Sisi - der Schönheitskult der Kaiserin


Referat / Aufsatz (Schule), 1997
5 Seiten

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Sisi - Der Schönheitskult der Kaiserin

Die Anfänge

Speziell in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts erlangte Elisabeth durch ihre unsagbare Schönheit Weltberühmtheit. Und dies, obwohl sie einst in ihrer Kindheit ein eher bubenhaftes und derbes Geschöpf mit einem runden Bauerngesicht war. Sogar als man sie später an den sächsischen Königshof schickte, um einen Bräutigam zu finden, kam sie ohne Erfolg und Begleitung zurück. Selbst ihre Mutter, Ludovika, beklagte, daß Sisi ,,keinen einzigen hübschen Zug" an sich habe. Trotz der noch ausbleibenden Schönheit war sie jedoch anmutig, sportlich, frisch aber auch ein wenig melancholisch. Als der junge Kaiser um Elisabeth warb, gaben ihr gerade diese Eigenschaften einen eigenen Reiz.

Trotz ihres Glücks war sie jedoch schon vom ersten Tag ihrer Ehe an leidend. Sisi hungerte, war oft kraftlos, stark blutarm und vor allem sehr unsicher auf dem höfischen Parkett. Durch ihre drei Geburten und ihre ständigen Hungerkuren bekam sie aber mit der Zeit eine weibliche und überaus schlanke Gestalt. Ihr Gewicht betrug ca. 50 Kilo, die Kaiserin hatte also erhebliches Untergewicht, und ihr Taillenmaß wird sogar mit 50 cm angenommen. Diese schmale Taille unterstrich sie noch durch extrem starkes Schnüren, das aber häufig zur Atemnot führte.

Es waren zunächst die einfachen Volksleute, die die Schönheit der Kaiserin bemerkten. Überall wo sei auftrat, strömten Massen von Menschen herbei, um ihren Anblick zu genießen. Weitaus schwerer hatte sie es mit der höfischen Gesellschaft, die kaum bereit war sie wegen ihrer Herkunft als Schönheit zu akzeptieren. Als sie schließlich aus Wien floh, entwickelte sich in der Einsamkeit Sisis Selbstbewußtsein, das sich in eine Art Auserwähltheitsgefühl steigerte.

Sisis zeigte auch mehrmals ihre Zuneigung zu schönen, jungen und auch völlig unbekannten Frauen, da es ihr nämlich Freude bereitete, sich neben ihnen zu zeigen.

Dabei war es der Kaiserin ganz egal, ob die Betreffende aus einer adeligen Familie kam, oder nur aus einer gewöhnlichen Familie stammte. Sie legte sogar ein Schönheitenalbum an und unterwies die österreichischen Diplomaten, ihr Fotos von diversen Schönheiten aller Länder zu schicken.

Sisis Intimfeindin: Pauline Metternich

Die Fürstin Pauline Metternich, die Frau des damaligen österreichischen Botschafters in Paris und die Enkelin des Staatskanzlers Metternich, war tatkräftiger, energischer und vor allem scharfzüngiger, weshalb sie auch spöttisch ,,Mauline Petternich" genannt wurde, als die Kaiserin und auch ihre härteste Kritikerin.

Als Pauline 1871 nach Wien zog, sah sie sich als die erste Dame der österreichischen Gesellschaft, da sie Sisi als für diese Stellung unfähig ansah. Die Fürstin übernahm sogar teilweise die Aufgaben der Kaiserin und wurde außerdem Leitfigur der Wiener Mode. Die Wiener Gesellschaft folgte ihr in Modefragen geradezu blind.

Elisabeth ihrerseits entwickelte eine tiefe Aversion gegenüber der stets überaktiven Fürstin, kommentierte ihre Modetorheiten recht spöttisch und verhöhnte all den Flitter und die Schminke Paulines. Der Stil der Kaiserin könnte man als zurückhaltend, nie ,,überladen" oder aufdringlich und erlesen bezeichnen. Für sie bezog sich Schönheit eher auf einen gesunden, anmutigen und schlanken Körper, klare Haut und prächtige Haare.

Es ist daher nicht verwunderlich, daß Sisi Pauline Metternich, wo es nur ging, auswich und ihren Kontakt mied.

Der Konflikt zwischen den beiden Frauen war vielmehr ein grundsätzlicher Gegensatz. Pauline Metternich war die erste Representationsfigur, eine Dame des öffentlichen Lebens, politisch und sozial gut informiert, aktiv und gesellschaftlich ambitioniert. Elisabeth wich auf der anderen Seite all diesen Verpflichtungen aus und betrachtete sich stets als Privatperson, schätzte ihre Individualität und war nur als Privatperson wohltätig.

Sisis Erscheinung und Probleme

Obwohl Pauline den österreichischen Adel und zum Teil auch die öffentliche Meinung für sich hatte, blieben Sisis Auftritte stets wegen ihrer märchenhaften Schönheit eine vielbesprochene Sensation. Überall stahl sie den anderen Damen ihre Show, wie zum Beispiel bei der Hochzeit ihres Bruders Carl Theodor in Dresden, wo sie mit den berühmten Diamantensternen im Haar erschien.

In dieser Zeit malte Winterhalter die drei berühmten Portraits der Kaiserin, die auch häufig kopiert wurden und so die Schönheit der Kaiserin weltbekannt machten. Sisi war ,,hoch und schlank, wunderschön geformt, mit einer Fülle von hellbraunem Haar, einer niederen griechischen Stirn, sanften Augen, sehr rothen Lippen mit süßem Lächeln, einer leisen, wohlklingenden Stimme, und theils schüchternem, theils sehr graziösem Benehmen."

Auf der Kaiserin lastete aber dadurch ein immenser Druck, da sie bei jedem öffentlichen Auftreten den neugierigen und kritischen Blicken des Publikums standhalten mußte. Jeder kleinste Toilette- oder Schönheitsfehler wäre bemerkt und kommentiert worden. Stets mußte also Elisabeth ihrem Ruf als die größte Schönheit der Monarchie gerecht werden. Wen kann es nun wundern, daß dieser Druck dazu führte, daß sie eine regelrechte Angst vor fremden Menschen entwickelte.

Vor allem versuchte sie, ihren einzigen Schönheitsfehler, nämlich ihre schlechten Zähne, der sich selbst durch die teuersten Zahnärzte nicht beheben ließ, zu verbergen. So kam es, daß sie beim Sprechen die Lippen so wenig wie nur irgendwie möglich öffnete. Dies führte aber zu einer extrem undeutlichen und leisen Aussprache. Des öfteren hüllte sie sich nur noch in Schweigen, was wiederum als mangelnde Intelligenz gewertet wurde und ihren Ruf als ,,schönes Dummerl" untermauerte.

Aber ebenso wie ihre Menschenscheu war auch ihr Narzißmus unverkennbar.

Die kaiserlichen Haare

Mit ihren Haaren, die ihr angeblich bis zu den Fersen reichten, betrieb sie einen wahren Kult. Sisis komplizierte Haarkrone, mit auf dem Kopf verschlungenen langen Zöpfen (,,Steckbrieffrisur"), benötigte einen riesigen Zeitaufwand. Die tägliche Haarpflege war unter 3 Stunden kaum zu schaffen.

Ihre Lieblingsfriseurin, Fanny Angerer (später Fanny Feifalik), verstand es prächtig, die Kaiserin mit großen Einfühlungsvermögen zu behandeln und sie auch mit Tricks zu bearbeiten. So ließ Fanny Angerer zum Beispiel die ausgekämmten Haare an einem an der Schürze befestigten Klebeband verschwinden, um Elisabeth einen Kamm ohne ausgekämmten Haaren vorzeigen zu können und Sisi so zufrieden zu stellen. Die Beziehung zwischen den zwei Damen steigerte sich sogar zu einer Art Abhängigkeit voneinander. Die Friseurin heiratete später den bürgerlichen Hugo Feifalik, der schließlich auf Bitten Fannys geadelt und sogar Privatsekretär der Kaiserin wurde.

Das Vertrauen Sisis machte Fanny aber mit der Zeit eingebildet und arrogant, aber auch vornehm und würdevoll. Es ging sogar soweit, daß die österreichische Kaiserin ihre Friseurin als Doppelgängerin in fremden Ländern einsetzte, um unbemerkt die verschiedenen Städte besichtigen zu können. Bis an ihr Lebensende machte Elisabeth das Frisieren zu einer ,,heiligen Handlung".

