Unternehmenserfolg durch ökologisches Bewusstsein - Aufgezeigt am Beispiel der Papiertragetasche


Diplomarbeit, 2007
75 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Tabellenverzeichnis

IV. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Unternehmenserfolg
2.2 Ökologie versus Ökonomie
2.3 Ökologisches Bewusstsein
2.4 Papiertragetasche

3. Entwicklung der Papiertragetasche
3.1 Entstehung des Rohstoffs Papier
3.2 Von Tüten aus Blättern zur Papiertragetasche

4. Auswirkungen von Papiertragetaschen auf die Umwelt
4.1 Rohstoffgewinnung
4.2 Rohstoffverwertung
4.3 Kreislaufsystem des Papiers
4.4 Vergleich von Papier und Kunststoff
4.5 Verpackungsverordnung

5. Die Tüte als Werbemittel
5.1 Werbeträgerkontakt
5.2 Werbemittelkontakt
5.3 Funktionskontakt
5.4 Kontaktfaktoren und Werbeeffizienz

6. Überblick der deutschen Papierindustrie
6.1 Der deutsche Papiermarkt
6.2 Entwicklung der Altpapierquote
6.3 Ausblick für die Verpackungsmärkte

7. Konvergenz von Umweltbewusstsein und Markterfolg
7.1 Der Klimawandel
7.2 Umweltbewusstsein und Markterfolg

8. Ökologische Maßnahmen für die verarbeitende Papierindustrie
8.1 Ökologisches Rohstoff-Management
8.2 Ökologische Verarbeitung
8.3 Ökologische Rohstoffverwertung
8.4 Ökologische Informationspolitik

9. Maßnahmen für den ökologischen Unternehmenserfolg
9.1 Ökologische Unternehmensentwicklung als Übergang von einer reaktiven zu einer offensiven Haltung
9.2 Ökologische Strategie
9.3 Drei-Stufen-Plan einer umweltorientierten Unternehmensführung
9.4 Öffentlichkeitsarbeit
9.5 Sustainability-Konzept
9.6 Ökobilanz
9.7 Strategien für ökologische Produkte
9.8 MIPS-Konzept
9.9 Faktor 10
9.10 Die Notwendigkeit umweltgerechten Handelns

10. Fazit

Literaturverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Beschriebenes Papyrusblatt

Abbildung 2: 125 Jahre Karstadt (Jubiläumsobjekt)

Abbildung 3: Unbedruckte Papiertragetasche

Abbildung 4: Gletscherschmelze Peru innerhalb von 7 Jahren

Abbildung 5: Veränderung des Kohlendioxidgehalts

Abbildung 6: Schäden aus externen Wettereignissen

Abbildung 7: Bio-Siegel

Abbildung 8: Fairtrade-Siegel

Abbildung 9: Relevante Positionen für Festlegung der Umweltziele

III. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Mittlere Schadstoffgehalte von Verpackungen

Tabelle 2: Tolerierbare Gehalte von Schwermetallen in Kulturböden

Tabelle 3: Berechnung verschiedener Tausend-Kontakt-Preise

IV. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die industrielle Entwicklung brachte zwar auf der einen Seite viele Vorteile mit sich, jedoch waren ihre Folgen entsprechend umwelt- und gesundheitsschädigend – insbesondere in Kombination mit dem Bevölkerungswachstum.[1] Als Folgen dieser Entwicklung lassen sich an dieser Stelle bspw. die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen, Luft- und Bodenverschmutzung, Wasserverunreinigungen, Lärm oder auch die Ansammlung von gefährlichen, nicht oder z.T. nur schwer abbaubaren Abfällen nennen. Das Ergebnis davon ist eine zunehmende Instabilität des gesamten Ökosystems.

Um dem entgegenzuwirken darf der Umfang der Industrie zukünftig nicht eingeschränkt werden, da ohne sie auch die positiven Seiten der Unternehmertätigkeit, wie z.B. Arbeit oder Wohlstand nicht aufrecht erhalten werden könnten. Vielmehr gelten international konzertierte Maßnahmen als Endziel der Umweltschutzbemühungen der Unternehmen, um die Entwicklung und Einführung sauberer Technologien, Recyclingmöglichkeiten, den Einsatz erneuerbarer anstatt knapper Ressourcen, Energieeinsparungen und vieles mehr, voranzutreiben.

