Lean Management - Die Kommunikation postbürokratischer Unternehmen


Hausarbeit, 2002
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Lean Management: One-Hit-Wonder oder Allheilmittel? Eine Einführung

2 Die Schlacht zwischen Gut und Böse – Lean Management vs. Taylorismus
2.1 Schlecht? – Taylorismus
2.2 Gut? – Lean Management

3 Die Kommunikation postbürokratischer Unternehmen
3.1 Die interne Kommunikation postbürokratischer Unternehmen
3.2 Die externe Kommunikation postbürokratischer Unternehmen

4 Die Dilemmata postbürokratischer Unternehmen
4.1 Der Sack voller Flöhe hat Löcher – Das Flexibilitätsdilemma
4.2 Geld ersetzt die Hierarchie – Das Politisierungsdilemma
4.3 Komplexität braucht Kommunikation – Das Komplexitätsdilemma

5 Schluss

6 Quellenverzeichnis

1 Lean Management: One-Hit-Wonder oder Allheilmittel? Eine Einführung

Die vorliegende Arbeit ist Teil der Vorlesungsreihe zum Thema „Strategien der Wirtschafts­kommunikation I“. Verschiedene Strategiekonzepte für Unternehmen wurden in den Vorlesungen beleuchtet und es wurde untersucht, welche Besonderheiten in der Kommuni­kation sie bewirken bzw. ihnen anhaftet. Diese Arbeit nun untersucht das Strategiekonzept „Lean Management“ und seine Auswirkungen auf die Kommunikation von Unternehmen, die Lean Management als Strategie wählen.

Lean Management – dieser Begriff prägte die Managementliteratur des späten 20. Jahr­hunderts, wurde gepredigt in Wirtschaftsmagazinen und auf Symposien, in Vorstands­etagen und Universitäten. Bis in die neunziger Jahre. Heute hört man viel seltener von dieser als bahnbrechend geltenden Organisationstheorie. War also Lean Management ein One-Hit-Wonder oder ist es heutzutage Standard in jedem Unternehmen?

Lean Management, Lean Production, teilautonome Fertigungsgruppen und Just-in-time-Produktion sind nur einige Synonyme der großen Unbekannten. All diese Begriffe um­schreiben jedoch Teile eines ähnlichen Prozesses. War das 20. Jahrhundert geprägt von standardisierter Massenproduktion mit klaren Hierarchien, so begann gegen Mitte des 20. Jahrhunderts zuerst die japanische Automobilindustrie, neue Wege in der Organisation ihrer Produktionsprozesse zu gehen. Um diesen Veränderungsprozess zu beschreiben, werden im Kapitel 2 zunächst die Eigenschaften klassischer tayloristischer Unternehmen beleuchtet, bevor dann die Eigen­schaften „postbürokratischer Unternehmen“[1] beschrieben werden.

Nach dieser kurzen, aber notwendigen Einführung in die Begrifflichkeiten soll dann im Kapitel 3 die Kommunikation postbürokratischer Unternehmen untersucht werden. Wie müssen diese Unternehmen kommunizieren, und was unterscheidet sie dabei von klassisch-tayloristischen Unternehmen? Die Untersuchung der Unterschiede – und der neuen Probleme – postbürokratischer Unternehmen wird im Kapitel 4 anhand der Dilemmata postbürokratischer Unternehmen vertieft.

Als Quellen für diese Arbeit diente hauptsächlich das hervorragende Werk von dem Unternehmensberater, Soziologen und Historiker Stefan Kühl „Wenn die Affen den Zoo regieren. Die Tücken der flachen Hierarchien.“. Als zusätzliche Quelle für die Beschreibung von Taylorismus und Lean Management eignete sich die Untersuchung von James P. Womack, Daniel T. Jones und Daniel Roos „Die zweite Revolution in der Autoindustrie. Konsequenzen aus der weltweiten Studie des Massachusetts Institute of Technology.“. Und zu guter Letzt hat Niklas Luhmanns „Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie.“ in dieser Arbeit seine Spuren hinterlassen, auch wenn sich von ihm kein direktes Zitat findet.

