Amerikanische Frauen im Zweiten Weltkrieg


Ausarbeitung, 2000
9 Seiten

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Gliederung

1. Vorwort

2. Die Rolle der Frauen vor dem WK II

3. Die Entwicklung während des WK II
3.1 Allgemeine Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt
3.2 Probleme der Industriearbeiterinnen
3.3 Der ,,Weißkragensektor"
3.4 Rassenunterschiede
3.5 Frauen im Militärdienst

4. Bewertung / Ertrag

1. Vorwort

Die Beschäftigung mit diesem Thema war sehr interessant, stellt doch der WK II auf den ersten Blick einen absolut bemerkenswerten Einschnitt und eine starke Veränderung der Rolle der Frau dar.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob sich diese These über die veränderte Rolle der Frau in den USA durch den WK II haltbar ist.

Es ist sicherlich richtig, dass zum ersten Mal eine große Anzahl von Frauen, in die Arbeitswelt vordringt und dabei auch eigentliche ,,Männerberufe" ausübt. Mit dem Bild der ,,Rosie the Riveter" (Rosie die Vernieterin - Metallarbeiterin), lässt sich dieses Verständnis widerspiegeln. Es verdeutlicht die neue Rolle der Frau in der Gesellschaft als Industriearbeiterin und damit einhergehend eine Veränderung in den geschlechtsspezifischen Normen der amerikanischen Gesellschaft.

Nach Beendigung des Krieges verließen viele Frauen jedoch wieder die Arbeitswelt und kehrten zurück ,,an den Herd". Dabei machten viele freiwillig, nur einige unfreiwillig Platz für die von der Front heimkehrenden Männer.

Während ihrer Tätigkeiten, mussten sich die Frauen jedoch mit alten Vorurteilen und Gewohnheiten der männlichen Kollegen auseinandersetzen, die es für sie nicht gerade einfacher machten, die für sie neue Rolle anzunehmen.

Weiterhin muss differenziert werden nach sozialer Herkunft und Hautfarbe und dem sich daraus ergebenden Tätigkeitsbereich der Frauen. Denn nicht jeder Frau wurden die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zuteil. Schwarze Frauen hatten beispielsweise wesentlich geringere Chance als weiße etc.

In der folgenden guten halben Stunde werde ich versuchen, diese eben in Kurzform beschriebene Entwicklung detaillierter darzustellen und eine Antwort auf meine Frage zu geben. Dabei stütze ich mich in erster Linie auf die Monographie ,,The Home Front and Beyond. American Women in the 1940s." von Susan M. Hartmann aus dem Jahre 19821. Die Autorin war damals Professorin an der University of Missouri und ihre Veröffentlichung, die innerhalb einer Reihe über die Frauengeschichte in den USA seit Beginn des 20. Jahrhunderts erschienen ist, spiegelt noch immer den aktuellen Forschungsstand zu meinem Thema wider. Des weiteren nutzte ich das Kapitel 5 aus John W. Jeffries ´ Werk ,,Wartime America. The WW II Home Front." von 19962.

2. Die Rolle der Frauen vor dem WK II

In den Jahrzehnten vor dem WK II war die Rolle der Frau größtenteils auf die Hausarbeit und die Kindererziehung beschränkt. Auf Ehefrauen trifft dies zu nahezu 100 % zu, denn es war in großen Teilen der Gesellschaft geradezu verpönt bzw. ein Tabu, dass verheiratete Frauen arbeiteten. Wenn sie auch noch Kinder hatten, hatte sich dieses Thema ohnehin schon so gut wie erledigt. Wenn überhaupt, so waren es vor allem die jungen, unverheirateten Frauen, die außerhalb des Elternhauses in einer Firma oder ähnlichem arbeiteten. Doch auch diesen Frauen wurden oftmals schwere Steine in den Weg gelegt, so dass sie im Vergleich mit den männlichen Arbeitskollegen mehr Schwierigkeiten bzw. Unannehmlichkeiten hatten. Es wurde für heutige Verhältnisse relativ früh geheiratet, denn der Lebensunterhalt wurde von den Männern verdient. Diese hatten größtenteils auch kein Interesse an einer arbeitenden Frau. (Frauenrechtler sehen hierin den Versuch, die Frauen in die Abhängigkeit der Männer zu treiben. Dennoch lässt sich auch eine gewisse gesellschaftliche Begründung dafür darin finden, dass es kaum Kindergärten oder sonstige Möglichkeiten der ,,Aufbewahrung" der Kinder gab. Darüber hinaus war es schon immer die traditionelle Aufgabe des Mannes, den Lebensunterhalt zu verdienen und mit Traditionen bricht man nicht so leicht.) Dennoch bedeuten diese Ausführungen nicht, dass es keine arbeitenden Frauen gab, denn im Laufe der Zeit begann sich diese Einstellung zu verändern und Frauen drängten auch schon vor dem Beginn der industriellen Kriegsproduktion der USA auf den Arbeitsmarkt. Im nun folgenden Hauptteil werde ich diese Entwicklung anhand von Daten und Statistiken belegen. Dies wird sich insofern darstellen, als ich von Vergleichen der Verhältnisse zwischen den Jahren 1940 und 1944 / 45 Gebrauch machen werde.

3. Die Entwicklung während des WK II

3.1 Allgemeine Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt

Insgesamt lässt sich allgemein festhalten, dass die Anzahl der Frauen in der Arbeitswelt dramatisch anstieg, Frauen in sehr unterschiedlichen Berufsfeldern aktiv waren und auch ältere und verheiratete Frauen in großer Zahl Arbeitsangebote annahmen. Das größte Wachstum und die größten Veränderungen, was die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt anbelangte, stellten sich nach 1942 ein. Vorher versuchten die Arbeitgeber vornehmlich Männer einzustellen, so dass viele Frauen ihren Arbeitsplatz zugunsten ihrer Männer aufgaben und wieder nach Hause zurückkehrten, als ihre Ehemänner einen neuen Arbeitsplatz gefunden hatten. Bundesbehörden sprachen sich sogar dagegen aus, Frauen einzustellen, solange es noch arbeitslose Männer gab.

Erst als die Beschäftigungsnot zu groß wurde, wurden Kampagnen gestartet, um Frauen wieder in die Arbeitswelt zu holen. Diese hatten einen eher zögerlichen Beginn, doch nach einiger Anlaufzeit fanden sie allerdings großen Anklang.

Die Gründe dafür, dass Frauen jetzt massenweise in die Arbeitswelt einstiegen, waren patriotischer Natur, Abenteuerlust oder das Interesse an einer Selbstentfaltung. Verheiratete Frauen, deren Männer als GI´s an der Front waren, waren vor allem an einer Einkommenserhöhung interessiert, weil der Sold allein nicht ausreichte.

Während des Krieges erhöhte sich die Anzahl der arbeitenden Frauen um über 50 %. In Zahlen ausgedrückt hieß das, dass anstatt vorher 12 Millionen nun mehr als 18 Millionen Frauen arbeiteten und somit anstatt 28 % jetzt 37 % aller Frauen berufstätig waren. Sie stellten ein Drittel der zu Kriegszwecken eingesetzten erwerbstätigen Bevölkerung (wartime labour force), und 36 % der zivil beschäftigten Bevölkerung dar (1940: nur 26 %). Allerdings muss dabei beachtet werden, dass insgesamt wesentlich mehr Frauen in diesen Jahren gearbeitet haben. Viele haben nach einer Weile die Reihen der erwerbstätigen Bevölkerung wieder verlassen haben und andere sind für sie nachgerückt. So arbeiteten durchschnittlich 37 % der erwachsenen Frauen im Jahre 1944 gleichzeitig, während im Laufe des Jahres allerdings auch Werte von 48 % ermittelt werden konnten.

