Frank Zappa und seine Musik im Spiegel der Möglichkeiten moderner Studiotechnik und ihre Auswirkungen auf den Produktionsprozess und die Ästhetik des Klangs

Vom Amateur zum Hightech-Artisten: Rockmusik und Rockmusiker


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
20 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Biographische Einleitung zu Leben und Werk Frank Zappas
1.1.Einleitung: Ausgangsbedingungen und Einflüsse
1.2. Schaffensphasen und Formationen
1.2.1. Die Anfänge: Mothers of Invention
1.2.2. Die 70er Jahre: Jazzrock, Comedy Rock
1.2.3. Das Spätwerk
Exkurs: Das Synclavier

2. Studiotechnik und andere Experimente
2.1. Soundgestaltung
2.1.1. Technische Ausrüstung
2.1.2. Aufnahmetechnik
2.1.3. Bearbeitung der Aufnahmen im Studio

3. Schlussbetrachtung: Zappas Konzept eines Gesamtkunstwerks

Literatur, Tonträger, Bildnachweis

1. Biographische Einleitung zu Leben und Werk Frank Zappas

Frank Zappa zählt sicher zu den ungewöhnlichsten und herausragenden Persönlichkeiten in der internationalen Rockmusik. Seine Herkunft ist tief in der subkulturellen Bewegung des Underground verwurzelt, die eng verbunden ist mit seinem Drang, sich den üblichen und bekannten musikalischen Formverpflichtungen zu entziehen, frei zu musizieren und sich auf den verschiedensten Ebenen äußerst kritisch mit den bürgerlichen Wertmaßstäben und Moralvorstellungen auseinander zu setzen.

Er erweist sich auch später als extrem wandlungsfähiger und flexibler Musiker, der die unterschiedlichsten musikalischen Strömungen aufgreift, sie sich zu eigen macht, adaptiert oder sich dagegen wendet, weiterentwickelt und eine eigene Form findet. Jedem einzelnen Aspekt seiner Musik widmet sich Zappa akribisch; Metrik und formale Aspekte, Rhythmik, Melodik und Harmonik, Besetzung, Klangkörper und Instrumentation, Arrangements, Produktion und Soundgestaltung machen in ganz spezieller Weise den Horizont der Zappaschen Musik über Jahrzehnte aus, er wirkt stilprägend in vielen Bereichen. Vom immer komplexer werdenden und ausgearbeiteten Rhytm’n’Blues der Anfänge über den Jazz- und Comedy Rock der 70er Jahre bis hin zu Orchester- und Kammermusikwerken sowie elektronisch erzeugter Computermusik in den 80er Jahren erstreckt sich das Spektrum von Frank Zappas Schaffen.

Im Folgenden soll es zunächst um die Grundlagen der Entwicklung der eben genannten Aspekte gehen sowie um die Bedingungen der technischen und ästhetischen Möglichkeiten.

1.1 Einleitung: Ausgangsbedingungen und Einflüsse

Die wesentliche ästhetische Dimension der Klang- bzw. Soundgestaltung der Rockmusik zwischen elektrotechnischem Know-how und Kunstfertigkeit soll im Zentrum dieser Arbeit stehen. Wie für die Rockmusik allgemein, so ist für Frank Zappas Musik speziell der Sound von größter Bedeutung.

„Zappa ist ein gewissenhafter Kunsthandwerker, und irgendwie ist es sehr schade, dass die Kunst des Aufnehmens noch nicht so weit entwickelt ist, dass man wirklich vollständig alles, was er tut, hören kann. Denn manchmal geht ein Guitar-Part einfach unter, dabei mag er vielleicht drei verschieden tönende Gitarren übereinander haben, die alle dasselbe spielen.“[1]

Als Rockmusiker und als Studiotechniker war Zappa Avantgardist. Er suchte nach Möglichkeiten, sich und seinen Stil sowie die technische Umsetzung im Aufnahmeprozess weiterzuentwickeln. Er war ständig auf der Suche nach neuen Aufnahmetechniken, Effektgeräten und Abmischungsverfahren, er bediente sich der neuesten Erfindungen und experimentierte viel in seinem eigenen Tonstudio. Sein Drang nach Präzision und Perfektion unter Ausnutzung von technischen Neuerungen ließen den überaus kreativen und produktiven Musiker kaum ruhen.

Insofern war er ein Rockmusiker, der neue Türen aufstieß und das Feld dieser Musik immens erweiterte; er hat allerdings auch Musik komponiert, die durchaus die Kriterien der sogenannten E-Musik erfüllt.

