Das Borderline-Syndrom - eine psychoanalytische Betrachtung


Seminararbeit, 2007
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Definition und Hintergrund

Symptomatik gemäß ICD-10

Phänomenologie und Struktur des Borderline-Syndroms

Abwehrstrategie und Spaltung

Genese einer Borderline-Störung
Störung der Mutter-Kind-Beziehung als verursachender Prozeß der BPS
Die BPS als Ergebnis einer spezifischen Entwicklungsstörung
Der Inzest-Faktor

Therapeutische Arbeit mit Borderline-Patienten

Literaturverzeichnis

Online-Ressourcen

Einleitung

Der Begriff des Borderline-Syndroms wird unter angehenden Fachleuten im sozialen Bereich aber auch zunehmend von Laien und so genannten Internet-Experten ähnlich einer Schublade aufgetan. Hinein legt man alle Personen mit zugesprochenen Bindungsdefiziten und hinaus zaubert man ein düsteres, selbstkonstruiertes Gesamtbild geprägt vom Hintergrund sexuellen Mißbrauchs und Suizidgedanken.

Tiefergehende Erklärungsansätze und differenziertere Zusammenhänge jedoch bleiben außen vor - gerade sie sind es jedoch, die ein echtes Verständnis der Ursachen und der Möglichkeiten eines reflektierten Umganges mit den betroffenen Menschen erst ermöglichen.

„Suizidalität und Selbstverletzung, starkes Agieren und Behandlungsabbrüche, schwer zu kontrollierende Regression und heftige Gefühle in der Gegenüberstellung stellen Komplikationen dar, die genaue Überlegungen zur Psychodynamik der Störung [...] fordern. Andererseits sind Borderline-Patienten oft besonders kreative und ausdrucksstarke Menschen, die nicht nur eine intensive therapeutische Beziehung fordern, sondern auch ermöglichen.“[1]

Ich werde nach der Benennung medizinisch-diagnostischer Standards zunächst gezielt ohne geschlechterdifferenzierenden Schwerpunkt auf verschiedene Theorien frühkindlicher Störungen und Auslöser der Borderline-Persönlichkeitsstörung eingehen und abschließend einen kurzen Blick auf therapeutische Settings richten.

Definition und Hintergrund

Der Begriff Borderline stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt Grenzlinie.

Auch wenn der Begriff bereits in den 1930er Jahren bezeichnend für die entsprechende Symptomatik verwendet wurde, hat er seinen Weg in die öffentliche Verbreitung und offizielle Diagnostik maßgeblich erst durch Otto F. Kernbergs Arbeiten in den 1970er Jahren gefunden. Man versucht mit dieser Metapher der Grenzfallstörung eine Persönlichkeitsstörung zu beschreiben, bei der Symptome einer Neurose und einer Psychose wechselseitig auftreten bzw. sich überschneiden.

„Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (abgekürzt BPS), auch emotional instabile Persönlichkeitsstörung genannt, ist die im psychologischen und psychiatrischen Umfeld am häufigsten diagnostizierte Persönlichkeitsstörung.“[2]

Im entsprechenden Abschnitt Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen der „Internationalen Klassifikation der Krankheiten“ (ICD-10) sind Störungen dieser Art unter dem Punkt F60.3- (Emotional instabile Persönlichkeitsstörung) zusammengefasst und im Unterpunkt 60.31 (Borderline-Typ) explizit benannt.[3] Als grundlegende Symptomatik dieser Art einer Persönlichkeitsstörung wird das impulsive Agieren ohne Berücksichtigung von Konsequenzen verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung beschrieben. Während der impulsive Typus primär durch emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle gekennzeichnet ist, kommen beim Borderline-Typus noch unter anderem die Störung des Selbstbildes, ein intensives, jedoch unbeständiges Beziehungsverhalten sowie Tendenzen zu suizidalem und autoaggressivem Verhalten hinzu.

Eine eindeutige Diagnose der Borderline-Störung ist aufgrund ihres üblichen Zusammenspiels mit anderen Symptomatiken wie etwa Depressionen, Essstörungen, Zwangsverhalten oder auch Suchterkrankungen schwierig zu stellen. Weiterhin sind bestimmte Auffälligkeiten bei weiblichen und männlichen Patienten unterschiedlich stark ausgeprägt – bei Männern etwa wird aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten oft eine dissoziale Persönlichkeitsstörung anstelle der meist treffenderen Klassifikation einer Borderline-Störung diagnostiziert. Möglicherweise sind die statistischen Angaben, welche von einer Verteilung der Diagnose auf 75% weibliche und nur 25% männliche Patienten ausgehen, unter Betrachtung zuvor genannter Aspekte neu zu bewerten.

Insgesamt geht man von einer Gesamtquote von 2 bis 3% aller deutschen Erwachsenen aus, welche an der Borderline-Störung erkrankt sind. Für Kinder und Jugendliche gibt es keine expliziten Angaben.[4]

Symptomatik gemäß ICD-10

Eine spezifische Persönlichkeitsstörung beschreibt der entsprechende Abschnitt des ICD-10 als schwere Störung der Persönlichkeit und des Verhaltens, die nicht direkt auf eine Hirnschädigung oder -erkrankung oder eine andere psychiatrische Störung zurückzuführen ist[5]. Die Störung erfaßt verschiedene Persönlichkeitsbereiche und führt in der Regel zu persönlichen sowie sozialen Beeinträchtigungen. Ihren Anfang nehmen diese Störungen vorwiegend in Kindheit oder Adoleszenz und bestehen im Erwachsenenalter weiter.

Wie bereits eingangs erwähnt hat die Borderline-Störung im Besonderen die Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, einhergehend mit einer sprunghaft wechselnden Stimmungslage. Bezeichnend sind außerdem emotionale Ausbrüche und fehlende Impulskontrolle sowie streitsüchtiges Verhalten, besonders wenn impulsive Handlungen behindert werden.

Für eine Persönlichkeitsstörung impulsiven Types sind folgende Handlungsmuster kennzeichnend:

1. deutliche Tendenz, unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln
2. deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit anderen, vor allem dann, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden
3. Neigung zu Ausbrüchen von Wut oder Gewalt mit Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Verhaltens
4. Schwierigkeiten in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden
5. unbeständige und unberechenbare Stimmung

Für die Diagnose des Borderline Typus wiederum müssen weitere Eigenschaften erfüllt sein:

1. Störungen und Unsicherheit bezüglich Selbstbild, Zielen und „inneren Präferenzen“ (einschließlich sexueller)
2. Neigung, sich in intensive aber instabile Beziehungen einzulassen, oft mit der Folge von emotionalen Krisen
3. übertriebene Bemühungen, das Verlassenwerden zu vermeiden
4. wiederholt Drohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung
5. anhaltende Gefühle von Leere

[...]


[1] [1] Mathias Lohmer, „Borderline-Therapie“, 2. Auflage, 2005, Schattauer Verlag, Stuttgart, S. 1

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Borderline-Persönlichkeitsstörung, zuletzt eingesehen am 16. Juli 2007

[3] Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) (Hrsg.) „ICD-10-GM, Version 2005“, Druck: Oktober 2004, Videel Verlag, Niebüll, S. 268

[4] Evelyn Heinemann u. Hans Hopf, „Psychische Störungen in Kindheit und Jugend“, 1. Auflage 2001, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, S. 221

[5] ICD-10, S. 266, 268

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Borderline-Syndrom - eine psychoanalytische Betrachtung
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Veranstaltung
Gesellschaft und Persönlichkeit / Sozialisation
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V81232
ISBN (eBook)
9783638851312
ISBN (Buch)
9783638850797
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Borderline-Syndrom, Betrachtung, Gesellschaft, Persönlichkeit, Sozialisation
Arbeit zitieren
Daniel Josef Holbe (Autor), 2007, Das Borderline-Syndrom - eine psychoanalytische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81232

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