Niccolò Machiavellis Determinanten politischen Handelns für die Republik

Fortuna, Virtù, Necessita, Occassione und die starke Republik


Referat (Ausarbeitung), 2004
15 Seiten, Note: bestanden

Leseprobe

Gliederung

1. Machiavelli – Determinanten politischen Handelns

2. Determinanten
a.) Fortuna (Occasione und Virtù im Einklang!?)
b.) Die Necessita in der Geschichte
c.) Die Virtù
d.) Die Grundformel politischen Erfolgs bei Machiavelli

3. Machiavelli - Die Republik als beste Staatsform?!

4. Literatur

1. Machiavelli – Determinanten politischen Handelns

Die politische Anthropologie Machiavellis stützt sich im Wesentlichen auf vier Schlüsselbegriffe, die den Menschen und den Politiker beeinflussen bzw. mannigfaltig auszeichnen können. Die Determinanten politischen Handelns bei Machiavelli sind Fortuna (= Inbegriff der Zufälligkeit), Virtù (= Energie des Zweck setzenden politischen Subjektes), Occasione (= Chance des politischen Erfolges) und Necessita (= Zusammenhang der Geschichte). Fürsten und Republiken müssen diese Kräfte bedenken und in ihr Kalkül einbeziehen. Machiavelli gab ihnen Ratschläge an die Hand. Er versuchte insbesondere, den Spaltungen in den Republiken auf den Grund zu gehen. Seine politischen Schriften stellen eine Momentaufnahme dar, die geschichtliche Bezüge herstellen, um die Gegenwart zu handhaben: „In Rom entstand, wie jedermann weiß, nach Vertreibung der Könige die Entzweiung zwischen Adel und Volk, und darin erhielt es sich bis zu seinem Sturz. So Athen, so alle anderen Republiken, welche in jenen Zeiten blühten. In Florenz hingegen spaltete sich zuerst der Adel unter sich, dann der Adel und das Volk, und zuletzt das Volk und der Pöbel; und oft kam es, dass eine dieser Parteien nach ihrem Siege sich in zwei spaltete. Durch diese Spaltungen entstand so großes Blutvergießen, erfolgten so viele Verbannungen, so viele Familien gingen unter, als nie in irgendeiner Republik, von der man Nachrichten hat. Und fürwahr, nach meinem Urteil scheint mir kein anderer Beweis so sehr die Macht unserer Stadt darzutun, als der, welcher in diesen Spaltungen selbst liegt.“[1] Wie kommt es zu diesen Spaltungen, dass Machiavelli behaupten kann, dass „[…] in Republiken […] mehr Lebensgeist [herrscht], stärkerer Hass und mehr Sehnsucht nach Rache“?[2]

2. Determinanten

Im Folgenden möchte ich die Wirkungsweise einer jeden Determinante der Betrachtung unterziehen. Danach gilt es, Ableitungen zu treffen, wie eine starke Republik beschaffen sein muss, um Bestand zu behalten. Damit kann auch der Bogen vom Fürsten zu den Discorsi[3] gespannt werden. Beide Werke sind bei der Beantwortung der Frage miteinander verknüpft.

a.) Fortuna (Occasione und Virtù im Einklang!?)

Fortuna ist verantwortlich für all das, was allen rationalen Kalkulationen und Erwartungen zuwiderlaufen und eintreten kann. Sie steht somit als Symbol für den Zufall.[4] Fortuna ist ein Grundelement des politischen Spiels, die Gefahr, Unbeständigkeit und Unsicherheit in sich birgt: „Fortuna is the enemy of political order, the ultimate threat to the safety and security of the state.“[5] Daher muss man, so Machiavelli, schnell, genau und entschieden skrupellos handeln können, um dem Zufallswalten zu entgehen.[6] Fortuna entwickelt sich zu einer Schicksalsmacht, die Menschen schnell steigen, aber auch schnell absinken lassen kann. Sie steht für das Auf und Ab des politischen Erfolgs eines Fürsten oder einer Republik. Fortuna kann zum Schicksal werden: „Ähnlich steht es mit dem Schicksal [an sich]; es zeigt seine Macht, wo keine Kraft zum Widerstand bereitgestellt ist, und es wälzt dorthin seine Macht, wo keine Dämme und Deiche da sind, es aufzuhalten.“[7]

Fortuna ist aber nur zur Hälfte bestimmend in Bezug auf eigene Taten; die andere Hälfte des Erfolges oder Misserfolges lässt sich immer selbst bestimmen. Machiavelli führt so eine 50/50-Regel ein. In der Gestalt der Fortuna zeigt sich letztlich alles, was noch nicht endgültig absehbar und kalkulierbar ist.[8] Die Aufgabe der Politik ist es demnach, Dämme gegen den Einfluss der Fortuna zu bauen, um sie in Schach zu halten.[9] Sie soll aufgelöst werden, „in das, was politisch nicht zu beeinflussen, aber zu kalkulieren ist (= Necessita) und in das, was durch politisches Geschick (= Virtù) zu beherrschen möglich ist“[10]: „Machiavelli´s remarks point toward several salient conclusions about Fortuna and her place in his intellectual universe. Throughout his corpus, Fortuna is depicted as a primal source of violence (especially as directed against humanity) and as antithetical to reason. Thus, Machiavelli realizes that only preparation to pose an extreme response to the vicissitudes of Fortuna will ensure victory against her. This is what virtù [[11] ] provides: the ability to respond to fortune at any time and in any way that is necessary [[12] ].”[13] Statt also nur die „Gunst der Stunde“ zu nutzen, gilt es, Berechenbarkeit zu schaffen, die politischen Erfolg garantiert. Der Einfluss der Fortuna auf die politische Entwicklung ist für Machiavelli deshalb keine unveränderliche Größe mehr, sondern wächst oder schwindet umgekehrt proportional zu Geschicklichkeit und Können der politisch Handelnden, die mit der Fortuna zusammen ihr politisches Geschick selbst bestimmen.[14] Wenn hierbei eine gewisse Zielstrebigkeit vorhanden ist, dann ist auch Fortuna (hier in der Manifestation des Glückes) den politisch Handelnden hold. Machiavelli führte als Beispiel immer wieder das antike Rom ins Feld. Die republikanische Staatsform gewährte Jahrhunderte einen Zustand innerer Stabilität, die mit außenpolitischen Erfolgen (Eroberungen) einherging. Auch die nicht zu beherrschende Fortuna bot jedoch dem alten Rom Chancen. Sich den Launen der Fortuna zu entziehen, bedeutete, dass die Chancen ausgenutzt werden konnten. Rom vermochte dies, indem es lange Zeit innere Streitigkeiten mit Expansionen nach außen ablenken konnte.[15]

Diese Chance dieses politischen Erfolgs nannte Machiavelli „Occasione“. Occasione und Virtù müssten konform gehen, um wirken zu können, Machiavelli führte als Beispiele Moses und Romulus an, die als große Führer die Chance des Erfolges zu nutzen gewusst hätten. Die Occasione muss also erkannt und ausgenutzt werden, dann entstehen historische Helden, die einer Republik zu Ruhm und Glanz verhelfen. Allerdings ist sie[16] nur schwer auszumachen: letztlich muss erkannt werden, wann das politische Handeln im Einklang mit den Umständen der Zeit steht, die politischen Erfolg garantieren. Hier lassen sich in Machiavellis Theorie Ansätze des Pragmatismus erkennen. Man handle also so, dass der Erfolg garantiert sei.[17] Das bedeutet allerdings im Umkehrschluss auch, dass es schwierig ist, den politischen Erfordernissen gemäß zu handeln. Machiavellis Pessimismus bleibt: „Ein kluger Herrscher kann und darf sein Wort nicht halten, wenn ihm dies zum Schaden gereicht und die Gründe hinfällig geworden sind, die ihn veranlasst hatten, sein Wort zu geben. Wären alle Menschen gut, so wäre dieser Rat schlecht; da sie aber schlecht sind und ihr Wort dir gegenüber auch brechen würden, so brauchst auch du es ihnen gegenüber nicht zu halten.“[18]

[...]


[1] Vorrede zur Geschichte von Florenz: Machiavelli, Niccolò: Geschichte von Florenz, 1521-1525.

[2] Machiavelli, Niccolò: Der Fürst, Oppeln-Bronikowski, Friedrich von [Übers.], Insel-Verlag, Frankfurt a. Main/Leipzig, 2003, Kap. 5.

[3] Der vollständige Titel lautet: „ Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio“ (Abhandlungen über die ersten zehn Bücher des Titus Livius). Hier nahm Machiavelli Bezug auf die Römische Republik, die ihm als Vorbild diente. „Rom und Sparta sind viele Jahrhunderte durch ihre [Volks]heere freigeblieben“, heißt es im Kapitel 12 des Fürsten.

[4] http://www.geocities.com/machiaveli_1469/material03.htm

[5] Nederman, Cary: Niccolò Machiavelli, in: Stanford Enciclopedia Philosophy, http://plato.stanford.edu/entries/machiavelli/.

[6] „Denn Fortuna ist ein Weib, und wenn man sie unterwerfen will, muß man mit ihr streiten und kämpfen.“ (Machiavelli, Niccolò: Der Fürst, Oppeln-Bronikowski, Friedrich von [Übers.], Insel-Verlag, Frankfurt a. Main/Leipzig, 2003, Kap. 25.)

[7] Machiavelli, Niccolò: Der Fürst, Oppeln-Bronikowski, Friedrich von [Übers.], Insel-Verlag, Frankfurt a. Main/Leipzig, 2003, Kap. 25.

[8] http://www.geocities.com/machiaveli_1469/material03.htm

[9] „Nur der Selbstschutz ist brauchbar, zuverlässig, dauerhaft und ist von dir persönlich und deiner Tüchtigkeit abhängig.“ (Machiavelli, Niccolò: Der Fürst, Oppeln-Bronikowski, Friedrich von [Übers.], Insel-Verlag, Frankfurt a. Main/Leipzig, 2003, Kap. 24.)

[10] http://www.geocities.com/machiaveli_1469/material03.htm

[11] keine Hervorhebung des Autors

[12] keine Hervorhebung des Autors

[13] Nederman, Cary: Niccolò Machiavelli, in: Stanford Enciclopedia Philosophy, http://plato.stanford.edu/entries/machiavelli/.

[14] http://www.geocities.com/machiaveli_1469/material03.htm

[15] „Machiavelli thinks that other republican models (such as those adopted by Sparta or Venice) will produce weaker and less successful political systems, ones that are either stagnant or prone to decay when circumstances change.” (Nederman, Cary: Niccolò Machiavelli, in: Stanford Enciclopedia Philosophy, http://plato.stanford.edu/entries/machiavelli/.)

[16] Occasione

[17] http://www.geocities.com/machiaveli_1469/material03.htm

[18] Machiavelli, Niccolò: Der Fürst, Oppeln-Bronikowski, Friedrich von [Übers.], Insel-Verlag, Frankfurt a. Main/Leipzig, 2003, Kap. 18.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Niccolò Machiavellis Determinanten politischen Handelns für die Republik
Untertitel
Fortuna, Virtù, Necessita, Occassione und die starke Republik
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar: Republik und Republikanismus
Note
bestanden
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V85677
ISBN (eBook)
9783638014625
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die politische Anthropologie Machiavellis stützt sich im Wesentlichen auf vier Schlüsselbegriffe, die den Menschen und den Politiker beeinflussen bzw. mannigfaltig auszeichnen können. Die Determinanten politischen Handelns bei Machiavelli sind Fortuna (= Inbegriff der Zufälligkeit), Virtù (= Energie des Zweck setzenden politischen Subjektes), Occassione (= Chance des politischen Erfolges) und Necessita (= Zusammenhang der Geschichte). Fürsten und besonders Republiken müssen diese Kräfte bedenken und in ihr Kalkül einzubeziehen wissen.
Schlagworte
Niccolò, Machiavellis, Determinanten, Handelns, Republik, Seminar, Republikanismus
Arbeit zitieren
Daniel Fischer (Autor), 2004, Niccolò Machiavellis Determinanten politischen Handelns für die Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85677

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Niccolò Machiavellis Determinanten politischen Handelns für die Republik


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden