Die Projektmethode und ihr Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und Steigerung der Unterrichtsqualität


Hausarbeit, 2004

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALT:

1. Einleitung

2. Die Projektmethode
2.1 Was ist die Projektmethode?
2.2 Warum eigentlich die Projektmethode?

3. Individuelle und interaktive Faktoren der Projektmethode
3.1 Die Rolle des Lehrers
3.2 Die Rolle des Schülers
3.3 Die Rolle der Gruppe

4. Grenzen und Möglichkeiten der Projektmethode

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit befasse ich mich mit der Projektmethode und ihren Auswirkungen sowohl auf das Bildungsniveau der Schüler/innen, als auch auf deren Möglichkeiten der Selbstverwirklichung.

Zunächst werde ich die wesentlichen Bestandteile der Projektmethode – gewissermaßen ihre Strukturmerkmale – erfassen, um in den Gegenstand der Hausarbeit einzuführen. Darauf aufbauend untersuche ich die Frage nach der Notwendigkeit der Projektmethode für den Schulalltag und den Entwicklungsprozess der Schüler/innen und führe sie einer Antwort zu.

Ich möchte nicht nur die Ursachen klären, die eine Forderung nach einem handlungsorientierteren Unterricht aufkommen lassen. Ich will auch die Wirkungen einer solchen Methode unter Berücksichtigung lernpsychologischer und soziologischer Aspekte hervorheben. Wie wirkt sich die Projektarbeit auf das Individuum, wie auf die Gruppe aus? Gibt es Effekte der Wechselwirkung, die über die des Frontalunterrichts hinausgehen?

Als entscheidend für die Erkundung des Potenzials der Projektmethode sehe ich ihre Prüfung an der Realität an. Dementsprechend beschließe ich meine Arbeit damit, die Grenzen der Projektmethode aufzuzeigen, insbesondere aber auf ihre Möglichkeiten zu verweisen.

2. Die Projektmethode

2.1 Was ist die Projektmethode?

Die Projektmethode ist eine Methode, die als Alternative zur traditionellen, zu praxisfernen – und emotionale Dispositionen weitestgehend ausklammernden – Art des Unterrichtens zusehends an Bedeutung gewinnt. Sie ist gewissermaßen das Gegenstück zum schulischen „Lehrgangslernen, das sich nicht an die dingliche Ordnung des Lebens hält, sondern den Kategorien folgt, mit denen der Mensch die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen zu erfassen gelernt hat. […] Dabei werden Sachverhalte auch mehr oder weniger künstlich und willkürlich isoliert, um lehrbar zu werden, – auch um den Preis der Reduzierung.“[1]

Die Projektmethode dagegen stellt den Handlungsorientierten Unterricht in den Mittelpunkt:

Handlungsorientierter Unterricht geht davon aus, dass Lernen grundsätzlich (…) mit Kopf, Herz, Händen und allen Sinnen abläuft. […] Er ist ein ganzheitlicher und schüleraktiver Unterricht, in dem die zwischen dem Lehrer/der Lehrerin und den SchülerInnen vereinbarten Handlungsprodukte die Gestaltung des Unterrichtsprozesses leiten, so dass Kopf- und Handarbeit der SchülerInnen in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht werden können.[2]

„Handlungsorientierung“ bedeutet also nicht eine Konzentration auf rein praktische Tätigkeiten – einen actionorientierten „Spaß- und Spielunterricht“ – sondern zielt auf nachhaltige Bildung – einen durch Arbeit, durch „handelnden Umgang mit der Wirklichkeit“[3] begünstigten Lernvorgang, der durch das Zusammenwirken von Kopfarbeit und Handarbeit erreicht wird. „Gerade die ausgewogene Verknüpfung von Denken und Handeln ist lehrreich.“[4] Dieses Zusammenwirken hat dabei Einfluss auf verschiedene andere Faktoren (wie z.B. Solidarität; siehe Bild), die sich teils erst aus dieser Addition der Einzelteile ergeben, aber gleichzeitig weit über sie hinausgehen. Auf sie werde ich zu einem späteren Zeitpunkt noch eingehen. Es bleibt festzuhalten, dass Handlungsorientierter Unterricht nicht nur den Intellekt des Schülers anspricht, sondern auch körperliche und emotionale Aspekte umfasst – und somit die Ganzheit des menschlichen Selbst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[5]

Allerdings umfasst der Begriff „Projekt“ noch weit mehr. Wenn wir einen Blick auf „die historischen Wurzeln der Projektpädagogik“[6] werfen, dann erkennen wir, dass es sich eben nicht um eine bloße – und als solche häufig kritisierte – Methode handelt, um den traditionellen Unterricht zwischenzeitlich aufzulockern und die Schüler/innen neu zu motivieren. John Dewey – ebenso wie sein Schüler William Kilpatrick – entwickelte seinen Projektgedanken aus einer Reaktion auf aktuelle „tief greifende gesellschaftliche Wandlungen“.[7] In diesem Zusammenhang gilt es, die gesellschaftliche, politische und soziologische Tragweite seines auf dem Pragmatismus basierenden Gedankenganges zu erkennen. Es ging ihm „um eine Erziehung zur demokratischen Gesellschaft“[8] und deren Erhaltung. Beide, Erziehung und Demokratie, sind als Prozesse der Selbstverwirklichung zu verstehen, sowohl des Individuums als auch der Gesellschaft. „Ein Mensch, der sich selbst verwirklicht hat, ist von Bedürfnissen motiviert, offen zu sein und nicht defensiv; andere und sich selbst zu lieben, ohne Aggressionen oder manipulativen Bedürfnissen nachzugeben; sein Tun ist ethisch und moralisch auf das Wohl der Gesellschaft ausgerichtet; er ist autonom und kreativ, wissbegierig und spontan im geistigen Austausch mit der Umwelt.“[9]

Bereits Jahrzehnte vor „PISA“ und ähnlichen Studien – im Jahr 1916 – hatte Dewey das Dilemma der traditionellen Bildung erkannt und versucht die Bedeutung seines Bildungsbegriffes in einem weitaus umfassenderen Kontext zu verdeutlichen:

In einer hoch entwickelten Kultur jedoch ist vieles, was gelernt werden muss, in Form von Symbolen aufgespeichert. Es lässt sich in keiner Weise in vertraute Handlungen und Gegenstände übersetzen, ist verhältnismäßig „fachtechnisch“ und oberflächlich. Verglichen mit dem, was gemeinhin als „Wirklichkeit“ gilt, ist es künstlich; denn „Wirklichkeit“ ist, was von praktischer Bedeutung ist. Es existiert in einer abgetrennten Welt, wird in die allgemeinen Denk- und Ausdrucksgewohnheiten nicht einbezogen. Es besteht daher die dauernde Gefahr, daß das für die systematische Bildung erforderliche Material lediglich Lehrstoff der Schule und vom Inhalt der außerschulischen Lebenserfahrung völlig abgetrennt wird, und daß man die gegenwärtigen und dauernden Interessen der Gesellschaft aus den Augen verliert. Diejenigen Interessen dagegen, die nicht so stark in das Geflecht des sozialen Lebens hinein gewoben worden sind, sondern die größtenteils in Symbolen ausgedrückte, fachtechnische Erkenntnis bleiben, treten in der Schule stark hervor. So gelangen wir zu der üblichen Auffassung von der Erziehung, die ihre soziale Bedingtheit und ihre Wesensgleichheit mit allen das bewusste Leben beeinflussenden menschlichen Beziehungen übersieht, sie gleichsetzt mit der Übermittlung von Kenntnissen über lebensferne Dinge und dem Lehren durch Wortzeichen: mit dem Erwerb des Schriftwesens.[10]

In diesem Sinne sei der Schüler nicht länger als Objekt des Lehrens zu betrachten. Vielmehr soll er zum Subjekt des Lernens werden. Es gilt, die „Lernenden als mitgestaltende, mitentscheidende und mitverantwortende Akteure in das Unterrichtskonzept einzubeziehen, ihre Subjektposition in allen Funktionen des Unterrichts in Ansatz zu bringen und zu respektieren: bei der Planung, bei der Unterrichtsgestaltung selbst und bei der kritischen Begleitung und Reflexion didaktischer Prozesse. […] Es geht um eine zunehmende Bewusstheit und kritische Verantwortlichkeit von Lehrenden und Lernenden für den Unterricht als einer Sache, die nicht für Schüler veranstaltet, sondern mit ihnen gestaltet wird.“[11]

[...]


[1] Bastian, Johannes / Gudjons, Herbert: Das Projektbuch. Bergmann & Helbig, Hamburg 1986, S. 25.

[2] Jank, Werner: Didaktische Modelle. Cornelsen Scriptor, Berlin 2002, S. 354 f.

[3] Bastian/Gudjons: D. P., S. 23.

[4] Jank: D. M., S. 338.

[5] Jank: D. M., S. 359.

[6] Bastian / Gudjons: D. P., S. 14.

[7] Bastian / Gudjons: D. P., S. 14.

[8] Bastian / Gudjons: D. P., S. 15.

[9] Gage, Nathaniel L. / Berliner, David C.: Pädagogische Psychologie. Beltz, Psychologie Verlags Union, Weinheim 1996, S. 343.

[10] Dewey, John: Demokratie und Erziehung. Georg Westermann Verlag, Braunschweig 1949, S. 24.

[11] Jank: D. M., S. 258.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Projektmethode und ihr Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und Steigerung der Unterrichtsqualität
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Lehrer-Schüler-Interaktion
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V81488
ISBN (eBook)
9783638858472
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Stichwörter: Projektmethode - Dewey - Pragmatismus // Eine meiner ersten Pädagogikarbeiten, die sich im Rahmen der Vorgaben hinsichtlich Inhalt und Umfang (Seminar, 15 S.) prägnant mit der Projektmethode - und zwar nicht in ihrer fehlverstandenen Darlegung in öffentlichen Diskussionen - auseinandersetzt, und so das 'wahre Wesen' dieser unterschätzten Methode offenbaren soll.
Schlagworte
Projektmethode, Beitrag, Persönlichkeitsentwicklung, Steigerung, Unterrichtsqualität, Lehrer-Schüler-Interaktion
Arbeit zitieren
Florian Homann (Autor), 2004, Die Projektmethode und ihr Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und Steigerung der Unterrichtsqualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81488

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