da sich die Kolonien für die Betreiber nicht wirtschaftlich rentierten. Geringe Export- und Importbilanzen entsprachen bei weitem nicht den erwarteten Zahlen. Auch politische Wünsche der Kolonialbefürworter erfüllten sich nicht. Lediglich 1200 Menschen wanderten innerhalb von 13 Jahren (1880-93) in die außereuropäischen Gebiete aus. Der weitaus größere Teil versuchte sein Glück wie schon seit Jahrzehnten auf dem amerikanischen Kontinent. Man führte als Gründe für die Auswanderungshemmungen schlechte Klima- und Bodenverhältnisse in den Kolonien an. Europäer könnten in den Schutzgebieten wegen des tropischen Klimas keine körperliche Arbeit verrichten. Außerdem bestehe die Gefahr der Ansteckung mit tropischen Krankheiten. Das einzige deutsche Schut zgebiet, das nicht in den Tropen liege, sei Südwestafrika. Wegen Mangel an Wasser und Holz seien jedoch in diesen Gebiet jegliche Versuche zur Bodenbearbeitung gescheitert. Vielmehr verursachten deutsche Überseegebiete immense Kosten für das Deutsche Kaiserreich. Die Unterhaltungskosten der Beamten und die Entsendung der Schutztruppen, um immer wieder vorkommende Aufstände der Eingeborenen aufzulösen, bedingten horrende Unkosten. Beginn der Kolonialgründung
Ab 1884 begann die eigentliche Kolonialpolitik Deutschlands. Innerhalb von 2 Jahren (1884-86) stellte das Deutsche Reich mehrere Gebiete in Südwestafrika, Togo, Kamerun, Ostafrika und in Pazifik unter Schutz. Bismarck wollte seine Kolonialpolitik nach dem Vorbild Englands gestalten. Privatunternehmen wurde es mit Hilfe der staatlichen Schutzbriefe ermöglicht, sicher vor Ort zu agieren. Die staatliche Intervention sollte auf ein Mindestmaß reduziert werden.
Zu den Deutschen Kolonien gehörten Togo, Kamerun, Deutsch Ostafrika (Tansania), Deutsch Südwest Afrika (Namibia), Tsingtau (Korea (teilweise), Papua-Neuguinea, Marshallinseln, Samoainseln und die Karolineninseln Kolonialgesellschaften
Um die Interessenschaften von Privatinverstoren zu vereinigen, wurden zur Zeit der Kolonialpolitik Deutschlands Kolonialgesellschaften gegründet. 1884 gründete Carl Peters die "Gesellschaft für deutsche Kolonisation" und im Jahr darauf die "Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft". Im selben Jahr wurde auch die "Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika" errichtet.
Ein einzelner Kaufmann konnte in den meisten Fällen wenig Einfluß auf die Politik ausüben. Durch Zusammenschlüsse der einzelnen Privatinvestoren entstand eine Lobby, die genügend Druck auf die Staatsführung ausüben konnte, um ihre Ziele zu erreichen. Sicherung der wirtschaftlichen Prosperität durch Erwerb von Kolonien war die Hautpintention der Mitglieder. Ein weiterer Grund war die einfachere Verwaltung der einzelnen Gebiete. Die Kolonialgesellschaften waren nicht vom Staat abhängig, sie hatten primär wirtschaftliche Interessen und ihre Gebiete würden vom Staat lediglich im Falle eines Angriffes verteidigt. Politik der Kolonialgründer:
Ganz anders als Bismarcks passive Kolonialpolitik sah hingegen die Politik der Koloniegründer aus. Ihrer Meinung nach lebte der Mensch in einem Daseinskampf, der Sieger und Verlierer hervor brachte. Dieser Kampf konnte nicht durch Friedensverträge beigelegt werden, sondern nur durch das Übergewicht einer Nation gegen eine andere. Auch durch den raschen Bevölkerungsanstie g in Deutschland musste das deutsche Gebiet vergrößert werden. Durch die Gründung von Kolonien und der Unterwerfung der Einheimischen sollte der Lebensraum einer höheren Kultur vergrößert werden, damit diese eine noch höhere Entwicklungsstufe geistiger und kultureller Natur erreichten konnte.
Deshalb lief die Kolonialpolitik nach dem Motto ab: Bereicherung des eigenen Volkes auf Kosten eines schwächeren. Die nutzlos gespeicherten Reichtümer der schwächeren Nation wurden zum Wohle der deutschen Kultur geplündert. Wilhelminische Kolonialpolitik
Im Juni 1888 bestieg Wilhelm II. im Alter von 29 Jahren den deutschen Kaiserthron. Dieser wollte sich viel intensiver mit der Politik befassen, als es sein Großvater Wilhelm I. getan hat. Mit seinem aufbrausenden Temperament und seiner Begeisterung für alles Militärische "verschärfte er den Ton deutscher Politik erheblich". Die Differenzen vom Bismarck und Wilhelm II. führten zur Entlassung des Reichskanzlers Bismarck Alle Kolonien ließ der Kaiser 1891 dem Auswärtigen Amt in Berlin unterstellen. Der Kaiser gab auch die defensive Kolonialpolitik Bismarcks auf. Er wollte für die "zu spät gekommene Nation" einen "Platz an der Sonne schaffen". Im Gegensatz zu Bismarck wollte er durch Erwerb von Kolonien die Macht Deutschlands stärken. Das Schüren nationaler Gefühle der Deutschen und die provokative Aufrüstung (u.a. Risikoflotte Tirpitz‘) ließen das komplizierte Bündnis- und Gleichgewichtssystem Bismarcks endgültig zusammenbrechen Um die hohe Arbeitslosigkeit zu besiegen und um die Wirtschaft anzukurbeln begann Deutschland ein Wettrüsten mit England und Frankreich mit dem Geld, das sie über die Kolonien eingenommen hatten. Sie wollten die Herrschaft auf dem Meer erreichen. Dies war eine offensichtliche Provokation an England. Diese sahen die große deutsche Flotte als Bedrohung an.
Dieses Wettrüsten dauerte bis zu Beginn des I. Weltkrieges an.
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Dennis Bärmann, 2001, Das Streben nach Weltmacht - Das Beispiel Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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