Inflation Targeting

Darstellung und kritische Würdigung


Examensarbeit, 2007
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3. Funktionsweise des Inflation Targeting

4. Charakteristische Merkmale
4.1. Festlegung und Operationalisierung von Inflationszielen
4.2. Kommunikation, Transparenz und Rechenschaft

5. Kritische Würdigung
5.1. Praktische Erfahrungen mit Inflation Targeting
5.2. Diskussion: Inflation Targeting - Best-Practice oder Second-Best
5.3. Inflation Targeting als Strategie für die EZB?

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Inflation Targeting – die grundlegende Logik

Abbildung 2: Inflation, Inflationsziel und Inflationsprognose in England

Abbildung 3: Inflationsrate vor und nach der Adaption von Inflation Targeting

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Festlegung vieler Zentralbanken auf das Ziel langfristiger Preisniveaustabilität hängt mit der Einsicht zusammen, dass Inflation stets ein monetäres Phänomen ist und die Gelpolitik langfristig keine realen Größen wie z.B. Beschäftigung beeinflussen kann. Aktivistische Geldpolitik kann also keine realwirtschaftlichen Erfolge generieren, sondern nur inflationistischen Druck erzeugen, der lediglich zu hohen ökonomischen Kosten abgebaut werden kann.[1] Es besteht mittlerweile Konsens darüber, dass Inflation wirtschaftliche Effizienz und Wachstum beeinträchtigt, weshalb niedrige und stabile Raten notwendig sind, um die anderen ökonomischen Ziele wie Beschäftigung und Output zu erreichen.[2]

So haben die Zentralbanken der Industrieländer in den vergangen Jahrzehnten die Inflationsraten kontinuierlich senken können und somit eine Grundlage für gute Wachstumsraten gelegt. Preisniveaustabilität gilt deshalb als wichtiges Ziel der Geldpolitik. Die drei Hauptstrategien zur Erreichung von Preisniveaustabilität sind Geldmengensteuerung, Inflationssteuerung und Wechselkursstrategie. Gegenstand dieser Arbeit ist das Inflation Targeting, auch direkte Inflationssteuerung oder Inflationszielstrategie genannt, das seit den neunziger Jahren immer mehr Popularität unter Zentralbankern und Ökonomen gewinnt.[3] Der verstärkte Einsatz dieser Strategie in Industrie- und Schwellenländern begann Anfang der neunziger Jahre, nach einer Periode zweistelliger Inflationsraten, die durch die Ölkrisen verursacht wurde.[4]

In der vorliegenden Arbeit soll die Strategie der direkten Inflationssteuerung zunächst dargestellt und dann kritisch gewürdigt werden. Hierzu wird zu Beginn das Inflation Targeting als geldpolitische Strategie zur Preisniveaustabilisierung definiert. In Kapitel 3 wird die Funktionsweise dieses Regimes erläutert, um im folgenden Teil allgemeine und zentrale charakteristische Merkmale des Inflation Targeting zu beleuchten.

Die kritische Würdigung im fünften Kapitel beginnt mit praktischen Erfahrungen von Ländern, die das Inflation Targeting Regime adaptiert haben. Danach sollen die Vorteile und Nachteile von Inflation Targeting dargestellt und diskutiert werden. Mit der Prüfung, ob direkte Inflationssteuerung als Strategie für die EZB in Frage kommt bzw. die aktuelle Zwei-Säulen Strategie durch Elemente des Inflation Targeting ergänzt werden kann, wird die kritische Würdigung abgeschlossen. Die Arbeit endet mit einem Fazit, das klärt, ob und inwieweit das Inflation Targeting geeignet ist, langfristig Preisniveaustabilität zu gewährleisten.

2. Definition

Während andere Strategien geldpolitische Entscheidungen anhand des Zwischenziels der Geldmenge oder des Wechselkurses treffen, sind Inflationsprognosen bzw. Inflationserwartungen zentrales Element der direkten Inflationssteuerung. Ihnen kommt sowohl bei der geldpolitischen Analyse als auch der Kommunikation der Zentralbank eine sehr große Bedeutung zu. Inflation Targeter begründen ihre geldpolitischen Maßnahmen als Reaktion auf Abweichungen der Inflationsprognose vom Inflationsziel.[5]

In ihrer bedeutenden Veröffentlichung Inflation Targeting: lessons from the international experience definieren Bernanke et al. den Ansatz wie folgt: ”Inflation Targeting ist ein Rahmen für die Geldpolitik, der sich durch die Veröffentlichung quantitativer Ziele (oder Zielzonen) für die Inflationsrate über einen oder mehrere Zeithorizonte sowie durch die explizite Anerkennung einer niedrigen, stabilen Inflationsrate als das vorrangige langfristige Ziel der Geldpolitik auszeichnet.“[6] Es existieren folglich keine Zwischenziele, wie Geldmengen- oder Wechselkursziel.

Lars Svenssons Definition ist etwas spezifischer und charakterisiert Inflation Targeting als ein quantitatives Inflationsziel, das sich auf einen bestimmten Preisindex bezieht.[7] Zudem spezifiziert er den Entscheidungsprozess aufgrund unvermeidbarer Zeitverzögerungen bei geldpolitischen Transmissionsmechanismen[8] als Inflation-Forecast Targeting. Dies bedeutet, dass die Inflationserwartung der Zentralbank als Zwischenziel fungiert. Geldpolitische Instrumente, beispielsweise der Leitzins, werden so gesetzt, dass die Prognose der zukünftigen Inflationsrate gerade dem angestrebten Inflationsziel entspricht. Dabei deckt die Inflationsprognose üblicherweise einen Zeitraum von 2 Jahren ab. Der Prognosezeitraum sollte dabei der Dauer der Wirkungsverzögerung entsprechen. Die Inflationsprognose als Zwischenziel ist demnach eine Orientierungsgröße für den Instrumenteneinsatz.[9]

Zu den wichtigen Eigenschaften des Inflation Targeting gehören außerdem verstärkte Bemühungen, die Öffentlichkeit über die Pläne und Ziele der Geldpolitik zu informieren. Zudem müssen Mechanismen implementiert werden, die die Rechenschaftslegung der Zentralbank hinsichtlich der Verfolgung dieser Ziele stärken.[10]

Zusammenfassend ist das Kernelement von Inflation Targeting demnach ein explizites, langfristiges Inflationsziel und eine notwendige Dominanz dieses Ziels. Zudem ist eine Information der Öffentlichkeit über geldpolitischen Entscheidungen, die zur Erreichung des Ziels getroffen werden, notwendig.[11] Nach Bernanke verfolgen die Schweizerische Nationalbank, die Deutsche Bundesbank, und angeordnet durch den Maastrichter Vertrag[12], auch die Europäische Zentralbank (EZB) wesentliche Elemente des Inflation Targeting.[13]

Bei der definitorischen Frage, ob es sich bei Inflation Targeting um eine regelgebundene oder eine diskretionäre Geldpolitik handelt, vertreten Bernanke et al. die Meinung, dass die direkte Inflationssteuerung den Entscheidungsträgern einen eingeschränkten diskretionären Spielraum bietet.[14] Diskretionäre Geldpolitik bedeutet, dass nicht strikte Regeln geldpolitische Maßnahmen zur Inflationsvermeidung bestimmen, sondern die Zentralbanken Entscheidungen von Fall zu Fall auf Grundlagen monetärer und realer Variablen treffen können.[15] Es wird jedoch darauf verwiesen, dass im Gegensatz zu einem völlig diskretionären System ohne explizite Inflationsziele eine öffentliche Erklärungs- und Rechenschaftspflicht hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen der kurzfristigen Handlungen bestehe.[16]

3. Funktionsweise des Inflation Targeting

Um die Inflationsentwicklung auf ein öffentlich kommuniziertes Inflationsziel hinzusteuern, müssen Inflation Targeter Abweichungen der Inflationsprognose beobachten. Weicht der Prognosewert vom Ziel ab, muss die monetäre Autorität mit geldpolitischen Maßnahmen reagieren. Strebt eine Zentralbank beispielsweise ein spezifisches Inflationsziel von 2 % pro Jahr an, dann muss sie den Geldmarktzins oder ein anderes Instrument kontinuierlich so anpassen, dass kein wahrnehmbarer Unterschied zwischen der tatsächlichen Inflationsrate und dem angestrebten Inflationsziel besteht.[17] Der Prognosezeitraum wird üblicherweise so festgelegt, dass der geldpolitische Transmissionsprozess am Ende des Zeitraums abgeschlossen ist. Der Leitzins hat einen optimalen Wert, wenn die Inflationsprognose für diesen Zeitpunkt, also dem Ende des Prognosezeitraums, dem Inflationsziel entspricht. Der Leitzins müsste angehoben werden, wenn die eigentliche Inflationsrate den angestrebten Wert übersteigt. Liegt die Inflationsprognose jedoch unter dem Zielwert muss die Zentralbank einen eher expansiven Kurs einschlagen.[18]

In folgender Abbildung wird ein einfaches Modell von Daianu und Lungu (2005) dargestellt, das beschreibt wie Zentralbanken ihre Entscheidungen in einem Inflation(-Forecast) Targeting Regime treffen. Zu einem Zeitpunkt t muss sich die Zentralbank für ein Instrument entscheiden. Die Zentralbank kennt gegenwärtige und zurückliegende Inflationsraten und kann bei entsprechendem Wissen über die Gesamtwirtschaft auch zukünftige Inflationspfade prognostizieren. Die Prognose auf Basis der Inflationsrate π wird für x Quartale im Voraus berechnet und mit E(πt+x│It) bezeichnet, wobei It den Informationssatz zum Zeitpunkt der Prognose darstellt und x die Wirkungsverzögerung des geldpolitischen Übertragungsprozesses erfasst. Dabei ist zu beachten, dass die Ausgangsprognose nur bei unverändertem Instrumenteneinsatz gilt, und dass eine Änderung des Instruments, hier des Leitzinses, auch eine Änderung der Prognose bedingt. Die notwendige Anpassung des Zinses ergibt sich entsprechend aus der Abweichung der Prognose vom Inflationsziel. Abbildung 1 zeigt eine Situation, in der die Inflationsrate zum Zeitpunkt t unterhalb des Inflationsziels liegt, jedoch die mittelfristige, hier acht Quartale weitblickende, Inflationsprognose, bei konstantem Instrumenteneinsatz, über dem Ziel liegt. In diesem Fall müsste zur Zielerreichung zum Zeitpunkt t+8 eine restriktive Gelpolitik verfolgt werden, obwohl die tatsächliche Inflationsrate unterhalb des Inflationsziels liegt.[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Inflation Targeting – die grundlegende Logik

Quelle: Vgl. Daianu und Lungu (2005), S. 4.

Die Inflationsprognose der Zentralbank steht daher im Mittelpunkt der geldpolitischen Analyse und Diskussion sowohl innerhalb der Zentralbank, als auch in der öffentlichen Darstellung. Abbildung 2 zeigt eine aktuelle Inflationsprognose und das mittelfristige Inflationsziel der Bank of England (BoE). Der Konfidenzbereich illustriert die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Inflationspfade um einen Mittelwert.[20] Die BoE müsste denjenigen Leitzinspfad wählen, für den die prognostizierte Inflationsrate mit dem Inflationsziel übereinstimmt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Inflation, Inflationsziel und Inflationsprognose in England

[...]


[1] Vgl. Leiderman und Svensson (1995), S. 2 f.

[2] Vgl. Faust und Henderson (2004), S. 120.

[3] Vgl. Fendel und Frenkel (2002), S. 1139 f.

[4] Vgl. Daianu und Lungu (2005), S. 1.

[5] Vgl. Sachverständigenrat (2006), S. 189.

[6] Bernanke et al. (1999), S. 4; Übersetzung siehe: Bofinger (2000), S 2.

[7] Vgl. Svensson (2002), S. 772.

[8] Der geldpolitische Transmissionsprozess impliziert durch die Veränderung von Leitzinsen induzierte einzelwirtschaftliche Anpassungsprozesse. Dabei hat die Geldpolitik zwar kurzfristig Einfluss auf Zinsen für Anlagen, die Übertragung auf Preise und Produktion dauert jedoch 1-3 Jahre. In der Regel tangiert die Geldpolitik die gesamtwirtschaftliche Nachfrage mit einer Verzögerung von einem und die Inflation mit einer Verzögerung von ca. zwei Jahren. Vgl. Svensson (1999), S. 609.

[9] Vgl. Svensson und Woodford (2003), S. 6; Svensson (2002), S. 772; Svensson (2000), S. 1; Svensson (1997a), S. 1113.

[10] Vgl. Bernanke et al. (1999), S. 4.

[11] Vgl. Faust und Henderson (2004), S. 118.

[12] Art. 105 Abs. 1 EUV: Das vorrangige Ziel des ESZB ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten (…).

[13] Vgl. Bernanke und Mishkin (1997), S. 1.

[14] Vgl. Faust und Henderson (2004), S. 119.

[15] Vgl. Polleit (2006), S. 40.

[16] Vgl. Bernanke et al. (1999), S. 24 f.

[17] Vgl. Davidson (2006), S. 691.

[18] Vgl. Sachverständigenrat (2006), S. 189 f.

[19] Vgl. Daianu und Lungu (2005), S. 4.

[20] Vgl. Bank of England (2007), S. 46.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Inflation Targeting
Untertitel
Darstellung und kritische Würdigung
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V86667
ISBN (eBook)
9783638892872
ISBN (Buch)
9783638892971
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inflation, Targeting, Preisniveaustabilität, Geldmengensteuerung, Inflationssteuerung, Geldpolitik, Inflation Targeting
Arbeit zitieren
Hüsrev Akaslan (Autor), 2007, Inflation Targeting, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86667

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