Vortrag "Bombenkrieg"


Referat (Ausarbeitung), 2004
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung
1.1 Völkerrecht und Luftkrieg?
1.2 Geschichte des Themas Bombenkrieg in Deutschland

2. Jörg Friedrich: „Der Brand“
2.1 Der Autor
2.2 „Der Brand“

3. Zusammenfassung

4. Literatur

1. Einführung

Die Relevanz des Themas Bombenkrieg kann nach wie vor als gegeben angesehen werden. Infolge des furchtbaren Angriffes auf das World-Trade-Center in New York am 11. September 2001 ist der Krieg im und um den Irak in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit getreten. Der nach dem Anschlag eingetretene Bündnisfall der Nordatlantischen Verteidigungsallianz[1] nach Artikel 5[2] der Satzung, im Einklang mit Artikel 51[3] der Satzung der Vereinten Nationen, hat die westliche Wertegemeinschaft in Stellung gegen terroristische Attacken gebracht, Attacken, die völkerrechtlich keinerlei Rechtfertigung einklagen können. Findet im Irak dennoch ein gerechter Krieg seitens der USA und ihrer Verbündeten statt, der wirklich nur die Hintermänner der Anschläge vom 11. September trifft? Fallen im Irak Bomben auf die wirklichen Täter oder sterben unschuldige Menschen? Eine strittige Frage, die erst in naher Zukunft ausgewogene und parteilich-ungebundene Antworten erwarten kann. Für das Geschichtsbewusstsein der Menschen hat Krieg immer eine Rolle gespielt. Der aktuelle Bezug zum Luftkrieg unserer Tage sollte dem multiperspektivischen Ansatz über Jörg Friedrichs Buch folgen können und dabei den alliierten Bombenkrieg gegen das nationalsozialistische Deutschland betrachten. Auch hier fielen Bomben auf diejenigen, die nicht an der Planung des Krieges oder am Bau von Konzentrations- und Vernichtungslager aktiv teilgenommen hatten. Die Bombardements der Alliierten im Zweiten Weltkrieg sind Thema kontroverser Forschungsdebatten bis in unsere Tage. Insbesondere Dresden ist zum Schlagwort geworden: auch zum Schlagwort rechtsextremer Kreise, die auf den Zug der Kontroverse aufspringen. Wie ist unsere Sicht der Dinge zum Luftkrieg damals und heute angemessen zu beschreiben? Welches Geschichtsbewusstsein findet sich heute zu den vor 60 Jahren geschehenen Flächenbombardements der Alliierten? Ist Luftkrieg tabu oder weiterhin Mittel zum Zweck? Falls ja, wann kann Luftkrieg gerechtfertigt sein?

Die Relevanz des Themas ist gerade im Falle Jugoslawiens und des Irak gegeben. Hier hatte der Einsatz von Nato-Bombern auch zivile Opfer zur Folge. Wenn unschuldige Menschen durch Bomben sterben, kann man trotz allen Bedauerns die Opfer nicht als sog. „Kolateralschäden“ abtun. Die Charta der Vereinten Nationen ist mithin nicht ganz eindeutig. Es wird zwar von Friedensbedrohungen gesprochen, Gewalt und Krieg aber gänzlich zu ächten und nicht mehr als Mittel der Politik zu behaupten, findet sich nicht. Krieg bleibt ein Mittel der Politik. Wie will man auch Terroristen begegnen, die in der westlichen Wertegemeinschaft ihr Feindbild gefunden haben. Es wäre zudem eine utopische und weltfremde Vorstellung, Krieg auszuschließen, während diese fanatischen Terroristen unschuldige Menschen töten. Die Zivilbevölkerung zu schonen, ist Commonsense militärischer Einsätze geworden. Wir brauchen trotzdem klare Antworten, ob speziell Luftkriege gerechtfertigt sind oder nicht. Hier wird man aber auch differenzieren müssen. Nur moralisch zu argumentieren, führt in die Irre. In der Nachbetrachtung des Zweiten Weltkrieges sollte man sich ebenfalls vor allzu moralisierenden Einschätzungen hüten. Dresden als Fanal „alliierter Terrorbomber“ zu bezeichnen, sollte im Nachsatz auch multiperspektiv sein. Was bedeutet das? Der Dresdner Bürgermeister Walter Weidauer resümierte 1946 zum Bombenangriff auf Dresden: „Besonders schlimm sind Katastrophen, die vermeidbar gewesen wären. Aber nichts in der Geschichte unserer Stadt ist vergleichbar mit der Nacht vom 13. bis 14. Februar 1945. Zum Vermeidbaren kommt noch die Tatsache der bewusst von den faschistischen Verbrechern provozierten Zerstörung Dresdens.“[4] Der von Deutschland vom Zaun gebrochene Krieg verträgt keine Beschuldigungen an die Kriegsgegner, die tendenziell das Naziregime entlasten.[5] Versuche in diese Richtung, sind zu verurteilen. Historiker wie David Irving sind zu Recht aus der Forschergemeinde auszuschließen. Friedrich versuchte sich dem Thema ausgeglichener zu nähern. Arnold fragte in seiner Replik auf Friedrichs Buch nicht umsonst: „Can we explore the (German) experience of allied area bombardments in isolation from its context and the war? If so, in which context, and in which war?“[6] Wohl nicht! Im gleichen Atemzug sind neben den Bombenangriffen auf deutsche Städte die Millionen Toten zu nennen, die als Opfer der Entzivilisierung Deutschlands zu beklagen bleiben.

