Die Gesundheitsreform 2006 unter dem Aspekt der Effektivität und Effizienz


Diplomarbeit, 2007

64 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

1 Einleitung

Annähernd 85% der Bevölkerung in Deutschland sind in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert.[1] Die Aufgabe der GKV besteht darin, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern.[2] Bis dato konnte die GKV diese Aufgabe erfüllen und die Versicherten hatten freien Zugang zu den Leistungserbringern sowie eine medizinisch hochwertige Versorgung.[3]

Die gesetzliche Krankenversicherung, die damit eine enorme gesellschaftliche Bedeutung hat, sieht sich jedoch zunehmend veränderten Rahmenbedingungen, wie etwa dem demografischen Wandel und dem medizinischen Fortschritt, ausgesetzt.[4] In der Vergangenheit wurde wiederholt versucht, mühsam durch staatliche Eingriffe in Form von zahlreichen Gesetzen, diese Entwicklungen zu berücksichtigen; bis jetzt jedoch ohne nachhaltigen Erfolg.[5] Da die veränderten Rahmenbedingungen mehr und mehr für die Bevölkerung spürbar werden, ist das Gesundheitswesen auch im Jahr 2006 wieder stärker in den Mittelpunkt der politischen und wissenschaftlichen Diskussion gerückt, so dass auch die Regierung unter Angela Merkel die Notwendigkeit sieht, das Gesundheitswesens erneut zu reformieren.[6] Vor dem Hintergrund der dargelegten Problemstellung stellt sich die Frage, in wie fern die Gesundheitsreform 2006 das Gesundheitssystems verbessern kann, um auch langfristig eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung im Rahmen der GKV zu gewährleisten.

Die vorliegende Arbeit untersucht aus diesem Grund die Gesundheitsreform 2006 für den Bereich der GKV unter dem Aspekt der Effektivität und Effizienz. Die Auswirkungen der Reform auf die privaten Krankenversicherung (PKV) sind mit Ausnahmen der Betrachtung des Systemwettbewerbs zwischen der GKV und der PKV nicht Gegenstand dieser Arbeit.

Im Weiteren werden in Kapitel 2 die Reformhintergründe des Gesundheitswesens dargestellt. Dabei wird neben der Darstellung der aktuellen Problematik auch ein Ausblick auf zukünftige Probleme gegeben. Danach folgt in Kapitel 3, anhand ausgewählter Schwerpunkte, ein Überblick über die Ausgangslage der GKV, bevor schließlich in Kapitel 4 die grundlegenden Eckpunkte der Gesundheitsreform 2006 erläutert werden. In Kapitel 5 erfolgt dann, nach der Darstellung möglicher Alternativen, die Bewertung der Gesundheitsreform 2006, wobei Bezug zu den Problemen und der Ausgangslage, sowie zu den grundlegenden Eckpunkten der Reform genommen wird. Die Schlussbetrachtung fasst die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammen.

2 Reformhintergründe des Gesundheitswesens – Die Probleme

Das Gesundheitssystem befindet sich in der Krise.[7] Als Symptome der Krise werden wiederholt die Verschlechterung der Einnahmen auf der einen Seite und die überproportionale Zunahme der Ausgaben auf der anderen Seite genannt.[8]

Die Regierung handelte in der Vergangenheit mit einer Serie regulativer Eingriffe, die jedoch keine Lösung der grundlegenden Probleme des Gesundheitssystems erzielten.[9]

Im Folgenden werden die Kernprobleme, denen die GKV entgegnen muss, dargestellt. Zu ihnen zählen die niedrige Leistungsfähigkeit im internationalen Vergleich, die strukturelle Ineffizienz des Systems, die Alterung der Bevölkerung und der teure medizinische Fortschritt.[10]

Die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs wird deutlich, wenn von einer Kombination der dargestellten Probleme ausgegangen wird, wie sie in der Realität vorliegt.

2.1 Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems im internationalen Vergleich

Im internationalen Vergleich hatte das deutsche Gesundheitssystem über Jahrzehnte hinweg eine Vorbildfunktion. Diese musste es in den letzten Jahren jedoch einbüßen.[11] Denn obwohl Deutschland 2004 mit 10,6% der Gesundheitsausgaben am BIP international an dritter Stelle liegt[12], kann es im internationalen Vergleich der Lebenserwartung keine Spitzenstellung einnehmen, sondern nur einen unterdurchschnittlichen Platz belegen. So weisen andere Mitgliedstaaten der europäischen Union wie bspw. Italien, Griechenland, Spanien oder Großbritannien eine deutlich höhere Lebenserwartung auf als Deutschland.[13]

Besonders ausgeprägt sind die Probleme des deutschen Gesundheitssystems im internationalen Vergleich bei den chronischen Erkrankungen. So mangelt es bspw. im Gegensatz zu den Niederlanden, Großbritannien oder Schweden bisher an einem flächendeckenden Früherkennungsprogramm für die Brustkrebsvorsorge. Zudem konnten für den Behandlungserfolg bei Krebserkrankungen in Deutschland im Vergleich zu den Vereinigten Staaten bei 11 von 12 Krebsarten schlechtere Überlebensraten nachgewiesen werden.[14] Auch bei der Bereitstellung neuer Diagnosetechnologien, die die Zahl der Untersuchungen maßgeblich beeinflussen, liegt Deutschland unter dem Durchschnitt der OECD-Länder.[15] Dabei nutzt die Bundesrepublik mehr Ressourcen im Gesundheitswesen als andere OECD-Länder. So lag die Zahl der praktizierenden Ärzte, die Zahl der praktizierenden Krankenpflegekräfte und die Zahl der Notfallbetten pro Kopf deutlich über dem OECD-Durchschnitt.[16] Die Konsequenzen für die Beitrags- und Kostenstruktur sind entsprechend, so hat Deutschland relativ und absolut gesehen die höchsten Ausgaben für Gesundheit in Europa.[17]

Aufgrund der dargestellten Fakten muss die Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems als unbefriedigend bezeichnet werden.[18]

2.2 Strukturelle Defizite

Als ein Grund für die vergleichsweise geringe Effizienz des deutschen Gesundheitssystems werden in der Literatur übereinstimmend systemimmanente Mängel und strukturelle Defizite genannt.[19]

So gelang es in der Vergangenheit nicht ausreichend, die Strukturen der GKV an die veränderten Anforderungen des Gesundheitssystems einer dynamischen Welt anzupassen.[20] Als strukturelles Defizit wird dabei der Informationsaustausch zwischen Patienten und Ärzten, Versicherten und Kassen, aber auch Kassen und Leistungserbringern genannt.[21] So haben die Versicherten bspw. nur sehr geringe Informationen über finanzielle und medizinische Fakten. Es herrscht mangelnde Transparenz, die im Gegensatz zu der Maxime der klaren Strukturen eines modernen, demokratischen und marktwirtschaftlichen Rechtsstaats steht.[22]

Auch die Zusammenarbeit der Akteure des Gesundheitssystems ist verbesserungswürdig, so existiert bisher bspw. keine ausreichende Verzahnung des ambulanten mit dem stationären Sektor. Unnötige, kostentreibende Doppeluntersuchungen und unstetige Versorgung der Patienten sind die Folgen.[23]

Weitere strukturelle Defizite existieren im ärztlichen Honorierungswesen. Hier dominieren unstrukturierte und unüberschaubare Abrechnungsvorgänge die Vergütung der ambulanten und stationären Ärzte. Verwaltungstechnischer und bürokratischer Aufwand kosten dabei zum Leidwesen der Patienten wertvolle Behandlungszeit.[24]

Ein weiterer struktureller Mangel wird in dem Fehlen klar definierter Regelungen zur Kosten-Nutzen Analyse medizinischer Innovationen gesehen.[25] So fehlt in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern ein nationales Institut, welches den Nutzen neuer Arzneimittel belegt und echte Innovationen von kostentreibenden Pseudoinnovationen unterscheidet.[26]

Auch der geringe Wettbewerb im Gesundheitssystem wird als strukturelles Defizit bezeichnet. Er wird gesondert in Abschnitt 3.6 dargestellt.

2.3 Demografischer Wandel

Deutschland hat derzeit 82,4 Mio. Einwohner.[27] Im Jahr 2050 werden es entsprechend der Prognosen der 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes nur noch knapp 69 bis 74 Mio. Einwohner sein.[28]

Aus Abb. 2-1 geht hervor, dass der demografische Wandel jedoch nicht nur durch das Schrumpfen, sondern auch durch die veränderte Alterstruktur der Bevölkerung gekennzeichnet ist. Glich der Altersaufbau der Bevölkerung vor dem ersten Weltkrieg noch der klassischen Pyramidenform, so ist bis heute ein deutlicher Rückgang der jüngeren und eine deutliche Zunahme der älteren Generationen festzustellen.[29] Die Bevölkerungspyramide hat sich zu einem unförmigen Gebilde entwickelt. Bis zum Jahr 2050 wird sich die starke Besetzung des mittleren Alters weiter nach oben verschieben und von zahlenmäßig kleineren Jahrgängen ersetzt werden. Damit nimmt der Bevölkerungsaufbau mehr und mehr die glatte und steile Form einer „Amphore" an.[30]

Abbildung 2-1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland[31]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an: Statistisches Bundsamt (2006a), S. 35.

Wesentliche Determinanten für die aufgezeigte Bevölkerungsentwicklung sind der Rückgang der Geburtenzahlen und die veränderte Sterblichkeit.[32]

Die Geburtenhäufigkeit wird dabei bestimmt durch die Anzahl der Frauen im gebärfähigen Alter und ihr Geburtenverhalten. Eine Kennzahl, die Aufschluss über die Geburtenhäufigkeit gibt, ist die Nettoreproduktionsrate. Sie gibt die Anzahl der lebendgeborenen Mädchen von 1000 Frauen einer Generation bei gegebener Fertilität und Mortalität an. Im Jahr 2002 lag ihr Wert bei 650, was bedeutet, dass sich die gegenwärtige Generation lediglich zu zwei Dritteln reproduziert.[33] Auch die durchschnittliche Kinderzahl je Frau, die in den letzten Jahren relativ konstant war und nur geringfügig um 1,4 Kinder pro Frau schwankte, bestätigt diese Entwicklung. Bezüglich der Verhaltenskomponente ist auffällig, dass das durchschnittliche Alter der Mütter zum Zeitpunkt der Geburt in den letzten Jahren deutlich stieg. So verlagern immer mehr Frauen die Familiengründung auf ein höheres Alter und schieben den Zeitpunkt der ersten Geburt hinaus.[34]

Die veränderte Sterblichkeit, die in der Lebenserwartung ausgedrückt wird, stellt den zweiten wichtigen Einflussfaktor auf die Bevölkerungsentwicklung dar. Seit 130 Jahren kann in Deutschland ein kontinuierlicher Anstieg der Lebenserwartung beobachtet werden. Im Jahr 2003 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung bei Jungen 75,9 und bei Mädchen 81,5 Jahre.[35] Maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen haben die Fortschritte in Hygiene, Ernährung, Wohnsituation, bei den Arbeitsbedingungen und der medizinisch-technischen Entwicklung sowie auch die veränderte Morbidität der Menschen.[36] Eine Folge der steigenden Lebenserwartung ist eine immer länger währende Rentenphase.[37]

Der dargestellte demografische Wandel betrifft in besonderem Maße die sozialen Sicherungssysteme und somit auch die GKV, da die zukünftige Zusammensetzung und Größe des Versicherungsbestandes fundamental von der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung beeinflusst wird.[38] Die demografische Veränderung wirkt sich demnach besonders auf die Einnahme- und Ausgabenseite der GKV aus. Entscheidend bei der Betrachtung der Einnahmen ist die Zahl der Rentner im Verhältnis zu der Zahl der Erwerbstätigen, da lediglich die Erwerbstätigen Beiträge zahlen, deren Saldo über den in Anspruch genommenen Leistungen liegt. In der Krankenversicherung der Rentner hingegen besteht ein klares Defizit zwischen geleisteten Beiträgen und in Anspruch genommenen Leistungen.[39] Das beschriebene Verhältnis wird als Alterslastquotient bezeichnet.[40] Aus Abb. 2-2 geht hervor, dass bis zum Jahr 2050 eine Verdopplung dieses Quotienten prognostiziert wird.

Abbildung 2-2: Entwicklung des Alterslastquotienten bis 2050[41]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an: Statistisches Bundesamt (2006), Excel Tabelle, Online im Internet.

Die Veränderungen des Quotienten lassen die Auswirkung des demografischen Wandels auf den Beitragssatz und/oder den Leistungsumfang der GKV erahnen. Demzufolge nehmen die Auswirkungen ein besonders gravierendes Maß an, wenn die heute aktiven geburtenstarken Jahrgänge das Rentenalter erreichen; die eigentliche Herausforderung an die GKV steht demzufolge noch bevor.[43]

2.4 Medizinischer Fortschritt

Der Begriff „medizinischer Fortschritt“ bezeichnet die Summe aller Innovationen von Diagnose- und Therapiemethoden, wie auch Fortschritte in der organisatorischen Umgestaltung des Gesundheitssystems.[44] Dazu gehört auch insbesondere der medizinisch-technische Fortschritt, der in den letzten Jahrzehnten wesentlich zum Boom des medizinischen Fortschritts beigetragen hat.[45]

In der Literatur werden drei Arten von Innovationen unterschieden. Prozessinnovationen, die es erlauben, ein in der Art gleiches Produkt zu geringeren Kosten herzustellen. Produktinnovationen, die Produkte mit neuen Eigenschaften oder neuen Kombinationen bisheriger Eigenschaften bezeichnen und in der Regel zu höheren Produktionskosten führen, sowie organisatorische Innovationen, zu denen neuartige Kombinationen von Produktionsprozessen oder Unternehmen zählen, durch die Kostenvorteile und Synergieeffekte erzielt werden können.[46]

Die Weiterentwicklungen bieten den Versicherten dabei die Möglichkeiten auf eine bessere Patientenversorgung, eine Erhöhung der Lebensqualität und eine Verlängerung des Lebens.[47] Neuartige Medizintechnologien und innovative Produkte erzeugen jedoch fast immer viel höhere Kosten.[48] Zudem betrifft ein großer Anteil der Marktneueinführungen kostensteigernde Produktinnovationen in Form von Analogpräparaten ohne therapeutischen Fortschritt.[49] Prozessinnovationen hingegen treten deutlich seltener auf und noch seltener sind organisatorische Innovationen zu verzeichnen.[50] Der medizinische Fortschritt verursacht neben den Erfolgen für die Versicherten somit auch einen rapiden Anstieg der Kosten im Gesundheitswesen (siehe Abb. 2-3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2-3: Prognostizierte Entwicklung des Beitragssatzes

Quelle: In Anlehnung an: Breyer/Zweifel/Kifmann (2006), S. 533.

Nach einem moderaten Verlauf bis zum Jahr 2020 wird ein rasanter Anstieg des Beitragssatzes bis auf 23,1% im Jahr 2040 prognostiziert, sofern alle exogenen Größen[51] entsprechend dem ermittelten Zeittrend variabel sind und die Versicherten wie bisher am medizinischen Fortschritt teilhaben.[52] Deutlich wird auch, dass der medizinisch-technische Fortschritt einen weitaus größeren Effekt auf den Anstieg der Kosten hat als die demografische Alterung.[53]

Zuletzt soll noch angemerkt werden, dass medizinischer Fortschritt ebenfalls eine veränderte Morbidität der Bevölkerung mit sich bringt. Traten früher vornehmlich Infektionskrankheiten auf, so überwiegen gegenwärtig kostenintensive, chronisch degenerative Erkrankungen. Die Intensität der medizinischen Betreuung hat, einhergehend mit steigenden Kosten, zugenommen.[54]

3. Gesetzliche Krankenversicherung – Die Ausgangslage

Das folgende Kapitel beschreibt den Status quo der GKV vor den Reformüberlegungen des Jahres 2006.

