Zu: James Joyce - 'A Little Cloud' aus der Serie 'Dubliners'

Eine Interpretation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Text- und Druckgeschichte
1.2. Hintergründe zu ‚A Little Cloud’
1. 3. Zusammenfassung der Kurzgeschichte

2. Interpretation

3. Der Titel ‚A Little Cloud’
Was bedeutet ‚A Little Cloud’ in dieser Kurzgeschichte und welche Absicht hat James Joyce mit diesem Titel?

4. Erzähltechnik

5. Rezeption
Stimme der Anerkennung

6. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

A Page of ‘A Little Coud’

gives me more pleasure than all my verses.

James Joyce (Briefe, Band II, 182)

1. Einleitung

1.1. Text- und Druckgeschichte

‚A Little Cloud’, James Joyces Lieblingskurzgeschichte ist die vierzehnte Erzählung bezüglich der Reihenfolge der Entstehung aus der Serie Dubliners und besitzt den achten Platz zwischen ‚Boarding House’ und ‚Counterparts’ im Buch. 1906 schreibt James Joyce diese Kurzgeschichte für Dubliners. James Joyce hat Dubliners in vier Gruppen eingeteilt: Kindheit, Jugend, Reife, und öffentliches Leben (Briefe II, 134).

Dubliners wird von vierzig Verlegern abgelehnt. Die Verleger haben Angst, diese Serie zu drucken, weil James Joyce sich nicht an die gesellschaftlichen Konventionen gehalten hat. Sie werfen ihm Beleidigung des Königs, Blasphemie, Verwendung tabuisierter Wörter und der wirklichen Namen der Schauplätze und Pubs in Dublin vor. James Joyce kämpft hartnäckig jahrelang um die Veröffentlichung dieser Serie. Nach langwierigem Briefwechsel wird Dubliners endlich am 15 Juni 1914 ohne Zensur gedruckt und niemand verklagt den Verleger, Grant Richards (Beja, 1992: 93).

1.2. Hintergründe zu ‚A Little Cloud’

Im Jahre 1906 geht es James Joyce finanziell, seelisch und gesundheitlich miserabel. Er ist mit Nora Barnacle liiert und sie haben einen kleinen Sohn, Giorgio (geboren am 26 Juli 1905). Sie leben in Italien in einer engen Wohnung. Weil sie nicht verheiratet sind, haben sie offiziell Probleme mit ihrem unehelichen Kind. Nur drei Wochen nach der Geburt des Kindes muss Nora Barnacle als Wäscherin für fremde Menschen arbeiten, um ihre Familie finanziell zu unterstützen (Lazar, 2001: 55). Die 21-jährige schöne und selbstbewusste Frau muss sich auch um das neugeborene Kind und den Haushalt kümmern. James Joyce leidet schwer unter dieser Lebenssituation. Natürlich hilft er auch bei dem Haushalt und Babysitting. Er muss auch als Sprachlehrer arbeiten und Geld verdienen. Ihm fehlt die Zeit für seine eigene literarische Arbeit. Er kann in der kleinen Wohnung mit der Verantwortung, die er für das Kind trägt, nicht lesen und schreiben. Diese Situation erinnert an die Wehklage Little Chandlers, während er mit dem schreienden Baby in den Armen ein Gedicht aus seinem Gedichtband lesen möchte, aber er es nicht schafft.

Nachdem Dubliners von Verlegern abgelehnt wird, glaubt Nora – sie ist ungebildet – nicht mehr an die literarische Arbeit ihres Mannes. Unter diesem sehr schweren Lebenszustand haben sie oft Konflikte mit einander. Nora zieht das Kind ihrem Mann und seiner Schriftstellerei vor, und James Joyce ist eifersüchtig auf das Kind (Cixous, 1976: 66).

Am 4 Dezember 1905 schreibt er seiner Tante, er beschäftige sich mit dem Gedanken, Nora zu verlassen (Briefe, Band II: 128-9). Zu dieser Zeit ist Giorgio 5 Monate alt.

Anfang 1907 (‚A Little Cloud’ ist im Jahr zuvor entstanden) schreibt er seinem Bruder, Stanislaus: „ My mouth ist full of decayed teeth und my soul of decayed ambitions.“ (Beja, 1992:51).

Seine Freunde (ehemalige Kommilitonen), Gogarty, Curran und Kettle sind wohlhabende Persönlichkeiten geworden. Gogarty, der – wie Gallaher - kein ehrlicher Freund ist, hat eine reiche Frau geheiratet. Diese Umstände erinnern an Chandlers Position gegenüber seinem scheinbar beneidenswerten Freund, Gallaher und das Gefühl versagt zu haben.

Trotz großen finanziellen Problemen, verliert aber James Joyce nicht seine Selbstachtung. Er ist überzeugt von seiner schriftstellerischen Fähigkeit und weiß genau, was er will. Seine Missachtung für das Geld gehört zu seinen Charakterzügen. Nach seiner Rückkehr nach Dublin lehnt er eine Stellung als Dozent an der Universität ab und beschäftigt sich als Lehrer mit geringem Gehalt bei einer Privatschule (Reichert u. a. 1985: 161), damit er mehr Zeit für sein Hauptziel haben kann. Er kämpft hartnäckig um seine schriftstellerische Laufbahn, bis er sein Ziel erreicht und als Schriftsteller weltberühmt wird.

1. 3. Zusammenfassung der Kurzgeschichte

Es handelt sich um einen ordentlichen, bescheidenen und kultivierten Mann aus mittelkleinbürgerlicher Schicht in Dublin namens Little Chandler (man nennt ihn Little Chandler, weil er körperlich zerbrechlich ist und klein wirkt), 32 Jahre alt, ruhig, sehr schüchtern und ängstlich. Er arbeitet als ein Büroangestellter bei einem Rechtsanwaltsbüro in King´s Inns in Dublin. Er ist seit ca. 18 Monaten mit einer schönen damenhaften Frau, Annie verheiratet und sie haben einen kleinen Sohn. Aber Little Chandler ist mit seinem Leben unzufrieden und träumt davon, Dublin zu verlassen und ein künstlerisches Leben als Dichter zu führen, obwohl er nicht sicher ist, ob er dazu Talent habe. Sogar ist er sicher, er werde niemals allgemein geschätzt.

Ein Freund von ihm, Ignatius Gallaher , der früher sogar zur armen Unterschicht gehörte, verlässt Dublin und nach acht Jahren taucht er als anscheinend erfolgreicher wohlhabender Journalist bei Londoner Presse in Dublin auf. Er lädt Little Chandler auf einen Whisky bei einer Luxuxbar ein.

An diesem Tag ist Little Chandler besonders aufgeregt, weil er am Abend seinen Freund, Ignatius Gallaher im luxuriösen Pub Corless besuchen will. Seit Mittagessen beschäftigt er sich in Gedanken mit dem vorangekommenen Zustand des Freundes und seinem Leben in sehr schäbigen Verhältnissen vor acht Jahren. Er bewundert Ignatius Gallaher und seine Kühnheit und ist stolz darauf, von so einem Freund, den der Erfolg nicht verdorben hat, eingeladen worden zu sein.

Er taucht unter dem feudalen Bogen der King´s Inns auf und geht rasch die Henrietta Strasse hinunter. Der Sonnenuntergang schwindet und die Luft ist kühl. Die Strasse ist von einer Horde schmieriger Kinder voller Lebenskraft überfüllt. Aber Little Chandler nimmt keine Notiz von ihnen. Seine Gedanken – voller Freude – sind vollständig auf sein Vorhaben gerichtet. Er führt ein langes inneres Gespräch mit sich selbst über das luxuriöse Pub Corless, über sich selbst, seine Ängste und deren Ursachen, und über den Ignatius Gallaher, der damals einen unordentlichen Umgang hatte, viel trank und viel Geld auslieh und schließlich in irgendeiner Affäre verwickelt war und musste fliehen. Little Chandler denkt, Gallaher habe trotzdem Talent und Mut.

Little Chandler phantasiert über seine eigene Zukunft und stellt sich vor als ein Dichter, dessen Gedichtband veröffentlicht worden sei, und wie sein Künstlername und die Rezensionen der englischen Kritiker über sein Buch lauteten. Er fährt völlig überlassen in seinen Träumen fort, sodass er seine Strasse verpasst und zurückkehren muss.

Sehr aufgeregt und ängstlich tritt Little Chandler endlich in die Luxuxbar ein und kommt mit Ignatius Gallaher zusammen. Sie trinken Whisky mit einander. Ignatius Gallaher trinkt viel puren Whisky und raucht starke Zigarre. Er hat ein ungesundes Gesicht und mit seiner immer noch ordinären Aussprache prahlt er die ganze Zeit mit seinen gemachten Weltreisen, seinen Kenntnissen von Paris, London, Berlin und seinen Erfolgen mit reichen deutschen Frauen und Jüdinnen, die ihm zu Füßen lägen, aber auch mit seiner Abneigung zur Heirat und sich zu binden. Mit seiner Großtuerei macht er Little Chandler neidisch und nachdenklich. Zum Schluss lehnt er auch seine Einladung zum Abendessen und Musikhören bei ihm Zuhause ab.

Chandler ist inzwischen von seinem Freund enttäuscht. Er findet Gallahers Aussprache ordinär. Um sich zu trösten, – er ist neidisch auf ihn – sagt er ihm mit rotem Gesicht, er werde wie jeder den Kopf in den Sack stecken, wenn er das Mädchen fände. Aber er weiß, dass er sich verraten und Gallaher seine Hintergedanken erraten habe. Gallaher greift an. Er verspottet Chandler wegen seiner Monogamie und beleidigt ihn. Er prahlt mit seinen Erfolgen mit tausenden von reichen Frauen und sagt, er wolle nur mit Geld heiraten.

Nach dieser Begegnung ist Little Chandler sehr verwirrt. Er findet es ungerecht, dass Ignatius Gallaher vorangekommen ist, aber er nicht, obwohl Gallaher nach Herkunft und Bildung ihm unterlegen ist. Er denkt, er könne sicherlich etwas Besseres leisten und seine Männlichkeit verteidigen und fragt sich, was sei der Grund seines Misserfolges. Vielleicht sei seine Schüchternheit der Grund seines Versagens.

Er kommt spät zum Tee nach Hause. Außerdem vergisst er, Kaffee zu kaufen. Deswegen ist seine Frau schlechter Laune. Sie legt ihm behutsam das schlafende Kind in die Arme und geht fort, um Zucker und Kaffee zu kaufen. Um Geld zu sparen, haben sie kein Mädchen, aber Annies Schwester hilft täglich ein bisschen.

Kalt betrachtet Little Chandler eine Photographie seiner Frau in einem Rahmen im Zimmer. Er denkt an die Jüdinnen mit dunklen wollüstigen Augen, wovon Ignatius Gallaher gesprochen hatte, und bereut, die kalten damenhaften Augen auf dem Photo geheiratet zu haben. Er öffnet mit der linken Hand einen Gedichtband von Byron, der auf dem Tisch liegt und beginnt das erste Gedicht zu lesen. Das Kind wird wach und fängt an zu schreien. Er versucht es zu beruhigen, aber das Baby lässt sich nicht beruhigen. Weil er nicht lesen kann, wird er wütend und fühlt sich wie ein lebenslänglicher Gefangene. Er verliert seine Geduld und plötzlich brüllt auf das Kind und erschreckt es. Vor Schreck bekommt das Kind einen Krampf und wird einen Augenblick stumm, dann fängt es an sehr laut und jammervoll zu weinen und zu schluchzen, sodass er Angst bekommt, dass es stirbt. Seine Frau, Annie stürzt atemlos herein und reißt ihm das Kind weg und fragt ihn wütend, was er ihm getan habe.

Little Chandlers Herz zieht sich zusammen, als er dem Hass im Blick seiner Frau begegnet und er stottert, es sei nichts… er habe nichts getan. Und Tränen der Reue treten ihm in die Augen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zu: James Joyce - 'A Little Cloud' aus der Serie 'Dubliners'
Untertitel
Eine Interpretation
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Anglistik und Amerikanistik)
Veranstaltung
Die Kurzgeschichte des Spätviktorianismus und der frühen Moderne
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V87643
ISBN (eBook)
9783638013048
ISBN (Buch)
9783638916851
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
James, Joyce, Little, Cloud, Serie, Dubliners, Kurzgeschichte, Spätviktorianismus, Moderne
Arbeit zitieren
M.A. Mahvash Dannhäuser (Autor), 2003, Zu: James Joyce - 'A Little Cloud' aus der Serie 'Dubliners', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87643

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