(semantisch Referenz-Beziehungen, Verknüpfungsarten; diese sind jedoch durch Intentionen des Sprechers und das Weltwissen von Sprecher und Hörer motiviert) - diese Zusammenhänge lassen sich (nach Lang) als „Gemeinsame Einordnungsinstanz“ bezeichnen (GEI), sie können, aber müssen nicht explizit im Text erscheinen. Durch Koordination mit einem anderen Satz kann sogar eine Bedeutung abgeleitet werden, die in der ursprünglichen wörtlichen Bedeutung nicht enthalten ist. (z. B.Peter hat sich einen Trabant und seiner Frau ein Auto gekauft.)
Ein langer Text läßt sich unter Umständen in einen Satz verbinden, manchmal führt es aber zu Bedeutungsverschiebung. Man kann also die Beschreibung von Sequenzen nicht einfach mit der Beschreibung von zusammengesetzten Sätzen gleichsetzen.
Im Text handelt sich nicht primär um Relationen zwischen Sätzen, sondern zwischen Propositionen (Proposition ≅ einem Satz zugrundeliegender Bedeutungsgehalt; dieser kann
entweder wahr oder falsch sein; dabei ist er nicht wahrheitgebunden, sondern von den abstrakten Konzepten der Dinge und Sachverhalte abhängig).
Gülich/Raible verstehen Texte als zweidimensionale Gebilde (kohäsive Verkettung + Makrostruktur (Textsortenhaftigkeit)). Nach dieser Konzeption besteht ein Textganzes aus Teilganzen, die als Sinneinheiten eine Funktion im Textganzen haben. Textteile lassen sich in kleinere Textteile zerlegen. Bei Textsorten beschreibt man die Art, Abfolge und Verknüpfung ihrer Textteile.
Nach Van Dijk sind die Makrostrukturen semantisch, formal unterscheiden sie sich nicht von den Mikrostrukturen (beide bestehen aus einer Reihe von Propositionen). Im Text gibt es eigentlich mehr Makrostrukturen, auf verschiedenen Ebenen.
Um die Makro- und Mikrostrukturen bestimmen zu können, schafft Van Dijk „Makroregeln“ (semantische Transformationsregeln). I. Auslassen -(für die Interpretation der restlichen Textes) irrelevante Information Ein Mädchen mit einem gelben Kleid lief vorbei. II. Selektieren - die ableitbare Informa tion
Peter lief zu seinem Auto. Er stieg ein. Er fuhr nach Frankfurt. ⇒ Peter fuhr mit
seinem Auto nach Frankfurt.
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III. Generalisieren - merkmalkonstituierende Kennzeichen werden durch ein gemeinsames Merkmal ersetzt
Eine Puppe lag auf dem Boden. Eine Holzeisenbahn lag auf dem Boden. Bausteine lagen auf dem Boden. ⇒ Spielzeug lag auf dem Boden.
IV. Konstruieren oder Integrieren - aus expliziten und impliziten Propositionen wird eine rahmenbildende Proposition gebildet, die das Thema enthält
Ich ging zum Bahnhof. Ich kaufte eine Fahrkarte. Ich lief zum Bahnsteig. Ich stieg in den Zug ein. Der Zug fuhr ab. ⇒ Ich nahm den Zug.
Nach Van Dijk definiert eine Makrostruktur eine Textmenge, die alle Texte enthält, die dieselbe globale Bedeutung haben.
Nach Vater können aber diese Kürzungsvorgänge nicht erklären, warum bei der Rekonstruktion von Texten oft Informationen beigesteuert werden, die gar nicht im Text enthalten waren - nicht einmal implizit. Vater schlägt also vor, diese Verfahrung lieber auszulassen.
Textthema - kann nach Van Dijk durch Makrostrukturen präzisiert werden ⇒ Thema als Makroproposition → der Text impliziert das Thema (nicht umgekehrt!); das Thema muß nicht explizit im Text genannt werden (wenn‘s geschieht → Themawort, Themasatz (z.B. Text-
Titel); manc hmal sogar notwendig für die Rezeption des Textes). Thema -Rhema - Analyse → Thema enthält alte, bekannte Information, im Rhema erfährt
man etwas neues; diese Gliederung muß nicht jeder Satz enthalten, es gibt Sätze, die als ganze thematisch oder rhematisch sind; auch Texte können in Thema-Rhema-Strukturen zerlegt werden. Anhand solcher Analyse lassen sich verschiedene Typen von thematischen Progressionen (Komplex von thematischen Relationen im Text).
