PERSÖNLICHKEITSPSYCHOLOGIE
Thema:BIG FIVE, WS 99/00 Einführung in die Persönlichkeitspsychologie/Lektürekurs bei Herrn Dr. Horst-Peter. Brauns am 25. Januar 2000, Fu-Berlin.
Reliabilität (Zuverlässigkeit): Die Alpha-Koeffizienten 1 für Neurotizismus, Extraversion und Gewissenhaftigkeit liegen bei über .80, diejenigen für die beiden anderen Skalen um .70. Anhand einer Teilstichprobe von N = 140 Probanden konnten im Abstand vo n 2 Jahren Wiederholungserhebungen durchgeführt werden. Dabei lagen die Stabilitäten um .80 lediglich für Verträglichkeit ergab sich ein niedrigerer Koeffizient.
Validität. Die Skalen des Tests fügen sich in die angenommene Fünffaktorenstruktur. Extraversion und Neurotizismus interkorrelieren erwartungsgemäß negativ (um -.35), desgleichen Neurotizismus und Gewissenhaftigkeit (um -.30). Es konnte auch eine enge Wesensverwandtschaft von Neurotizismus und Extraversion zu den Eysenck-Skalen. Costa & McCrae haben die Präsenz der Big Five in dem Eysenck Personality Inventory, dem Jackson Personality Research Form, dem Myers-Briggs Type Indicator und dem California Q-Set durch den Einsatz des NEO-PI nachweisen können. Beispiel NEO-FFI:
Fazit: Das NEO-FFI spiegelt den aktuellen Stand der faktorenanalytischen Grundlagenforschung in der differentiellen Psychologie wider. Auf sehr ökonomische Weise werden 5 Persönlichkeitsfaktoren erfasst, und zwar mit einer Reliabilität und Gültigkeit, die im Vergleich mit anderen Instrumenten als sehr ordentlich bezeichnet werden können. Praxisbezug:
1 Statistische Bezeichnung für ein von Cronbach entwickeltes Mass der internen Konsistenz. Innere oder interne Konsistenz ist als Grad der Übereinstimmung zwischen Messwerten von Test-Items und dem Gesamtscore definiert oder der Grad der Übereinstimmung von Alternativreaktionen (ja-nein; vorhanden - nicht vorhanden) bei wiederholter Darbietung derselben Reize oder Items, ermittelt bei denselben Beobachtern bzw. Testpersonen. (Fröhlich 1991, S. 46 und S. 210).
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Als geeignetes Messinstrument für die Big Five gilt wie gesagt der NEO-PI. Als mögliche Anwendungsgebiete seien vor allem Diagnostik, Behandlung und im Bereich Berufswahl/-entwicklung genannt.
Z. B. in der Berufswahl lässt sich gemäss der Big Five vermuten, dass Individuen mit hohen Werten in Extraversion und Verträglichkeit Berufe bevorzugen sollten, bei denen soziale Fähigkeiten und Dominanz im Vordergrund stehen, im Gegensatz zu Individuen mit hohen Werten bei Introversion. Ein anderes Bsp.:
Leute mit hohen Werten bei Offenheit für Erfahrungen sollten Berufe bevorzugen wie Journalist oder Selbstständigkeit. Wer für neue Erfahrungen offen ist, nimmt mit größerem Erfolg an Fortbildungsmaßnahmen teil.
Trotz hoher Plausibilität, dass diese Merkmale im Berufsleben von Bedeutung sind, lassen sich auf dieser allgemeinen Ebene bislang keine überzeugenden Beweise finden. Zwei durchgeführte Metaanalysen kommen zu positiven, aber relativ geringen Prognosewerten, wobei sich im einem Fall das Merkmal „Gewissenhaftigkeit“ als das generell Wichtigste erwies im anderen Fall „Verträglichkeit“. Ein Grund für die geringeren Zusammenhänge der allgemeinen Merkmale mit dem Berufserfolg könnte der sein, dass die allgemeinen Faktoren jeweils heterogene Faktoren (Subdimensionen) umfassen, die nicht alle in gleichem Ausmass an Arbeitsplätzen gefordert sind.
