Persian Gulf War (Westport:

Praeger, 1993).

[21] Vgl. Douglas Kellner, The Persian Gulf TV-War (Boulder: Westview Press, 1992), 125.

[22] Vgl. Kellner, The Persian Gulf TV-War, 6. Anm.: Weitere Vertreter der „pessimistischen“ Theorie sind u.a. Hallin, Chomsky sowie Fishman.

[23] Vgl. Douglas Kellner, Television and the Crisis of Democracy (Boulder: Westview Press, 1990), 105. Siehe auch: Noam Chomsky and Edward S. Herman, Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media (New York: Pantheon, 1988), 23. Anm.: Chomsky geht bei den Medien zusätzlich von multimedialen Konzernen aus, die sich jedoch erst ab den Achtziger Jahren entwickelten. Bezüglich der Berichterstattung während des Vietnamkriegs ist diese Annahme somit nur bedingt relevant. Ferner siehe: Mark Fishman, Manufacturing the News (Austin: University of Texas Press, 1980); David S. Broder, Behind the Front Page (New York: Simon & Schuster, 1987).

[24] Vgl. Michael Parenti, Make-Believe Media. The Politics of Entertainment (New York: Wadsworth Publishing, 1992), 35. Anm.: Der national-politische Konsens wird besonders von Hallin vertreten. Hierbei spielt jedoch auch der wirtschaftliche Aspekt der Medienunternehmen eine Rolle, die im „realistischen“ Ansatz bereits erläutert wurde.

[25] Vgl. Bartholomew H. Sparrow, Uncertain Guardians: The News Media as a Political Institution (Baltimore: The Johns Hopkins University Press, 1999), 3. Zu Vertretern der „konstitutionalistischen“ Theorie gehören u.a. Kohn sowie Emery. Siehe auch: Richard H. Kohn, The United States Military under the Constitution of the United States, 1789-1989 (New York: New York University Press, 1991); Edwin Emery et al. The Press and America: An Interpretive History of the Mass Media (Englewood Cliffs: Prentice Hall, 1984).

[26] Ibid.

[27] Vgl. Neil Sheehan et al. The Pentagon Papers: As Published by the New York Times, Based on Investigative Reporting by Neil Sheehan (New York: Bantam, 1971).

[28] Anm.: Die genannten Regierungsquellen stammen vor allem aus den offiziellen Online-Nationalarchiven der Präsidenten Johnson und Nixon. Siehe <http://www.lbjlib.utexas.edu>; <http://nixonlibrary.org>. Außerdem wurde in dieser Untersuchung häufig auf Quellen zurückgegriffen, die sich in Aufsatzsammlungen von folgenden Werken befinden: Grace Sevy, ed., The American Experience in Vietnam: A Reader (Norman: The University of Oklahoma Press, 1989); Robert J. McMahon, ed., Major Problems in the History of the Vietnam War (Lexington: D.C. Heath and Company, 1990).

[29] Vgl. Westmoreland, A Soldier Reports, 410.

[30] Siehe Neil Sheehan, A Bright Shining Lie: John Paul Vann and America in Vietnam (New York: Random House, 1988); David Halberstam, The Making of A Quagmire (New York: Harper & Row, 1965).

[31] Vgl. Marc Frey, Geschichte des Vietnamkriegs: Die Tragödie in Asien und das Ende des amerikanischen Traums (München: C.H.Beck Verlag, 2002), 25.

[32] Anm.: Die Dominotheorie besagt, dass der Fall eines Landes in die Hände der Kommunisten auch den Zusammenbruch seiner Nachbarländer gefährden würde. So könnte sich der Kommunismus - wie durch hintereinander zum Fall gebrachte Dominosteine - in ganze Regionen ausbreiten. Bzgl. Antikommunismus im Kalten Krieg vgl. Sara Diamond, Roads to Dominion: Right-Wing Movements and Political Power in the United States (New York: Guilford Press, 1995), 37-65. Siehe auch: Richard Gid Powers, Not Without Honor: The History of Anticommunism (New York: Free Press, 1995).

[33] Hallin, The “Uncensored War”, 50.

[34] “Vietnam represents the cornerstone of the Free World in Southeast Asia (…) Burma, Thailand, India, Japan, the Philippines and obviously Laos and Cambodia are among those whose security would be threatened if the Red Tide of Communism overflowed into Vietnam.”
John F. Kennedy, “Vietnam Conference press release”,

<http://www.jfklibrary.org/Historical+Resources/Archives/Reference+Desk/Speeches/Speeches+of+John+F.+Kennedy.htm>, June 1, 1956. Letzter Zugriff: 08.03.2007.

[35] Vgl. Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, 36-50.

[36] Vgl. David W. Levy, The Debate over Vietnam (Baltimore: John Hopkins University Press, 1991), 41.

[37] Vgl. Schmitz, The Tet Offensive, 25. Anm.: Vom amerikanischen und südvietnamesischen Militär wurden die Guerillakämpfer als Vietcong bezeichnet - Abkürzung für Viet Nam Cong San (Kommunisten von Vietnam). Aufgrund der Unzufriedenheit mit Diem, sympathisierte ein großer Teil der bäuerlichen Bevölkerung mit dem Vietcong.

[38] Ibid.

[39] Vgl. Hallin, The “Uncensored War”, 27.

[40] Vgl. Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, 87.

[41] Anm.: 1962 gab es insgesamt 31 tote US-Soldaten; 1963 waren es bereits 77 US-Opfer. Vgl. Hallin, The “Uncensored War”, 28.

[42] Vgl. Wölfl, Kriegsberichterstattung, 42.

[43] Ibid.

[44] John F. Kennedy, “The President and the Press: Address before the American Newspaper Publishers Association”, <http://www.jfklibrary.org/Historical+Resources/Archives/Reference+Desk/Speeches/Speeches+of+John+F.+Kennedy.htm>, April 27, 1961. Letzter Zugriff: 08.03.2007.

[45] Vgl. Marvin E. Gettleman et al. Vietnam and America: A documented History (New York: Grove/Atlantic, 1995), 161-62.

[46] Hallin, The “Uncensored War”, 36.

[47] Vgl. Hammond, Reporting Vietnam, 2.

[48] Vgl. Wyatt, Paper Soldiers, 92-93.

[49] Vgl. Phillip Knightley, “Vietnam 1954-1975”, in: Sevy, ed., The American Experience in Vietnam, 107.

[50] Vgl. Wyatt, Paper Soldiers, 81.

[51] Ibid.

[52] Vgl. Stanley Karnow, Vietnam: A History (New York: Viking, 1983), 718.

[53] Vgl. Wyatt, Paper Soldiers, 83.

[54] Ibid., 82.

[55] Halberstam, The Making of A Quagmire, 80.

[56] Hammond, Public Affairs: 1962-1968, 16.

[57] Vgl. Knightley, “Vietnam 1954-1975”, in: Sevy, ed., The American Experience in Vietnam, 110. Anm.: Erst als sich der Krieg über das gesamte vietnamesische Gebiet erstreckte, war der Zugang zum Kampfgebiet deutlich schwieriger. Folglich waren die Reporter auf den Transport durch das US-Militär angewiesen.

[58] Vgl. Wyatt, Paper Soldiers, 94.

[59] Vgl. Hammond, Reporting Vietnam, 4.

[60] David Halberstam zit. in: Wyatt, Paper Soldiers, 95.

[61] Vgl. Knightley, “Vietnam 1954-1975”, in: Sevy, ed., The American Experience in Vietnam, 109.

[62] Vgl. William M. Hammond, Public Affairs: 1962-1968, 19.

[63] Hallin, “The Uncensored War”, 39-40.

[64] Vgl. Wölfl, Kriegsberichterstattung, 52.

[65] Wyatt, Paper Soldiers, 107.

[66] John Paul Vann zit. in: Karnow, Vietnam: A History, 262.

[67] Vgl. N.n., “The Helicopter War Runs into Trouble”, in: Time (January 11, 1963), 29; N.n., “A Bloody Nose”, in: Newsweek (January 14, 1963), 34. Anm.: Zur Meldung der New York Times siehe Hallin, The “Uncensored War”, 41.

[68] Vgl. Westmoreland, A Soldier Reports, 67. Anm.: Westmoreland wurde 1964 Nachfolger von

General Paul Harkins als Befehlshaber der US-Streitkräfte in Vietnam.

[69] Paul Harkins zit. in: Hammond, Public Affairs: 1962-1968, 34.

[70] Vgl. Sheehan, A Bright Shining Lie, 277-78.

[71] Vgl. Halberstam, The Making of A Quagmire, 266.

[72] David Halberstam zit. in: Wyatt, Paper Soldiers, 96.

[73] Vgl. Hallin, The “Uncensored War”, 42.

[74] Vgl. Hammond, Reporting Vietnam, 9.

[75] Neil Sheehan, A Bright Shining Lie, 270-71.

[76] David Halberstam zit. in: Hallin, The “Uncensored War”, 42.

[77] Vgl. Wölfl, Kriegsberichterstattung, 54.

[78] Vgl. Hammond, Reporting Vietnam, 10.

[79] Ibid. Vgl. auch: Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, 93-95.

[80] Vgl. Wölfl, Kriegsberichterstattung, 55.

[81] Vgl. Wyatt, Paper Soldiers, 116.

[82] Vgl. Hammond, Public Affairs: 1962-1968, 41.

[83] Knightley, “Vietnam 1954-1975”, in: Sevy, ed., The American Experience in Vietnam, 108.

[84] Vgl. Daniel C. Hallin, “The Mass Media and the Crisis in American Politics: The Case of Vietnam” (Diss. University of California, 1980), 30.

[85] Vgl. Hammond, Public Affairs: 1962-1968, 23-24.

[86] Homer Bigart, “Vietnam Victory Remote Despite U.S. Aid to Diem”, in: New York Times (July 25, 1962), 1.

[87] Vgl. Marguerite Higgins, Our Vietnam Nightmare (New York: Harper & Row, 1965), 128.

[88] Vgl. Wyatt, Paper Soldiers, 120.

[89] Elegant, “How to lose A War”, in: Encounter, 73.

[90] New York Times zit. in: Wölfl, Kriegsberichterstattung, 50.

[91] Neil Sheehan, “Neil Sheehan Recalls Initial Press Attitudes Toward the War (1962-1963)”, in: McMahon, ed., Major Problems in the History, 519.

[92] Vgl. Hammond, Reporting Vietnam, 17.

[93] Hallin, The “Uncensored War”, 46.

[94] Vgl. Wyatt, Paper Soldiers, 116.

[95] Vgl. Hammond, Reporting Vietnam, 17.

[96] Vgl. Gary R. Hess, Vietnam and the United States: Origins and Legacy of War (Boston: Houghton Mifflin, 1990), 184.

[97] Vgl. Hallin, The “Uncensored War”, 48.

[98] Vgl. Hammond, Public Affairs: 1962-1968, 65.

[99] Peter Arnett, “Reflections on Vietnam, the Press and America”, <http://www.nieman.harvard.edu/reports/99-4_00-1NR/Arnett_Reflections.html>, March 1972. Letzter Zugriff: 19.02.2007.

[100] Wyatt, Paper Soldiers, 126.

[101] John Shaw zit. in: Phillip Knightley, The First Casualty: From Crimea to Vietnam: The War Correspondent as Hero, Propagandist and Myth Maker (New York: Harcourt, 1975), 376.

[102] Vgl. William Gibson, “Network News: Elements of a Theory”, in: Social Text 3:1 (Autumn 1980), 92.

[103] Vgl. Wölfl, Kriegsberichterstattung, 59.

[104] Vgl. Knightley, “Vietnam 1954-1975”, in: Sevy, ed., The American Experience in Vietnam, 109.

[105] Vgl. Gans, Deciding What’s News, 135.

[106] Vgl. Wyatt, Paper Soldiers, 121.

[107] Vgl. Knightley, The First Casualty (1975), 379.

[108] Vgl. Wyatt, Paper Soldiers, 121.

[109] Joseph Alsop zit. in: James Reston, Deadline: A Memoir (New York: Random House, 1992), 324.

[110] Ibid.

[111] Vgl. Hammond, Public Affairs: 1962-1968, 212. Anm.: Das Gefecht im “la-Drang”-Tal ereignete sich im November 1965, als die USA bereits Kampftruppen entsandt hatten.

[112] Vgl. David L. Paletz and Robert M. Entman, Media, Power, Politics (New York: Free Press, 1991), 78.

[113] Vgl. John Hartley, Understanding News (London: Methuen, 1982), 55.

[114] Vgl. Wölfl, Kriegsberichterstattung, 60.

[115] Ibid.

[116] Vgl. Hallin, The “Uncensored War”, 28.

[117] Vgl. Louis Harris, The Anguish of Change (New York: W.W. Norton, 1973), 53-55.

[118] William L. Lunch and Peter W. Sperlich, “American Public Opinion and the War in Vietnam”, in: The Western Political Quarterly 32:1 (March 1979), 22.

Ende der Leseprobe aus 127 Seiten

Details

Titel
Sündenbock Medien - Trägt die U.S.-Kriegsberichterstattung die Hauptschuld an der Niederlage in Vietnam?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Amerika-Institut)
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
127
Katalognummer
V78092
ISBN (eBook)
9783638801058
Dateigröße
836 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sündenbock, Medien, Trägt, Hauptschuld, Niederlage, Vietnam, USA, 60er Jahre, Sixties, Krieg, Amerika, Nixon, Kennedy, Johnson, Truman, US-Präsident, Vietnamkrieg, Medienkrieg
Arbeit zitieren
Babak Soori (Autor), 2007, Sündenbock Medien - Trägt die U.S.-Kriegsberichterstattung die Hauptschuld an der Niederlage in Vietnam?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78092

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