[...]


[1] NATO - North Atlantic Treaty Organization

[2] Dort heißt es: „Die Parteien vereinbaren, daß ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird; sie vereinbaren daher, daß im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet, indem jede von ihnen unverzüglich für sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten. Von jedem bewaffneten Angriff und allen daraufhin getroffenen Gegenmaßnahmen ist unverzüglich dem Sicherheitsrat Mitteilung zu machen. Die Maßnahmen sind einzustellen, sobald der Sicherheitsrat diejenigen Schritte unternommen hat, die notwendig sind, um den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit wiederherzustellen und zu erhalten.“

[3] Artikel 51 der UN-Charta stützt Artikel 5 des NATO-Vertrages: „Diese Charta beeinträchtigt im Falle eines bewaffneten Angriffs gegen ein Mitglied der Vereinten Nationen keineswegs das naturgegebene Recht zur individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung, bis der Sicherheitsrat die zur Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlichen Maßnahmen getroffen hat. Maßnahmen, die ein Mitglied in Ausübung dieses Selbstverteidigungsrechts trifft, sind dem Sicherheitsrat sofort anzuzeigen; sie berühren in keiner Weise dessen auf dieser Charta beruhende Befugnis und Pflicht, jederzeit die Maßnahmen zu treffen, die er zur Wahrung oder Wiederherstellung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit für erforderlich hält.“

[4] Margalit, Gilad: Der Luftangriff auf Dresden. Seine Bedeutung für die Erinnerungspolitik der DDR und für die Herauskristallisierung einer historischen Kriegserinnerung im Westen, in: Susanne Düwell und Mathias Schmidt (Hrsg.): Narrative der Shoah. Repräsentationen der Vergangenheit in Historiographie, Kunst und Politik, Paderborn u.a. 2002, S. 189-207.

[5] Das von rechtsradikalen Gruppen immer wieder als Fälschung dargestellte Hoßbach-Papier kann nicht zur Genüge zitiert werden! Seine Authentizität ist nicht mehr umstritten.

[6] Arnold, Jörg: Review of Jörg Friedrich, Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945, H-German/H-Net Reviews, November, 2003. (Jörg Arnold arbeitet im Department of History, University of Southampton.)

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Vortrag "Bombenkrieg"
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar: Multiperspektivität in der Geschichte
Note
1,3
Autoren
Jahr
2004
Seiten
12
Katalognummer
V86945
ISBN (eBook)
9783638027601
ISBN (Buch)
9783638929127
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Relevanz des Themas Bombenkrieg kann nach wie vor als gegeben angesehen werden. Der aktuelle Bezug zum Luftkrieg unserer Tage sollte dem multiperspektivischen Ansatz über Jörg Friedrichs Buch folgen können und dabei den alliierten Bombenkrieg gegen das nationalsozialistische Deutschland betrachten.
Schlagworte
Vortrag, Bombenkrieg, Hauptseminar, Multiperspektivität, Geschichte
Arbeit zitieren
Daniel Fischer (Autor)Christian Soyk (Autor), 2004, Vortrag "Bombenkrieg", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86945

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