Die Natchez. Der Weg in die Diaspora

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Akademische Arbeit

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Inhalt

Der Weg in die Diaspora

Stabilität der Traditionen

Die Nation der Natchez

Hinweise

Literatur

Der Weg in die Diaspora

Führt man sich die Besiedlungsgeschichte Nordamerikas mit ihrer brutalen Landnahme quer über den gesamten Halbkontinent von Ost nach West vor Augen, dann muss es einen nicht wundem, dass auch bei dem Konflikt zwischen den Natchez und den Franzosen das bebaubare Land eine Rolle spielte. In den Jahren zu Beginn des 18.Jahrhunderts veränderte sich die französische Kolonialpolitik in dem damaligen Louisiana weg von reinen Handelsbeziehungen zwischen den indigenen Gruppen und den Kolonisten hin zur Plantagenwirtschaft mit einer Aneignung des Grund und Bodens durch die Plantagenbesitzer. Dadurch wurden die zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Europäern völlig unterschiedlichen Auffassungen von Eigentum deutlich aufgezeigt. Für die indigenen Gruppen war der für den Anbau geeignete Boden Gemeinschaftsbesitz, der von allen Mitgliedern der Gemeinschaft gemeinsam bearbeitet oder nur zum Zwecke des Anbaus zeitweilig einzelnen Familien überlassen wurde und dessen Ertrag, soweit er über den individuellen Bedarfhinausging, der ganzen Gemeinschaft zur Verfügung stand. Die Kolonisten brachten dagegen ihren Begriff von individuellem Grundeigentum mit nach Nordamerika und legten Verträge mit den einheimischen Bewohnern in ihrem Sinne aus. Die Erträge, die die Bodenbearbeitung erbrachte, wurden folglich auch nicht wie in vorkolonialer Zeit wieder verteilt, sondern kamen nur denjenigen zugute, die im Besitz des Landes waren. Mit Aufkommen der Plantagenwirtschaft wurde zudem für einen Markt außerhalb Nordamerikas und damit für eine der indigenen Bevölkerung völlig unbekannte Region produziert. Hinzu kam die geopolitische Bedeutung des Mississippi für die Expansionsbestrebungen Frankreichs. Durch seine Beherrschung wurde eine Verbindung zu Französisch-Kanada hergestellt und damit gleichzeitig ein Riegel um das Gebiet der Engländer gelegt, sowie eine Verbindung des spanischen Mexikos mit den spanischen Besitztümern in Florida verhindert.

Das Schicksal derNatchez zeigt, dass die durch die Kolonisten hervorgerufenen ökonomischen Veränderungen auf eine Vielzahl von divergierenden Interessen sowohl unterschiedlicher indigener Gruppen als auch miteinander rivalisierender europäischer Einwanderer trafen. Bündnisse zwischen indianischen und europäischen Gruppen konnten gleichzeitig bedeuten, dass sich sowohl eine indianische Gruppe über eine andere als auch, dass sich Franzosen über Engländer oder umgekehrt Vorteile von der Übereinkunft versprachen. Daneben gab es auch bereits vor Ankunft der Europäer Spannungen innerhalb der einheimischen Gruppen, sowie zwischen den einzelnen Häuptlingstümern. So betont Lorenz (in McEwan, 2000: 172 f.), dass die Macht der Großen Sonnen schon seit der De Soto-Expedition im Schwinden begriffen war. Eingeschleppte Krankheiten und der Sklavenhandel durch die Engländer führten zum Zusammenbruch vieler Häuptlingstümer und dem Entstehen neuer sozialer Strukturen. Ein Beispiel hierfür ist die Integration geflohener Nachbargruppen in die Natchez-Unterschicht der Gemeinen.

Die Spannungen zwischen Einheimischen und Franzosen nahmen zu, als unter Ludwig XIV. ein Privatinvestor dafür sorgen sollte, dass die bislang unrentable Kolonie Gewinn abwarf. Im Zuge dieser Bestrebungen wurde im Gebiet der Natchez ein Handelsposten und 1716 zur Befestigung dieses Postens ein Fort, das Fort Rosalie, errichtet. Vorausgegangen war in diesem Jahr der sog. Erste Natchez-Krieg. Die Bezeichnung Krieg ist in diesem Zusammenhang allerdings irreführend. Es handelte sich um einen Überfall auf französische Reisende und deren Ermordung durch Natchez- Indianer. Als Vergeltung hierfür nahm der damalige französische Militärbefehlshaber Jean-Baptiste Bienville eine Delegation derNatchez, die als Unterhändler gekommen war, als Geisel, um eine Auslieferung der für den Überfall Schuldigen zu erreichen. Der Vorfall endete mit der Hinrichtung von drei Tätern durch die Hand der Indianer selbst, wobeijedoch einer der Hingerichteten nicht der von den Franzosen verlangte dritte Mörder war. Hieran zeigt sich, dass der Tod der Männer von den Natchez eher als eine Art Kompensation für den angerichteten Schaden denn als individuelle

Bestrafung angesehen wurde.

Die Verwaltung der Kolonie Louisiana durch die Indienkompagnie und die vermehrte Ansiedlung von Kolonisten aus dem Mutterland sollten dazu dienen, die Kontrolle über die Kolonie zu verstärken. Eine der Aufgaben der Indienkompagnie war es, Landrechte an Privatpersonen zu vergeben. Ein großer Teil der Neuankömmlinge siedelte sich auf dem Land der Natchez an, um dort Anbau zu betreiben. In der Folge kam es in den Jahren 1722 und 1723 zu zwei weiteren sog. Natchez-Kriegen. Bei beiden ging es im Grunde um Streitigkeiten um die Nahrungsmittelversorgung. Im einen Fall war die Unbeherrschtheit eines französischen Soldaten wegen einer Lebensmittellieferung, die mit dem Tod eines Häuptlingssohnes endete, und im anderen waren Viehdiebstähle durch die Indianer der Anlass. Der zweite Krieg bestand im Wesentlichen daraus, dass die Natchez aus Hinterhalten heraus Jagd auf die Siedler machten. Mit einer Kalumetzeremonie und der Übergabe einer größeren Anzahl von Hühnern an die Franzosen konnte diese Auseinandersetzung noch beigelegt werden. Bei dem dritten Krieg kam es dagegen zu keiner dauerhaften Befriedung mehr. Nachdem die Franzosen mehrere Dörfer der Natchez völlig niedergebrannt hatten, wurde der Anführer der Unruhen exekutiert. 1729 kam es zu einem letzten Aufbegehren der Natchez gegen die Kolonialmacht, dessen Auslöser eskalierende Streitigkeiten um Land waren, als der Kommandant von Fort Rosalie Land der Natchez beschlagnahmen wollte. Im Zuge der Auseinandersetzungen bemächtigten sich die Natchez der Gewehre und der Munition der Garnison und fielen über die französischen Soldaten und Siedler her. Es gab über 100 Tote. Ein Jahr später übten die Franzosen Vergeltung, indem sie zwei in der Zwischenzeit errichtete Forts derNatchez belagerten. Den Belagerten gelang es schließlich auszubrechen und sich zwischen Mississippi und Red River zu verschanzen und dort ein neues Fort zu errichten. Einer neuen Belagerung durch verstärkte Kräfte der Franzosen konnten die Natchez aber nicht standhalten. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen. Hunderte Natchez, Männer, Frauen und Kinder, wurden als Sklaven nach Santo Domingo verschleppt, einige blieben in der Nähe ihrer Heimat und führten dort eine Art Guerilla-Krieg und die meisten suchten Zuflucht bei ihren Verbündeten, den Chickasaw.

Die Auseinandersetzungen zwischen den Natchez und den Franzosen zeigen, dass die Landnahme durch die Europäer nicht nur neue, den Indianern unbekannte Eigentumsformen, sondern auch völlig neue Produktionsformen einführte. Die neuen Bodenbearbeitungstechniken waren den einheimischen überlegen und führten bald zu einer Bedrohung der indianischen Nahrungsmittelversorgung (Milne, 2015: 88 - 91, 116). Erschwerend wertetMilne (2015: 93, 98), dass um das für den Anbau geeignetste Land von einer so zahlreichen Bevölkerung konkurriert wurde wie sonst kaum irgendwo in Nordamerika. Die Strategie, mit der sich eines der Natchez- Dörfer wehrte und die schließlich zum dritten Natchez-Krieg führte, glich einer allmählichen stufenweise Eskalation von Übergriffen, die von Milne (2015: 94 f.) als eine Art Ermahnung beschrieben wird, sich den Ordnungsvorstellungen der Einheimischen unterzuordnen. Ziel der Angriffe war zunächst nur das Nutzvieh der Siedler und dabei auch nur dasjener Siedler, die sich in den Augen der Indianer einer Überausbeutung der natürlichen Ressourcen schuldig gemacht hatten (Milne, 2015: 100). Milne(2015:70-75, 105 f., 111, 115-119)weistnach, dass die Artder Streitschlichtung anfangs eher die Autorität der Sonnen aus dem führenden Dorf stützte, weil deren interne Widersacher ausgeschaltet wurden, später aber kaum mehr auf diese Weise wirkte. Verantwortlich hierfür macht Milne (2015: 116f.) die zwischen Einheimischen und Kolonisten gemischte Siedlungsweise, wodurch sich viele Beziehungen zwischen diesen beiden Gruppen dem Einfluss der alten Eliten entzogen, und den Zugang der weiter am Rande der Natchez-Region gelegenen Dörfer zu englischen Waren, die dem führenden Dorf nicht zur Verfügung standen und somit nicht von den Großen Sonnen ihren Untertanen nicht zur Verfügung gestellt werden konnten.

Als die Protagonisten der anfänglichen Streitschlichtungsmethoden starben bzw. nach Europa zurückkehrten, fehlten auf beiden Seiten Verhandlungsführer, die mit diplomatischen Geschick Unruhen beruhigen konnten.