1. einfache lineare Progression - das Rhema der ersten Aussage wird zum Thema der zweiten, usw.
2. Typus mit durchlaufendem Thema - einem Thema werden fortlaufend neue Rhemen
3. Progression mit abgeleiteten Themen - Teilthemen werden von einem Hyperthema
4. Entwicklung eines gespalteten Rhemas - (explizites oder implizites) Doppelthema,
5. Thematischer Sprung - ein Glied der thematischen Kette wird ausgelassen
→ diese fünf Typen werden in den Texten kombiniert
Klein und Von Stutterheim versuchen Textthema und Textstruktur dadurch zu bestimmen, welche Frage(n) der Text beantwortet → die Quaestio des Textes - durch die Fragestellung
kann auch die Thema-Rhema-Struktur entschleiert werden.
Referenz in Texten
Referenzlinguistik befaßt sich mit den Bezügen sprachlicher Ausdrücke (Sätze, Phrasen) auf Außersprachliches. Die Hauptaufgabe der Sprache ist unbestritten die sprachliche Kommunikation. In einem normalen Text wird referiert; die Referenzbeziehungen sind oft erst durch den textuellen Zusammenhang erschließbar. Die Sprachzeichen referieren nicht nur auf die reale Welt, sondern auf eine aus unserem Bewußtsein projizierten Welt (z. B. der Weihnachtsmann, Frau Holle).
Ein Ausdruck, der die Möglichkeit hat zu referieren ist „referentiell“. Nichtreferentiell sind nur die sprachlichen ausdrücke, die rein sprachstrukturelle Funktion haben (z.B. Konjunktionen).
Die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke hat zwei Aspekte - Referenz (Bezug auf Außersprachliches, auf „Referenten“) und Sinn (Bezug auf Innersprachliches, semantische Abgrenzung des Zeichens).
Searle analysiert die Referenz anhand von Sprechakten. Diese enthalten mehrere Teilakten: Äußerungsakt (Lokution) - phonologisches und morphologisches Material
Referenztypen:
1) Ereignisreferenz - sprachliche Wiedergabe der Ereignisse
2) Zeitreferenz - die zeitliche Einordnung von Ereignissen
3) Ortsreferenz - Positionierung eines Gegenstandes oder Ereignisses
4) Gegenstandsreferenz - klassischer Fall von Referenz
- 2 Aspekte: Determinierung und Quantifizierung
→
beide werden
Referenzbeziehungen in Texten:
Koreferenz - Referenz mehrerer sprachlicher Ausdrücke in einem Text auf den gleichen
Produzent - Produkt - Beziehung
Prädikat - Argument - Beziehung
Temporalreferenzrelation - z. B. Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit,...
Lokalreferenz - muß nicht enthalten sein; oft implizit
Die Referenzbeziehungen können jedoch unausgedrückt bleiben.
Bei Beaugrande /Dressler wurden textuelle Referenzbeziehungen in Form von Kohärenz-Netzwerken dargestellt.
Klein und von Stutterheim unterscheiden anhand der Quaestio zwischen Haupt- und Nebenstruktur von Texten und analysieren „referentielle Bewegung“ in den Texten. Es geht eigentlich um Entfalten der Information von Äußerung zu Äußerung. (Angaben zu zeitlichen Eigenschaften, räumlichen Eigenschaften, an der Handlung beteiligten Personen, Ereignissen und zu modalen Eigenschaften) → Fortführung, Verknüpfung, Wechsel; einzelne
Konstituenten eines Satzes können oft mehrere Referenzfunktionen gleichzeitig erfüllen (Ereignis- + Zeitreferenz im Finitum, ...)
Wenn eine Referenz im Text nicht explizit ausgedrückt wird, kann man sie entweder aus dem Kontext ableiten (strukturbasierte oder reguläre Kontextabhängigkeit), oder hilfs seines Weltwissens erschließen (Inferenz?).
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Arbeit zitieren:
Veronika Harmathová, 2001, Heinz Vater - Einführung in die Textlinguistik, München, GRIN Verlag GmbH
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