Zur Frage der Schuld des Titelhelden in Wolframs von Eschenbach ‚Willehalm’


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
45 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Arofel - Episode
2.1 Wolframs Bearbeitung der Chanson
2.2 Die Realität des Krieges
2.3 Zorn und Rache

3. Willehalm am Hof
3.1 Willehalms Zorn am Hof
3.2 Hof – König - Königin
3.3 Willehalms Schuld am Hof

4. Die Versündigung Willehalms
4.1 Gewalt und mort
4.2 Die Schonungsrede Gyburcs
4.2.1 Die Aufwertung der Heiden
4.2.2 Die Notwendigkeit der Taufe
4.2.3 Der Schonungsgedanke
4.3 Die Schuld Willehalms

5. Willehalms Wandel

6. Willehalms Heiligkeit und Fazit

7. Nachwort

8. Bibliographie

1. Einleitung

„Humanität“ – „Kampf Edler gegen Edle“ – „Gottes Kindschaft aller Menschen“[1]. Alles Stichwörter, die man aus heutiger Sicht nicht mit den mittelalterlichen Kreuzzügen verbinden würde. Umso erstaunlicher, dass Wolfram mitten in den Glaubenskriegen – wahrscheinlich um 1220 - seinen Willehalm vollendet, der später unter diesen Schlagwörtern in die deutsche Literaturgeschichte eingeht. Doch selbst nach 800 Jahren ist die Problematik des Glaubenskonfliktes immer noch von höchster Aktualität. Vom Konflikt Irans mit Israel, über die Kriege in Afghanistan und im Irak bis hin zur heiß diskutierte Frage des EU - Beitrittes der Türkei. Gerade im Angesicht dieser auch heute noch scheinbar unüberbrückbar verhärteten Glaubensfronten ist der Willehalm ein früher und bemerkenswerter Vorstoß zur Verständigung zwischen den Kulturen. Wolframs Epos gilt damit zu Recht als „ein Werk gegen die Kreuzzugsideologie des Mittelalters“ und „eines der großen Dokumente der Menschlichkeit“[2].

Doch so weit Wolfram auch die Perspektive auf ein neues Menschheitsbild freigibt, so sehr muss man sich davor hüten, das Werk unter Verwendung eines modernen, aufgeklärten Toleranzbegriffes zu verwischen. Weder propagiert Wolfram einen liberalen Umgang zwischen den Religionen, noch präsentiert sich sein Titelheld als ein diesbezügliches Vorbild im humanen Umgang zwischen den Kulturen. Statt eines besonnenen bote[n] (3,15)[3] begegnet uns über weite Strecken ein gefühlsgetriebener und aggressiver Marktgraf. Am stärksten tritt dies in der Arofel - Episode hervor, wo Willehalm seinen wehrlosen Gegner erschlägt und anschließend die Rüstung des Heiden raubt. Auch später in der Orleans – Episode und am Hof von Munleun, steht Willehalms Handeln im Spannungsfeld von Schuld, Sünde und seiner im Prolog bezeichneten Heiligkeit. Diese Ambivalenz in der Figur des Willehalm ist der Antrieb dieser Arbeit. Die Frage soll dabei stets sein, inwieweit man Willehalms Handeln erklären, begründen und legitimieren kann. Dabei soll gezeigt werden, dass das Handeln von Wolframs Titelheld nicht immer als gerechtfertigt erscheint und der Frage nach seiner Schuld – gerade auch vor dem Hintergrund von Gyburgs Schonungsrede - Raum eröffnet. Diese soll konkret in der Arofel – Episode und am Hof von Munleun nachgewiesen werden. Ausgehend von diesen Befunden soll anschließend versucht werden, eine Brücke zu Willehalms Heiligkeit zu schlagen. Dazu müsste die Entwicklung und die Wandlung des Helden bis hin zur Matribleiz – Episode nachgewiesen werden. Dies soll versucht werden.