Für diese Interpretation spricht, dass für Subfaktoren der Big Five jeweils größere Bedeutung nachgewiesen werden konnte als für den jeweiligen Faktor als ganzen - etwa für Dominanz aus Faktor (Extraversion) und für den Leistungsmotivationsanteil aus Faktor (Gewissenhaftigkeit). Ein Beispiel hierfür ist, dass die Testwerte für Intelligenz, Soziale Kompetenz, Leistungsmotivation, Selbstvertrauen und Dominanz mittelhoch (zwischen r=.30 und r=.43) mit dem Assessment Center-Gesamtergebnis korrelieren, während die allgemeiner gefassten Persönlichkeitsmerkmale, durchweg geringere Beziehungen zum Gesamtergebnis aufwiesen. Dazu kommen Differenzierungen, etwas sind für Kontakt-Berufe die Faktoren Extraversion und Verträglichkeit wichtiger, für Aufgaben dagegen, bei denen es auf planvolles, genaues Arbeiten ankommt, der Faktor Gewissenhaftigkeit. Für einige Berufe, darunter Polizisten, Piloten und Ärzte, ist das Merkmal psychische Stabilität (Faktor: Emotionale Stabilität) von besonderer Bedeutung.
Um die BIG FIVE von McCrae und Costa speziell für den arbeits- und berufspsychologischen Bereich erfassen zu können, wurde von Kline und Lapham das „Professional Personality Questionnaire (PPQ) entwickelt. Dieser Test soll vor allem bei der Personalauswahl eingesetzt werden. Ostendorf und Angleitner bezweifeln jedoch, dass der PPQ geeignet ist die Big Five zu erfassen. Sie gehen nach dem Vergleich verschiedener Persönlichkeitsfragebogen und Adjektivlisten davon aus, dass nur das NEO-PI-R als umfassender Fragebogen geeignet ist die Big Five zu erfassen. Bei dem NEO-PI-R handelt es sich um eine Testversion von Costa & McCrae, der die Big Five (hier domains genannt) noch in sechs Unterskalen (facets) unterteilt und dadurch die Persönlichkeit noch differenzierter beschreiben soll. Dieser Test enthä lt 240 Items, aufgegliedert in 48 für jede domain und 8 für jede Facette. Insgesamt bleibt aber festzuhalten, dass die Erfassung der Big Five durch die oben genannten Test sicherlich interessant für den Arbeitgeber sind, jedoch die Eignung für eine Stelle oder der berufliche Erfolg noch von vielen anderen Faktoren abhängt, so dass solch ein Test nur zur Ergänzung hinzugezogen werden sollte. Es besteht in diesem Bereich noch erheblicher Forschungsbedarf.
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Quellen und Lesetipps:
Amelang, M./Bartussek, D, Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung, 4. Auflage, Stuttgart et al., 1997, S. 360ff.
Amelang, M./Zielinksi, W., Psychologische Diagnostik und Intervention, 2. korr., aktual. und überarb. Auflage, Berlin et al. 1997, S. 273 - 275.
Schuler, Heinz, Psychologische Personalauswahl, Einführung in die Berufseignungsdiagnostik, Göttingen 1996, S. 28 - 31.
Pervin, Lawrece A ., Personality - Theory and Research, Chapter 10 (Trait theory: the five factor model; applications and evaluation of trait theory), p. 305 - p. 336.
Digman, John M., Personality structure: emergence of the five- factor model in: Annu. Rev. Psychol. 1990, S. 417 - 440.
John, O., The „big five“ factor taxonomy: dimensions of personality in the natural langueage and in questionnaires. In L. Pervin (Ed.), Handbook of Personality: Theory and Research, S. 66 - 100. Amelang, M., Bartussek, D., Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung, 3. Auflage, S. 345 - 349.
Fröhlich, W. D., Wörterbuch zur Psychologie, 18. Auflage 1991.
Grubitzsch, S., Testtheorie - Testpraxis, Psychologische Tests und Prüfverfahren im kritischen Überblick, Reibeck 1991.
Paulus, Jochen, Die wahren Grundlagen der Persönlichkeit?, in: Psychologie heute, 26 Jg., Heft 1, 1999, S. 44 - 49.
Sader, M.., Weber, H.: Psychologie der Persönlichkeit, S. 108-113.
Arbeit zitieren:
Rouven Schäfer, 2000, BIG FIVE - Persönlichkeitspsycholgie, München, GRIN Verlag GmbH
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