Volkshochschule (VHS). Eine Institution der Erwachsenenbildung

Hat sich das Profil der Volkshochschule in ihrer 85-jährigen Existenz verändert?


Seminararbeit, 2005
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

GLIEDERUNG

I. Einleitung

II. Erwachsenenbildung
2.1 Definition
2.2 Geschichte der Erwachsenenbildung
2.3 Einrichtungen der Erwachsenenbildung

III. volkshochschule
3.1 Charakterisisierung der vhs
3.2 Geschichte der Volkshochschule

IV. Profil der vhs- eine Analyse
4.1 Ziele und Inhalte im Wandel
4.2 Struktur der vhs
4.3 Probleme der vhs
4.4 Ausblick: Ökonomisierung der vhs

V. SChluss
5.1 Zusammenfassung
5.2 Fazit

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Man muss die Zukunft im Sinn haben
und die Vergangenheit in den Akten“
Charles Maurice Talleyrand (Französischer Staatsmann 1754-1838)

Erwachsenenbildung befindet sich in einem stetigen Veränderungsprozess. „Um sich ihrer Traditionslinien bewusst zu werden und sich ihres gegenwärtigen Standortes zu vergewissern“ (vhs-Bielefeld, 2004, S. o.A) hat sich die Volkshochschule Bielefeld der Maxime des Französischen Staatsmannes angenommen. Eine Maxime, die für die größte Institution der Erwachsenenbildung, der Volkshochschule, von Bedeutung ist.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Institution Volkshochschule und der Entwicklung ihres Profils. Es wird der Frage nachgegangen, ob sich das Profil der Volkshochschule in ihrer 85-jährigen Existenz verändert hat.

Bei der Analyse dieser Frage ist eine Betrachtung auf die Geschichte der Volkshochschule von Nutzen. Da die Institution Volkshochschule der pädagogischen Richtung Erwachsenenbildung zugeordnet wird, soll diese nicht unerwähnt bleiben.

Zu Beginn der Verschriftlichung wird auf die Erwachsenenbildung eingegangen. Nach einer Definitionsklärung folgt eine kurze Skizzierung der historischen Grundlagen der Erwachsenenbildung in der Bundesrepublik Deutschland.

Das nächste Kapitel der Arbeit befasst sich mit der Institution Volkshochschule. Nach einer Darstellung wird die oben genannte Fragestellung aufgegriffen und die vhs diesbezüglich analysiert. Im Anaschluss an die Analyse wird ein Ausblick auf die Zukunft der Volkhochschule gerichtet. Die Seminararbeit endet mit einer Zusammenfassung sowie einem Fazit.

II. Erwachsenenbildung

Die Volkshochschule ist die größte Organisation der Erwachsenenbildung und somit in der Erwachsenenbildung anzusiedeln. Daher folgt ein Abschnitt, der sich eingehend mit Erwachsenenbildung befasst. Da der Begriff Erwachsenenbildung in den folgenden Kapiteln eine wesentliche Rolle einnimmt, ist es von Nutzen, diesen zu Beginn dieser Seminararbeit zu definieren. Nach der Definition der Erwachsenbildung folgt eine kurze Skizzierung ihrer Geschichte.

2.1 Definition:

Die „Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase“ (Nuissl, 1991, 343) wurde vom deutschen Bildungsrat im Jahr 1970 als Erwachsenenbildung definiert. Somit ist Erwachsenenbildung das Fortführen organisierten Lernens nach einer schulischen oder beruflichen Erstausbildung, während oder nach einer Berufstätigkeit.

Im Gegensatz zu Kindern lernen Erwachsene anders und langsamer, indem sie all ihre Erfahrungen und Erwartungen in den Lernprozess mit einbringen.

Gleichbedeutend mit dem Begriff Erwachsenenbildung sind die Bezeichnungen Weiterbildung, Qualifikation, Management und Führungskräfteschulung. Sie wurden im Laufe der letzten Jahre eingeführt und sollten den bisherigen Begriff ersetzen. Die allgemeine Erwachsenenbildung umfasst ein weites Spektrum. So sind berufliche Weiterbildung, Fortbildungen, Umschulungen und politische Bildung im Bereich der Erwachsenenbildung anzusiedeln.

Im nachfolgenden Abschnitt geht es um die Wurzeln der Erwachsenenbildung; es folgt ein Abriss der Geschichte der Erwachsenenbildung.

2.2 Wurzeln der Erwachsenenbildung:

Die Erwachsenenbildung ist „ein Bereich, der historisch aus unterschiedlichen Zusammenhängen heraus entstanden… ist“ (ebd.). So ist die Entstehung der Erwachsenenbildung auf die ökonomischen Veränderungen im 1800 Jahrhundert zurückzuführen; einer Zeit, die geprägt ist von der Industrialisierung, den Nachwirkungen der Aufklärung und der beginnenden Demokratisierung.

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts sind erste Ansätze einer institutionalisierten Erwachsenbildung im deutschsprachigen Raum erkennbar.

Mit der Volksbildung im Jahr 1848, zu Zeiten der reformpädagogischen Bewegung, begannen die für die heutige Erwachsenenbildung wichtigen Vorformen. Durch Aufhebung des Assoziationsgesetzes der neuen Frankfurter Reichsverfassung im Jahre 1848 stand es allen Deutschen frei, sich Vereinen anzuschließen oder welche zu gründen. Ziel der Vereine war es, das Bildungsniveau der Arbeiterschaft zu heben. Die Bildungsinhalte orientierten sich dabei an Gedanken der Menschenrechte und beruflicher Fortbildung sowie der Aufklärung. Das bedeutet, dass die Wurzeln der Erwachsenenbildung auch in der Aufklärung liegen, einer Epoche, die Bildung als Möglichkeit sah, sich aus der gegebenen Unmündigkeit zu befreien (vgl. ebd., S. 344). Noch heute gilt Kants Definition der Aufklärung. Sie ist zu einem Leitziel vieler Pädagogen geworden. Absicht war es, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, um sich so aus der bestehenden Fremdherrschaft zu befreien (vgl. März, 2003, 389). Die Entstehung von Vereinen zum Zweck der Verbreitung von beruflicher und politischer Bildung, hatten vier verschiedene Zielsetzungen:

- „Freie Geselligkeit, die im Unterschied zu bisherigen Formen nicht auf Beruf, Stand und traditionelles Zeremoniell beschränkt ist;
- Bildungsaktivitäten im aufklärerischen Sinne als „Vernünftige Bildung“ (Herv. im Original)
- Tätigkeit von Vereinen, die allgemeine öffentliche Interessen verfolgten und
- Vereinsziele, die der Verbreitung von Wissenschaften dienen“ (Olbrich, 2001 S.40).

Als sich Mitte der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts die Arbeiterbewegung von der bürgerlichen Erwachsenenbildung abspaltete, reagierte diese prompt und gründete eigene Volksbildungsinstitutionen, wie zum Beispiel die 1871 gegründete Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung. Mit ihr wurde die Initiative gestartet, die Auseinanderklaffung des Volkes durch Bildung zu verringern, wobei die Volksbildung sich schwerpunktmäßig auf die niedrigen Schichten bezog.

Die Grundvorstellungen der Aufklärung wurden während der Industrialisierung wieder aufgegriffen. Ziel war es, allen Bürgern, die nicht an einer Volksbildung teilnehmen konnten, die Chance auf Bildung nicht zu verwehren. Ihnen wurde angeboten, ihre kulturellen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten in neuen Bildungsvereinen, wie Lese-, Museums-, Harmonie- und patriotische Gesellschaften, Sonntags- und Abendschulen, zu erweitern (vgl. Hierdeis, 1983, S. 165). Die aus Großbritannien und Österreich stammende Idee der Verbreitung von wissenschaftlichem Wissen fand auch in der Weimarer Republik Anklang, so dass 1899 der Verband für volkstümliche Kurse von Hochschullehrern des deutschen Reiches gegründet wurde (vgl. Nuissl, 1991, S.244).

Diese Ausdehnung der Universitäten „stellte den Gedanken der individuellen Bildung in den Vordergrund und bezog den Einzelnen und seine konkrete Situation in die Bildungspraxis mit ein. Indem sie über eine unreflektierte Wissensvermittlung hinausging und methodisch-didaktisch Wege wies, bereitete sie die „neue Richtung“ (Herv. im Original)“ während „der Weimarer Republik vor“ (Olbrich, 2001, S.137).

In der Epoche der Weimarer Republik erlangte die Erwachsenenbildung einen höheren Stellenwert. Das Bild der Erwachsenenbildung wandelte sich nach dem ersten Weltkrieg grundlegend. Mit dem Artikel 148 der ersten Reichsverfassung 1919 - „Das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen, soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden“ (vhs-Bielefeld, 2004, S. o.A)- verpflichtete sich der Staat für die Verantwortung der Volksbildung, die durch den Erlass des preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung geregelt wurde.

Nach dänischem Vorbild wurde ein Modell zur aktiven Teilnahme an Volksbildung ausgearbeitet. Es war die Gründungswelle von zwei Institutionen, den Volkshochschulen in den Städten und den Heimvolkshochschulen auf dem Land. Im Hinblick auf die rasante Entwicklung der Volkshochschulen spricht Olbrich von einer Phase des Volkshochschulrummels, ein „rapider institutioneller Auf- und Ausbau sowie der Herausarbeitung theoretischer Grundpositionen zwischen 1918 und 1923“ (Olbrich, 2001, S. 213). Die Weimarer Zeit ist noch von 3 weiteren Phasen gekennzeichnet. Zum einen die 1923/24 währende politisch- ökonomische Krise, deren Auswirkungen auch in der Erwachsenenbildung spürbar waren, die Phase der Konsolidierung und Neuorientierung: die pragmatische Wende (1925-30) sowie die Phase des Niedergangs und des beginnenden Endes der demokratischen Erwachsenenbildung (1930-33).

Während der Zeit des Nationalsozialismus änderten sich die Ziele und Inhalte der Erwachsenenbildung. Die neuen Leitthemen wie Volkstum, deutsches Kultur- und Geistesleben dienten in erster Linie der Sicherung und dem Erhalt der errungen Macht und nicht dem Interesse von päd. Zielvorstellungen (vgl. Diemer; Peters, 1998, S. 14). Die Erwachsenenbildung war somit Teil der NS-Ideologie. Die Bezeichnung Erwachsenenbildung wurde durch die Nationalsozialisten in Erwachsenenerziehung transformiert (vgl. Olbrich, 2001, S. 267).

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Deutschland von 4 Besatzungsmächten besetzt war, wurden in der Westzone die alten Leitlinien der Weimarer Republik wieder aufgegriffen. Die Erwachsenenbildung orientierte sich wieder idealistisch –geisteswissenschaftlich (vgl. Diemer, Peters, S.15).

In den 60er Jahren brach eine Wende der Erwachsenenbildung an. Von nun an stand nicht mehr die Frage nach der Aufgabe und der Begründung der Erwachsenenbildung im Vordergrund sondern die Lösung inhaltlicher Probleme. Die von der Erwachsenenbildung bisher nicht beachtete Weiterbildung wurde nun zum wichtigsten Bereich der Erwachsenenbildung. Von nun an sollten Defizite in der Schulbildung durch Weiterbildungsprogramme ausgeglichen werden können. Wissenschaftler bezeichneten den Umbruch als Realistische Wende der Erwachsenenbildung.

Mitte der 70er Jahre wurde in Teilen der Republik die Erwachsenenbildung in den Landesverfassungen festgehalten. Es war der Zeitraum der Einführung der Weiterbildungsgesetze. Ziel war es, mit Hilfe der gesetzlichen Verankerung den sozialen Wandel durch Chancengleichheit und Mitbestimmung über leistungsfähige Weiterbildungsinstitutionen zu fördern, wodurch die Weiterbildungsangebote den neuen Gegebenheiten angepasst werden mussten (vgl. vhs-Bielefeld. S. o.A).

Dieses traf auch auf die nächste Epoche, „die digitale Revolution“ (Diemer, Peters, 1998, S.15) zu. Aufgabe der Erwachsenenbildung war es nun, die Berufstätigen in die neuen Technologien einzuführen.

Nach der Wende (1989), beginnt eine neue Ära der Erwachsenenbildung sowohl im Osten als auch im Westen. Durch die zunehmende Globalisierung, Europäisierung, den Ausbau der Informationswesen und die Anhebung der beruflichen Qualifikation sowie die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit versucht man, die Profile der Erwachsenbildungsinstitutionen den veränderten Situationen anzupassen.

Im folgenden Abschnitt werden die wichtigsten Einrichtungen der Erwachsenenbildung vorgestellt. Dabei beziehe ich mich unter anderem auf Unterlagen von Dr. Ulrich Klemm, welche zu Beginn des Sommersemesters 05 im Seminar Institutionen und Weiterbildung verteilt wurden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Volkshochschule (VHS). Eine Institution der Erwachsenenbildung
Untertitel
Hat sich das Profil der Volkshochschule in ihrer 85-jährigen Existenz verändert?
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für außerschulische Jugendbildung und Erwachsenenbildung)
Veranstaltung
Institutionen und Weiterbildung
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V78723
ISBN (eBook)
9783638851121
ISBN (Buch)
9783638850698
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Institution, Erwachsenenbildung, Institutionen, Weiterbildung
Arbeit zitieren
Valerie Berner (Autor), 2005, Volkshochschule (VHS). Eine Institution der Erwachsenenbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78723

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