festgelegte Sonnenjahr von 365 Tagen um einen Vierteltag zu kurz war, wurde jedes vierte Jahr als Schaltjahr mit 366 Tagen begangen. Dadurch erhielt Cäsar einen Kalender, der zu Beginn unserer römisch-christlichen Zeitrechnung mit dem Kosmos übereinstimmte und erst im folgenden Jahrtausend wegen der erwähnten Minutendifferenz zu Verschiebungen führen sollte.
Der Altrömische Kalender war wie schon gesagt an die Mondumlaufbahnen gebunden. Das Jahr und die nachfolgenden Monate begannen immer mit dem Neumond. Alle zwei Jahre mußte ein eingeschobener Schaltmonat von 22 Tagen, der "mercedonius", das zu kurze Mondjahr verlängern , damit die Jahreszeiten mit dem Geschehen am Firmament in Übereinstimmung waren. Jene Schaltmonate wurden im Februar, der der letzte Monat des Jahres war, eingefügt. - und zwar nach dem 23. Februar, (ante diem VI. Kalendis Martii). Denn an den Iden des Februar (Mitte Februar) begannen die Festtage der Reinigungsriten, auch Lupercalien genannt. Die Feiern hielten etwa 8 Tage an, so daß nach deren Ende auf den 23. Februar der Schaltmonat folgen konnte.
Diese Orientierung des Kalenders am Jahresbrauchtum hat Cäsar beibehalten. Folglich erhielt auch im Julianischen Kalender, der den Januar als ersten Jahresmonat einführte und ansonsten die alte Zählung der Monate nicht veränderte, der alle vier Jahre notwendige Schalttag seinen Platz hinter dem 23. Februar, also am 24. Februar , und nicht - wie allgemein angenommen wird - am 29. Februar. Diese Tatsache war noch bis zur Neuordnung des kirchlichen Festkalenders 1969 daran erkenntlich, daß das Fest des Hl. Matthias , welches stets am 24. Februar gefeiert wurde, im Schaltjahr auf den 25. Februar verschoben wurde. Wer hätte das gedacht?
Eng damit verbunden ist die Tatsache, daß das
Weihnachtsfest am 25. Dezember gefeiert wird. In der römischen Kaiserzeit wurde, begünstigt durch den Verfall der altrömischen Religion, die Sonne immer mehr als Staatsgottheit kultisch verehrt. Kaiser Aurelian legte 276 n. Chr. den Tag der Wintersonnenwende, den 25. Dezember, als den Tag des unbesiegten Sonnengottes (sol invictus ) fest. Bei der Einführung des Julianischen Kalenders gehörte nämlich der Winteranfang tatsächlich auf den 25. Dezember, so wie der Frühlingsbeginn auf den 24. März.
Als jedoch das Konzil von Nicäa 325 zusammentrat, um den Termin des Osterfestes festzulegen, waren seit Cäsar fast 400 Jahre vergangen. Inzwischen hatte sich der Beginn der
Jahreszeiten um ganze drei Tage zurückverschoben; die Wintersonnenwende fiel auf den 22. Dezember, die Frühlingstagundnachtgleiche war auf den 21. März vorgerückt. Das Konzil kannte die Ursachen nicht und beschloß, die damaligen Aequinoctalien und Solstitien für immer im Julianischen Kalender beizubehalten. - Das Osterfest wurde auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gelegt, wo es heute noch gefeiert wird. Das Weihnachtsfest feierte die junge, gerade von der Verfolgung befreite Christenheit auf dem Festtag des "sol invictus". Christus sollte als "die aufgehende Sonne der Gerechtigkeit" gewürdigt werden.
In Schweden ist das Fest der Hl. Lucia , der
Lichterkönigin, das flammende Wärme in die Winternacht bringen soll, von der Kalenderverbesserung eigenartig berührt worden. Der schwedische Kalender rechnete bis 1712 wie der Julianische Kalender. Noch 1700 hatte man ein Schaltjahr begangen, was nach dem Gregorianischen Kalender nicht der Fall sein durfte. So mußte man in einem Jahr elf Tage ausfallen lassen, und man setzte das Luciafest vom 13. Dezember mit dem 24. , dem Heiligabend, auf einen Tag.
Die Kalenderreform Papst Gregors XIII wurde nach und nach anerkannt: in England um 1752, in der Sowjetunion 1918 und in der griechisch orthodoxen Kirche wie auch in der Türkei 1923. Die Ungenauigkeiten in den mathematischen Grundlagen des Julianischen Kalenders korrigiert der neue Kalender, indem er in 400 Jahren drei Schalttage ausfallen läßt - und zwar mit Beginn der durch 400 nicht teilbaren Jahrhunderte (wie 1700, 1800, 1900). Der Gleichlauf mit dem tropischen Jahr ist nun fast exakt. Erst im Jahr 4500 n. Chr. wird die Abweichung ein Tag betragen.
Der Kalender, der an altrömisches Schaltbrauchtum anknüpft, was der Hinweis auf den 24. Februar als dem vergessenen Schalttag verdeutlichen möchte, hat mit dazu beigetragen, die geschichtliche Neuzeit zu unserer modernen Zeit zu gestalten.
(Aus den Aufzeichnungen meines Vaters Bernhard Koch, Mainz) ---
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Maria Regina Reismann, 2001, Am 24. Februar wird geschaltet, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Alexandra
Gut Regina!!.
Sehr informativ, auch gut verständlich geschrieben!!!
on Saturday, October 20, 2001-
Markus Simmer
Das Schaltjahr im Römischen u. Gregorianischen Kalender.
Hallo!
Sehr informativ und auch verständlich verfasst. Leider ein kl. Fehler im 1. Absatz. Das 20. Jahrhundert begann natürlich nicht 1900, sondern 1901.
MfG
on Sunday, August 04, 2002-