Grundlegend sollte in einer Unternehmenspolitik berücksichtigt werden, dass es nicht nur Arbeit und Kapital als Faktoren gibt, sondern auch die Umwelt mit ihren Leistungen der Natur. Über die Deckung des Arbeits- und Kapitalaufwandes hinaus muss in Zukunft auch die Deckung des Umweltaufwandes Beachtung finden, was sich im Preismechanismus widerspiegeln wird. Die Höhe des Umweltaufwandes ist im Hinblick auf die Erschöpflichkeit der Vorräte (Energie und anderer Rohstoffe) sowie der Belastung der Umwelt durch Abfälle, Emissionen und ökologische Risiken zu sehen.[2]

Es gilt daher, sparsam und effizient mit der Natur umzugehen. Dies erfordert ein verantwortungsvolles Verhalten und die vermehrte Nutzung erneuerbarer Ressourcen sowohl auf Anbieter- als auch auf Nachfragerseite.

Im Folgenden werde ich anfangs nach relevanten Definitionen den ökologischen und wirtschaftlichen Vorteil der Papiertragetasche aufzeigen. Damit verbunden sind die Entwicklung der Papiertragetasche, ihre Umweltauswirkungen und allgemeine Werbeeffizienz sowie ein Überblick der Papierindustrie.

Anschließend wird der Klimawandel als Herausforderung des 21.Jahrhunderts und die dadurch entstehenden Marktchancen durch erfolgreiche, ökologische Maßnahmen erläutert.

Daraus ableitend folgen relevante Maßnahmen für die verarbeitende Papierindustrie, um den ökologischen Markterfolg nachhaltig im Unternehmen zu implementieren.

Das nächste Kapitel umfasst allgemeine Umweltmaßnahmen, die für jeden Wirtschaftszweig Gültigkeit erfahren. Sie dienen als Anregung, um das Umweltbewusstsein zu stärken, ökologische Ziele herauszuarbeiten und somit Wettbewerbsvorteile am Markt zu erzielen.

Per Fazit werden nochmals wichtige Erkenntnisse hervorgehoben.

In meiner Arbeit möchte ich die Papiertragetasche als ökologisch sowie ökonomisch sinn- und vor allem wertvolles Produkt hervorheben und den Klimawandel als die wirtschaftliche Herausforderung des 21.Jahrhunderts betrachten. Es sollen dazu Möglichkeiten für die Unternehmen, als auch für die Politik aufgezeigt werden, diese Krise verstärkt als Chance zu begreifen sowie Ökologie und Ökonomie effizient in Einklang zu bringen.

2. Definitionen

2.1 Unternehmenserfolg

Für Unternehmenserfolg gibt es keine eindeutige Definition. Er kann sich auf monetäre Faktoren wie z.B. Gewinn oder Umsatz, Marktanteile, Innovationen oder dem Bestehen am Markt beziehen. Im Zuge der Globalisierung liegt die Priorität auf dem Bestehen am Markt, da viele Unternehmen dem weltweiten Preiskampf nicht standhalten konnten. Produktionsverlagerungen und Billigimporte speziell aus Asien führten zu einer verstärkten Kostenreduktion, die zum Teil nur durch den Abbau von Arbeitsplätzen bzw. Personalkosten erreicht werden konnte. Unter Berücksichtigung dieser Einflussfaktoren nimmt diese Arbeit daher Bezug auf folgende Definition:

Unternehmenserfolg versteht sich als nachhaltiger Prozess eines Unternehmens, der sowohl Arbeitsplätze schafft als auch auf einer positiven finanziellen Grundlage beruht. Dies wird erreicht durch die Vereinbarung ökologischer, ökonomischer und sozialer Grundsätze sowie nachhaltiger Innovationen.

2.2 Ökologie versus Ökonomie

Der Begriff Ökologie wurde von dem deutschen Biologen Ernst Heinrich Haeckel erstmals 1866 geprägt. Ökologie ist demnach die gesamte Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Außenwelt, wozu im weiteren Sinne alle Existenzbedingungen gerechnet können.[3]

Ökologie wird abgeleitet von dem griechischen Wort oikos (Haus, Haushalt) und hat daher dieselbe Wurzel wie das Wort Ökonomie (im Sinne von Wirtschaftlichkeit). Die moderne Ökologie beruht zum Teil auf den Erkenntnissen von Charles Darwin, der Haeckel stark beeinflusst hat. Somit kann heute Ökologie als „die Wissenschaft von den Beziehungen der Lebewesen zur Umwelt ihres Lebensraums“[4] definiert werden.

Unternehmen, besonders aus der Industrie, sind eng mit der natürlichen Umwelt verbunden. Während der Wertschöpfung entstehen beim Produktionsprozess Wechselbeziehungen zwischen dem ökonomischen System einerseits und dem ökologischen System andererseits. Wirtschaftliche Vorgänge umfassen speziell die Umwandlung von Materie und Energie von einer Zustandsform in eine andere. Dafür werden Energie und Rohstoffe von der natürlichen Umwelt genutzt, um den Herstellungsprozess und Konsum überhaupt zu ermöglichen. Zudem ergeben sich bei der Produktion nicht nur gewollte und nutzbringende Güter, sondern auch Abfälle und Schadstoffe, die sowohl bei der Produktion als auch beim Konsum anfallen und aus dem ökonomischen System entfernt werden müssen, um dessen Funktionsfähigkeit langfristig zu erhalten.[5]

Somit sind Ökologie und Ökonomie eng miteinander verbunden, weshalb das wirtschaftliche Handeln eine hohe Verantwortung gegenüber der Umwelt mit sich bringt.

2.3 Ökologisches Bewusstsein

Nach Graumann besitzt das Bewusstsein verschiedene Dimensionen. Bewusstsein ist gleichzusetzen mit dem „Haben von Erlebnissen, von seelischen Prozessen, die unmittelbar vom Subjekt erfahren werden, also Wahrnehmungen, Erinnerungen, intellektuellen Vorgängen, Gefühlen, Strebungen, Willensprozessen und dergleichen.“[6]

Als ökologisches Bewusstsein gilt daher die Einsicht, dass sich das menschliche Verhalten nachhaltig auf die Umwelt auswirkt und die Bevölkerung mit der Natur in Symbiose lebt.

2.4 Papiertragetasche

Ob man von einem Tragbeutel oder einer Tragetasche spricht, hängt vom jeweiligen Tragegriff ab. Wenn der Tragegriff nur aus demselben Material besteht wie die übrige Tragetasche, wobei er nur etwa ausgestanzt worden ist, dann heißt es Tragbeutel. Ist der Griff jedoch aus einem anderen Material – meist stärker und stabiler – und an den Körper angeklebt oder angeschweißt, so spricht man von einer Tragetasche. Die Bezeichnung Tragetasche hat sich jedoch eingebürgert und durchgesetzt, sodass heutzutage alles kurzerhand zur Tragetasche erhoben wird, auch wenn es streng genommen nur ein Tragbeutel ist. Unter Berücksichtigung dieser Umstände wird daher folgende Definition verwendet:

Eine Papiertragetasche ist ein Beutel bzw. „ein flexibles, raumbildendes Packmittel mit ausgestanzten Grifflöchern oder zusätzlich angebrachten Tragegriffen.“[7]

3. Entwicklung der Papiertragetasche

Eine unbedruckte Papiertragetasche besteht nebst Klebstoffen aus Papier, weshalb die Entwicklung dieses Rohstoffs zuerst näher erläutert wird.

3.1 Entstehung des Rohstoffs Papier

Papier gilt als eine der bedeutendsten Erfindungen der Menschheit. Ohne Papier wäre die Entwicklung zur heutigen Gesellschaft nicht möglich gewesen. Allein durch mündliche Überlieferungen wäre das menschliche Wissen um die Kulturen und die geschichtliche Entwicklung des Menschen nur bruchstückhaft oder auch verfälscht vorhanden. Erst das geschriebene Wort hat Kontinuität sowie Evaluierbarkeit in die Darstellung des geschichtlichen Ablaufs gebracht.

Bereits vor 5.000 Jahren kamen die Ägypter auf die zukunftsweisende Idee, ein hohes Halbgras als Schreibmaterial zu verwenden. Dieses Halbgras heißt im Griechischen Papyros und im Lateinischen Papyrus. Das im Deutschen verwendete Wort Papier ist davon abgeleitet. Die Ägypter schnitten das Papyrusgras in dünne Streifen und verflochten diese zu großen viereckigen Stücken. Diese Blätter konnten sie dann beschreiben.

Abb. 1: Beschriebenes Papyrusblatt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: University of Michigan (2007)

Ein weiterer Vorläufer des heutigen Papiers ist das Pergament, das aus fein geschabten Tierhäuten hergestellt wurde. Papyrus und Pergament sind bedeutend ältere Schreibmaterialien als das in China entwickelte Papier. Doch keines von beiden ist mit dem heutigen Papier so eng verwandt.

Am chinesischen Kaiserhof wurde die Kunst der Papierherstellung im Jahre 105 nach Christus eingeführt. Erst 500 Jahre später gelangte diese Art der Papierherstellung über Korea nach Japan. Im 8. Jahrhundert erhielten die Araber von gefangenen Chinesen und im 14. Jahrhundert die Italiener von den Griechen die Kenntnisse über die Papierherstellung. Dabei wurden Rinden- und Hanffasern mit Wasser gemischt. Ein durch einen Holzrahmen gespanntes Seidentuch diente als Sieb. Die flüssige Masse wurde auf dem Seidentuch möglichst gleichmäßig geschüttelt, zu einem Bogen geformt und langsam getrocknet.

Die erste Papiermühle in Deutschland errichtete der Handels- und Ratsherr Ulmann Stromer 1390 vor den Toren Nürnbergs. Um 1600 waren in Deutschland bereits 218 Papiermühlen in Betrieb. Im Jahre 1799 erhielt der Franzose Nicolas Luis Robert ein Patent auf die erste Papiermaschine. Das Besondere an seiner Erfindung war der mittels Handkurbel mechanisch bewegte Antrieb des Siebes. Dies war der erste Schritt zur maschinellen Erzeugung von Papier.

1812 gab es allein in der Stadt Düren siebzehn Papierfabriken. Von 1836 bis 1845 entwickelte der Deutsche Friedrich Gottlieb Keller den Schleifstuhl. Ein rotierender Stein zerschliff unter Zugabe von Wasser Baumstämme. Damit war die mechanische Methode zur Herstellung von Papierzellstoff erfunden.

Auch heute noch, nach fast 2000 Jahren, wird auf hochmodernen Papiermaschinen nach dem gleichen Prinzip verfahren. Aus einem wässrigen Faserstoff wird durch Entzug von Wasser, Verfilzung und Trocknung Papier hergestellt. Papier ist also ein flaches und dünnes Material aus miteinander verfilzten Pflanzenfasern.[8]

3.2 Von Tüten aus Blättern zur Papiertragetasche

Schon in frühester Vorzeit spielte die natürliche Verpackung im Alltag des Menschen eine wesentliche Rolle: Jäger und Sammler drehten aus großen Blättern Tüten, um Vorräte zu sammeln und zu transportieren. Einige Zeit später entwickelte der Mensch die ersten Schreib- und Packstoffe: das Pergament und das Papyrus, wobei der Nutzen als Packstoff vorerst noch relativ gering ausfiel und sich erst einige Zeit später entfalten sollte.

Bis ins 19. Jahrhundert lebte der Großteil der deutschen Bevölkerung auf dem Land und versorgte sich aus eigenem Anbau. Daher wurden auch nur wenige und einfache transportable Verpackungen benötigt. Der zunehmenden Industrialisierung folgte jedoch ein grundlegender Wandel des alltäglichen Verhaltens. Es entstanden die ersten Ladengeschäfte, die sich schnell im Land verbreiteten. Im Jahre 1853 gründete der Buchbindermeister Gumpert Bodenheim im hessischen Allendorf die erste Tütenfabrik der Welt. Die ersten Exemplare waren etwa handtellergroße dreieckige Tüten, wobei das handgeschöpfte und beschriebene Papier aus dem Jahre 1750 stammte.

Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich zudem eine neue Bürgerschicht, die mit dem Einkauf einen gewissen Lebensstil in Verbindung brachte. Da sie ohne Einkaufstasche in die Geschäfte kamen, mussten die Händler zwangsläufig Transportmittel für den gesamten Einkauf zur Verfügung stellen. Carl Ganter von den Vereinigten Papierwarenfabriken erkannte diesen Prozess und entwickelte ein Produkt mit nachhaltiger Bedeutung: Im Jahr 1906 brachte er die ersten Papiertaschen mit Tragekordel auf den deutschen Markt. Diese entwickelten sich mit dem jeweiligen Firmenaufdruck zu begehrten Statussymbolen, was zugleich eine kostengünstige Reklame für die Händler darstellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten sich dann die Tragetaschen mit Papiergriffen durch, welche vorerst außen angeklebt wurden. Ab 1968 wurden sie jedoch überwiegend innen angebracht, wodurch sich die immer wichtiger werdende Werbefläche sichtlich vergrößerte.[9]

In den fünfziger Jahren entstand mit dem Wirtschaftsaufschwung eine enorme Nachfrage nach Konsumgütern und der Spontankauf in Selbstbedienung wurde zum Massenphänomen. Durch die Ausgabe von Tragetaschen an der Kasse konnte der Einkaufsprozess beschleunigt werden, was der Kunde als angenehm und zeitsparend empfand. Größere Tüten mit besserer Tragkraft führten sogar dazu, dass die Kunden mehr kauften.

