1. Einleitung
Die klassische Wirtschaftstheorie ging davon aus, dass die Wirtschaft automatisch zu Vollbeschäftigung tendiere. So könnten neue Technologien in einigen Industrien Arbeitsplätze überflüssig machen, aber neue Arbeitsplätze würden dabei in anderen Industrien entstehen. Jede Phase der Arbeitslosigkeit sei also nur vorübergehend und werde bald durch die Wirkung der Marktkräfte und durch die Flexibilität der Löhne beseitigt, denn die Menschen blieben nur arbeitslos, weil sie einen zu hohen Lohn verlangten. „Zu einem niedrigerem Lohn würden sie in jedem Fall eine Arbeit finden“, so die Meinung. Als dann am 29.10.1929 der Börsencrash in New York stattfand und damit die erste Weltwirtschaftskrise hervorgerufen wurde, wurde diese Theorie verworfen und man sucht nach einer neuen Möglichkeit. Die „Keynes’sche Theorie kam auf.
2. Herausarbeitung der unterschiedlichen Positionen
2.1. Die keynesianische Position
Laut Keyne sind diese „Selbstheilungskräfte“ der Wirtschaft, die eine Rezession beenden könnten, nicht vorhanden. Auch die Vorstellung, dass eine Marktwirtschaft von sich aus zur Vollbeschäftigung tendiere verwarf er. Keyne versuchte ein Programm zur Erreichung der Vollbeschäftigung zu entwerfen und stellte dabei fest, dass „die wirtschaftliche Entwicklung von der gesamtwirtschaftlichen effektiven Nachfrage“ bestimmt wird. Dabei unterliegen die Konsum- und Investitionsnachfragen erheblichen Schwankungen, was Keyne versucht mit folgenden drei Gründen zu erklären. • Sinkender Hang zum Verbrauch
Wenn das Einkommen eines Menschen wächst, dann wächst auch der Konsum desjenigen. Jedoch geschieht dies nicht im gleichen Maße, da der Mensch seine Lebenshaltung kurzfristig nur unwesentlich ändert. • Steigende Liquiditätsvorliebe
Das zusätzliche Einkommen wird gespart und den Unternehmen nicht auf dem Kreditwege zur Verfügung gestellt. Die Folge ist, dass die Kredite teuer bleiben. • Sinkende Investitionsneigung
Dadurch, dass die Kredite teuer bleiben werden die Unternehmen entmutigt. Die Wirtschaft stagniert und gerät in eine Krise, so Keyne.
Damit so etwas nicht passiert, fordert Keyne, dass der Staat direkt in die Wirtschaft eingreift und so versucht eine Krise zu vermeiden. Dabei muss der Staat eine mangelnde private Nachfrage ausgleichen, indem er zum Beispiel Straßen baut, also öffentliche Investitionen tätigt. Dabei müsse die Regierung auch ein Haushaltsdefizit in Kauf nehmen. Man spricht dabei auch von „deficit spending“. Schließlich würden die staatlichen Hilfen die Arbeitnehmer wieder in die Lage versetzen neue Arbeitskräfte einzustellen und selbst Wirtschaftsgüter nachzufragen. Dadurch würde die Nachfrage erhöht und die Rezession wäre beendet. In der nachfolgenden Konjunkturerholung oder sogar dem nachfolgenden Boom könnte der Staat durch höhere Steuern das Haushaltde- fizit wieder ausgleichen.
Außerdem soll durch eine Vermehrung der Geldmenge, die in Umlauf gebracht wird, und durch Senkung der Kreditzinsen bewirkt werden, dass die Investitionsneigung erhöht wird. Der Staat soll also als Regulator dienen , indem er durch Investitions- und Beschäftigungsprogramme die Wirtschaft ankurbelt. Das Ziel der Regierung bzw. des Staates soll ein ausgeglichener Konjunkturverlauf sein, den der Staat durch antizyklische Geld- und Finanzpolitik erreichen will. Damit ist gemeint, dass bei schwacher Nachfrage stimulierende Maßnahmen und bei starker Nachfrage dämpfende Maßnahmen eingesetzt werden. So sollen bei einer Rezession zum Beispiel die Steuern gesenkt werden und staatliche Investitionen erfolgen, während bei einer Hochkonjunktur die Steuern erhöht werden sollen um die Boomphase zu bremsen und gleichzeitig die Haushaltskasse wieder aufzufüllen.
Durch die keynesianische Wirtschaftpolitik wurde die 1.Rezession 1966/67 überwunden und man rechnete durch die keynesianische Wirtschaftpolitik mit einer gleichmäßigen Wirtschaftsentwicklung. 1974/75 und 1981/82 fanden dann unerwartet weitere Krisen statt und man sah von der keynesianischen Wirtschaftpolitik ab.
2.2. Die neoklassische Position
Die neoklassische Position vertritt die Meinung, dass unter der Voraussetzung einer freien Preisbildung „Schocks“ in der Wirtschaft absorbiert würden und konjunkturelle Schwankungen wieder ausgeglichen würden. Der Staat soll dabei lediglich eine neutrale Rolle einnehmen, indem er nur günstige Rahmenbedingungen für die private Wirtschaftstätigkeit schaffen soll. Bei der neoklassischen Theorie ist unter mehreren Richtungen besonders der Monetarismus hervorgetreten. Die Monetaristen fordern, dass der Staat die Geldmenge regulieren solle, um ein langfristiges Wirtschaftswachstum ohne Inflation zu sichern. Andere staatliche Maßnahmen werden beim Monetarismus abgelehnt. Außerdem stellen die Monetaristen die Fiskalpolitik in Frage, da diese die Preisstabilität außer Acht lässt. Sie vertreten die Meinung, dass die Geldmenge jährlich mit einer ganz bestimmten Rate zunehmen müsse. Nur so könne ein Marktgleichgewicht, also ein Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage erreicht werden.
An den monetaristischen Gedanken knüpfte sich in den siebziger Jahren eine angebotsorientierte Politik an. Diese Politik geht davon aus, dass für eine dauerhafte Steigerung der Produktion und der Beschäftigungsmöglichkeiten es nicht genügt, die Nachfrage zu steigern, außerdem müssen Bedingungen geschaffen werden, dass eine vermehrte Produktion auch rentabel abgesetzt werden kann. Wichtige Elemente einer angebotsorientierten Wirtschaftpolitik sind :
• Eine leistungsfördernde Steuerreform • Eine Erhöhung der Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt • Eine am Beschäftigungsziel orientierte Lohn- und Fiskalpolitik • Abbau von bürokratischen Hemmnissen, welche die wirtschaftliche
Tätigkeit behindern und dem Wirtschaftswachstum entgegenstehen • Eine auf den Ausgleich der Staats- und Sozialfinanzen und Rückfüh-
rung der Staatsquote gerichtete Finanzpolitik
Die angebotsorientierte Politik verfolgt dabei eine stärker mittel- und langfristige orientierte Strategie, denn die Fehlentwicklungen der Vergangenheit lassen sich nur allmählich abbauen.
Weiterhin betreibt man bei der neoklassischen Theorie eine prozyklische Geld- und Finanzpolitik, dass heißt, dass man eine Hochkonjunktur noch weiter unterstützt, so dass diese Phasen der Konjunkturentwicklung noch stärker ausgeprägt werden.
3. Gegenüberstellung der beiden Positionen
Die beiden Grundpositionen, die die wirtschaftliche Diskussion in der Bundesrepublik maßgeblich bestimmen, nämlich die neoklassische und die keynesianische Position stehen in einem extremen Gegensatz zueinander.
Die keynesianische Theorie hat das Ziel durch antizyklische Geld- und Finanzpolitik direkt in die Wirtschaft einzugreifen. Dies geschieht zum Beispiel durch Arbeitsbeschäftigungsmaßnahmen, durch Investitionsprogramme und durch direkte Steuern. Sie versuchen damit die Konjunkturschwankungen auszugleichen. Bei der neoklassischen Theorie hingegen ist man der Meinung, dass der Saat eine neutrale Rolle einnehmen sollte und dass man eine prozyklische Geld- und Finanzpolitik betreiben sollte. Die bessere Lösung meiner Meinung nach ist die der keynesianischen Position, weil dort versucht wird, die Schwankungen in der Wirtschaft so gering wie möglich zu halten, obwohl ein regelmäßiger Konjunkturanstieg nicht möglich ist ( siehe 1974/75 und 1981/82 als in Deutschland wirtschaftliche Krisen zu verzeichnen sind). Ein weiter Punkt ist, dass die neoklassische Position eine angebotsorientierte Politik und die keynesianische eine nachfrageorientierte Politik vollzieht.
Arbeit zitieren:
Edeltraud Möller, 2001, Theorien und Konzeptionen der Wirtschaftspolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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