Gustav II. Adolf


Ausarbeitung, 2001

14 Seiten


Gratis online lesen

Gliederung:

I. Einleitung
1. Zielsetzung und Eingrenzung des Themas

II.Gustav II. Adolf von Schweden
1. Biographie
2. Die politische Ausgangslage bei seinem Amtsantritt
3. Baltische Politik bis 1621
a) Dänemark
b) Russland
c) Polen
d) Die Bedeutung der innenpolitischen Reformen für den schwedischen Aufstieg

III. Zusammenfassung

IV. Literaturverzeichnis

V. Thesenpapier

I. Einleitung

1. Zielsetzung und Eingrenzung des Themas

Das Geschichtsbild Gustav II. Adolfs unterlag in früherer Zeit dem ständigen Wandel und war niemals frei von Widersprüchen. Für die einen war er der Bewahrer des Protestantismus, für die anderen der Zerstörer der Hoffnungen auf die Glaubenseinheit und auf ein starkes deutsches Kaiserreich. Gänzlich unstrittig ist aber, dass es seiner geschickten Führung der Staatsangelegenheiten zu verdanken war, die Schweden auf den Weg brachte, sich zu einer europäischen Großmacht zu entwickeln.

Da sich Gustav II. Adolf auf mannigfaltige Art und Weise historisch ,,unsterblich" gemacht hat, beschränkt der Autor seine Darstellung auf einige wenige Schwerpunkte.

Ziel dieser Arbeit ist es, den Einfluss dieses bedeutenden Herrschers auf die Geschichte des Ostseeraumes herauszuheben.

Daher wird im Folgenden nicht die gesamte Regierungszeit, sondern nur der Zeitraum von 1611, dem Jahr des Regierungsantritts Gustav II. Adolfs, bis zum Jahre 1621, dem Jahr des Kriegsbeginns gegen das polnische Königreich, abgedeckt werden. Die Betrachtung dieser Dekade wiederum wird einerseits die Außenpolitik Schwedens gegenüber seinen Nachbarn und Rivalen Dänemark, Russland und Polen expliziter beleuchten. Dennoch soll zum Schluss der Bogen zwischen außenpolitischen Erfolgen und der Bedeutung der innenpolitischen Maßnahmen gespannt werden.

II. Gustav II. Adolf von Schweden (1594 - 1632)

1. Biographie:

Gustav II. Adolf wurde am 09. Dezember 1594 in Stockholm als Sohn Karls IX. und Christinas von Holstein-Gottorf geboren. Er genoss von Kindesbeinen an eine sorgfältige Erziehung für sein Amt. Mit seinem Namen, den die Zeitgenossen bereits mit dem Zusatz ,,der Große" versahen, ist der Aufstieg Schwedens zur Großmacht zu Beginn des 17. Jahrhunderts untrennbar verbunden.

Schon früh nahm er an Ratssitzungen teil und mit 15 Jahren erhielt er ein Heereskommando. Im Jahre 1611 trat er 17-jährig die Nachfolge seines Vaters an. Am 16. November 1632 fiel Gustav II. Adolf während seiner Beteiligung am Dreißigjährigen Krieg in der Schlacht bei Lützen.

2. Die politische Ausgangslage bei seinem Amtsantritt

Bei der Betrachtung der vorherrschenden Situation bei Gustav II. Adolfs

Amtsantritt muss zunächst auf die geostrategische Lage Schwedens aufmerksam gemacht werden. Schweden liegt zwar für uns Mitteleuropäer an der Peripherie des Kontinents, für die Schweden selber jedoch musste ihre Lage zu Beginn des 17. Jahrhunderts wie eine Umkreisung durch lauter Rivalen erscheinen. Die Außenpolitik musste also auf einen Weg gebracht werden, um sich im Westen gegen das Königreich Dänemark, das sich in Personalunion mit Norwegen befand, und im Osten gegen Russland behaupten zu können. Im Süden lag darüber hinaus noch das katholische Polen, dessen Herrscher schon seit längerer Zeit Ansprüche auf den schwedischen Thron anmeldete und von dem immer die Gefahr einer Invasion auszugehen schien. Außenpolitisch hatte Schweden sich durch den Gegensatz zu Dänemark und Polen isoliert und konnte auf keinerlei Unterstützung hoffen. Innenpolitisch war die Stellung des jungen Königs ebenfalls mit Problemen behaftet. Wirtschaftlich ging es dem Staat und seinen Einwohnern trotz aller Bemühungen der früheren Wasa nicht gut. Schweden war ein Bauernland, das Volk war arm und selbst der Adel lebte nur etwas besser als der Durchschnitt. Gesetze wurden oft nicht befolgt, Anarchie drohte, die Streitkräfte waren schlecht ausgebildet und undiszipliniert, die Staatskasse war leer. Zu jener Zeit besaß das protestantische Schweden gerade einmal etwas mehr als eine Million Einwohner. Doch ist die numerische Schwäche auch von Vorteil gewesen, denn die Schweden besaßen den Vorteil, dass sie beinahe alle freie Bürger bzw. Bauern waren und die Ständestruktur Raum für politische und soziale Machtentfaltung bot. Diese innere libertäre Qualität Schwedens darf man als Vorteil und Faktor beim Aufstieg Schwedens nicht aus den Augen verlieren.

Gustav II. Adolf wurde erst vom Hochadel mündig gesprochen, nachdem er den Reichsrat wieder förmlich als Mitregenten anerkannte und zugleich die Standesprivilegien des Adels bestätigte und erweiterte. Als Reichskanzler trat der erst 28-jährige, aber äußerst befähigte, Axel Oxenstierna an seine Seite, mit dem er in enger Zusammenarbeit und fortwährendem Einverständnis die Staatsgeschäfte lenkte.

Zunächst galt es für die neue Regierung, die übermäßigen kriegerischen Beanspruchungen an zwei Fronten abzubauen, um danach für innenpolitische Maßnahmen zu sorgen.

2. Baltische Politik bis 1621

Die Beurteilung der Lage der schwedischen Außenpolitik nimmt der Reichskanzler folgendermaßen vor: ,,Zum ersten ist allgemein bekannt, dass alle unsere Nachbarn unsere Feinde sind, so dass kein Ort in Schweden, Finnland oder Livland sagen kann, er sei vor dem Feind sicher. Zum zweiten gibt es keinen unserer Feinde, der nicht größer oder stärker ist als wir oder dies mindestens glaubt."1 Der nun folgende Hauptabschnitt des Referates wird sich mit dieser Thematik auseinandersetzen.

a) Dänemark

Mit Dänemark befand sich Schweden im ,,Kalmarer Krieg" (1611 - 1613). Der Nachbar war zu Beginn der Regierungszeit Gustav II. Adolfs Schweden in militärischen Belangen weit überlegen. Obwohl die Dänen sich nicht weit davon entfernt wähnten, bald nach Stockholm vorzudringen, war der Schwedenkönig nicht bereit, kampflos das Feld zu räumen. Gustav II. Adolf setzte auf die natürlichen Hindernisse in Form von Wasser und Wald, welche die Dänen aufhalten sollten. Nach zahlreichen Streifzügen und kleineren Gefechten und Eroberungsversuchen auf beiden Seiten gelang es den Dänen im Jahre 1612 die Kattegat-Festung Älvsborg (bei Göteborg) zu besetzen und somit den Zugang Schwedens zur Nordsee abzuriegeln. Im Gegenzug jedoch gelang es schwedischen Truppen sich in norwegischen Grenzprovinzen festzusetzen, so dass an eine schnelle Entscheidung auf militärischem Wege nicht zu denken war.

Ausländische Vermittlung, durch Jacob I. von England, gab den Ausschlag für den Beginn von Friedensverhandlungen. Denn es lag nicht in seinem und auch nicht im dänischen Interesse, dass sich die Niederlande durch eine Annäherung an Schweden ein Übergewicht in der Ostsee sicherten. Er drängte den Dänenkönig daher zum Frieden, welcher dann am 20. Januar 1613 in Knäred erzielt wurde.

Schweden musste sich auf äußerst harte Bedingungen einlassen: Endgültiger Verzicht auf eine Expansion ans Nordmeer, Freigabe des Livlandhandels für die Dänen, Freikauf der Festung Älvsborg für die ungeheure Summe von 1 Million Reichstalern (das gesamte Steueraufkommen eines Jahres in Schweden zur damaligen Zeit betrug in etwa diese Summe) innerhalb von sechs Jahren. Die Kredite dafür kamen aus den Niederlanden, welche sich als Gegenleistung erheblichen Einfluss auf die schwedische Handlespolitik sicherten. Amsterdam wurde zum neuen Hauptmarkt für schwedisches Kupfer. Die Verhältnisse in Schweden waren desolat geworden: Ganze Landstriche lagen in Schutt und Asche, Scharen unbezahlter Soldaten zogen plündernd umher, es erhoben sich Aufstände wegen der hohen Besteuerung, denn die Staatskasse war leer. Einzig die kostenlose Fahrt für schwedische Schiffe durch den Sund und der endgültige Verzicht des dänischen Anspruchs auf die schwedische Krone waren die vertragliche festgeschriebenen Vorteile für Schweden. Ein weiterer, nicht genau festzulegender Erfolg, ist allerdings insofern erzielt worden, als Gustav II. Adolf durch die Art und Weise Krieg zu führen und sich immer wieder an die Spitze seines Heeres zu stellen, großen Eindruck auf sein Volk machte und dieses ihm fortan sein Vertrauen schenkte, weshalb das Land trotz allem nicht zusammenbrach.

Für die nächsten 30 Jahre ruhten nun die Waffen zwischen Dänemark und Schweden.

b) Russland

Obwohl die eben beschriebenen unmittelbaren Folgen dieses Friedens nicht gerade positiv für Schweden waren, hatte Gustav II. Adolf nun zumindest freie Hand, um sich um die Angelegenheiten Schwedens in den russisch-polnischen Verwicklungen im Osten zu kümmern. In die inneren Angelegenheiten Russlands war Schweden bereits in den letzten Regierungsjahren Karls IX. geraten. Nun ergab sich für Gustav II. Adolf folgende Situation: Die russische Krone war nach langem Hin und Her unter polnische Oberherrschaft gefallen. Ein vereinigtes russisch-schwedisches Heer wurde von den Polen im Jahre 1610 vernichtend geschlagen und Sigismund III. schien am Ziel zu sein. Durch seine Ankündigung, in Russland den Katholizismus verbreiten zu wollen, hatte sich das russische Volk jedoch gegen ihn erhoben.

Eine Nowgoroder anti-polnische Koalition sandte im Jahre 1612 eine Abordnung nach Stockholm, um den Bruder Gustavs II. Adolf, Prinz Karl Philipp, zu ihrem Kandidaten auf den Zarenthron zu bestimmen.

Der teilweise selbständig agierende Heerführer Schwedens in Russland, Jacob de la Gardie-Pontus, hatte dies als erster angeregt. Er fühlte sich in seiner Politik bestätigt, als auch der Anführer dieser nationalen Erhebung sich für den Prinzen aussprach. Nachdem Gustav II. Adolf und sein Kanzler anfangs daran dachten, den König selber die Zarenkrone aufs Haupt setzen zu lassen, sahen sie ein, dass es klüger sei, dem Bruder den Vorzug zu lassen. Dennoch zögerte Gustav II. Adolf, Prinz Karl Philipp in Richtung Osten zu entsenden, da zunächst noch der Konflikt mit Dänemark andauerte, die Geistlichkeit wegen des nötigen Übertritts zur Orthodoxie Bedenken anmeldete und auch seine Mutter nicht ihre Zustimmung dazu gab, ihren jüngsten Sohn (10 Jahre alt) in dieses gefährliche Gebiet zu entsenden. Der Semski Sobor (allgemeine Ständeversammlung) ernannte am 17. Februar 1613 den Russen Michael Romanow zum neuen Zar. Als dann im Juli nach der Krönung des ersten Romanows Prinz Karl Philipp eintraf, war es bereits zu spät. Verhandlungen, in denen die schwedische Seite riesige Gebietsabtretungen als Entschädigung für die verpasste Wahl stellte, wurden von den Nowgorodern abgelehnt. Die Auseinandersetzung wurde daraufhin mit dem Schwert fortgesetzt. Zunächst konnten die russischen Truppen gegen die geschwächten Schweden große Erfolge erzielen. Innenpolitisch vergrößerte sich nun der Druck der Stände, die Frieden wollten. Gustav II. Adolf selber hoffte ebenfalls auf einen raschen Frieden mit dem Zaren, denn Schweden stand kurz vor dem Staatsbankrott. Doch dieser ließ sich nicht darauf ein und drang bis nach Finnland vor. Als die Russen ein starkes Heer zusammenzogen und die Lage bedrohlich wurde, kehrte der König mit starken Heer an die Front zurück. Teilweise finanzierte Jacob de la Gardie-Pontus das Heer auf eigene Kosten. Es gelang dem schwedischen Heer in den folgenden Jahren die russischen Widersacher derart zurückzudrängen, dass diese am 16. November 1617 in den Frieden von Stolbova einwilligen mussten.

Schwedens Grenzsicherungswünsche wurden darin weitestgehend erfüllt, denn es erhielt Ostkarelien, das Newa-Flußgebiet zwischen dem Ladogasee und der finnischen Bucht mit der Festung Nöteborg, sowie das südlich angrenzende Ingermanland samt Ivangorod und einigen anderen Städten. Die Abschließung Russlands von der Ostsee durch schwedisches Territorium war vollkommen und Schwedens strategische Position in Finnland und Estland erheblich verbessert. Ein Vorstoß an die Weißmeerküste wurde jedoch von England verhindert, welches seine eigenen Besitzungen dort durch ein zu starkes Schweden in Gefahr sah. Daher sehen einige Historiker, welche die wirtschaftliche Komponente als primäres Kriegsinteresse Schwedens betrachten, den Erfolg des Krieges als gering an. Es gelang nicht, die polnischen Handelsverbindungen zu unterbrechen. Dennoch besaß Schweden nun immerhin zwei Drittel der gesamten Ostseeküste, das restliche Drittel teilten sich Dänen, Polen und Deutsche. Russland hingegen schied für lange Zeit aus dem Kampf um das ,,Dominium maris Baltici" aus und musste sich sogar verpflichten, ,,auf ewige Zeit" keinen Versuch zu unternehmen, an die Ostseeküste zu gelangen.

Für 40 Jahre ruhten die Waffen zwischen Schweden und dem Zarenreich.

Zwischendurch können die Beziehungen sogar als freundschaftlich bezeichnet werden, was, wenn überhaupt, allerdings nur in der gemeinsamen Gegnerschaft gegen Polen begründet lag.

c) Polen

Zunächst noch einmal eine kurze Erinnerung an die Geschehnisse in Russland: Die russische Krone war nach langem Hin und Her unter polnische Oberherrschaft gefallen. Durch die Ankündigung Sigismunds III., in Russland den Katholizismus verbreiten zu wollen, hatte sich das russische Volk gegen die Besatzer erhoben und in Schweden um Hilfe gebeten. Diese Hilfe kam auch, aber ein vereinigtes russisch-schwedische Heer unterlag den Polen, die kurz darauf jedoch ebenfalls die Zarenkrone abgeben mussten. In der Folgezeit kämpften beide Staaten gegen Russland, ohne sich dabei jedoch zu verbünden. Dies war insofern unmöglich, da zwischen den beiden Staaten kein Frieden, sondern nur ein Waffenstillstand herrschte. Polen schloss erst im Jahre 1618 Frieden mit dem russischen Reich und verzichtete darin auf seine Ansprüche auf die Zarenkrone, wodurch für Schweden diese Gefahr gebannt war.

Dennoch blieb Polen, nachdem der Friede mit Dänemark und Moskau geschlossen worden war, weiterhin ein Problem. Der Waffenstillstand, der nach dem Sieg des polnischen Heeres über das russisch-schwedische (1610) abgeschlossen wurde, verhieß nämlich nicht, dass eine der beiden Seiten an einer friedlichen Lösung der Streitursache interessiert war. Die Verlängerung im Jahre 1612 bedeutete lediglich, dass man abwartete, bis man sich der anderen Probleme entledigt hatte, um erneut gegen den Rivalen aktiv werden zu können.

Der Beweis dafür war, dass, während Polen noch gegen Russland kämpfte, Gustav II. Adolf den Streit der beiden kurländischen Herzöge, deren Lehensherr der polnische König war, ausnutzte. Mit Hilfe des adeligen Farensbach, der ein Parteigänger des einen, auf die schwedische Seite geflüchteten kurländischen Herzogs war, schlug er, nachdem erneute Verhandlungen über den Fortbestand des Waffenstillstands mit Polen sich ergebnislos in die Länge gezogen hatten, in Kurland zu. Im Handstreich nahm Gustav II. Adolf im Juli 1617 Dünamünde und Pernau. Durch Verrat seitens Fahrensbachs gelang es den Polen aber im Gegenzug mühelos, Dünamünde zurückzuerobern. Ein Jahr später (im November 1618) wurde ein bis zum November 1620 befristeter Waffenstillstand geschlossen, der u.a. Pernau im schwedischen Besitz beließ.

Der polnische König Sigismund III., der aus dem Geschlecht der Wasa stammte, wurde bereits im Jahre 1587 zum König gewählt und machte seitdem auch seine Ansprüche auf den schwedischen Thron geltend. Er erkannte Gustav II. Adolf nicht an und bezeichnete ihn immer mit dem Titel ,,Herzog von Sodermansland". Gustav II. Adolf scheute sich seinerseits ebenfalls nicht, allerlei Schmähschriften über seinen Widersacher zu verbreiten, was beide Seiten noch mehr gegeneinander aufbrachte.

Die in Polen lebenden schwedischen Emigranten, von denen viele die Namen führender schwedischer Familien trugen, waren, aus Hass gegen den damaligen Herzog Karl IX. und dessen ,,Aufräumaktion" mit fünf sich ihm widersetzenden Senatoren im Jahre 1600, zu Verbündeten Sigismunds III. geworden und versuchten durch ihren Einfluss die schwedische Gesellschaft zu unterwandern.

Mit ihrer teilweise von Sigismund III. initiierten Rückkehr nach Schweden und der darauf folgenden ,,Rekatholisierungs-Kampagne" bekamen die polnisch- schwedischen Beziehungen einen konfessionellen Akzent. Der schwedische König reagierte daraufhin mit allerlei Repressalien gegen Katholiken, die im generellen Aufenthaltsrechtsverbot für Katholiken in Schweden im Jahre 1617 ihren Höhepunkt erreichte.

Es zeichnete sich noch durch weitere Vorfälle, wie etwa den Fall Messenius 2 , ab, dass der Konfessionskrieg in Mitteleuropa die nordischen Mächte nicht unberührt lassen konnte. Die Niederringung Polens, welches sich seit 1613 im Bündnis mit dem Hause Habsburg befand und Schweden sowohl dynastisch, als auch konfessionell und territorial bedrohte, war dennoch die erste Aufgabe für Gustav II. Adolf. Erst danach konnte an ein Eingreifen in dem konfessionellen Machtkampf auf dem Kontinent gedacht werden.

Im Jahre 1620 lief der Waffenstillstand mit Polen aus und Gustav II. Adolf versuchte, mit Sigismund III. Verhandlungen über die Anerkennung seines Königreiches zu führen. Diese Verhandlungen scheiterten, da Sigismund III. die Anerkennung verweigerte. Gustav II. Adolf begann daraufhin im Juli 1621 mit 158 Schiffen und 20.000 Mann einen Präventivkrieg, in dem er zunächst Riga belagerte. Dies führte zu einem fünf Jahre währenden Krieg mit dem Königreich Polen, der hauptsächlich auf preußischem Gebiet geführt wurde und dort zu schweren Verwüstungen führte. Auf Vermittlung des französischen Kardinals Richelieu wurde ein Waffenstillstand erreicht, der Schweden in den Besitz von Livland und den polnischen Teil Preußens brachte. Letztendlich ging Schweden also als Sieger aus diesem Krieg hervor.

d) Die Bedeutung der innenpolitischen Reformen für den schwedischen Aufstieg

Letztendlich stellt sich die Frage, wie Schweden in der Lage war, in solch kurzer Zeit zwei der drei Rivalen (Russland und Polen) zu überflügeln und mit Dänemark zunächst zu einem ausgeglichenen Kräfteverhältnis zu gelangen. Neben den Schwächen und Verfehlungen der Gegner haben vor allem die nun zu erwähnenden Reformen und innenpolitischen Maßnahmen maßgeblichen Anteil an dem Aufstieg Schwedens zur Großmacht gehabt. Die beiden Friedensschlüsse von Knäred mit Dänemark (1613) und Stolbova mit Russland (1617) stellten für Schweden wichtige Atempausen dar, die aufgrund der finanziellen Belastungen und der ,,inneren Erschöpfung" notwendig gewesen waren. In den wenigen Jahren von 1612 bis 1621 sind aus der unvergleichlichen Zusammenarbeit Gustav II. Adolfs mit seinem Kanzler Oxenstierna entscheidend wichtige administrative, konstitutionelle und organisatorische Neuerungen erwachsen.

Den beiden Staatsmännern kam zugute, dass Schweden schon seit längerem über eine gesellschaftliche Ordnung verfügte, die den Bürgern für die damalige Zeit ungewöhnlich viele Freiheiten zusicherten. So war geringe Anzahl von Einwohnern auch ein Vorteil gewesen, denn dadurch waren sie größtenteils freie Bürger mit vergleichsweise ungewöhnlichen sozialen und politischen Aufstiegschancen. Diese innere libertäre Qualität Schwedens machte es u.a. leichter, die folgenden Reformen durchzusetzen:

Die neue Staatsmaschinerie war auf fünf Staatsministern aufgebaut. Diese waren der Reichsdrost, der Reichsmarschall, der Reichsadmiral, der Reichskanzler und der Reichsschatzmeister. Der Hauptsitz dieser Ministerien wurde Stockholm, das sich damit zu einer wahren Hauptstadt entwickelte. Das Kanzleramt, welches in der Hand Oxenstiernas lag, war das Zentrum aller dieser Ministerien.

Die Errichtung eines obersten Gerichtes im Jahre 1614 in Stockholm garantierte eine funktionierende Gerichtsbarkeit, so dass die zuvor eher sporadisch durchgeführte Einhaltung der Gesetze in einem höheren Maßstab gewährleistet wurde. Es folgte die Neufassung der Adelsprivilegien, in denen die bis dahin übliche Frontstellung gegen den Adel aufgegeben wurde. Stattdessen wurde dessen privilegierte Stellung personell und materiell derart gestärkt und institutionalisiert, dass eine künftige Gefährdung des konstitutionellen und des ständischen Gleichgewichts nicht auszuschließen war. Indem jedoch der Adel in bisher unerhörtem Umfang für die Verwaltung, Diplomatie und Kriegführung in Anspruch genommen wurde, konnten seine Interessen weitgehend mit denen des Staates identisch werden und eine eigenständige Politik verhindert werden.

Der Entwurf einer Reichstagsordnung, die gesetzliche Fixierung der

lutherischen Staatsreligion unter Ausschluss der Katholiken und Verbot jeglicher Verbindung mit Polen, die Einführung einer zentralen Kammerverwaltung, einer festen Kanzlerordnung, sowie die Aufteilung des Reichsgebietes in 23 Verwaltungsdistrikte, denen jeweils ein Vertreter der Krone vorstand, sind weitere Beispiele des Reformwerkes.

Wichtigster Punkt schlechthin nach Stolbova war die Neuorganisation des Heerwesens, denn Schwedens Vormachtstellung basierte letztendlich auf einer schlagkräftigen Armee. Unter seinem Vater, Karl IX., war die Armee zu einem jämmerlichen Haufen verkümmert. Gustav II. Adolf hingegen war nicht nur in der Theorie der Kriegskunst sehr gut ausgebildet worden, er hatte auch in den Kriegen wichtige Erfahrungen gesammelt, die ihn zu einem äußerst befähigten Feldherrn werden ließen. Er entwickelte ständig neue Schlachttaktiken, die, wie in der Schlacht von Breitenfeld im Jahre 1631, zu einem totalen Sieg führte.

Durch ein geregeltes Aushebungssystem wurden ab dem Jahre 1620 die lokal ergänzten Stammverbände dazu befähigt, auch eine offensive Kriegsführung großen Stils mit überwiegend einheimischen Kräften durchzuführen. Für die Rekrutierung war es wichtig, dass die Soldaten regelmäßig bezahlt wurden. Die Offiziere erhielten Bauernhöfe und durften den Teil, den sie normalerweise an die Krone abgeben mussten, für sich als ihren Sold einbehalten. Die Ausrüstung wurde insofern durch Erneuerung angepasst, dass die schwedischen Soldaten ihren Gegnern in diesem Punkt überlegen waren. Auch der Umgang mit den Waffen wurde ständig drillmässig geübt, so dass die Effizienz, die sich aus Geschwindigkeit und Präzision ergibt, enorm gesteigert wurde. Der Erfolg dieser Maßnahmen spiegelt sich bereits der Erfolg im Krieg gegen Polen wider.

Die Marine spielte in dieser Periode keine nennenswerte Rolle für die schwedische Kriegsführung. Doch Gustavs II. Adolf Aufbauprogramm erwies sich in späterer Zeit als sehr nützlich, als es nämlich in gesteigertem Maße darauf ankam, die Handleswege zu schützen, der Bedrohung einer Blockade der schwedischen Häfen durch dänische und polnische Schiffe eine eigene Flotte entgegenzustellen und die eigenen Truppen während ihrer Feldzüge im Dreißigjährigen Krieg zu unterstützen. Das positive Ergebnis zeigte sich im Jahre 1632, als die schwedische Flotte die ebenfalls starke dänische Flotte vernichtend schlug.

Natürlich ist zu beachten, dass diese Reformen nicht sofort griffen und das nicht sofort fehlerfrei und effizienter gearbeitet wurde. In einigen Bereichen dauerte es noch bis ins Jahr 1634 bis die vernünftige Umsetzung eintrat, doch für die spätere Verwandlung des Kräfteverhältnisses zwischen Schweden und den anderen Rivalen im Kampf um das ,,Dominium maris Baltici" sind diese innenpolitischen Maßnahmen von entscheidender Bedeutung gewesen. Mit Hilfe dieser Reformen wurde Schweden zu einem der modernsten und rationell am besten organisierten Staaten Europas und der Aufstieg zur Großmacht vorgezeichnet.

Im Gegensatz dazu verstrickte sich der dänische König Christian IV. immer wieder in meist erfolglosen außenpolitischen Manövern und brachte eine Neugestaltung der inneren Organisation seines Staates nicht fertig.

III. Zusammenfassung

Als Gustav II. Adolf mit 17 Jahren an die Macht kam und den Grundstein für Schwedens späteren Aufstieg zur Großmacht legte, war die Ausgangslage ziemlich trostlos.

Schweden war umgeben von den drei mächtigen Nachbarn Dänemark, Russland und Polen und außenpolitisch hatte man sich durch den Gegensatz zu Dänemark und Polen isoliert. Man befand sich im Kriegszustand gegen die Großmacht Dänemark und darüber hinaus drohte die Invasion des polnischen Königs.

Innenpolitisch verschärfte sich nach der Niederlage gegen Dänemark die ohnehin schon große wirtschaftliche Krise. Gesellschaftlich taten sich die Probleme der offenen Missachtung der Gesetze auf, eine Anarchie drohte und das Volk war des Krieges überdrüssig.

Die Maßnahme des Friedensschlusses von Knäred (1613) und die damit in Verbindung stehenden finanziellen Belastungen, die Gustav II. Adolf von Schweden gegenüber Dänemark einging, stürzten sein Reich zunächst in die finanzielle Abhängigkeit der Niederlande. Doch ergab sich aus ihr der Vorteil, dass man nun im Osten, im Konflikt mit Russland, freie Hand bekommen hatte. Dieser Konflikt war dadurch entstanden, dass der Schwedenkönig zu lange zögerte, als es darum ging, seinem jüngeren Bruder zur Nachfolge auf den Zarenthron zu verhelfen. Nach der Bestellung Michael Romanows forderte Schweden als Ausgleich Gebietsabtretungen, denen die Russen nicht zustimmten. Der Friede von Stolbova (1617) führte dann schließlich zu diesen Gewinnen, so dass Russland von der Ostsee abgeschnitten werden konnte.

Mit diesem Sieg begann der Aufstieg Schwedens zur Großmacht seinen Lauf zu nehmen. Doch all dieser militärische Erfolg wäre einerseits nicht möglich, andererseits nicht von langer Dauer gewesen, hätte er sich nicht auf innenpolitische Reformen stützen können. Diese Reformen umfassten u.a. die Einrichtung von fünf Ministerien und eines obersten Gerichtshofes, die Neufassung der Adelsprivilegien, die Einführung einer zentralen Kammergewalt und einer festen Kanzlerordnung, sowie die Einführung von Mittelinstanzen zum Zwecke der besseren territorialen Verwaltung und die Neugliederung des Heerwesens.

Von diesen Reformen, die allesamt von Bedeutung waren, stach vor allem die letztgenannte, die Neugliederung des Heerwesens, heraus. Denn ohne diese vielfältigen Maßnahmen, die insgesamt gesehen die Schlagkraft und die Einsatzfähigkeit der Armee stark verbesserten, wäre Schweden so gut wie schutzlos gegenüber ausländischen Angreifern gewesen und wäre eventuell von einem Rivalen unterjocht worden.

Nachdem Russland besiegt worden war und zu Dänemark friedliche Beziehungen geknüpft worden waren, blieb noch Polen als Gegner übrig, da weiterhin ein nicht gelöster dynastischer Konflikt bestand. Dieser wurde erst ab Juli 1621 erneut offen ausgetragen und beendet unseren Betrachtungszeitraum. Innerhalb der untersuchten Dekade kam es, von dem schwedischen Vorstoß in Kurland im Jahre 1617 einmal abgesehen, zu keinen größeren Auseinandersetzungen zwischen den beiden Parteien.

Literaturverzeichnis:

Barudio, Günter: Gustav Adolf der Große. Eine politische Biographie, Frankfurt am Main 1985.

Signatur: HIS 434 P 1

Berner, Felix: Gustav Adolf. Der Löwe aus Mitternacht, Stuttgart 1982. Signatur: HIS 434 L 1

Brandt, Ahasver von: Die nordischen Länder 1448 bis 1654, in: Schieder, Theodor (Hg.): Handbuch der europäischen Geschichte, Band 3, Stuttgart 1971, S. 962 - 1005.

Signatur: HIS 025 j D 1-3

Findeisen, Jörg-Peter: Gustav II. Adolf von Schweden. Der Eroberer aus dem Norden, Graz u.a. 1996.

Signatur: HIS 434 YA 1

Gadolin, Axel von: Schweden. Geschichte und Landschaften, Passau 1973. Signatur: GGR 472 W 1

Junkelmann, Marcus: Gustav Adolf (1594 - 1632). Schwedens Aufstieg zur Großmacht, Regensburg 1993.

Signatur: HIS 432 YA 2

Lisk, Jill: The Struggle for Supremacy in the Baltic 1600 - 1725, London 1967.

Opitz Eckardt: Machtpolitik im Ostseeraum im 17. und 18. Jahrhundert. Ein Überblick, in: Deutsche Ostkunde. Vierteljahresschrift für Wissenschaft, Erziehung und Unterricht 36 (1990) 4, S. 170 - 186.

[...]


1 Axel Oxenstierna an den Reichsrat 1612, in: Berner, Felix: Gustav Adolf. Der Löwe aus Mitternacht, Stuttgart 1982, S. 118.

2 Zum Fall Messenius siehe: Junkelmann, Marcus: Gustav Adolf (1594 - 1632). Schwedens Aufstieg zur Großmacht, Regensburg 1993, S. 75 - 77.

14 von 14 Seiten

Details

Titel
Gustav II. Adolf
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V99576
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Kampf um das "Dominium maris Baltici" währte mindestens über zwei Jahhunderte und mündete schließlich in den Großen nordischen Krieg 1700-1721. Schwedens Aufstieg zur Großmacht (und späterer Fall) ist ein sehr interessantes Kapitel europäischer Geschichte. Besonders Gustav II. Adolf hatte ab 1610 maßgeblichen Einfluss für die rasche Expansion, obwohl es noch kein IKEA gab. Wie dies funktionieren konnte, soll mein Referat in groben Zügen umreißen.
Schlagworte
Gustav, Adolf
Arbeit zitieren
Tobias Meyer (Autor), 2001, Gustav II. Adolf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99576

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gustav II. Adolf



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden