Ist Theater ein Medium? Wenn ja, wie erfolgen die Updates?

Zur Einbindung von Theater in die moderne Mediengesellschaft


Essay, 2006

28 Seiten


Leseprobe

Ist Theater ein Medium? – Wenn ja, wie erfolgen die Updates?

Zur Einbindung von Theater in die moderne Mediengesellschaft

Aufgewühlt überquere ich den Platz vor dem Theater, bewege mich körperlich immer weiter weg vom Aufführungs-Ort, während ich geistig versuche, mich der Inszenierung anzunähern. Eben habe ich eine Vorstellung erlebt, in der audiovisuelle Medien vielfach verwendet wurden und ein ruheloses Wechselspiel von leiblich anwesenden Körpern und Video-Abbildern stattfand: Dem Auftritt eines energisch spuckenden Bühnen-Stars stellten sich glatte Schwarz-Weiß-Aufnahmen entgegen, vorproduzierte Kamerafahrten, die sich weit vom Geschehen in die Totale entfernten, wechselten mit übergroßen Nahaufnahmen und echte Stimmen legten sich über solche vom Band. Dabei wurden etliche mediale Formate und Genres – ob einige davon Medien sind, soll noch geklärt werden – zitiert: TV-Casting-Show, Drehbuch, Kino, Dokumentarfilm, Reality-TV, Radio-Interview, Akt-Fotografie, bis hin zum Theater selbst. Ihre Reflexion blieb nicht rein `ästhetisch´, sondern drang bis in die Struktur vor, wenn beispielsweise Figuren Figuren erfanden.

Solch ein Abend, die virulente Bühnenpraxis generell, wirft Fragen auf, wie sie auch im diesjährigen Kongress „Theater und Medien“ diskutiert werden: Beeinflussen und verändern Medien (wie Livescreen und Digitalkamera) die Rezeption oder sogar die Produktionsweise theatraler Prozesse und falls ja, wie? Wird ein per Video repräsentierter Schauspieler vom Publikum akzeptiert wie sein leibliches Original? Was genau geschieht auf dem Weg vom Körper des Schauspielers zu seinem Abbild, der Transformation vom Fleisch zum Pixel? Was geschieht generell zwischen den einzelnen beteiligten Medien? Und welcher Zauber schwebt bei einer gelungenen Aufführung im Raum zwischen den Akteuren untereinander sowie zwischen Bühne und Publikum.

Es gilt, die Fetzen zu sammeln und zusammenzufügen zu einem Stoff, an dem auch die Poren interessieren, die Zwischen-Räume im Gewebe. Denn immer wieder tut sich das kleine Wort „zwischen“ hervor – eine Spur, der ich folgen möchte, dem Rätsel des Da-Zwischen. Ich will wissen, was in den Zwischenräumen des theatralen Stoffes, diesem meist plurimedialen Gewebe1 bzw. Netz passiert, inwiefern die Einflechtung von Medien darin dramaturgische Prinzipien verändert und welche Konsequenzen dies für den Theaterbegriff birgt. Denn die Bandbreite medialer und intermedialer Vorgänge wirkt auf Theoriekonzepte wie das Selbstverständnis von Theater zurück und vice verca und macht ein reformuliertes Medialitätsverständnis erforderlich. Ob Theater nicht nur Medien einbindet, sondern auch selbst diesem aktualisierten Medienbegriff zugeordnet, also selbst als Medium bezeichnet werden kann, soll geklärt werden.

Um den Begriff „Medium“ hat sich ein Labyrinth aus Bestimmungsversuchen und Theorietexten gesponnen, das stetig wächst und nur mit einiger Anstrengung zu durchdringen und zu sondieren ist. Als Wegweiser dienen mir zwei feste Größen oder sogar Pole der Medienwissenschaft: Marshall McLuhan und Niklas Luhmann, wobei ich eher der Fährte (bzw. dem inzwischen doch recht gängigen Pfad) McLuhans folgen werde. Eine weitere nützliche Orientierungshilfe auf diesem `Gedanken-Gang´ bieten Überlegungen von Sybille Krämer. Mithilfe dieser drei Ansätze soll ein Medien-Verständnis fokussiert werden, das die mediale Referenzialität betont.

Eine Einschränkung ergibt sich aus der Tatsache, dass sich ein relevanter Medienbegriff insbesondere auf kulturelle, ästhetische, theatrale Prozesse beziehen lassen muss. Theorien, die sich auf rein technologisch-apparative Medien beschränken, bleiben unberücksichtigt, da Schau-spieler und der Zuschauer als eventuelle Medien nicht a priori ausgeschlossen werden sollen.

Die Beantwortung aller gestellten Fragen steht und fällt mit dem verwendeten Medienbegriff, der das Fundament weiterer Überlegungen bilden muss – schon allein weil die Aktion bzw. Interaktion von Medien für Theater genuin ist. Auf weitere Eigenheiten von Theater möchte ich dann in Absetzung zu einem anderen, populären Medium schließen, dem man auf Bühnen immer häufiger begegnet: dem Video.

Medium – Ein unscharfer Terminus sorgt für virulente Begriffsauffassungen

Etymologisch geht Medium, als lateinisches Fremdwort im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt, auf das substantivierte Neutrum des Adjektivs medius: „der mittlere“; „sich in der Mitte befindend“ zurück. Medium steht also, so ist mit dem D uden Etymologie, Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache festzustellen, im Wesentlichen für „Mitte“. Von hier ist der Weg zu „vermittelnd“; „Mittler“; „Mittel“ nicht weit. Ein solches Graben nach den Wortwurzeln ist nicht selten Ausgangspunkt für einen Denkansatz, in dem das Medium als Übermittler, als Mittel der `Über-Tragung´ fungiert.

Im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet man das Wort „Medien“ meist für die Presse: Zeitung, Fernsehen, Radio und das Internet. Allzu oft werden sie als die Medien schlechthin verstanden. Doch daneben existieren zahlreiche weitere mediale Phänomene. Beschäftigt man sich mit ihnen, wägt man bald ab, ob der Begriff nicht zu weit reicht, wenn sogar ein Mensch, der Kontakt zu Verstorbenen aufnimmt, als Medium bezeichnet wird. Kann z. B. Luft oder Liebe als Medium bezeichnet werden?

Fest steht: Der Medienbegriff hat eine redundante Bedeutungsvielfalt erlangt. Je nach wissenschaftlicher Schule wird der Terminus – ähnlich wie z. B. „Text“ – anders gefasst und gebraucht. So legen publizistische Theorien bei der Untersuchung medialer Organisation meist einen technologischen Schwerpunkt, während in der Soziologie verstärkt die Beziehung von Medien zu ihrem Umfeld, zum menschlichen Individuum untersucht wird. Gängig ist, Medien als Informationsträger von einem Erzeuger oder Sender einer Botschaft zu einem Empfänger anzusehen, was einem kommunikationstheoretischen Ansatz entspräche. Mein Ansatz wird natürlich ein theaterwissenschaftlicher sein, doch auch in diesem Rahmen existieren unterschiedliche Begriffsauffassungen. Bei aller Vielfalt von Herangehensweisen, existiert jedoch kaum eine Disziplin, die bei der Findung ihres spezifischen Medienbegriffs den Theoretiker Marshall McLuhan völlig außen vor ließe.

McLuhans Message

Wer über Medien und Medialität nachdenkt, kann bis heute nicht an Herbert Marshall McLuhan vorbei. Er hat die Sicht auf Medien verändert und geschärft. Grundlegend für viele Medien-theorien ist v. a. seine viel zitierte, häufig missinterpretierte Aussage: „The medium is the message“. Dieser inzwischen zur Formel verdichtete bzw. reduzierte Gedanke ist auch deshalb so wichtig für die Wissenschaft, weil mit ihm das Medium, das sich dem üblichen Verständnis nach im Hintergrund hält, eindeutig in den Vordergrund tritt. McLuhan macht auf Medien aufmerksam. So fiel es nach Understanding Media leichter, vom dargebotenen Inhalt abzusehen, um sich in neuen, auf Mediales spezialisierten Disziplinen konsequent auf die Darbietung selbst zu beziehen.

Position in Bezug auf das Surrogat „The medium is the message“ zu beziehen, ist notwendig, denn es wurde oft so ausgelegt, als enthalte das Medium keine Information und stelle im Gegenteil selbst die Botschaft dar. McLuhan steht nicht für eine Vorstellung vom Medium als `zum Inhalt gewordene Hülle´ und ist nach genauer Lektüre nicht als Vertreter einer solchen `Idee der Aushöhlung´ zu verstehen. Die mit dem Medium einhergehende message, meist als Botschaft übersetzt, spielt auch in meinem Medienverständnis und meiner Betrachtung von Theater eine Rolle.

Als Medien definiert McLuhan „technological extensions of the body“ wobei extensions mit Prothesen übersetzt wird. Er setzt damit beim Individuum statt der Gesellschaft an. In Verbindung mit dem menschlichen Körper fungieren Medien seines Erachtens als eine Art Werkzeug, das zugleich eine Erweiterung – das wäre eine direkte Übersetzung von extension – des Körpers darstellt. Doch nicht nur eine Ausweitung auch eine komplette Auslagerung bestimmter Sinne und sogar menschlicher Eigenschaften findet seinem Ansatz nach durch Medien statt. So wäre das Rad, indem es das Abrollen des Fußes `übernimmt´ bspw. eine Extension von Bewegung und historisch betrachtet eine der frühsten vorgenommenen Auslagerungen. Telefon und Radio lagerten die Stimme sowie die orale Sprache aus. Kleidung sei eine Extension der Haut und somit nach McLuhans weitem Verständnis ebenfalls ein Medium. Etliche weitere Beispiele könnten aufgezählt werden, denn neben allgemein gängigen Medien wie Plattenspieler, Fernsehen etc. schließt McLuhans weites Medienverständnis Zahlen, Straßen, Geld, Uhren, Flugzeuge, Spiele, Waffen und einige mehr ein. Der kanadische Theoretiker hat also erstens ein anthropologisches und zweitens weites Grundverständnis von Medien.

Ein Kernpunkt in McLuhans Betrachtungsweise ist die Verbindung von Medium [ medium ] und Inhalt bzw. Botschaft [ content bzw. message ]. Er legt dar, dass als Inhalt eines Mediums immer ein anderes Medium gelte und erklärt diesen Umstand zum `Medien-Charakteristikum´: „This fact, characteristic of all media, means that the `content´ of any medium is always another medium.“2 Diese Annahme McLuhans ist für unsere Fragestellung entscheidend.

Beispielhaft kann diese These mit McLuhan folgendermaßen begriffen werden: „The content of writing is speech, just as the written word is content of print, and print is the content of telegraph.“3 – Scheint einleuchtend: Vor einem Brief, Buch und anderem Geschriebenen bzw. Bedrucktem steht das gesprochene bzw. gedachte Wort. Und selbstverständlich ist Schrift der Inhalt eines Telegramms. Allerdings würde ich ergänzen: `a u c h der Inhalt´, `a l s o content´. Denn die Aussage, dass jedes Medium ein anderes hervorbringt, bedeutet nicht, dass damit die gesamte Kapazität des Mediums erschöpft sein muss. Das Potential von Medien schätze ich umfangreicher ein. Die Feststellung, der Inhalt eines Mediums sei immer ein anderes, bedeutet nicht, dass es darüber hinaus keinen anderen Inhalt mehr übermitteln kann. Ich begreife den kanadischen Medientheoretiker also weniger absolut.

Eine letzte Eigenschaft ist noch für McLuhans grundsätzliches Medien-Verständnis entschei-dend. Mehr als auf die Vermittlungsfunktion zielt sie auf die Präsenz bzw. Nicht-Präsenz der Medien: „Indeed, it is only too typical that the `content´ of any medium blinds us to the character of the medium.“4 Der medial transportierte Inhalt wird von McLuhan verglichen mit einem saftigen Fleischstück, das der Einbrecher vorausschauend mit sich führt, um den Wachhund vor der Pforte des Bewusstseins zu beruhigen, ihn abzulenken. So (über)trägt das Medium einen `haptischen Happen´, der die wachsame ratio, den Intellekt ködern soll. Es liege schlichtweg in der Natur des Mediums, von sich und seiner Art abzulenken, um die Aufmerksamkeit des Rezipienten auf den transportierten Inhalt zu steuern.5 Schon McLuhan sieht es also als Eigenheit von Medien an, in den Hintergrund zu treten.

Diese Überlegungen abschließend, möchte ich noch kurz einige Gedanken McLuhans zur Interaktion von Medien herausstellen: „A new medium is never an addition to the old one, nor does it leave the old one in peace. It never ceases to oppress the old one until it finds new shapes and positions for them.“6 Als Exempel nennt er u. a. den Buchdruck und seine Auswirkung. Wie der Buchdruck traditionelle Erinnerungsmodelle modifizierte, so verändern auch andere, neue Medien und Technologien nicht nur vorangegangene oder verwandte Medien, sondern auch gesellschaftliche Umgangsformen, Rituale, Kommunikations- und sogar Perzeptionsweisen.

Wie McLuhan nehme ich an, dass Medien niemals völlig autark funktionieren, weder unter-einander noch gesellschaftsintern. Viel mehr reagieren sie aufeinander, treten verkettet auf und variieren einander in unregelmäßigen Abständen. Weil „kein Medium Sinn oder Sein aus sich allein hat, sondern nur aus der ständigen Wechselwirkung mit anderen Medien“7 muss man auch keine Angst um eine Vermischung von Theater mit anderen Medien haben und sollte es auch nicht völlig isoliert betrachten.

Aus der Beschäftigung mit dem kanadischen Medien-Theoretiker lässt sich festhalten: Ein Medium rückt trotz enormer Eigen-Wirkung seinen Inhalt in den Vordergrund. Dabei enthält ein Medium – oder wie ich ergänze: ein mediales System – immer anderes, oft ihm zeitlich voran-gegangenes (z. B. Theater) das es (z. B. der Film), neu ins Licht der Aufmerksamkeit rückt. Damit wird das mediale Wirken sowie die kulturelle Rolle von (älteren) Medien erst augenscheinlich. Zentral ist die wechselseitige Abhängigkeit der Medien untereinander

Luhmann-Lektüre

Am gründlichsten ausformuliert findet sich Luhmanns Medienbegriff in seinem zentralen Werk Die Gesellschaft der Gesellschaft. Hier kontrastiert er neben Form und Medium auch Verbreitungs - und Erfolgsmedien 8. Aus kulturwissenschaftlicher Sicht entscheidend ist vornehmlich die besagte Differenzierung von Medium und Form.

Schon zu Beginn seiner Überlegungen zum Medium in der Kunst geht Luhmann davon aus, Medien seien materiell: „Medien unterscheiden sich von anderen M a t e r i a l i e n dadurch, daß sie ein hohes Maß an Auflösung gewährleisten.“9 Da der Begriff Material philosophie-geschichtlich `vorbelastet´ ist, wählt Luhmann anstelle von Materie (und Geist) die Begriffe Medium (und Form). Als eine Eigenschaft von Medien nennt er „ein höheres Maß an Auflöse-verfahren mit Aufnahmefähigkeiten für Gestaltfixierung (...). Das heißt: auch Medien bestehen aus Elementen bzw., in der Zeitdimension, aus Ereignissen, aber diese Elemente sind nur sehr lose verknüpft.“10 Um diese Überlegung der aus Einzelelementen zusammengesetzten Medien zu exemplifizieren, greift Luhmann Geld und Luft heraus, die er, wie schon Marshall McLuhan, den Medien zurechnet – wenn auch aus anderen Gründen:

So ist Geld ein Medium, weil Zahlungen in beliebiger Stückelung geleistet werden können, weil eine Zahlung nicht von Sinn und Zweck einer anderen Zahlung abhängt, weil das Medium extrem vergeßlich ist (...) und allein die Zahlungsfähigkeit darüber entscheidet, ob eine Zahlung möglich ist. Aber auch Luft ist (...) ein Medium nur deshalb, weil sie in dieser Weise lose gekoppelt ist.11

Formen sind nach Luhmann – um vom Speziellen wieder auf das Allgemeine zu kommen – anders als Medien, nicht lose, sondern „strikt“ gekoppelt bzw. verdichtet. Medium wie Form beruhen also auf einer Elementarstruktur. Sie unterscheiden sich lediglich hinsichtlich des Arrangements der Elemente, die strikter oder loser gekoppelt sind.

Ich stelle mir einen Pool von Elementen vor, die in lose gekoppeltem Zustand das mediale Substrat bilden und bei festerer Kopplung die Ausprägung einer Form aus dem Medium ergeben, wobei diese Differenzierung auf sinnverwendende Systeme angewandt und spezifiziert werden kann. Dabei können Kopplungen wieder entkoppelt werden.

So existiert mit Luhmann eine Hierarchie von Medium/Form-Paaren und es liegt am Erkenntnis-Interesse, ob etwas als Medium oder Form begriffen wird. Es gäbe eben keine Medien bzw. Formen an sich, sondern lediglich prozesshafte Differenzen in einem Systemgeschehen, die sich anhand der Unterscheidung Medium/Form beobachten lassen.

`Clou´ der bisher dargelegten Thesen ist, dass das Medium nicht selbst, sondern die Form, die die Elemente des Mediums ordnet, vom Rezipienten erkannt wird. Diesen Effekt schildert Luhmann anschaulich: „Man sieht nicht die Ursache des Lichts, die Sonne, sondern man sieht im Licht die Dinge. Man liest nicht die Buchstaben, sondern mithilfe des Alphabets die Worte; und wenn man das Alphabet selbst lesen will, muß man es ordnen.“12 Was also Niklas Luhmann mit Marshall McLuhan (und schließlich auch Sybille Krämer) eint, ist die Vorstellung von einer gewissen `Unauffälligkeit des Mediums´. Luhmann schreibt, dass „das Medium selbst zu diffus ist, um Aufmerksamkeit zu finden.“13

Ich halte fest: Obwohl Luhmanns Medienbegriff nicht eng ist und außer Geld und Luft auch Recht und Liebe etc. als Medien einschließt, nennt er Medien materiell. Ein Medium zeichne sich durch „leichte Trennbarkeit“ seiner „Elemente“ aus. Luhmann denkt das Medium als unverbundene Vielheit, das nur an den Formen erkennbar wird. Es bildet ihre Grenze, ihre Folie, ist Reservoir möglicher Kopplungen, aus dem die aktuelle Form seligiert erscheint und bietet Optionen zum Anschluss anderer Formen. Das Medium ist somit als Vergangenheit und Zukunft der Form präsent und nie als Aktualität an sich selbst.14

Leider funktioniert Luhmanns Medienbegriff weniger gut, wenn man ihn nicht mit Bezug auf ein komplexes System wie z. B. unsere moderne, westliche Gesellschaft darstellt und unabhängig von seiner Systemtheorie anwendet: Der Medienbegriff wird schlicht zu abstrakt und allgemein, was in seinem Universalitätsanspruch begründet liegen mag. Luhmanns Theorie beruht wesentlich auf der Differenzierung von Medium und Form. Mit ihr kann wenig präzise fast alles als Medium, Mittel der Vermittlung oder als Milieu eingestuft werden15.

[...]


1 Plurimedialität, dabei orientiere ich mich an Irina Rajewsky, liegt vor, wenn verschiedene Einzelmedien oder mediale Systeme, die auch für sich stehen können, in einer Medienkombination wie der Oper zusammengebracht werden. Theater ist also stets plurimedial.

2 Marshall McLuhan (1964): Understanding media. The extensions of man. Critical edition by W. Terrence Gordon Corte Madera 2003, S. 19.

3 Ebd.

4 Ebd., S. 20.

5 In diesem Punkt zumindest wäre Luft, die Schall, Stimme und damit Worte überträgt, ein Medium par excellence – mehr noch als die Zeitung, die ihren Inhalt, die Nachrichten in den Vordergrund rückt und zu Zeiten der deutschen Klassik sogar mit der „Nachricht“ gleichbedeutend war, bspw. wenn es heißt „Er bringt gute Zeitung.“

6 Ebd., S. 237.

7 Marshall McLuhan: „Heiße und kalte Medien“ (1964) In: Lorenz Engell / Claus Pias / Joseph Vogl (Hrsg.): Kursbuch Medienkultur Stuttgart 42002, S. 45-54, hier: S. 48.

8 Verbreitungsmedien „bestimmen und erweitern den Empfängerkreis einer Kommunikation“ (N. Luhmann: Die Gesellschaft der Gesellschaft Frankfurt a. M. 1997, S. 202). Ihnen sind z. B. Schrift, Druck und Rund-Funk zuzuzählen. Die zweite Medien-Gruppe nennt Luhmann symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien oder schlicht Erfolgsmedien. Die Verbreitungsmedien ergänzend haben sie „die Funktion, die Annahme einer Kommunikation erwartbar zu machen in Fällen, in denen die Ablehnung wahrscheinlich ist. Sie reagieren auf das Problem, daß mehr Information normalerweise weniger Akzeptanz bedeutet.“ (Ebd., S. 203) Entscheidend sind für Luhmann die Verbindungen zwischen diesen beiden Medien-Haupttypen, zumal in der modernen Gesellschaft persönliche Erfahrung immer mehr durch den Umgang mit Massenmedien, die komplexe Sachverhalte vereinfachen und stark selektieren, abgelöst würde.

9 Niklas Luhmann: „Das Medium der Kunst“ In Delfin 7 Frankfurt a. M. 1986, S. 7 In: Texte der Medientheorie, S. 299 [Hervorhebende Sperrung durch mich].

10 Ebd., S. 300f.

11 Ebd., S. 301.

12 Ebd.

13 Ebd.

14 Vgl. Niklas Luhmann: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie Frankfurt a. M., S. 356.

15 Vgl. Niklas Luhmann: Die Kunst der Gesellschaft Frankfurt a. M. 1995, hier Kap. 3.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Ist Theater ein Medium? Wenn ja, wie erfolgen die Updates?
Untertitel
Zur Einbindung von Theater in die moderne Mediengesellschaft
Autor
Jahr
2006
Seiten
28
Katalognummer
V85710
ISBN (eBook)
9783638006804
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Föderpreis 2006 der GESELLSCHAFT FÜR THEATERWISSENSCHAFT e.V. für Nachwuchs-WissenschaftlerInnen
Schlagworte
Theater, Medium, Wenn, Updates
Arbeit zitieren
M.A. Karoline Hoefer (Autor), 2006, Ist Theater ein Medium? Wenn ja, wie erfolgen die Updates?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85710

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ist Theater ein Medium? Wenn ja, wie erfolgen die Updates?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden