Wie kann Stress vermieden werden? Ein E-Learning Angebot für pädagogische Fachkräfte der stationären Kinder- und Jugendhilfe


Projektarbeit, 2021

31 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1 Weiterbildungsthema

2 Zielsetzung

3 Zielgruppe

4 Kontext und Setting

5 Situations- und Stressfaktoren der stationären Kinder- und Jugendhilfe

6 Die Lehrmethode: E-Learning

7 Strukturplan

8 Ablaufplan
8.1 Modul Wissensvermittlung
8.2 Modul Beeinflussung von Situationsfaktoren und Verhalten
8.3 Modul Verhaltenseinübung
8.4 Austauschforum

9 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Modellhafte Phasen der Entwicklung der E-Learning Maßnahme (eigene Darstellung in Anlegung an Willmer, Baumgarten, 2015, S. 43)

Abbildung 2. Strukturplan (eigene Darstellung in Anlehnung an Schultz, 2006, S.91)

Abbildung 3. Strukturplan der Weiterbildungsmaßnahme als Übersicht, eigene Darstellung

Abbildung 4. Verlaufsplan (eigene Darstellung in Anlehnung an Schultz, 2006, S. 92)

Abbildung 5. eigene Darstellung in Anlehnung an Lazarus, 1991

Abbildung 6. Hancocks „Mandala-Modell der Gesundheit“ zitiert nach Waller, 2006

Abbildung 7. vgl. Snake, 2006

Abbildung 8. vgl. Buchwald, 2021

Abstract

Die fortschreitende Entwicklung des Medienlernens kann als Folge medientechnologischer Innovationen beschrieben werden. Eine neue Generation des Medienlernens wurde durch die neuen Medien eingeleitet, die neue Formen der Interaktion und raumzeitlichen Flexibilität ermöglicht haben. Die E-Learning Maßnahme bietet Unternehmen der stationären Kinder- und Jugendhilfe praxisnahe Weiterbildungschancen durch unterschiedliche methodisch-didaktische Inhalte und ergänzende Tools. Die E-Learning Maßnahme ist so konzipiert, dass sie einfach umgesetzt werden kann. Die Module liefern leicht verständliche Vorschläge und Übungen, um sich vor Stressoren und stressbedingter Überlastung zu schützen. Die Mitarbeiter*innen werden für die Wahrnehmung von Stress-Signalen sensibilisiert und erhalten Anregungen für einen veränderten Umgang mit den eigenen Stressoren (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 49). Die Weiterbildungsmaßnahme strebt eine Modifikation des individuellen Verhaltens und die Veränderung zu gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen an (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 17).

Die Projektarbeit Plus definiert das Weiterbildungsthema, die Zielgruppenspezifik und Kontext und Setting. Die Zielsetzung der Weiterbildungsmaßnahme wird festgelegt und die Module vorgestellt: 1. Wissensvermittlung, 2. Beeinflussung von Situationsfaktoren und Verhalten und 3. Verhaltenseinübung (Verhaltensanalyse, Selbst- und Verhaltensregulation). Ausgangslage sind die Situations- und Stressfaktoren der stationären Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Die Lehrmethode des E-Learning wird begründet und der Strukturplan verdeutlicht den Erarbeitungsprozess der E-Learning Maßnahme. Der Ablaufplan und die Ausdifferenzierung und Ausgestaltung der Module und Tools verdeutlicht die methodisch-didaktischen Inhalten und die Lernziele der gesundheitspädagogischen Interventionen. Die gesundheitsbezogenen Interventionen verknüpfen die entwicklungsrelevanten und milieuspezifischen Aspekte mit dem anvisierten Gesundheitsziel und sind in eine zielgruppenspezifische Gesundheitspädagogik integriert (vgl. Bauer; Bittlingmayer, 2012, S. 782f.). Das Fazit diskutiert die Stärken und Schwächen der E-Learning Maßnahme und schließt die Projektarbeit Plus ab.

1 Weiterbildungsthema

Die Projektarbeit plus stellt eine Weiterbildungsmaßnahme zur Stressprävention als E-Learning Angebot vor. Zielgruppe der Projektarbeit Plus sind die Basisfachkräfte der stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Sonnenland, welche als exemplarisches Beispiel dient. Die Weiterbildungsmaßnahme kann aufgrund der Online Basierung für jegliche Mitarbeiter*innen mit pädagogischem Handlungsfeld aus dem Berufsfeld der stationären Kinder- und Jugendhilfe verwendet werden.