2. Die Arofel - Episode

2.1 Wolframs Bearbeitung der Chanson

Behandelt man den Willehalm im Allgemeinen und die Arofel - Episode im Speziellen, so empfiehlt sich zu Beginn eine Betrachtung von Wolframs Vorlage. Wie im deutschsprachigen höfischen Roman üblich, bezieht sich auch Wolfram in der Wahl seines Willehalm - Stoffes auf eine französische Quelle, die Chanson de geste ‚d’Aliscans’, die den Mittelpunkt des Epenzykluses um Guillaume d’Orange bildet. Es soll zuerst untersucht werden, inwieweit Wolfram seiner Quelle detailgetreu folgt und wie sich eventuell die Erzählhaltung und die Erzählperspektive verändert.

Die unmittelbare Vorgeschichte Guillaumes vor dem Zusammentreffen mit Aerofel und Danebruns ist zunächst relativ identisch mit der Willehalms. Der Marktgraf muss in der ersten Schlacht von Alischanz eine vernichtende Niederlage gegen die Heiden hinnehmen und versucht nach dem Tod und der Klage um Vivianz sich nach Oransche zu Gyburg durchzuschlagen. Auf dieser Flucht kommt es zum Kampf mit den Heidenkönigen Arofel und Tenebruns.

In erster Linie ist bei der Beschreibung dieses Kampfes die „Reduktion […] deutlich und auffällig“[4]. Die Differenz reicht von 87 bis 192 Versen, je nach Handschrift. Damit verbunden ist auch ein qualitativer Eingriff Wolframs in seine Vorlage. Willehalm handelt zu Beginn in beiden Werken zunächst aus Notwehr und wendet sich erst nach dem Einschlagen der Heiden dem Kampf zu (77,12). Arofel und Tenebruns reiten im Folgenden getreu der Vorlage unritterlich zu zweit gegen Willehalm an, der Anruf Guillaumes an die Ritterlichkeit der Kontrahenten (Al. 1108-1112)[5] und deren Einsicht wird allerdings nicht übernommen; der Marktgraf muss im Willehalm gegen beide Heidenkönige gleichzeitig kämpfen. Der Tod Tenebruns wird deshalb wenig später nur knapp abgehandelt (77,19), womit der Zweikampf Arofel – Willehalm ins Zentrum rückt. Es fällt dabei auf, dass die von Prahlereien und Beschimpfungen charakterisierten Wortgefechte im Vorfeld der Zweikämpfe wegfallen. Die Reiz- und Spottrede Arofels, mit der Bezeichnung Gyburgs als Hure, sowie die Aufforderung Willehalms zum Abfall vom christlichen Glauben (Al. 1149-1157), die in der Chanson noch Guillaumes Handeln motivierte[6], finden bei Wolfram keinen Anklang mehr. Tenebruns und Arofel werden vielmehr als vollkommene höfische Minneritter stilisiert. Besonders Arofel wird vor und nach dem Kampf mit Willehalm in den höchsten Tönen gepriesen (78,4-25). Dabei wird besonders seine milte (78,19), seine güete (87,17) und seine zuht (87,19) betont. Damit wird hier schon ein Attribut der Heiden hervorgehoben, welches sich durch das gesamte Werk ziehen wird, die ritterlich - höfische Tugendhaftigkeit.[7]

Auch bei den Kampfschilderungen weicht Wolfram von typischen heldenepischen Stilisierungen seiner Zeit ab. Die „entepisierende Rüstungsdescriptio“[8] wird besonders an der Beschreibung Arofels deutlich, welche zu zahlreichen Exkursen führt (76,23ff; 77,24ff; 78,8-25). Darüber hinaus verselbst-ständigt sich das Schwert Arofels nicht wie in der Vorlage (Al. 1265, 1274, 1281, 1283), sondern es wird lediglich die Liste seiner Vorbesitzer beschrieben (77,24-28). Des Weiteren wird vom „Fundes [der] wiederkehrenden Motiven [der altfranzösischen Wilhelmsepik] vom Aufeinanderstürmen der Gegner, über den Speerkampf und Schwerthiebe, gelegentliches Spalten des Gegners, Herausquellen der Eingeweide bis zum Daliegen mit offenem Mund“[9] nur wenig Gebrauch gemacht. Nicht zuletzt ist in diesem Kontext auch Wolframs „epische ‚Schwundstufe’“ der stich und slac - Formel zu erwähnen, womit „nicht mehr im Stil der alten Heldenepik, sondern im Sinn modernerer, romanhafter Abstraktion“[10] erzählt wird. Wolfram nimmt damit eine distanziertere Haltung zum Geschehen als die Chanson ein, was ein stetiges Reflektieren über die Situation zugunsten der uneingeschränkten Identifizierung mit dem Titelheld fördert.

