Wie kann Burnout bei Lehrern vorgebeugt werden? Definition, Fallbeispiel und kritische Diskussion


Hausarbeit, 2020

33 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 TheoretischerTeil
2.1 DefinitiondesBegriffsBurnout-Syndrom
2.2 Prävalenz des Burnout-Syndroms
2.3 Ätiologie des Burnout-Syndroms
2.4 Das Burnout-Syndrom bei Lehrern
2.5 Zusammenfassung

3 MethodischerTeil: Fallbeispiel
3.1 Makroanalyse mit biografischen Lernerfahrungen
3.2 Mikroanalyse nach dem SORC-Modell
4 Diskussion
4.1 Kritische Reflexion der Fallstudie
4.2 Empfehlungen zur Prävention eines Burnouts bei Lehrern

5 Fazit und Ausblick

Anhang: Fallkonzeptualisierung und Therapieplanung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

AOK: allgemeine Ortskrankenkasse

DAK: Deutsche Angestellten-Krankenkasse

DEGS1: Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland

DGPPN: Deutsche Gesellschaftfür Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde

DIMDI: Deutsches Institutfürmedizinische Dokumentation im Gesundheitswesen

KMK: Kultusministerkonferenz RKI: Robert Koch-Institut

vbw: Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Beispielhafter Verlauf von Burnout

Abbildung 2: Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Burn-out-Erkrankungen* in Deutschland in den Jahren 2004 bis 2018 (je 1.000 AOK-Mitglieder)

Abbildung 3: Anteil der Lehrer in Deutschland, die sich vorstellen können, bis zum gesetzlichen Rentenalterzu arbeiten im Jahr 2011 nach Schulform

1 Einleitung

Die vorliegende Fallstudie behandelt das Thema Burnout bei Lehrern. Burnout beschreibt einen Zustand tiefer emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfung und abnehmender Leistungsfähigkeit. Häufig wird Burnout auf Stress und Überforderung im Beruf zurückgeführt, wobei die Ursachen vielfältig sein können (Bergner, 2016, S.7).

Das Lehrerdasein wirkt auf Außenstehende häufig als entspannter Beruf, verbunden mit einem hohen Maß an Sicherheit und Freizeit. Jedoch handelt es sich bei dem Lehrerberuf um eine Tätigkeit mit hohem psychischem Anspruch aufgrund emotionaler, sozial-kommunikativer und motivationaler Beanspruchungen (Schaarschmidt, 2005, S. 15). Im Bildungsbereich steigt die Zahl der psychischen Erkrankungen. Lehrkräfte, welche durch ein Burnout beeinträchtigt sind, weisen neben einer schlechteren Unterrichtsqualität höhere Fehlzeiten und eine höhere Rate an Frühpensionierung auf (Blossfeld et al., 2014, S. 9-14). So ergibt sich neben einer medizinischen sowie gesundheitsökonomischen,- und politischen Relevanz des Burnout-Syndroms bei Lehrern außerdem eine große Relevanz für das Bildungssystem. Eine hohe Qualität des Bildungssystem kann nur durch zufriedene, engagierte und widerstandskräftige Lehrkräfte gesichert werden (Schaarschmidt, 2005, S. 18). Der Präventionsarbeit zur Verhinderung eines Burnout-Syndroms von Lehrern kommt somit eine hohe Bedeutung zuteil.

In dieser Arbeit wird für alle Personenbezeichnungen zur besseren Lesbarkeit die männliche Sprachform gewählt. Diese Sprachform impliziert sowohl das männliche als auch das weibliche Geschlecht und dient keinesfalls der Geschlechterdiskriminierung.

Im Anschluss an diese Einführung ins Thema Burnout bei Lehrern werden im zweiten Kapitel dieser Arbeit, dem Theorieteil, zunächst Definitionen und Symptome des Burnout-Syndroms beschrieben. Des Weiteren erfolgt eine Einordnung der Erkrankung anhand des ICD-10 Kataloges. Danach wird auf die Prävalenz des Burnout-Syndroms eingegangen. Anschließend erfolgt eine Darstellung der Ätiologie der Erkrankung anhand arbeitsplatzbedingter, personeller und sozialer und weiterer Faktoren. Außerdem werden sich daraus ergebende Behandlungsansätze abgeleitet. Im Anschluss daran wird das Burnout-Syndrom bei Lehrkräften beschrieben. Dabei wird auf die spezifischen Belastungen und Anforderungen des Lehrerberufs eingegangen, welche das Entstehen eines Burnout-Syndroms begünstigen können. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung des Theorieteils.

Danach wird im dritten Kapitel, dem methodischen Teil, ein Fallbeispiel einer Grundschullehrerin erläutert. Es wird beschrieben, wie sich bei der vorgestellten Lehrerin ein Burnout-Syndrom entwickelt und geäußert hat. Dazu wird zunächst eine Makroanalyse (vertikale Verhaltensanalyse) durchgeführt. Diese wird um eine Mikroanalyse nach dem SORC-Modell (horizontale Verhaltensanalyse) ergänzt. Darauf aufbauend wird eine Fallkonzeptualisierung mit Therapieplanung erstellt.

Im vierten Kapitel, dem Diskussionsteil, erfolgt eine kritische Reflexion der Fallstudie. Außerdem werden aus den gewonnenen Erkenntnissen Empfehlungen zu Präventionsansätzen abgeleitet, die dabei helfen können, das Auftreten eines Burnout- Syndroms bei Lehrern zu vermeiden.

Im letzten Kapitel erfolgen ein Fazit und ein Ausblick, in dem dargestellt wird, welche Konsequenzen sich aus den Ergebnissen ableiten lassen.

2 Theoretischer Teil

Bei der Erkrankung Burnout, auch als Burnout-Syndrom bezeichnet, handelt es sich um ein komplexes Störungsbild mit zahlreichen physischen und psychischen Symptomen und Auffälligkeiten. Im Folgenden werden verschiedene Definitionen vorgestellt und es wird aufdie Problematik eingegangen, welche sich aus den verschiedenen Definitionen ergibt. Danach wird die Prävalenz der Erkrankung dargestellt. Im Anschluss daran wird die Ätiologie des Burnout-Syndroms hinsichtlich arbeitsplatzbezogener, personeller und sozialer und weiterer Faktoren erläutert und sich daraus ergebende Behandlungsansätze abgeleitet. Anschließend wird das Burnout-Syndrom bei Lehrern erläutert. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung des Theorieteils.

2.1 Definition des Begriffs Burnout-Syndrom

Eine allgemeingültige Definition des Burnout-Syndroms existiert bislang ebenso wenig wie ein Konsens über die Entstehungsursachen. Erstmalig beschrieben wurde das Burnout-Syndrom vom amerikanischen Psychoanalytiker Herbert Freudenberger (1974). Freudenberger beobachtete bei sozial engagierten Personen Krisen, welche es unmöglich machten, das hohe Engagement aufrechtzuerhalten (Koch & Broich, 2012, S. 161). Maslach (1982, zitiert nach Blossfeld et al., 2014, S.23) bezeichnet Burnout als „ein Syndrom emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und persönlicher Leistungseinbußen bzw. subjektiv reduzierter Leistungsfähigkeit, das bei Individuen auftreten kann, die in irgendeiner Art mit Menschen arbeiten“. Heute wird das Burnout- Syndrom im Kontext unterschiedlicher Berufe und unabhängig eines besonders hohen Engagements diskutiert (Koch & Broich, 2012, S. 161).

Der internationale Diagnoseschlüssel zur Klassifikation von Krankheiten (ICD-10) führt Burnout unter Nummer Z73.0 auf. Die Diagnosen des ICD-10 sind nach Buchstaben und Ziffern gegliedert. Die Überkategorie Z73 steht für „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung” und umfasst auch Diagnosen wie „Stress” (Z73.3) oder „Mangel an Entspannung oder Freizeit” (Z73.2) (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information [DIMDI], 2020). Voraussetzung aller Burnout-Definitionen ist, dass die Betroffenen selber ihre Beschwerden als Folge einer Arbeitsbelastung sehen (Berger, Linden, Schramm, Hillert, Voderholzer & Maier, 2012, S. 3).

Die drei von Maslach (1982) beschriebenen Symptome „emotionale Erschöpfung”, „Depersonalisation” und „persönliche Leistungseinbußen” gelten als Kernsymptome des Burnout-Syndroms (Koch & Broich, 2012, S. 161). Die emotionale Erschöpfung zeigt sich in einem Gefühl der eigenen psychischen und physischen Überforderung. Häufig berichten die Betroffenen über Symptome wie Schlafstörungen und Müdigkeit, Anspannungszustände und die Unfähigkeit, sich in der Freizeit zu entspannen. Körperliche Symptome finden sich in Magen-Darm-Beschwerden, vermehrter Infektanfälligkeit und Kopf- und Rückenschmerzen. Die Depersonalisation beschreibt einen Gefühlsverlust. Oft geht die Depersonalisation einher mit Zynismus und Distanzierung. Anfangs besteht ein enthusiastisches und idealisiertes Verhältnis zur Arbeit, welches sich zu Frustration und Distanzierung von der Arbeit entwickelt. Es kommt zu Schuldzuweisungen für die veränderte Wahrnehmung der Arbeit und zur Verbitterung gegenüber den Arbeitsbedingungen. Daraus entsteht eine zur Abwertung der Arbeit und Zynismus gegenüber der Arbeit, den Kollegen und Klienten, was wiederum die Schuldgefühle der Betroffenen verstärken kann. Die persönlichen Leistungseinbußen zeigen sich in einer subjektiv empfundenen verringerten Qualität der Arbeitsleistung, Abnahme der Kreativität und Kompetenz. Ursächlich hierfür sind Konzentrationsstörungen und Arbeitsunzufriedenheit (Berger et al., 2012, S. 2-3).

Aktuell wird von einem Grundmuster ausgegangen, welches den Verlauf eines Burnout- Syndroms beschreibt, auch wenn hierzu keine gesicherten empirischen Daten vorliegen. In der Literatur wird die Entstehung des Burnout-Syndroms als Prozess mit verschiedenen Phasen dargestellt, wobei die Symptome individuell auftreten. Stock (2015) bezieht sich auf das Phasenmodell von Edelwich und Brodsky (1980) (vgl. Abb. 1)-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: BeispielhafterVerlaufvon Burnout

Quelle: Stock, 2015, S. 20

Die erste Phase der idealistischen Begeisterung beinhaltet ein hohes Engagement, große Hoffnungen und starken Energieeinsatz für die berufliche Tätigkeit. Dies geht oft mit unrealistischen Erwartungen an sich selber und/oder die Umgebung einher. In der darauffolgenden Phase des Stillstandes zeigt sich, dass die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden können und es kam bereits zu Enttäuschungen. Die Arbeit wird noch erledigt, aber nicht mehr mit dem anfänglichen Enthusiasmus. In der dritten Phase, der Frustrationsphase, kommt ein Gefühl der Machtlosigkeit auf und Sinnfragen werden gestellt. Es besteht eine zunehmende Diskrepanz zwischen dem, was der Betroffene gerne machen würde und dem, was umsetzbar ist. Die letzte Phase, die Phase der Apathie geht mit einer inneren Kündigung einher, es kommt zur Resignation und es bestehtfürden Betroffenen keineAussichtaufVeränderung (Stock, 2015, S. 21-22).

Abzugrenzen ist das Burnout-Syndrom von anderen psychischen Störungen, vor allem von der Diagnose Depression. Beide Krankheitsbilderweisen ein ähnliches klinisches Erscheinungsbild auf. Ein entscheidender Unterschied liegt darin, dass sich bei der Depression eine generelle dysphorische Einstellung zeigt, beim Burnout-Syndrom ist diese Einstellung jedoch auf den Arbeitsalltag beschränkt (Korczak, Kister & Huber, 2010, S. 23). Das Endstadium eines stark ausgeprägten Burnout-Syndroms lässt sich nicht mehrvom Vollbild einer Depression unterscheiden (Koch & Broich, 2012, S. 161).

2.2 Prävalenz des Burnout-Syndroms

Bei der Feststellung von Prävalenzdaten für das Burnout-Syndrom ergeben sich aufgrund der heterogenen Definitionen und der schwierigen Diagnostik Herausforderungen. Um wissenschaftlich präzise Daten zu erfassen, ist es notwendig, dass die Diagnose des Burnout-Syndroms gemäß wissenschaftlicher Gütekriterien valide, reliabel und objektiv feststellbar ist (Korczak et al., 2010, S. 18).

Die Lebenszeit-Prävalenz des Burnout-Syndroms in Deutschland beträgt laut einer bevölkerungsrepräsentativen Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) 4,2 % und die 12-Monats-Prävalenz 1,5 % (Hapke, Maske, Busch, Schlack & Scheidt-Nave, 2012, S. 12). Die Häufigkeit des Burnout-Syndroms hat sich im letzten Jahrzehnt laut AOK-Bericht rapide erhöht. Kam im Jahr 2005 noch im Schnitt ein Fall auf je 1.000 Mitglieder registrierte die AOK 2018 bereits 5,7 Fälle je 1.000 Mitglieder (Statista, 2020a). Auch die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund eines Burnout- Syndroms hat sich erhöht, von 51,2 Tagen im Jahr 2009 auf 120,5 Tage im Jahr 2018 (vgl. Abb. 2).

Abbildung 2: Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Burn-out-Erkrankungen* in Deutschland in den jahren 2004 bis 2018 (je 1.000 AOK-Mitglieder)

Quelle: Statista 2020b

Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind Frauen mit 5,2% häufiger vom Burnout-Syndrom betroffen als Männer mit 3,3% (Statista, 2020c). Allerdings ist zu beachten, dass dieser geschlechtsspezifische Unterschied auch darauf zurückzuführen sein kann, dass Frauen generell eher einen Arzt aufsuchen und eher bereit sind über psychische Probleme zu reden.

2.3 Ätiologie des Burnout-Syndroms

Bei dem Burnout-Syndrom handelt es sich um ein komplexes Störungsbild mit multifaktoriellen Ursachen. Ein Konsens über die Entstehungsursachen liegt nicht vor(Koch & Broich, 2012, S. 161). In der Literatur werden arbeitsplatzbezogene, personelle und soziale und weitere Faktoren diskutiert.

Zu den arbeitsplatzbezogenen Faktoren zählen eine real hohe Arbeitsbelastung, Mangel an Kontrolle und Einfluss auf das Arbeitsergebnis, mangelnde Belohnung, mangelnde soziale Unterstützung, geringe Aufstiegschancen, Rollenkonflikte und Rollenambiguität (Körner, 2002, S. 51). Auf berufscharakteristische Faktoren des Lehrerberufs wird unter 2.4 näher eingegangen.

Personelle Faktoren umfassen Persönlichkeitsmerkmale wie geringes Selbstbewusstsein, emotionale Labilität, passive und indirekte Bewältigungsstrategien und ein erhöhtes Angstniveau (Körner, 2002, S. 50). Außerdem scheinen Perfektionismus, mangelnde Erholungsphasen und eine nicht ausreichende Qualifikation das Risiko der Entstehung eines Burnout-Syndroms zu erhöhen (Berger et al-, 2012, S. 4).

Soziale und weitere Faktoren beschreiben Umweltfaktoren, welche nicht in Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz stehen. Bei fehlender sozialer Unterstützung ist das Risiko, ein Burnout-Syndrom zu entwickeln deutlich erhöht. Besonders gefährdet sind beispielsweise Singles und Personen, welche durch einen Todesfall oder eine Scheidung ihren Partner verloren haben (Brand & Holsboer-Trachsler, 2010, S. 561). Soziale Kontakte außerhalb des Lehrerkollegiums scheinen demnach eine entscheidende Rolle bei derVerhinderung der Entwicklung eines Burnout-Syndroms zu spielen.

Aus der Ätiologie ergeben sich Behandlungsansätze. Zum einen können die äußeren Bedingungen im Rahmen einer Verhältnisintervention geändert werden. Personelle Faktoren können mithilfe einer Verhaltensintervention behandelt werden. Dazu zählen zum einen Stressbewältigungstrainings und das Erlernen von Entspannungsverfahren. Eine Verhaltenstherapie kann dabei helfen, individuelle Umgangsweisen mit dem Beruf und den damit einhergehenden Anforderungen und Belastungen zu erlernen (Blossfeld et al., 2014, S. 148).

Es gibt aktuell keine gesicherte Ätiologie-Forschung zu kausalen Ursachen des Burnout- Syndroms. Es zeigt sich, dass das Burnout-Syndrom verschiedene Ursachen haben kann, von denen selten eine alleine die Symptomatik auslöst, verstärkt oder aufrechterhält. Im folgenden Abschnitt werden Belastungen und Anforderungen dargestellt, welche charakteristisch für den Lehrerberuf sind und dazu beitragen können, dass sich ein Burnout-Syndrom entwickelt.

2.4 Das Burnout-Syndrom bei Lehrkräften

Im Schuljahr 2019/2020 gab es in Deutschland rund 782.613 voll- und teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen (Statista, 2020d). Das Berufsbild des Lehrers ist mit charakteristischen Anforderungen und Belastungen verbunden, welche im Folgenden thematisiert werden.

Innerhalb der vergangenen Jahrzehnte hat sich das Aufgabenfeld der Lehrkräfte zunehmend erweitert. In der Kultusministerkonferenz (KMK, 2000) wurden folgende Aufgaben von Lehrkräften festgelegt: Lehrer sind Fachkräfte für das Lernen, für die Erziehung, für die Beurteilung und Beratung, für individuelle Kompetenzentwicklung und für die Entwicklung und Evaluation des Schullebens (S. 2-4). Daraus ergeben sich verschiedene Lehrerrollen. Von der Rolle des Wissensvermittlers, Fachmanns, Beraters bis hin zum Verwalter und Imagepfleger (Rothland & Terhart, 2012, S. 20). Die Rollenerwartungen an Lehrkräfte sind also sehr vielfältig und teilweise nicht miteinander vereinbar, was bei Lehrern Gewissenskonflikte hervorrufen kann.

Des Weiteren sind Lehrer einer hohen Interaktionsdichte ausgesetzt, sie müssen während des Unterrichts ständig Entscheidungen treffen und interagieren. Hinzu kommt, dass die Definition der Aufgaben eines Lehrers bloß vage ist. Der Rahmen des Lehrplans gibt nicht vor, wie intensiv sich Lehrer mit Unterrichtsinhalten auseinandersetzen müssen, was besonders für idealistische Personen zum Problem werden kann. Ein weiterer Belastungsfaktor liegt darin, dass ein Großteil der Arbeit zu Hause stattfindet und somit ein fließender Übergang zwischen Arbeit und Freizeit problematisch werden kann (Hillert, Koch & Lehr, 2013, S. 806-807). So kann eine nicht ausreichende Abgrenzungsfähigkeit dazu führen, dass Lehrkräfte auch noch spät abends und an den Wochenenden arbeiten und somit wenig Zeit für Erholung und Privatleben übrig bleibt. Weber (2004) nennt als zusätzliche gesundheitsgefährdende Faktoren am Arbeitsplatz Schule Lärmbelästigungen und psychomentale/psychosoziale Belastungen (S. 23). Letztere Belastungen können beispielsweise durch ein schlechtes Betriebsklima, Mobbing oder das Verhalten der Schüler entstehen. Außerdem können Rahmenbedingungen, wie große Klassen, heterogene Klassenzusammensetzungen und eine hohe Anzahl an Unterrichtsstunden als belastend empfunden werden (Weber, 2004, S. 26). Ein weiterer Faktor, welcher je nach Lehrerpersönlichkeit als belastend empfunden werden kann, ist, dass der Lehrer keine Kontrolle und Sicherheit über die Auswirkungen des Unterrichts hat. Es liegt an den Schülern, ihrem Lernverhalten und ihrem sozialen Hintergrund, wie sie den vermittelten Lernstoff verwerten. Außerdem bekommen Lehrkräfte keine Rückmeldung über die langfristigen Effekte ihres Unterrichts und den Werdegang ihrer Schüler (Rothland & Terhart, 2012, S. 15-16). Des Weiteren bringt der Lehrerberuf einerseits ein hohes Maß an Sicherheit bezüglich des Arbeitsplatzes mit sich, andererseits gibt es kaum Möglichkeiten einer Gehaltssteigerung oder Aufstiegschancen durch hohes Engagement (Kunther, Pohlmann & Decker, 2020, S. 271). Dies birgt Frustrationspotential für Lehrkräfte, welche hohen Einsatz zeigen, da diese keinen monetären Vorteil gegenüber Lehrkräften erreichen können, welche geringen Einsatz zeigen.

Die beschriebenen Belastungen und Anforderungen des Lehrerberufs spiegeln sich in einer Umfrage der Deutschen Angestellten-Krankenkasse [(DAK], 2011) wider, in der 50 % der weiblichen und 38 % der männlichen befragten Lehrer angaben, kognitiv hoch beansprucht zu sein. Eine hohe emotionale Beanspruchung äußerten 33 % der weiblichen und 26 % der männlichen Befragten (Statista, 2020e).

Der Anteil an Lehrkräften, welcher sich vorstellen kann, bis zum gesetzlichen Rentenalter zu arbeiten reicht laut einer Umfrage der DAK (2011) von 17,9 % bei Grundschullehrern bis zu 50,3 % bei Gesamtschullehrern (vgl. Abb. 3).

Abbildung 3: Anteil der Lehrer in Deutschland, die sich vorstellen können, bis zum gesetzlichen Rentenalter zu arbeiten im jahr 2011 nach Schulform

Quelle: Statista 200)

Es besteht kein Zweifel, dass der Beruf des Lehrers anspruchsvoll ist, aber ob mit diesem Beruf ein höheres Risiko eines Burnout-Syndroms verbunden ist, ist bislang nicht eindeutig belegt (Berger et al., 2012, S. 164). Das tatsächliche Ausmaß des Burnout- Syndroms bei Lehrkräften lässt sich aufgrund mangelnder Daten kaum erfassen. Der Lehrerberuf geht, wie jeder Beruf, mit charakteristischen Belastungen und Problemstellungen einher. Ob sich aufgrund der beruflichen Herausforderungen ein Burnout-Syndrom entwickelt, hängt stets auch von den Persönlichkeitsmerkmalen und individuellen Ressourcen der Lehrkraft ab.

2.5 Zusammenfassung

Die Definition des Burnout-Syndroms stellt sich als schwierig dar. Im Diagnosemanual ICD-10 wird es unter Z73 „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ aufgeführt. Als notwendige Voraussetzung für die Diagnose gilt, dass der Betroffene selbst die Arbeitsplatzbelastung als ursächlich ansieht.

Ebenso unklar wie eine genaue Definition sind die Symptome des Burnout-Syndroms. Weitgehende Einigkeit herrscht über die drei Kernsymptome „emotionale Erschöpfung“, „Depersonalisation“ und „persönliche Leistungseinbußen“.

Aufgrund der heterogenen Definitionen ist eine wissenschaftlich fundierte Feststellung der Prävalenz des Burnout-Syndroms erschwert. Statistiken weisen darauf hin, dass es im letzten Jahrzehnt vermehrt zur Diagnose des Burnout-Syndroms und zu Krankschreibungen aufgrund dieser Diagnose gekommen ist.

In der Literatur werden arbeitsplatzbedingte, personelle und soziale und weitere Ursachen diskutiert. Jedoch können diese Faktoren nicht voneinander getrennt betrachtet werden. Die Entwicklung eines Burnout-Syndroms ist als Zusammenspiel verschiedener Ursachen zu betrachten.

Zu den typischen Anforderungen und Herausforderungen des Lehrerberufs zählen die zum Teil widersprüchlichen Rollenerwartungen, mit denen Lehrer konfrontiert werden. Lehrer sollen Wissen vermitteln, beratend, vermittelnd und erzieherisch tätig sein und auch organisatorische Aufgaben übernehmen. Ein Großteil der Lehrkräfte fühlt sich kognitiv und emotional hoch beansprucht und kann sich nicht vorstellen, bis zum Rentenalter zu arbeiten. Die Gruppe der Lehrkräfte kann somit als Risikogruppe für ein Burnout-Syndrom betrachtet werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Wie kann Burnout bei Lehrern vorgebeugt werden? Definition, Fallbeispiel und kritische Diskussion
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
33
Katalognummer
V983680
ISBN (eBook)
9783346340979
ISBN (Buch)
9783346340986
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitspsychologie, Burnout, Verhaltensanalyse, Lehrer, Prävention
Arbeit zitieren
Sandra Ner (Autor), 2020, Wie kann Burnout bei Lehrern vorgebeugt werden? Definition, Fallbeispiel und kritische Diskussion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/983680

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