2 Die Schlacht zwischen Gut und Böse – Lean Management vs. Taylorismus

2.1 Schlecht? – Taylorismus

In klassischen tayloristischen Unternehmen gab es die planende, „denkende“ und zahlen­mäßig kleine Gruppe der Manager, der ein Heer von stumpf vor sich hin schraubenden Fließbandarbeitern gegenüberstand.

Die klassische Massenproduktion mit ihrem Heiland Henry Ford an der Spitze basierte auf Austauschbarkeit[2]. Das oft zitierte Fließband war dabei nur ein kleiner Teil. Ford war der erste, der so gut wie alle Teile im Produktionsprozess austauschbar machte, die Arbeiter eingeschlossen (der Begriff „Humankapital“ entstand paradoxerweise erst, als die tayloris­tische Massenproduktion schon so gut wie verschwunden war). Arbeitsschritte wurden in immer kleinere Teile zerlegt, einzelne Arbeiter mussten permanent die gleiche Arbeit verrichten. So verringerte sich zwischen 1908 und 1913 die durchschnittliche Dauer des Arbeitszyklus[3] eines Ford-Monteurs von 514 Minuten auf 1,9 Minuten[4]. Dementsprechend verringerte sich auch der Anspruch an die Qualifikation des Arbeiters. Waren die Monteure vor 1908 (und in anderen Unternehmen noch sehr viel länger) umfassend qualifizierte und hochbezahlte Ingenieure, so mussten sie 1913 nur noch wissen, wie man einen Schrauben­zieher bedient. Insgesamt erziel­te Ford mit dieser Revolution[5] riesige Einsparungseffekte und wurde somit über Jahrzehnte zum führenden Automobilhersteller auf der Welt.

Die Kommunikation in solchen Unternehmen verlief ähnlich mechanisch wie die Orga­nisation und Produktion. Sie spiegelte die strenge Hierarchisierung der Organisation wider, nach dem Prinzip Ursache-Wirkung: Planung im Management, Anweisung, Ausführung durch die Arbeiter, Bericht an das Management. Eine freie Kommunikation aller im Unter­neh­men tätigen Menschen geschah nicht. Diese beschränkte, verkrüppelte Form der Kommunikation führte zur Verschwendung von Verbesserungspotential durch die Arbeiter und zur Frustration derselben. Diese Frustration, auch hervorgerufen durch die Stumpf­sinnigkeit der Arbeits­weise, führte schließlich in der zweiten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts zur Schwächung der tayloristischen Massenproduktion. Unzufriedene Arbeiter, vertreten durch starke Gewerk­schaf­ten, erwirkten immer mehr Lohnsteigerungen und Arbeitszeit­ver­kür­zungen, was letztlich dazu beitrug, dass das System ineffizient wurde[6]. Der Untergang der tayloristischen Massen­pro­duktion hatte seine Ursachen somit auch in der Kommunikation.

2.2 Gut? – Lean Management

Ewig hätte das fordistische System der Massenproduktion sicher nicht überlebt. Ihr Untergang wurde jedoch durch eine neue Entwicklung extrem beschleunigt: dem Aufstieg der japa­nischen Automobilindustrie. Angestoßen durch die Innovationen von Eiji Toyoda und Taiichi Ohno von der Toyota Motor Company, entstand die Produktions- und Organisations­weise von Unternehmen, die wir heute „Lean Management“ nennen. Allgemein gesprochen[7] wurde zunächst der Produktionsprozess und infolgedessen das gesamte Unternehmen entbüro­kra­tisiert, enthierarchisiert und flexibilisiert. (Mit-)Arbeiter bekamen mehr Verantwortung, Maschinen wurden flexibler und leistungsfähiger, Lagerbestände wurden abgebaut, der Pro­duktions­prozess wurde gestrafft und effizienter gemacht („Just-in-time-Produktion“). Toyoda und Ohno erkannten, dass in fordistischen Unternehmen enorme Verschwendung herrschte (japanisch: muda). Riesige Lager kosteten Geld, aufwändige Nachbesserung nach der Fließ­bandproduktion kostete Geld, und die Verschwendung von Know-how der Fließ­band­arbeiter kostete (allerdings schwer quantifizierbar) auch Geld.

