Stadt und Reformation: ein Vergleich der Träger der Reformationsbewegung in der Reichsstadt Nürnberg und der Freien Stadt Diez


Hausarbeit, 2008

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Träger der Reformation in der Reichsstadt Nürnberg und der Freien Stadt Diez im Vergleich
2.1. Nürnberg zu Beginn des 16. Jahrhunderts: Stellung und Machtposition Nürnbergs
2.2. Beginn und Verlauf der Reformationsbewegung in Nürnberg
2.3. Konsequenzen aus der Reformation in Nürnberg
2.4. Träger der Reformation in Nürnberg
2.5. Die Reformation in Diez: Verlauf der Reformationsbewegung und ihre Konsequenzen
2.6. Träger der Reformation in Diez
2.7. Die Träger der Reformation in der Reichsstadt Nürnberg und der Freien Stadt Diez im Vergleich

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit der Reformationsbewegung in Deutschland zu Beginn des 16. Jahrhunderts, die sich 1517 am Streit über den Ablass entzündete, wurde der Grundstein für die bis in die heutige Zeit andauernde Spaltung der Christilichen Kirche in eine katholische und evangelische Konfession gelegt. Bei der Aus- und Verbreitung der neuen Lehre spielte auch die Stadt eine besondere Rolle, war sie doch je nach Stadttypus eine mehr oder weniger starke konzentrierte, abgeschlossene Gemeinschaft. Insbesondere die Reichsstadt Nürnberg rückt diesbezüglich als ein herausragendes historisches Beispiel hervor. Es wurden bereits zahlreiche Werke zu Ursache, Verlauf und Konsequenzen der Reformation in Nürnberg veröffentlicht, so daß die vorliegende Arbeit auf diese Aspekte als Ergänzung zum Gesamtkontext eingehen wird, sich jedoch einem anderen Themenschwerpunkt, nämlich einem Vergleich der Träger der Reformation in zwei sich in Einfluß, Typus, Machtstellung und Größe unterscheidenden Städten widmen wird.

Ziel dieses Vergleiches ist es, den Mitwirkungsgrad der Träger und ihre Handlungsweisen bei den unterschiedlichen Entwicklungen der Reformationsbewegungen in beiden Städten herauszuarbeiten und dann miteinander zu vergleichen. Als die beiden zu vergleichenden Beispiele werden zum einen Nürnberg und zum anderen die Freie Stadt Diez herangezogen. Mit der Wahl Diez’ zur Herausarbeitung des Vergleiches steht die Absicht eine sich charakteristisch von Nürnberg unterscheidende Stadt, die erst nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 die Reformation einführte und somit andere Grundvoraussetzungen hatte, dem Vergleich hinzuziehen. Zunächst erfolgt eine Darlegung der historischen Situation, Machtposition und Konsequenzen der Reformation in Nürnberg und in Diez sowie einer Beschreibung der Träger der Reformation in den beiden Städten. Anschließend werden die Träger der Reformation in Nürnberg und Diez miteinander verglichen, um sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten der Trägertypen und ihrer Handlungsweisen herauszuarbeiten. Nach Abschluß des Haupteils dieser Arbeit münden die Ergebnisse des Vergleiches in einem zusammenfassenden Fazit.

2.pDie Träger der Reformation in der Reichsstadt Nürnberg und der Freien Stadt Diez im Vergleich

Der folgende Abschnitt wird sich mit der Erläuterung und Handlungsweisen der Träger der Reformation einerseits in der Reichsstadt Nürnberg und andererseits in der Freien Stadt Diez beschäftigen und somit die Grundlage für den im darauf folgenden Vergleich zwischen diesen Trägern darstellen. Zur Vervollständigung des Gesamtkontextes wird diesem Abschnitt eine Darstellung des Verlaufs und der Konsequenzen der Reformation in beiden Städten unter Einbeziehung ihrer wirtschaftlichen und politischen Ausgangssituation zu Beginn des 16. Jahrhunderts.

2.1. Nürnberg zu Beginn des 16. Jahrhunderts: Stellung und Machtposition Nürnbergs

Nürnberg war im 14. und 15. Jahrhundert im wirtschaftlichen und politischen Aufstieg begriffen. Dieser Aufstieg führte zunehmend zu Auseinandersetzungen mit den konkurrierenden Burggrafen, die 1363 die Gleichsstellung mit den Reichsfürsten erreicht hatten und sich daher in ihrer Machtposition gefährdet sahen. Nürnberg wollte daher sein Herrschaftsgebiet ausweiten um bei dem Konflikt mit den Burggrafen eine stärkere Machtgrundlage zu haben, was sie im bayerischen Erbfolgekrieg von 1506 erreichte, als Nürnberg mit der Besetzung mehrerer Ämter im Hochgericht zur Reichsstadt mit dem größten Territorium aufstieg.[1] Als Reichsstadt war Nürnberg, wie auch andere Reichsstädte, dem Kaiser direkt unterstellt und damit auch gegenüber anderen Städten priviligiert. Bereits im 14. Jahrhundert überholte Nürnberg alle oberdeutschen Städte an Kapitalkraft, die dank des gewinnbringenden Tuchhandels und des Verlagssystems zunahm.[2] Zudem wuchs der Reichtum Nürnbergs durch den starken Handel mit Flandern und Italien, was eine rapide Vermögenszunahme begünstigte.[3] Bereits um 1500 verfügten 60% der Stadtbewohner über das Bürgerrecht[4] und das Selbstbewusstsein der Bürger nahm zu.[5]

2.2. Beginn und Verlauf der Reformationsbewegung in Nürnberg

Die Reformation in Nürnberg fand ihren Anfang nicht in einer breiten Bewegung der Bürger, sondern ging von einer kleinen Gruppierung aus, die sich zum größten Teil aus Vertretern des Patriziats konstituierte. Diese humanistisch geprägte Gruppierung versammelte sich regelmäßig in einem Augustinerkloster in Nürnberg, welches von ihnen, im Gegensatz zu anderen Klöstern, als Hort der Wissenschaftspflege hoch angesehen war.[6] Johann von Staupitz, der Generalvikar des Augustinerordnes für Deutschland und Unterstützer Luthers, besuchte öfters Nürnberg – so 1512 und während seines längeren Aufenthalts während der Adventszeit 1516 - und hielt in dem Augustinerkloster seine Predigten, die besonders von den Gebildeten stark frequentiert wurden.[7] Von Staupitz’ Predigten beschäftigten sich hauptsächlich mit der Neuauslegung der heiligen Schrift und übten eine nachhaltige Wirkung auf seine Zuhörer aus, die in Scharen seinen Predigten folgten. 1517 versetzte von Staupitz den Wenzeslaus Linck, der zuvor als Prior und Prediger bei den Augustinern in Wittenberg tätig war, als Prediger an das Augustinerkloster in Nürnberg. Wenzeslaus Linck war mit Martin Luther eng befreundet und Dekan an der theologischen Fakultät der Universität Wittenberg zum Zeitpunkt der Theologiepromotion Luthers.[8]

Wenzelaus Linck galt vielen als Brücke zwischen Wittenberg und Nürnberg und so nahm nach seiner Versetzung nach Nürnberg die Zahl der Predigtbesucher im Augustinerkloster, der so genannten Augustiniana, zu und auch Luthers am 31. Oktober 1517 an die Schlosskirche geheftete 95 Thesen wurden mit großem Interesse und Eifer diskutiert. Außerdem konnten zunehmend mehr Mitglieder des Rates der Reichsstadt Nürnberg gewonnen werden, die sich um die Predigten Lincks versammelten.[9] Durch Flugschriften und Traktate fand die Lehre Martin Luthers mehr Gehöhr und Zuspruch unter den Bürgern Nürnbergs.[10] Mit der Neubesetzung der wichtigsten kirchlichen Ämter 1520 und 1522 wurde dem Evangelium der Weg geebnet als der Stadtrat junge, ehemalige Schüler Luthers oder Kenner seiner Schrift zu Pfarrern und Pröpsten berief, die außerdem vom Bamberger Bischof, Georg III. Schenk von Limpurg, welcher im Vergleich zu seinem Nachfolger, Weigand von Redwitz, als humanistisch geprägt galt[11], bestätigt wurde, womit keine Verletzung des geltenden Rechts durch den Rat obgleich der Ernennung lutherische Prediger vorlag. Zu Predigern berief man Andreas Osiander, Dominikus Schleupner und später Georg Jäger an die Pfarrkrichen der Stadt, neue Pröpste wurden Hektor Pömer und Georg Beßler. Besonders Osiander zog mit seinen Predikten nicht nur das Interesse zahlreicher Nürnberger Bürger, sondern auch einen großen Teil der Fürsten und Gesandten auf sich, die sich 1522 und 1524 zu Sitzungen der Reichstage und des Reichsregimentes in Nürnberg aufhielten.[12] Auf dem vom 23. März bis 08. Mai 1522 in Nürnberg gehaltenen Reichstag forderten der Kurfürst Joachim von Brandenburg, und Herzog Georg von Sachsen ein Einschreiten gegen Martin Luther und seine Anhänger,[13] der päpstliche Nuntius forderte die Durchführung des von Kaiser Karl V. erlassenen Wormser Ediktes, welches die Weiterverbreitung und Lektüre von Luthers Schriften verbot sowie jedermann bei Ergreifung von Martin Luther seine Auslieferung an den Vatikan anordnete.[14] Besonders Herzog Georg von Sachsen war seit der Leipziger Disputation ein entschiedener Gegner Luthers.[15] Das Stadtregiment Nürnbergs lehnte die Forderungen nach Festnahme der Nürnberger Prediger jedoch ab und verwies darauf, daß diese lediglich das Wort Gottes verkündeten und somit kein Unrecht begangen hätten.[16] 1524 stieß die Reformation nur noch unter Dominikanern und Franziskanern sowie in den beiden Nonnenklöstern auf starke Ablehnung, der sich wenige Anhänger aus dem Kreis der Bürger und Patrizier aus Unmut über befürchtete Unruhen und Festhalten am Althergebrachten anschlossen. Die von den lutherischen Pröpsten zunehmend eingeforderte und dann durchgesetzte Durchdringung der Reformation in Nürnberg, die damit einer Verdrängung der katholischen Vormachtsstellung einherging, vergrößerte den Konflikt mit den katholischen Geistlichen und Anhängern des Katholizismus. So forderten beispielsweise die Pröpste 1523 die Abendmahlsfeier unter katholischer und lutherischer Gestalt abzuhalten, was der Bischof von Bamberg ablehnte. Nachdem der Bamberger Bischoff die Pröpste und Augustinerprior Osiander bannen wollte, lehnte der Nürnberger Stadtrrat unter Verweis auf zu erwartende Unruhe unter den Bürgern die Forderung ab, was einer Unterminierung der Jurisdiktion des Bischofs gleichkam. Um einer Ausweitung des Konfliktes zuvorzukommen, die Bürgschaft in ihrem Religionszwist zu einigen und nicht zuletzt den vom Kaiser im Herbst 1524 angekündigten Nationalkonzil, welcher die Klärung der Religionsfrage lösen sollte und somit diese Entscheidung dem Stadtrat abgenommen hätte, zuvorzukommen hielt der Rat im März 1525 ein Religionsgespräch im Nürnberger Rathaussaal ab.[17] Die Diskussionen zwischen lutherischen und katholischen Rednern konnte die lutherische Seite unter Führung Osianders für sich entscheiden, welcher den Rat aufforderte die kirchlichen Angelegenheiten für die Stadt zu regeln.[18] Der Rat beschloß, dass der Gottesdienst zukünftig in deutscher Sprache auf Grundlage der lutherischen Lehre abzuhalten sei und setzte diesen Beschluss sowohl in Nürnberg als auch im Landgebiet durch. 1533 manifestierte der Stadrat von Nürnberg nach Erlass der nürnbergisch-brandenburgischen Kirchenordnung die Reformation in Nürnberg.[19]

[...]


[1] Vgl. Köbler, Gerhard: Reformation der Stadt Nürnberg, in: <http://www.koeblergerhard.de/Fontes/Nuernberg-Reformation1479.htm>, letzter Zugriff: 08.03.2008.

[2] Vgl. Kaster, Karl Georg u.a. (Hrsg.): Reformation in Nürnberg - Umbruch und Bewahrung 1490 - 1580: Veranstaltet von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern und dem Germanischen Nationalmuseum anläßlich zum 18. Deutschen Evangelischen Kirchentag. Germanisches Nationalmuseum KPZ Nürnberg 1979, S. 20 und S. 22.

[3] Vgl. Köbler, Gerhard, letzter Zugriff: 08.03.2008.

[4] Vgl. Kaster, Karl Georg, S. 15.

[5] Vgl. Kaster, Karl Georg, S. 65.

[6] Vgl. Kaster, Karl Georg, S. 106.

[7] Vgl. Engelhardt, Adolf: Die Reformation in Nürnberg, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. Band 33. Schrag Nürnberg 1936, S. 25-26.

[8] Vgl. Engelhardt, Adolf, S. 27.

[9] Vgl. Kaster, Karl Geog, S. 106.

[10] Vgl. Stock, Ursula: Die Bedeutung der Sakramente in Luthers Sermonen von 1519. A Sociological Study (Studies in the History of Christian Thought), 1982, S. 64 – 66, in: <http://books.google.de/books?id=V7ZpeHxtkiMC&printsec=frontcover&dq=christoph+&hl=es& sig=jt1TEpRKNiRREk-5rzl1zU1y2Sk&source=gbs_book_other_versions_r&cad=1_2#PPA65, M1>, letzter Zugriff: 14.03.2008

[11] Leitschuh, Friedrich: Wigand von Redwitz, in: Allgemeine Deutsche Biographie. Band 42, Leipzig 1897, S. 442-443, in: <http://mdz.bib-bvb.de/digbib/lexika/adb/images/adb042/@ebt- link?target=idmatch(entityref,adb0420444>, letzter Zugriff: 26.03.2008.

[12] Vgl. Kaster, Karl Georg, S. 107.

[13] Vgl. Engelhardt, Adolf, S. 95-96.

[14] Vgl. Detlef Plöse und Günter Vogler: Buch der Reformation. Eine Auswahl zeitgenössischer Zeugnisse (1476-1555). Berlin 1989, 252-253, in: <http://www.uni-muenster.de/FNZ-Online/politstrukturen/reformation/quellen/edikt.htm>, letzter Zugriff: 09.03.2008.

[15] Vgl. Engelhardt, Adolf, S. 95.

[16] Vgl. Engelhardt, Adolf, S. 109.

[17] Vgl. Kaster, Karl Georg, S. 107-109.

[18] Vgl. Engelhardt, Adolf, S. 179.

[19] Vgl. Köbler, Gerhard, letzter Zugriff: 07.03.2008.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Stadt und Reformation: ein Vergleich der Träger der Reformationsbewegung in der Reichsstadt Nürnberg und der Freien Stadt Diez
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die Stadt in der Frühen Neuzeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V92798
ISBN (eBook)
9783638063869
ISBN (Buch)
9783638951081
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadt, Reformation, Vergleich, Träger, Reformationsbewegung, Reichsstadt, Nürnberg, Freien, Diez, Frühen, Neuzeit
Arbeit zitieren
Niclas Dominik Weimar (Autor), 2008, Stadt und Reformation: ein Vergleich der Träger der Reformationsbewegung in der Reichsstadt Nürnberg und der Freien Stadt Diez , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92798

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