Die Großchemie im Kaiserreich


Seminararbeit, 2000

25 Seiten, Note: 2,3


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Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Die Entwicklung der chemischen Industrie vor der ,,Industriellen Durchdringung"
2.1. 1 Über die Ursprünge der Chemie
2.1.2 Die Textilindustrie als Motor für das Wachstum der chemischen Betriebe
2.1.3 Die Entwicklung in Deutschland im 19. Jahrhundert bis zur Entdeckung des Benzolrings (1865)
2.2. Die Entwicklung der Großchemie im Kaiserreich
2.2.1 Das Herausbilden der chemischen Großindustrie in Deutschland
2.2.2 Die Teerfarbenindustrie
2.2.3 Die pharmazeutische Industrie
2.2.4 Die anorganische Großchemie
2.2.5 Die Düngemittelindustrie
2.2.6 Problemfelder bei der Führung der Großbetriebe
2.2.7 Carl Duisberg und der Dreibund
2.2.8 Die Entwicklung der deutschen Großchemie ab dem Ersten Weltkrieg bis in die heutige Zeit

2. Schluss - Versuch einer abschließenden Bewertung

3. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Firmennamen wie Bayer, Hoechst oder BASF sind auf der ganzen Welt bekannt. Im

alltäglichen Leben kommt jeder Mensch mit ihren chemischen Produkten immer wieder in Kontakt, sei es durch Farbstoffe oder Arzneimittel. Diese chemischen Großunternehmen sind in nahezu jedem Land der Erde mit Niederlassungen vertreten. Sie stellen heute wie früher einen besonderen Wirtschaftsfaktor für den Industriestandort Deutschland dar. Der Zeitraum der ,,Industriellen Durchdringung" von 1870/71 bis 1913 weckt aus heutiger Sicht deshalb Interesse, weil sich die außergewöhnliche Entwicklung der deutschen chemischen Industrie, von einem kaum existenten Industriezweig zu einer global führenden Großindustrie, im Kaiserreich vollzog.

Ziel dieser Hausarbeit ist es darzulegen, wie es zu dieser bemerkenswerten Entwicklung kam. Welche Entwicklungen wurden vollzogen, welche Ereignisse waren ausschlaggebend dafür, dass das vor dem Betrachtungszeitraum traditionell agrarisch geprägte und sich im industriellen Hintertreffen befindende Deutschland sich im Chemiesektor zu einer weltumspannenden Größe empor schwingen konnte?

Der Forschungsstand zeigt sich, was die Darstellung der Entwicklung der wichtigsten Zweige (anorganische Chemie, Farbstoffe, pharmazeutische Industrie) und dieser Industriebranche insgesamt angeht, relativ einheitlich. Neben einigen schwankenden Angaben über Produktionszahlen besteht jedoch Uneinigkeit in der Frage, ob das Voranschreiten der Wissenschaft oder die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung für die Entstehung einer Großchemie verantwortlich war. Weiterhin bestehen Widersprüche bei der Einschätzung der Faktoren Erziehungs- und Hochschulwesen, aber auch beim Zusammenspiel von Naturwissenschaft und Chemieindustrie als auch hinsichtlich des Einflusses des Staates auf die chemische Industrie besteht Klärungsbedarf.

Zu diesem Zwecke wird in dieser Hausarbeit zunächst eine Darstellung über die Entwicklung der Chemie in der Zeit vor der Gründung des deutschen Kaiserreiches vorangestellt, da sich eventuell bereits in den vorhergehenden Jahren des 19. Jahrhunderts Entwicklungen vollzogen, die den Grundstein für die spätere Großindustrie legten.

Daran wird sich der Hauptthemenbereich anschließen, in welchem die Entwicklung und die Komplexität der Chemieindustrie beleuchtet werden soll. Dabei wird sowohl auf die wichtigsten Produkte, als auch auf die betriebliche Struktur der Chemieunternehmen und der gesamten Branche eingegangen werden. Nur auf dieser Grundlage erscheint es mir möglich, den Aufstieg der Chemieindustrie, der nach der Eisenbahn-, Stahl- und Maschinenbauindustrie die zweite Stufe im Übergang zur Industriegesellschaft in Deutschland prägte, darstellen zu können.

Die wichtigste Literaturgrundlage zu dieser Thematik stellen die Werke ,,Geschichte der deutschen Großchemie; Entwicklung und Einfluss auf Staat und Gesellschaft" von Walter Teltschik1, ,,Soda, Teer und Schwefelsäure; Der Weg zur Großchemie" von Dieter Osteroth2 und ,,Naturwissenschaft und chemische Industrie in Deutschland" von Walter Wetzel3 dar. Um sich einen, über die chemische Industrie hinaus gehenden, Gesamtüberblick über die wirtschaftliche Entwicklung im Kaiserreich zu verschaffen, eignet sich besonders Thomas Nipperdeys Werk ,,Deutsche Geschichte 1866-1918"4. Für den Zeitraum davor empfiehlt sich die ,,Deutsche Geschichte 1800-1866" vom selben Autor5.

2. Hauptteil:

2.1 Die Entwicklung der chemischen Industrie vor der ,,Industriellen Durchdringung"

2.1.1 Über die Ursprünge der Chemie

Die Entwicklung von den Anfängen menschlicher Betätigung auf chemischem Gebiet bis hin zur Großchemie im Kaiserreich basiert, wie in jeder anderen Wissenschaft auch, auf technischem Fortschritt, der sich in Form von aufeinander aufbauenden Schritten vollzog und immer noch vollzieht. So konnte der Übergang zu dem von der Technik beherrschten Zeitalter u.a. nur gelingen, weil durch zahlreiche chemisch-technische Vorgänge geeignete Werkstoffe in ausreichenden Mengen zur Verfügung standen6.

Die Umwandlung mineralischer, tierischer oder pflanzlicher Stoffe zu dem Zwecke, die menschliche Existenz zu sichern (durch Nahrung, Bekleidung, Baumaterial, etc.), ist bereits die Grundlage für die Hochkulturen in Ägypten oder Babylonien gewesen7. Im antiken Griechenland wurde Chemie als Naturphilosophie betrieben und im Ägypten des ersten Jahrhunderts nach Christi zur Alchemie weiterentwickelt. Nach einer Blütezeit im islamischen Raum (8. bis 12. Jahrhundert) fand die Alchemie dann in ganz Europa Verbreitung8. Ab dem 16. und frühen 17. Jahrhundert taten sich besonders französische und englische Gelehrte als Pioniere auf dem Gebiet der chemischen Forschung hervor. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begründete die von Lavoisier aufgestellte Oxidationstheorie einen Wendepunkt für die Wissenschaft der Chemie. Durch die gesteigerte Möglichkeit, chemische Reaktionszusammenhänge nun genauer als bisher erforschen zu können, wurde eine Voraussetzung für eine intensive Nutzung im industriellen Maßstab geschaffen9. Im Folgenden wird die Tatsache, dass es im 19. Jahrhundert und auch noch einige Jahre darüber hinaus größtenteils deutsche Wissenschaftler waren, die entscheidende Entdeckungen machten und neue Entwicklungen ermöglichten10, näher ausgeführt werden.

2.1.2 Die Textilindustrie als Motor für das Wachstum der chemischen Betriebe

Entscheidend für die Entstehung einer chemischen Industrie war allerdings die zeitlich

parallel dazu ablaufende volkswirtschaftliche Entwicklung, die erst ab einer bestimmten Größe des Absatzmarktes das Interesse an einer industriellen Produktion chemischer Substanzen wecken konnte. Denn viele Entdeckungen wären industriell ungenutzt geblieben, wenn nicht wirtschaftliche Momente (Massenbedarf) deren Anwendung gefördert hätten11. Keine andere Industriebranche als die Textilindustrie förderte das Entsehen vieler chemischer Betriebe, denn sie stellte die erste wichtige, im industriellen Maßstab produzierende Branche dar. Sie wuchs zunächst nach der ,,glorious revolution" (1688/89) in England, der ,,Keimzelle der Industrialisierung", sehr stark an. Dass sie den Massenbedarf decken konnte verdankt sie zahlreichen Erfindungen wie etwa Watts Dampfmaschine (1781)12, Whitneys

Sägeegreniermaschine (1793) oder auch Cartwrights mechanischem Webstuhl (1784), mit deren Hilfe die Ernteerträge in deutlich kürzerer Zeit und größerer Menge eingefahren und verarbeitet werden konnten.

Die Baumwolle kam größtenteils aus Nordamerika und musste gebleicht, gewaschen und gefärbt werden. Die bisher angewandte Rasenbleiche konnte die wachsende Nachfrage nicht befriedigen, so dass das Verlangen der sich stetig erweiternden Textilindustrie nach den Chemikalien Schwefelsäure, Soda und Chlorkalk wuchs13. Die Herstellung chemischer Textilhilfsmittel wurde zunächst zur größten Aufgabe der chemischen Industrie, so dass sich im Schatten von Textilbetrieben die ersten chemischen Fabriken entwickelten14. Die Schwefelsäureproduktion wurde durch das von John Roebuck im Jahre 1746 entwickelte Bleikammerverfahren auf ein industriell verwendbares Niveau gehoben. Durch die Erfindung des Gay-Lussac-Turmes (1827) und des Glover-Turmes (1859) ergaben sich nochmals Produktionssteigerungen. Nicolas Leblanc entwicklete ein Verfahren zur Sodaherstellung, welches jedoch durch die Wirren der Französischen Revolution erst etliche Jahre später zur Anwendung geriet. Vor allem in England fand es durch James Muspratt weite Verbreitung, so dass sich auf der Insel eine chemische Industrie bildete, die bis weit in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts der Hauptproduzent von Soda war. Später wurde das Leblanc-Verfahren von dem 1861 zum ersten Mal demonstrierten Solvay-Verfahren abgelöst15. Nachdem Wilhelm Scheele 1774 die bleichende Eigenschaft des Chlors entdeckt hatte, wurde einige Jahre später der anwendungsfreundlichere Chlorkalk entwickelt, der zwar mengenmäßig weit hinter den anderen beiden Produkten zurückblieb, dennoch zu den wichtigen anorganischen Grundchemikalien zählte16.

In der nachfolgenden Tabelle wird die Entwicklung der Produktion von anorganischen Grundchemikalien in Abhängigkeit der Baumwollproduktion dargestellt.

dadurch

hervorgerufene Produktion an

Jahr Baumwollproduktion in Schwefelsäure Soda Chlorkalk

Nordamerika

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Angaben in Tonnen17

2.1.3 Die Entwicklung in Deutschland im 19. Jahrhundert bis zur Entdeckung des Benzolrings (1865)

Eine sinnvolle Einteilung in drei Zeitabschnitte der Entwicklung der chemischen Industrie in Deutschland beginnt mit der Zeit von Lavoisier bis 1830. Der zweite Abschnitt beschreibt die Zeit Liebigs und Wöhlers (1830-1865), in welcher die Düngemittelindustrie Anschübe bekommt. Den Schlusspunkt setzt die Zeit von Kekulé (1865) und die auf seine Entdeckungen folgende Entstehung der Teerfarbenchemie und pharmazeutischen Chemie18. Um das Jahr 1800 waren auf deutschem Gebiet lediglich 21 Prozent aller Beschäftigten im Gewerbe zu finden, der Großteil der Bevölkerung war in der Landwirtschaft tätig. Ein ,,Fabriksystem" war noch nicht erkennbar und nur fünf Prozent der 2,2 Millionen gewerblich Beschäftigten arbeiteten in Manufakturen oder Fabriken. Die größte Rolle innerhalb der Industrie spielte in dieser Zeit in Deutschland die Textilindustrie, eine chemische Industrie wie in England oder Frankreich existierte noch nicht19.

Die ersten chemischen Fabriken waren im Zusammenhang mit Gerbereien, Färbereien und Apotheken nur vergrößerte Handwerksbetriebe mit meist weniger als 10 Mitarbeitern20. Soda wurde um 1800 nur von einer Firma in Deutschland hergestellt und es dauerte bis zum Jahre 1827 bis in Käferthal bei Mannheim das erste Mal nach dem Leblanc-Verfahren produziert wurde. Die erste Bleikammeranlage Deutschlands wurde 1812 bei Bitterfeld gebaut und 1824 wurde in Duisburg die erste Schwefelsäurefabrik gegründet. Die erste Gasbereitungsanstalt wurde 1816 von W. A. Lampadius in der Nähe von Freiberg errichtet21.

Die Produktionsmengen waren allerdings in allen Fällen im Vergleich mit England und Frankreich außerordentlich gering.

Im Jahre 1837 hatte die zuletzt erwähnte Fabrik ihre Produktion bereits u.a. auf 200 Zentner Salpetersäure, 2500 Zentner Chlorkalk und 4500 Zentner Schwefelsäure gesteigert22. Große Zukunftsperspektiven verhieß dies jedoch noch lange nicht. Bis 1850 beschäftigte die chemische Industrie gerade einmal um die 30.000 Arbeiter und hinkte weit hinter der französischen und englischen zurück. Dennoch begann nun die Einflussnahme der Wissenschaft auf die Forschung stärker zu werden. Großen Anteil daran hatten Friedrich Wöhler (Harnstoffsynthese 1828) und Justus Liebig, der später noch im Zusammenhang mit der Düngemittelindustrie erwähnt werden wird23.

Justus von Liebig war aber nicht nur der Begründer der Düngemittelchemie, ihm gelang auch durch die Gründung seiner ersten Ausbildungsstätte für Chemiker im Jahre 1826 in Gießen die Grundsteinlegung für die akademisch ausgebildeten Chemiker, die durch ihre Forschungserfolge zum späteren Erfolg der deutschen Großchemie gehörig beisteuerten. Es sind hier Namen wie etwa A. W. Hoffmann, August Kekulé (Benzolring), Carl Fresenius oder von Adolf v. Baeyer (Indigo) zu nennen, die ihrerseits wiederum Schulen bildeten, aus denen weitere namhafte Forscher hervortraten24.

Die Entdeckung der Ringstruktur des Benzols durch August Kekulé im Jahre 1865 leitete die letzte angesprochene Phase ein, in der die Empirie abgelöst wurde und die wissenschaftliche Forschung Einzug in die Laboratorien hielt25.

2.2. Die Entwicklung der Großchemie im Kaiserreich

2.2.1 Das Herausbilden der chemischen Großindustrie in Deutschland

Die Anfänge der Unternehmen, die wenige Jahrzehnte später die deutsche Großchemie verkörperten liegen in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts.

