Zur Bilanzierung latenter Steuern auf steuerliche Verlustvorträge nach IFRS


Hausarbeit, 2007
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Latente Steuern
2.1 Definition und Ursachen
2.2 Arten von Differenzen
2.3 Bilanzansatz
2.4 Bewertungsmethoden

3. Bilanzierung latenter Steuern nach dem HGB
3.1 Grundlagen
3.2 Ansatz
3.3 Bewertung
3.4 Ausweis

4. Bilanzierung latenter Steuern nach IFRS
4.1 Grundlagen
4.2 Ansatz
4.3 Bewertung
4.4 Ausweis

5. Verlustvorträge
5.1 Definition
5.2 Behandlung nach dem HGB
5.3 Behandlung nach den IFRS

6. Wesentliche Unterschiede / Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die gesetzlichen Regelungen bezüglich des Jahresabschlusses weichen nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) bzw. nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) stark voneinander ab. Gerade im Zuge der zunehmenden Internationalisierung der Rechnungslegung ist es interessant, sich die Unterschiede der beiden Werke und deren Auswirkungen auf die Bilanz einmal genauer anzuschauen. Insbesondere beim Thema der latenten Steuerabgrenzung sind nicht alle Aspekte eindeutig geregelt. Besonders das HGB lässt einige Interpretationsspielräume offen.

Ziel dieser Arbeit ist es, nach der Definition latenter Steuern im Allgemeinen, die Unterschiede in der Bilanzierung latenter Steuern zwischen dem HGB und den IFRS aufzuzeigen. Gesondert wird dann auf die Bilanzierung latenter Steuern auf Verlustvorträge eingegangen. Dieses Thema ist nach dem HGB nicht explizit geregelt und deshalb in Deutschland sehr umstritten.

2. Latente Steuern

2.1 Definition und Ursachen

Als latente Steuern werden die Differenzen zwischen steuer- und handelsrechtlichem Bilanzergebnis bezeichnet. Diese Abweichungen entstehen aufgrund unterschiedlicher Ansatz- und Bewertungsvorschriften und damit verbundenen unterschiedlichen Periodisierungen, da Handels- bzw. Steuerbilanz andere Zielsetzungen verfolgen. Die Folge ist, dass die beiden Ergebnisse in keinem sinnvollen Zusammenhang stehen. Durch latente Steuern werden diese Differenzen nachvollziehbar und erklärbar.[1]

Es wird ein Zusammenhang hergestellt zwischen tatsächlichem Ertragssteueraufwand und dem aus der Handelsbilanz abgeleiteten fiktiven Steueraufwand.[2]

Es gibt zwei Arten von latenten Steuern, aktive und passive. Wenn die tatsächliche Steuerlast höher ist als die aus der Handelsbilanz abgeleitete fiktive Steuerlast, so entspricht die Differenz aktiven latenten Steuern. Diese kann man als Steueransprüche betrachten, als Ertragssteuern, die in zukünftigen Perioden erstattungsfähig sind. Passive latente Steuern entstehen hingegen, wenn der Handelsbilanzgewinn größer ist als der Steuerbilanzgewinn. Sie entsprechen Steuerschulden, also Ertragssteuern, die in zukünftigen Perioden zu zahlen sind.[3]

2.2 Arten von Differenzen

Grundsätzlich lassen sich die oben genannten Differenzen, abhängig von ihrem zeitlichen Rahmen, in drei verschiedene Arten unterteilen. Diese sind zeitlich begrenzte Differenzen (temporary differences), quasi-permanente Differenzen und permanente Differenzen (permanent differences).

Zeitlich begrenzte Differenzen gleichen sich im Zeitablauf wieder aus. Sie entstehen dadurch, dass Aufwendungen und Erträge steuer- bzw. handelsrechtlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten verbucht werden und führen somit nicht zu einem unterschiedlichen Totalergebnis, sondern nur zu unterschiedlichen Periodenerfolgen. Beispiele für solche temporären Differenzen sind Abweichungen aufgrund unterschiedlicher Abschreibungsmethoden oder angesetzten Nutzungsdauern.

Quasi-permanente Differenzen hingegen gleichen sich erst nach langer, nicht absehbarer Zeit, wieder aus, spätestens bei Liquidation der Unternehmung. Faktisch haben sie den Charakter permanenter Differenzen. Ein Beispiel ist die unterschiedliche Zugangsbewertung (Anschaffungskosten) von einem Grundstück, die erst bei Veräußerung des Grundstücks ausgeglichen wird.

Im Unterschied dazu gleichen sich permanente Differenzen niemals aus. Sie entstehen dadurch, dass bestimmte Ergebniskomponenten nur in der Handels- oder nur in der Steuerbilanz berücksichtigt werden. Investitionsrücklagen, zum Beispiel, sind steuerfrei, aber handelsrechtlich ergebniserhöhend.[4]

2.3 Bilanzansatz

Es existieren zwei wesentliche Konzepte zur Ermittlung latenter Steuern, das Timing- und das Temporary-Konzept. Das Timing-Konzept ist GuV-orientiert und unterscheidet zwischen zeitlich begrenzten und permanenten Differenzen. Ziel ist es, den Steueraufwand und –ertrag realistisch darzustellen. Es dürfen nur die zeitlich begrenzten Differenzen ausgewiesen werden, die sowohl erfolgswirksam entstanden sind, als auch erfolgswirksam aufgelöst werden. Ist durch die Bilanzierung einer zeitlich begrenzten Differenz der Steuerbilanzgewinn niedriger als der Handelsbilanzgewinn, werden zu wenig Steuern bezahlt. Durch den Ausgleich der Differenz in einer späteren Periode ist dann der Steuerbilanzgewinn höher und folglich werden zu viele Steuern bezahlt. In diesem Fall kann dies durch die Bilanzierung passiver latenter Steuern ausgeglichen werden. Liegt der umgekehrte Fall vor, sind zum Ausgleich aktive latente Steuern zu bilden.[5]

Das Temporary-Konzept hingegen ist bilanzorientiert. Ziel ist ein zutreffender Vermögensausweis. Zum Bilanzstichtag sollen Steuererstattungsansprüche und -verpflichtungen richtig ausgewiesen werden.[6] Das Temporary-Konzept umfasst das Timing-Konzept, geht aber noch darüber hinaus. So wird jede Differenz in der Bilanzierung und Bewertung zwischen Steuer- und Handelsbilanz berücksichtigt, also auch ergebnisneutrale Wertänderungen. Aktive latente Steuern sind zu bilden, wenn ein Vermögenswert in der Handelsbilanz gar nicht angesetzt ist oder niedriger als in der Steuerbilanz. Folglich sind passive latente Steuern im umgekehrten Fall zu bilden.[7] Es werden demnach auch Steuerlatenzen auf quasi-permanente Differenzen, nicht jedoch auf permanente Differenzen gebildet.

2.4 Bewertungsmethoden

Hinsichtlich der Bewertung latenter Steuern soll hier auf die beiden wichtigsten Methoden eingegangen werden, die Abgrenzungsmethode (deferred method) und die Verbindlichkeitsmethode (liability method).

Die Abgrenzungsmethode orientiert sich an der Erfolgsrechnung. Ziel ist ein sachgerechter Ausweis des Steueraufwandes einer Periode in Relation zum Erfolg. Der zum Zeitpunkt der Entstehung der Differenz geltende Steuersatz wird zur Berechnung der Höhe verwendet. Bei nachträglicher Änderung des Steuersatzes wird keine Anpassung vorgenommen.[8]

Die Verbindlichkeitsmethode ist im Gegensatz dazu bilanzorientiert. Im Vordergrund steht die sachgerechte Darstellung des Vermögens und der Schulden. Passive latente Steuern werden als Schulden angesehen und aktive latente Steuern als ungewisse Forderungen. Diese Methode versucht, die zukünftigen Einnahmen und Ausgaben abzubilden. Da die Höhe vom zukünftigen Steuersatz abhängig ist, wird dieser zur Berechnung verwendet. Die Steuerlatenzen werden angepasst, wenn sich der Steuersatz nachträglich ändert.[9]

[...]


[1] Vgl. Marten (2003), S. 2335.

[2] Vgl. Küting (2003), S. 441.

[3] Vgl. Born (2005), S. 186.

[4] Vgl. Ruhnke (2005), S. 398.

[5] Vgl. Coenenberg (2005), S. 432-433.

[6] Vgl. Küting (2003), S. 441.

[7] Vgl. Bieg (2006), S. 268.

[8] Vgl. Küting (2003), S. 442.

[9] Vgl. Coenenberg (2005), S. 439.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Zur Bilanzierung latenter Steuern auf steuerliche Verlustvorträge nach IFRS
Hochschule
Universität Hamburg  (Department für Witschaft und Politik)
Veranstaltung
Bilanzen II
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V88576
ISBN (eBook)
9783638025041
ISBN (Buch)
9783638938020
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilanzierung, Steuern, Verlustvorträge, IFRS, Bilanzen
Arbeit zitieren
Saskia Pedersen (Autor), 2007, Zur Bilanzierung latenter Steuern auf steuerliche Verlustvorträge nach IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88576

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