Niccolò Machiavellis uomo virtuoso, virtù und fortuna - Handlungsmaximen für die Stabilität des Gemeinwesens


Hausarbeit, 2001
22 Seiten, Note: bestanden

Leseprobe

Inhaltsverzechnis

1. Einführung in das Thema

2. Der „starke Mann” („uomo virtuoso“)

3. Machiavellis Begriffspaar „virtù und fortuna“
3.1 virtù
3.2 fortuna

4. Machiavellismus vs. die Ideen Machiavellis

5. Literaturgrundlagen

1. Einführung in das Thema

Niccolò Machiavelli ist zum Klassiker der Politischen Theorie und Philosophie aufgestiegen. Die Schriften des Florentiners haben an Aktualität nichts eingebüßt. Handlungsmaximen für die Stabilität des Gemeinwesens zu suchen, auch diese Fragen beschäftigen uns heute nach wie vor. Wenn man Machiavellis Intensionen verstehen möchte, sollte man Folgendes im Hinterkopf behalten: „Als Ideal schwebte ihm ein glänzendes Florenz oder Italien vor. In dieser Hinsicht ist er ein typischer leidenschaftlicher Humanist der Renaissance, außer dass sein Ideal kein künstlerisches oder kulturelles, sondern ein politisches ist, wenn man nicht auch den Staat – oder das erneuerte Italien – [...] als ein ästhetisches Ziel ansieht.“[1]

Italien zu Zeiten Machiavellis.[2]

Die Brechung der weltlichen Macht der Kirche gehörte für Machiavelli ebenfalls zu den wichtigen Zielen, da sie für die Zersplitterung Italiens Verantwortung zeichnete.[3] Der Kirchenstaat konnte auf alle oberitalienischen Stadtrepubliken einwirken. Diese wurden zu Spielbällen der Macht seitens der katholischen Kirche. „Immer wieder lobt Nietzsche an dem Florentiner dessen unverstellten Blick, [...] insbesondere gegen den ‚christlichen Staat’.“[4]

Italien aus seiner Verkommenheit zu retten, ja sogar aus seiner sklavischen Abhängigkeit zu befreien, war das Ziel seiner politischen Schriften.[5] Die Bedeutung des antiken Rom[6] unterstrich Machiavelli stets. Die römische Republik der ersten Jahrhunderte war für Machiavelli das beste Beispiel oder Vorbild für „völkische Kraft“, „staatliche Macht“, „sittliche Tüchtigkeit“, „politische Ordnung“ und „zielklares langfristiges politisches Handeln“.[7] Nach Freyer habe Machiavelli die Naturgesetze der politischen Welt gefunden; „er habe nicht, wie viele seit Platon, einen idealen Staat erfunden, sondern den Staat, wie er sei, beschrieben.“[8] Gerade deshalb kann man auch davon sprechen, dass Machiavellis Betrachtungsweise eine völlig neue Sicht auf Politik darstellte.

Im Mittelpunkt meiner Betrachtung stehen seine Hauptwerke „Der Fürst“ und „Die Discorsi“, die eine Symbiose bilden. Wie für Machiavelli der gute Staat am besten geschaffen bzw. geführt werden sollte, findet sich in diesen Schriften mit klarer Schärfe beschrieben. Die Handlungsmaximen für die Stabilität des Gemeinwesens sind eindeutig. Macht als wichtige Größe im Politischen gehört ohne Zweifel dazu.

„Der Fürst kann als eine Handlungsanleitung gelesen werden, wie sich welche Politiker zur geeigneten Zeit der rechten Mittel bedienen, um ihren Willen durchzusetzen. [...] [Die] Schrift der Discorsi bemüht sich anhand antiker Beispiele um eine Antwort auf die Frage, wie eine Verfassung beschaffen sein muss, die eine starke, bestandssichere und gerechte Republik ermöglicht.“[9]

Der Schwerpunkt dieser Arbeit wird auf dem zentralen Begriff der virtù liegen. Die virtù ist unweigerlich mit der von Machiavelli dargestellten fortuna verbunden, jedoch werde ich zum besseren Verständnis andere wichtige Begriffe Machiavellis aufgreifen und exkursartig erklären müssen. Beide Termini sind Hauptsäulen in der Argumentation Machiavellis, seiner Technik des politischen Handelns, den besten Staat zu finden, und für ihn damals auch zu erhoffen. Hans Freyer schrieb: „Insofern ist das politische Handeln eine Technik, die man lernen, üben, theoretisch vertiefen, systematisch ausarbeiten und lehren kann. Dass Politik eine Kunst ist, sagt nichts gegen diesen Versuch. Denn jede Kunst ist in einer gewissen Schicht eine Technik, die gelernt werden muss und kann.“[10] Nach Freyers Interpretation sei demnach politische Wissenschaft möglich, die Vorhersagen für die Zukunft treffe, da Menschen „immer von denselben Leidenschaften“ bewegt werden.[11] Und er fügte hinzu: „Regeln des politischen Handelns aufzustellen, hat demnach nur einen Sinn, wenn man sie auf der Basis aufstellt, dass alle Mittel gelten.“[12] Sicher muss man diese Interpretation aus den 1930er Jahren kritisch hinterfragen.[13] Ich werde das an anderer Stelle tun und Freyers wissenschaftliche Verortung darlegen.

2. Der „starke Mann” („uomo virtuoso“)

„Wo es um das Sein oder Nichtsein des Vaterlandes geht, gibt es keine Bedenken, ob gerecht oder ungerecht, mild oder grausam, löblich oder schimpflich; man muss vielmehr alles beiseite setzen und die Maßregel ergreifen, die ihm das Leben rettet und die Freiheit erhält.“[14]

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]In der Oper „Rienzi – Der letzte der Tribunen“[15], des berühmtesten deutschen Komponisten des 19. Jahrhunderts, Richard Wagner (1813-1883), finden wir eine idealtypische Gestalt, die diesem „uomo virtuoso“, der bei Machiavelli beschrieben wird, zu gleichen scheint. Sein Auftreten kommt dem Inhalt des einführenden Zitats sehr nahe.

Rienzi, Statue an der Treppe zum Kapitol in Rom[16]

Rienzi, der das Volk von Rom wieder zu Wohlstand und Glanz führen möchte[17], im Kampf gegen die untereinander verfeindeten Patrizierfamilien Colonna und Orsini (den Nobili der Stadt Rom), verinnerlicht zunächst die von Machiavelli geforderten Tugenden und Zielvorstellungen. Jedoch wird das Murren des Volkes größer, als bekannt wird, welch ausschweifenden Lebensstil Rienzi pflegt, und dass Steuern steigen und er letztlich zu viel Kompromissbereitschaft zeigt. Als ihn die Kirche exkommuniziert, fällt auch das Volk von ihm ab. Der Pöbel zündet das Kapitol an und Rienzi findet den Tod.

[...]


[1] Berlin, Isaiah: Die Originalität Machiavellis, in: Henry Hardy (Hrsg.): Wider das Geläufige, ungekürzte Ausgabe, übers. von Johannes Fritsche, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 1994, S. 129.

[2] http://www.lsg.musin.de/geschichte/Material/karten/1/italien-15.jpg (Zugriff am 7.12.2007, 18:43 Uhr)

[3] Rehberg, Karl-Siegbert: Der Staat als “Kunstwerk” oder das Böse der Politik? Niccolò Machiavelli, in: Rehberg, Karl-Siegbert/Hausmann, Frank-Rutger (Hrsg.): Klassiker der Wissenschaften, 1. Auflage, Verlag der Augustinus Buchhandlung, Aachen, 1995, S. 129.

[4] Rehberg, Karl-Siegbert: Der Staat als “Kunstwerk” oder das Böse der Politik? Niccolò Machiavelli, in: Rehberg, Karl-Siegbert/Hausmann, Frank-Rutger (Hrsg.): Klassiker der Wissenschaften, 1. Auflage, Verlag der Augustinus Buchhandlung, Aachen, 1995, S. 134.

[5] nach: Berlin, Isaiah: Die Originalität Machiavellis, in: Henry Hardy (Hrsg.): Wider das Geläufige, ungekürzte Ausgabe, übers. von Johannes Fritsche, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 1994, S. 130.

[6] „Die Römer machten immer ganze Arbeit, das war das Geheimnis ihrer Erfolge.“ nach: Freyer, Hans: Machiavelli, Bibliographisches Institut zu Leipzig („Die Schrift wird in der NS-Bibliographie geführt“; Berlin, den 01.02.1938), Leipzig, 1938, S. 84.

[7] nach: Freyer, Hans: Machiavelli, Bibliographisches Institut zu Leipzig („Die Schrift wird in der NS-Bibliographie geführt“; Berlin, den 01.02.1938), Leipzig, 1938, S. 80.

[8] Freyer, Hans: Machiavelli, Bibliographisches Institut zu Leipzig („Die Schrift wird in der NS-Bibliographie geführt“; Berlin, den 01.02.1938), Leipzig, 1938, S. 171.

[9] Hartmann, Jürgen; Meyer, Bernd; Oldopp, Birgit: Machiavelli, in: Geschichte der politischen Ideen, 1. Aufl., Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden, 2002, S. 42.

[10] Freyer, Hans: Machiavelli, Bibliographisches Institut zu Leipzig („Die Schrift wird in der NS-Bibliographie geführt“; Berlin, den 01.02.1938), Leipzig, 1938, S. 85.

[11] Freyer, Hans: Machiavelli, Bibliographisches Institut zu Leipzig („Die Schrift wird in der NS-Bibliographie geführt“; Berlin, den 01.02.1938), Leipzig, 1938, S. 89.

[12] Freyer, Hans: Machiavelli, Bibliographisches Institut zu Leipzig („Die Schrift wird in der NS-Bibliographie geführt“; Berlin, den 01.02.1938), Leipzig, 1938, S. 94.

[13] Denn an anderer Stelle schreibt Freyer über die Politik so: „Sie ist gar kein bürgerliches Geschäft, sondern absoluter Kampf.“ (S. 94) Ob das mit Machiavellis Vorstellungen noch vereinbar ist, scheint fraglich.

[14] Machiavelli, Niccoló: Discorsi, 3. Buch, 41.

[15] Rienzi basiert auf dem Roman „Rienzi: the Last of the Tribunes“ von Sir Edward Bulwer-Lytton.

[16] http://mint.sbg.ac.at:8000/pics/2006/Rom/262_Volkstribun%20Cola %20di%20Rienzi.high.jpg (Zugriff am 7.12.2007, 18:58 Uhr)

[17] „Nun denn! Rom mach’ ich groß und frei, aus seinem Schlaf weck’ ich es auf; und jeden, den im Staub du siehst, mach’ ich zum freien Bürger Roms.“ (1. Aufzug, 2. Auftritt: Rienzi und Adriano)

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Niccolò Machiavellis uomo virtuoso, virtù und fortuna - Handlungsmaximen für die Stabilität des Gemeinwesens
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Vorlesung: Geschichte der Soziologie
Note
bestanden
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V85449
ISBN (eBook)
9783638013499
ISBN (Buch)
9783638917087
Dateigröße
818 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Niccolò Machiavelli ist zum Klassiker der Politischen Theorie und Philosophie aufgestiegen. Die Schriften des Florentiners haben an Aktualität nichts eingebüßt. Handlungsmaximen für die Stabilität des Gemeinwesens zu suchen, auch diese Fragen beschäftigen uns heute nach wie vor. Der Schwerpunkt dieser Arbeit wird auf dem zentralen Begriff der virtù liegen. Die virtù ist unweigerlich mit der von Machiavelli dargestellten fortuna verbunden, jedoch werde ich zum besseren Verständnis andere wichtige Begriffe Machiavellis aufgreifen und exkursartig erklären müssen.
Schlagworte
Niccolò, Machiavellis, Handlungsmaximen, Stabilität, Gemeinwesens, Vorlesung, Geschichte, Soziologie
Arbeit zitieren
Daniel Fischer (Autor), 2001, Niccolò Machiavellis uomo virtuoso, virtù und fortuna - Handlungsmaximen für die Stabilität des Gemeinwesens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85449

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