Der Zusammenhang von Tod und Liebe anhand des Charakters des Lord Voldemort in der 'Harry Potter'-Heptalogie


Seminararbeit, 2006
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Voldemort und sein Wunsch nach Unsterblichkeit
2.1 Voldemorts Vorgeschichte
2.2 Ähnliche Existenzformen: Die Geister
2.3 Gegensätzliche Charaktere: Dumbledore, Flamel
2.4 Horcruxe
2.5 Zum Menschenbild in „Harry Potter“

3. Opfer und Opferverständnis bei Voldemort

4. Vom Zusammenhang von Tod und Liebe bei Harry Potter

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Er wird berühmt werden - eine Legende -, es würde mich nicht wundern, wenn der heutige Tag in Zukunft Harry-Potter-Tag heißt - ganze Bücher wird man über Harry schreiben - jedes Kind auf der Welt wird seinen Namen kennen!"[1]

Der Erfolg der „Harry Potter“-Bände der englischen Autorin Joanne K. Rowling mag verschiedene Gründe haben, hat er doch dazu geführt, dass sich die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen mit ihm auseinandersetzen, so auch die Theologie. Dies mag auf den ersten Blick überraschen, da weder Gott noch andere eindeutig theologische Begriffe in den Bänden benannt werden; die vorliegende Arbeit möchte sich auf der Grundlage der noch zu erläuternden implizit theologischen Aspekte in der „Harry Potter“-Heptalogie mit dem Aspekt der Unsterblichkeit auseinandersetzen. Ausgehend von einleitenden Bemerkungen zu Voldemorts Wunsch nach Unsterblichkeit sollen im Folgenden die grundlegenden Aspekte seiner Vorgeschichte, sowie vergleichbarer und gegensätzlicher Charaktere und der Horcruxe erläutert werden, um im Anschluss Schlüsse auf das Menschenbild in „Harry Potter“ zu ziehen. Im Anschluss daran soll der Opferbegriff genauer untersucht werden, um davon ausgehend den theologisch zentralen Zusammenhang von Tod und Liebe in „Harry Potter“ darzustellen.

2. Voldemort und sein Wunsch nach Unsterblichkeit

Die Tendenz im Werk Rowlings, dass viele der Charaktere mit besonders hintergründig-aussagekräftigen Namen ausgestattet sind, zeigt sich auch bei Voldemort: So kann dessen Name, aufgeteilt in die drei Silben ‚vol-de-mort’ als ‚Raub des Todes’ aus dem Französischen übersetzt werden; seinem im vierten Band[2] selbst formulierten Ziel, den Tod zu besiegen und irdische Unsterblichkeit zu erlangen, wird damit bereits im Vorfeld subtil Ausdruck verliehen.

Diese Unsterblichkeit dominiert als Grundmotiv alle seine Handlungen; sie bildet den einzigen Wert Voldemorts, dem er seine Existenz vorbehaltlos unterstellt. So entspringt auch der geschichtliche Ausgangspunkt in Rowlings Werk, der Mord an Harrys Eltern durch Voldemort, eben diesem Motiv; Voldemort fürchtet sich vor Harry, da dieser laut einer Prophezeiung in der Lage sei, Voldemorts Macht zu brechen; sein Fluch prallt jedoch auf ihn zurück, als Harrys Mutter ihr Leben opfert, um ihren Sohn zu retten. Voldemort stirbt jedoch nicht, vielmehr verliert er seinen Körper[3]:

„Voldemort lachte ihm leise ins Ohr, dann nahm er den Finger weg und fuhr an die Todesser gewandt fort: „Ich hatte mich verschätzt, meine Freunde, zugegeben. Das törichte Opfer dieser Frau hat meinen Fluch abprallen lassen und er ist auf mich zurückgefallen. Aaah Schmerz, unvorstellbarer Schmerz, meine Freunde; nichts hätte mich dagegen wappnen können. Ich wurde aus meinem Körper gerissen, ich war weniger als ein Geist, weniger als das kläglichste Gespenst und doch, ich lebte. Was ich war – nicht einmal ich selbst weiß es Ich, der ich weiter als alle anderen gegangen bin auf dem Weg, der zur Unsterblichkeit führt. Ihr kennt mein Ziel – den Tod zu besiegen. Und nun wurde ich geprüft, und es schien, als wäre das eine oder andere meiner Experimente gelungen denn ich war nicht getötet worden, obwohl der Fluch dies hätte bewirken müssen. Dennoch war ich so kraftlos wie die schwächste lebende Kreatur, und der Mittel beraubt, mir selbst zu helfen denn ich hatte keinen Körper, und jeder Zauber, der mir hätte helfen können, verlangte einen Zauberstab []“[4]