Ungeachtet dieser Objektivierung des Geschehens stellt der Kampf Willehalms gegen Arofel den repräsentativsten Zweikampf der ersten Schlacht und überhaupt Willehalms größtes Duell im gesamten Werk dar.[11] Gerade durch die Nennung der Schwerter beider Kämpfer (77,14/24) scheint dieser Einzelkampf zumindest in der Konstitution „durchaus heldenepisch orchestriert zu sein“[12]. Der Ausgang des Kampfes der beiden höfischen Helden ist deshalb umso problematischer. Nachdem Arofel eine Schnalle der Beinrüstung reißt und sein Oberschenkel entblößt wird, schlägt Willehalm seinem Gegner das Bein ab und erschlägt schließlich den Wehrlosen. Danach köpft er den Getöteten und raubt seine Rüstung.

2.2 Die Realität des Krieges

Zur Auflösung der umstrittenen Arofel - Episode verwies die Forschung häufig auf die reale Kriegsdarstellung Wolframs. Der Dichter erwähnt selber sein diesbezügliches Bestreben (385,1) und dass man sein Epos deshalb gerade nicht mit der idealisierten Heldenepik gleichsetzen könne (384,18ff). So wird das Beinabschlagen Arofels nicht wie in der Chanson als „epischer Hieb“[13] inszeniert - nach erzählwirksamen Tiefpunkt des Helden und unterlegenem Waffenvergleich - sondern ein zufälliger technischer Defekt führt zur Niederlage des Perserkönigs. Wollte Wolfram also „die Gestalten seines Werkes und vor allem die Hörer und Leser mit der Wirklichkeit des Krieges konfrontier[en]“[14] ? Kann man damit auch die Brutalität Willehalms erklären und vor allem legitimieren?[15]

Versucht man die These von Arofels Tod als notwendiges Kriegsgeschehen zu stützen, so rückt die Rüstungs- und Pferdnahme Willehalms in den Mittelpunkt. Die Inbesitznahme der Waffen und des Pferdes Arofels sind für Willehalm schließlich die notwendigen Voraussetzungen für das erfolgreiche Durchdringen des heidnischen Belagerungsgürtels um Oransche. Da Willehalm auf sich alleine gestellt ist, kann er sich den Weg nicht freikämpfen, sondern muss als Heide verkleidet unbemerkt durch die gegnerischen Reihen gelangen. Die Tötung Arofels und die anschließende Leichenfledderei wären damit begründbar.[16] Dies ist auch die deutliche Handlungsmotivation in Wolframs Vorlage.

Doch diese Argumentation von Seiten der Erzählkausalität stößt schon früh an seine Grenzen. Vom Wunsch Willehalms nach Arofels Streitross Volantin erfährt man im Vorfeld nichts. Vielmehr ist Arofel nach dessen Niederlage sofort bereit, sein geliebtes Ross an Willehalm abzugeben (81,1-3) sowie alle seine Besitztümer (81,8-10). Mit seiner Rüstung hätte es sich mit Sicherheit ebenso verhalten.[17] Die Hinrichtung Arofels als zwingende Voraussetzung zu Willehalms Flucht nach Oransche kann damit ausgeschlossen werden.

