Ungleichheit in Brasilien: Struktur und Determinanten


Seminararbeit, 2006

28 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ungleichheit und ihre Konsequenzen
2.1 Messung von Ungleichheit
2.2 Die Bedeutung von Ungleichheit für Volkswirtschaften und Armutsreduzierung .

3 Struktur und Auslöser von Ungleichheit in Brasilien
3.1 Die Entwicklung von Ungleichheit
3.2 Strukturelle und makroökonomische Auslöser von Ungleichheit
3.3 Bildungsdisparitäten als gesellschaftlicher Auslöser von Ungleichheit

4 Fazit

A Gra ken

B Tabellen

1 Einleitung

Brasilien gilt als eines der ungleichsten Länder in Lateinamerika und der Welt. In kaum ei- nem anderen Staat existiert bezogen auf die Verfügbarkeit von Einkommen ein vergleichbares Missverhältnis zwischen den Dezilen einer Einkommensverteilung. 2001 hatte gemäÿ [Uni05, S. 271] der Konsum der ärmsten 10% der Gesamtbevölkerung lediglich einen Anteil von 0,7 % am Gesamtkonsum, wohingegen die reichsten 10% des Landes 46,9 % des Gesamtkonsums tätig- ten. Im HDI-Index Ranking ist Brasilien somit eines der ungleichsten Länder in der Gruppe "Medium Human Development".

In dieser Arbeit erfolgt eine Analyse des brasilianischen Ungleichheitsphänomens. Hierzu werden im ersten Teil zunächst Maÿe zur Untersuchung von Einkommensungleichheit vorge- stellt. Im Anschluss wird der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen eine ungleiche Einkom- mensverteilung auf eine Volkswirtschaft haben kann. Da Ungleichheit insbesondere in armen Ländern eine Rolle spielt, wird insbesondere ihr Ein uss auf diese Armutsproblematik und ihre Bekämpfung aufgezeigt.

Im zweiten Teil erfolgt eine quantitative und strukturelle Untersuchung von Einkommen- sungleichheit in Brasilien. Die Analyse basiert dabei auf brasilianischen Haushaltsdaten1 und den im ersten Teil vorgestellten Ungleichheitsmaÿen. Zur Einführung erfolgt eine kurze Darstel- lung der Entwicklung von Einkommensungleichheit in den letzten Jahren. Im Anschluss wird der Frage nachgegangen, wodurch Ungleichheit in Lateinamerikas bevölkerungsreichstem Land ausgelöst wird. Hierzu werden zunächst einige strukturelle und makroökonomische Determi- nanten diskutiert. Ein besonderer Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der anschlieÿenden Betrachtung der Wirkung von Bildungsungleichheit. Wo verfügbare Daten es erlauben, wer- den Zusammenhänge mit PNAD-Daten belegt. Die Analyse dieser Ein ussfaktoren erlaubt im Anschluss, die Betro enen zu identi zieren, deren prekäre wirtschaftliche Lage und Ungleich- behandlung in der Gesamtbetrachtung überhaupt erst Ungleichheit erzeugen.

2 Ungleichheit und ihre Konsequenzen

Dieser Abschnitt befasst sich zunächst mit den Möglichkeiten zur Messung von Ungleichheit. Hierzu werden unterschiedliche Maÿe vorgestellt und bezüglich ihrer Fähigkeit zur Darstel- lung von Ungleichheit bewertet. Anschlieÿend werden die Auswirkungen von ungleicher Ein- kommensverteilung auf eine Volkswirtschaft erläutert. In Ländern wie Brasilien ist im Zuge der Millenium Development Goals das entwicklungspolitische Ziel der Armutsreduzierung von groÿer Bedeutung. Aus diesem Grund liegt ein Schwerpunkt des zweiten Teils der Analyse auf den Schnittpunkten von Ungleichheit und Armutsentwicklung.

2.1 Messung von Ungleichheit

Die Untersuchung von Einkommensungleichheit stützt sich auf eine Vielzahl von Indikatoren. In der Regel kann davon ausgegangen werden, dass sich die verwendeten Maÿe dem Leitmotiv von gerechter Verteilung von Einkommen unterordnen: Sie sind somit als normative Maÿe zu betrachten, da sie im Falle von ungleicher Einkommensverteilung gesellschaftliche Wohlfahrts- verluste ausweisen. Der Gini-Koe zient ist eines der am weitesten verbreiteten Maÿe zur Un- gleichheitsmessung. Er basiert auf der Lorenzkurve, welche die relative Di erenz zwischen der hypothetischen Gleichverteilung von Einkommen über die Bevölkerung und der tatsächlichen Verteilung gra sch darstellt. Der Gini-Koe zient berechnet dabei das Verhältnis der Fläche unter der tatsächlichen Verteilung zur Fläche unter der Linie der hypothetischen Gleichvertei- lung.2 Formal berechnet sich der Gini-Koe zient somit als arithmetisches Mittel der Di erenzen zwischen allen Einkommenspaaren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten2 2

approximiert werden, wobei gilt: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Ein höherer Koe zient impliziert gröÿere Ungleichheit und somit im Falle von Einkommensungleichheit eine geringere Beteiligung der ärmsten Bevölkerungsteile an nationalem Einkommen und Wohlstand. Der Koe zient erfüllt die Pigou-Dalton Bedingung3 und ist vorteilhaft, da Herleitung und Interpretation intuitiv sind. Für die trotzdem bestehenden formalen Bedenken, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann, sei auf [Sen74] verwiesen.4

Der Theil-Index basiert auf dem Konzept der Entropie, einem Maÿ für Unordnung mit Ursprüngen in der Informationstheorie. Auch hier entsprechen steigende Werte gröÿerer Ungleichheit. Das Maÿ nimmt den Wert 0 für absolute Gleichverteilung und log(n) bei maximaler Ungleichverteilung an. Formal berechnet sich das Maÿ mit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Theil-Index erfüllt ebenfalls die Pigou-Dalton Bedingung. Des weiteren lässt er sich additiv zerlegen, um zum Beispiel die Ungleichheit innerhalb und zwischen verschiendenen Gruppen einer Grundgesamtheit zu untersuchen5.Die Summe der Einzelbeträge ergibt wieder den TheilIndex. Nachteilig ist die im Gegensatz zum Gini-Koe zienten fehlende Intuitivität bei der Herleitung und Interpration von Werten.

Ein drittes anschaulicheres Verteilungsmaÿ sind Einkommensverhältnisse wie beispielsweise der 20/20 Koe zient. Sie berechnen das Verhältnis zwischen dem verfügbaren Einkommen von gleich groÿen Blöcken beider Enden einer Einkommensverteilung. Üblicherweise wird z.B. das Verhältnis der kumulierten Einkommen der 20 Prozent Reichsten und Ärmsten in einem Land oder einer Region gegenüberstellt. Die Prozentsätze müssen nicht zwangsweise gleich groÿ sein. Vorteilhaft ist hierbei die leichte Interpretation der Ergebnisse. Die PNAD-Daten enthalten Daten für zahlreiche Varianten dieses Maÿes. Im zweiten Teil der Arbeit wird daher zur Analyse auf diese Maÿe zurückgegri en.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Die Bedeutung von Ungleichheit für Volkswirtschaften und Ar- mutsreduzierung

Die Existenz einer gewissen Einkommensungleichheit auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene wird als Charakteristik von Marktwirtschaften akzeptiert und teilweise sogar als anreizstiftend und outputfördernd angesehen. [ACGP99, S. 1615] Ungleichheit wird von Individuen jedoch als problematisch empfunden, wenn sie stark ausgeprägt ist [The05, S. 76-88] und durch individuelle, nicht beein ussbare Faktoren wie Rasse, Geschlecht oder soziale Herkunft determiniert wird. [Uni05, S. 52]

Die in dieser Arbeit durchgeführte Analyse konzentriert sich vor allem auf die ungleiche Verteilung von Einkommen. Disparität bedingt hier weitere Ungleichheiten in Bereichen, in denen z.B. bestimmte Leistungen mit diesem Einkommen nanziert werden müssen. Nach monetären Maÿstäben bedeutet ein geringeres verfügbares Einkommen im Verhältnis zur Spitze der Einkommenstreppe für betro ene Gruppen einen deutlich reduzierten Zugang zu Konsumgütern und Dienstleistungen zur Befriedigung von Bedürfnissen und dies unabhängig davon, ob die Volkswirtschaft als Ganzes arm oder reich ist.

[Sen00, S. 76] ergänzt die Liste möglicher Beschränkungen mit seinem Capability-Ansatz um ein nicht-monetäres Armutsmaÿ: demnach wirken sich Verteilungsdisparitäten auch negativ auf 6 capabilities d.h. erstrebenswerte Zustände aus, die Individuen erreichen können6. In einem von Einkommensdisparität geprägten Land erleiden bestimmte Gruppen somit neben Konsumbeschränkungen auch eine im Verhältnis zur restlichen Bevölkerung übermäÿige Beeinträchtigung von Wahlmöglichkeiten bezüglich ihrer Lebensgestaltung.

Die ungleiche Verteilung von Einkommen ist für sich aber nicht nur als Determinante für ungleiche Konsum- und Wahlmöglichkeiten zu sehen. Ihre Existenz impliziert viel mehr tiefer- liegende Ungleichheiten und ist somit auch als Symptom zu verstehen: Bevor Individuen beim Bezug von Einkommen ungleich behandelt werden müssen sie i.d.R. bereits zahlreiche weitere Ungleichbehandlungen in Kauf nehmen: Die Individuen am unteren Ende einer Einkommens- verteilung sind oft zusätzlich benachteiligt beim Bezug von Bildungs- und Gesundheitsleistun- gen. Zum einen, weil sie sich einen Schul- oder Arztbesuch nicht leisten können, oder weil sie von Anfang an durch bestehende Strukturen von diesen essentiellen Leistungen ausgeschlossen werden. Da Ungleichheit für viele arme Länder typisch ist, impliziert ihre Existenz somit für betro ene Individuen sofort massive Benachteiligungen im Bezug auf elementäre Faktoren wie z.B. Gesundheit und Lebenserwartung.7

Eines der wichtigsten Ziele der Millenium Development Goals (MDG) ist die Reduzierung von weltweiter Armut. Im Zusammenhang hiermit wird im folgenden Abschnitt erläutert, auf welch vielfältige Weise die Existenz von Einkommensungleichheit die Ergebnisse von Armutsbe- kämpfung beein usst. Nur eine verteilungssensible Armutsbekämpfung kann garantieren, dass die wirtschaftlich benachteiligten Bevölkerungsgruppen von einer positiven Entwicklung in ei- nem Land erreicht werden.8 [Uni05, S. 51 .] warnt in diesem Zusammenhang vor distributional blind spots in den MDG-Zielen, da die Situation einzelner Länder oftmals lediglich im Aggregat betrachtet wird, wodurch Verteilungsaspekte von Einkommen, Gesundheit und Lebenserwartung vernachlässigt werden. Hierdurch werden gemäÿ den Autoren aber gerade die Menschen, die überproportional stark von den Belastungen rückständiger Entwicklung betro en sind, von der Linderung dieser Probleme ausgeschlossen.

Zwischen Einkommensverteilung und Armut besteht zunächst ein o ensichtlicher Zusam- menhang: So determinieren verschiedene Verläufe der Dichtefunktion über die Einkommens- verteilung den Anteil der Individuen, die links von einer vorher de nierten Armutsgrenze an- gesiedelt sind. Somit können in Ländern, in denen verhältnismäÿig wenig wohlhabende und viele arme Individuen ungleich auf das verfügbare Einkommen verteilt sind, bereits marginale Einkommensumschichtungen einen stark armutsreduzierenden E ekt haben9: [Uni05, S. 64 .] verweist darauf, dass ein hypothetischer Transfer von 5% des Einkommens der reichsten 20 Prozent der Bevölkerung Brasiliens zu den ärmsten zwei Dezilen 26 Millionen Menschen über die 2$/Tag-Armutslinie heben würde. Dies entspricht einer Reduzierung der Armutsrate von 22% auf 7%.

[PAL+06, S. 59] stellen in ihrer Analyse ebenfalls auf den Zusammenhang zwischen Ein- kommensverteilung und Armut ab. Im Bezug auf Brasilien kommen sie zu einem vergleichba- ren Ergebnis: Berechnungen ergeben hier, dass der im Zeitraum von 1990-95 beobachtete 8,6 prozentige Rückgang der Armutsrate (2$/Tag Basis) zum gröÿeren Teil auf Einkommensumver- [Uni05, S. 57] verweist beispielsweise darauf, dass in Peru und Bolivien die Kindersterblichkeit in der Gruppe der 20% Ärmsten vier bis fünf mal so hoch ist wie in der Gruppe der reichsten 20% In [The05, S. 9] wird beispielsweise errechnet, dass ein 1%-iges Wachstum bei gleicher Einkommensverteilung den Headcountratio (1$/Tag-Basis) um 4 Prozentpunkte senkt, während in einem ungleichen Land bei gleicher Wachstumsrate keine Veränderung zu verzeichnen wäre.

teilung zurückzuführen ist.10 Variationen in der Einkommensverteilung bzw. der Ungleichheit haben somit auch in Abwesenheit von Einkommensexpansion Auswirkungen auf die Armutsrate. Auf Lateinamerika bezogen gilt generell, dass Variationen in der Einkommensverteilung bis zu 50% der Veränderung von Armutraten erklären können. [PAL+06, S. 63]

Zur Bekämpfung von Armut wird in der Regel eine Expansion des verfügbaren Einkommens vorausgesetzt. [CC01, S. 25] verdeutlichen jedoch, dass zur Reduzierung von Armut die alleinige Konzentration der Anstrengungen auf das Herbeiführen von Einkommenszuwachs nicht e zient ist. Vielmehr weisen Forschungsergebnisse aus Entwicklungsländern darauf hin, dass Wachstum und Verteilung von Einkommen für die Bekämpfung von Armut von gleich groÿer Bedeutung sind.11 So gilt generell, dass die positive Wirkung einer Expansion des Volkseinkommens auf die Armut in einem Land umso ausgeprägter ist, je weniger ungleich das Volkseinkommen verteilt ist. Die Verteilung der Einkünfte determiniert die Wachstumselastizität von Armut und somit in welchem Umfang der arme Bevölkerungsteil an einer allgemeinen Einkommensexpansion be- teiligt wird.12 [Uni05, S. 64], [FPFW04, S. 13 .], [CC01, S. 6], [ACGP99, S. 1618 .] [Bou02, S. 2, 11 .] und [BF00, S. 9] Hervorzuheben ist jedoch, dass Werte dieser Elastizität im hohen Maÿe von der ausgewählten Armutslinie abhängen und keine Aussage über die Verteilung der Armut innerhalb der Gruppe der Ärmsten tre en. [Kla04, S. 4]

Verlagert man die Analyse hin zur Nutzentheorie, gilt es ferner zu berücksichtigen, dass unterschiedlich reiche Individuen auch einen unterschiedlichen Nutzenzuwachs aus einer Ein- kommensexpansion ziehen. Auch ein stetig wachsendes Einkommen hat einen abnehmenden Grenznutzen, wodurch ein zusätzlicher Dollar Einkommen einem armen Individuum einen hö- heren Nutzen stiftet als einem wohlhabenden. [Uni05, S. 53] Unter entwicklungsökonomischen Gesichtspunkten ist eine gleichere Verteilung einer Einkommensexpansionen somit zusätzlich zu befürworten.

Neben dem statischen Ein uss der Einkommensverteilung über die oben dargestellte Wachs- tumselastizität von Armut existiert gemäÿ [Uni05, S. 64] auÿerdem ein dynamischer E ekt: So kann Einkommensungleichheit auch negativ auf das Wachstum einer Volkswirtschaft wirken. [BF00, S. 11] verweisen hierzu beispielsweise auf die wachstumshemmende Wirkung von Un- gleichheit in Zusammenhang mit imperfekten Kreditmärkten. Wachstum kann demzufolge ver- ringert werden, wenn die ungleiche Verteilung von Einkommen und ein Mangel an Kreditmitteln bestimmte gesellschaftliche Gruppen am Tätigen von Investitionen hindern. Gemäÿ [CC01, S. 23] haben Menschen in ungleichen Ländern zudem geringere Arbeitsanreize. Auch auf ungleich verteiltem Land kommt es zu Produktivitätsverlusten, wenn dieses von landlosen Landarbeitern bestellt wird, die hier keinen Anreiz haben, ihren Output zu maximieren.13 Auch [ACGP99, S. 1621 .] und [Bar99, S. 1 .] verweisen zusätzlich auf die Theorie abnehmender Grenzerträge von Kapital: Eine Redistribution von Investitionsmitteln von der reichsten Einkommensklasse mit geringen Grenzerträgen auf Kapitalinvestitionen hin zu den ärmsten Individuen mit hohen Kapitalgrenzerträgen aber fehlendem Kreditzugang ermöglicht zusätzliche Investionen und so- mit Wachstum.14

Ungleichheit und insbesondere Einkommensungleichheit ist somit eine Problematik mit groÿer Bedeutung für entwicklungspolitische Aufgaben wie Armutsreduzierung. Ein Lösungs- ansatz könnte zunächst die Umverteilung von Einkommen sein, um Armut durch Distribu- tionse ekte direkt zu beein ussen. Wie oben betrachtet würde Redistribution zusätzlich be- schleunigend auf die Armutsbekämpfung wirken, indem sie ggf. die Wachstumselastizität von Armut verändert. [Bar99, S. 14] [BF00, S 4] verweisen in diesem Zusammenhang jedoch auf potentielle negative E ekte durch Umverteilung auf Arbeitseinsatz, Ersparnisbildung und In- vestitionen. Als weiterer Ansatz mit geringerer Anreizproblematik gilt das Herbeiführen von überproportionalem Wachstum in Sektoren, in denen Arme besonders stark vertreten sind (z.B. Landwirtschaft und arbeitsintensive Industrie etc.). Eine Darstellung dieses pro-poor Growth Konzeptes be ndet sich in [Kla04, S. 9].

3 Struktur und Auslöser von Ungleichheit in Brasilien

Im folgenden Abschnitt werden sowohl Entwicklung und Determinanten von Ungleichheit analy- siert. Mögliche Auslöser von Einkommensungleichheit werden hierfür in die Kategorien makro- ökonomische und strukturelle -sowie gesellschaftliche Determinanten aufgeteilt. Bedingt durch den begrenzten Rahmen dieser Arbeit erfolgt für die ersten zwei Kategorien lediglich eine ein- führende Diskussion, wohingegen gesellschaftliche Faktoren ausführlicher betrachtet werden. Auch erlauben die verfügbaren Daten für diese Kategorie eine detailliertere Betrachtung.

[...]


1 Die Haushaltsdaten stammen aus dem Pesquisa Nacional por Amostra de Domicílios (PNAD) des Staatli- chen Instituts für Geographie und Statistik (http://www.ibge.gov.br).

2 Eine umfassendere Darstellung der Maÿe be ndet sich in [Sen74, S. 30 .].

3 Die Bedingung erfordert, dass Maÿe sensitiv für Transfers von einer reicheren zu einer armen Person sind, auch wenn beide Einkommen vom Mittelpunkt aus betachtet in der gleichen Hälfte liegen.

4 Eine weiterführende Diskussion des Gini-Koe zienten erfolgt auch in [Ray98, S. 184 .].

5 Der Theil-Index kann somit auch als gewichtetes Maÿ von Ungleichheit in Untergruppen interpretiert wer- den. Die Ungleichheit in den brasilianischen Bundesstaaten ist daher die Summe von Ungleichheit in jedem Staat gewichtet mit ihren Anteilen am Gesamteinkommen des Landes: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]bras.Bundesstaaten,sk=Einkommensanteil jedes Staates, Tk =Theil Index jedes Staates, xk =durchschnittliches Einkommen eines Staates.

6 Erstrebenswerte Zustände sind z.B. gebildet, gut ernährt, gebildet, gut gekleidet usw.

7 [Uni05, S. 57] verweist beispielsweise darauf, dass in Peru und Bolivien die Kindersterblichkeit in der Gruppe der 20% Ärmsten vier bis fünf mal so hoch ist wie in der Gruppe der reichsten 20%

8 In [The05, S. 9] wird beispielsweise errechnet, dass ein 1%-igesWachstum bei gleicher Einkommensverteilung den Headcountratio (1$/Tag-Basis) um 4 Prozentpunkte senkt, während in einem ungleichen Land bei gleicher Wachstumsrate keine Veränderung zu verzeichnen wäre.

19 Abgestellt wird hier auf die Schiefe der Einkommensverteilung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Eine Rechtsschiefe Verteilung bzw. v > 0 impliziert hier, dass Werte (oder Einkommen) die kleiner sind als der Mittelwert, öfters auftreten. Siehe hierzu auch Abbildung 1 auf Seite 17.

10 Von diesem 8,6%-igen Rückgang entfallen 3,7% auf wachstumsbasierte Armutsreduktion, 4,8% sind durch die Umverteilung von Einkommen bedingt. [PAL+06, S. 61]. Die Methodik zur Berechnung erläutern die Autoren in Box 4.1 auf S. 60.

11 Siehe hierzu auch Tabelle B.1 auf Seite 21

12 Eine quantitative Analyse dieses Phänomens be ndet sich in [Szé03, S. 325 .]

13 Todaro bietet weitere Erklärungsansätze für diese Relation. Eine kurze Darstellung be ndet sich in [ACGP99, S. 1615]

14 [Bar99, S. 21] verweist auf die Existenz eines Umkehrpunktes in Schätzungen dieser Relation. Demnach scheint Ungleichheit ab einem bestimmten Einkommensniveau wieder positiv auf das Wachstum zu wirken. Eine Begründung könnte gemäÿ Barro die anreizstiftende Wirkung von Ungleichheit und die Abwesenheit von Kreditmarktbeschränkungen ab einem bestimmten Einkommensniveau sein.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Ungleichheit in Brasilien: Struktur und Determinanten
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Ibero Amerika Institut für Wirtschaftsforschung)
Veranstaltung
Wirtschaftskunde Lateinameria 2: Die Notwendigkeit von Reformen
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
28
Katalognummer
V79521
ISBN (eBook)
9783638852913
Dateigröße
907 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ungleichheit, Brasilien, Struktur, Determinanten, Wirtschaftskunde, Lateinameria, Notwendigkeit, Reformen
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Nils-Hendrik Klann (Autor), 2006, Ungleichheit in Brasilien: Struktur und Determinanten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79521

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