Die Neuerungen der japanischen Automobilhersteller hatten zur Folge, dass sie binnen weniger Jahre zur mindestens ebenbürtigen Konkurrenz der nordamerikanischen und euro­päischen Automobilindustrie wurden. Vokabeln wie „Teamarbeit“, „Just-in-time-Produktion“, „Flexibilität“, „flache Hierarchien“, „Mitarbeiter als heimliche Machthaber im Unternehmen“, „Wandel als einzige Konstante“ und natürlich „Lean Management“ wurden zu allgegen­wär­tigen Killerargumenten in der Managementtheorie des späten 20. Jahrhunderts.

Heute muss man leider feststellen, dass die Suche nach dem wirtschaftlichen Allheil­mittel weiter gehen muss – Lean Management ist es nicht. Postbürokratische Unternehmen zeichnen sich aus durch flache Hierarchien, neue Strukturen im Unternehmen („Outsourcing“, „Profitcenter“, „Netzwerk“) und eine hohe Flexibilität. Unternehmen waren schon immer und sind heute mehr denn je mit einer sich ständig verändernden Umwelt konfrontiert, auf die es zu reagieren gilt. Diese turbulente Umwelt verursacht Komplexität bis hin zum Chaos. Der ständige Drang einer Unternehmung besteht insofern darin, Komplexität zu reduzieren. Starke Hierarchien, Arbeitsteilung und standardisierte Massenproduktion waren eine Antwort – die falsche. Aber auch postbürokratische Unternehmen haben größere Probleme, als mit dem Aufkommen des „Lean Management“ und Konsorten erwartet wurde. Anhand der drei klassischen Dilemmata postbürokratischer Unternehmen[8] werde ich im Folgenden darstellen, welche davon Kommunikationsprobleme sind.

[...]


[1] Für die Bezeichnung der Unternehmen, die Lean Management umsetzen, verwende ich den Begriff „Postbürokratische Unternehmen“. Es gibt unzählige Begriffe, die das gleiche beschreiben. Diesen Begriff verwende ich, da die Verwendung des Präfix „post“ deutlich die Unsicherheit im Umgang mit der neuen Managementwelt zeigt. Man weiß zwar, was davor war, für das, was heute ist und in der Zukunft kommt, hat man jedoch noch keine (oder zu viele) Begriffe. Der Begriff stammt von W. Heydebrand (1989), zitiert nach Kühl: Wenn die Affen den Zoo regieren, S. 15

[2] vgl. Womack, Jones, Rose: Die zweite Revolution in der Autoindustrie, S. 31

[3] also der Zeitabschnitt, in dem der Arbeiter unterschiedliche Tätigkeiten verrichtete, bis zum erneuten Beginn derselben Tätigkeiten

[4] vgl. Womack, Jones, Rose: Die zweite Revolution in der Autoindustrie, S. 31

[5] vgl. Womack, Jones, Rose: Die zweite Revolution in der Autoindustrie, Titel

[6] vgl. Womack, Jones, Rose: Die zweite Revolution in der Autoindustrie, S. 52

[7] Eine genauere Erklärung der japanischen Neuerungen würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, da es hier hauptsächlich um die Besonderheiten der Kommunikation postbürokratischer Unternehmen gehen soll. Für Details der „zweiten Revolution“ s. Womack, Jones, Rose: Die zweite Revolution in der Autoindustrie.

[8] vgl. Kühl: Wenn die Affen den Zoo regieren, S. 80 ff.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Lean Management - Die Kommunikation postbürokratischer Unternehmen
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin  (Fachbereich 4, Wirtschaftswissenschaften II)
Veranstaltung
Strategien der Wirtschaftskommunikation
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V8184
ISBN (eBook)
9783638152266
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit befasst sich mit den Kommunikationsproblemen moderner Unternehmen. Welche Auswirkungen haben Lean Management und flache Hierarchien auf die internen und exernen Kommunikationsprozesse? 147 KB
Schlagworte
Lean Management, Kommunikation
Arbeit zitieren
Patrick Baumann (Autor), 2002, Lean Management - Die Kommunikation postbürokratischer Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8184

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Titel: Lean Management - Die Kommunikation postbürokratischer Unternehmen


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