Der Komponist, Arrangeur, Produzent, Gitarrist, Sänger und Dirigent Frank Zappa wurde am 21. Dezember 1940 geboren. Schon früh begann er sich musikalisch zu betätigen, Trommelunterricht als Vorbereitung für das Spielen im Spielmannszug verdeutlicht seine frühe Vorliebe für das Schlagzeugspielen. Kurze Zeit später bildete er seinen zum Teil sehr ungewöhnlichen und breit gefächerten Musikgeschmack aus, der Interessen sowohl für die Strömungen des schwarzen Rhythm’n’Blues als auch die avantgardistische Musik, für die Komponisten der sogenannten Neuen Musik vornehmlich mitteleuropäischer Provenienz zeigte. Bereits 1953 wurde er auf den Namen Edgar Varèse aufmerksam, speziell dessen Komposition Ionisation. Inspiriert durch diese Musik, die er zufällig entdeckte, beschäftigte er sich intensiver mit Varèse sowie mit den theoretischen Grundlagen notenbezogener Kompositionstechniken, so dass er schon kurze Zeit später seine ersten eigenen Orchesterwerke in Partitur setzen konnte. Die Klangwelten, die er hier in seiner frühen Jugend entdeckte, können sicher als wegbereitend für sein späteres musikalisches Konzept und seine Klangwahrnehmung angesehen werden, wenn sich auch schwerlich Einflüsse Varèses in Zappas Schaffen konkret nachweisen lassen. Sein erstes namentlich bekanntes Stück skurriler Orchestermusik heißt Mice, ein Werk für Perkussionsinstrumente, das er als Wettbewerbsbeitrag ca. 1956 schrieb, als er in einem Junior High Percussion Ensemble spielte. Er begann ebenfalls Filmmusik zu schreiben und realisierte sein erstes derartiges Projekt mit dem 52-köpfigen Pomona Symphony Orchestra und acht weiteren Rock’n’Roll-Musikern; eine zwar qualitativ nur mäßige Aufnahme dieses Ereignisses ermöglichte ihm jedoch, erstmals eine seiner Partituren von einem Orchester gespielt zu hören.

Seit etwa 1960 begann Frank Zappa auch erste Gehversuche im Bereich der seriellen Musik zu machen. Seine Experimente konnten ihn aber nicht überzeugen, da das zugrundeliegende mathematische Konzept seiner Meinung nach nicht in der Musik hörbar wurde.

Aus dem Jahr 1963 sind zwei Ereignisse zu berichten, die Zappas avantgardistische musikalische Ambitionen, aber auch seine gewöhnungsbedürftige und durchaus auch verschroben zu titulierende Art, Humor einzusetzen sowie seinen Hang zur selbstsicheren Präsentation in der Öffentlichkeit belegen. In einer Show performte er zusammen mit Steve Allen ein Bicycle Concerto For Two. In einer Pressevorankündigung beschreibt er die scheinbar äußerst illustre Realisation dieser ‚ Cyclophony ’:

„Man spielt Fahrrad, indem man die Speichen zupft und durch die Lenkstange bläst. Man kann die Speichen auch mit einem Bassgeigenbogen streichen, die Pedale drehen und Luft aus den Reifen lassen um Töne zu erzeugen. Begleitet werden sollte die Aufführung von einem Mann im Senderaum, der mit einem Tonbandgerät herumspielt und einer Jazzband, die dazu unmelodiöse Hintergrundgeräusche beiträgt.“[2]

Das zweite erwähnenswerte Ereignis öffentlicher Präsenz war ein Auftritt Zappas vor geladenem Publikum im privaten, katholischen Mount St. Mary’s College in Claremont. Dort gab er als Dirigent experimentelle Musik zu Gehör, die er anschließend dokumentierte und erläuterte. Das Programm bestand aus Kompositionen Zappas, die seit dem Jahr 1957 entstanden waren. Diese Musik ist Teil der allerersten vom Komponisten geleiteten Performance sogenannter ‚ernster’ Musik (ein Auszug der Aufnahme findet sich auf der CD Lost Episodes).

Diese doch sehr außergewöhnlichen Experimente zeigen trotz ihrer Skurrilität sehr gut Zappas spezielles Universum einer klanglichen Avantgarde, die sowohl im Konzept als auch in der Realisation einen wichtigen Punkt in seinem musikalischen Entwicklungsprozess dokumentieren, obschon sie nur am Rande von Zappas Werk auftauchen.

Die folgenden Abschnitte der unterschiedlichen Schaffensphasen und Formationen Frank Zappas sollen ebenfalls hinsichtlich des Aspektes der fortschreitenden Technisierung und ihrer Auswirkung auf den ästhetischen Prozess untersucht werden.

1.2 Schaffensphasen und Formationen

Am Anfang der Sechziger Jahre kam Frank Zappa zur E-Gitarre, die sein weiteres musikalisches Schaffen wohl nachhaltiger prägte als alles andere. Im Jahr 1964 konnte er sich mit Hilfe der Tantiemen für seine Filmmusik zu Run Home Slo w ein kleines Aufnahmestudio in Cucamonga kaufen, welches mit einer selbstgebauten 5-Spur-Anlage ausgerüstet war. Er nannte es Studio Z und arbeitete fortan daran, seine produktionstechnischen Fertigkeiten zu verbessern. Sein Arbeitspensum wuchs und er konnte nun vollkommen unabhängig mit akustischen Materialien experimentieren. Er arbeitete eng mit Paul Buff zusammen und konnte auch durch dessen instrumentale Fähigkeiten komplett instrumentierte Rock-Songs aufnehmen. Diesem hatte das Studio zuvor gehört und er hatte es eingerichtet und so profitierte Zappa, indem er von nun an an vielen Produktionen beteiligt war. Hierbei handelte es sich vornehmlich um Rhythm’n’Blues-Musik und im Overdubbing-Verfahren entstanden zahlreiche heutzutage weitgehend unbekannte Titel. Zappa begann mit Hilfe der technischen Möglichkeiten immer mehr auch Gesprochenes, soziologische Kommentare und sonstiges akustisches Material aufzunehmen, was auch später zu einem kennzeichnenden Aspekt seiner LPs werden sollte.

1.2.1. Die Anfänge: Mothers of Inventions

1964 erstanden aus seiner damaligen Club-Band, nachdem Frank Zappa zum Bandleader geworden war, die Mothers. Die anderen Musiker ordneten sich Zappas Ideen und Vorstellungen unter und er begann eine Anzahl Konzerte, nunmehr fast ausschließlich eigenes Material, aufzunehmen, was in Zukunft seine übliche Praxis werden sollte. Diese Formation weckte bei öffentlichen Auftritten zunächst viel Unverständnis, unter anderem aber mit der Entwicklung der sogenannten Freakszene in Los Angeles wurden die Mothers mit ihren wilden musikalischen Shows im Laufe der Zeit zur Attraktion. Bis ins Jahr 1966 erweiterte sich die Formation der Mothers auf acht Musiker.

Es erscheinen in kurzer Folge Langspielplatten der Band, die sich in Mothers of Invent ion umbenennt und deren Geldgeber Zappa wird, insofern seine Mitmusiker zu Angestellten werden, die er für ihr Engagement bezahlt.

Ein wichtiges übergreifendes musikalisches Kennzeichen ist die große Freiheit des Musikschaffens dieser Formation, welche sich durch die weiteren Schaffensperioden Zappas zieht. Die Haltung und Einstellung der Experimentierfreude und Entdeckungslust explodiert geradezu, als sich auf der Basis der vorherrschenden Stile der Rockmusik die Zusammenstellung und Mischung verschiedenster Stile, Stilelemente und Gattungen vollzieht. Den hier auftretenden Eklektizismus bezeichnet Simon Frith als „keine einheitliche musikalische Form, sondern (...) das Ergebnis einer immer neuen Kombination von unabhängig voneinander entwickelten musikalischen Elementen ...“[3] Spontane individuell-kreative Improvisationen, die verschiedensten Spielarten der Popmusik, exotische Elemente sowie Einflüsse der E-Musik lassen sich nicht nur bei Zappa, sondern bei vielen Bands des musikalischen Undergrounds in den 60er Jahren ausmachen.

[...]


[1] Tom Wilson, der Produzent der ersten LPs der Mothers Of Invention, zitiert nach Gwerder, Urban: Alla Zappa. Zürich 1976, ohne Seitenzählung

[2] Gwerder, Urban: Alla Zappa: Übersetzt nach einem englischen Presseartikel

[3] Simon Frith: Jugendkultur und Rockmusik. Soziologie der englischen Musikszene. Reinbek bei Hamburg 1981, S. 21

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Frank Zappa und seine Musik im Spiegel der Möglichkeiten moderner Studiotechnik und ihre Auswirkungen auf den Produktionsprozess und die Ästhetik des Klangs
Untertitel
Vom Amateur zum Hightech-Artisten: Rockmusik und Rockmusiker
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Musikwissenschaft: Forschungszentrum Populäre Musik)
Veranstaltung
Vom Stadtpfeifer zum DJ – Der Musiker im Wandel der Zeiten
Note
1,3
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V83512
ISBN (eBook)
9783638907323
ISBN (Buch)
9783638907309
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frank, Zappa, Musik, Spiegel, Möglichkeiten, Studiotechnik, Auswirkungen, Produktionsprozess, Klangs, Stadtpfeifer, Musiker, Wandel, Zeiten
Arbeit zitieren
Anonym, 2004, Frank Zappa und seine Musik im Spiegel der Möglichkeiten moderner Studiotechnik und ihre Auswirkungen auf den Produktionsprozess und die Ästhetik des Klangs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83512

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