Möglichkeiten und Grenzen der Rolle der Medien für die Demokratisierung Chinas


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
17 Seiten, Note: 1,2

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Entwicklung der Rolle der Medien
2.1. Medien in Zeichen des Maoismus
2.2. Presse im China der „Modernisierung“ und „Öffnung“

3. Die Medien – der Motor des Demokratisierungsprozesses?
3.1. Medienkontrolle in der VR China
3.2. Demokratie durch Technologie?
3.3. Beispiele für Rolle der Medien
3.4. Die Rolle der konventionellen Medien

4. Die Grenzen und Möglichkeiten der Medien in dem Prozess der Demokratisierung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Don’t think that a little spiritual pollution doesn’t matter much, that it’s nothing to be alarmed at. Some of its ill effects may not to be immediately apparent. But unless we take it seriously and adopt firm measures right now to prevent its spread, many people will fall prey to it and be led astray, with grave consequences. In the long run, this question will determine what kind of people will succeed us to carry on the cause and what the future of the Party and state will be.

Deng Xiaoping, October 1983[1]

Das, was Deng Xiaoping vor über 20 Jahren gesagt hat, gilt auch noch heute in der Volksrepublik China. China ist immer noch ein autoritärer Staat[2], der massive Kontrolle über alle Medien und den gesamten Informationsfluss an seine Bevölkerung ausübt. In allen westlichen Medien wird immer wieder über Menschenrechtsverletzungen[3] und Manipulation des Informationsflusses der chinesischen Regierung berichtet[4]. Es entsteht aber gleichzeitig der Eindruck, dass führende Politiker sich gar nicht oder nur sehr zurückhaltend[5] über die Menschenrechtssituation äußern, gerade um die Beziehungen zu China nicht zu gefährden und damit wirtschaftliche Nachteile auf sich zu ziehen. Oder ist China nicht mehr DER Propaganda-Staat, wie wir ihn uns vorstellen? Kann es überhaupt eine Demokratisierung mithilfe der Medien in einem undemokratischen Staat geben und inwiefern hat die Bevölkerung ein Interesse daran? Ist der chinesische Bürger nicht viel mehr an den kommerziellen und unterhaltenden Faktoren insbesondere der Massenmedien interessiert?

Was versteht man unter Demokratie? „Demokratie ist nicht einfach zu definieren: Von der Antike bis zur Gegenwart unterliegt sie Deutungskontroversen, und die weltweit derzeit 120 Staaten, die sich als Demokratie bezeichnen, weisen in ihrer politischen Ordnung beträchtliche Unterschiede auf.“[6] Nach dem Wortursprung bedeutet Demokratie „Volksherrschaft“[7] und die wesentlichen Elemente, die eine Demokratie kennzeichnen sind: Gewaltenteilung, freie und geheime Wahlen mit dem Mehrheitsprinzip und die Möglichkeit, durch die Verfassung gegebene Rechte einzuklagen. Desweiteren zählt zu unserem westlichen? Verständnis von Demokratie auch das Recht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit. Inwieweit diese Grundsätze der Demokratie in allen Staaten, die sich als demokratisch bezeichnen, durchgehend gewährt sind bleibt fraglich.

China erfüllt durch sein Ein-Parteien-System keine dieser wesentlichen Merkmale einer Demokratie. Welche Rollen spielten und spielen die Medien - in China – bei einer möglichen Demokratischen Entwicklung?

Diese Arbeit soll sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Medien in der Demokratisierung Chinas beschäftigen. Zunächst wird eine kurze Retrospektive auf die Entwicklung und Rolle der Medien gegeben. Dies soll vor allen Dingen dazu dienen, die heutige Rolle der Medien besser zu verstehen und die Entwicklung bewerten zu können. Das zentrale Thema wird die heutige Situation darstellen.

Im nächsten Abschnitt – im Hauptteil dieser Arbeit – wird auf die einzelnen Akteure näher eingegangen werden. Dazu wird die Rolle des Staates und des Parteiorgans der Volksrepublik Chinas beleuchtet. Hier soll eine mögliche starke Einflussnahme in der Berichterstattung näher untersucht werden und die Intention der (möglicherweise) verfälschten Berichterstattung herausgearbeitet werden.

Weiterhin soll die Rolle der Medien – als zweiter großer Akteur - behandelt und die große Bedeutung des Internets hervorgehoben werden. Hierfür wird auf einige Beispiele von Berichterstattung eingegangen, um die Möglichkeiten der Medien herauszuarbeiten.

Der letzte Teil dieser Arbeit wird mit einem Resümee abschließen und noch einmal eindeutig an den gesammelten Informationen die Möglichkeiten und Grenzen der Rolle der Medien in der Demokratisierung Chinas aufzeigen. Es sollen ein Fazit und Ansätze für eine fortschreitende positive Entwicklung der Medien gegeben werden und Thesen, die am Anfang dieser Arbeit aufgestellt wurden, sollen erneut aufgegriffen und bewertet werden.

2. Historische Entwicklung der Rolle der Medien

2.1 Medien in Zeichen des Maoismus

Zum Beginn der Volksrepublik China unter der Führung von Maos war das Pressewesen durch sozialistische Propaganda geprägt. Das wichtigste Medium war die Zeitung, und sie diente insbesondere zur Indoktrinierung der Kommunistischen Ideen.

Wenn man die Auflagestärke von ca. 800.000 Millionen Exemplare[8] im Jahr 1950[9] in Relation zu der wirtschaftlichen und auch sozialen Situation der Menschen betrachtet, stellt man eine enorme Verbreitung fest. So wurden auch in den Zeitungen als erstes die im Zuge der Alphabetisierungskampagne eingeführten vereinfachten Schriftzeichen[10] abgedruckt.

Unter der Führung Maos wurden alle Zeitungen auf „Parteilinie“ gebracht, so kann man ab Mitte der fünfziger Jahre von einer „einheitlich ausgerichteten Presse“[11] sprechen. Kritik an dem sozialistischen System gab es überhaupt nicht.

Erst während der „Hundert-Blumen-Bewegung“[12] konnten Redakteure auch kritische Berichte abdrucken. So wurde während dieser Zeit nicht nur das politische System an sich kritisiert, sondern viele Journalisten kritisierten auch die systemtreue Haltung der Zeitungen. An dieser Diskussion beteiligten sich u.a. auch Mao-treue Zeitungsredakteure[13]. Nachdem schnellen Ende der „Hundert-Blumen-Reform“ und der damit verbunden Verhaftungen und Disziplinierungen(„Anti-Rechts-Kampagne“[14] ) wurden die Zeitungen wieder zu ihrem ursprünglichen Zweck, der Indoktrinierung verwendet.

Das prägendste Ereignis der Zeit vor der wirtschaftlichen Öffnung Chinas war die Kulturrevolution. Während dieser wurde diverse Zeitungen als „antisozialistisch“[15] gebrandmarkt und von Mao-Anhängern übernommen. Durch die Schließung vieler Redaktionen gingen die Auflagen der chinesischen Zeitungen drastisch zurück. Es kam zu einer erneuten politischen Anpassung der Medienstruktur und eine Vielzahl von Journalisten wurde ausgetauscht.

[...]


[1] Lynch 1999, 5

[2] Nach Britannica Online http://www.britannica.com/eb/article-258952/China Zugriff: 28.05.2007.

[3] Deutsche Welle „Bundestag verurteilt chinesische Arbeitslager“ 11.05.2007; http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2510514,00.html Zugriff: 28.05.2007.

[4] FAZ "Nur ein Missverständnis?" 14.09.2007; http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E995FEC28C3A04E139DD1F94350559EEC~ATpl~Ecommon~Scontent.html Zugriff: 28.05.2007.

[5] Welt.de „Köhler fast schon Kleinlaut“ 27.05.2007 http://debatte.welt.de/weblogs/164/chinafieber+tage+des+aufstiegs/23276/koehler+fast+schon+kleinlaut Zugriff: 28.05.2007.

[6] [6] Vorländer 2004, 4

[7] Aus Meyers Lexikon Online http://lexikon.meyers.de/meyers/Demokratie; Zugriff: 09.06.07.

[8] Zu dieser Zeit hatte China ca. 540 Millionen Einwohner; Quelle: http://www.fmprc.gov.cn/ce/cech/ger/4/t179528.htm Zugriff: 30.05.07.

[9] Klaschka 1991; Seite 28.

[10] „Chinesische Sprache“ http://www.uni-ulm.de/uni/fak/zawiw/ileu/index.php?China04_Sprache.de Zugriff: 30.05.07.

[11] Klaschka 1991

[12] Die „Hundert-Blumen-Bewegung“ bezieht sich auf eine Rede von Mao im Jahre 1956 in dem er sich an die Intelektuellen des Landes wandte und sagte: „Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern“.

[13] Klatschka 1991, 30

[14] Oft wird im Zuge der „Hundert-Blumen-Bewegung“ Mao eine von vornherein geplante Denunzierungskampange unterstellt, die sich dann in der „Anti-Rechts-Kampagne“ ausdrückte. Offiziell wird jedoch behauptet, dass die Kritik zu sehr systemfeindlich wurde und die „Anti-Rechts-Kampagne“ sich die logische Konsequenz der „Hundert-Blumen-Bewegung“ hätte sein müssen. Vgl. “Speech Delivered by Lu Ting-yi, Director of the Propaganda Department of the Central Committee of the Chinese Communist Party, on the Party's Policy on Art, Literature, and Science, May 26, 1956 http://www.fordham.edu/halsall/mod/1956-china-flowers.html Zugriff: 30.05.07.

[15] Klaschka 1991

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen der Rolle der Medien für die Demokratisierung Chinas
Hochschule
Hochschule Bremen  (Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Wirtschaft und Gesellschaft Chinas
Note
1,2
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V90905
ISBN (Buch)
9783656532897
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, Grenzen, Rolle, Medien, Demokratisierung, Chinas, Wirtschaft, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Gregor Plath (Autor), 2007, Möglichkeiten und Grenzen der Rolle der Medien für die Demokratisierung Chinas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90905

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