2 Zielsetzung

Die Weiterbildungsmaßnahme hat das Ziel der Strukturierung von Wissen, Einstellungen und Handlungsdispositionen und den Aufbau gesundheitsförderlichen Verhaltens. Die Inhalte folgen einer systematisch aufbereiteten und didaktisch strukturierten Wissensvermittlung und Einstellungsbildung und der Anleitung zur Aufnahme und Aufrechterhaltung gesundheitsförderlichen Verhaltens (vgl. Wulfhorst, Hurrelmann, 2009, S. 11). Die gesundheitsbezogenen Interventionen der Weiterbildungsmaßnahme folgen einem prozesshaften Verlauf (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 80).

Die pädagogischen Mitarbeiter*innen sollen dazu befähigt werden, ihre Bedürfnisse zu befriedigen und ihre Umwelt gesundheitsförderlich zu gestalten (vgl. WHO, 1986).

Die Weiterbildungsmaßnahme besteht aus drei wesentlichen Elementen:

1. Wissensvermittlung,
2. Beeinflussung von Situationsfaktoren und Verhalten
3. Verhaltenseinübung (Verhaltensanalyse, Selbst- und Verhaltensregulation)

Dabei geschieht Lernen als Veränderung des Wissensstands und als Verhaltensänderung. Die Weiterbildungsmaßnahme umfasst bewusst gestaltete Lernmöglichkeiten zur Erweiterung von Wissen und zur Entwicklung von Life Skills, die das individuelle Gesundheitsverhalten fördern (vgl. WHO, 1998, S. 36). Ziel ist die Veränderung der Erlebens- und Verhaltensmuster und der Aufbau neuer Erlebensmuster und Verhaltensstile (vgl. Knaack, 2015, S. 15). Die gezielten Interventionen beeinflussen das individuelle Verhalten, bestärken die Verantwortung für die eigene Gesundheit und befähigen den Einzelnen dazu, aktiv an der Gestaltung der eigenen Umwelt beizutragen (vgl. Wulfhorst, Hurrelmann, 2009, S.14). Die Strategien und Methoden umfassen zudem die notwendige Stärkung der Motivation, Kompetenz und das Erleben von Selbstwirksamkeit.

Die Maßnahmen setzen an den individuellen Einschätzungen an und fördern persönliche Kompetenzen und Ressourcen durch kognitiv-verhaltensbezogene Maßnahme zur Veränderung von Einstellungen und Bewertungen und durch Training von Entspannungstechniken, um körperliche Reaktionen auf Stress zu reduzieren (vgl. Buchwald, 2011).

Die Wissensvermittlung zielt auf ein Wissen als lebenstaugliche Fähigkeit ab, Emotionen selbst zu regulieren und Prozesse zu gestalten (vgl. Arnold, 2010, S. 9). Hauptziel der Weiterbildungsmaßnahme ist die Förderung einer Gesundheits- und Selbststeuerungskompetenz zur Stressreduzierung (vgl. Willmer, Baumgarten, 2014, S. 65). Die Mitarbeiter*innen sollen lernen sich in ihrer Situation ernst zu nehmen, Kompetenzen für die Stressbewältigung der jeweiligen Situationen zu erwerben und ihr Selbstmanagement verändern (vgl. Knaack, 2015, S. 17).

3 Zielgruppe

Zielgruppe für die Projektarbeit Plus sind exemplarisch die Mitarbeiter*innen der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Sonnenland. Teilnehmen sollen alle pädagogischen Basismitarbeiter*innen (jeden Alters). Die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Sonnenland beschäftigt 60 Basismitarbeiter*innen in zehn Wohngruppen. Beide Geschlechter werden gleichermaßen integriert. Unterschieden wird nicht zwischen Mitarbeitern*innen mit befristetem und unbefristetem Arbeitsverhältnis oder Voll- und Teilzeitbeschäftigung. Mitarbeiter mit oder ohne Führungsverantwortung werden nicht selektiert. Generell kann die Weiterbildungsmaßnahme für alle pädagogischen Fachkräfte der stationären Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland mit der Berufsgruppe Erzieher*innen, Sozialpädagogen*innen und Sozialarbeiter*innen verwendet werden. Ausgeschlossen sind Psychologen*innen und Therapeuten*innen. Die Zielgruppe ist altersmäßig breit gestreut. Mitarbeiter*innen der stationären Kinder- und Jugendhilfe verfügen in der Regel über die mittlere Reife mit Lehre oder Abitur mit Lehre und sind in einfachen und mittleren Einkommensklassen angesiedelt. Die Umsetzung neuer Informationen in eigenes Gesundheitshandeln erfolgt bisher nur selektiv. Die Einhaltung der Grundvorsorge (Arbeitsschutz) ist aber selbstverständlich. Die Projektarbeit Plus beschreibt die betriebliche Gesundheitsförderung als durch den Arbeitsgeber angeregt. Für die E-Learning Maßnahme sind Praxisnähe und zielorientierte Inhalte bedeutsam (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 41). Die Durchführung erfolgt phasenweise, sodass pro Woche ein Teammitglied jeder Wohngruppe die Weiterbildungsmaßnahme wahrnehmen kann.