Bei den Chickasaw trafen die Natchez auf eine in sich gespaltene Gesellschaft. Die Region, in der die Chickasaw an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert lebten, war sowohl für die Engländer als auch die Franzosen von Bedeutung. Frankreich benötigte diese Region im nördlichen Teil des heutigen Bundesstaates Mississippi, um eine Verbindung zwischen französisch Louisiana und Kanada herzustellen, und England wollte im Zuge seines Vordringens von Ost nach West genau diese Verbindung verhindern (Johnson et al., 2008: 5). Diese exponierte Lage führte dazu, dass die zwei Hälften, in die die Chickasaw-Gesellschaft gegliedert war, die rote und die weiße Hälfte oder die Hälfte der „Großen Prärie“ und die der „Kleinen Prärie“, eine Bezeichnung, die die Franzosen erfunden hatten, sich derjeweils anderen europäischen Kolonialmacht zuwandten. Die weiße Hälfte, die den Franzosen zuneigte, widersetzte sich der Aufnahme derNatchez, während die rote Hälfte, die mit den Engländern sympathisierte, die Flüchtlinge in ihren Reihen akzeptierte (Johnson et al., 2008: 8). Archäologische Belege bestätigen, dass die geflohenen Natchez vor allem in den pro-englischen Dörfern Aufnahme fanden (Johnson in McEwan, 2000: 98). Die weiße Hälfte ging in ihrem Widerstand gegen die Neu-Ankömmlinge sogar so weit, dass sie Verhandlungen mit den Franzosen über eine Auslieferung derNatchez führte (Johnson et al., 2008: 8). Der Friedenshäuptling, der in einem Dorf der weißen Hälfte lebte, drohte damit, sich den Verbündeten der Franzosen, den Choctaw, zuzuwenden (Johnson in McEwan, 2000: 104). Allerdings war auch die rote Hälfte sich ihrer Sache nicht uneingeschränkt sicher, obwohl sie sich einer Übergabe der Natchez an die Franzosen erfolgreich widersetzte (Johnson et al., 2008: 8, 23). Dies dürfe ihr dadurch erleichtert worden sein, dass sie von den Engländern mit großen Mengen an Waffen und Munition versorgt wurde (Johnson et al., 2008: 23). Die Natchez-Frage blieb ungelöst und war weiterhin ein Grund andauernder Streitigkeiten zwischen Chickasaw und Franzosen. An der Weigerung, die Natchez auszuliefern, scheiterte das Zustandekommen eines Bündnisses zwischen Chickasaw und Franzosen mit der Folge militärischer Angriffe der französischen Kolonialtruppen auf Chickasaw-Dörfer (Johnson in McEwan, 2000: 97). Als ein Teil der Chickasaw weiter nach Osten bis nach South-Carolina und Georgia zog, um sich am Savannah-River und damit näher bei ihren englischen Verbündeten niederzulassen, begleitete sie eine Gruppe von Natchez (Smyth, 2016: 108 f.). Eine andere Gruppe von Natchez siedelte sich gemeinsam mitjenen Chickasaw, die nicht den Weg bis zum Savannah mitgehen wollten, ungefähr auf halber Distanz zwischen dem angestammten Chickasaw-Land im Nordosten des heutigen Mississippi und den Savannah- Chickasaw an (Smyth, 2016: 110 f.).

In ihrer neuen Heimat kamen die Natchez mit den benachbarten Cherokee, einem weiteren Verbündeten der Engländer, in Kontakt. Das Fehlen der uneingeschränkten Unterstützung aller Chickasaw-Gruppen dürfte sich günstig auf die Annäherung an die Cherokee ausgewirkt haben. Die Cherokee siedelten in fünf geographischen Bezirken, die aus mehreren Dörfern bestanden (Schroedl in McEwan, 2000: 204 f.): Die Lower Towns befanden sich an den oberen Zuflüssen des Savannah, die Middle Towns an den oberen Zuflüssen des Little Tennessee, die Valley Towns am oberen Hiwassee, die Overhill Towns in den Tälern des Hiwassee und des Little Tennesse und die Out Towns am oberen Little Tennessee und dessen Zuflüssen. Diese Bezirke lagen damals alle im Grenzgebiet der heutigen Bundesstaaten Tennessee, North und South Carolina. Im 18. Jahrhundert waren sie ein regelrechter Schmelztiegel unterschiedlicher indigener Gruppen sowohl aus dem Norden als auch dem Südosten (Hamilton, o. D.: 26). Obwohl die Bewohner dieserBezirke kulturelle und sprachliche Gemeinsamkeiten und gemeinsame verwandtschaftliche Beziehungen aufwiesen, gab es keine Führungspersonen für alle oder mehrere Dörfer und kaum hierarchische Strukturen innerhalb der Siedlungen (Rodning in Ethridge und Hudson, 2002: 155, 171). Es kam höchstens zu zeitweiligen Bündnissen, wenn dafür besondere Anlässe vorlagen. Die Natchez zog es insbesondere in die Dörfer der Overhill Towns. Archäologische Funde zeigen, dass Natchez sich am Little Tennessee-River, einem Nebenfluss des Tennessee, niedergelassen haben (Schroedl in McEwan, 2000: 215). Außerdem gibt es Hinweise auf eine Gruppe von Natchez am Hiwassee-River in North Carolina (Barnett, 2007: 132). Die Engländer legten großen Wert darauf, sich mit Hilfe von Waffen und anderen Ausrüstungsgegenständen vor allem die Unterstützung der Bewohner der Overhill Towns an der Grenze zum Einflussbereich der Creek und der Franzosen zu sichern (Schroedl in McEwan, 2000: 217). Erst dadurch erlangten die Overhill-Dörfer allmählich die Oberhand über die anderen Cherokee-Regionen und ihre führenden Personen übten bald politische und militärische Macht über alle Cherokee aus. Einer Bestrafungsaktion des englischen Militärs als Reaktion auf eine Belagerung eines englischen Forts durch Cherokee entgingen die Overhill-Dörfer fast unbeschadet (Schroedl in McEwan, 2000: 218). Den Dörfern am Little Tennessee und am Hiwassee war es offenbar unter allen Cherokee-Dörfern noch am ehesten gelungen, den Zerstörungen durch die englische Kolonialmacht und später durch die US-amerikanischen Streitkräften zu entkommen (Schroedl in McEwan, 2000: 222 f.). Nach der amerikanischen Unabhängigkeit erlebten die Cherokee unter dem Einfluss der neuen US-Regierung eine erstaunliche Renaissance. Mit New Echota im Norden Georgias entstand eine neue Hauptstadt, eine verfassungsgebende Nationalversammlung wurde einberufen, Missionsschule gegründet und unabhängig von den offiziellen politischen Maßnahmen von einem Cherokee namens Charles Sequoyah eine Schrift ausgearbeitet (Lindig/Münzel, 1976: 85 f.). Die Cherokee wurden so zum Vorbild für die anderen indigenen Gruppen des Südostens, den Chickasaw, den Choctaw, den Creek und den Seminolen. Die Beziehungen der Natchez zu den Cherokee scheinen so eng gewesen zu sein, dass sie ihnen einen weitreichenden Schutz vor feindlichen Übergriffen boten (Smyth, 2016: 135).

Mit den Natchez fand die englische Kolonie im Südosten Nordamerikas neben den Chickasaw und den Cherokee einen weiteren Verbündeten gegen ihren französischen Rivalen im Kampf um die Vorherrschaft in Nordamerika. Als Kundschafter gegen das benachbarte Spanisch-Florida oder als Helfer beim Einfangen entlaufener afrikanischer Sklaven leisteten die Natchez den Engländern so wertvolle Dienste, dass sie sie mit Land am Edisto-River belohnten (Smyth, 2016: 123 ff.).

Auf Grund gemeinsamer Aktionen mit den Engländer und ihrer gemeinsamen Sklavenraubzügen gab es schon vor Ankunft der Natchez eine feste Bindung zwischen den Chickasaw und den Creek, die einige Natchez vom Little Tennessee zu nutzen wussten, um sich im Gebiet der Abihka-Creek niederzulassen (Smyth, 2016: 139 f.). Die Abihka-Creek lebten im Nordosten des heutigen Alabama, an der Grenze zum nordwestlichen Teil des heutigen Georgia, und damit nördlich der von den Alabama- und Tallapoosa-Creek bewohnten Gebiete. Als die Abihka im 18. Jahrhundert weiter nach Süden zogen (Waselkov und Smith in McEwan, 2000: 247), dürfte für die Natchez eine eher ungemütliche Situation entstanden sein. Die Alabama lavierten nämlich bewusst zwischen den englischen und französischen Fronten und gingen dabei sogar so weit, den Franzosen den Bau von Fort Toulouse aufihrem Territorium zu gestatten (Waselkov und Smith in McEwan, 2000: 249). Unter dem Einfluss der Franzosen griffen Creek-Gruppen auch Cherokee-Siedlungen, vor allem die im Grenzbereich der Carolinas und dem heutigen Georgia liegenden Lower- und Valley-Towns, an, sodass deren Bewohner verstärkt sich in die sichereren Gegenden wie den Overhill-Towns zurückzogen (Rodning, 2010: 15 f., 21). Größere Sicherheit könnte den Natchez dagegen die Nähe der Abihka zu den im östlichen Teil des heutigen Alabama siedelnden Okfuskee-Creek geboten haben (Waselkov und Smith in McEwan, 2000: 255). Trotz der für die Natchez gefährlichen Versuche der Franzosen, die Creek für ihre gegen die Engländer gerichteten Interessen einzuspannen, gelang es den Natchez, sich bei den Creek dauerhaft und nachweislich bis ins 19. Jahrhundert zu etablieren, ohne ihre eigene Identität aufgeben zu müssen (Smyth, 2016: 141 ff., 157 ff.). Anders als bei den Cherokee war nach dem Ende Frankreichs als amerikanische Kolonialmacht die gesellschaftliche Entwicklung der Creek von Niedergang gekennzeichnet (Lindig/Münzel, 1976: 84). Eine Schaukelpolitik zwischen zwei Kolonialmächten warjetzt nicht mehr möglich. Nach der amerikanischen Unabhängigkeit spalteten sich die Creek in einen pro-amerikanischen und einen eher traditionellen Teil (Waselkov und Smith in McEwan, 2000: 258). Der Druck auf jene Creek, die sich nicht dem amerikanischen Lebensstil anpassen wollten, wurde bald so groß, dass sie militärischen Übergriffen seitens der Regierungstruppen ausgesetzt waren und ein großer Teil ihrer Bevölkerung nach Florida auswich und sich mit den dort heimischen Gruppen vermischte.

In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts erlitten die verbliebenen Natchez das gleiche Schicksal wie ihre gastgebenden Gruppen im Südosten, denen ihr Land genommen wurde und die weiter nach Westen in das sog. Indianerland vertrieben wurden (Bamett, 2007: 133). Mit ihnen gelangten die meisten Natchez nach Oklahoma, wo ihre Nachkommen heute noch leben. Die Edisto-Natchez durften offenbar in South-Carolina bleiben und dort ihr Leben als Siedler fristen (Barnett, 2007: 134). Der Ethnologe John Swanton konnte Anfang des 20. Jahrhunderts die letzten Natchez, die noch der Sprache ihrer Vorfahren mächtig waren, interviewen. Einige Jahre später gelang es, die Natchez-Sprache auf Wachs-Zylinder, von denen heute noch welche existieren, aufzuzeichnen (Bamett, 2007: 134). In Oklahoma passten die Natchez ihre kulturellen Ausdrucksformen zum Teil dem der Creek und Cherokee an. Das Verwandtschaftssystem und die materiellen Kulturgüter ähneln denen der beiden größeren Gruppen (Galloway und Jackson in Fogelson, 2004: 611). In Bezug auf religiöse Zeremonien, Musik und Tanz blieben Natchez-Elemente allerdings deutlich erkennbar und die Natchez spielten auch eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung traditioneller Riten (Galloway und Jackson in Fogelson, 2004: 612 f.). Mit Hilfe des Internets versuchen neuerdings die Natchez in Oklahoma, die versprengten Angehörigen ihrer Ethnie ausfindig zu machen und so etwas wie eine Vernetzung zwischen ihnen herzustellen (vgl. Website der Natchez- Nation). Allerdings verfügen im Gegensatz zu den Edisto-Natchez, die immerhin durch den Staat South-Carolina als indianische Nation anerkannt worden sind, die Natchez in Oklahoma bis heute weder über eine bundesstaatliche Anerkennung noch über eine Anerkennung durch die Bundesregierung in Washington, wodurch auf einer Ebene mit den Behörden verhandelt werden könnte. Das über Jahrhunderte währende Überleben von Teilen ihrer Tradition, ohne dass diese an eigene politische Strukturen gebunden waren, zeigt, dass es den Natchez offenbar gelungen war, auch in der Fremde eine Nische zu finden, in der Elemente ihrer Kultur fortbestehen konnten.

Stabilität der Traditionen

Perdu und Green (2013: 7) und auch Mattioli (2017: 351) sprechen von einer erstaunlichen Langlebigkeit indianischer Lebensgewohnheiten zum Teil bis in unsere Zeit. Soziologen, Ethnologen, Anthropologen und indigene Forscher haben sich in der letzten Zeit vermehrt diesem Phänomen gewidmet. Gerade kleiner Gruppen oder Gruppen, die als ausgestorben oder weitestgehend ausgestorben galten, sind damit ins Blickfeld der Spurensuche gelangt. Vor diesem Hintergrund stellt sich für eine Gruppe wie die der Natchez, die lange Zeit gar nicht mehr als eine geschlossene soziale Gemeinschaft wahrgenommen worden ist, die Frage, was aus ihrer Kultur in den vergangenen Jahrhunderten geworden ist und was die Gründe für einen derart beharrlichen Überlebenswille sind, dass sich heute wieder Menschen auf ihre Natchez-Herkunft berufen. Für eine belastbare Antwort hieraufbedarf es eingehender Untersuchungen, vielleicht auch unter Einbeziehung von Sozialpsychologen, Linguisten und Naturwissenschaftlern. Ohne eine solche Spurensuche kann höchstens die Richtung angedeutet werden, in der Antworten gefunden werden könnten. Am Anfang des Weges in die Diaspora waren die Natchez noch eine eigenständige soziale Gruppe. Es müsste untersucht werden, wie stark das Bewusstsein von einer eigenen Gruppe im Denken der Natchezjener Zeit verankert war und welche Kräfte es gab, die geeignet waren, einer Reduzierung dieses Bewusstseins entgegen zu wirken. Auf dem weiteren Weg geht es um die Beziehung der Natchez zu ihren gastgebenden Gruppen. Es wäre nachzuschauen, welche Mechanismen vorhanden waren, die es den Geflohenen erlaubten, auch bei den aufnehmenden Gruppen Elemente ihrer eigenen Kultur zu bewahren.

Milne (2015: 168) weist daraufhin, dass die Identifizierung mit der Farbe „Rot“ als Mittel zur Bewusstmachung der eigenen Gruppenzugehörigkeit und zur Unterscheidung von den Weißen und den afrikanischen Sklaven möglicherweise von der Region am unteren Mississippi ihren Ausgang nahm. Gestützt wird diese Sichtweise von Shoemaker (1997: 627) mit ihrem Hinweis auf eine frühe Verwendung des Wortes „Roter Mann“ durch einen Taensa-Häuptling in einer Unterredung mit Franzosen. Hinzu kommt für Shoemaker (1997: 629 f.), dass das Wort „Rot“ als Gruppenbezeichnung zujener Zeit nahezu ausschließlich im Südosten und fast kaum im Nordosten gebraucht wurde und dass in der Sprache der Natchez und dem verwandten Muskogee Indianer mit „Roter Mann“ übersetzt wird. Außerdem wurde Shoemaker (1997: 628 f.) zufolge die Bezeichnung „Rot“ zu Beginn des 18. Jahrhunderts nur selten von den Europäern, sehr wohl aber von den Indigenen in Unterredungen mit den Franzosen oder Engländern benutzt. Zudem waren die Bezeichnungen „Rot“ und „Weiß“ den Indigenen bereits auf Grund der farblichen Zuordnung zu den zwei Hälften vieler südostindianischer Gesellschaftsstrukturen vertraut. Sollte der Prozess der Identifizierung mit der Farbe „Rot“ tatsächlich von den Gruppen am unteren Mississippi ausgegangen sein, so wäre dies ein deutliches Indiz für deren Gruppenbewusstsein und auch dafür, dass es offenbar starke Kräfte gab, die für die weitere Verbreitung dieses Bewusstseins sorgten.

Susan Alt (2007: 4 f.) geht der Frage nach, wie man feststellen kann, ob in einer lokalen Bevölkerung fremde Personen aufgenommen worden sind. Zur Untersuchung gesellschaftlichen und kulturellen Wandels schlägt sie vor, sich verstärktjenen Personengruppen zuzuwenden, die sich nicht freiwillig einer anderen Gesellschaft angeschlossen haben Dabei kann man zunächst an Kriegsgefangene oder Sklaven denken. Zu der Kategorie der zwangsimmigrierten Personen gehören sicher auchjene, die nicht freiwillig ihre ursprüngliche soziale Gruppe verlassen haben oder deren Gruppe als gesellschaftliche Formation zerschlagen wurde und die in einer anderen Gruppe Aufnahme gefunden haben. Zur Erklärung der Vorgänge beim Zusammentreffen der bestehenden Gruppe und den aufgenommenen Personen wendet Alt (2007: 6) das Konzept der Hybridisierung an. Dieses besagt, dass nicht nur die dominierende Gruppe der Motor des Wandels ist, sondern dass auch die Gruppe, die sich einordnen muss, zu dem Wandel beiträgt, und dass nicht einfach nur ein Zusammenfügen verschiedener sozialer Gruppe stattfmdet, sondern dass etwas völlig Neues entsteht. Hieraus ergeben sich Probleme für den Nachweis eines Vorhandenseins von aufgenommenen auswärtigen Personen. Je stärker sich integrierte und aufnehmende Gruppe einander angepasst haben, um so schwieriger lassen sich ursprüngliche Bevölkerung und hinzu gekommene Gruppen unterscheiden. Alt (2007: 12) hält Anzeichen, die Auskunft über die Ernährungsgewohnheiten Verstorbener geben, für gut geeignet, um festzustellen, ob Fremde in einer bestehenden Gruppe aufgenommen wurden. Unterschiedliche Ernährungsweisen lassen sich Alt zufolge lange Zeit im chemischen Aufbau der Knochen nachweisen. Da im gesamten Südosten recht unterschiedliche Maisprodukte in der alltäglichen Ernährung verzehrt wurden, kann deren Nachweis im Knochenmaterial Andeutungen über die Herkunft eines Toten liefern. Unterschiedlicher molekularer Aufbau von Knochen lassen Rückschlüsse aufBevölkerungsteile zu, deren Ernährungsweisen sich voneinander unterschieden haben (Alt, 2007: 15). Hinzu kommen dürften in Zukunft DNA-Analysen. Daneben gibt es soziale Komponenten, die helfen können, Zuwanderungen zu erkennen. Als Indikatoren dafür, inwieweit sich fremde Rituale in einer lokalen Bevölkerung erhalten haben, wertet Alt (2007: 16,18 f., 22) etwa unterschiedliche Bestattungsformen oder Anzeichen von Mythen und deren Praktizierung, die ihren Ursprung in einer ganz anderen sozialen Gruppe haben. Die beschriebene soziale Hybridisierung kann in Bezug auf die Natchez sowohl bei der Aufnahme fremder Gruppen in ihr eigenes Sozialgefüge als auch später bei ihrer Integration in andere Gruppen eine Rolle gespielt haben.

Vielleicht trug zu der Unsicherheit der Chickasaw über den Umgang mit den Natchez bei, dass sich die Natchez anders als andere aufgenommenen Gruppen eine weitgehende Eigenständigkeit bewahrten. Darauf deutet hin, dass in den Dörfern der Großen Prärie nur Keramikwaren der Natchez, aber keine von anderen aufgenommenen Gruppen gefunden wurden (Johnson, 2008: 24 f.). Johnson (in McEwan, 2000: 103 ff.) betont, dass die Chickasaw an ihrer Siedlungsweise in lokalen Dörfern auch im 18. Jahrhundert festgehalten haben und dass diese bedeutender war als andere Organisationsformen und häufig Dörfer den Kern bildeten, um den herum sich durch Verwandtschaft miteinander verbundene Gruppenmitglieder ansiedelten. Eine solche Siedlungsweise musste Gruppen, die auf ihre Gruppenidentität Wert legten und deren Empfinden für ihre Zusammengehörigkeit besonders ausgeprägt war, entgegen kommen.

Bereits vor dem 18. Jahrhundert lebten in den Cherokee-Dörfern Angehörige unterschiedlicher ethnischer Gruppen und auch unterschiedlicher Sprachen (Rodning in Ethridge und Hudson, 2006: 156). Diese Situation schufBedingungen, die es einzelnen ethnischen Gruppen ermöglichte, einen eigenen kulturellen Weg innerhalb der Strukturen der aufnehmenden sozialen Einheit zu finden. Bezeichnend hierfür ist das Beispiel einerNatchez aus Overhill-Town, deren fünf Söhne alle später bekannte Kriegshäuptlingen der Cherokee geworden sind (Hamilton, o. D., o. O.: 31). Einer dieser Nachkommen war Häuptling Dragging Canoe, der sich während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges den Friedensverhandlungen anderer Cherokee-Häuptlingen mit den amerikanischen Revolutionstruppen widersetzte (Schroedl in McEwan, 2000: 222 und Rodning, 2010: 19 f.). Dragging Canoe war es auch, der zusammen mit anderen Häuptlingen viele Cherokee nach Süden, ins nördliche Georgia und Alabama und ins südliche Tennessee führte, um den fortgesetzten Angriffen der Revolutionstruppen zu entgehen (Schroedl in McEwan, 2000: 222 und Rodning, 2010: 19 f.). Unter den Bedingungen zahlreicher Auseinandersetzungen mit der Kolonialmacht und später mit der US-Regierung und dem Sklavenhandel während des 18. und der ersten Jahre des 19. Jahrhunderts hatten führungsstarke Personen wie Dragging Canoe gute Chancen sich zu profilieren und an Ansehen zu gewinnen. Gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die Cherokee zu der bedeutendsten indigenen Bevölkerungsgruppe mit den stabilsten Sozialstrukturen im Südosten. Das warjene Zeit, als fortgeschrittene politische Organisationsformen und die Silbenschrift der Cherokee-Sprache entstanden. Gegen die Umsiedlungspolitik der Zentralregierung in Washington leisteten die Cherokee erheblichen Widerstand. Dabei taten sich insbesonderejene Gruppen hervor, bei denen sich auch die Natchez niedergelassen hatten. In diesem Zusammenhang sollte der Frage nachgegangen werden, ob die relative Stabilität der Cherokee-Sozialstrukturen und auch der Widerstandswille gegen die Vertreibung den Natchez bei der Bewahrung von Teilen der eigenen Kultur geholfen hat.

Trotz der gegenläufigen gesellschaftlichen Entwicklungen bei Cherokee und Creek wurde auch bei den Creek beobachtet, dass von den Natchez abstammende Personen Führungspositionen inne hatten (Smyth, 2016: 155/157). Vor diesem Hintergrund sollte in den Blick genommen werden, ob es bei den Natchez Verhaltensdispositionen gab, die führungsstarke Persönlichkeiten unterstützten, und ob bei den Cherokee wie auch den Creek einander ähnelnde Faktoren gefunden werden können, die solchen Persönlichkeiten entgegen kamen und ob solche Faktoren vielleicht sogar isoliert betrachtet werden können, um ihre Bedeutung für ein Fortbestehen kultureller Elemente ermessen zu können. Außerdem wird berichtet, dass bei den Creek auch die Sprache der Natchez zu hören war (Smyth, 2016: 156). Da in der Konföderation der Creek ohnehin unterschiedliche Sprachen gesprochen wurden, scheinen integrierte Gruppen wie die Natchez keinem größeren Druck ausgesetzt gewesen zu sein, ihre eigene Sprache aufzugeben. Damit hat es offenbar ein Medium gegeben, über das eigene kulturelle Werte weiter transportiert werden konnten. Schließlich existieren mehrere Aufzeichnungen, in denen von eigenen Natchez-Siedlungen bei den Abihka erzählt wird (Smyth, 2016: 153 - 155, 158). Sollten sich diese Aussagen in den schriftlichen Quellen erhärten lassen, etwa durch archäologische Arbeiten, so wäre ein Hinweis gefunden, dass auch in der Fremde eine sozialstrukturelle Kontinuität bei den Natchez nicht auszuschließen ist.

Schließlich müsste auch nachgeschaut werden, ob und inwieweit die Landzuweisungen an die Natchez durch die englische Kolonialmacht für erwiesene Hilfsdienste geeignet waren, ein Überleben im Osten zu erleichtern. Immerhin gelang es einigen Natchez, die gewaltsame Umsiedlungspolitik in den 1830er Jahren als sesshafte Ackerbauern zu überstehen und bis heute am Edisto-River in South-Carolina einigermaßen unbehelligt zu siedeln, zu leben und zu arbeiten.

