Praxisforschung als Möglichkeit zur Weiterentwicklung sozialpädagogischer Praxis und Professionalität

Ein Beispiel vom Trainingscamp Diemelstadt, Jugendhilfeeinrichtung Durchboxen im Leben e. V.


Akademische Arbeit, 2019

47 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1. Ausgangslage und Problemstellung
2. Fragestellung und Ziel der Arbeit
3. Forschungsstand
4. Methodisches Vorgehen und Aufbau der Arbeit

II. Theoretische Grundlagen
1. Begriffliche Definitionen
1.1. Kooperationsbereitschaft
1.2. Vereine und Jugendhilfeeinrichtungen
1.3. Regionale Träger im sport- und erlebnispädagogischen Bereich
2. Weiterentwicklung und Problematiken von gemeinnützigen Vereinen für Jugendliche und Jugendhilfeeinrichtungen

III. Hauptteil zur empirischen Untersuchung
1. Sample und Erhebung
2. Fragebogen
3. Ergebnisse der Auswertung
4. Diskussion

IV. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Erfolgsfaktoren der Kollaboration und Kooperation, Quelle: Mattessich und Monsey 1992 nach Schöttle, et al., 2014, S. 1271

Abbildung 2: Triangel der 3C (Collaboration, Competition, Cooperation), Quelle: Polenske 2010, 1031

Abbildung 3: Traingscamp Diemelstadt, Quelle: Durchboxen im Leben e. V., 2017, S. 6

I. Einleitung

1. Ausgangslage und Problemstellung

Unter dem Begriff der Kooperationsbereitschaft wird das Eingehen von Kooperationen verstanden, die miteinander zum gegenseitigen Nutzen agieren (Hellingrath & Kuhn, 2013, p. 74). Kooperation und Kooperationsbereitschaft sind daher in den Bereich der Kommunikationswissenschaften wie auch des Managements zu lokalisieren. In institutionellen Einrichtungen wie Unternehmen oder Vereinen werden die Rahmenbedingungen geschaffen, um eine erfolgreiche Kooperationskultur zu integrieren und zu manifestieren. Dazu gehört die Implikation eines entsprechenden Handlungs- und Verhaltensrahmens, welcher die Möglichkeit zur Kooperation schafft (Hellingrath & Kuhn, 2013, p. 74). Zugleich kann es zu einer übergreifenden Kooperation kommen, die entweder branchenintern oder -übergreifend stattfindet. Kooperationen dieser Form können von unterschiedlicher Dauer oder Intensität sein. Kooperationen dieser Art zielen jedoch auf eine Integration der Beteiligten ab. Das gilt sowohl für die beteiligten regionalen bzw. kommunalen Träger für sport- oder erlebnispädagogische Einrichtungen wie auch für die Vereine, mit denen kooperiert wird (Rittner & Keiner, 2006, p. 4).

An diesem Punkt setzt die vorliegende Forschungsarbeit an, welche den Fokus der Untersuchung auf die Kooperationsbereitschaft von Vereinen legt. Das Spektrum an Formen von Vereinen ist dabei vielfältig ausgestaltet und kann sich dabei sowohl auf den sportlichen, wissenschaftlichen oder auch kulturellen Bereich beziehen (Zimmer, 2013, p. 128). In jedem Fall leisten sie aber einen wichtigen Beitrag zu einer lebendigen Demokratie, zu einer Partizipation und zu einem Austausch (Zimmer, 2013, p. 15). Zugleich stellt sich an Vereinen auch die Forderung, eine wirtschaftliche wie auch soziale Weiterentwicklung zu verzeichnen (Eichhorn & Merk, 2015, p. 161). Die Kooperation zwischen oder mit Vereinen ist in dieses Umfeld zu verorten. Es dient vor allem auch der Wirtschaftlichkeit von Vereinen wie auch dem sozialen Fortschritt des Vereines selbst. Dabei kann Kooperation unterschiedlich ausgestaltet sein und sowohl Kooperationen im räumlichen, personellen als auch im strategischen Umfeld umfassen. Der Forschungsgegenstand konkretisiert sich auf die Akteure der Kooperation. Die Kooperationsbereitschaft wird demnach zwischen regionalen Trägern im sport- oder erlebnispädagogischen Bereich und dem Trainingscamp Diemelstadt bzw. dem dazugehörigen Trägerverein Durchboxen im Leben e. V. untersucht. Von Kooperationen dieser Art können positive Synergieeffekte ausgehen, von denen die Beteiligten profitieren können (Elfeld, 2016, p. 9). Die Faktoren und Auswirkungen von Synergieeffekten im Rahmen der Vereinstätigkeit sind jedoch noch wenig untersucht worden. Dem steht die positive Wirkung solcher Synergieeffekte diametral entgegen, die sich aus einer möglichen Kooperation ergeben können. Darauf bezieht sich das Forschungsinteresse der Bachelorarbeit, die eine Untersuchung sozialer und wirtschaftlicher Faktoren im Bereich der Vereinstätigkeit darstellt.

2. Fragestellung und Hypothesen

Ausgehend von der dargelegten Problemstellung der Forschungsarbeit lässt sich die Fragestellung konkretisieren. Sie bezieht sich auf die Kooperationsbereitschaft wie auch auf deren zu untersuchenden Effekt der Weiterentwicklung der Kooperationspartner. Letzteres differenziert sowohl in die wirtschaftlichen wie auch sozialen Effekte von Kooperation. Definiert wird dieser Untersuchungsgegenstand durch den Begriff der Synergie. Unter dem Begriff der Synergie werden die Effekte erfasst, die sich durch eine Kooperation manifestieren. Das kann sich sowohl auf die Material- oder Raumnutzung wie auch auf die Kundenbindung oder die Verbreitung der Bekanntheit der Beteiligten beziehen (StadtSportBund Dortmund, 2009, p. 3 f.). Damit ist die Fragestellung wie folgt zu definieren:

Welche Synergieeffekte lassen sich durch die Kooperationsbereitschaft zwischen regionalen Trägern im sport- und erlebnispädagogischen Bereich mit dem Trainingscamp Diemelstadt und dem dazugehörigen Trägerverein Durchboxen im Leben e. V. im Hinblick auf die soziale und wirtschaftliche Weiterentwicklung der Kooperationspartner und der Jugendhilfeeinrichtung entnehmen?

Die Forschungsfrage wurde in zwei Hypothesen überführt, die einer statistischen Auswertung zugänglich gemacht wurden. Die beiden Hypothesen lauten wie folgt:

Das Ziel der Forschungsfrage ist somit die Analyse von Synergieeffekte hinsichtlich der Kooperationen zwischen regionalen Trägern und dem Trainingscamp Diemelstadt und dem dazugehörigen Trägerverein Durchboxen im Leben e. V. Ausgehend von dieser konkreten Betrachtung können allgemeine Annahmen formuliert werden, welche die Forschungslücke in diesem Bereich schließen. Damit lässt sich mitunter das enorme Entwicklungspotential solcher Kooperationen definieren und ggf. ausschöpfen.

3. Forschungsstand

Wie bereits erwähnt wurde, ist der Themenkomplex der Synergieeffekte von Kooperationen mit Vereinen bisher in der Forschung wenig behandelt worden. Dennoch ließen sich ausgewählte Forschungsarbeiten auffinden, welche insbesondere für die theoretische Ausgangslage der Arbeit von Relevanz sind. Dazu gehört zunächst die Analyse von Heiko Elfeld Synergieeffekte durch Kooperation von Profisportvereinen. Chancen, Risiken und Besonderheiten (2016). Der Autor untersucht die Synergieeffekte von Profisportvereinen, die sich auf den wirtschaftlichen Bereich beziehen. Es werden im Rahmen der Arbeit branchenübergreifende Kooperationen analysiert, wobei deren Intensität und Dauer in Relation zu dem untersuchten Synergieeffekt zu setzen sind. Insbesondere richtet sich in diesem Zusammenhang der Blickwinkel auf strategische Kooperationen, die gezielt auf die Wirtschaftlichkeit von Vereinen ausgerichtet sind.