Die Pracht ihrer langen und wunderschönen Haare brachte aber auch ein großes Problem mit sich. Durch das immense Gewicht bekam Sisi oftmals Kopfweh und somit war gezwungen, ihre Haare mit Bändern in der Höhe aufzuhängen, um dem Kopf zu entlasten und ihm auf diese Weise die nötige Luft zuzuführen.

Der Kampf um die Schönheit

Je älter die Kaiserin wurde, desto anstrengender wurde auch der Kampf um die Erhaltung ihrer Schönheit. Sie versuchte daher, durch ständiges Hungern und übertriebenen täglichen Sport ihre schlanke Figur zu halten. Für ihre geschmeidige Haut legte sie sich nächtliche Gesichtsmasken mit rohem Kalbfleisch und in der Erdbeerzeit mit Erdbeeren auf, nahm warme Olivenbäder und trank jeden Tag eine Mixtur von fünf oder sechs Weißeiern mit Salz.

Der Tagesablauf der Kaiserin sah ungefähr so aus:

Aufstehen im Sommer gegen 5, im Winter gegen 6 Uhr. Dann ein kaltes Bad und Massage. Anschließend Turnen und Gymnastik, ein karges Frühstück, manchmal gemeinsam mit ihrer jüngsten Tochter Valerie, dann Frisieren. Diese Zeit nützte sie zum Lesen und Briefeschreiben, auch zum Ungarischstudium. Dann kam das Ankleiden. Mit all diesen Tätigkeiten war der Vormittag ausgefüllt. Beim Essen dagegen sparte die Kaiserin Zeit: Ihr oft nur aus wenig Fleischsaft bestehendes Mahl war in wenigen Minuten beendet. Nach dem Imbiß ein mehrstündiger Spaziergang, besser gesagt ein Gewaltmarsch in großem Tempo über riesige Distanzen in Begleitung einer Hofdame. Gegen 17 Uhr neuerliches Umkleiden und Frisieren, dann kam Marie Valerie zum Spielen. Wenn es gar nicht anders ging, erschien Elisabeth gegen 19 Uhr beim Familiendiner - und sah dort ihren Mann meistens das einzige Mal am Tag. Diese Zusammenkunft dauerte aber nicht lange. Denn Elisabeth zog sich sobald als möglich zurück - zum täglichen Plausch mit der Freundin Ida Ferency, die die Kaiserin auch für das Schlafengehen herrichtete und ihr die Haare löste.

Jede noch so kleine offizielle Verpflichtung wurde von ihr schon als Störung des gewohnten Tagesablaufs empfunden.

Als aber dann die ersten Anzeichen des Alters kamen, marterte Sisi ihren Körper mit stundenlangen gymnastischen Übungen, die sie am Barren, an den Ringen, mit Hantel und Gewichten aller Art durchführte. Sie ging sogar soweit, sich eigene Turnräume in ihren Residenzen für dieses tägliche Turnen einrichten z u lassen. Durch diese Maßnahmen blieb der Ruhm ihrer unglaublichen Schönheit rund dreißig Jahre bestehen - für damalige Verhältnisse eine unerhört lange Zeit.

Trotz ihres guten Aussehens fehlte der Kaiserin aber die Lebensfreude. Das esoterische, überempfindliche Wesen Sisis war aber andererseits auch mit einer gehörigen Portion Arroganz, die sie vor allem gegenüber ihren Kritikern äußerte, gekoppelt.

Mit ihrer Schönheit verstand sie es, ihren kaiserlichen Gatten, der ihr erster und glühendster Verehrer war, zu lenken und unter Druck zu setzen, um so die Erfüllung ihrer Wünsche zu erreichen. Die Kaiserin Elisabeth wußte also, wie sie ihr wunderschönes Aussehen am besten einsetzen konnte.

Geschichte - Wahlpflichtfach 1997 Thema: Kaiserin Elisabeth

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Sisi - der Schönheitskult der Kaiserin
Autor
Jahr
1997
Seiten
5
Katalognummer
V94805
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sisi, Schönheitskult, Kaiserin
Arbeit zitieren
Roman Huditsch (Autor), 1997, Sisi - der Schönheitskult der Kaiserin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94805

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