3.1 Grundprinzipien

Ein grundlegendes Gestaltungsprinzip der GKV ist das Solidaritätsprinzip.[55] Gemäß § 1 SBG V wird die Krankenversicherung als Solidargemeinschaft beschrieben. Die spezifische Solidarität der GKV wird darin gesehen, dass jeder Versicherte entsprechend seiner finanziellen Leistungsfähigkeit zur Finanzierung der GKV beiträgt, Leistungen jedoch unabhängig von der individuellen Beitraghöhe beanspruchen kann.[56] Insgesamt kommt es zu vier verschiedenen

ex-ante Umverteilungen:

- von guten zu schlechten Risiken (versicherungstechnischer Risikoausgleich),
- von hohen zu niedrigen Einkommen (Einkommensausgleich),
- von Alleinstehenden zu kinderreichen Familien (Familienlastenausgleich) sowie
- von jungen zu alten Mitgliedern (Generationenausgleich).[57]

Die Umverteilungsmechanismen haben Auswirkungen auf die Beitrags-, Leistungs- und die Finanzierungsform der GKV.

Zur Durchsetzung der interpersonellen und intergenerativen Verteilungswirkungen des Solidaritätsprinzips in der GKV sind verschiedene Voraussetzungen notwendig. Die erste ist die gesetzliche Pflichtmitgliedschaft; so ist jeder Arbeitnehmer, dessen Einkommen unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze (BBG -genauer in Abschnitt 3.2), in der GKV pflichtversichert. Zudem unterliegen die GKV einem Kontrahierungszwang, der sie verpflichtet auch schlechte Risiken zu versichern, sowie einem Diskriminierungsverbot, welches ihnen untersagt, Beiträge in Abhängigkeit von der Krankheitsanfälligkeit ihrer Versicherten zu erheben.[58]

Zum Grundprinzip der GKV gehört weiterhin die Selbstverwaltung. Mit ihr hat der Gesetzgeber die Durchführung der Krankenversicherung nicht unmittelbar der Staatsverwaltung übertragen, sondern in die Verantwortung der Krankenkassen und Leistungserbringer übergeben.[59] Zudem besteht eine gesetzliche Pflicht zur verbandlichen Selbstorganisation. Demnach sind auf der Seite der Versicherten die Verbände der Krankenkassen und auf der Seite der Ärzte die Kassenärztlichen Vereinigungen für Verhandlungen über Umfang und Entlohnung der Leistungen zuständig.[60]

Die GKV sind Verwaltungsträger in der Rechtsform von Körperschaften des öffentlichen Rechts.[61] Sie dürfen nicht gewinnorientiert arbeiten und laufende Einnahmen dürfen nur als Betriebsmittel für laufende Ausgaben, oder zur Auffüllung der Rücklagen verwendet werden.[62] Die GKV lassen sich unterscheiden in primäre Träger und Ersatzkassen.[63] Ihre Anzahl hat sich von 1.209 GKV im Jahr 1991 auf 254 GKV im Jahr 2005 verringert.[64]

3.2 Beitrag

Die Beiträge der GKV werden einkommensabhängig auf das Arbeitsentgelt (Löhne und Gehälter) bis zur Beitragsbemessungsgrenze (BBG) erhoben.[65] Die BBG der GKV wird jedes Jahr neu festgelegt und beträgt 75% der Pflichtversicherungsgrenze in der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) der Arbeiter und Angestellten.[66] Im Jahr 2006 lag sie bundeseinheitlich bei 42.750 € (3.562,50 € pro Monat).[67]

[...]


[1] Eigene Berechnung nach den Angaben des Statistisches Bundesamt (2006a), Online im Internet und dem BMG (2006p), Online im Internet.

[2] Vgl. Sozialgesetzbuch (2006), § 1.

[3] Vgl. Schulenburg/Greiner (2000), S. 191.

[4] Vgl. Breyer/ Zweifel/Kifmann (2005), S. 530.

[5] Vgl. Oberender/Hebborn/Zerth (2002), S. 65; Häussler/Ecker/Schneider (2006), S. 5.

[6] Vgl. Oberender/ Hebborn/Zerth (2002), S. 62.

[7] Vgl. Schulenburg (2004), S. 7.

[8] Vgl. Wille/ Igel (2002), S. 12 ; Donges/Eekhoff/Franz/Möschel/Neumann/Sievert (2002), S. 11f.

[9] Vgl. Oberneder/Hebborn/Zerth (2002), S. 65; Häussler/ Ecker/ Schneider (2006), S. 5.

[10] Vgl. Schulenburg (2004), S. 7.

[11] Vgl. Glaeske/Lauterbach/Rürup/Wasem (2001), S. 5.

[12] Vgl. Statistisches Bundesamt (2006f), Online im Internet.

[13] Vgl. Statistisches Bundesamt (2006a), S. 15.

[14] Vgl. Glaeske/Lauterbach/Rürup/Wasem (2001), S. 4 f.

[15] Vgl. OECD (2005), S. 1 f.

[16] Vgl. Ebenda (2005), S. 1.

[17] Vgl. Glaeske/Lauterbach/Rürup/Wasem (2001), S. 6.

[18] Vgl. Ebenda (2001), S. 6.

[19] Vgl. Grabka (2001), S. 38; Schulenburg (2004), S. 25.

[20] Vgl. Schulenburg (2004), S. 9.

[21] Vgl. Regierung Online (2006), S. 2.

[22] Vgl. Schulenburg (2004), S. 33.

[23] Vgl. Oberender/Hebborn/Zerth (2001), S. 61; Regierung Online (2006), S. 2.

[24] Vgl. BMG (2006n), S. 2.

[25] Vgl. Schulenburg (2004), S. 257 f., der bezüglich der Methoden zur Bewertung von Kosten und

Nutzen zwischen der Kosten-Nutzen-Analyse, der Kosten-Wirksamkeits-Analyse und der

Kosten-Nutzwert-Analyse unterscheidet.

[26] Vgl. Glaeske/Lauterbach/Rürup/Wasem (2001), S. 10 f..Arbeitsgemeinschaft der

Spitzenverbände der Krankenkassen (2002), Online im Internet.

[27] Vgl. Statistisches Bundesamt (2006b), Online im Internet.

[28] Vgl. Statistisches Bundesamt (2006e), S. 16f.. Die prognostizierten Einwohnerzahlen variieren,

da verschiedene Berechnungsvarianten, die sich lediglich in der Höhe der Wanderungssalden

unterscheiden (ausgeglichener Wanderungssaldo bis zu einem Wanderungssaldo von 300 000

Personen pro Jahr) zu Grunde gelegt wurden.

[29] Vgl. Beske (2001), S. 50.

[30] Vgl. Statistisches Bundesamt (2006a), S. 34; Nickel (2003), S. 172.

[31] Die linke Seite der jeweiligen Abbildungen der Jahrgänge 1910, 2005 und 2050 bildet die Anzahl der Männer ab, die rechte Seite die Anzahl der Frauen.

[32] Vgl. Beske (2001), S. 50.

[33] Vgl. Scholz/Flöthmann (2004), S. 10.

[34] Vgl. Statistisches Bundesamt (2006a), S. 3 ff.

[35] Vgl. Ebenda (2006a), S. 15.

[36] Vgl. Ebenda (2006a), S. 12.

[37] Vgl. Scholz/Flöthmann (2004), S. 11.

[38] Vgl. Nickel (2003), S. 171.

[39] Vgl. Grabka (2004), S. 44; Schulenburg (1989), S. 286.

[40] Vgl. Nickel (2003), S. 173. [41] Vgl. Statistisches Bundesamt (2000b), Online im Internet. Annahmen der Variante 1-W1: Altersgrenze: 65 Jahre, Geburtenhäufigkeit: annährend konstant, Lebenserwartung: Basisannahmen (Lebenserwartung Neugeborener im Jahr 2050: männlich 83,5 Jahre, weiblich 88 Jahre), Wanderungssaldo: 100.000.

[42] Vgl. Nickel (2003), S. 179. Hier wird das Verhältnis der Anzahl der 65-Jährigen und Älteren zu den 20 bis unter 65-Jährigen bei einer Altersgrenze von 65 Jahren angenommen.

[43] Vgl. Häussler/Ecker/Schneider (2006), S. 5.

[44] Vgl. Grabka (2004), S. 35.

[45] Vgl. Oberender/Hebborn/Zerth (2001), S. 56.

[46] Vgl. Breyer/Zweifel/Kifmann (2005), S. 509; Grabka (2004), S. 35; Beske (2001), S. 58; Gabler Kompakt-Lexikon Wirtschaft (2001), S. 163.

[47] Vgl. Beske (2001), S. 55.

[48] Vgl. Ebenda (2001), S. 55; Grabka (2004), S. 35.

[49] Vgl. Beske (2001), S. 58; BKK Faktenspiegel (2006), S. 4.

[50] Vgl. Breyer/Zweifel/Kifmann (2005), S. 508; Oberender/Hebborn/Zerth (2001), S. 56.

[51] Zu den exogenen Größen gehören hier das Beitragspflichtige Einkommen, der Preisindex des privaten Verbrauchs, der Anteil der über 65- Jährigen, der medizinische Fortschritt und die Zahl der GKV-Mitglieder. Vgl. Breyer/Zweifel/Kifmann (2005), S. 532.

[52] Vgl. Breyer/Zweifel/Kifmann (2005), S. 533; Breyer (2002), S. 14 f.; Breyer/ Ulrich (2000b), S.1 ff.

[53] Vgl. Breyer/Zweifel/Kifmann (2005), S. 534.

[54] Vgl. Grabka (2004), S. 32.

[55] Vgl. Glaeske/Lauterbach/Rürup/Wasem (2001), S. 15; Molitor (1987), S. 21; Lampert, H. (1998), S. 416; Kostka (2002), S. 151; Bohrmann (2002), S. 95.Duden (2003), S. 1254; Grabka (2004), S. 60.

[56] Vgl. Schulenburg (2000), S. 181; Grabka (2004), S. 7.

[57] Vgl. Wille (1998), S. 242, Pimpertz (2003), S. 10 ff.; Breyer/Zweifel/Kifmann (2005), S. 198.

[58] Vgl. Breyer/Zweifel/Kifmann (2005), S. 193; Pimpertz (2003), S. 11.

[59] Vgl. Grabka (2004), S. 8 sowie S. 17; BMG (2006f), S. 10.

[60] Vgl. Oberender/Hebborn/Zerth (2001), S. 60.

[61] Vgl. BWV (1998), S. 635; Grabka (2004), S. 12.

[62] Vgl. SGB V (2006), § 259 ff.

[63] Vgl. BWV (1998), S. 634.

[64] Vgl. Medienhandbuch (2006), Online im Internet.

[65] Vgl. Breyer/Zweifel/Kifmann (2005), S. 196.

[66] Vgl. Schulenburg (2000), S. 181.

[67] Vgl. SGB V (2006), § 223.

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Die Gesundheitsreform 2006 unter dem Aspekt der Effektivität und Effizienz
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
64
Katalognummer
V86179
ISBN (eBook)
9783638907569
ISBN (Buch)
9783638907668
Dateigröße
704 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitsreform, Aspekt, Effektivität, Effizienz
Arbeit zitieren
Viola Ott (Autor), 2007, Die Gesundheitsreform 2006 unter dem Aspekt der Effektivität und Effizienz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86179

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