Und noch ein anderer Aspekt macht die Enthauptung des Perserkönigs problematisch. Nicht nur, dass Willehalm den hilf- und wehrlosen Arofel erschlägt. Er nimmt darüber hinaus seine Rüstung und seine Waffen an sich und enthauptet seinen Kontrahenten anschließend sogar (81,11). Genau genommen begeht Willehalm damit Leichenschändung am König der Perser. In diesem Punkt verschärft Wolfram die Szene im Vergleich zur Vorlage. Dort wurde Aerofles durch die Enthauptung getötet, nicht post mortem wie im Willehalm. Allein schon durch das vorangehende Gespräch kann die Enthauptung Arofels dabei nicht der Kampfesaffektivität zugeschrieben werden.[18] Arofel schlägt Willehalm mehrfach Lösegeld vor (80,27-29; 81,8-10), welches „durchaus Gehör verdient“[19]. Es gibt keine Zeugen, sie befinden sich an einem abgelegenen Ort. Die Enthauptung Arofels liegt damit definitiv jenseits von existentialistischen Kampferfahrungen um Leben und Tod. Sie gleicht damit vielmehr „einer Hinrichtung […], kaltblütig und mit Vorsatz ausgeführt“[20] und kann unmöglich als „necessary and appropriate to the situation“[21] oder gar als „kriegerische[…] Notwendigkeit“[22] gesehen werden.

Das Argument der notwendigen und entschuldbaren Affektivität stößt auch im weiteren Verlauf an seine Grenzen. Alle weiteren Gewalttaten Willehalms auf seinem Weg nach Munleun bis hin zu den Morddrohungen gegen den König (139,1-2) finden ausschließlich gegen Wehrlose statt. Arofel ist dank des abgeschlagenen Beines kampfunfähig; der Zolleintreiber in Orleans, sowie die Königin können ebenfalls nicht als adäquate Gegner gelten. Die Motivation für diese (Unrechts)Taten muss also einer tieferen Quelle entspringen.

2.3 Zorn und Rache

Es handelt sich um den zorn (80,16) Willehalms, der in der Arofel – Episode durch den Tod Vivianz (79,28) hervorgerufen wird, welcher auch in der Folgezeit mehrfach als Kampfgrund angegeben wird (305,28-30; 306,22-23). Zorn und Rache als Handlungskausalitäten kommen im Willehalm also fundamentale Bedeutung zu.[23] Wolfram konnte dabei durchaus auf seine Vorlage zurückgreifen, wo Willehalm ebenso durch „wütende[s] Dreinschlagen […] sein aufbrausendes Temperament verrät […] (Al. 44)“.[24]

Zorn als literarisches Motiv, als Handlungsmotivation und Handlungslegitimation ist in der älteren Literatur weit verbreitet. Sie geht über Vergils Aeneis bis auf Homers Ilias und den Zorn des Achilles zurück. Nicht zuletzt durch Veldekes Eneit – Veldeke wird im Werk als Wolframs meister (76, 24) erwähnt - dürfte Wolfram dieses Handlungsmotiv bekannt sein. Der Zorn des Helden erscheint dabei stets als gerechtfertigte Reaktion auf Unrechtshandlungen und legitimiert entsprechende Handlungen zur Bestrafung und Abwehr derselben. Er ist damit als „Ausdruck [des] streitbaren Engagements eine natürliche, ja legitime Reaktion“, welche den “Habitus des Kämpfenden in Hinblick auf seinen inneren Einsatz für die Sache“[25] verdeutlicht. So die Definition des „gerechtfertigten Zorns“. Wie verhält es sich nun beim Tod Arofels?

Willehalms Zorn ist deutlich die „ample reason […] to regard his killing of Arofel as […] vengeance.“[26] Im Gespräch zwischen Arofel und Willehalm erwähnte der geschlagene Perserkönig seine Bruderschaft zu Terramer (80,17). Obwohl er damit auch in naher Blutsverwandtschaft zu Gyburg steht – was vom Dichter auch ausdrücklich betont wird (78,19) - zeigt Willehalm keine Gnade. Er macht kurzen Prozess mit Arofel, ohne sich auf weitere Gespräche einzulassen. So stringent und wertungsfrei die Rache in der Tradition vor Wolfram häufig zu Handlungskausalitäten führte, so unbefriedigend stellt sie sich damit konkret in der Arofel - Episode dar. Abgesehen von der unehrenhaften Hinrichtung eines tugendhaft - höfischen Ritters, wird zudem das klassische Modell der Blutrache ausgehebelt. Arofel selbst trägt nämlich keine Schuld am Tod Vivianz. Es waren seine Mitstreiter Noupatris und Halzebier, die Willehalms Neffen die tödlichen Wunden beibrachten. Überhaupt kann man keine Stelle im Werk finden, wo Arofel einen Verwandten Willehalms erschlägt. Abgesehen davon kann auch die Art und Weise der Tötung Arofels nicht durch den Zorn Willehalms alleine gerechtfertigt werden. Selbst die noch so gerechtfertigte Blutrache legitimiert nicht eine derartige Entehrung des gegnerischen Helden, zumal dieser vom Dichter als vollkommener höfischer Held vorgestellt wird. Es liegt daher näher - wenn überhaupt - von einem „Vergeltungsschlag“ zu sprechen, wie es auch in der Chanson zu finden ist. Demnach müssen „was von einem Mitglied [einer] Menschengruppe angerichtet wird […] alle anderen mit […] verantworten.“[27] Arofel trägt damit lediglich kollektive Schuld, wie sie jeder Krieger in allen Kriegen passiv trägt und kann damit weder als direkter Auslöser noch als rechtmäßiges Ziel von Willehalms Zorn gelten.[28]

So sehr die Vergeltung in der typischen Kreuzzugsliteratur wie dem Rolandslied ausgereicht haben mag die Heiden abzuschlachten, so wenig stellt sie eine zufrieden stellende Rechtfertigung, gerade auch in Bezug auf die Art und Weise des Erschlagen Arofels, dar.[29] Was bleibt ist eine riesige legitimatorische Lücke, bedingt durch die “kritische[…] Distanzierung von Willehalms Handlungsweise” und die Darstellung von Arofels Tod als “reine[n] Racheakt”, wobei Willehalms Verhalten „nicht bloß unchristlich, sondern zugleich unhöfisch und unritterlich“[30] ist. Willehalms Zorn ist damit nicht mehr nur der wertungsfreie Ausdruck des Kampfeseifers, der auf dem Schlachtfeld seinen „unvermeidlichen wie schmerzvollen Wirkungsraum“[31] einnimmt, sondern er verliert sein rechtfertigendes Fundament und stellt die Frage nach der Schuld Willehalms.

Tun wir es aber vorerst Wolfram gleich und „kapitulieren“ vor der Handlung Willehalms (81,11f.). Um in der Chronologie des Werkes und der Entwicklung des Helden nicht vorzugreifen, soll uns der Totschlag von Arofel erst im weiteren Verlauf des Epos wieder interessieren. Gerade um später diese Schlüsselstelle zufrieden stellend auslegen zu können, bedarf es eines breiteren Hintergrundes.

[...]


[1] Helmut De Boor: Geschichte der deutschen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 2. Die Höfische Literatur. Vorbereitung, Blüte, Ausklang. München: Beck’sche Verlagsbuchhandlung 1960. S. 121.

[2] Joachim Heinzle: Wolfram von Eschenbach. Willehalm. Nach der Handschrift 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen. Mittelhochdeutscher Text. Übersetzung. Kommentar. Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker Verlag 1991. S. 801.

[3] Textgrundlage: Dieter Kartschoke: Wolfram von Eschenbach. Willehalm. Berlin: Walter de Gruyter 1968. 320 S.

[4] Werner Schröder: Die Hinrichtung Arofels. In: Ders.: Wolfram-Studien II. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1974. S. 221.

[5] Bei Stellenangaben aus der Chanson beziehe ich mich auf Bodo Mergill (Wolfram von Eschenbach und seine französischen Quellen. Münster: Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung 1936. 190 S.).

[6] Mergill 1936 [Anm. 5]: Wodurch „die Glaubenstreue Guillaumes in ein um so glänzenderes Licht gerückt werden soll“ (S. 134).

[7] Alois Wolf [Kampfschilderungen in Wolframs „Willehalm“. In: Ders.: Erzählkunst des Mittelalters. Martina Backes, Francis G. Gentry u.a. (Hrsg.). Tübingen: Max Niemeyer Verlag 1999. S. 25- 56.] stellt fest, dass „die Heiden eine ritterliche Kampfauffassung haben, wie wir sie auch aus dem Verhalten der Artusritter des höfischen Romans kennen“. (S. 49) Und Schröder 1974 [Anm. 4] kommt darüber hinaus zu dem Schluss, dass Arofels Verhalten „ganz ohne Tadel sein [sollte] und gewiß nicht weniger höfisch als das Willehalms, eher mehr.“ (S. 222)

[8] Wolf 1999 [Anm. 7]. S. 38.

[9] Ebd. S. 39.

[10] Ebd. S. 40.

[11] Gemessen am Versumfang. Der Zweikampf mir Arofel, inklusive Gegnerbeschreibung und postmortaler Würdigung, umfasst fünf 30-iger, der Zweikampf mit Tesereiz nur drei.

[12] Wolf 1999 [Anm. 7]. S. 41.

[13] Ebd. S. 42.

[14] Ebd. S. 43.

[15] Erklärung und Legitimierung verschmelzen dabei in der Regel. Werner Schröder [ mort und riterschaft bei Wolfram. Zu ‚Willehalm’ 10, 18-20. In: Alfred Ebenbauer (Hrsg.): Philologische Untersuchungen. Wien: Universitäts-Verlagsbuchhandlung 1984. S. 398-407.] spricht von „der wirklichkeitsnahen geschichtlichen Szenerie des ‚Willehalm’“, in der es „bei aller riterschaft immer um Kampf auf Leben und Tod [geht].“ (S. 406) Für ihn scheint das Kriegsgeschehen damit von vorneherein persönliche Schuld auszuschließen: „Daß Krieg in der Welt ist, muß letztendlich Gott verantworten“. (S. 407) Auch für Fritz Peter Knapp [Rennewart. Studien zu Gehalt und Gestalt des „Willehalm“ Wolframs von Eschenbach. Wien: Verlag Notring 1970. 363 S.] wird „die Welt der ‚aventiure’, des ritterlichen Spieles, wo immerhin noch Ritterlichkeit und Edelmut etwas gelten […] durch die grausige Realität des Krieges […] ersetzt“ (S. 28). Ebenso besitzt für Walter Haug [Parzivals zwîfel und Willehalms zorn. Zu Wolframs Wende vom höfischen Roman zur Chanson de geste. In: Werner Schröder (Hrsg.): Wolfram-Studien III. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1975. S. 217- 231.] Wirklichkeit nicht mehr den „fiktionalen Charakter der âventiure -Welt des höfischen Romans“, sondern beansprucht „vielmehr historisch-faktische Verbindlichkeit.“ (S. 228)

[16] Vgl. James A. Rushing: Arofel’s Death and the Question of Willehalm’s Guilt. In: Journal of English and Germanic philology 94 (1995). H. 4. S. 474.

[17] Vgl. Schröder 1974 [Anm. 4]. S. 223.

[18] Entgegen Joachim Bumke [Wolframs Willehalm. Studien zur Epenstruktur und zum Heiligkeitsbegriff der ausgehenden Blütezeit. Heidelberg: Winter 1959. 207 S.], der der Problematisierung von Rache und späterem Verzeihen generell aus dem Weg geht, indem er in ihnen „keinen absoluten, sondern funktionale Werte“ (S. 64) sieht, die situationsabhängig und affektiv eingesetzt werden.

[19] Schröder 1974 [Anm. 4]. S. 222.

[20] Ebd.

[21] Rushing 1995 [Anm. 16]. S. 482.

