Wilhelm Meisters Wanderjahre - Bilder einer vormodernen und Vorschein einer modernen Gesellschaft


Hausarbeit, 2007

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Tradition und Moderne
2.1 Der Bezirk des Oheims
2.2 Die Josephsgeschichte

3 Die Konzeption der Entsagung
3.1 Das Bildungsproblem

4 Zweck-Mittel-Beziehungen

5 Entwicklung und Ökonomie

6 Schlussbetrachtung

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Buch „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ von Goethe ist eines seiner bekanntesten Werke. Nicht zuletzt aus dem Grund, dass es sich auf mehreren unterschiedlichen Ebenen lesen und interpretieren lässt. Alioune Sow hat in seinem Text „Wilhelm Meisters Wanderjahre. Bilder einer vormodernen und Vorschein einer modernen Gesellschaft.“[1] Goethes Werk aus dem Blickwinkel der bevorstehenden Industrialisierung beleuchtet.

Er zeigt in seinem Text bestimmte Situationen auf, in die Wilhelm hineingerät, die es zu hinterfragen gibt und die bereits einen Umbuch in der Gesellschaft andeuten. Außerdem bringt Goethe stellvertretend für die alte oder die neu anbrechende Zeit, bestimmte dazu passende Personen in sein Werk rein. Diese Personen, ihre Pläne und ihr Verhalten werden von Sow genauestens erörtert und in den Zusammenhang mit der fortschreitenden Modernisierung gebracht. Wilhelm ist dabei der zentrale Dreh- und Angelpunkt, der diese Personen und Situationen kennen lernt und sich im Anschluss eine Meinung über diese bildet.

Die folgende Arbeit soll das im Seminar „Goethes Begriff der Weltliteratur“ gehaltene Referat zu Alioune Sows Text noch detaillierter ausarbeiten und an bestimmten Stellen auch ergänzen. Es werden die einzelnen Aspekte von Sow aufgegriffen und in einen globaleren Zusammenhang gestellt, um zwischen der neu anbrechenden Zeit und Wilhelm einen entsprechenden Bogen zu schlagen.

2 Tradition und Moderne

Das Verhältnis von Tradition und Moderne ist ein sehr wichtiges Thema in Goethes Roman „Wilhelm Meisters Wanderjahre“. Alioune Sow bezeichnet diese beiden Begriffe am Anfang ihres Textes als „offene Kategorien, die nicht normativ definiert werden“[2] können. So seien beide auf den ersten Blick zwar sehr unterschiedlich und stellten Gegensätze dar, jedoch folgten ebenfalls beide einer spezifischen Dialektik. Wenn man beispielsweise ein bestimmtes Phänomen in der Gegenwart betrachtet, also in der Moderne, ist es immer wichtig die geschichtliche, also die traditionelle Dimension davon zu kennen. Damit bekommt man einen ganz anderen Blickwinkel auf dieses Phänomen und bildet sich womöglich eine andere Meinung darüber, als die ursprünglich vorhandene.

„Wilhelm Meisters Wanderjahre“ können hierbei als Reflexion von Erfahrungen einer Gesellschaft gelesen werden. Goethe schafft es in seinem Roman das Verhältnis von Tradition und Moderne mit kennzeichnenden soziokulturellen Belangen in Verbindung zu bringen und dabei Alternativen auszuarbeiten. Dies bildet einen geeigneten Reflexionsrahmen für heutige Entwicklungsgesellschaften, ohne, dass es sich als „Modell“ aufdrängt.[3]

Ein wichtiger Grund warum vor allem die „Wanderjahre“ und nicht die „Lehrjahre“ von Goethe auf ihren sozialen und politischen Gehalt hin untersucht wurden, ist der Zusammenbruch des feudalen Systems in Europa, der zwischen der Erscheinung beider Bücher lag.

Laut Ekkehart Krippendorff übt Goethe in seinem Werk radikale Politikkritik und nimmt eine antipolitische Grundhaltung ein.[4] Außerdem kann man anhand der „Wanderjahre“ Goethes kritische Einsichten in die sozialen und politischen Probleme nachvollziehen. Zum einen wären da die Probleme der noch existierenden traditionellen Gesellschaft und zum anderen die der beginnenden modernen Gesellschaft.[5] Um das Ganze zu verdeutlichen führt Sow einige Beispiele aus den „Wanderjahren“ auf.

2.1 Der Bezirk des Oheims

Zunächst geht er auf den „Bezirk des Oheims“ ein, in dessen Beschreibung Einsprüche gegen die gesellschaftliche Phantasie des aufgeklärten Absolutismus erhoben werden. Der Erzähler beschreibt den Oheim als „außerordentlichen Mann“, der „ganz aufs Praktische bezogene Gesinnungen“[6] hat. All das kommt den persönlichen Einstellungen Goethes sehr nah. Zudem formuliert Goethe am Oheim seine Kritik am aufgeklärten Spätabsolutismus, speziell an seinen liberalen Erscheinungsformen.[7] Dennoch ist die Beschreibung des Bezirks des Oheims vielschichtig. So sind die Einwände gegen den aufgeklärten Spätabsolutismus nicht gleichbedeutend mit der Entfernung seiner produktiven Anteile. Diese sind es auch, die am Ende den Werdegang Wilhelms bestimmen und ohne die sein Eigensinn nicht verständlich wäre. Als Wilhelm den Bezirk verlässt, hat er das Gefühl, „mehr erfahren und gelernt“ zu haben, als er „hoffen durfte“.[8] Später wird er das Gelernte jedoch auch kritisch reflektieren.

Der Oheim als Figur ist einerseits sehr auf Tradition bedacht, vergisst aber nicht, dass „sie sich nur lebendig erhielt, wenn sie sich stets neu belebte“ und das sowohl im sozialen wie im ökonomischen Bereich.[9] Aus diesem Grund bestärken die Beobachtungen und Erfahrungen, die Wilhelm beim Oheim sammelt, dass Tradition und Moderne sich keineswegs gegenseitig ausschließen, sondern vielmehr einander bedingen.

[...]


[1] Vgl. Sow, Alioune: Wilhelm Meisters Wanderjahre. Bilder einer vormodernen und Vorschein einer modernen Gesellschaft. In: Interkulturelle Texturen. Afrika und Deutschland im Reflexionsmedium der Literatur. Hrsg. von Moustapha M. Diallo und Dirk Göttsche. Bielefeld: Aisthesis Verlag 2003. Michael Hofmann, "Interkulturelle Literaturwissenschaft Eine Einführung", Wilhelm Fink Verlag, Paderborn, 2006, S. 285-310

[2] Vgl. Sow, Alioune: Wilhelm Meisters Wanderjahre, S. 285

[3] Vgl. Sow, Alioune: Wilhelm Meisters Wanderjahre, S. 286

[4] Vgl. Krippendorff, Ekkerhart: Wie die Großen mit den Menschen spielen. Versuch über Goethes Politik. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1988, S. 40 f.

[5] Vgl. Sow, Alioune: Wilhelm Meisters Wanderjahre, S. 287

[6] Vgl. Sow, Alioune: Wilhelm Meisters Wanderjahre, S. 288

[7] Vgl. Blessin, Stefan: Die Romane Goethes. Königstein 1979, S. 165

[8] Vgl. Goethe, Johann Wolfgang von: Werke. Hamburger Ausgabe. Hrsg. von Erich Trunz. Bd. 8. 10. Auflage. München 1982, S. 81

[9] Vgl. Sow, Alioune: Wilhelm Meisters Wanderjahre, S. 289 f.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Wilhelm Meisters Wanderjahre - Bilder einer vormodernen und Vorschein einer modernen Gesellschaft
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Goethes Begriff der Weltliteratur
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V83051
ISBN (eBook)
9783638895385
ISBN (Buch)
9783638905015
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wilhelm, Meisters, Wanderjahre, Bilder, Vorschein, Gesellschaft, Goethes, Begriff, Weltliteratur
Arbeit zitieren
Kristina Keller (Autor), 2007, Wilhelm Meisters Wanderjahre - Bilder einer vormodernen und Vorschein einer modernen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83051

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