In den zehn Jahren zwischen 1860 und 1870 entstanden auf deutschem Boden zahlreiche farbstoffproduzierende Werke, die auch heute noch existieren:

Farbwerke Lucius, Meister & Co. in Hoechst 1863 (heute Hoechst AG, Frankfurt), Friedrich Bayer & Co. in Elberfeld ebenfalls 1863 (heute Bayer AG in Leverkusen), die BASF in Ludwigshafen 1865, die von Anfang an eine Aktiengesellschaft war, sowie die Frankfurter Anilinfarbenfabrik von Gans und Leonhardt in Fechenheim 1870 (heute Cassella AG, Frankfurt). Des weiteren sind noch Boehringer in Mannheim (1859) und Agfa in Berlin (1870) zu nennen26.

Nachdem ab dem Jahre 1850 eine allgemeine explosionsartige Ausbreitung auf dem gewerblichen Sektor zu beobachten war und am Ende des Jahrhunderts mehr als 50 Prozent aller Beschäftigten dieses Sektors in zentralisierten Großbetrieben tätig waren27, kann gesamtwirtschaftlich gesehen von einem sektoralen Strukturwandel gesprochen werden, in dessen Verlauf insbesondere die Bedeutung des Industriebereiches überproportional stieg. Die Chemieindustrie war einer der neuen Wachstumsträger in diesem Expansionsprozess28. Es kam zur Ausbildung von Großbetrieben mit anfangs Hunderten, gegen Ende des Jahrhunderts sogar mehreren Tausend Beschäftigten29. Realistische Zahlen über die Größenordnung der Anzahl der Beschäftigten in der chemischen Industrie zeigen ein Wachstum von 38.000 im Jahre 1861 über 65.000 und 138.000 in den Jahren 1875 und 1895 auf letztendlich mehr als 290.000 im Jahre 191330.

Die kriegerischen Ereignisse, die der Reichsgründung vorausgegangen waren, hatten keine nennenswerten Auswirkungen auf die chemische Industrie gehabt. Auf den gewonnenen Krieg gegen Frankreich und die Reichsgründung folgte in Deutschland ein ,,Gründerboom", der allerdings nach kurzer Zeit in eine große Depression umschlug und für viele chemische Fabriken mit dem Aus verbunden war. Doch diese Entwicklung kann durchaus als heilender ,,Reinigungsprozess" angesehen werden, denn es überlebten nur die wirklich gesunden Unternehmen31.

2.2.2 Die Teerfarbenindustrie

Nachdem zuvor die Wichtigkeit der Textilindustrie für die Entstehung der ersten chemischen Betriebe, die hauptsächlich anorganische Grundchemikalien herstellten, beschrieben wurde, stellte die Teerfarbenindustrie den entscheidenden Sektor im Verlauf der Entwicklung von der relativ unbedeutenden chemischen Industrie zur deutschen Großchemie dar.

Ihr Aufstieg gelang in Zusammenhang mit den Gaswerken von denen es im Jahre 1850 genau 35, zehn Jahre später bereits 176 und 1869 schon über 340 gab32. Die Umweltprobleme, die durch das bei der Verbrennung von Koks anfallende Nebenprodukt Teer hervorgerufen wurden, konnten anfangs nicht gelöst werden und stellten die Gasanstalten vor große Probleme33. Die 1833 von Ferdinand Runge gemachte Entdeckung, dass sich aus Teer Farben herstellen lassen, stieß zunächst auf taube Ohren, so dass die Geburtsstunde der Teerfarbenindustrie im Jahre 1856 schlug, als William Henry Perkin, ein Schüler des Begründers der wissenschaftlichen Farbforschung A. W. Hoffmann, beim Experimentieren mit Teer zufällig das ,,Mauvein" herstellte, welches sofort in den Seidenfärbereien angenommen wurde. Gefärbte Kleidung war bis dahin das Privileg einer reichen Oberschicht gewesen. Mit der Entwicklung der Teerfarben wurde es möglich, den schon lange existierenden Wunsch des Volkes, welches eine riesige Abnehmerschaft darstellte, nach gefärbter Kleidung, zu befriedigen34. Durch diesen Erfolg kam es zu einer hektischen Suche nach Teerfarben, wodurch ein großer Absatzmarkt für Teer geschaffen wurde. Da sie die Belieferung übernahmen, wurden die Gasanstalten zur Keimzelle der Teerfarbenindustrie. Teer wurde zu der wichtigsten Rohstoffquelle auf dem Gebiet der organischen Chemie und die Teerfarbenproduktion entwickelte sich zum ersten wichtigen Sektor der deutschen chemischen Industrie im Kaiserreich, wogegen die Bedeutung natürlicher Farbstoffe, die landwirtschaftlich erzeugt wurden, immer mehr abnahm und letztlich völlig verschwand35. In der Folgezeit stieg Deutschland rasch zum führenden Hersteller auf dem Gebiet der Teerfarben auf, löste England und Frankreich ab und konnte diese Position bis zum Ende unseres Betrachtungszeitraumes auch behaupten.

Die Gründe dafür sind vielseitig und lagen einerseits darin, dass die Notwendigkeit einer systematischen wissenschaftlichen Industrieforschung, an der sich akademisch geschulte Chemiker und gut ausgebildete Hilfskräfte beteiligten, schon sehr früh erkannt wurde (z.B. von Liebig). Es kam ferner zu einem regen Gedankenaustausch zwischen den von Begeisterung erfüllten Chemikern an den Hochschulen und den Industriechemikern36. Andererseits war ein weiteres begünstigendes Moment, dass die ausländische Konkurrenz diesen Schritt nicht vollzog. In Großbritannien etwa existierten im Gegensatz zu Deutschland schlechte Forschungsbedingungen an den Universitäten. Die Anzahl der Nobelpreisträger auf dem Gebiet der Chemie, die aus Deutschland kamen, unterstreicht den Erfolg dieser Methode37.

Im Jahre 1900 wurden in Deutschland 15000 verschiedene patentierte Farbstoffe produziert38. Bereits 1877 kam die Hälfte aller in der Welt verbrauchten künstlichen Farbstoffe aus

Deutschland. Der Aufbau großer Forschungsabteilungen, in denen Forscher zahlreiche Entdeckungen machten, sicherte der deutschen Industrie schon vor der Jahrhundertwende einen großen Vorsprung vor der ausländischen Konkurrenz. Dazu gesellte sich ein schnellerer technologischer Fortschritt, so dass beinahe die gesamte Weltfarbstoffproduktion in Deutschland aufgebaut wurde. Im Jahre 1913 betrug sie 82 % oder 127000 t Farbstoffe aller Art, von denen die exportierten 109000 t, im Wert von 218 Mio. Goldmark, 90,5 % der Weltausfuhr darstellten. Abnehmer waren Industrienationen wie die USA, Großbritannien und Frankreich, aber auch Russland und China 39. Schon in früheren Jahren wurden erste Fabriken im Ausland gebaut. So etwa von Bayer in den USA (in den 1860ern), von Hoechst in Moskau (1878) und bei Paris (1883) und die Fabriken der BASF ebenfalls in Russland und Frankreich (1877, 1878)40.

Der große Durchbruch gelang durch die Synthese der Farbstoffe Alizarin und Indigo. Alizarin wurde 1868 von den Forschern Graebe und Liebermann entschlüsselt und im gleichen Jahr noch synthetisiert. Zahlreiche Firmen, die das Alizarin herstellten, schossen aus dem Boden. Die Folge waren erbitterte Preiskämpfe, denn in Deutschland existierte im Gegensatz zu England noch kein Patentschutz. Der Preis fiel von 270 Mark pro Kilo im Jahre 1869 auf 40 Mark nur acht Jahre später. Und 1886 mussten nur noch 9 Mark bezahlt werden, so dass viele Firmen nicht überleben konnten41.

Im Jahre 1881 kam es zu der sog. Alizarin-Allianz, an der neben der BASF, Bayer und Hoechst noch sechs weitere Unternehmen aus Deutschland und eines aus England beteiligt waren. Darin wurden die 52 Anteile am Gesamtumsatz so aufgeteilt, dass die drei größten Unternehmen jeweils zehn bekamen, also mehr als die Hälfte der Erzeugung. Diese Vereinbarung stellte die erste Demonstration des Führungsanspruches der drei Großen Unternehmen dar. Die Alizarinsynthese und ihre industrielle Umsetzung sicherte die Etablierung der deutschen chemischen Industrie an der Weltspitze, so dass auch die nächsten 50 Jahre die bedeutendsten Entdeckungen (z.B. die Azo- und Indanthrenfarbstoffe) aus deutschen Laboren kamen42.

Der Vorsprung war durch intensive Forschung herausgearbeitet worden. Da diese allerdings auch sehr teuer war, waren die finanziellen Mittel der Familienbetriebe bald erschöpft. In den Jahren 1880 bzw. 1881 wurden zunächst Hoechst und dann Bayer in Aktiengesellschaften umgewandelt, um die Kapitaldecke zu füllen. Die BASF war bereits als Aktiengesellschaft gegründet worden43.

Der ,,König der Farbstoffe", der blaue Indigo, liefert ein hervorragendes Beispiel dafür, wie erfolgreich die Vorgehensweise der deutschen chemischen Industrie war: Bereits 1880 gelang dem deutschen Professor Adolf v. Baeyer die Indigosynthese. Die Forschungen auf dem Indigogebiet bis zur ersten industriellen Herstellung von Indigo verschlangen allerdings noch 18 Mio. Goldmark (das Aktienkapital der BASF betrug zu diesem Zeitpunkt lediglich 16 Mio. Goldmark). Doch dieser enorme Mut wurde später belohnt, da die Kosten, nachdem die BASF 1897 den ersten synthetischen Indigo auf den Markt brachte, mehr als nur ausgeglichen wurden. Der Indigoimport aus British Indien sank folglich immer stärker, und betrug schließlich im Jahre 1913 nur noch 500 t gegenüber 6000 t in 1897. Der Preis für ein Kilogramm 20 %-ige Paste fiel zwischen 1877 und 1913 von 22 auf 1, 25 Mark. Die Indigoausfuhr brachte 1913 53 Mio. Mark ein44.

2.2.3 Die pharmazeutische Industrie

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden vorwiegend durch Apotheker und Ärzte große Fortschritte auf dem Gebiet der Drogen gemacht. Dies bezog sich einerseits auf die Entwicklung von Färbedrogen (z.B. Krappsynthese), andererseits auf die Herstellung von Wirkstoffen und Arzneimitteln, von denen jeweils Extrakte entwickelt wurden (Opium, 1805), um die Qualität und die Handhabung im Vergleich zu Naturprodukten zu verbessern45. Was für die Teerfarbenchemiker der Indigo war, wurden für die Pharmazeuten die Alkaloide, also organisch-chemische Verbindungen. Die Chinin-Synthese wurde nicht in unserem Betrachtungszeitraum erreicht, aber die Isolierung der Alkaloide förderte um 1870 herum die Gründung von pharmazeutisch-chemischer Fabriken. Die Apotheke als traditioneller Ort der Heilmittelforschung wurde aufgrund des Massenbedarfs abgelöst. Da die Teerfarbenfabriken bereits über große Forschungsabteilungen verfügten, waren sie als Forschungseinrichtungen optimal46.

Da aus den Teerfarben auch Heilmittel gewonnen werden konnten, kam in den Teerfarbenbetrieben das Gebiet der Heilmittelsynthese sehr bald hinzu und es wurden pharmazeutische Abteilungen an die Farbstoff-Fabriken angegliedert. Unter anderem konnten viele Farbstoffe entwickelt werden, die Krankheitserreger nicht nur sichtbar werden ließen (z.B. 1882 Tuberkulose-Erreger durch Robert Koch), sondern auch in ihrer Wirkung hemmen oder gar abtöten konnten, ohne das körpereigene Gewebe zu schädigen47. Felix Hoffmann entdeckte im Jahre 1898 das Aspirin. Die Chemotherapie wurde durch Paul Ehrlich begründet, als er u.a. 1910 das von Hoechst vertriebene Mittel Salvarsan zur Ausrottung der Syphilis fand. Während Bayer und Hoechst sehr aktiv in die Produktion pharmazeutischer Produkte einstiegen, entwickelte die BASF ein größeres Gespür für die Herstellung von Farbstoffen und anorganischen Grundchemikalien48.

1891 existierten 521 mehr oder weniger große pharmazeutische Betriebe mit 14.842 Arbeitern, im Jahre 1895 waren es bereits 2.341 Betriebe mit knapp 35.000 Beschäftigten.

Bemerkenswert ist hierbei, dass die pharmazeutische Industrie in Deutschland sich von Beginn an nicht im Hintertreffen im Vergleich mit der ausländischen Konkurrenz befand. Sie entwickelte sich aus der Teerfarbenindustrie heraus und hatte stets eine Vorreiterrolle inne49.

2.2.4 Die anorganische Großchemie

Mitte des 19. Jahrhunderts war die Industrie der Grundchemikalien (Soda, Schwefelsäure, Chlor, Salzsäure, usw.) bereits von beträchtlicher Größe gewesen, wobei England eine führende Rolle einnahm. Die Sodaproduktion beispielsweise lag im Jahre 1865 in England bei 243.000 t, Frankreich 108.000 t und Deutschland 66.000 t50.

Die Herstellung anorganischer Chemieprodukte wurde immer mehr vorangetrieben, als die Unternehmen nach dem Erfolg der Teerfarbenindustrie erkannten, welches Potential auf dem Gebiet der chemischen Industrie lag. Auch wenn die deutsche Soda-Industrie um 1870 herum vergleichsweise bescheiden war, ereichte sie im Laufe der Zeit Weltgeltung. Der Übergang vom Leblanc- zum Solvay-Prozess verlief in Deutschland wegen der bis dato vergleichsweise mäßigen Ausbreitung dieses Industriezweiges unproblematischer als in England, dessen riesige anorganische Chemieindustrie beinahe ausschließlich Leblanc-Soda herstellte und daher komplett umgerüstet werden musste. Die folgende Tabelle verdeutlicht den Übergang vom Leblanc- zum Solvay-Soda und die aufsteigende Tendenz deutscher Sodafabriken:

Deutschland England Deutschland England

Jahr Leblanc- Solvay-

Soda Soda

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Angaben in Tonnen

Kostete eine Tonne Soda im Jahre 1860 noch 700 belgische Goldfrancs, so erhielt man es 1875 bereits für 280 und im Jahre 1900 für 100 Goldfrancs. Soda war u.a. für die Seifen- und Waschmittelindustrie, die Textilindustrie, aber auch für die Stahlindustrie sowie die chemische Industrie selber, um Natriumverbindungen herzustellen, unentbehrlich geworden51.

Die stark ansteigende Sodaproduktion, bei der die Verwendung von Schwefelsäure inbegriffen war, führte neben den zahlreichen anderen expandierenden Anwendungsgebieten von Schwefelsäure dazu, dass sich die Schwefelsäureproduktion ebenfalls mit stark aufsteigender Tendenz entwickelte. Ein von Rudolf Knietsch, der bei der BASF angestellt war, entwickeltes Verfahren, mit dessen Hilfe die Herstellung von 98 %-iger Schwefelsäure anstatt bisher maximal 80 %-iger gelang, löste das Bleikammerverfahren im Jahre 1890 ab52. Die Salpetersäuresynthese wurde erst außerhalb unseres Betrachtungszeitraumes (1914) möglich. Dafür gelang Fritz Haber und Carl Bosch, beide arbeiteten für die BASF, im Jahre 1909 die Ammoniaksynthese aus Luftstickstoff, die 1913 endgültig technisch umgesetzt wurde und im Frühjahr 1914 das erste Mal in industriellem Maßstab anlief53, um hauptsächlich Pulver für den 1. Weltkrieg zu produzieren.

An diesem Punkt muss jedoch zunächst auf die Entwicklung der Düngemittelindustrie eingegangen werden.

2.2.5 Die Düngemittelindustrie

Die wachsende Weltbevölkerung (um 1800: 900 Mio. Menschen; 1900: 1,6 Milliarden) bei gleichbleibender Anbaufläche führte den Zeitgenossen ein bevorstehendes Lebensmittelversorgungsproblem vor Augen und schuf die Notwendigkeit, die Ernteerträge zu erhöhen, denn die bisher praktizierte Fruchtwechselwirtschaft konnte den Bedarf nicht mehr decken. Der Schlüssel lag in der künstlichen Düngung des Bodens und hier ist es Justus von Liebig mit seinen Forschungen, die letztendlich zu seinem Werk ,,Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf die Agrikulturchemie und Physiologie"54 aus dem Jahre 1840 führten, der als Vater der Düngemittellehre und -industrie gilt. Liebig erkannte, dass es vor allem Stickstoff, Phosphor und Kali waren, die, wenn von jedem ein Mindestmaß vorhanden war, für ein erweitertes Pflanzenwachstum sorgten55.

Anfangs verwendete Liebig Knochenasche unter dem Einsatz von Schwefelsäure. Sein Schüler, der Engländer J. Muspratt, war im Jahre 1843 der Begründer der Superphosphatindustrie. Beide Methoden brachten Produktionssteigerungen in der Schwefelsäurebranche. In Deutschland setzte die Entwicklung erst um 1855 ein, als die Firma Stackmann und Retschy mit einer bescheidenen Produktion begann. Drei Jahre später begann die Firma Albert ebenfalls mit der Herstellung von Superphosphaten und um 1900 herum waren die elf dazugehörigen Firmen der größte Superphosphathersteller der Welt. Bereits 1890 gab es in Deutschland 75 Superphosphatfabriken56.

Die Ära der zweiten wichtigen Düngekomponente, dem Kali, wurde durch die Entdeckung der großen Kalisalzvorkommen in Strassfurt bei Magdeburg im Jahre 1837 eingeläutet. Ab dem Jahre 1862, ein Jahr nach ihrer Errichtung, warf eine Fabrik des Pioniers auf dem Gebiet der Mineraldüngung, Hermann Grüneberg, bereits erste hohe Gewinne ab57. Die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht über den erfolgreichen Einsatz von Düngemitteln und veranschaulicht das Wachstum der Düngemittelindustrie:

Jahr Bruttobodenproduktion Nährstoffaufwand in mineralischer Form

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Angaben in dt/ha Angaben in kg/ha58

2.2.6 Problemfelder bei der Führung der Großbetriebe

Die ersten Fabriken des Teerfarbensektors ähnelten großen Waschküchen und stellten sich als einfache Einrichtungen, mit größeren, aber primitiven Laborapparaturen, die eine aufwendige Wartung verlangten und in Scheunen untergebracht waren, dar. Als der elektrische Strom Einzug hielt, verschwanden die umständlichen Dampfmaschinen zugunsten von Elektromotoren und die großen Kesselhäuser wichen kleinen Kraftzentralen59. Ein Charakteristikum der großen Teerfarbenfabriken wurde jedoch die Angliederung von Betrieben, welche bedeutende Mengen von anorganischen Grundchemikalien zumeist für den Eigenbedarf herstellten. Dadurch wuchsen einige Teerfarbenfabriken schon um die Jahrhundertwende zu Großbetrieben heran. Die BASF beschäftigte im Gründungsjahr 1865 gerade einmal 30 Arbeiter. Im Jahre 1896 waren es bereits 4800 Beschäftigte, darunter 148 wissenschaftlich gebildete Chemiker, 75 Ingenieure und Techniker, sowie 305 kaufmännische Angestellte. Die restlichen Mitarbeiter werden durch Arbeiter gestellt. Vergleichbare Entwicklungen spielten sich bei Bayer und Hoechst ab60.

Die Arbeit in einer chemischen Fabrik war in erster Linie harte und mitunter auch gefährliche Handarbeit, die selbst kräftige und robuste Arbeiter sehr belastete. Das große Überangebot an Arbeitskräften sorgte allerdings dafür, dass selbst bei einer lohndrückenden Politik der Unternehmen immer genügend Arbeitskräfte vorhanden waren. Selbst bei der BASF, die zu den modernsten Betrieben Europas zählte und im Jahre 1875 600 Arbeiter beschäftigte, wurden die Rohstoffe mit primitivsten Methoden transportiert bzw. von Verunreinigungen gereinigt. Überhaupt mag es heutzutage unglaublich erscheinen, dass die um 1900 durchgeführten Produktionsmethoden in der Teerfarbenindustrie den Weltruf der Teerfarbstoffe aus Deutschland begründeten61.

Der Versuch, das Arbeitsverhältnis näher zu regeln, ging vom Führen eines Arbeitsbuches aus. Die Grundlage für das Verhältnis zwischen der Unternehmensleitung und der Arbeiterschaft waren aber die ,,Arbeitsordnungen", wie etwa die von Bayer & Co. aus dem Jahre 1888, die oftmals preußischen Militärverordnungen glichen. Gleichzeitig wurde die Autorität der Vorgesetzten gestärkt, auf der anderen Seite aber auch eine ,,Willkürherrschaft" zum Schutz der Arbeiter unterbunden62. Der Rechtsschutz der Arbeiter war zu Beginn der Industrialisierung durch keinerlei allgemeine Vorschriften oder Gesetze, welche die Arbeiter bei Unfällen oder Erkrankungen vor der Verarmung schützten, gewährleistet. Fortschritte wurden erst durch die Sozialgesetzgebung Bismarcks, die 1883 einsetzte, erreicht63. Angesichts der hohen Beschäftigtenzahlen fand auch in den Vorstandsetagen eine soziale Diskussion statt, teilweise aus humanem, teilweise aus ökonomischem Antrieb, denn die Chemieindustrie war bei Streiks, wie etwa dem sechs Wochen andauernden Streik von 1889 bei Bayer (800 von 1000 Arbeitern streikten), sofort von hohen Verlusten betroffen64. Die tägliche Arbeitszeit lag bei durchschnittlich 13 Stunden im Jahre 1870. Im Laufe der Jahre sank sie im Allgemeinen leicht, aber kontinuierlich. Überstunden waren jedoch die Regel, einen Anspruch auf bezahlten Urlaub gab es nicht65.

Die chemische Industrie war die erste Industriebranche, die werkseigene Ärzte einstellte. Die BASF tat dies bereits 1866, Hoechst 1890 und Bayer richtete in Elberfeld im Jahre 1898 sogar eine eigene Poliklinik ein. Im Zuge eines wachsenden Sozialverständnisses kam es 1863 bei der Firma Albert zu der Gründung einer der ersten Betriebskrankenkassen und, nach Krupp im Jahre 1861, wurden auch bei Hoechst ab dem Jahre 1875 Arbeiterwohnsiedlungen angelegt, deren Anzahl 1899 bereits mehr als 380 Häuser betrug. Die BASF ging in dieser Richtung ähnlich vor66.

Bei diesen Voraussetzungen ist es leicht nachvollziehbar, dass das chemische Großunternehmen immer unübersichtlicher in seiner Organisationsstruktur und die Anforderung immer komplexer wurden67.

Ein weiteres Problem kam hinzu, da die deutsche Großchemie damals bereits ein negatives Image besaß und als gesundheitsschädlich und umweltzerstörend betrachtet wurde, wie die Schilderung der Wasserfärbung der Wupper Anfang des 20. Jahrhunderts68 oder die Reaktionen auf den Umweltskandal der Firma Geigy & Heusler von 1864 zeigten69.

In diese Zeit der weit expandierten Entwicklung der deutschen chemischen Großindustrie fällt nun das Wirken eines Mannes, der großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der deutschen Großchemie hatte: Carl Duisberg.

2.2.7 Carl Duisberg und der Dreibund

Zu Beginn der achtziger Jahre befand sich die Teerfarbenindustrie in einer schweren Krise, die durch Überproduktion und daher fallende Marktpreise hervorgerufen worden war. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Bayer AG reagierte darauf 1883 mit der eigenmächtigen Einstellung von drei jungen Chemikern, da seiner Meinung nach nur noch mehr Forschung die Firma retten konnte. Unter diesen drei Chemikern war auch Carl Duisberg, der die Vergrößerung der Forschungsabteilung bei Bayer durchführte und mit seinen Maßnahmen auch Erfolg hatte. Im Laufe der Jahre stieg Duisberg in der Hierarchie der Bayer AG immer weiter auf. Er unterhielt auch persönliche Beziehungen zu den Vorstandsmitgliedern70. Ein erster Patentschutz existierte in Deutschland seit dem Jahre 1877 und wirkte sich überaus positiv auf die Entwicklung der chemischen Großindustrie aus71. Tief beeindruckt von einer Übereinkunft bezüglich eines Patentstreites zwischen der Bayer AG und der Agfa, die für beide Unternehmen Vorteile erwachsen ließ, kam Duisberg die Idee zur Gründung einer ,,Interessengemeinschaft", welche sämtliche Großbetriebe der Chemiebranche umfassen sollte. Mit Wirkung zum 01. Januar 1900 wurde Duisberg zum Vorstandsmitglied der Bayer AG ernannt und von nun an konnte er seine Auffassungen über die Vorgehensweise der Großunternehmen der deutschen chemischen Industrie in die Tat umsetzen72. Er organisierte beispielsweise Mitarbeiterkonferenzen, um seine Mitarbeiter mittels einer eigens angeschafften Bibliothek auf dem Laufenden zu halten und den gegenseitigen Austausch zu fördern. Diese Maßnahmen haben ebenfalls dazu beigetragen, dass diese Chemiker hervorragende Ergebnisse in den Laboratorien erzielten73.

Nach seiner zweiten Amerika-Reise im Jahre 1903 kehrte er in seiner Auffassung bestärkt zurück, dass die deutsche chemische Industrie sich gegenüber der amerikanischen nur behaupten könne, wenn die Unternehmen uneingeschränkt fusionieren und somit dem Wettkampf ein Ende bereiten würden74.

In einer ersten Initiative erreichte er nichts, da vor allem Hoechst Duisbergs Plänen sehr skeptisch gegenüber stand. Daraufhin verfasste er 1904 die legendäre ,,Denkschrift über die Vereinigung der deutschen Teerfarbenfabriken". In einem neuen Versuch im selben Jahr kam es schließlich doch zu einem Arrangement mit der BASF und Agfa, welches unter dem Namen ,,Dreibund" berühmt wurde. Hoechst stellte, nach einer zuvor erfolgten Vereinbarung mit Cassella, im Jahre 1907 dem ,,Dreibund" den ,,Dreiverband" gegenüber, der durch Kalle & Co. ergänzt wurde. Diese beiden Verbände waren die Keimzelle der späteren IG Farben, die 1916 gegründet wurde.

Die Produktionsquoten wurden jährlich verteilt und die Gewinne zusammengelegt und nach einem bestimmten Schlüssel verteilt. Obwohl die Zusammenarbeit nicht völlig reibungslos verlief, war Duisberg schon damals fest davon überzeugt, dass es irgendwann zur ,,Megafusion" kommen werde. Insgesamt haben die Zusammenschlüsse von Dreibund und Dreiverband neue Innovationen, sowie die Durchführung bislang unmöglicher Großprojekte ermöglicht. Zu nennen wären hier u.a. die Ammoniaksynthese bei der BASF, die Kinofilmproduktion bei Agfa und das Kautschukprojekt bei Bayer75.

Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht die Umsatzentwicklung bei den drei größten deutschen Chemieunternehmen (BASF, Bayer und Hoechst) in den Jahren zwischen 1906 und 1913:

Jahr BASF Bayer Hoechst

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Angaben in Mio. Mark

2.2.8 Die Entwicklung der deutschen Großchemie ab dem Ersten Weltkrieg bis in die heutige Zeit

Die Zeitspanne von 1914 bis 1924 kann allgemein als eine vergleichsweise ungünstige Ära bezeichnet werden. Durch die Umstellung der Produktion auf die Erfordernisse des Krieges und die Folgen der Niederlage gelang es der chemischen Industrie durch pharmazeutische Produkte, Stickstoffverbindungen oder Kunststoffe auf Mineralölbasis ein lediglich moderates Wachstum zu verzeichnen76. In den Zeitraum von 1924 bis 1938 fällt die Gründung der berühmten I.G. Farben, die anfangs aus den acht größten deutschen Chemiefirmen bestand, sowie ein Arrangement mit den Nationalsozialisten77, durch welches die chemische Industrie zum Hauptgewinner im nationalsozialistischen Wirtschaftsprogramm wurde78. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Produktion wiederum kriegstechnischen Erfordernissen angepasst und neben zahlreichen Entwicklungen wurde die chemische Industrie insbesondere durch das in schrecklicher Art und Weise eingesetzte Giftgas Zyklon B in die Verbrechen des Nationalsozialismus verwickelt79. Nach dem Krieg wurde der Neubeginn geschaffen, die I.G. Farben zerschlagen und in Einzelbetriebe entflochten, von denen, nachdem sie im Jahre 1954 aus der alliierten Kontrolle entlassen wurden, sich vor allem Bayer, Hoechst und BASF durch Interessenabgrenzungen wieder zu den Weltmarktführern entwickelten, die sie bis heute immer noch sind80.

3. Schluss - Versuch einer abschließenden Bewertung

Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass die chemische Industrie keine Ausnahme in Bezug auf die in Deutschland verspätet einsetzende Industrialisierung im Vergleich mit England und Frankreich darstellte. Sie zeigt ebenfalls für lange Zeit in keiner Weise eine Annäherung an die bestehenden Zustände in England oder Frankreich. Ein Faktor für die Entwicklung der chemischen Industrie waren wissenschaftliche Entdeckungen, die zu immer besseren Produktionsmethoden und neuen Stoffen führten. Diese Grundlagenforschung war wichtig, da nur die wenigsten der neu entdeckten Stoffe auch in die industrielle Produktion gelangten, da sie durch zu hohe Kosten, zu ungünstige Eigenschaften, zu giftige Abfallprodukte etc. unwirtschaftlich waren. Aus diesem Grunde ist die vorab geleistete wissenschaftliche Arbeit in den Laboren, welche auf die ständige Verbesserung der Stoffe abzielte, unverzichtbar für die Entwicklung einer chemischen Industrie gewesen. Noch wichtiger aber ist die Tatsache, dass sich volkswirtschaftliche Entwicklungen vollzogen, die überhaupt erst einen Massenbedarf an Chemikalien entstehen ließen. Diese konnten politisch (z.B. durch Kriege), demographisch (z.B. durch rapides Bevölkerungswachstum) oder aus sonstigen Gründen eingeleitet werden und die Ansprüche an die chemische Industrie verändern.

Im Zuge der Ausbreitung der chemischen Industrie in Deutschland entwickelten sich neben dem anorganischen Chemiezweig, der anfangs maßgeblich durch die Textilindustrie in seiner Ausbreitung gefördert wurde, noch wichtigere Zweige. Auffallend ist, dass zwischen diesen eine gewisse Interdependenz bestand, die in anderen Industriebranchen nicht so stark ausgeprägt war. Ein Anwachsen eines Zweiges hatte zugleich (Wachstums-)Folgen für die anderen Zweige (z.B. Zusammenhang zwischen Sodaindustrie und Schwefelsäureproduktion).

An erster Stelle derer, die den Weltruhm der deutschen chemischen Industrie im Zeitalter der ,,Industriellen Durchdringung" begründeten steht die Teerfarbenchemie. Denn ihre in den 1860er Jahren gegründeten Betriebe entwickelten sich im Verlauf der Zeit zu den Weltmarktführern auf dem Gebiet der Teerfarben. Von dieser Etablierung ausgehend setzten sie sich auch auf den Gebieten der pharmazeutischen Chemie, der anorganischen Chemie und der Düngemittelchemie innerhalb weniger Jahre an die globale Spitze. Entscheidend dafür, dass Deutschland vom ,,Niemandsland der Industrie" zum Hauptproduzenten chemischer Produkte auf dem Weltmarkt wurde und die bis dahin beherrschende Konkurrenz aus Frankreich und vor allem Großbritannien hinter sich lassen konnte, waren vor allem folgende Punkte:

1. die frühe Einrichtung von Laboren in den neu gegründeten Fabriken
2. die enge Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Industrie, welche sich durch einen regen Erkenntnisaustausch zwischen den akademischen und den in den Industriebetrieben tätigen Chemikern auszeichnete
3. die Eigenherstellung von Grundchemikalien- und Zwischenproduktabteilungen, die zu neuen Produktklassen führten
4. Entdecker- und Pioniermut, sowie die Fähigkeit, die Begeisterung an der Chemie und der Forschung an die Schüler weiter zu vermitteln (u.a. Justus von Liebig)
5. ein weltweit aufnahmefähiger Markt für Farbstoffe, Pharmazeutika und Düngemittel
6. Versäumnisse auf Seiten der ausländischen Konkurrenz (vor allem in England) bei einer weitsichtigen Vorgehensweise auf der eigenen Seite Im Rheintal entstand innerhalb von 60 Jahren ein riesiges ,,Chemical Valley"81mit zahlreichen Forschungslaboratorien und Fabriken, in welche ausländische Wissenschaftler und Geschäftsleute reisten, um über neue Verfahren zu diskutieren oder Verträge abzuschließen und Lizenzen zu kaufen.

Einschränkend muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass in diesem Zusammenhang mit der Fragestellung die politischen, volkswirtschaftlichen und sozialen Umstände, sowie der Einfluss des Großkapitals jener Zeit, die allesamt zweifellos einen nicht unerheblichen Anteil an dieser Entwicklung hatten, nicht in voller Bandbreite berücksichtigt werden konnten. Eine weitere Untersuchung unter Berücksichtigung dieser Faktoren ergäbe möglicherweise eine noch genauere Darstellung der Gründe des Aufstieges der chemischen Industrie in Deutschland im Zeitalter der ,,Industriellen Durchdringung". Diese bewegt sich allerdings außerhalb des Rahmens dieser Arbeit82.

4. Literaturverzeichnis:

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Wetzel, Walter: Naturwissenschaften und chemische Industrie in Deutschland: Voraussetzungen und Mechanismen ihres Aufstiegs im 19. Jahrhundert, Stuttgart 1991.

[...]


1 Teltschik, Walter: Geschichte der deutschen Großchemie. Entwicklung und Einfluss in Staat und Gesellschaft, Weinheim 1992.

2 Osteroth, Dieter: Soda, Teer und Schwefelsäure. Der Weg zur Großchemie, Reinbek bei Hamburg 1985.

3 Wetzel, Walter: Naturwissenschaft und chemische Industrie in Deutschland: Voraussetzungen und Mechanismen ihres Aufstiegs im 19. Jahrhundert, Stuttgart 1991.

4 Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte 1866-1918, München 1990.

5 Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte 1800-1866: Bürgerwelt und starker Staat, München 1983.

6 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 11.

7 Ebenda: S. 7 f.

8 Teltschik: Geschichte der deutschen Großchemie, S.1 f.

9 Pohl, Hans; Schaumann, Ralf; Schönert-Röhlk, Frauke: Die chemische Industrie in den Rheinlanden während der industriellen Revolution, Bd. 1: Die Farbenindustrie, Wiesbaden 1983, S. 3.

10 Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866-1918, S. 602.

11 Binz, A.: Über den Ursprung der chemischen Großindustrie, in: Zeitschrift für angewandte Chemie, Bd. 25, Leipzig 1912, S. 2337-2339, hier: 2337. Binz war der erste, der diesen Zusammenhang klar definierte. Wetzel: Naturwissenschaften und chemische Industrie inDeutschland, S. 34 ff. unterstützt diese These.

12 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 27 ff.

13 Binz: Über den Ursprung der chemischen Industrie, S. 2338.

14 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 31.

15 Ebenda: S. 36 ff.

16 Paulinyi, Akos: Industrielle Revolution; Vom Ursprung der modernen Technik, Reinbek bei Hamburg 1989, S. 155 f.

17 Binz: Über den Ursprung der chemischen Industrie, S. 2339.

18 Wetzel: Naturwissenschaften und chemische Industrie, S. 38.

19 Pierenkemper, Toni: Gewerbe und Industrie im 19. und 20. Jahrhundert, München 1994, S. 5.

20 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S.191 f.

21 Berthold, Rudolf; Fischer, Karl-Heinz; Goetz, Dorothea (Hgg.): Geschichte der Produktivkräfte in Deutschland von 1800 bis 1945 in drei Bänden, Band 1: Produktivkräfte in Deutschland 1800 bis 1870, Berlin 1985, S. 456; 97.

22 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 192.

23 Wetzel: Naturwissenschaften und chemische Industrie, S. 39 ff.

24 Teltschik: Geschichte der deutschen Großchemie, S. 4 f.; 13.

25 Wetzel: Naturwissenschaften und chemische Industrie, S. 43 f.

26 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 90, 191.

27 Pierenkämper: Gewerbe und Industrie, S. 18.

28 Ebenda: S. 32 f.

29 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 191.

30 Henning, Friedrich-Wilhelm: Handbuch der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutschlands, Bd. 2: Deutsche Wirtschafts- und Sozialgeschichte im 19. Jahrhundert, Paderborn u.a. 1996, S. 860.

31 Ullrich, Volker: Die nervöse Großmacht 1871 - 1918: Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreiches, Frankfurt am Main 1991, S. 42 f.; vgl. auch Nipperdey: Deutsche Geschichte, S. 283 ff.

32 Treue, Wilhelm: Von der Einführung der Eisenbahn bis zum Aufstieg der chemischen Industrie, in: Aubin, Hermann; Zorn, Wolfgang (Hgg.): Handbuch der deutschen Wirtschaftsund Sozialgeschichte, Band 2, Stuttgart 1971, S. 70 f.

33 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 63 f.

34 Wetzel: Naturwissenschaften und chemische Industrie, S. 46 f.

35 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 71 ff.

36 Kieswetter, Hubert: Industrielle Revolution in Deutschland 1815 - 1914, Frankfurt am Main 1989, S. 234.

37 Teltschik: Geschichte der deutschen Großchemie, S. 12 ff.; Auf Seite 397 lassen sich vergleichende Angaben über die Anzahl und Nationalität der Nobelpreisträger im Bereich der Physik, Chemie und Medizin finden.

38 Ebenda: S. 14.

39 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 91.

40 Henning: Handbuch der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutschlands, S. 857.

41 Wetzel: Naturwissenschaft und chemische Industrie, S. 62.

42 Teltschik: Geschichte der deutschen Großindustrie, S. 8-10.

43 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 193 f.

44 Ebenda: S. 92 f.

45 Ebenda: S. 74-76.

46 Wetzel: Naturwissenschaften und chemische Industrie, S. 68 f.

47 Ebenda: S. 70 f.

48 Teltschik: Geschichte der deutschen Großchemie, S. 15 f.

49 Wetzel: Naturwissenschaften und chemische Industrie, S. 71.

50 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 145.

51 Ebenda: S. 109. Die Tendenz für Leblanc-Soda ist generell sinkend, die für Solvay-Soda generell ansteigend. Besonders auffällig ist die Steigerung der Solvay-Soda-Produktion in Deutschland zwischen den Jahren 1884 und 1894. Bereits 1894 hatte man England überholt.

52 Teltschik: Geschichte der deutschen Großchemie, S. 16 ff.

53 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 150 ff., 163 f.; vgl.: Teltschik: Geschichte der deutschen Großchemie, S. 19 ff.

54 Liebig, Justus: Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf die Agrikulturchemie und Physiologie, 5. umgearb. u. sehr verm. Aufl., Braunschweig 1843.

55 Teltschik: Geschichte der deutschen Großchemie, S. 18 f.; vgl.: Osteroth: Soda, Teer und ..., S. 127 ff.

56 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 131 ff.

57 Ebenda: S. 133 f.

58 Ebenda: S. 135. Beachtlich ist die sechsfache Steigerung des Düngemitteleinsatzes im Zeitraum von 1875/76 bis 1900/01.

59 Ebenda: S. 95 f.

60 Ebenda: S. 95 ff.

61 Pohl, u.a.: Die chemische Industrie in den Rheinlanden, S. 133.

62 Ebenda: S. 134 ff.

63 Zu Bismarcks Sozialgesetzgebung vgl.: Ullrich: Die nervöse Großmacht 1871 - 1918, S. 72 f.

64 Osteroth: S. 220-222.

65 Pohl, u.a.: Die chemische Industrie in den Rheinlanden, S. 138 f.

66 Osteroth: S. 215-217.

67 Ebenda: S. 145 ff.

68 Kiesewetter: Industrielle Revolution in Deutschland, S. 235.

69 Osteroth: Soda, Teer und Schwefelsäure, S. 76-78.

70 Ebenda: S. 194 ff.

71 Fleischer, Arndt: Patentgesetzgebung und chemisch-pharmazeutische Industrie im deutschen Kaiserreich (1871-1918), Stuttgart 1984, S. 78.

72 Teltschik: Geschichte der deutschen Großchemie, S. 24.

73 Beer, John J.: Die Teerfarbenindustrie und die Anfänge des industriellen Forschungslaboratoriums, in: Hausen, Karin; Rürup, Reinhard (Hgg.): Moderne Technikgeschichte, S. 110 f.

74 Teltschik: Geschichte der deutschen Großindustrie, S. 25-27.

75 Ebenda: S. 27-29.

76 Pierenkemper: Gewerbe und Industrie, S. 41; vgl.: Teltschik: Geschichte der deutschen Großchemie, S. 47.

77 Teltschik: Geschichte der deutschen Großchemie, S. 102 ff.; zur Umsatz- und Belegschaftsentwicklung der I.G. Farben siehe: Ebenda: S.82, 112, 156

78 Pierenkemper: Gewerbe und Industrie, S. 41 f.

79 Teltschik: Geschichte der deutschen Großchemie, S. 164 ff.

80 Pierenkemper: Gewerbe und Industrie, S. 42; vgl. auch: Teltschik: Geschichte der deutschen Großchemie, S. 388-395.

81 Teltschik: Geschichte der deutschen Großindustrie, S. 30.

82 Walter Wetzel stellt in seinem mehrfach erwähnten Buch über die ,,Naturwissenschaften und chemische Industrie: Voraussetzungen und Mechanismen ihres Aufstiegs im 19. Jahrhundert" einige sehr einleuchtende Zusammenhänge zu diesem Thema dar.

25 von 25 Seiten

Details

Titel
Die Großchemie im Kaiserreich
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
25
Katalognummer
V99575
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Große Unternehmen wie Bayer, BASF oder Hoechst haben ihre Ursprünge kurz vor den Jahren 1870/71 und boomten rasch in der Folgezeit. Die deutschen chemischen Betriebe stiegen schnell zur am Weltmarkt eindeutig dominierenden Macht auf und überholten die Nachbarn England und Frankreich. Wie war das möglich ?
Schlagworte
Großchemie, Kaiserreich
Arbeit zitieren
Tobias Meyer (Autor), 2000, Die Großchemie im Kaiserreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99575

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