Das große Froschkonzert beginnt in der Dämmerung, und so manche Froschparty wird - je nach Stimmung - bis Mitternacht ausgedehnt. Dabei geht es allerdings immer recht lautstark zu. Vor allem in den Sommermonaten bei
wunderbar lauen Temperaturen. Nicht ohne Stolz können Laubfrösche von sich behaupten, dass sie die lauteste Stimme aller heimischer Lurcharten besitzen.
Wohl gänzlich verschwunden sind die einst so beliebten Frösche im Einmachglas, die zu Unrecht als billige Wetterpropheten gepriesen wurden.
Gott sei Dank, kann man da nur sagen, denn diese Form der Froschhaltung war reine Tierquälerei.
Die armen Frösche stiegen nur deshalb so gerne auf die im Glas aufgestellte Leiter, weil sie von Natur aus begeisterte Kletterer sind und sich die Welt am liebsten von oben anschauen.
Und wenn sie auf der obersten Sprosse Platz nahmen, so war das keine Schönwetterprognose, sondern ein verzweifelter Versuch, dem viel zu engen und schlecht belüfteten Gefängnis zu entkommen.
Seinen Lebensraum findet der Laubfrosch an den verschiedenartigsten Stillgewässertypen. Die Größe und Tiefe spielt eine untergeordnete Rolle gegenüber der Besonnung: Vollbeschattete Gewässer werden in der Regel gemieden.
Auch die Uferbereiche müssen - zumindest teilweise - besonnt sein. Sie besitzen große Bedeutung als Tagesaufenthaltsorte für die tag- und nachtaktiven Frösche.
Sie lieben hohe Sträucher und Pflanzen, deren Blätter als Sonnenplatz oder Jagdansitz dienen. Großblättrige, blütenreiche Sträucher (z.B. Brombeere) werden besonders gerne benutzt, da hier durch die duftenden Blüten die Insekten angelockt werden; und dem Laubfrosch bietet sich somit ein umfangreiches Nahrungsangebot auf der Speisekarte.
Die Frösche sind nicht wählerisch und verspeisen so ziemlich alles, was sie mit ihrem großen Maul bewältigen können.
Kleine Kostprobe gefällig? Fliegen, Spinnen, Regenwürmer, Falter, Glattraupen, Heuschrecken usw. sind nur einige, die wir hier aufzählen wollen, im Grunde genommen liebt der Frosch alles, was nach Insekt aussieht, und krabbelt oder fliegt.
Schon gewußt? Laubfrösche decken ihren Nahrungsbedarf mit mehr als 80 % durch Fliegen und Käfer. Wahrscheinlich schmecken diese am besten.
Der Laubfrosch ist unter den heimischen Froschlurchen die einzige Art, die das Laubwerk von Bäumen und Sträuchern erklettern kann. Durch seine Befähigung zum Klettern hat sich der Laubfrosch gegenüber anderen Amphibien die dritte Dimension und neue Nahrungsquellen erobert.
In der Zeit von April bis Juli sind Laubfrösche laichbereit. Die Männchen wechseln dann abends an die nahegelegenen Laichgewässer und beginnen bei warmen Temperaturen mit dem Balzgesang. Die Laubfroschweibchen werden vom lauten Chorgesang der Männchen angelockt, jedoch wandern sie erst an das Gewässer, wenn sie laichbereit sind. Dann beginnen die Hochzeitsvorbe-reitungen.
Nach dem Laichvorgang suchen sie rasch wieder den Landlebensraum auf.
Der Laich: kleine, etwa walnußgroße Laichballen, oft mit gelblicher Färbung. Diese werden vom Weibchen an Wasserpflanzen geheftet.
Ein Ballen enthält ca 30-100 Eier, die je 1 mm Durchmesser besitzen und von einer 4-5 mm dicken Gallerthülle umgeben sind.
Ein Weibchen produziert bis zu 10 Laichballen pro Laichperiode (dies entspricht einigen hundert bis tausend Eiern).
Beim Laichvorgang umklammern die Männchen ihre Partnerinnen in der Achselgegend. Dabei suchen die Weibchen nach pflanzlichen Strukturen, die sich zum Anheften der kleinen
Eiballen eignen. Tritt der Laich aus der Kloake aus, wird er durch das Männchen besamt. Die Männchen bleiben einige Wochen lang in Balzstimmung und können sich mehrmals verpaaren.
Larven: goldgrün schimmernd, mit auffallend hohem Schwanzhautsaum, der vorne bis fast in Augenhöhe reicht. Schwanzende spitz ausgezogen; Augen deutlich seitlich stehend. Die Larven schwimmen frei im Wasser.
Nach 8-14 Tagen schlüpfen die Larven aus den befruchteten Eiern, dann vergehen ca 3 Monate bis die Jungtiere das Wasser verlassen.
Nach der Laichperiode bleiben die Männchen auch abends in den Landlebensräumen. Bis zum Ende des Sommers gehen sie verstärkt der Nahrungsaufnahme nach. Es ist bemerkenswert, dass bei einigen Männchen im Spätsommer erneut Rufaktivität auftritt. Diese kann z.B. vom Lärm tief fliegender Flugzeuge oder vorbeirasender Züge ausgelöst werden.
In der Zeit von Oktober bis November werden die Winterquartiere bezogen. Sie befinden sich meist in unmittelbarer Nähe der Sommerlebensräume, sodass keine weiten Wanderungen notwendig werden. Einzelne Laubfrösche haben aber einen stark ausgeprägten Wandertrieb und legen 2-3 km und mehr zurück.
Der amerikanische Vetter unseres heimischen Laubfrosches ist der Carolina Laubfrosch, der ihm auf den ersten Blick ähnelt. Er wird allerdings etwas größer und trägt an den Körperseiten und Beinen helle Längsstreifen. Er hat aber eine glockenähnlich klingende Stimme. Die Heimat der Carolina Fröschchen liegt im Südosten der USA. Der Carolina Frosch ist ein besonders springfreudiger Geselle. Er besitzt scheibenförmig verbreitete Finger- und Zehenspitzen, die wie Saugnäpfchen funktionieren. Damit kann er mühelos zwischen Stängeln und Ranken umhersteigen und sogar kopfunter an überhängenden glatten Flächen sicheren Halt finden.
Zuletzt sei noch erwähnt, dass es für unseren Laubfrosch in letzter Zeit erfreuliche Erfolge bei seiner Wiederansiedlung gegeben hat.
Dies verdankt er aber nur den Hilfsaktionen des Naturschutzes, denn sonst wäre das Aussterben der kleinen Tierchen auf jeden Fall vorprogrammiert. Doch er benötigt unbedingt schilfreiche Altwasserbezirke in Flußtälern und Auen, die sonnige Lagen aufweisen.
Arbeit zitieren:
Martina Wurzinger, 2001, Laubfrosch, München, GRIN Verlag GmbH
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