Unter dem Einfluss der kolonialen Ereignisse brachen die Mississippi-Häuptlingstümer, so wie sie noch de Soto und seine Begleiter erlebt hatten, auseinander und die verbliebenen Teile fügten sich zu neuen Gesellschaftstypen zusammen. Kowalewski und King (in Pluckhahn und Ethridge, 2006: 117, 119 f., 194) vermuten, dass in diesen neuen Formationen Verwandtschaftssysteme eine stärkere Rolle gespielt haben als in den hierarchischen Häuptlingstümern. Damit kann auch eine Betrachtung des Natchez-Clansystems insofern lohnenswert sein, als es Aufschluss darüber liefern könnte, ob und inwieweit für die überlebenden Natchez die Möglichkeit bestand, sich in frühere Sozialstrukturen zurückzuziehen und in dieser Nische Elemente ihrer Kultur zu bewahren. Kowalewski (in Pluckhahn und Ethridge, 2006: 119) betont, dass Verwandtschaftsstrukturen und hierarchische Systeme in den Mississippi-Gesellschaften zwar nebeneinander bestanden, sich aber nicht vermischten. Die wenigen Erwähnungen von Clans in den Chroniken über die Natchez können einmal damit zu tun haben, dass sie die Aufmerksamkeit der europäischen Beobachter nicht so deutlich auf sich zogen wie die Strukturen der Sonnen-Dynastie, und zum anderen damit, dass Verwandtschaftsstrukturen von den Autoritäten der Hierarchie, einem Hinweis Kowalewskis (Pluckhahn und Ethridge, 2006: 120) zufolge, wenig Sympathie entgegengebracht wurde. Dies erklärt sich daraus, dass Clansysteme zwar zurückreichen bis in nicht-zentrale Gesellschaften, sie gab es bereits im nordamerikanischen Archaikum, aber nicht zwangsläufig an der Entstehung komplexer Häuptlingstümer beteiligt waren. Erst die Bildung neuer Institutionen auf der Basis der zerrütteten Mississippi-Häuptlingstümer rückte Clansysteme wieder in den Vordergrund. Auf diese Weise konnten auch die Natchez-Clans wieder aufleben und mit ihnen durch sie vermittelte

Traditionen.

Die Denkanstöße von Milnes, Shoemaker und Alt und die Lebensbedingungen, die die zu den Chickasaw, den Cherokee und den Creek geflohenen Natchez bei ihren Nachbargruppen vorfanden, weisen auf einige Indizien hin, deren nähere Betrachtung vielleicht weiteren Aufschluss darüber geben kann, wie es den Nachfahren derNatchez vom Unterlauf des Mississippi gelungen sein könnte, Teile ihrer Kultur bis nach Oklahoma mitzunehmen und bis heute zu bewahren.

Die Nation der Natchez

Die meisten Nachkommen der Natchez leben heute in Oklahoma, einige Familien auch in South Carolina. Der Sitz derNatchez-Nation mit ihrem Oberhaupt, der derzeitigen Großen Sonne, befindet sich in Oklahoma. Von dort aus betreiben die Natchez eine Website, auf der über die Geschichte, die Sprache und die traditionellen Gebräuche sowie über aktuelle Ereignisse derNation berichtet wird. Insbesondere hat es sich die Natchez-Nation zur Aufgabe gemacht, die traditionelle Sprache derNatchez zu erhalten. Die Phonetik derNatchez-Sprache ist mittlerweile in lateinische Schriftzeichen übertragen worden, sodass ihre Weitergabe gesichert sein sollte. Außerdem gibt es ein Wörterbuch Natchez-English, das ständig erweitert wird. Seit einiger Zeit werden wieder regelmäßig Powwows veranstaltet, in deren Rahmen in letzter Zeit auch das traditionelle Ballspiel der Südost-Indianer wiederbelebt wurde.

Hinweise

Auf den Websites der aufgeführten Institutionen findet man Hinweise auf weiterführende Informationen zu den Natchez-Indians und den Südost-Indianern: Facebook-Seite der Edisto-Natchez: https://www.facebook.com/natchezkussotribe.

Offizielle Seite der Natchez-Nation: https://www.natcheznation.com.

Offizielle Seite des National Congress of American Indians, der ältesten Organisation der amerikanischen Indianer: https://www.ncai.org.

Museum in North Carolina zur Kultur der Indianer des nordamerikanischen Südostens: https://www.uncp.edu/nativemuseum.

Mississippi Department für Geschichte: https://www.mshistorynow.mdah.state.ms.us.

Grand Village der Natchez: https://www.mdah.ms.gov/new/visit/grand-village-of-natchez-indians.

Weitere Hinweise zu Museen und zu einführender Literatur: https://www.natchez.simplesite.com.

Literatur

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13 von 13 Seiten

Details

Titel
Die Natchez. Der Weg in die Diaspora
Untertitel
Eine kurze Darstellung
Autor
Seiten
13
Katalognummer
V950852
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieses Papier ist eine Ergänzung zu dem Buch "Die Natchez vom Unterlauf des Mississippi" und gibt einen Ausblick auf deren weiteres Schicksal nach ihrer Vertreibung aus ihrem angestammten Siedlungsgebiet.
Schlagworte
natchez, diaspora, Vertreibung der Natchez
Arbeit zitieren
Karl-Hermann Hörner (Autor), Die Natchez. Der Weg in die Diaspora, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/950852

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