Neben der Wirtschaftlichkeit steht in dieser Arbeit aber auch der soziale Synergieeffekt im Vordergrund. Das bezieht sich explizit auf die soziale Weiterentwicklung der Kooperationspartner. Der Aspekt wird in der Studie der Deutschen Sporthochschule Köln näher betrachtet, die den Titel Kooperationen der Sportvereine und kommunale Integration (2006) trägt. Der Sportentwicklungsbericht bezieht sich auf die Kooperation zwischen Sportvereinen mit anderen Organisationen und Institutionen. Dabei werden die unterschiedlichen Faktoren der Kooperation im Hinblick auf Funktionalität und Auswirkung betrachtet. Die Studie stellt somit eine umfassende Betrachtung der Kooperationen mit Vereinen dar, die für die theoretische Betrachtung entscheidende Erkenntnisse liefert.

4. Methodisches Vorgehen und Aufbau der Arbeit

Für das methodische Vorgehen der Arbeit wurde die quantitative Auswertung gewählt. Die Auswahl der Forschungsmethode orientiert sich am Erkenntnisinteresse der Arbeit und der Verwertung dieser Erkenntnisse in der Praxis (Raithel, 2007, p. 7). Unter dem Begriff der quantitativen Forschung wird ein empirisches Erkenntnisverfahren verstanden, bei dem komplexe Informationen auf der Grundlage statistischer Verfahren generiert werden. Es handelt sich bei diesen Verfahren um die Zuordnung eines numerischen Relativs zu einem empirischen Relativ. Das bezieht sich auf die intersubjektive Beschreibung komplexer Strukturen, d. h. der Überprüfung von bestimmten Hypothesen auf der Grundlage der Auswertung von Variablen. Aus diesem Grund muss die ausgehende Hypothese operationalisiert werden. Darunter wird die Überfügung der Hypothese in messbare Variablen, die anschließend statistisch ausgewertet werden, verstanden (Raithel, 2007, p. 8).

Das quantitative Vorgehen bezog sich somit gleichermaßen auf die Erhebung der Daten wie auch deren Analyse. Auf der Grundlage eines generierten Fragebogens wurde eine Querschnittuntersuchung durchgeführt, deren Ergebnisse einer statistischen Auswertung zugeführt wurden. Das Vorgehen orientiert sich an den Ausführungen zur Durchführung einer Untersuchung in der sozialen Arbeit nach König (2016). Die Datenerhebung wurde schriftlich vorgenommen, in dem ein Fragebogen an die Teilnehmer der Studie gesendet wurde. Die Ergebnisse der Erhebung wurden anschließend einer deskriptiven Auswertung zugänglich gemacht (König, 2016, p. 48).

Am methodischen Vorgehen der Arbeit orientiert sich deren Aufbau. In dem ersten Teil werden die theoretischen Grundlagen erläutert. Hierzu zählen die begrifflichen Definitionen wie Kooperationsbereitschaft, eine Bestimmung der Vereine und Jugendhilfeeinrichtungen wie auch der regionalen Träger. Der Schwerpunkt dieser Erörterungen liegt auf die Bestimmung der Kooperation in Organisationen. Es ist zu erfassen, was unter diesem Forschungsfeld verstanden wird und welche Bedeutung der Kooperation in der Organisationsforschung zukommt. Darüber hinaus sind die Weiterentwicklung wie auch die Problematiken von gemeinnützigen Vereinen für Jugendliche und Jugendhilfeeinrichtungen zu betrachten. In diesem Abschnitt ist zum einen zu erläutern, welche Probleme sich aktuell für Jugendhilfeeinrichtungen stellen. Zugleich ist auf die Wirkungen der Synergie einzugehen wie auch deren Effekte.

Die theoretischen Grundlagen werden in den empirischen Teil überführt. Nach der Beschreibung der Auswahl des Samples und der Durchführung der Erhebung ist auf die Generierung des Fragebogens einzugehen. Der Schwerpunkt liegt auf den Ergebnissen der Auswertung wie auch deren Diskussion. Den Abschluss der Arbeit bildet die Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Ausblick auf die künftige Praxisrelevanz.

II. Theoretische Grundlagen

1. Begriffliche Definitionen

1.1. Kooperationsbereitschaft

Der Begriff der Kooperation bzw. der Kooperationsbereitschaft wird unterschiedlich in der Forschung erfasst. Grundsätzlich wird unter diesem Terminus die Beziehung zwischen den Mitgliedern einer Gruppe bezeichnet, die zusammenarbeitet, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen (Deutsch, 1962). Die Begriffe Zusammenarbeit und Kooperation werden in der Literatur dabei oftmals synonym verwendet. Beide Begriffe beziehen sich auf eine bestimmte Organisationsstruktur und werden angepasst, um die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens zu steigern (Polenske, 2010, p. 1030). Von Appley und Winder (1977) werden sowohl die Zusammenarbeit wie auch die Kooperation in Zusammenhang gesetzt mit einem Wertesystem, in dem Individuen in einer Gruppe (1) gemeinsame Ziele innerhalb eines konzeptuellen Rahmens teilen, (2) die Interaktionen zwischen Individuen durch Gerechtigkeit gekennzeichnet sind und (3) die Bestrebungen dadurch gekennzeichnet sind, dass sich jeder Teilnehmer seiner Motive gegenüber dem anderen Teilnehmer bewusst ist. Die Zusammenarbeit wird damit durch die gegenseitige Rücksichtnahme und Sorge umeinander begleitet wie auch der Verpflichtung, zusammenzuarbeiten (Appley & Winder, 1977). Nach Monsey und Mattessich (1992) wird Kooperation definiert als eine informelle Beziehung, die ohne allgemein definierte Mission, Struktur oder Planungsaufwand besteht. Zusammenarbeit bezeichnet hingegen das Zusammenwirken zuvor getrennter Mitglieder, die an der Umsetzung eines gemeinsamen Zieles mitwirken (Mattessich & Monsey, 1992). Im Rahmen dieser Arbeit wird die Definition der Kooperation nach Deutsch zugrunde gelegt. Danach bezeichnet Kooperation die positive Verknüpfung von Zielen unterschiedlicher Gruppenmitglieder miteinander, um ein Ziel zu erreichen (Deutsch, 1949, p. 129).

In der Organisationspsychologie hat der Begriff in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Unterschieden werden danach verschiedene Dynamiken in Organisationen, die sich mit kooperativ (positiv), kompetitiv (negativ) und individualistisch (unabhängig) bezeichnen lassen (Tauer & Harackiewicz, 2004, p. 849). Jede der genannten Formen der Dynamiken beinhaltet Ziele und Motivationen, wie aber auch Konsequenzen für die Beziehungen in den Organisationen sowie der Produktivität (Tjosvold, 2007, p. 286 f.). Insbesondere herrschte in der Organisationsforschung lange die Vorstellung vor, dass eine kompetitive und damit wettbewerbsorientierte Beziehungsstruktur die Produktivität wie auch die Leistung im Unternehmen fördert (Tauer & Harackiewicz, 2004, p. 849).

Studienergebnisse lassen jedoch ein differenzierteres Bild auf die Beziehungsstrukturen in Unternehmen und deren Dynamiken zu. Die Kooperation als soziale Interaktion gewinnt dabei neben dem Wettbewerb an einer immer stärkeren Bedeutung. Während die Kooperation die Zusammenarbeit im Team bezeichnet, bezieht sich die kompetitive Beziehungsstruktur auf den Wettbewerb, in dem eine Person die andere Person in ihrer Leistung übertreffen will. Die Kooperation gewinnt aber vor allem dann an Bedeutung, wenn die Ziele des Unternehmens voneinander abhängig sind. Hingegen bedingt der Wettbewerb im Unternehmen auch negative Verhaltensmuster, welche die Leistung des Unternehmens auf Dauer negativ beeinflussen (Tauer & Harackiewicz, 2004, p. 845). Die Autoren Mattessich und Monsey führten im Zeitraum von 1975 bis 1999 insgesamt 18 Studien durch. Sie untersuchten die Frage, welche Faktoren den Erfolg der Zusammenarbeit positiv beeinflussen. Sie fanden 19 Faktoren, die sie in sechs Gruppen einteilten: Umgebung, Mitgliedschaft, Prozess/Struktur, Kommunikation, Zweck und Ressource:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Erfolgsfaktoren der Kollaboration und Kooperation, Quelle: Mattessich und Monsey 1992 nach Schöttle, et al., 2014, S. 1271.

Die Autoren Schöttle et al. identifizierten in ihrem Review zur Kollaboration und Kooperation sechs Faktoren, die sich den untersuchten Studien entnehmen ließen. Dazu gehören gegenseitiger Respekt, gegenseitiges Verständnis und Vertrauen sowie ein angemessener Durchschnitt der Mitgliedschaft als Einflussfaktoren auf die Zusammenarbeit (Schöttle, et al., 2014, p. 1271).

Kooperation, Kollaboration und Wettbewerb sind in eng miteinander verknüpft und bilden die sog. Triangel der 3 C:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Triangel der 3 C (Collaboration, Competition, Cooperation), Quelle: Polenske 2010, 1031.

Die Triangel der 3 C nimmt Bezug auf die Beziehung und Interaktion dieser drei Faktoren miteinander. Die durchgezogene Linie verweist dabei auf eine Beziehung zwischen den Elementen, während die Punkte auf die Abwesenheit einer solchen Beziehung verweisen. Die Beziehung zwischen den Elementen kann unterschiedlich stark oder schwach ausgeprägt sein. Abhängig ist die Beziehung im Einzelnen von Raum, Organisationseinheit und Zeit. Das bedeutet, dass zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Umgebungen die Faktoren Kollaboration und Kooperation stärker ausgeprägt sein können. Zugleich lässt sich ein Wettbewerb nachzeichnen, der neben der Kooperation/Kollaboration steht (Polenske, 2010, p. 1031). Anders als in der früheren Literatur wird dabei der Kooperation/Kollaboration eine immer relevantere Rolle im Hinblick auf die Effektivität eines Unternehmens eingeräumt. Hierbei gilt es jedoch zu beachten, dass die beiden Faktoren grundsätzlich eine Investition an Zeit und Geld voraussetzen. Ein Unternehmen muss diese Kosten mit dem Nutzen abwägen, um daraus die Möglichkeit eines Gewinns entnehmen zu können. Der Gewinn besteht dann, wenn die Zusammenarbeit einen positiveren Effekt hat als die Kosten der Zusammenarbeit (Polenske, 2010, p. 1033).

1.2. Vereine und Jugendhilfeeinrichtungen

Unter dem Begriff des Vereins werden vielfältige Formen der Organisation von unterschiedlichen Menschen zusammengefasst. Die Vielfältigkeit der Erscheinungsformen spiegelt sich auch in den Definitionsansätzen wider. Es lässt sich keine allgemeingültige Definition des Vereins benennen. In § 2 Abs. 1 VereinsG wird der Verein als eine Vereinigung beschrieben, der sich eine Mehrheit von natürlichen oder juristischen Personen angeschlossen hat, um für einen längeren Zeitraum und zu einem freiwilligen Zweck zusammen zu agieren (Zimmer, 2010, p. 17). Die verfassungsmäßige Grundlage zur Gründung eines Vereins findet sich in Art. 9 GG, der die allgemeine Vereinigungsfreiheit beschreibt. Die Vereinigungsfreiheit ist damit auch ein Ausdruck des demokratischen Prinzips auf Partizipation und Teilhabe an einer diversen Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund erscheinen Vereine als grundrechtlich geschützte Organisationsformen (Zimmer, 2010, p. 18).

Unterschieden werden kann nach dem deutschen Recht dabei grundsätzlich zwischen zwei Formen von Vereinen: den ideellen und dem wirtschaftlichen Verein. Letzterer ist auf die Errichtung einer Organisation gerichtet, die einem wirtschaftlichen Zweck dient (Zimmer, 2010, p. 18). Hingegen ist bei dem ideellen Verein der Zweck ideeller Art und nichtwirtschaftlich. Ein solcher ideeller Zweck ist dann zu verzeichnen, wenn sich die Vereinsmitglieder für die Allgemeinheit und die Erreichung ideeller Ziele einsetzen (Zimmer, 2010, p. 19). Der ideelle Zweck kann dabei sowohl künstlerischer, sportlicher oder ethischer Natur sein. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird der Verein vor allem auch in einem organisatorischen Sinne definiert. Ein Verein bezeichnet danach eine Zusammenkunft von Personen zur Verfolgung eines gemeinsamen Zwecks auf freiwilliger Basis (Wicker & Breuer, 2012, p. 464). Es handelt sich demnach um eine kollektive Beziehung der Beteiligten, auf welche die Theorien zum kollektiven Austausch anwendbar sind (Buchanan, 1965, p. 1).

Die Jugendhilfe nimmt Bezug auf die Hilfeleistung zur Erziehung von Jugendlichen. Neben der Erziehung wird auch die Jugendarbeit von dem Begriff umfasst. Die Jugendhilfe bezieht sich auf die Unterstützung von Jugendlichen in Problemlagen, wobei sowohl eine Kontrolle wie auch eine Hilfe von außen bereitgestellt wird. Die Tätigkeitsfelder umfassen dabei sowohl gesellschaftliche Teilhabe wie auch die Freizeitgestaltung oder Persönlichkeitsentwicklung. Bei einer Jugendhilfeeinrichtung handelt es sich ebenfalls um einen kollektiven Austausch innerhalb einer Organisation, die dem gemeinsamen Zweck der Hilfeleistung an Jugendliche abdeckt, aber nicht unbedingt freiwillig sein muss (Ende, 2017, p. 21).

1.3. Regionale Träger im sport- und erlebnispädagogischen Bereich

Grundsätzlich stellen gemeinnützige Vereine, insbesondere im Bereich Sport, einen wichtigen organisatorischen Sektor dar. Insbesondere im kommunalen Umfeld kommt Vereinen im sport- wie auch erlebnispädagogischen Bereich eine besondere Bedeutung zu, da sie hier vielfältige Zwecke verfolgen wie in der Freizeitgestaltung von Jugendlichen oder in der Jugendhilfe selbst. Aufgrund dieser Bedeutung haben sich die Träger im sport- und erlebnispädagogischen Bereich in den letzten Jahrzehnten zu einem zentralen organisatorischen Faktor in der Zivilgesellschaft entwickelt. Auch der Staat hat dieses Potenzial von Vereinen erkannt und diese durch staatliche Förderung bislang unterstützt, damit die Träger ihre vereins- und verbandsorganisatorischen Aufgaben umfassend erfüllen können und dabei einem Gemeinwohl dienen. Die Aufgaben lassen sich konkretisieren auf Integrations-, Sozialisations- und Demokratiefunktionen (Braun, 2011, p. 107).

Insbesondere in der kommunalen Zusammenarbeit spielen Vereine eine hervorgehobene Bedeutung, da sie im Sinne eines Bildungsmixes für eine Mischung auf informeller Bildung und non-formalen Bildungsorten stehen (Pack & Ackermann, 2011, p. 112). Die Träger sind daher bislang fest eingebunden in die kommunalen Strukturen. Dennoch lässt sich in den letzten Jahren eine stetige Steigerung von Problemen identifizieren, mit denen die Träger zu kämpfen haben. Diese werden in dem nachfolgenden Abschnitt dargestellt Die allgemeinen Ausführungen lassen sich konkretisieren auf das Beispiel des Trainingscamp Diemelstadt, Jugendhilfeeinrichtung Durchboxen im Leben e. V. Das Trainingscamp Diemelstadt stellt eine Einrichtung dar, in der die Jugendlichen über einen Zeitraum von ca. sechs Monaten zusammen mit Trainern an ihrem Verhalten arbeiten können. Es handelt sich um ein spezifisches Erziehungsprogramm, durch das an bestimmten destruktiven Verhaltensweisen der Jugendlichen gearbeitet werden soll. Die Einrichtung liegt im nordhessischen Landkreis Waldeck Frankenberg in einem abgelegenen Waldstück.

Durch die Entfernung von größeren Städten sollen sich die Jugendlichen ganz auf die Arbeit an ihrem Verhalten konzentrieren können. Die Einrichtung verfügt über 20 Plätze für männliche Jugendliche. Das Erziehungsprogramm setzt sich zusammen aus sportlichen und pädagogischen Elementen, die auf ein eigenverantwortliches und soziales Verhalten wie auch deren Förderung abzielen. Zur Verwirklichung dieses Ziels wird eine Symbiose aus Sport, Gemeinschaft und Pädagogik verfolgt (Durchboxen im Leben e.V., 2017, p. 6).

Der Träger des Trainingsverbandes ist der eingetragene Verein Durchboxen im Leben. Der Dachverband ist der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. Die Leistungen beziehen sich auf die Heimerziehung sonstige betreute Wohnform nach §34 SGB VIII, die Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche (§35a SGB VIII), Hilfe für junge Volljährige, Nachbetreuung (§41 SGB VIII), die vorläufige Anordnungen über die Erziehung (§71 Abs. 2, JGG) wie auch die Untersuchungshaftvermeidung (§72 Abs. 4, JGG) und die weiterführende Betreuung Jugendwohngruppe (§34 SGB VIII) (Durchboxen im Leben e.V., 2017, p. 8). Durch Sportprogramme, tägliche Rituale und spezifische Projekte sollen die Jugendlichen in einen geregelten und selbstregulierten Tagesablauf überführt werden, der auf das Leben außerhalb der Einrichtung übertragen werden kann.

2. Problematiken und Synergieeffekte von gemeinnützigen Vereinen für Jugendliche und Jugendhilfeeinrichtungen

Eine Form der Vereine sind die gemeinnützigen (regionalen) Sportvereine. Gemeinnützige Sportvereine leiden seit Jahren unter organisatorischen Problemen bei der Gewinnung wie auch der Bindung von Mitgliedern, ehrenamtlichen Mitarbeitern wie auch Trainern. Auch die wirtschaftliche Lage der Vereine ist in vielen Fällen langfristig instabil (Wicker & Breuer, 2012, p. 462). Vor diesem Hintergrund stehen Vereine vor vielfältigen (ökologischen) Herausforderungen, die sie sich konkretisieren lassen auf sinkende staatliche Subventionen, einen demografischen Wandel und zunehmendem Wettbewerb durch kommerzielle Sportanbieter (Wicker & Breuer, 2012, p. 263). Hinsichtlich der finanziellen Ressourcen ist eine stetige Abnahme zu verzeichnen, wodurch organisatorische Schwierigkeiten auftreten. Der demografische Wandel führt hingegen zu einem Anwachsen der Bevölkerungsgruppe, die nicht zu der Zielgruppe von Jugendhilfeeinrichtungen gehören. Es lassen sich damit ökologische wie auch organisatorische Probleme identifizieren, mit denen gemeinnützige Jugendhilfeeinrichtungen wie auch die Jugendhilfe an sich konfrontiert sind.

Um diese Probleme zu bewältigen, stehen den Vereinen unterschiedlichen Formen des Einsatzes von Ressourcen zur Verfügung. Dazu gehört u. a. die Möglichkeit, Mitglieder für gesellschaftliche Veranstaltungen und ehrenamtliche Arbeit zu mobilisieren. Die Möglichkeit ist abhängig von der Identifikation der Mitglieder mit dem Verein, die zu einer höheren Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit führt (Wicker & Breuer, 2012, p. 467). Eine Möglichkeit der Bewältigung der beschriebenen Probleme ist der sog. Synergieeffekt. Wie bereits einleitend dargestellt, bezieht sich der Begriff auf die Kooperation und stellt deren Hauptzweck dar. Es handelt sich um das Ziel, durch die Kooperation eine gemeinsame Leistung umzusetzen. Der Begriff im Rahmen der Kooperation in Unternehmen lässt sich demnach wie folgt definieren:

Unter einer Synergie werden alle erfolgswirksamen Wertänderungen subsumiert, die kostenbezogen und/oder wirkungs- bzw. leistungsbezogen durch einen Unternehmenszusammenschluss generiert werden oder werden sollen (Ebert, 1998, p. 22).

Demnach ist von Synergie dann zu sprechen, wenn ein Zusammenwirken unterschiedlicher Faktoren vorliegt, durch das ein spezifischer Effekt erzielt wird, der sich von der Wirkung einzelner Faktoren unterscheidet (Elfeld, 2016, p. 42). Der Effekt kann u. a. in einer Gewinnsteigerung wie auch in der Steigerung sozialer Effekte (Mitgliederzahlen) widerspiegeln. Insgesamt bezieht sich die Synergie demnach auf eine Optimierung der Erreichung von Leistungszielen wie auch die Minimierung von Risiken.

III. Empirische Untersuchung

1. Forschungsdesign, Sample und Erhebung der Daten

Das Forschungsdesign orientiert sich an der Darstellung von König (2016). Wie bereits einleitend dargestellt, wurde für die Arbeit die quantitative Forschungsmethode gewählt. Ihr gegenüber steht die qualitative Forschung. Die qualitative Forschung untersucht die qualitative Beschaffenheit des Forschungsobjekts. Es werden demnach dessen besondere Merkmale und Eigenschaften analysiert. Die Analyse erfolgt in Form einer differenzierten und gegenstandsnahen Untersuchung, die an der Perspektive des Handelnden selbst ansetzt (Raithel, 2007, p. 8).

Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung wurde eine schriftliche Befragung auf der Grundlage eines generierten Fragebogens durchgeführt (III.2. Abschnitt). Der Fragebogen wurde den Befragten per E-Mail und postalisch zugesendet. In Einzelfällen wurde auch mit den Befragten eine telefonische Erläuterung des Fragebogens vorgenommen. Das Sample setzt sich aus potenziellen Kooperationspartnern zusammen, die sich der nachfolgenden Tabelle entnehmen lassen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In grün wurden die Kooperationspartner gekennzeichnet, die auf den Fragebogen geantwortet haben. In blau wurden die Kooperationspartner markiert, die keine Antwort gegeben haben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Praxisforschung als Möglichkeit zur Weiterentwicklung sozialpädagogischer Praxis und Professionalität
Untertitel
Ein Beispiel vom Trainingscamp Diemelstadt, Jugendhilfeeinrichtung Durchboxen im Leben e. V.
Hochschule
Internationale Berufsakademie der F+U Unternehmensgruppe Darmstadt
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
47
Katalognummer
V942223
ISBN (eBook)
9783346274472
Sprache
Deutsch
Schlagworte
praxisforschung, möglichkeit, weiterentwicklung, praxis, professionalität, beispiel, trainingscamp, diemelstadt, jugendhilfeeinrichtung, durchboxen, leben
Arbeit zitieren
Filip Radamm (Autor), 2019, Praxisforschung als Möglichkeit zur Weiterentwicklung sozialpädagogischer Praxis und Professionalität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/942223

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