Bedingt durch diesen Fluch ist er gezwungen, sein Leben in einem Stadium zwischen Leben und Tod zu fristen; dementsprechend liegt sein Bemühen in den folgenden Bänden darin, diese Körperlosigkeit zu überwinden; im ersten Band benutzt er dazu den Hogwarts-Lehrer Quirell, um den Stein der Weisen, der ewiges, irdisches Leben verheisst, zu finden; und auch in den folgenden zwei Bänden ist es ihm lediglich möglich, mittels anderer Personen und Gegenständen sein Ziel zu verfolgen, bis er schließlich im vierten Band seinen Körper wiedererlangt. Auffällig sind die durchgängigen werkimmanenten Deutungen von Voldemorts Existenzform; so lässt Rowling Voldemort über sich selbst sagen:

„Siehst Du, was aus mir geworden ist? [] Nur noch Schatten und DunstIch habe nur Gestalt, wenn ich jemandes Körper teile aber es gibt immer jene, die willens sind, mich in ihre Herzen und Köpfe einzulassen Einhornblut hat mich gestärkt in den letzten Wochendu hast den treuen Quirell gesehen, wie er es im Wald für mich getrunken hatund sobald ich das Elixier des Lebens besitze, werde ich mir meinen eigenen Körper erschaffen können.“[5]

Und auch Albus Dumbledore, Schuldirektor in Hogwarts, der für Harry eine der wichtigsten Bezugspersonen darstellt, qualifiziert Voldemorts Existenzform eindeutig ab:

„Du kannst ohne deine Seele existieren, weißt du, solange dein Gehirn und dein Herz noch arbeiten. Aber du wirst kein Selbstgefühl mehr haben, keine Erinnerungen, neinnichts. Es gibt keine Chance, sich davon zu erholen. Du fristest nur dein elendes Dasein. Als leere Hülle.[].“[6]

Der dringliche Wunsch Voldemorts, unsterblich zu sein, hat ihm den eigentlich wichtigsten Teil, seine Seele, quasi im Austausch, genommen; der Tenor in der gesamten Heptalogie ist eindeutig: Der Preis, den die Unsterblichkeit, oder auch nur der Versuch, die Unsterblichkeit zu erlangen[7], fordert, ist zu hoch, verlangt zu Wertvolles.

Überhaupt wird die Autorin sehr deutlich, wenn es darum geht, Voldemorts Existenz zwischen Leben und Tod, wie auch seinen Kampf um Unsterblichkeit zu bewerten; Voldemorts Leben ist verzerrt - bedingt durch seinen Wunsch, es zu konservieren; er lebt fast gar nicht, paradoxerweise gerade weil er sich so bemüht, sein Leben zu bewahren[8]. Interessanterweise entspringt dieser Wunsch Voldemorts, nicht sterben zu müssen, der natürlichen menschlichen Angst vor dem Tod, allerdings um ein Vielfaches übersteigert:

„Wir beide wissen, dass es andere Wege gibt, einen Mann zu zerstören, Tom“, sagte Dumbledore ruhig und schritt weiter auf Voldemort zu, als ob er nichts in der Welt zu fürchten hätte, als ob nichts geschehen wäre, das sein Schlendern durch die Halle unterbrochen hätte. „Nur dein Leben zu nehmen würde mich offen gestanden nicht zufrieden stellen –„

„Es gibt nichts schlimmeres als den Tod, Dumbledore!“, fauchte Voldemort.

„Das ist vollkommen falsch“, entgegnete Dumbledore, [] „Deine Unfähigkeit zu begreifen, dass es Dinge gibt, die weit schlimmer sind als der Tod war schon immer deine größte Schwäche –“ [9]

2.1 Voldemorts Vorgeschichte

Bis zu Band 6 der Heptalogie ist kaum etwas von Voldemorts Geschichte bekannt, erst sehr spät eröffnet Rowling seine familiäre Vorgeschichte. Voldemort hieß demnach einst Tom Marvolo Riddle, Schulsprecher in Hogwarts und letzter Nachfahre Salazar Slytherins. Sein Vater, ein Muggle, verließ seine Mutter, die mit ihm schwanger war, als er erfuhr, dass sie eine Hexe war. Da seine Mutter kurz nach der Geburt starb, wuchs Riddle in einem Waisenhaus auf, bis er von Dumbledore persönlich nach Hogwarts geholt wurde. Während seiner Zeit dort zeigte er bereits Verachtung gegenüber Anderen sowie fehlendes moralisches Verantwortungsbewusstsein, gleichzeitig aber auch eine große magische Begabung und Intelligenz. Später verließ er Hogwarts, kehrte in seinen Geburtsort zurück und tötete seinen Vater aus Rache, da dieser seine Mutter und ihn verlassen hatte.[10]

J.K. Rowling vermerkte diesbezüglich in einem Interview, dass Voldemort niemals Liebe erfahren, und ebenso wenig jemals selbst geliebt habe; wäre dies anders, so Rowling, wäre Voldemort nicht zu dem geworden, was er ist.[11]

Auffällig sind hier die auf den ersten Blick überraschenden Parallelen zu Harry Potter: Auch Harry wächst ohne seine Eltern in einem Umfeld auf, dass ihm in keiner Weise Liebe entgegenbringt; er spricht wie Voldemort die Sprache der Schlangen (ein sog. Parselmund); ebenso tendiert der sprechende Hut dazu, Harry in das Haus Slytherin einzuordnen, dem auch Voldemort angehörte. Und selbst das Motiv des Vatermords steht Harry nicht so fern, wie es auf den ersten Blick scheint, so bemerkt Michael Maar, dass die Andeutung Onkel Vernons, Harry ginge auf das St. Brutus-Sicherheitszentrum für unheilbar kriminelle Jungen, eine Parallele zu diesem literarischen Motiv sei, bedingt durch die darin enthaltene Anspielung auf den Vatermörder Brutus.[12]

Inwieweit diese Parallelen und geschichtlichen Grundlagen tragende Bedeutung haben, wird in Bezug auf das Menschenbild in „Harry Potter“ genauer zu erläutern sein.

[...]


[1] Rowling, Joanne K., Harry Potter und der Stein der Weisen, Hamburg 1998, S.15.

[2] vgl. Rowling, Joanne K., Harry Potter und der Feuerkelch, Hamburg 2000, S. 682.

[3] vgl. Herzog, Markwart: Tod in Hogwarts? Thanatologische Bemerkungen zum Harry-Potter-Universum, in: Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde 34 (2001/02), S. 217.

[4] HP IV, S. 682.

[5] HP I, S.318.

[6] Rowling, Joanne K., Harry Potter und der Gefangene von Askaban, Hamburg 1999, S. 258.

[7] In der gesamten Reihe wird nie explizit erwähnt, dass Voldemort tatsächlich unsterblich geworden ist; vielmehr deuten viele Anspielungen darauf hin, dass eben dies (noch) nicht der Fall ist, beispielsweise seine existentielle Furcht vor Harry oder auch die Tatsache, dass er bei dem Versuch, Harry zu töten, seinen Körper verliert.

[8] vgl. Internetquelle 2: Möllenbeck, Thomas: Wenn der unbedachte Hintergrund der

Welt geahnt wird : http://www.karl-leisner-jugend.de/Potter3.htm.

[9] Rowling, Joanne K., Harry Potter und der Orden des Phönix, Hamburg 2003, S.955.

[10] vgl. Rowling, Joanne K., Harry Potter und der Halbblutprinz, Hamburg 2005, S. 250-277;

HPIV, 675.

[11] vgl. Interview Internetquelle 1:

http://www.jkrowling.com/textonly/en/news_view.cfm?id=80.

[12] vgl. Maar, Michael: Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte, Berlin 2003,

S. 148.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang von Tod und Liebe anhand des Charakters des Lord Voldemort in der 'Harry Potter'-Heptalogie
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Moraltheologie: Der Tod – Facetten eines Phänomens
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V79518
ISBN (eBook)
9783638868150
ISBN (Buch)
9783638868273
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zusammenhang, Liebe, Charakters, Lord, Voldemort, Harry, Potter, Moraltheologie, Facetten, Phänomens
Arbeit zitieren
Simone Horstmann (Autor), 2006, Der Zusammenhang von Tod und Liebe anhand des Charakters des Lord Voldemort in der 'Harry Potter'-Heptalogie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79518

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