Konstruktion eines Fragebogens


Hausarbeit, 2004
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Problemstellung

2. Prozess der Fragebogenerstellung

3. Konstruktion des Fragebogens
3.1 Inhaltliche Gestaltungskriterien
3.2 Äußere Form

Literaturverzeichnis

1. Problemstellung

Die Befragung ist eine häufig angewandte, wichtige Forschungsmethode der empiri- schen Sozialforschung. Geht man von der Art und Weise aus, wie Fragen dargeboten werden, so unterscheidet man die mündliche und die textorientierte Befragung. Bei letz- terer erfolgt die Datenerhebung mittels Fragebögen (vgl. Bronner/Appel/Wiemann 1999, 143 - 144). Dies ist eine kostengünstige Untersuchungsvariante, die sich beson- ders für die Befragung größerer Stichproben und homogener Gruppen eignet. Dabei können Fragebögen zum einen Instrumente zur Erfassung klar definierter Persönlich- keitsmerkmale oder Einstellungen sein; in diesem Fall werden sie wie Testskalen kon- struiert, als deren Ergebnis ein Testwert ermittelt wird. Zum anderen eignen sich Frage- bögen zur Erfassung konkreter Verhaltensweisen von Befragten, wie zum Beispiel der Art und Intensität der Nutzung von Medien. Unabhängig von der Verwendungsmög- lichkeit des Fragebogens ist für dessen Konstruktion neben der Auswahl und Formulie- rung von Fragen der Aufbau des Fragebogens von zentraler Bedeutung (vgl. Bortz/Dö- ring 2003, 253). Für den Aufbau eines Fragebogens und dessen Gestaltung gibt es je- doch keine feststehenden wissenschaftlichen Regeln, vielmehr bezieht man sich auf Erfahrungswerte (vgl. Kromrey 1998, 359). Weil bei einer schriftlichen Befragung der Teilnehmer antworten muss, ohne die Möglichkeit einer Rückfrage zu haben, ist ein möglichst einfacher Aufbau des Fragebogens zu wählen. Ein übersichtliches und ansprechendes Layout unterstützt außerdem die Verständlichkeit (vgl. Schumann 2000, 76).

Die vorliegenden Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung einer Fragebogenkonstruk- tion. Um sich einen Überblick zu verschaffen, wird einleitend in Kapitel 2 zunächst der Prozess einer Fragebogenerstellung skizziert und dabei auf die Auswahl der Fragen, deren Struktur und Formulierung eingegangen. In Kapitel 3 wird beschrieben, wie die Fragen und Antworten unter Beachtung von Gestaltungskriterien im Fragebogen ange- ordnet werden können. Darüber hinaus werden die äußeren Gestaltungsmöglichkeiten eines Fragebogens erläutert. Auf die Problematik der Rücklaufquote und den Einsatz von Pretests wird wegen des begrenzten Umfangs der Arbeit nicht näher eingegangen. Der interessierte Leser kann diese Themen in der einschlägigen Literatur, die im Litera- turverzeichnis aufgeführt ist, nachlesen.

2. Prozess der Fragebogenerstellung

Bevor man für eine Forschungsfrage einen Fragebogen konstruiert, erfolgt zunächst eine Sammlung, Sichtung und Analyse von bereits vorhandenem Datenmaterial. Wenn möglich, wird dabei auf bereits vorliegende Fragebögen ähnlicher Erhebungen zurück- gegriffen. Die Übernahme von öfter angewandten Fragen oder Instrumenten ist nicht nur aus Gründen der Fehlervermeidung, Arbeits-, Zeit- und letztlich Kostenersparnis sinnvoll. Vielmehr eröffnet sich dadurch erst die Möglichkeit, Ergebnisse einzelner Studien miteinander zu vergleichen. Doch das alleinige Übernehmen von bereits vor- handenen Fragen verkürzt den Prozess der Fragebogenkonstruktion nur unwesentlich. Die Fragen müssen auf die Bedürfnisse der avisierten Zielgruppe abgestimmt werden und mit den Forschungszielen in Einklang gebracht werden (vgl. Kirchhoff/Kuhnt/ Lipp/Schlawin 2003, 19). Ist es nicht möglich, auf bereits veröffentlichte Fragebögen zurückzugreifen, so müssen als erstes viele Ideen in einem „Brainstorming“ produziert werden, um die zu untersuchende Fragestellung durch eine sorgfältige Fragenauswahl erschöpfend abzudecken (vgl. Bortz/Döring 2003, 256). Das Hauptproblem besteht dar- in, die theoretisch formulierte Forschungsfrage in eindeutige und unmissverständliche Fragebogenitems zu übersetzten (vgl. Mayntz/Holm/Hübner 1978, 106). Dabei stößt man auf unterschiedliche Strukturen von Fragen, die man in offene und geschlossene Fragen unterteilt. Sie unterscheiden sich nach ihrer Antwortvorgabe, dem Spielraum, den ein Befragter für die Beantwortung der Frage hat. Während bei der offenen Frage der Befragte selbst die Formulierung seiner Antwort vornimmt, kann sich der Befragte bei einer geschlossenen Frage zwischen vorgegebenen Antwortalternativen entscheiden. Bei der schriftlichen Befragung sind geschlossene Fragen mit Antwortvorgaben den offenen Frageformen vorzuziehen, weil sie die Auswertung der Fragebögen erheblich erleichtern. Neben einer höheren Objektivität geschlossener Fragen entfallen zudem kosten- und zeitaufwendige Kategorisierungs- und Kodierarbeiten (vgl. Kromrey 1998, 352 und vgl. Friedrichs 1990, 238 und vgl. Bortz/Döring 2003, 254). Dagegen kommen offene Fragen zur Anwendung, wenn das Spektrum der möglichen Antworten zu breit ist, um ausformuliert zu werden. Eine in der Praxis häufiger angewandte Form ist die Kombination von offenen und geschlossenen Fragen, sogenannten Hybridfragen. Hier können die Befragten zu den formulierten Antwortvorgaben bei Bedarf noch eine weite- re Antwort hinzufügen (vgl. von Kirschhofer-Bozenhardt/Kaplitza 1986, 101 und vgl. Schnell/ Hill/Esser 1999, 310). Betrachtet man die Ausgestaltung aller Fragebogen- items, so kann nach dem Stil einer Frage, nach ihrer Direktheit unterschieden werden.

Direkte Fragen fordern den Befragten zu einer Stellungnahme heraus. Je nach Inhalt des Items, kann eine direkte Frage allerdings auch als bedrängend empfunden werden und damit die Gefahr der Nichtbeantwortung steigern (Bsp. Fragen zur Sexualität) (vgl. At- teslander 2003, 166 und vgl. Bronner/Appel/Wiemann 1999, 147). Die indirekte Frage dagegen gibt dem Befragten einen gewissen Spielraum bei der Beantwortung. Man be- dient sich dieser Fragetechnik, um eine Situation zu schaffen, in der der Befragte bereit ist, sich auch über gefühls- und wertbeladene Probleme zu äußern Von zentraler Bedeu- tung bei der Durchführung einer schriftlichen Befragung ist der Wunsch, dass eine Fra- ge von allen Befragten in der gleichen Weise verstanden wird. Damit man diesem Ziel näher kommen kann, sollte der Wortwahl und dem Satzbau innerhalb der Fragestellung große Bedeutung beigemessen werden. Hierzu gibt es einige Regeln zu beachten, wie zum Beispiel, dass Fragen möglichst kurz und konkret und frei von weniggeläufigen Fremdwörtern, Fachausdrücken u.ä. formuliert sein sollten. Außerdem sollen sie keine bestimmte Beantwortung provozieren, denn Suggestivfragen beeinträchtigen den Frei- heitsraum beim Beantworten der Frage. Die Fragen sollen neutral gestellt werden, keine belastete Wörter enthalten und auch nicht hypothetisch formuliert sein. Des Weiteren sollen sich Fragen nur auf einen Sachverhalt beziehen, um eine Mehrdimensionalität zu vermeiden, die den Befragten überfordern würde. Darüber hinaus sind doppelte Negati- onen unerwünscht und die Fragen sollten zumindest formal „balanciert“ sein, also alle möglichen Antwortalternativen, negative wie auch positive, müssen enthalten sein (vgl. Schnell/ Hill/Esser 1999, 312 - 313 zit. n. Atteslander 2003, 173 - 174). Nach der Phase der Fragenauswahl und -formulierung folgt die Phase der Konstruktion des Fragebo- gens. Hier wird unter Berücksichtigung einzelner Kriterien zunächst die Anordnung der Fragen im Fragebogen festgelegt; abschließend erfolgt die Gestaltung der äußeren Form.

3. Konstruktion des Fragebogens

3.1 Inhaltliche Gestaltungskriterien

Die Konstruktion eines Fragebogens für eine postalische Befragung bedarf nach Attes- lander (Atteslander 2003, 176) einer besonders sorgfältigen Planung. So sollte der Fra- gebogen zunächst mit einem kurzen, klar formulierten Einführungs- bzw. Begleitschrei- ben beginnen. Darin wird der Befragte darüber informiert, wer für die Befragung ver- antwortlich ist, was genau und warum untersucht wird und wie die Vorgehensweise beim Ausfüllen des Fragebogen sein wird. Der Fragebogen sollte so klar und deutlich strukturiert sein, dass er auch aus sich selbst heraus verstanden werden könnte, gegebe- nenfalls auch ohne Anschreiben. Gleich zu Anfang einer Befragung sollte dem Befrag- ten auch die Anonymität der Daten zugesichert werden, um zum einen möglichst unver- fälschte Ergebnisse zu erhalten und zum anderen die Rücklaufquote zu erhöhen (vgl. Atteslander 2003, 176 und vgl. Bortz/Döring 2003, 257). Dann sollte mit einigen ein- fach zu beantwortenden Einleitungsfragen (auch Eisbrecherfragen genannt) begonnen werden. Dabei sollen die Fragen in das Thema der Befragung einführen, um so das Inte- resse des Befragten am Fragebogen zu steigern. Den Einleitungsfragen kommt im Hin- blick auf die Motivation des Befragten zur Beantwortung des gesamten Fragebogens besondere Bedeutung zu, sie sind daher entscheidend für den Erfolg einer Befragung (vgl. Noelle-Neumann/Petersen 1996, 133 zit. n. Kromrey 1998, 358). In aller Regel entscheidet der Befragte bereits zu Beginn, ob er eine Befragung abbrechen wird oder nicht. Wurden die ersten 4 - 5 Fragen beantwortet, so kann man davon ausgehen, dass die Befragung auch bis zum Ende durchgeführt wird (vgl. Schumann 2000, 75).

Gerade im sozialwissenschaftlichen Bereich ist es wichtig, eine Situation im Fragebo- gen zu entwickeln, die einer Gesprächsituation ähnelt. Dies kann dadurch erreicht wer- den, dass mehrere ähnliche Fragen nach Themenbereichen zusammengefasst und durch Übergangsfragen miteinander verknüpft werden. Darüber hinaus sollen sie den Wechsel zum nächsten Thema erleichtern und so zur Konzentrationssteigerung der Befragten beitragen. Ein Hin- und Herspringen zwischen solchen Themenblöcken sollte vermie- den werden (vgl. Friedrichs 1990, 197 und vgl. Kromrey 1998, 359). Eine Ausnahme sind die sogenannten Kontrollfragen. Sie werden zur Überprüfung des Wahrheitsgehalts von Antworten eingesetzt. Möchte man die Verlässlichkeit einer Antwort ermitteln, so stellt man eine ähnliche Frage an einer anderen Stelle im Fragebogen. Der Befragte soll- te möglichst nicht bemerken, dass die Frage schon einmal gestellt wurde (vgl. Kromrey 2002, 373). Ihr Einsatz ist jedoch problematisch. Einerseits zur Absicherung der Validi- tät einer Erhebung notwendig, können sie andererseits die Wirkung verlieren, eventuell das Antwortverhalten sogar negativ beeinflussen, wenn die Bedeutung der Frage für den Befragten ersichtlich wird (vgl. Bronner/Appel/Wiemann 1999, 152).

[...]

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Details

Titel
Konstruktion eines Fragebogens
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Wirtschaftspädagogik)
Veranstaltung
Lehr-Lern-Forschung I
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
11
Katalognummer
V84329
ISBN (eBook)
9783638005234
ISBN (Buch)
9783640208333
Dateigröße
366 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konstruktion, Fragebogens, Lehr-Lern-Forschung
Arbeit zitieren
Kirsten Wolf (Autor), 2004, Konstruktion eines Fragebogens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84329

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