Die heutige Tragetasche ist somit ein wichtiges Symbol des menschlichen Bedürfnisses Shopping und verleiht dem Konsumenten eine gewisse Identität. Karstadt hat dieses Phänomen erkannt, weshalb eine goldene Tüte als zentrales Symbol für das 125-jährige Konzernjubiläum gewählt wurde. Zur Unterstützung wurden überdimensionale Werbetaschen in größeren Städten aufgestellt.

Abb. 2: 125 Jahre Karstadt (Jubiläumsobjekt)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ströer Sales & Services GmbH (2007)

Die Papiertragetasche hat eine eindrucksvolle Entwicklung erfahren und ist aus der heutigen Alltagswelt nicht mehr wegzudenken. Sie implementiert Transportnutzen, Werbung, Image und ökologische Verbundenheit, was kein anderes Produkt annähernd erreicht.

4. Auswirkungen von Papiertragetaschen auf die Umwelt

Eine unbedruckte Papiertragetasche besteht nebst Klebstoffen ausschließlich aus Papier, weshalb bei der Rohstoffgewinnung als auch bei der Rohstoffverwertung besonders die Umweltauswirkungen der erneuerbaren Ressource Papier aufgezeigt werden. Nachfolgend wird der ökologische Kreislauf der Papiertragetasche verdeutlicht, bevor ein kurzes Fazit bzgl. der Vorteile von Papier gegenüber Plastik gezogen wird.

Abbildung 3: Unbedruckte Papiertragetasche

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: dropack Verpackungs GmbH (2007)

4.1 Rohstoffgewinnung

Für die Herstellung aller Papiersorten werden Fasern in Form von Holzstoff, Zellstoff oder Altpapierstoff verwendet, deren Anteile abhängig von der Papierqualität variieren.

Bei der Holzstofferzeugung werden die Holzfasern durch mechanischen Aufschluss mithilfe von Schleifsteinen oder als Refiner bezeichneten Mahlscheiben voneinander getrennt. Da – abgesehen von der Rinde – nahezu der komplette Holzrohstoff genutzt wird, ist die Ausbeute dieses Verfahrens mit über 90 % des eingesetzten Rohstoffs sehr hoch. Der mechanische Aufschluss ist relativ energieaufwändig. Bei der Zerfaserung wird jedoch ein Teil der Prozesswärme zurückgewonnen und zur Trocknung der Papierbahn in der Papiermaschine genutzt.

Zellstoff wird nur aus dem oberen Drittel eines Baumes gewonnen. Dieser Teil wird nahezu komplett für die Zellstoffgewinnung verwendet. Kiefernholz etwa besteht aus 41 % Zellulose, 28 % Hemizellulose und 27 % Lignin, das als Bindemittel fungiert. Die restlichen vier Prozent wie z. B. Rinde können nicht verwendet werden. Sie werden der energetischen Verwertung zugeführt. Zur optimalen Ausbeute und Qualität darf Holz nur über kurze Zeit gelagert werden.[10] Die Zellstofferzeugung erfolgt durch ein chemisches Aufschlussverfahren, wobei das im Holz vorhandene Lignin sowie Hemizellulosen und Harze in einem Kochprozess so weit herausgelöst werden, dass sich der verbleibende Faserverbund ohne mechanischen Aufwand zerlegen lässt. Da ein Teil der Holzmenge entfernt wird, werden beim chemischen Aufschluss in der Regel nur rund 50 % der eingesetzten Holzmenge als Zellstoff gewonnen. Die gelösten Holzinhaltsstoffe werden energetisch verwertet. Moderne Zellstofffabriken können dadurch ihren gesamten Energieverbrauch decken.

Aus Altpapier werden Fasern und Füllstoffe gewonnen, die zur Herstellung von neuem Papier genutzt werden. Mehrere Verfahrensschritte sind notwendig, um Fremdstoffe, Verunreinigungen, Druckfarben sowie zu kurze und brüchige Fasern zu entfernen. Je hochwertiger das aus dem Altpapier hergestellte Papier ist, umso aufwändiger wird auch der Aufbereitungsprozess. Bei jedem Recyclingvorgang verlieren die Papierfasern folglich an Festigkeit und werden kürzer und brüchiger, bis sie sich schließlich für die Papiererzeugung nicht mehr eignen und aussortiert werden müssen. Theoretisch kann eine Holzfaser vier bis sieben Mal recycelt werden.

Neben den Fasern kommen je nach Bedarf verschiedene Füllstoffe hinzu, um die erwünschten Eigenschaften zu erreichen. Bspw. wird der Papiererzeugung Kaolin hinzugefügt, um ein glätteres Papier zu erhalten.

Hauptquelle für die Papiererzeugung ist jedoch der nachwachsende Rohstoff Holz, den die heutigen Papierfabriken zum Teil unter strengen Auflagen wie dem FSC-Zertifikat nachhaltig fördern. Die Gründung des Forest Stewardship Council (FSC) vollzog sich 1993 mit dem Ziel, die auf der Konferenz Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro festgelegten Anforderungen zur nachhaltigen Entwicklung der Wälder umzusetzen. Hervorgehoben wurde der Einklang von ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekten bzgl. der Nutzung von natürlichen Ressourcen.[11]

Der FSC zielt darauf ab, Wälder zu erhalten. Dieses Ziel möchte er nicht nur durch Unterschutzstellung, sondern vor allem durch die Förderung einer verantwortungsvollen Waldwirtschaft erreichen. Strenge Kriterien, an denen die Bewirtschaftung der Wälder ausgerichtet werden soll, dienen dazu, unkontrollierte Abholzung, Verletzung der Menschenrechte und Belastung der Umwelt zu vermeiden. Seit der Gründung wurden bereits über 85 Millionen Hektar weltweit nach den Regeln des FSC zertifiziert.[12]

Somit wird erreicht, dass heutzutage sogar mehr Wald nachwächst als abgeholzt wird.

4.2 Rohstoffverwertung

Keine industrielle Produktion bleibt ohne Auswirkungen auf die Umwelt. Das gilt auch für die Herstellung von Papier, Karton und Pappe. Rohstoffe werden genutzt, Emissionen und Reststoffe entstehen. Es liegt daher in der Verantwortung der Unternehmen, die Auswirkung auf die Umwelt möglichst gering zu halten. Dies kann insbesondere durch die Wiederverwertung von Papier ermöglicht werden. Durch die Aufbereitung im Recyclingvorgang können die Fasern mehrfach verwendet werden, wodurch der Rohstoff optimal genutzt wird.

Es hängt von den gewünschten Eigenschaften des Neupapiers ab, ob und in welchem Umfang Altpapier als Faserstoff eingesetzt werden kann. Verpackungspapiere für Lebensmittel zum Beispiel können mit sehr gutem Ergebnis aus 100 % Altpapier hergestellt werden. Dazu sind jedoch nicht alle Abfälle aus Papier geeignet. Damit diese Papiere den strengen Vorschriften des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes (LBG) für die Verpackung feuchter und fettender Lebensmittel genügen können, ist die Rohstoffauswahl vom Gesetzgeber auf spezielle, hochwertige Altpapier-Sorten beschränkt, die als Produktionsabfälle bei Papierfabriken, Verarbeitern und vergleichbaren Unternehmen anfallen (Pre-Consumer-Waste). Altpapier aus Haushalten oder Sammelcontainern darf für die Herstellung von Lebensmittelverpackungen nicht verwendet werden.

Da die Sekundär-Rohstoffe nicht immer in reiner Form vorliegen, müssen zum Beispiel Druckfarben entfernt werden, was in sogenannten Deinking-Anlagen geschieht. Dabei werden die Druckfarben mit Wasser, Natronlauge und Seife von den Fasern gelöst. In das Wasser wird Luft eingeblasen. Die Wasser abstoßenden Druckfarbenpartikel lagern sich mit der Seife an den Luftbläschen an, steigen an die Wasseroberfläche und werden dort als Schaum abgesaugt.

Auch sonst müssen die trocken angelieferten Sekundär-Faserstoffe erst in Wasser aufgelöst und zerfasert werden. Dies geschieht im Stofflöser oder auch Pulper genannt. Er funktioniert ähnlich wie ein Küchenmixer. In verschiedenen weiteren Schritten werden die Fasern von papierfremden Teilen, wie Büroklammern, Klebern und Kunststoffen gesäubert. Teilweise wird der Anteil, der nicht zur Papierherstellung verwendet wird, als Rohstoff zur Energieerzeugung eingesetzt. Die wiederholte Aufbereitung des Altpapiers verkürzt die Fasern, weshalb der Vorgang auch nicht beliebig oft durchgeführt werden kann. Zur Verbesserung der Festigkeitseigenschaften kann dem Altpapier ein Anteil an Frischfaser zugegeben werden. Recycling-Papiere werden zudem auf den gleichen Maschinen wie Frischfaser-Papiere hergestellt.[13]

Durch Fotosynthese verwandeln Bäume Sonnenlicht, Wasser und Kohlendioxyd sowie einige Nährstoffe zu Holz. Die Nutzung dieses Rohstoffs gilt klimaneutral, da es bei seiner Verbrennung nur so viel CO² abgibt, wie es vorher aufgenommen hat. Betrachtet man diesen Prozess nun auf mehrere Jahrzehnte, kann man in Bezug auf den Klimawandel von einer klimaschonenden Rohstoffnutzung sprechen. Die nachhaltige Forstwirtschaft führt dazu, dass das durch die Holzverbrennung entstandene CO² von den kontrolliert nachwachsenden Wäldern wieder aufgenommen wird.

Neben der Verbrennung lässt sich Papier auch natürlich kompostieren, was den Umweltaspekt dieses Rohstoffes nochmals positiv hervorhebt.

4.3 Kreislaufsystem des Papiers

Das Kreislaufsystem des Papiers besteht aus acht Hauptelementen:

Nachhaltige Waldbewirtschaftung:

Der Wald wird genutzt, aber nicht verbraucht.

Holzrest-Verwertung:

Die Zellstoff- und Papierindustrie nutzt das Holz, welches nicht als Schnittholz verwendet werden kann.

Recyclingfähigkeit:

Die Papierindustrie produziert seit jeher wiederverwertbare Erzeugnisse.

Wassereinsatz:

Die Zellstoff- und Papierindustrie hat die Verfahren zu Abwassersäuberung, zur Wasserrückgewinnung und zu seiner Mehrfachnutzung weit entwickelt und verfügt heute über praktisch geschlossene Wasserkreisläufe.

Energieeinsatz:

Die Kraftwerke der Zellstoff- und Papierhersteller arbeiten zu über zwei Dritteln in Kraft-Wärme-Kopplung zur maximalen Energienutzung. Diese energetische Nutzung von Reststoffen und Abfällen deckt 16% des Brennstoffeinsatzes.

Recycling:

Nach Gebrauch der Papiererzeugnisse werden die Fasern durch die stoffliche Wiederwertung von Altpapier zurückgewonnen.

Verwertung der Reststoffe:

Die Produktionsreststoffe werden energetisch genutzt oder anderen Industriezweigen als Rohstoff zugeführt.

Bindung von CO²:

Das im Papier gebundene Kohlendioxid ist Teil der geschlossenen CO²-Bilanz. Das bei der energetischen Nutzung von Papier freigesetzte CO² wird von den Wäldern wieder aufgenommen. Nachhaltig betriebene Forstwirtschaft setzt damit kein zusätzliches Kohlendioxid frei. Im Übrigen nimmt der Waldbestand in allen westlichen Industriestaaten seit Jahrzehnten zu.[14]

4.4 Vergleich von Papier und Kunststoff

Über die letzten Jahrzehnte hinweg hat sich der Verpackungsmarkt hauptsächlich auf zwei Rohstoffe konzentriert: Papier und Kunststoff. Kunststoff bzw. Polyethylen wird aus der fossilen Ressource Öl gewonnen, bei deren Erzeugung CO² freigesetzt wird, welches über Jahrtausende unter der Erde gespeichert wurde. Dies treibt den Treibhauseffekt folglich an, weshalb allein aus diesem Grund die Priorität rein aus ökologischen Gründen bei Papier liegen sollte. Hier liegt ein auf CO² bezogen konsequentes Gleichgewicht vor, da die nachhaltige Waldbewirtschaftung nur so viele Bäume nutzt wie nachwachsen. Das heißt, dass neben der hohen Recyclingquote von Frischfasern (vier bis sieben Mal), das freigesetzte CO² bei der Verbrennung oder Kompostierung von der Natur wieder aufgenommen wird. Somit atmet der Rohstoff Holz das Emissionsgas CO² einmal aus und schließlich wieder ein, was als ein ökologisch effizienter Vorgang bezeichnet werden kann. Öl hingegen ist ein endlicher Rohstoff, dessen Emissionsgasbilanz negativ ausfällt.

Betrachtet man nun die Schadstoffgehalte von Verpackungsabfällen aus Papier und Kunststoff, belegt eine Studie des Bundesministeriums für Forschung und Technologie aus dem Jahr 1985 ebenfalls, dass unter diesem Gesichtspunkt Verpackungen aus Papier und Pappe klare Priorität erfahren. Bei dieser Untersuchung wurden verschiedene Verpackungen aus Papier/Pappe und Kunststoff chemisch analysiert, wobei Proben aus dem Hausmüll und Erzeugnisse aus dem Einzelhandel untersucht wurden. Berücksichtigt wurden folgende Schadstoffe: Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Blei, Zink und Chlor.

Die folgende Tabelle gibt die mittleren Schadstoffgehalte für die jeweiligen Verpackungen an:[15]

Tabelle 1: Mittlere Schadstoffgehalte von Verpackungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Golding/Fußer (1992), S.18

Es wird deutlich, dass Verpackungen aus Kunststoff insgesamt erheblich stärker mit Schadstoffen belastet sind als solche aus Papier/Pappe. Besonders der Anteil von Cadmium, Blei, Zink und Chlor fällt bei Kunststoff deutlich höher aus.

Die Giftigkeit von Schwermetallen muss jedoch genauer betrachtet werden, da sie unterschiedlich ausfällt. Daher hat der Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten für Kulturböden als tolerierbar eingestufte Schwermetallgehalte veröffentlicht:[16]

Tabelle 2: Tolerierbare Gehalte von Schwermetallen in Kulturböden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Golding/Fußer (1992), S.19

Somit müssen vor allem der Cadmium- und Bleigehalt bei Kunststoffverpackungen als risikoreich eingestuft werden. Nickel- und Chromgehalte sind sowohl für Papier/Pappe als auch für Kunststoff risikofrei. Auffällig ist allerdings, dass Verpackungen aus Papier/Pappe keinen der Grenzwerte übertreffen.

Damit man den Anteil einer Kunststofftragetasche an der Schwermetallbelastung messen kann, führte man eine chemische Analyse mit verschiedenen Exemplaren durch. Somit fand man heraus, dass Tragetaschen mit mehr als die Hälfte die Hauptverursacher der hohen Bleibelastung von Kunststoffverpackungen sind.[17]

Da eine Plastiktüte meist kostenlos und im Überfluss zu haben ist, wird sie vom Verbraucher auch entsprechend behandelt. Sie wird durchschnittlich etwa eine halbe Stunde genutzt und anschließend entsorgt. Oftmals gelangt sie nicht in den kontrollierten Prozess der Müllentsorgung, sondern wird achtlos der Natur überlassen. Plastik wird prinzipiell biologisch nicht abgebaut, sondern zerfällt in kleinere Teile, d.h. dass künstliche Partikel in der Natur erhalten bleiben.

So konnte das amerikanische Forschungszentrum Algalita Marine Research Foundation nachweisen, dass in den Meeren Kunststoffpartikel vorhanden sind, die mit Plankton ohne Weiteres verwechselt werden können. Dies führt dazu, dass eine große Menge an Meerestieren Kunststoff aufnimmt, was letztlich den Tod hervorrufen kann.

In Bangladesh führte die Verschmutzung durch Plastiktüten dazu, dass das Kanalisationssystem an vielen Stellen verstopft war. Folglich ergaben sich Überschwemmungen, die erhebliche Schäden anrichteten.[18]

Um die Nutzung von Plastiktüten effizienter und sparsamer zu gestalten, wurden in mehreren Ländern Verbote und Steuern eingeführt:

[...]


[1] Vgl. Wöhe (1984), S.83

[2] Vgl. Grettenberger (1996), S.108

[3] Vgl. Burghold (1990), S. 13 ff.

[4] ebenda

[5] Vgl. Wirth (2003), S.6

[6] Pichler (1989), S.62

[7] Göttsching / Katz (1999), S.277

[8] Vgl. IPV (2006), S.2

[9] Vgl. Pütz (2003)

[10] Vgl. IPV (2006), S.4

[11] Vgl. FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V. (2007)

[12] FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V. (2007)

[13] Vgl. IPV (2006), S.7

[14] Vgl. Schönenberger Recycling und Transport AG (2005), S.5

[15] Vgl. Golding/Fußer (1992), S.18

[16] Vgl. ebenda, S.19

[17] Vgl. ebenda, S.25

[18] Vgl. UPM (2006), S.8

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Unternehmenserfolg durch ökologisches Bewusstsein - Aufgezeigt am Beispiel der Papiertragetasche
Hochschule
Universität Siegen
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
75
Katalognummer
V93875
ISBN (eBook)
9783638064583
ISBN (Buch)
9783638951319
Dateigröße
1134 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unternehmenserfolg, Bewusstsein, Aufgezeigt, Beispiel, Papiertragetasche
Arbeit zitieren
Diplom-Kaufmann Peter Schürholz (Autor), 2007, Unternehmenserfolg durch ökologisches Bewusstsein - Aufgezeigt am Beispiel der Papiertragetasche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93875

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