Die chronische Wunde in der integrierten Versorgung

Die Implementierung innovativer Fortbildungskonzepte


Essay, 2006
16 Seiten, Note: "-"

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chronische Wunden und deren Versorgung
2.1. Die chronische Wunde - Ein Überblick
2.2. Grundlagen der Wundversorgung
2.2.1. Definition der traditionellen Wundversorgung
2.2.2. Definition der hydroaktiven Wundversorgung

3. Integrierte Versorgung aktuell in Deutschland
3.1. Die Integrierte Gesundheitsversorgung in Deutschland
3.1.1. Gesetzliche Grundlagen der Integrierten Versorgung
3.1.2. Nutzen der Integrierten Versorgung
3.1.3. Vorteile der IGV für Patientinnen und Patienten
3.2. Überblick über Integrierte Versorgungsverträge in Deutschland

4. Die chronische Wunde in der Integrierten Versorgung
4.1. Elemente der Integrierten Versorgung in der Wundversorgung
4.2. Kooperationspartner in der Integrierten Versorgung
4.3. Ziel der Integrierten Versorgung „Chronische Wunde“

5. Fort- und Weiterbildungskonzepte zur „Hydroaktiven Wundversorgung“
in Verträgen zur Integrierten Versorgung
5.1. Die Notwendigkeit der Fort- und Weiterbildung in der Integrierten Versorgung
5.2. Die Implementierung eines individuellen anwenderorientierten Standards in den Organisationsprozess des Integrierten Versorgungs-Vertrages
5.3. Nutzenargumentation

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema chronische Wunden wird in den letzten Jahren verstärkt in der Fachöffentlichkeit diskutiert. Chronische Wunden durch Diabetes mellitus und Venenleiden ebenso wie Druckgeschwüre und schlecht heilende Operationsnarben bilden eine Herausforderung für die Integrierte Versorgung (IGV). Deren Versorgung ist geradezu prädestiniert für Integrierte Versorgungsformen, da es ein Beispiel der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit aller am Wund-Behandlungsprozess beteiligter Versorgungsbereiche darstellt. Unter Kostengesichtspunkten sind Patienten mit Wundheilungsstörungen jeglicher Art Problemfälle geworden. Aus diesem Grund muss ein gezieltes „Wundmanagement“, eingebettet in ein innovatives Fort- und Weiterbildungskonzept, in Verträgen zur Integrierten Versorgung implementiert werden.

So kann sich z.B. ein Krankenhaus lange und damit teure Liegezeiten nach Einführung der DRG´s nicht mehr leisten. Die kurzen Liegezeiten können für Kliniken ohne qualifizierte ambulante Nachsorge, so z.B. durch komplikations- oder infektionsbedingte Wiederaufnahme, zu einem finanziellen Problem werden.

Aber wie können im Rahmen der IV-Verträge zur Wundversorgung, die dort jeweils tätig werdenden Partner zu ausgewiesenen Wundspezialisten ausgebildet werden, damit sie im Lauf des individuellen Behandlungsprozesses als zentrale Ansprechpartner und Koordinatoren fungieren können? Denn egal ob im Krankenhaus oder im ambulanten Einsatz – moderne Wundversorgung bedeutet Vernetzung von Krankenkassen, Ärzten und Pflegeeinrichtungen. (Protz 2006)

2. Chronische Wunden und deren Versorgung

2.1. Die chronische Wunde – ein Überblick

Chronische Wunden sind Defektwunden der Haut, die innerhalb von 8 Wochen, unabhängig von ihrer Genese, nicht abheilen. (Sedlarik 1993) Die Prävalenz chronischer Wunden in Europa, Amerika und Japan beträgt etwa 2,5% der Bevölkerung. Sie gliedert sich in 1,5% für das Ulcus cruris, 0,4% für das diabetische Fuß-ulcus und 0,6% für den Dekubitus. 90% aller Patienten mit einem Ulcus cruris oder einem diabetischen Fußulcus sind älter als 50 Jahre. 90% aller Patienten mit einem Dekubitus sind älter als 65 Jahre. In Deutschland erfolgt die vertragsärztliche Behandlung chronischer Wunden zu 45% aller Behandlungsfälle durch Chirurgen, zu je 20% durch Hausärzte und Allgemeinmediziner und zu 15% durch Internisten. (Compliance Netzwerk Ärzte/HFI e.V. 2001) Die Datenlage zur Epidemiologie chronischer Wunden ist in Deutschland insgesamt sehr lückenhaft. Für die klassischen Wunden existieren Schätzungen und vereinzelt auch repräsentative Daten. In Deutschland leiden etwa 750.000 - 1,5 Millionen Menschen an einem Dekubitus, 1 - 2 Millionen Menschen an einem Ulcus cruris und zwischen 400.000 bis 600.000 Diabetiker an einem Diabetischen Fußulcus. Die jährlichen Gesamtkosten für das Gesundheitssystem belaufen sich allein für Druckgeschwüre auf 0,75 - 2 Mrd. Euro und für das Ulcus Cruris auf 1 - 1,25 Mrd. Euro. Bei Diabetikern werden jährlich 28.000 Amputationen durchgeführt, die neben den Einschränkungen der Lebensqualität für die Betroffenen zu einem Kostenvolumen von 400 Millionen Euro führen. (Mayer 2004)

2.2. Grundlagen der Wundversorgung

Obwohl chronische Wunden in der Regel durch verschiedene Grunderkrankungen, wie Gefäßerkrankungen und den Diabetes mellitus, hervorgerufen werden, unterliegt die lokale Wundbehandlung einem einheitlichen Behandlungskonzept. (Compliance Netzwerk Ärzte/HFI e.V. 2001) Die Ulkus-Klassifikationen, die bakterielle Kontrolle und die unverzichtbare Einheit von lokaler und systemischer Behandlung gelten für alle chronischen Wunden gleichermaßen. Die äußerst hohe Rezidivrate, die emotionale Belastung und die letztendlich oftmals vitale Bedrohung des einzelnen Patienten bedeuten für Ärzte und das Pflegepersonal große Anstrengungen sowohl im Hinblick auf biomedizinische als auch kommunikative Interventionen. (Compliance Netzwerk Ärzte/HFI e.V. 2001)

Grundsätzlich gilt: zuerst muss die Ursache der Wundheilungsstörung behoben werden, bevor ein Heilungsprozess initiiert werden kann. Auch systemische Einflussfaktoren, d.h. sie beeinflussen den gesamten Organismus, müssen beachtet werden. Dazu gehören u.a. das Alter des Patienten, die Psyche, Möglichkeiten der Mobilisation, der Immunstatus, der allgemeine Gesundheitszustand, die Ernährung und die Flüssigkeitszufuhr, Medikamente und auch Schmerzen. Zusätzlich zu den systemischen Faktoren kann die Bildung von Hämatomen, Hypergranulation in der Wunde, die Entstehung von hypertrophem Narbengewebe oder einer Nahtdehiszenz und schließlich eine Infektion der Wunde eine optimale Abheilung gefährden. (Protz 2006)

2.2.1. Definition der traditionellen Wundversorgung

Die traditionelle Wundversorgung wird in der Regel mit „trockener“ Wundversorgung gleichgesetzt. Die Produkte der traditionellen, trockenen Wundversorgung haben folgende Aufgaben: Aufnahme von Wundsekret, Polsterfunktion, Schutz gegen äußere Einflüsse. (Protz 2006) Bei der traditionellen Wundversorgung werden üblicherweise Mullkompressen, Vlies- und Saugkompressen oder befeuchtete Gaze eingesetzt, die in der Wunde austrocknen und mit dem Wundgrund verkleben können. Werden Mullkompressen bzw. beschichtete Wundgazen verwendet, ist mit häufigen Verbandwechseln pro Tag zu rechnen. Damit entsteht ein erhöhtes Infektions- und Verletzungsrisiko der Wunde. (BVMed 2005)

2.2.2. Definition der hydroaktiven Wundversorgung

Bei der hydroaktiven Wundversorgung wird in allen Wundheilungsphasen ein feuchtes Wundmilieu geschaffen und aufrechterhalten. Die Wundheilung gliedert sich in Exsudations-, Granulations- und Epithelisierungsphase. Mit Hilfe der hydroaktiven Wundversorgungsprodukte bietet sich die Möglichkeit, die Verhältnisse in einer Wundblase nachzustellen. (BVMed 2005)

Die Kriterien für einen idealen, modernen Wundverband sind durch T.D.Turner definiert:

Idealer Wundverband nach T.D.Turner (1979)

- Aufrechterhaltung eines feuchten Milieus im Wundgebiet
- Entfernung von überschüssigem Exsudat und toxischen Bestandteilen
- Gewährleistung des Gasaustausches
- Thermische Isolierung der Wunde
- Schutz vor Sekundärinfektionen durch Undurchlässigkeit für Mikroorganismen von außen
- Ermöglichung eines atraumatischen Verbandwechsels
- Keine Abgabe von Fasern oder anderer Fremdstoffe (Protz 2006)

3. Integrierte Versorgung – die aktuelle Situation

3.1. Die Integrierte Gesundheitsversorgung in Deutschland

Das Konzept der Integrierten Versorgung (IGV) beinhaltet die sektorenübergreifende, interdisziplinäre Zusammenarbeit. Integrierte Versorgungsmodelle bieten die Chance, durch neue Strukturen effiziente und qualitativ höherwertige Versorgungsleistungen zu erbringen und die starre Sektorentrennung zu überwinden. (BVMed 2004) Fokus der Integrierten Versorgung ist die Versorgungsoptimierung unter Vermeidung von Fehl-, Unter- und Überversorgung. Krankenkassen, Kliniken, Ärzte, Pflegepersonal und Unternehmen arbeiten in diesen neuen Versorgungsformen verstärkt zusammen, um die Patientenversorgung zu verbessern, Behandlungsabläufe zu optimieren und Innovationen der Medizintechnologie schneller einzuführen.

3.1.1. Gesetzliche Grundlagen der Integrierten Versorgung

Die gesetzliche Grundlage für eine Integrierte Versorgung ist im Fünften Sozialgesetzbuch (SGB V) in den Paragraphen 140a – 140h verankert. Integrierte Versorgungsformen aufgrund der Verträge nach den §§ 140b – 140d ermöglichen eine verschiedene Leistungssektoren übergreifende, interdisziplinäre Versorgung der Versicherten. Das Versorgungsangebot und die Voraussetzungen seiner Inanspruchnahme ergeben sich aus dem Vertrag nach § 140b und, soweit es die vertragsärztliche Versorgung einschließt, aus den Rahmenverträgen nach § 140d. (Meinlschmidt 2003)

Mit dem zum 01.01.2004 in Kraft getretenen „Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung“ (GKV-Modernisierungsgesetz – GMG) wurden die Vertragsmöglichkeiten und die Gestaltungsspielräume innerhalb des SGB V deutlich erweitert. Vorläufig bis zum 31.12.2008 erlaubt der Gesetzgeber den gesetzlichen Krankenkassen, bis zu 1% der Gesamtvergütung der Krankenhäuser und Kassenärztlichen Vereinigungen zur Anschubfinanzierung Integrierter Versorgungsprojekte einzusetzen. (§ 140 SGB V) Diese Mittel (d.h. Neuverteilung vorhandener Mittel) müssen zur Umsetzung von Integrationsverträgen verwendet werden. Es werden keine zusätzlichen Gelder für die Integrierte Versorgung zur Verfügung gestellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die chronische Wunde in der integrierten Versorgung
Untertitel
Die Implementierung innovativer Fortbildungskonzepte
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
"-"
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V86792
ISBN (eBook)
9783638027298
ISBN (Buch)
9783638926065
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wunde, Versorgung
Arbeit zitieren
M.A. Gordon Heringshausen (Autor), 2006, Die chronische Wunde in der integrierten Versorgung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86792

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