Im Jahre 1940 waren drei von zehn Frauen Büroangestellte oder Verkäuferinnen, weitere drei von zehn waren Militärangehörige (dazu später mehr) und zwei von zehn waren Industriearbeiterinnen. Insgesamt gesehen machten Frauen zwei Prozent des Fachpersonals oder der Vorarbeiter, zwölf Prozent des leitenden Managements, 26 % der Industriearbeiter, 28 % der Verkäufer, 53 % des Büropersonals und 94 % der Hausangestellten aus.

Wie bereits erwähnt stellten Frauen im Jahre 1940 26 % der Fabrikarbeiter dar, im Jahre 1944 waren es bereits 38 % oder 2,5 Millionen mehr. Etwa ein Drittel aller arbeitenden Frauen machte sich damit in den sog. ,,Blaukragenberufen" (Blaumänner) nützlich. Die größte zu beobachtende Veränderung spielte sich in der Rüstungsindustrie ab. Dort nahmen Frauen die Plätze von Nietern und Schweißern ein. Etwa 1,7 Millionen Frauen arbeiteten im Jahre 1944 in der Stahlindustrie, auf Werften, in der Flugzeug- oder Automobilherstellung. Im Vergleich dazu betrug die Anzahl derer im Jahre 1940 lediglich 230.000.

3.2 Probleme der Industriearbeiterinnen

Dennoch lief diese eben beschriebene Entwicklung nicht ohne Schwierigkeiten und Reibereien ab. Der Einsatz der Frauen wurde von den Arbeitgebern lediglich auf eine begrenzte Dauer gesehen, denn es wurde befürchtet, dass es bei den Frauen zu einem Verlust der weiblichen Identität kommen könnte und dies gesellschaftliche Gefahren mit sich bringen könnte.

Die männlichen Arbeitskollegen entgegneten ihren weiblichen Mitarbeiterinnen oft in feindlicher und herablassender Weise. In Fabrikzeitungen beispielsweise wurde auf Zeichnungen wurden alte Stereotypen verwendet, mit denen das weibliche Geschlecht in einer herabwürdigenden Weise dargestellt wurde, so dass es in Verbindung mit den Kommentaren der Männer vielen Frauen unangenehm wurde, morgens zur Arbeit zu gehen. In den meisten Fällen durften die Frauen nur Hilfsarbeiteraufgaben übernehmen, wobei dann die der Nieterin bzw. Schweißerin die Obergrenze des Erreichbaren darstellte. Die Anzahl an weiblichen Vorarbeitern stieg von 1940 bis 1945 nur von 2,1 % auf 4,4 % und fiel bis zum Jahre 1947 wieder auf den alten Wert zurück.

Obwohl die ,,Nationale Kriegsarbeitsbehörde" im Jahre 1942 erklärte, dass Frauen die gleicher Qualität und Quantität der Arbeit gleiche Bezahlung erhalten sollten, wurde dies in der Praxis so gut wie niemals umgesetzt. Die Gewerkschaften taten ebenfalls relativ wenig, um gegen die Diskriminierung vorzugehen, den Status der weiblichen Arbeiter zu erhöhen oder ihre Arbeitsplätze zu schützen. Insgesamt betrug der durchschnittliche Arbeitslohn im Jahre 1944 für Frauen 31 $ / Woche, Männer verdienten, da sie mehr Überstunden machen durften und über mehr Erfahrung verfügten 55 $.

Die Arbeitgeber und Kommunen passten die Arbeitsbedingungen nur sehr langsam an die weiblichen Bedürfnisse an. Tagesstätten für die Kinder und erweiterte Ladenöffnungszeiten, so dass die Frauen auch noch einkaufen gehen konnten, wurden erst nach längerem Zögern bewilligt.

Da die meisten Ehemänner es missbilligten, dass ihre Frauen arbeiteten, halfen sie nicht im Haushalt, so dass die Frauen einer Doppelbelastung aus Werktätigkeit und Hausarbeit ausgesetzt waren. Daraus resultierten höhere Abwesenheitsraten oder Zeitarbeit. Dennoch kann als positiver Effekt das gesteigerte Selbstvertrauen vieler Frauen und das Bewusstsein, mehr leisten zu können ,,als einen Kuchen zu backen", gewertet werden. Für viele war die Möglichkeit, endlich in Konkurrenz zu den Männern treten zu können, der eigentliche Beginn der Emanzipation.

