Zu 'Bearing Witness or the Vicissitudes of Listening' - Geschichte. Erzählen. Filmen. Zeugenschaft vor der Kamera


Essay, 2005

4 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Essay zu

„Bearing Witness or the Vicissitudes of Listening“

Dori Laub[1] beschreibt und untersucht eine besondere Form der Zeugenaussage: Die Berichterstattung über ein traumatisches Erlebnis und die Entdeckung der Divergenz des subjektiv Erlebten zum historischen Faktum. Laub sieht in der persönlichen Aufarbeitung dieses Traumas den Wert der subjektiven Zeugenschaft und entwickelt daraus ein Konzept. Inwiefern dieses funktioniert und wie es mit den Arbeitsweisen des Dokumentarfilms korrespondiert, gilt es zu untersuchen.

„The emergence of the narrative (…) is (…) the process and the place wherein the cognizance, the “knowing” of the event is given birth to.”[2] Laub begreift die Erfahrung einschneidender historischer Ereignisse als Trauma des Bezeugenden. Das zu Erzählende existiert in einer Art Vakuum, es wurde verdrängt und ist kein aktiver Teil der bewussten Erinnerung mehr. Das historische Ereignis wird erst im Rahmen der Zeugenaussage wieder zu einer Tatsache und nimmt Gestalt an. Diese Initiation wiederum hat mitunter andere Inhalte als die historischen Fakten und könnte als unbrauchbare Information gewertet werden. Laub selbst beschreibt die Aussage einer Zeitzeugin des Aufstandes im Konzentrationslager Auschwitz und verdeutlicht an diesem Beispiel die relative Subjektivität eines kollektiven traumatischen Erlebnisses.

Woran sich die Befragte erinnert, so Laub, ist nicht zwangsläufig der inhaltlich „korrekte“ Verlauf des historischen Moments und deshalb würde aus historisch wissenschaftlicher Sicht diese Zeugenaussage unbrauchbar. Laub jedoch entdeckt eine wichtige Funktion der persönlichen Aufarbeitung des Traumas durch die Erinnerung. „The woman was testifying (…) [to] the reality of an unimaginable occurance“[3], dass etwas geschieht ist viel bedeutungsvoller für die Wichtigkeit der Aussage, als ihre Kongruenz zur historischen Wahrheit. Demnach besteht der Wert dieser Zeugenaussage in der Tatsache, dass sie tatsächlich stattfindet. Aus der Sicht des Psychoanalytikers Laub wird das Moment der Entdeckung des Wissens und der Verlauf der bezeugenden Erinnerung zur entscheidenden Erfahrung. Der faktisch richtige Inhalt hingegen spielt für die Bedeutung der Zeugenschaft keine Rolle.

Laubs Konzept dieser Art von psychoanalytischer Zeugenbefragung entsteht somit vor der Tatsache, dass die Zeugin nicht um ihre Erinnerung weiß und ihre traumatische Erfahrung gänzlich unbewusst und verborgen ist. Es herrscht Stille um das Ereignis und diese Stille ist ein wichtiger Teil der Zeugenschaft. Erst der Kontakt mit jemandem, in diesem Fall mit Laub, eröffnet das Zeugnis. Laub beschreibt seine Rolle als die, eines Zuhörers, weniger eines Interviewers, und betont die Notwendigkeit zur Zurückhaltung. Historisches Vorwissen darf nicht als Schablone für die Zeugenschaft angelegt werden. „Yet knowledge should not (…) obstruct the listening with the foregone conclusions and preconceived dismissals, should not be an obstacle or a foreclosure to new, diverging, unexpected information.”[4].

[...]


[1] Testimony, Shoshana Felman & Dori Laub, Routledge 1992: Die Kapitel: „A Record That Has Yet to Be Made“ und „Testimony and Historical Truth“

[2] Dori Laub, Ebd. S. 57

[3] Ders., Ebd. S. 60

[4] Ders., Ebd., S. 61

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Zu 'Bearing Witness or the Vicissitudes of Listening' - Geschichte. Erzählen. Filmen. Zeugenschaft vor der Kamera
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,7
Jahr
2005
Seiten
4
Katalognummer
V88993
ISBN (eBook)
9783638034982
Dateigröße
349 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bearing, Witness, Vicissitudes, Listening, Geschichte, Erzählen, Filmen, Zeugenschaft, Kamera
Arbeit zitieren
Anonym, 2005, Zu 'Bearing Witness or the Vicissitudes of Listening' - Geschichte. Erzählen. Filmen. Zeugenschaft vor der Kamera, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88993

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