Die Zielgruppe wurde anhand des übergreifenden Modells von McKenzie und Smeltzer (2001) analysiert. Die lebensweltliche Orientierung der Weiterbildungsmaßnahme knüpft an dem Zusammenhang zwischen individuellen Verhaltensweisen, Werten, Orientierungen und Ressourcen und sozialen, ökonomischen, kulturellen und ökologischen Lebensbedingungen an (vgl. Abel, Ruckstuhl, 2010).

4 Kontext und Setting

Die Inhalte der Stressprävention sind auf die stationäre Kinder- und Jugendhilfe ausgerichtet. Die Weiterbildungsmaßnahme erfolgt als E-Learning Maßnahme im Home-Office und basiert auf dem aktuellen Berufskontext. Die Inhalte beschäftigen sich mit den settingbezogenen Herausforderungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Die Weiterbildungsmaßnahme wird in drei Module eingeteilt. Die Wissensvermittlung ist die Basis und umfasst vier Arbeitsstunden (+Pause). Anschließend kann ein Selbstkontrolltest durchgeführt werden, der etwa 30 Minuten umfasst. Die Durchführung der Folgemodule ist auf zwei Tage á viereinhalb Arbeitsstunden ausgelegt (+Pause). Insgesamt erfolgt die Weiterbildungsmaßnahme an drei Tagen, in denen die Module unmittelbar aufeinander aufbauend verlaufen. Die Mitarbeiter*innen können ihr eigenes Lerntempo festlegen, sich jedoch nicht dafür entscheiden, die Module direkt hintereinander zu absolvieren. Das nächste Modul schaltet sich erst nach erfolgreicher Absolvierung des vorherigen Moduls frei und ist auf eine zeitlich festgelegte Pause eingestellt, um die innere Verarbeitung und Selbstreflexion zu gewährleisten. Die Inhalte sollen genau und nachhaltig bearbeitet werden, was davon abhängig ist, welche und wie viele Reize auf das Individuum eindringen und welche und wie viele Informationen schließlich für die Verarbeitung genutzt werden. Die Informationsverarbeitung ist abhängig von der Qualität des reizempfangenden Systems und beruht auf der Qualität des informationsverarbeitenden Systems, also der Speicherkapazität des Gehirns. Zu lange Arbeitsphasen wirken sich qualitätsmindernd auf die informationsaufnehmenden und informationsverarbeitenden Systeme aus (vgl. Hemmer, 1983, S. 84).

Die Weiterbildungsmaßnahme kann an normalen Werktagen absolviert werden und umfasst pro Tag nicht mehr als viereinhalb Arbeitsstunden (+Pausen), weshalb keine veränderte zeitliche Einschränkung zum Berufsalltag entsteht und Teilzeitfachkräfte ihrem geregelten Tagespensum nahezu nachkommen können.

Die Teilnahme erfolgt phasenweise, sodass pro Woche jeweils ein Teammitglied jeder Wohngruppe teilnehmen kann und die Arbeitsverteilung und Dienstübernahme in den jeweiligen Wohngruppen problemlos erfolgen kann. Bei fünf bis sechs Mitarbeitern*innen pro Wohngruppe beläuft sich die Projektdauer in der Gesamtheit auf sechs Wochen.

Das E-Learning Angebot ist zeitunabhängig, sodass der/die Teilnehmer*in sich den Lernzeitraum selbst einteilen kann. Es werden keine speziellen Räumlichkeiten benötigt, lediglich eine Internetverbindung und ein PC/Laptop muss vorhanden sein. Hierfür kann der/die Teilnehmer*in auch den Laptop der zugehörigen Wohngruppe in Anspruch nehmen. Es liegt für den Einzelnen demnach kein finanzieller Aufwand vor.

Für die Finanzierung der Weiterbildungsmaßnahme kann der Betrieb sich bei unterschiedlichen sozialen Sicherungssystemen und Kostenträgern informieren. §20 des Sozialgesetzbuches V liefert eine gesetzliche Grundlage zur Finanzierung von Gesundheitsförderungsmaßnahmen. Die direkte Finanzierung vom Betrieb liegt nahe. Gemeinschaftsfinanzierungsmodelle werden häufig abgelehnt (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 67ff.). Die Finanzierung der Weiterbildungsmaßnahme kann durch eine Selbstfinanzierung geleistet werden, die über die Einkommenssteuer nach §10 Abs. 1 EstG individuell refinanziert werden kann (vgl. Beicht et al., 2006, S. 204). Der §4 des Einkommensteuergesetzes regelt die Anerkennung von Fort- und Weiterbildungen für Mitarbeiter*innen als Betriebsausgaben (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 75). Die Weiterbildungsmaßnahme ist nach der folgenden Begriffserklärung als Weiterbildung anzuerkennen „Weiterbildung wird allgemein als das Fortsetzen oder Wiederaufnehmen organisierten Lernens nach Abschließen einer ersten Bildungsphase und nach Beginn einer Berufstätigkeit verstanden.“ (vgl. Alt et al., 1994). Einige individuelle Weiterbildungen können auch durch die Unterstützung des Europäischen Sozialfonds finanziert werden, wobei eine individueller Antragsstellung nötig ist (vgl. ESF, 2015). Je nach Finanzierung sind Qualitätskriterien aufzustellen, zu sichern und zu erfüllen, um die Finanzierung zu gewährleisten (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 76).

5 Situations- und Stressfaktoren der stationären Kinder- und Jugendhilfe

Die stationäre Kinder- und Jugendhilfe ist geprägt von hohem Arbeitsdruck, ständigem Multitasking und der Erwartung von permanenter Erreichbarkeit (vgl. Poulsen, 2014, S. 122f.). Sowohl der Arbeitsinhalt als auch die Personal- und Organisationsstruktur der stationären Kinder- und Jugendhilfe weisen ein »handlungsfeldspezifisches Profil von Belastungspotential« auf, das hohe qualitative Anforderungen an die Professionellen stellt. Als Anpassungsreaktion kann Stress entstehen, der »sich für das jeweilige Subjekt belastend auswirkt« (Merchel, 2012a, S. 369).

Die am Kind orientierte Arbeit erfordert von den pädagogischen Fachkräften eine stetige körperliche und geistige Anpassungsfähigkeit (vgl. Troch, 1979, S. 11). Durch die belastenden Lebenserfahrungen haben die Kinder und Jugendlichen psychische Überlebensstrategien entwickelt, die sich im pädagogischen Alltag durch Impulsivität, Aggressivität, selbstverletzendem Verhalten, Weglauftendenzen, Stehlen und Lügen zeigen. Mitarbeiter*innen der stationären Kinder- und Jugendhilfe müssen teilweise bizarre Verhaltensweisen aushalten und werden mit herausfordernden Verhaltensweisen konfrontiert und mit Situationen, Reaktionen und Emotionen, die in ihrer Heftigkeit oft nicht nachvollziehbar sind (vgl. Gerber, 2018, S.1). Stressbehaftete Konflikte sind Teil der Arbeit und können die pädagogischen Fachkräfte in ihrer Handlungsfähigkeit einschränken (vgl. Weiss, 2016, zit. nach Kessler, 2016, S. 285). Durch die Unvorhersehbarkeit kann eine dauerhafte Angespanntheit entstehen und der Körper verharrt in einem „Bereitschaftszustand“ (vgl. Paridon, 2016, S. 41ff.). Uneinsichtige Eltern, ablehnende Haltungen, Verweigerungen und fehlende Mitarbeitsbereitschaften, das Erleben sekundärer Gewalt und Vernachlässigung und die Verschärfung von Problemlagen sind große Stressoren (vgl. Poulsen, 2014, S, 122f.).

Stress ist eine Form psychischer Beanspruchung und abhängig von der individuellen Bewertung bestimmter Reize einer Situation und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten (vgl. Wagner-Link, 1996, S. 18), also eine individuell empfundene Beanspruchung, die durch eine Belastung (Stressor) ausgelöst wird. Ungesund wirkt sich der Stress aus, wenn es zu einer individuellen Überbelastung kommt (Dis-Stress), welche nicht durch ausreichend Bewältigungsressourcen bewältigt werden kann (vgl. Rimbach, 2019, S. 55f.). Stressreaktionen können sich auf körperlicher, psychischer, verhaltensmäßiger, sozialer und emotionaler Ebene manifestieren und in enger Wechselwirkung zueinanderstehen (vgl. Rimbach, 2019, S. 56f.). Es ist sehr wichtig, sowohl die persönlichen Stresssituationen zu identifizieren als auch die persönlichen Bewältigungsressourcen zu aktivieren, um Überforderung vorzubeugen (vgl. Lemke, 2006, zit. nach Gahleitner et al., 2016, S. 67).

6 Die Lehrmethode: E-Learning

Das E-Learning Angebot ermöglicht das Lernen über digitale Medien und hat damit einen Neuheitsfaktor, der motiviert (vgl. Leugner et al., 2014, S. 314). Harvey und Burrows (1992) heben beim E-Learning das „Empowerment“ des Lerners hervor, wodurch die pädagogischen Aushandlungsprozesse einen größeren Stellenwert bekommen. Die inhaltliche Ausrichtung zielt auf eine qualitative kontextgenaue berufliche Bildung ab und ermöglicht eine gewisse Bildungsqualität. Pädagogisch-didaktisch ist eine Entwicklung von einer Belehrungs- zu einer Erfahrungspädagogik zu erkennen. Die E-Learning Maßnahme ist inhaltlich situations- und subjektorientiert und beruht darauf, dass sich der Prozess des Lernens individuell unterschiedlich vollzieht. Die E-Learning Maßnahme ermöglicht freie Zugänge zu Lernmaterialien und ist eine Form des selbstgesteuerten Lernens und von weniger „Restriktionen“ abhängig. Durch die individuelle Prägung kann eine höhere Lernqualität erzielt werden (vgl. Leutner et al., 2014, S. 299). Gesellschaftlich gesehen entwickelt sich eine Wissensgesellschaft, woran das Modul der Wissensvermittlung anknüpft. In der Wissensvermittlung werden alle relevanten Informationen für den Lernprozess gebündelt. Die nachfolgenden Module werden anschließend freigeschalten, womit der Faktor der Adaptivität beachtet wird. Die zusätzlichen Hinweise wie ergänzende Videosequenzen und Literaturhinweise haben sich als lernförderlich herausgestellt und ermöglichen einen breiteren Wissensschatz. Zudem liegt der Faktor der Multimedialität vor, da verschiedene Lernmedien eingesetzt werden (vgl. Leutner et al., 2014, S. 301f.). Im Tool des Arbeitsplatzes können Notizen wie bspw. wesentliche Ergebnisse aus individuellen und kooperativen Lernprozessen angelegt werden (vgl. Erpenbeck et al., 2015, 16ff.). Während der Bearbeitung der Modulinhalte kann zudem eine für alle Teilnehmer*innen sichtbare Kommentarfunktion freigeschalten werden, wodurch auf direkte Beiträge reagiert werden kann. Dadurch eröffnen sich unterschiedliche Verständnisperspektiven und -anreize. Der virtuelle Raum für Austauschmöglichkeiten versucht das Konzept des gemeinsamen Lernortes in den virtuellen Raum zu transferieren. Der Austausch kann zeitversetzt geschehen und sich prozessbegleitend vollziehen. Dadurch wird eine kommunikative Bewältigung der Lerninhalte ermöglicht, da ein direktes Feedback während des Lernens möglich ist.

Eine Herausforderung für die E-Learning Maßnahme ist die Effektivität des Lernarrangements, welches von vier Faktoren abhängig ist (vgl. Ehlers, 2011, S. 139f.):

- der Lernumgebung: sowohl der multimedialen Lernumgebung als auch der sozialen Lernumgebung
- dem Lerner beziehungsweise den Lerner Variablen: Vorwissen, Bildungsbiografie, Lernkompetenzen, Medienkompetenzen, Interesse, Erwartungen, Ziele etc.
- dem Lernthema: Inhalt und Aufbereitung des Lernstoffes und
- dem (intendierten) Lernergebnis beziehungsweise Ziel des Lernens

7 Strukturplan

Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht die modellhaften Phasen der Entwicklung der E-Learning Maßnahme.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Modellhafte Phasen der Entwicklung der E-Learning Maßnahme (eigene Darstellung in Anlegung an Willmer, Baumgarten, 2015, S. 43).

Die Weiterbildungsmaßnahme ist lernzielorientiert. Das Lernziel stellt die gewünschte und zu bewirkende, beobachtbare Verhaltensänderung der Lernenden dar. Als erster Teilschritt des Planungsprozesses wurden Lernziele erstellt und darauf aufbauend erfolgte die Planung optimaler Lernstrategien und methodisch didaktischer Inhalte (vgl. Möller, 1995, S. 63ff.). Die E-Learning Maßnahme wurde anhand des nachfolgenden Strukturplanes konzipiert und entwickelt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Strukturplan (eigene Darstellung in Anlehnung an Schultz, 2006, S.91).

Darauf aufbauend ergibt sich der inhaltliche Gesamtüberblick der Module und Tools.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3. Strukturplan der Weiterbildungsmaßnahme als Übersicht, eigene Darstellung

Der nachfolgende Verlaufsplan gibt einen exemplarischen Überblick über die mögliche zeitliche Einteilung der Module:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4. Verlaufsplan (eigene Darstellung in Anlehnung an Schultz, 2006, S. 92)

8 Ablaufplan

Zur Erreichung der Zielgruppe wird vor der Weiterbildungsmaßnahme ein motivierendes Schreiben versendet und die pädagogische Leitung wirkt durch aktivierende Kommunikation ein, indem Zeit für ein Informationsgespräch in einer Teamsitzung eingeplant wird. Der Gesamteinblick soll dafür sorgen, dass die Mitarbeiter*innen nachvollziehen können, was sie erwartet, sowie die transparenten Lernziele die Chancen der Weiterbildungsmaßnahme verständlich machen. Die Lernziele ermöglichen eine transparente Bildungsperspektive und die Vorstellung einer sinnvollen Verwendung des Wissens. Für das Unternehmen wird die Qualitätssicherung durch die Überprüfung von Lernerfolgen möglich (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 56).

Für die Weiterbildungsmaßnahme wurden Lernwelten gestaltet, Lernaufgaben entwickelt und Lernhilfe erarbeitet (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 37). Konsequent sollen weiterführende Gedanken ermöglicht werden und Horizonte erweiterbar sein (vgl. Cohn, 2000, S. 161). Die Weiterbildungsmaßnahme ist handlungs- und anwendungsorientiert, ziel- und transferorientiert und qualitätsorientiert hinsichtlich der Lernerfolge und Bildungsqualität (vgl. Wulfhorst, 2002, S. 173f.). Die konkrete Umsetzung der E-Learning Maßnahme erfolgt durch verschiede Methoden. Die Gesamtheit der Module ermöglicht ein Lernszenario, das möglichst vielen Lerntypen integriert (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 32). Die Module beinhalten eine Inhaltskomponente und eine Verhaltenskomponente (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 36). Die drei Module und die ergänzenden Tools bauen aufeinander auf, um Wissen in einem Prozess kontinuierlicher Wissenszuwächse entstehen zu lassen und im Lernprozess zu entwickeln (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 3). In der Einstiegsphase werden die E-Learning Tools erklärt. Die Informationsphase vollzieht sich im beginnenden Modul der Wissensvermittlung, sowie durch den kurzen theoretischen Exkurs in die Theorie der Ressourcenerhaltung. Die Wissensvermittlung schafft die Basis auf die aufbauend in der Erprobungs- und Anwendungsphase das individuelle Gesundheitsverhalten reflektiert wird, Problemverhaltensweisen erkennbar werden und individuelle Interventionen abgeleitet werden (vgl. Rosenbrock, Hartung, 2010b). Das Modul der Verhaltenseinübung schafft einen Übergang aus dem Kurskontext hin zum eigenen alltagsnahen Gesundheitsverhalten (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 46). Die E-Learning Maßnahme versucht vielfältige Lern-, Austausch- und Erfahrungschancen zu erzeugen, die zur Entwicklung gesunder Lebensstile, Normen, Werte und Handlungen beitragen (vgl. Willmer, Baumgarten, 2015, S. 4).

[...]

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Wie kann Stress vermieden werden? Ein E-Learning Angebot für pädagogische Fachkräfte der stationären Kinder- und Jugendhilfe
Hochschule
APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen
Note
1,0
Jahr
2021
Seiten
31
Katalognummer
V984233
ISBN (eBook)
9783346358585
ISBN (Buch)
9783346358592
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stress, e-learning, angebot, fachkräfte, kinder-, jugendhilfe
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Wie kann Stress vermieden werden? Ein E-Learning Angebot für pädagogische Fachkräfte der stationären Kinder- und Jugendhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/984233

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