Politische Strömungen in Spanien bis zu den frühen 1930er Jahren


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

19 Seiten, Note: 1,7

Marie Wolf (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Spanien im 19. Jahrhundert
2.1.Die Vorgeschichte der politischen Strömungen
2.2.Die Anarchisten
2.3.Die Kommunisten
2.4.Die Sozialisten
2.5.Die Republikaner
2.6.Die politische „Rechte“

3. Die Anfänge der Zweite Republik
3.1.Die Geschichte der Parteien in den ersten Jahren der Zweiten Republik
3.2.Die Anarchisten
3.3.Die Kommunisten
3.4.Die Sozialisten
3.5.Die Republikaner
3.6.Die politische „Rechte“

4. Resümee: Gab es Möglichkeiten den Bürgerkrieg zu verhindern?

5. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Diese Hausarbeit thematisiert die geschichtliche Entwicklung der soziopolitischen Strömungen in Spanien bis in die frühen 1930er Jahre. Der Schwerpunkt liegt auf den verschiedenen Parteien und Bewegungen, welche die frühe Geschichte der Zweiten Republik maßgeblich beeinflusst haben Während der Zeit der Zweiten Republik spaltet sich die Parteienlandschaft, so dass auf der einen Seite die politische Rechte steht, die von den Großgrundbesitzern, der Kirche, dem Militär und den Monarchisten unterstützt wird und auf den anderen Seite die politische Linke, unterstützt von der Arbeiterklasse, den Bauern und der bürgerlichen Schicht. Der daraus resultierende Ausbruch des Krieges ist aber kein plötzliches Ereignis, sondern hat einen langen geschichtlichen Vorlauf. „Die Auseinandersetzungen drehen sich um Prinzipien, die seit den Revolutionen von 1789 und 1848 immer wieder zur Diskussion gestanden haben: Freiheit des Individuums, Gleichheit vor dem Gesetz, Funktion der Mittelschichten und der Arbeiterklasse bei der Gestaltung der Politik, Verhältnis Staat- Kirche, Beziehungen zwischen ziviler und militärischer Gewalt, die Frage des Eigentumsrechts an Produktionsmittel, die Rechte der Frau und der nationalen Minderheiten, der Widerstand gegen ausländische Eingriffe.“1

Anhand der geschichtlichen Entwicklung der verschiedenen politischen Strömungen wie des Anarchismus, Kommunismus, Sozialismus, Republikanismus und der politischen Rechten möchte ich die Zuspitzung des Konfliktes darstellen. Abschließend möchte ich einige theoretische Überlegungen anstellen, ob es im geschichtlichen Verlauf Möglichkeiten gegeben hätte, die politischen Differenzen zu überwinden. Ergo: (wann) hätte die Option bestanden, einen Bürgerkrieg zu verhindern?

2. Spanien im 19. Jahrhundert

Die politischen Konflikte, welche im Spanischen Bürgerkrieg münden, haben ihren Ursprung bereits im ausklingenden 18. Jahrhundert. Die neuen, revolutionären Gedanken der französischen Revolution finden Anklang bei den spanischen Intelektuellen. „Die Stellung zur Revolution spaltet die intellektuellen Spanier in jene zwei Gruppierungen, die sich während des 19. und 20. Jahrhunderts unter wechselnden Bezeichnungen erbarmungslos bekämpfen sollten.“2 Der Dichter Antonio Machado fasst dies in die folgenden Verse: Espa ñ olito que vienes al mundo, te guarde Dios. Una de las dos Espa ñ as ha de helarte el corazón. 3

Die Bezeichnung der „dos Españas“, der „zwei Spanien“, wird auch in der Fachliteratur immer wieder gebraucht um die Gegensätze im Volk literarisch zu veranschaulichen. Vereinfacht gesagt sind diese „zwei Spanien“ einerseits das „alte“, konservative Ideal des Aufgeklärten Absolutismus und andererseits das „neue“, revolutionäre Gedankengut. Den Boden für den schwelenden Konflikt bilden gravierende wirtschaftliche und soziale Probleme innerhalb des Landes. Außenpolitisch wird Spanien nach dem Verlust seiner Flotte im Krieg gegen England im Jahr 1805 zum Spielball von England und Frankreich. Die Staatsschulden wachsen rapide an. Das spanische Könighaus der Bourbonen versucht durch die Enteignung der Kirche das Land finanziell zu stärken. Die Maßnahmen haben aber keinen weitreichenden Erfolg. Hofintrigen und Verhandlungen mit Napoleon führen dazu, dass die Bourbonenherrschaft ein Ende findet und Naoleons Bruder, Joseph Bonaparte, auf den Thron gelangt.

Damit beginnt das Zeitalter der Spanischen Unabhängigkeitskriege. Das Militär entwickelt sich zu einer entscheidenden politischen Macht und es enstehen die ersten politischen, parteiähnlichen Bewegungen.4

2.1.Die Vorgeschichte der politischen Strömungen

Am Anfang der Entwicklung von politischen, parteiähnlichen Bewegungen, stehen verschiedene Versuche seitens der Konservativen und Liberalen, das Parlament und die Verfassung in Spanien nach ihren Plänen zu gestalten.

Unter dem Schutz englischer Herrschaft berufen die noch unbesetzen hispanoamerikanische Provinzen 1812 in Cádiz eine Versammlung ein. Deren Produkt, eine Verfassung nach französischem Vorbild, bleibt auch im 19. Jahrhundert ständiger Bezugspunkt für die liberale Bewegung in Spanien.

Als Ferdinand VII im Jahr 1814 aus französischer Gefangenschaft nach Spanien zurückkehrt, erklärt er die Gesetzgebung in Cádiz für ungültig und regiert wieder als absoluter Herrscher. Konservative Stimmen innerhalb des Spanischen Parlaments stützen ihn bei diesem Vorhaben. Der Graben zwischen Konservativen und Liberalen wird damit zusehends tiefer.

Die Liberalen spalten sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Gruppen. Zu einem ersten Bruch kommt es in den 1820er Jahren über die Verfassung von Cádiz. Aus den Liberalen werden Progressisten und Moderados, die jeweils mit der Unterstützung des Königshauses oder des Volkes versuchen ihre politischen Absichten durchzusetzen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts sind die Liberalen gespalten in Radikale, Progressisten, Moderados, Demokraten und Republikaner, die sich unter der Herrschaft Königin Isabellas ein machtvolles Wechselspiel liefern. Hinzu kommen die guerilla-artigen Carlistenkriege, ein Ausdruck der konservativen Strömung dieser Zeit, welche die Moderne und den Liberalismus bekämpft.

In der Revolution von 1868 wird die Königin gestürzt und die provisorische Regierung unter General Francisco Serrano, Duque de la Torre, lässt im Januar 1869 Wahlen nach dem allgemeinen, gleichen und direkten Männerwahlrecht durchführen. Fast 70% der Wahlberechtigten beteiligen sich. Das Wahlrecht und die nachfolgende Verfassung sind ein vorläufiger Höhepunkt in der spanischen Geschichte auf dem Weg zur Demokratie, denn bereits 10 Jahre später wird unter Antonio Cánovas del Castillo eine Restauration eingeleitet. Cánovas wird eine „politische Verfassung wiederherstellen, die auf der Zusammenarbeit von König und ständischer Vertretung, von Erbmonarchie und beschränkter Repräsentation beruh[t]“.5

Durch die Wiedereinführung des Zensuswahlrecht wird die Stellung von Großgrundbesitzern und Machthabenden abgesichert. Die „unteren“ sozialen Schichten, wie Bauern und Arbeiterklasse, werden damit politisch quasi entmündigt.

Die zwei wichtigsten Parteien der Ära Cánovas sind die Liberale Partei (Partido Liberal Fusionista) unter Führung Práxedes Mateo Sagasta und die Konservative Partei (Partido Liberal Conservador) unter Führung Cánovas. Diese Parteien sind vor allen Dingen Interessensträger des spanischen Großbürgertums und wechseln sich im Parlament mit den Mehrheiten ab. Die Verfassung Cánovas bleibt bis ins Jahr 1930 offiziell bestehen.6

2.2. Die Anarchisten

Die Anarchisten haben ihren Ursprung in der Landbevölkerung Spaniens. Sie wollen mit radikalen Aktionen eine Verbesserungen ihrer sozialen Verhältnisse erreichen. Der Anarchismus ist keine konkrete Bewegung, sondern sehr kontrovers und vielfältig. Das Spektrum reicht von Massenbewegungen bis hin zu Einzelkämpfern, von politisch- durchdachter Organisation bis hin zu spontanen, radikalen Gewalthandlungen. Für den Beginn der Strömung lassen sich zwei Entstehungsorte ausmachen: Zum Einen tritt der Anarchismus Anfang der 1840er und 1850er in Andalusien in Erscheinung. Die Gruppierung „Mano Negra“ aus den 1880ern wird bespielsweise zum südlichen Anarchismus gezählt. Gründe für die Entstehung werden vor allem in der ungerechten Verteilung von Grund und Boden gesehen. 0,1% der spanischen Bevölkerung besitzen 33% des zu bewirtschaftenden Landes, während - allein in Andalusien- 547585 Menschen als besitzlose Bauern arbeiten und weniger als 1 Pesete pro Tag verdienen.7 Die Grundbesitzer sind größtenteils nicht einmal auf ihren Ländereien anwesend, sondern führen in Städten wie Sevilla und Granada ein berauschendes Leben.

Zum Anderen entsteht 1868 unter Guiseppe Fanelli (einem Anhänger vom russischen Intellektuellen Michael Bakunin) im Norden Spaniens eine weitere anarchistische Bewegung. Diese Richtung ist philosophischer, organisierter und beeinflusst die Entwicklung im Süden. 1917 wird die Federación Nacional de Agicultores de España (FNAE) gegründet, deren Ziel die Umsetzung der Landreform8 ist.

Schon 1911 wird auf Grund französischen Vorbilds die Confederación Nacional del Trabajo (CNT) gegründet, die sich schnell zu einer der größten Arbeitervereinigungen Spaniens entwickelt. Unter Salvador Seguí organisiert die CNT einige Streiks um ihre Mitgliederzahl zu vergrößern, als dies aber zu keinem weitreichenden Erfolg führt, wird wieder ein moderater Kurs angestrebt.

Unter der militärischen Diktatur Miguel Primo de Riveras wird die CNT verboten. Das Verbot der CNT und die gescheiterte russische Revolution führt 1927 zur „halb geheimen“9 Gründung der Federación Anarquista Ibérica (FAI), deren Ziel es ist, die anarchistische Bewegung in Spanien effektiver zu kontrollieren.

Neben diesen anarchistischen Haupströmungen gibt es weitere, eher regional aktive anarchosyndikalistischen Gruppierungen. So zum Beispiel unter Angel Pestaña und Juan Peiró. Beide Politiker sind später auch in anderen, größeren anarchistischen Bewegungen aktiv. Juan Peiró wird zur Zeit der Zweiten Republik sogar zum Industrieminister.10

2.3.Die Kommunisten

Die PCE (Partido Comunista de España) wird im Jahr 1922 aus dem Zusammenschluss der Parteien Partido Comunista Español (PCE) und der Partido Comunista Obrero (PCO) gegründet. Die Mitglieder setzen sich aus ehemaligen Sozialisten11 und Anarchosyndikalisten zusammen. Hauptagitationsort bleibt in den ersten Jahrzehnten die Stadt Madrid.

Die PCE verfolgt einen linksextremen Kurs. Dieser beinhaltet die Ablehnung des Faschismus und damit auch der Republikaner, die von den Kommunisten als „Sozialfaschisten“ bezeichnet werden. Die Partei ist daher besonders attraktiv für Industriearbeiter und linksgerichtete Intelektuelle.

Bevor Rivera im Jahr 1923 an die Macht kommt, erhalten die Kommunisten circa 1400 Stimmen. Sie spielen, insgesamt betrachtet, im ersten Jahrzehnt nach ihrer Gründung in Spanien keine bedeutende politische Rolle.

[...]


1 Bernecker, Walter L./Pietschmann, Horst: „Geschichte Spaniens. Von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart“, 2 Auflage, Stuttgart/Berlin/Köln: Kohlhammer 1997, S. 291.

2 Bernecker, Walter L.: „Spanische Geschichte. Vom 15 Jahrhundert bis zur Gegenwart“, 3 Auflage, München: C.H. Beck oHG 2003, S. 55.

3 Kleiner Spanier, der du auf die Welt kommst: dich soll Gott behüten. Eins der beiden Spanien wird dir Einst das Herz gefrieren lassen. Siehe: http://www.trovadores.net/index.php?MH=nc.php?NM=1935 (30.01.2007)

4 Bernecker, Spanische Geschichte, 2003, S. 52-112; Borrás, José: „España 1900-1939. Las Causas de la Guerra Civil. El Engranaje que condujo al conflicto“, Madrid: Fundación Salvador Seguí Ediciones 1993, S. 5-18.

5 Bernecker, Geschichte Spaniens, 1997, S. 245.

6 Ebd., S. 205 - 249; Brenan, Gerald: „The Spanish Labyrinth. An Account of the Social and Political Background of the Spanish Civil War“, First paperback edition, London/New York: Cambridge University Press 1960, S. 1-86.

7 Kern, Robert W.: „Anarchists“, in: Cortada, James W.: Historical Dictonary of the Spanish Civil War, 1936-1939, Westport,Connecticut/London, England: Greenwood Press 1982, S. 19.

8 Die Landreform wird auch im weiteren Verlauf der Geschichte eine bedeutende Rolle spielen. Es gibt verschienden Modelle zur sozial gerechten Umverteilung von Land zugunsten der Landarbeiter.

9 Bernecker, Geschichte Spaniens, 1997, S. 296.

10 Kern, „Anarchists“, in: Cortada, Historical Dictonary, 1982, S. 19ff.; Brenan, The Spanish Labyrinth, 1960, S. 132-202.

11 Hier zu nennen wären der Sozialistische Jugendbund (Federación de Juventudes Socialistas) unter Führung von R. Merino García und Kominternanhänger aus der Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Politische Strömungen in Spanien bis zu den frühen 1930er Jahren
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V89280
ISBN (eBook)
9783638026383
ISBN (Buch)
9783640777549
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politische, Strömungen, Spanien, Jahren
Arbeit zitieren
Marie Wolf (Autor), 2006, Politische Strömungen in Spanien bis zu den frühen 1930er Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89280

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Politische Strömungen in Spanien bis zu den frühen 1930er Jahren



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden