Komposita und Syntagmen - eine Darstellung unterschiedlicher Ansätze unter morphologieschen und semantischen Gesichtspunkten


Seminararbeit, 2002

27 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Allgemeine Definition

2. Morphologische und Semantische Betrachtungs-weisen von komposita
2.1 Morphologie
2.1.1 Eine Auswahl von Komposita und Syntagmen
2.1.1.1 Substantive
2.1.1.2 Adjektive
2.1.1.3 Verben
2.1.2 Aktueller Stand der Forschung
2.1.3 Komposita und Syntagmen unter morphologischen Gesichtspunkten
2.1.4 Ansätze unterschiedlicher Lexikologen
2.1.5 Analyse und eigene Meinung
2.2 Semantik
2.2.1 Komposita und Syntagmen unter semantischen Gesichtspunkten
2.2.2 Ansätze unterschiedlicher Lexikologen
2.2.3 Analyse und eigene Meinung
2.3 Zusammenfassung

3. Eine Analyse französischer Nominalkomposita
3.1 Koordination
3.2 Subordination
3.2.1 Komposita mit prädikativer Expansion
3.2.1.1 Wortbildungsstrukturen
3.2.1.2 Syntagmainterne strukturelle und semantische Beziehungen
3.2.2 Komposita mit nicht-prädikativer Expansion
3.2.2.1 Wortbildungsstrukturen
3.2.2.2 Syntagmainterne strukturelle und semantische Beziehungen
3.3 Zusammenfassung

4. BIBLIOGRAPHIE

1. Einleitung

1.1 Aufbau der Arbeit

In dieser Arbeit sollen die linguistischen Phänomene der Komposita und der Syntagmen behandelt werden. An eine allgemeine Begriffsbestimmung schließt sich eine Reihe von Beispielen an. Beispiele sowohl aus dem Französischen, als auch aus dem Spanischen und dem Deutschen sollen die Theorien veranschaulichen. Eine Unterteilung in einen morphologischen und semantischen Bereich soll helfen, die Begriffe Kompositum und Syntagma klarer definieren zu können. Es folgt eine Übersicht über die jeweilig vorhandene Literatur.

Was die Morphologie betrifft, werden u.a. Abgrenzungen erläutert zwischen Komposition, starrem und freiem Syntagma, zwischen komplexen Zeichen und lexies simples. Des weiteren soll das Phänomen der durchsichtigen Wörter erklärt werden. Eine andere Theorie unterscheidet zwischen Komposita und lexikalisierten Syntagmen, sowie zwischen nominalen und adjektivischen Kompositionen.

Im Bereich der Semantik spricht GAUGER von Ausgriff, Verschiebung und Variation. Außerdem soll der Begriff der semantischen Relation erläutert werden.

Im dritten Kapitel soll schließlich eine der vielen Theorien – nämlich Thieles – Anwendung finden. Es geht darum, ausschließlich Nominalkomposita auf ihre semantischen und morphologischen Relationen zu prüfen.

Die Schlussbemerkung soll mit einigen persönlichen Ansätzen die Arbeit abrunden.

1.2 Allgemeine Definition

Bußmann definiert die Komposition folgendermaßen:

[Auch: Zusammensetzung]. Neben à Derivation (auch: Ableitung) wichtigster Vorgang der à Wortbildung: Verbindung von zwei oder mehreren sonst frei vorkommenden Morphemen oder Morphemfolgen ( = Wörtern) zu einem à Kompositum, wobei in der Regel das letzte Glied sowohl die Wortart als auch die Flexionsklasse bestimmt. [...] Die Produktivität des K.-vorgangs ist von Sprache zu Sprache unterschiedlich stark ausgeprägt (vgl. die Abnehmende Häufigkeit der K. im Dt., Engl., Frz., im Lat. kommt K. kaum vor) und wird von der Kategorie des Vorder- und Hinterglieds beeinflusst.[1]

Diese Definition besagt, dass die Komposition eine Zusammensetzung von mindestens zwei freien Morphemen ist, also von kleinsten bedeutungstragenden Elementen der Sprache, die in der Syntax alleine vorkommen können. In dem Beispiel Haltbarkeits – datum zeigt das letzte Glied die Wortart (Substantiv) und die Flexionsklasse (Nominativ Singular) an. Zur Vergewisserung kann man das Kompositum paraphrasieren: Ein Datum (Substantiv im Nominativ Singular), das die Haltbarkeit anzeigt. Das - s nach Haltbarbeit zeigt nicht etwa einen Plural an, sondern vielmehr einen Genitiv. Das erste Glied ist folglich nicht mehr flektierbar, es behält in jedem Kontext die Form Haltbarkeits-.

Wohingegen die deutsche Sprache reich an Komposita ist, gibt es im Englischen schon deutlich weniger; die Franzosen und Spanier sind diesbezüglich noch schlechter bestückt und im Latein kommen Komposita schließlich so gut wie gar nicht vor. Tendenziell sind jedoch Komposita sowohl im Englischen und Deutschen, als auch im Französischen und Spanischen produktiv, besonders in den Wissenschaftssprachen. Im Französischen sind beispielsweise Kompositionen mit hyper- (hypermarché) und anti- (antifascisme) sehr produktiv.

Syntagmen definiert Bußmann hingegen wie folgt:

[Pl. Syntagmen; griech. sýntagma >Zusammengestelltes<]. Durch Segmentierung gewonnene, strukturierte aber noch unklassifizierte Folge von sprachlichen Ausdrücken, die aus Lauten, Wörtern, Wortgruppen, Teilsätzen oder ganzen Sätzen bestehen kann. Zum Unterschied vgl. à Paradigma. [...][2]

Zur Verdeutlichung folgen im nächsten Abschnitt Beispiele dazu.

2. Morphologische und Semantische Betrachtungsweisen von komposita

2.1 Morphologie

2.1.1 Eine Auswahl von Komposita und Syntagmen

Da eine Auflistung aller Kompositions- und Syntagmamöglichkeiten den Rahmen dieser Arbeit sprengt, sind die nachstehenden Beispiele lediglich ein kleiner Auszug aus der spanischen Wortbildung.

2.1.1.1 Substantive

Sie werden häufig aus zwei Nomina gebildet, wobei sie entweder zusammen- oder mit Bindestrich geschrieben werden, oder durch eine Präposition verbunden sind:

Kompositum: N + N: bocallave (dt. Schlüsselloch)

Kompositum: N – N: coche-cama (dt. Schlafwagen)

Syntagmatisches Kompositum: N + Präp. + N: lucha de clases (dt. Klassenkampf)[3]

Eine Verbindung von Verb und Nomen und Adjektiv und Nomen ist jedoch genauso möglich:

Kompositum: V + N: matasellos (dt. Poststempel)

Syntagmatisches Kompositum: N + A: cubalibre (dt. Cubalibre, Getränk)

Syntagmatisches Kompositum: A + N: altavoz (dt. Lautsprecher)[4]

2.1.1.2 Adjektive

Die meisten Adjektivkomposita folgen dem Schema Adjektiv mit Adjektiv, aber auch Kombinationen aus Nomen und Adjektiv sowie Adverb und Adjektiv existieren:

Syntagmatische Kompositum: A + A: clarividente (dt. hellseherisch)

Syntagmatische Kompositum: N + A: boquiabierto (dt. verblüfft)

Syntagmatisches Kompositum: Adv. + A: malpensado (dt. argwöhnisch)[5]

2.1.1.3 Verben

Verben neigen im Allgemeinen nicht so sehr zur Komposition, dennoch gibt es eine kleine Anzahl typischer Bildungen:

Kompositum: Adv. + V: maltratar (dt. schlecht behandeln)

Komposium: N + (i) + V: manuscribir (dt. handschriftlich anfertigen)[6]

2.1.2 Aktueller Stand der Forschung

Um einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zu bekommen, sollen die Ansätze und Theorien von Lehmann/ Martin, Schpak-Dolt, Thiele, Rainer, Gauger, bzw. Catagena/ Gauger und Gévaudan berücksichtigt werden. Das ebenso grundlegende Werk von Coseriu, das eine ganz eigenständige Theorie aufweist, kann aufgrund seiner Ausführlichkeit im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht besprochen werden.

2.1.3 Komposita und Syntagmen unter morphologischen Gesichtspunkten

In diesem Kapitel soll es darum gehen, Wortkombinationen in ihrer Form und Struktur zu beschreiben. Im Deutschen ist es relativ einfach, Komposita zu identifizieren, da wir sie in den meisten Fällen zusammenschreiben. Syntagmen sind hingegen segmentiert. Doch wie sieht dieser Fall im Spanischen und im Französischen aus? Es gibt einige Theorien, die uns die Zuordnung erleichtern. Mit ihrer Hilfe sollte es möglich sein, chaise longue, chaise confortable und das deutsche Liegestuhl in die jeweilige Kategorie einzuordnen. Nach einem kurzen Überblick über Theorien einiger Lexikologen, soll versucht werden, diese zuzuordnen.

2.1.4 Ansätze unterschiedlicher Lexikologen

Lehmann/ Martin gehen davon aus, dass das Kompositum eine Gruppe von Wörtern ist, die sich durch ihre Wortklasse (ihre Stellung im Satz) und die Kategorie seiner Bestandteile und ihrer funktionalen Beziehung (der internen Syntax) definiert. Sie unterscheiden zwischen Kompositum, starrem und freien Syntagma. Dabei benutzen sie folgende drei Kriterien: das referentielle, das semantische und das syntaktische.

Unter dem letzten, dem syntaktischen Kriterium versteht man die Tatsache, dass man bei Komposita und starren Syntagmen nicht einfach ein Wort substituieren oder hinzufügen kann. So ist prendre la mouche (einschnappen) nicht dasselbe wie prendre une mouche. Ebenso ist es nicht möglich, ein Wort (z.B.: énorme) in pomme de terre einzufügen: *une pomme énorme de terre.[7]

Thiele spricht von komplexen Zeichen und wie POTTIER von lexies simples. Letztere sind einmorphemische Bildungen wie beispielsweise maison. Komplexe Zeichen hingegen beinhalten sowohl Syntagmen, als auch Komposita; wie wir später noch sehen werden unterscheidet er also nicht so strikt zwischen diesen beiden Phänomenen.

SCHPAK-DOLT präsentiert uns eine sehr morphologisch orientierte Definition. “Ein grammatisches Wort ist ein Kompositum, wenn es so zerlegt werden kann, dass jede unmittelbare Konstituente des Stammes eine Wurzel enthält.“[8] Das spanische Wort sacacorchos, das soviel wie Korkenzieher bedeutet, hat zwei unmittelbare Konstituenten, nämlich sacar und corcho, deren Wurzel sac- und corch- sind.

[...]


[1] Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart 1990, S. 400f.

[2] Bußmann 1990, S.765.

[3] vgl. Nikolaus Schpak-Dolt: Einführung in die Morphologie des Spanischen. Tübingen 1999, S. 123ff.

[4] vgl. Schpak-Dolt 1999, S. 124ff.

[5] vgl. ebed., S. 127f.

[6] Franz Rainer: Spanische Wortbildungslehre. Tübingen 1993, S. 290.

[7] Alise Lehmann/ Françoise Martin-Berthet: Introduction à la lexicologie: sémantique et morphologie. Paris 1998, S. 174.

[8] Schpak-Dold 1999, S. 70.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Komposita und Syntagmen - eine Darstellung unterschiedlicher Ansätze unter morphologieschen und semantischen Gesichtspunkten
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Romanisches Seminar/ Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
PS II: Französische und spanische Lexikologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
27
Katalognummer
V8868
ISBN (eBook)
9783638157261
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Komposita, Syntagmen, Morphologie, Semantik, spanisch
Arbeit zitieren
Juliane Grimm (Autor), 2002, Komposita und Syntagmen - eine Darstellung unterschiedlicher Ansätze unter morphologieschen und semantischen Gesichtspunkten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8868

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