3.3 Der ,,Weißkragensektor"

Die Entwicklungen auf dem Sektor der ,,Weißkragen" ist noch wichtiger für die Frauen als die Entwicklungen auf dem Gebiet der Industriearbeit. Zwischen 1940 und 1944 wuchs die Anzahl der im Bürodienst tätigen Frauen um über zwei Millionen an, dies entsprach einer prozentualen Zunahme von einem Fünftel auf ein Viertel der gesamten erwerbstätigen weiblichen Bevölkerung. Im Gegensatz zu den ,,Blaukragen-Berufen" nahm die Anzahl dieser Beschäftigten nach dem Ende des Krieges nicht so rapide ab.

Im Vergleich zum Jahre 1939, in welchem weniger als 200.000 Frauen im Staatsdienst tätig waren, stieg ihre Anzahl auf über eine Million im Jahre 1944 und stellte anstatt ehemals 19 % nun 38 % aller Bundesbediensteter dar. In der gesamten Dekade von 1940 bis 1950 wuchs die Beteiligung von Frauen in diesem Berufsfeld um 53 %, während in den anderen Bereichen nur Zuwachsraten von durchschnittlich 13 % zu verzeichnen waren. Büro- und Sekretärdienste wurden zu einer weiblichen Domäne, und viele Frauen zogen diese Arbeit der Industriearbeit vor. Viele äußerten sich wie folgt: ,,Ich fand eine Freiheit und Unabhängigkeit wie niemals zuvor. Nach dem Krieg konnte ich nicht mehr zurück zur Hausarbeit. Der Krieg hat mein Leben komplett verändert."

Überhaupt kam es in diesem Sektor zu einem Strukturwandel: Frauen fassten Fuß als Sekretärinnen und als Bankkassiererinnen, während im Bankgeschäft darüber hinaus der Aufstieg in das mittlere Management möglich wurde.

Ebenfalls wichtig war, dass durch die Anforderungen des Krieges an die Wirtschaft und die Verwaltung die bisherige ,,Schranke für Verheiratete", die bis dahin verheirateten Frauen den Zugang zu solchen Berufen verwehrt hatte, fiel.

Demographisch gesehen fand ebenfalls eine Verschiebung statt. Nun waren drei Viertel der neuen Arbeiterinnen verheiratet und drei Fünftel von ihnen über 35 Jahre alt. Somit wuchs der Verheiratetenanteil von 14 % im Jahre 1940 auf über 23 % im Jahre 1944 und anstatt von 27% waren nunmehr 37 % über 35 Jahre alt. Am Ende des Krieges gab es erstmals mehr verheiratete als ledige und mehr über als unter 35-jährige auf dem Arbeitsmarkt aktive Frauen.

3.4 Rassenunterschiede

Es fand ebenfalls ein Wandel in den Arbeitsmöglichkeiten für schwarze und asiatische Frauen statt. In den Jahren von 1940 bis 1944 stieg die Anzahl der arbeitenden schwarzen Frauen um über ein Drittel, von 1,5 auf 2,1 Millionen, was einer prozentualen Erhöhung von 33 auf 40 % entspricht. Da aber weiße Frauen in größerer Masse auf den Arbeitsmarkt strömten, fiel der relative Anteil der arbeitenden schwarzen Frauen an der Gesamtbeschäftigung von Frauen von 13,8 auf 12,5 %.

Die traditionellen Arbeitsgebiete für schwarze Frauen als Haushälterinnen oder Landarbeiterinnen fiel von 57 auf 44 bzw. von 21 auf 11 %. Im Gegensatz dazu stieg ihre Beteiligung an der Industriearbeit von 6 auf 18 % und im kommerziellen Gewerbe (Putzfrau, Köchin, Bedienung in Restaurants oder Hotels) von 10 auf 19 %.

Aber auch diese Veränderungen hatten ihre alten Beschränkungen behalten. Abgesehen von den Bundesbehörden und Firmen, die sich im Besitz von Schwarzen befanden, wurden schwarze Frauen kaum als Sekretärinnen oder auch Verkäuferinnen eingestellt. Die Industrie stellte schwarze Frauen nur als letzte Alternative ein und sah für sie die am schlechtesten bezahlten Arbeiten vor. Die Tatsache, dass Rassendiskriminierung an der Tagesordnung war, unterscheidet die Situation schwarzer und weißer Frauen in der Arbeitswelt.

3.5 Frauen im Militärdienst

Im Bereich des Militärs erreichten die Frauen zum ersten Mal einen offiziell anerkannten und gewürdigten Status und wurden in jedem Aufgabenbereich ausgenommen dem Kampfeinsatz eingesetzt. Selbstverständlich kam, analog zur Industrie, auch hier die Umstellung nur sehr langsam in Gang und männlicher Chauvinismus erschwerten das Arbeiten. Da aber ein Großteil der Aufgaben einer Armee eher administrativer Natur ist, konnten Frauen bedenkenlos dort eingesetzt werden und somit mehr Männer für den Kampf freisetzen. Mehr als 350.000 Frauen traten während des Krieges in die Armee ein. Mit dieser Anzahl stellten sie niemals mehr als 2 % der gesamten Streitkräfte dar, und waren einigen Beschränkungen unterworfen. Verheirateten Frauen wurde davon abgeraten, Frauen mit Kindern unter 14 Jahren durften sich nicht einschreiben. Sie erhielten keine zusätzlichen finanziellen Zuschüsse, durften Männern keine Befehle erteilen und schwarze Frauen wurden nur in begrenztem Umfang eingestellt und mussten Rassendiskriminierung über sich ergehen lassen. Zieht man die Krankenschwestern ab, so dienten ca. 4/5 als Sekretärinnen. Ungefähr 1.000 Frauen waren als Piloten bei der Airforce angestellt und flogen verschiedene Flugzeuge in Kanada und den USA, niemals in einem Kampfeinsatz. Als 1944 absehbar war, dass dieses Programm nicht mehr benötigt wurde, wurde es kurzerhand eingestellt. Einzig und allein die Sanitäterinnen und Krankenschwestern wurden traditionell völlig akzeptiert.

Die männlichen GI´s waren ganz und gar nicht glücklich über die Einstellung von Frauen und die Bezeichnung ,,Petticoat Army" machte die Runde. Es gab, vor allem von Angehörigen, viele Stimmen gegen die Verwendung von Frauen in den Streitkräften, da somit ein weiterer Ehemann, Sohn oder Freund an die Front geschickt werden konnte. Sie konnten sich jedoch nicht durchsetzen und die Frauen erhielten die Gelegenheit das allgemein gültige Bild über die Fähigkeiten einer Frau zu verändern.

4. Bewertung / Ertrag

Die abschließende Beurteilung muss sehr differenziert vorgenommen werden:

Es bleibt festzustellen, dass auch in der Kriegszeit weiterhin die Hauptrolle der Frau im

häuslichen Bereich lag. Diese Schlussfolgerung ergibt sich auch aus zahlreichen Aussagen von Frauen: Im Jahre 1943 bevorzugten es 75 % der jungen Frauen eine Hausfrau zu sein anstatt auf eigenen Füßen stehend Karriere zu machen (7 %) bzw. eine Heirat und Karriere zu kombinieren (19 %). Nur 20 % der letzten Gruppe würden bei einer Entscheidung zwischen Heirat und Karriere letztere vorziehen.

Sieben von acht Frauen, die im Jahre 1941 zu Hause waren, blieben dort auch im Jahre 1944 und von den 12 Millionen arbeitenden Frauen aus dem Jahre 1941 waren bis 1944 zwei Millionen nach Hause zurück gekehrt. Frauen mit Kindern unter sechs Jahren arbeiteten so gut wie gar nicht und die steigende Zahl von Eheschließungen und Geburten in den Nachkriegsjahren zeigt die Tendenz der Frauen, lieber im häuslichen Bereich zu bleiben. Niemals zuvor gab es mehr verheiratete Frauen in der amerikanischen Geschichte und die Idealfamilie betrug nunmehr drei anstatt zwei Kinder.

Als der Krieg zu Ende war und die Männer von der Front an den Arbeitsmarkt zurückkehrten, verließen viele Frauen ihren Arbeitsplatz und erhielten für ihre Dienste in Rüstungsbetrieben oder der Armee nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie die Veteranen des WK II. In den Streitkräften wurde die Anzahl der Frauen schnell auf 14.000 verringert und eine Obergrenze von 2 % festgelegt.

Im zivilen Bereich fiel der Anteil der an der Industrieproduktion beteiligten Frauen beispielsweise in der Automobilindustrie von ehemals 26 auf 8 % im Jahre 1946.

Vergleichbare Entwicklungen spielten sich auch in der Stahlindustrie, sowie im Schiff- und Flugzeugbau ab.

In den ,,Weißkragen-Berufen" blieb die Beteiligung von Frauen allerdings konstant oder wuchs sogar an. Insgesamt jedoch waren nur noch 30 % anstatt vorher 37 % der Frauen erwerbstätig und der Gesamtanteil von Frauen an der erwerbstätigen Bevölkerung der USA sank zwischen 1945 und 1947 von 36 auf 28 %.

Trotz all diesem kann der Krieg durchaus als entscheidender Einschnitt hin zu einer veränderten Rolle der Frau in der amerikanischen Gesellschaft angesehen werden. Obwohl die Entwicklung, dass Frauen mehr und mehr ihre häusliche Domäne aufgaben und in der Arbeitswelt in Konkurrenz zu den Männern traten, nicht allein durch den Krieg und dessen neue Notwendigkeiten ausgelöst worden war, sprechen viele Frauen in diesem Zusammenhang vom ,,Good War", da er eine Art Katalysator für die Frauenbewegung darstellte und in diesem Zusammenhang eine beschleunigende (katalytische) Wirkung hatte. Es hat eine Art Bewusstseinsveränderung dahingehend stattgefunden, dass Frauen und auch Männern klar wurde, dass auch Frauen vorantwortungsvollere Tätigkeiten ausüben können. In den folgenden Jahrzehnten wirkte sich diese Erkenntnis absolut positiv auf die Präsenz der Frauen in der Arbeitswelt aus.

Die Bestätigung findet sich in den nachfolgenden Jahren, als sowohl in der Industrie, stärker aber in den Büroberufen die Anzahl der beschäftigten Frauen wieder zu steigen begann. Die Anzahl der verheirateten Paare, bei denen beide berufstätig waren verdoppelte sich von 11 % auf 22 % in den 40er Jahren. Im Jahre 1950 arbeiteten wieder mehr Frauen als im Jahre 1944. Neben anderen Faktoren können die Nachwirkungen, die der WK II auf die Rolle der Frauen in der Arbeitswelt gehabt hat als durchweg positiv beschrieben werden.

[...]


1 Hartmann, Susan, M.: The Home Front and Beyond. American Women in the 1940s, Boston 1982.

2 Jeffries, John W.: Wartime America. The WW II Home Front, Chicago 1996, S. 93 - 105.

9 von 9 Seiten

Details

Titel
Amerikanische Frauen im Zweiten Weltkrieg
Autor
Jahr
2000
Seiten
9
Katalognummer
V99573
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Zweite Weltkrieg brachte für die USA in vielerlei Hinsicht an der Home-Front Veränderungen mit sich. Dieses Referat beschäftigt sich mit der sich ändernden gesellschaftlichen Rolle "der Frau" in den USA während der Kriegsjahre.
Schlagworte
USA, Zweiter Weltkrieg, Frauen
Arbeit zitieren
Tobias Meyer (Autor), 2000, Amerikanische Frauen im Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99573

Kommentare

  • Gast am 3.11.2001

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