[22] Wolf 1999 [Anm. 7]. S. 56.

[23] Rushing 1994 [Anm. 16] merkt an, dass der Kampf gegen die Heiden eher zur Rache für Vivianz statt zur Verteidigung der Christenheit geführt werde (Vgl. S. 478) und auch für Knapp 1970 [Anm. 15] ist „die Rache für angetanes schweres Herzeleid geradezu zum Hauptantrieb der zweiten gewaltigen Schlacht geworden“ (S. 23).

[24] Manfred Erdmenger: Das Verhältnis von Gehalt und Gestalt im Aliscans-Epos. Göttingen: 1964. S. 63.

[25] Haug 1975 [Anm. 15]. S. 230.

[26] Rushing 1994 [Anm. 16]. S. 478. Das Motiv der Blutrache reicht dabei einer ganzen Reihe von Autoren zur Legitimierung von Willehalms Handeln. Schon Bumke 1959 [Anm. 18] sah Willehalm daher als unschuldig: „Und selbst im Zorn hat Willehalm gerecht gehandelt.“ (S. 63) Für Wolfgang Harms [Der Kampf mit dem Freund oder Verwandten in der deutschen Literatur bis um 1300. Kiel: 1963. 228 S.] war Willehalm dadurch ebenfalls „nicht […] unreif und menschlicher Läuterung bedürftig“, sondern erscheine sogar „als Held im Stile antiker Heroen und [ist] gerechtfertigt durch das verbindliche Beispiel des Eneas.“ (S. 198) Auch John T. Greenfield [Willehalm’s fall from grace. In: Neophilologus 73 (1989). H. 2. S. 243- 253.] scheint die Begründung der Blutrache auszureichen. Die Versündigung Willehalms sieht er lediglich im späteren Kampf gegen die eigene Sippe (S. 245).

[27] Erdmenger 1964 [Anm. 24]. S. 35.

[28] Willehalms Zorn fällt damit aus der Vorlage des Eneas. Dazu Schröder 1974 [Anm. 4]: „Weit entfernt, Eneas in puncto ritterlich-höfischem Verhaltens, von dem auch die erbermde ein Teil ist, gleichzukommen oder ihn gar zu übertreffen, bleibt Willehalm ersichtlich hinter ihm zurück.“ (S. 234)

[29] Knapp 1970 [Anm. 15]: „Konnte also für ihn [Wolfram] die alte Formel ‚Bekehrung oder Vernichtung’ […] nicht mehr gültig sein, so durfte auch der im ‚Willehalm’ so oft auftretende Rachegedanke nicht mehr als hinreichende Rechtfertigung für das Niedermetzeln Besiegter in Anspruch genommen werden“ (S. 45).

[30] Werner Schröder: Zur Entwicklung des Helden in Wolframs ‚Willehalm’. In: Werner Schröder (Hrsg.): Festschrift für Ludwig Wolff. Neumünster: Karl Wachholtz 1962. S. 270f.

[31] Haug 1975 [Anm. 15]. S. 230.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Zur Frage der Schuld des Titelhelden in Wolframs von Eschenbach ‚Willehalm’
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Wolfram von Eschenbach, Willehalm
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
45
Katalognummer
V82270
ISBN (eBook)
9783638874359
ISBN (Buch)
9783638874403
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit zeichnet sich "durch eine gründliche und behutsame Abwägung vieler Textbefunde [...] aus und ist insofern vorbildlich." Darüberhinaus "besticht sie durch klare sprachliche und gedankliche Führung" und einer "Fülle fundierter Argumente", welche nur durch Kleinigkeiten zur Note von "nur" 1,3 führten.
Schlagworte
Frage, Schuld, Titelhelden, Wolframs, Eschenbach, Wolfram, Willehalm
Arbeit zitieren
Arnulf Hahn (Autor), 2007, Zur Frage der Schuld des Titelhelden in Wolframs von Eschenbach ‚Willehalm’, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82270

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zur Frage der Schuld des Titelhelden in Wolframs von Eschenbach ‚Willehalm’


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden