Habermas' Theorie des kommunikativen Handelns - Jugend im "Spätkapitalismus"


Hausarbeit, 2007
13 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Sozialisation im Jugendalter
1.1. Ausgangslage und Begrifflichkeiten
1.2. Ansatz von Jürgen Habermas
1.3. Hintergrund

2. Jugend im Wandel

3. Theorieentwicklung
3.1. Von Marx bis Mead
3.2. Vom symbolischen Interaktionismus zum herrschaftsfreien Diskurs
3.3. Von der moralischen Entwicklung zur kommunikativer Kompetenz
3.4. Erneuter Bezug zu Marx
3.5. Einfluss der Studentenbewegung

4. Adoleszenzkrise
4.1. Rollenidentität in der Krise
4.2. Modalpersönlichkeit vs. Legitimationskrise

5. Bewertung und Kritik

Literaturverzeichnis

1. Sozialisation im Jugendalter

1.1. Ausgangslage und Begrifflichkeiten

Der BegriffOntogeneseleitet sich aus den beiden griechischen Vokabeln für WesenundEntstehung/Geburtab. Neben der biologischen Bedeutung findet der Begriff besonders auch in der Entwicklungspsychologie und der Psychoanalyse Verwendung, wo er die psychische Entwicklung eines Individuums beschreibt.

Sozialisation als Ganzes betrachtet ist also ein ontogenetischer Prozess mit Bezug auf Lebenslauf und Lebensphasen.

1.2. Ansatz von Jürgen Habermas

Jürgen Habermas (* 1929), Professor für Philosophie und Soziologie, entwickelte in den späten 1960er Jahren ein sozialisationstheoretisches Konzept, welches er 1981 unter dem Titel „Theorie des kommunikativen Handelns“ in zwei Bänden veröffentlichte.

Anders als seine Vorgänger es etwa im Bereich der Entwicklungspsychologie taten, beschäftigte sich Habermas mit dem Gesamtbild des Individuums in Interaktion mit seiner Umwelt. Den Schwerpunkt hierbei setzte er auf die Kommunikation als Grundlage derIdentitätsentwicklung, was einen deutlichen Gegensatz zu den bisherigen funktionalistischen Ansätzen dieser Zeit darstellt. Habermas begründete dies mit der These, dass die entscheidenden Prozesse der Persönlichkeitsentwicklung sich nicht im zweckrationalen sondern im kommunikativen Handeln vollziehen würden.

1.3. Hintergrund

Habermas entwickelte seine Theorie in Anlehnung an verschiedene bestehende Theorien, welche er zu einem Gesamtbild kombinierte. Das ideale Ergebnis eines Sozialisationsprozesses sei eine handlungsfähige, zur gesellschaftlichen Beteiligung fähige Person, welche ihre Interaktionspartner sowohl auf der kommunikativen zwischenmenschlichen wie auch der gesellschaftlichen und politischen Ebene anerkennt.

Dadurch dass Habermas in den späten 1960er Jahren nicht nur den auflebenden Konflikt der Jugend gegen die autoritäre Gesellschaftsstruktur miterlebte, sondern auch daraus entstehende Veränderungen sah, wurden seine Idealvorstellungen der Wechselwirkung von Demokratisierung der Gesellschaft und der Emanzipation des Individuums bestätigt.

Die so genannten egalitären NormenGerechtigkeit, Gleichheit und Herrschaftsfreiheit seien potenzielle Struktur des Menschen und für einen idealen Diskurs stets anzustreben. Das Jugendalter ist für Habermas eine besonders interessante Lebensphase, da sich hier im Zuge des Heranwachsens die kommunikative Kompetenz maßgeblich entwickelt.

2. Jugend im Wandel

Erst im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich ein Bewusstsein für dasJugendalter als gesonderteLebensphase. Jugend ist also nicht nur der Begriff für einen biologischen Prozess, sondern in ihrer Bewertung von historisch-gesellschaftlicher Entwicklung abhängig.

Das Jugendalter, also der Zeitraum zwischen dem 13. und 21. Lebensjahr, hat sich seit der Industrialisierung schrittweise zu einer Phase des Aufschubs entwickelt. Durch die allgemeine Schulpflicht und längere Lern- und Ausbildungszeiten sowie die spätere Ablösung vom Elternhaus ist Heranwachsenden ein bestimmtes zeitliches Mindestmaß an Jugend gegeben. In dieser geschützten Umbruchphase durchläuft die Persönlichkeitsentwicklung ihre intensivste Phase. Elternhaus, Schule, Arbeit, Partnerschaft, Peer-Group und Gesamtgesellschaft fordern mehrere Ebenen der Identitätsentwicklung. Parallel dazu fordert die heute deutlich früher, wesentlich kürzer und besonders sprunghaft verlaufende Pubertät ihren Raum. Durch das schnell ändernde Äußere ist eine neue Vorstellung von sich selbst erforderlich. Dies erfolgt unter anderem durch das Messen und Vergleichen mit Gleichaltrigen und Älteren. Sexuelle Bedürfnisse und deren erste Befriedigung durch Masturbation verlangen eine bewusste Auseinandersetzung mit diesen neuen Körpererfahrungen.

Die psychische Entwicklung geht also eng mit der körperlichen Entwicklung einher, was man als ein weiteres Argument für Habermas' Theorieverbund betrachten kann.

3. Theorieentwicklung

Habermas setzte sich mit zahlreichen namhaften Theoretikern, Philosophen, Soziologen und Forschern unterschiedlichster Herkunft, Zeitepochen und Forschungsansätzen auseinander. Er ging dabei auf eine bis dahin nicht geschehene Weise vor, in dem er zum Einen Teilstücke von Theorien kombinierte und zum Anderen widersprüchliche Teilstücke ausklammerte. An dieser und späterer Stelle werden jeweils nur einige von ihnen erwähnt.

3.1. Von Marx bis Mead

Bereits Marx unterschied rund 100 Jahre vor Habermas in seinen Theorien zunächst das instinktive Handeln von Tieren und das reflektierte Handeln von Menschen. Weiterhin unterteilte er die menschliche Aktivität in zweckrationales Handeln(Arbeit) und kommunikativesHandeln(Interaktion). Beide Handlungsweisen folgen unterschiedlichen Regeln und bewegen sich auf unterschiedlichen Ebenen.

Habermas betrachtete diese Ebenen ebenfalls unabhängig voneinander und beschäftigte sich mit der Interaktion, da sich seiner Theorie zufolge hier die Identität durch den Erwerb kommunikativer Handlungsfähigkeit entwickelt. Dieser Betrachtung liegt George H. Meads Theorie des symbolischen Interaktionismuszugrunde, vereinfacht ausgedrückt bedeutet das: der Einzelne teilt ein gemeinsames Symbolsystem (Sprache) mit den anderen. Dadurch ist Verständigung möglich - der Prozess aus dem sich die Identität entwickelt.

Zentraler Punkt von Habermas' Theorie ist also der Blick auf die Fähigkeit eines Objektes, sich in wandelnder Rollenstruktur angemessen zu verständigen und dabei seine Identität zu wahren. Diese Fähigkeit definiert er mit den Begriffen „kommunikative Kompetenz“ sowie „Ich-Identität“.

3.2. Vom symbolischen Interaktionismus zum herrschaftsfreien Diskurs

Grundvoraussetzung für Verständigung ist die Fähigkeit zur Kommunikation. Neben dem verbalen Informationsaustausch beinhaltet diese stets auch variable Rollenerwartungen, Normvorstellungen und Emotionen.

Um dieses alltägliche „Anforderungs-Chaos“ zu meistern und dabei die Ich-Identität zu wahren, benötigt man neben der Sprache an sich Empathie, Rollendistanz und Ambiguitätstoleranz.

Außerdem hat die Kommunikation neben diesen grundlegenden Dingen auch eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung: sie ermöglicht die Teilnahme an Diskursen. Nicht nur auf zwischenmenschlicher sonder auch auf übergeordneter Ebene können verschiedene Standpunkte, Wertvorstellungen und Erwartungen thematisiert werden.

Basierend auf Meads Modell von Ego und Alter formulierte Habermas vier Geltungsansprüche, die an jede alltägliche Kommunikation gestellt sind: die Rede solla) verständlich, b) wahr, c) wahrhaftigund d) richtigsein. Hinterfragt werden können diese Faktoren beispielsweise

(a) imhermeneutischen Diskurs: „Wie meinst Du das?“
(b) imtheoretischen Diskurs: „Womit belegst Du das?“
(c) in diesem Falle nurindirektüber das Verhalten des Sprechers
(d) impraktischen Diskurs: „Entspricht das der Norm?“

Die Fähigkeit zum flexiblen Rollenhandeln und gleichermaßen Verhandlungs- und Konsensbereitschaft bilden nach Habermas die Grundlage einer idealen Sprechsituation. Diese Form des Diskurs stellt höchste Anforderungen an den kompetenten Sprecher und ist abhängig von drei wesentlichen Faktoren:

(1) weder äußere noch innere Einwirkungen (Herrschaft oder Angst)
(2) der so genannteZwang des besseren Argumentes
(3) einesymmetrische Verteilung der Chancen, also gleicheSprech-Akte (Sprechzeit) für jeden Unterstellt man jedem Subjekt in jeder Interaktion das Streben nach dem idealen, herrschaftsfreien Diskurs, so sind die damit einhergehenden Werte von Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit immer „mit von der Partie“. Für Habermas, ein Kind der 1930er Jahre und bis in die 1960er Jahre stets von einem hohen Maß an autoritären Strukturen umgeben, war dies ein geradezu visionärer Gedanke.

3.3. Von der moralischen Entwicklung zur kommunikativer Kompetenz

Betrachtet man nun den symbolischen Interaktionismus als Endprodukt der kognitiven Entwicklung, so führt der Weg zurück in den Bereich der Entwicklungspsychologie - in diesem Falle besonders zu Jean Piaget und Lawrence Kohlberg.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Habermas' Theorie des kommunikativen Handelns - Jugend im "Spätkapitalismus"
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Veranstaltung
Gesellschaft und Persönlichkeit / Sozialisation
Note
1,2
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V81268
ISBN (eBook)
9783638858168
ISBN (Buch)
9783638854092
Dateigröße
724 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Habermas, Theorie, Handelns, Jugend, Spätkapitalismus, Gesellschaft, Persönlichkeit, Sozialisation
Arbeit zitieren
Daniel Josef Holbe (Autor), 2007, Habermas' Theorie des kommunikativen Handelns - Jugend im "Spätkapitalismus", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81268

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Habermas' Theorie des kommunikativen Handelns - Jugend im "Spätkapitalismus"


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden