Im Spannungsfeld zwischen Roman und Novelle

Fontanes 'Stine'


Seminararbeit, 2006

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gattungen
2.1 Die Novelle
2.2 Der Roman
2.3 Gattungsbegriffe bei Fontane

3. Fontanes Stine
3.1 Die Handlung
3.2 Der Aufbau von Stine
3.3 Figuren
3.4 Novellistische Züge

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Theodor Fontane war einer der größten deutschen Schriftsteller des Realismus. Er schrieb zwar hauptsächlich Romane, aber diese enthalten oft novellistische Züge. Daraus ergibt sich das Problem, dass nicht immer eine eindeutige Gattungszuordnung erfolgen kann. Einer dieser Romane ist Stine, der aufgrund des geringen Umfangs bei seiner Erstveröffentlichung als Novelle publiziert wurde.[1] In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, warum Stine ein Roman ist und welche novellistischen Züge er beinhaltet.[2] Im ersten Punkt wird erläutert was unter den Gattungen Roman und Novelle verstanden wird. Die Gattung Novelle bezieht sich auf die klassische Form der Novelle, die vor allem im 19. Jahrhundert vertreten war. Es wird ebenfalls auf das Gattungsverständnis von Fontane eingegangen. Im zweiten Teil wird anhand von Handlung, Aufbau und Figuren verdeutlich, warum Stine ein Roman ist. Danach werden die novellistischen Züge dargestellt, die in Stine zu finden sind. Es werden vor allem das Fontane-Handbuch von Christian Grawe[3] und das Buch Novelle von Hugo Aust[4] miteinbezogen.

2. Gattungen

Die Epoche des Realismus kann in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts eingeordnet werden. Sie rückt vor allem die Gattungen des Romans, besonders den Gesellschaftsroman, und der Novelle in den Mittelpunkt. Es gab zwar schon vorher und auch später wieder Interesse an diesen Formen, aber insbesondere die Novelle erreicht zu dieser Zeit ihren Höhepunkt.

2.1 Die Novelle

Unter Novelle versteht man eine Form der Prosa mittlerer Länge. Sie erlangte Ende des 18. Jahrhunderts und vor allem im 19. Jahrhundert große Beliebtheit. Die Bezeichnung Novelle geht auf Boccaccios Decamerone aus dem 14. Jh. zurück. Novelle leitet sich aus dem italienischen Wort novela ab, das mit kleine Neuigkeit übersetzt werden kann.[5]

Es ist schwierig zu definieren, was eine Novelle ausmacht. Ein Grund dafür liegt in dem geschichtlichen Wandel, der die Vorstellung der Novelle immer wieder verändert hat. Die Merkmale, die einer Novelle zugeordnet werden, kommen nicht notwendigerweise in jeder vor. Allerdings gibt es dennoch einige gängige Eigenschaften, die man der Gattung zuordnen kann. Ein wichtiger Aspekt für die Novelle ist die Begebenheit. Der Begriff geht auf Goethe zurück, der sie als „eine sich ereignete unerhörte Begebenheit“[6] bezeichnete. Unerhört meint, dass die Novelle etwas erzählt, das für die Leser neu ist oder auch, dass sie von etwas Ungewöhnlichem berichtet wie zum Beispiel einem Normbruch in der Gesellschaft. Sie hat außerdem Anspruch auf Wahrheit. Aust schreibt, dass zum Beispiel schon bei der Figurenbenennung die Tatsächlichkeit der Begebenheit ausgedrückt werden kann. Ebenso wird die Darstellung der Welt oft so angelegt, dass das Gefühl von Wirklichkeit vermittelt wird.[7] Das kann durch Ortsbezeichnungen passieren oder detaillierte Beschreibungen einer Umgebung. Es werden auch Zusätze wie wahre Begebenheit als Untertitel verwendet. Im Geschehen gibt es einen entscheidenden Wendepunkt. Das bedeutet, dass die Handlung von einem Punkt an in eine andere Richtung führt.

In der Novelle steht die Handlung im Vordergrund. Die Figuren bleiben blass und werden nicht charakterisiert. Es geht den Autoren hauptsächlich um die Darstellung des Geschehens, wodurch die Novelle oberflächlich bleibt. Details und Umgebungsbeschreibungen haben ebenfalls keine große Bedeutung.

Ein Begriff, der immer wieder im Zusammenhang mit der Novelle auftaucht, ist der des Falken. Er wurde von Paul Heyse in die Novellendiskussion mit eingebracht und geht auf die Falkennovelle Boccacios zurück.[8] Damit wird das, was besonders und einzigartig an der Novelle ist, bezeichnet.

2.2 Der Roman

Der Roman ist eine der bekanntesten Formen in der Literatur. Er kann in vielen verschieden Arten auftauchen, zum Beispiel als Gesellschaftsroman oder Briefroman. Eine Definition beschreibt ihn als „fiktionales Erzählwerk von größerem Umfang und in Prosa geschrieben“[9]. Eine genaue Abgrenzung des Romans zu anderen Gattungen ist schwer, da er sich anderen Textformen bedienen kann.[10] So sind zum Beispiel Elemente aus dem Drama in Romanen vertreten. Weitere Differenzierungen können allerdings nach seinen verschiedenen Unterarten erfolgen. Kennzeichnend für den Roman ist seine Universalität und Totalität.

Die Figuren im Roman haben im Gegensatz zur Novelle mehr Tiefe, das heißt der Leser erfährt etwas über die Charaktereigenschaften und das Gefühlsleben der dargestellten Personen. Die Handlung ist „um der ‚Charaktere’ willen da“[11], kann aber trotzdem mehreren Handlungssträngen folgen. Der Roman kann dadurch so komplex werden, dass man seinen Inhalt nicht in wenigen Worten wiedergeben kann, wie es bei der Novelle der Fall ist.

[...]


[1] Grawe, Christian: Fontane-Handbuch. Stuttgart: Kröner, 2000. S. 471.

[2] Fontane, Theodor: Stine. Stuttgart: Reclam, 2003.

[3] Grawe, Christian: Fontane-Handbuch, 2000.

[4] Aust, Hugo: Novelle. 4. Auflage. Stuttgart: Metzler, 2006.

[5] Meid, Volker (Hrsg.): Sachlexikon Literatur. München: Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv), 2000. S. 654.

[6] Eckermann, Johann Peter: Gespräche mit Goethe. In den letzten Jahren seines Lebens. In: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke. Eibl, Karl (Hrsg.). Band 12. Frankfurt a.M.: Deutscher Klassiker Verlag 1999. S.221

[7] Aust, Hugo: Novelle, 2006. S. 11f.

[8] Rath, Wolfgang: Die Novelle. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht. 2004. S. 245.

[9] Meid, Volker (Hrsg.): Sachlexikon Literatur. 2000. S 763

[10] Lexikon-Institut Bertelsmann (Hrsg.): Bertelsmann Lexikon Band 12. Gütersloh: Bertelsmann Lexikothek Verlag Gmbh,1990. S. 252.

[11] Meid, Volker (Hrsg.): Sachlexikon Literatur: 2000. S. 765.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Im Spannungsfeld zwischen Roman und Novelle
Untertitel
Fontanes 'Stine'
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Novelle und Novellentheorie
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V90337
ISBN (eBook)
9783638054157
ISBN (Buch)
9783638946254
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spannungsfeld, Roman, Novelle, Novellentheorie, Fontane, Stine, Realismus
Arbeit zitieren
Carolin Wiechert (Autor), 2006, Im Spannungsfeld zwischen Roman und Novelle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90337

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