I Einleitung 2
Inhaltsverzeichnis
I EINLEITUNG 1
I.I Ziel der Arbeit und Vorgehensweise 1
1 PROBLEME ENTDECKEN UND IDENTIFIZIEREN 2
1.1 Einführung in die Problematik 2
1.2 Interessenslagen der einzelnen Anspruchsgruppen 3
2.1.1 Der Anbieter 3
2.1.2 Der Staat 4
2.1.3 Das Volk 4
2.1.4 Das Gewerbe 5
2.1.5 Die Kunden 5
2.1.6 Die Anwohner 5
2.1.7 Die ökologischen Interessenten 5
2 ZUSAMMENHÄNGE UND SPANNUNGSFELDER VERSTEHEN 8
2.1 Identifikation des zentralen Kreislaufes 8
2.2 Das Netzwerk aufbauen 9
2.3 Festlegen der Intensitäten und zeitlicher Abhängigkeiten 11
3 GESTALTUNGS- UND LENKUNGSMÖGLICHKEITEN ERARBEITEN 15
3.1 Verhaltensmuster der nicht lenkbaren Bereiche (Szenarien) 15
3.1.1 Realistisches Grundszenario Fehler Textmarke nicht definiert.
3.1.2 Pessimistisches Szenario Fehler Textmarke nicht definiert.
3.1.3 Optimistisches Szenario Fehler Textmarke nicht definiert.
3.2 Lenkungsoptionen erfassen 17
3.3 Indikatoren für die Zielerreichung 19
4 MÖGLICHE PROBLEMLÖSUNGEN BEURTEILEN 20
4.1 Detaillierte Beurteilung der Alternativen 20
5 PROBLEMLÖSUNGEN UMSETZEN UND VERANKERN 22
5.1 Stufengerechte und multidimensionale Verankerung der
Probleml ösung Fehler Textmarke nicht definiert.
5.2 Früherkennung, Fortschrittskontrolle und Entwicklungsprozesse Fehler
Textmarke nicht definiert
I Einleitung 1
I Einleitung
Die mobile Telekommunikation befindet sich in einer revolutionären Phase. Die verfügbaren Bandbreiten werden immer grösser, der Markt liberaler und damit die Anbieterzahl und der Konkurrenzkampf stets grösser. Alle wollen sich eine bestmögliche Ausgangslage schaffen für die kommenden vielversprechenden und lukrativen Mobiltechnologie-Generationen. Begriffe wie M-Commerce 1 oder die Möglichkeit umfangreichste Dienste anzubieten, locken. Die Telekommunikationsanbieter setzen zudem stark auf die neue Technologie, da in den vergangenen Jahren im Festnetzbereich die Margen sehr stark geschrumpft sind. Je höher die Bandbreite ist, desto mehr Möglichkeiten steht dem Nutzer künftig zur Verfügung. Vom einfachen, schnellen surfen im Internet über das Abspielen von Audio- und Videosequenzen bis hin zur drahtlosen Videokonferenz. Die Informationstechnologie verschmilzt mit der Telekommunikationstechnologie! Die erste Mobilkommunikationstechnologie, die multimediale Anwendungen dank einem genügend hohen Datendurchsatz erlaubt, ist das Universal Mobile Telecommunications System (UMTS).
Um ein System mit solcher Leistung aufzubauen, braucht es (neben der entsprechenden Lizenz) Anlagen. Mit diesen Anlagen ist vorwiegend ein leistungsstarkes und ausgeprägtes Antennensystem gemeint. Heute sind die konkreten Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung auf den Menschen wissenschaftlich noch nicht erfasst und diese Tatsache heizt die öffentliche Diskussion um den Aufbau des UMTS-Netzes zusätzlich an. Das Dilemma zwischen dem Bedürfnis eines multimediafähigen Mobilnetzes und der Abneigung gegen die dafür nötigen Anlagen stellen nur einen Aspekt des komplexen Problems dar, mit dem die Mobilfunk-Anbieter, welche künftig UMTS-Dienste anbieten möchten, umgehen müssen.
I.I Ziel der Arbeit und Vorgehensweise
Das Ziel dieser Arbeit ist es, das komplexe Problem um das Universal Mobile Telecommunications System mit den Schritten der Problemlösungsmethodik 2 anzugehen und mögliche Lösungsvarianten aufzuzeigen. In einer ersten Phase wird versucht, die Probleme zu entdecken und zu identifizieren. Im zweiten Schritt werden die Zusammenhänge und die Spannungsfelder des komplexen Problems untersucht, bevor Gestaltungs- und Lenkungsmöglichkeiten erarbeitet werden. Die Beurteilung der möglichen Problemlösungen wird im vierten Schritt vorgenommen. Als fünften und letzten Schritt wird gezeigt, wie die Problemlösungen umgesetzt und verankert werden könnten.
1 Mit M-Commerce ist der mobile Einkauf, also der Konsum gemeint, der direkt per Mobiltelefon
abgewickelt wird.
2 Nach: Peter Gomez und Gilbert Probst, Die Praxis des ganzeinheitlichen Problemlösens
(Bern: Haupt, 1999), den Vorlesungen von Herrn Gomez zur Problemlösungsmethodik im Win- tersemester 2000 und den dazugehörigen Übungen bei Herrn Prandini.
Probleme entdecken und identifizieren 2
1 Probleme entdecken und identifizieren
In diesem Kapitel wird versucht, die Probleme möglichst wirklichkeitsgetreu (sofern dies überhaupt möglich ist, da die Wirklichkeit eigentlich ein persönliches Konstrukt ist) und objektiv darzustellen. Wichtig ist, dass alle am komplexen Problem wesentlich Beteiligten in die Analyse miteinbezogen werden.
1.1 Einführung in die Problematik
Das Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) erlaubt dank einer neuen digitalen Technik einen theoretischen Datendurchsatz von 2 Megabytes in der Sekunde. 3 Das ist vergleichsweise mehr als dreissig mal so schnell wie eine einfache ISDN Verbindung es heute zulässt. Mit anderen Worten wir würden in ein neues digitales Zeitalter eintreten, in der das Fernsehen nicht mehr am altbekannten Wohnzimmerkasten vonstatten geht, Musikstücke in Sekundenschnelle auf das multimediafähige Mobiltelefon geladen werden können, das Internet auch in Flugzeugen und Autos verfügbar ist oder das ausgeklügelte Navigationssystem im Fahrzeug einen sicher ans richtige Ziel lotst, während man sich in einer Videokonferenz befindet oder die News anschaut. Eine wichtige Rolle werden die lokalen Dienste spielen, die Informationen zu einzelnen Regionen oder Sachgebieten zur Verfügung stellen. „Ein Beispiel könnte die Kurzzusammenfassung des Fussballspiels des Lieblingsklubs sein, bestehend aus einer Videosequenz, welche die spannendsten Momente enthält, sowie einem Hintergrundbericht in Textform“. 4 Ganze Branchen könnten profitieren, andere würden verdrängt...Die UMTS-Technik könnte tiefgehende Veränderungen und Innovationen in unser Leben einbringen.
„Es wird 2003 weltweit 1 Milliarde Mobiltelefonnutzer geben, jeder dritte Europäer wird 2004 zu dieser Spezies gehören. Mehr als die Hälfte aller Handybenutzer weltweit wird dann auch mobilen Internetzugang haben. Der Handel vom Mobiltelefon aus, auch M-Commerce genannt, wird 2003 einen Umfang von 23 Milliarden Dollar erreichen.“ 5
Damit ein Telekommunikationsanbieter aber überhaupt solche Dienste anbieten kann, die zweifellos über ein enormes Zukunftspotential verfügen, muss erst eine entsprechende Konzession zum Betrieb einer UMTS-Frequenz vom Bund ersteigert werden. Die Versteigerung in anderen europäischen Ländern führte zu den unterschiedlichsten Resultaten. Während in England und Deutschland die Telekommunikationsanbieter Milliardenbeträge locker machen mussten für eine Konzession, mussten die Anbieter in Italien, Österreich und der Niederlande viel weniger berappen. Wie bereits angesprochen wurden in der Schweiz, wo die Versteigerung erst im Dezember 2000 klappte, alle Lizenzen ausser einer zum im Frühjahr 2000 festgelegten Mindestpreis von 50 Millionen Schweizerfranken veräussert.
3 Praktisch ist die verfügbare Bandbreite einiges geringer. Nur in Labors, wo optimale Bedin-
gungen herrschen (Distanz zur Antenne einige Meter, keine anderen Nutzer, die auch das Netz gebrauchen), kann dieser Wert erreicht werden.
4 Brazzale F. und Fluri J. „Chancen und Risiken von UMTS in der Schweiz - Fragen zur rechtzeitigen Verfügbarkeit der Technik und zur Akzeptanz“. Neue Zürcher Zeitung 12.12.2000: 88.
5 Salzbrei, H. „Das Ende des Fernsehers“. Tages Anzeiger 09.12.2000: 70.
Probleme entdecken und identifizieren 3
Allgemein kann die Feststellung gemacht werden, dass in denjenigen Staaten, in denen die Versteigerung zuerst stattgefunden hat, viel mehr für eine Lizenz bezahlt werden musste. Dies hängt damit zusammen, dass die euphorische Goldgräberstimmung um das UMTS einer differenzierteren Einschätzung über die effektiven Chancen und Gefahren im Zusammenhang mit dem Aufbau, Betrieb und Unterhalt des Mobiltelekommunikationsnetzes der dritten Generation wich. Wenn man neben den Lizenzkosten die exorbitant hohen Investitionsaufwendungen bedenkt, die der Aufbau eines UMTS-fähigen Systems verursacht, ist es ein riskantes Projekt, das bei Scheitern die Existenz des Anbieters gefährden könnte. Zudem spielen noch zahlreiche andere, heute noch unerfassbare Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel die effektive Nachfrage nach UMTS-Diensten oder der öffentliche Widerstand in Folge umwelt- und körperlicher Schäden, die durch die Anlagen verursacht werden könnten.
1.2 Interessenslagen der einzelnen Anspruchsgruppen
Die Problemsituation „UMTS“ kann aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Jede Interessensgruppe betrachtet die Problematik individuell und voneinander unterschiedlich. Wir haben die beteiligten Anspruchsgruppen und deren Interessenslagen untersucht:
2.1.1 Der Anbieter
Das langfristige Ziel eines Telekommunikationsanbieters sollte die Sicherstellung des Fortbestandes und des nachhaltigen Wachstums der Unternehmung sein. Zugleich ist dies auch der Zweck des Problemkreises UMTS, wie auch die Schaffung neuer- und die Auslastung bestehender Kapazitäten. Die Goldgräberstimmung ist zwar mittlerweile verschwunden, aber der Anbieter erwartet natürlich, dass ihm die UMTS-Dienste trotz der sehr hohen Investitionskosten in wenigen Jahren bereits zu schwarzen Zahlen verhelfen. Wenn man sich für die Errichtung eines UMTS-Netzes entscheidet, dann ist man gut beraten alles daran zu setzen, dass sich die hohen Aufwendungen auch ausbezahlt machen. Diese Technologie und ihre Nachfolger haben das grosse Potential, das Kommunikationswesen der Zukunft zu prägen, ja sie sogar auszumachen. Als Anbieter will man nicht einfach vom goldenen Zug fallen, auf den man nur mit grossem Aufwand aufzuspringen vermochte.
Die Schlüsselfaktoren für die Erreichung der Systemziele sind das Ausmass der Investitionsbereitschaft und die daraus folgende Qualität, Effizienz und Anzahl (z.B. Abdeckung) der neuen Anlagen, was ihrerseits zu einem attraktiven Angebot beiträgt. „Der Betreiber von heute ist vor allem ein Netzwerkprovider. Er stellt die Technologie zur Verfügung mit gewissen Basisdiensten. Künftig wird aber der Bereich des Service, beziehungsweise des Content Providing, also die Bereitstellung von Applikationen und Inhalten, in den Vordergrund rücken.“ 6 Ob und wann Erträge generiert werden können, hängt von verschiedenen Faktoren
6 Hofer Jürg, Deputy Managing Director von Nokia. “Die UMTS-Technik beflügelt den Wettbewerb“. Neue Zürcher Zeitung 06.06.2000:
http://www.nzz.ch/sonderbeilagen/telekommunikation00/telekomm00hag.html, besucht am 01.12.2000
Probleme entdecken und identifizieren 4
ab, wie zum Beispiel der Höhe der Lizenzkosten oder der Umweltfreundlichkeit der Antennen. Da die Ungewissheit über die Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung auf die menschliche Gesundheit und die damit zusammenhängende Angst in der Bevölkerung gross ist, wird der Unternehmer Bemühungen anstellen müssen, damit diese Faktoren dem Geschäft nicht schaden. Es ist weit mehr als nur Imagekosmetik, wenn sich der Anbieter ernsthaft mit den Anliegen der Öffentlichkeit befasst und sich dementsprechend bis zu einem gewissen Grad daran ausrichtet.
Womöglich muss der Anbieter mit verschiedenen Endgeräteherstellern (Mobiltelefon-, Flachbildschirm- und Softwareunternehmen) zusammenarbeiten, wenn es um die Entwicklung geeigneter Telefone der dritten Generation geht (sofern man noch von Telefonen im ursprünglichen Sinn sprechen kann). Die Geräte müssen die verfügbare Technologie voll ausschöpfen können, aber die Technologie muss auch das umsetzen können, was sie in der Theorie bewiesen hat.
2.1.2 Der Staat
Die Erlöse aus den ausländischen Versteigerungen in Deutschland und Eng-land hat wohl nicht nur dem Finanzminister Dollarzeichen in die Augen getrieben, schliesslich rechnete man mit einem Milliardenbetrag, der in die Bundeskasse fliessen sollte. Das Budget wurde ein bisschen zu früh mit diesem Wunschbetrag angepasst. Die Regierung erklärt zwar, dass ihr Ziel nie hohe Konzessionseinnahmen gewesen sei, da sie interessiert daran seien, dass die UMTS-Anbieter nicht noch mehr belastet würden und ihre unternehmerische Tätigkeit sicherer sei, nachdem die Anbieter ja schon Milliarden für den Aufbau des Netzes ausgeben müssten. Der Volkswirtschaftliche Nutzen sei mit geringen Konzessionseinnahmen grösser, da die Unternehmen beispielsweise früher Gewinne erzielen können, was die Steuerbehörden freuen dürfte. Zudem machen geringere Konzessionsausgaben der Anbieter die schnelle Entwicklung neuer Kommunikationsdienste möglich, wovon schliesslich wieder alle profitieren. Der Staat in dem Sinn, dass das High-Tech-Image der Schweiz wesentlich verbessert wird.
2.1.3 Das Volk
Von den neuen Kommunikationsmöglichkeiten kann das Volk stark profitieren. Der Konjunktiv begründet sich aus der Tatsache, dass der Nutzen nicht allen zukommen wird. Es wird wahrscheinlich eher die jüngere Generation sein, die mit dem Internet bereits umgehen kann, welche die neuen Dienste benutzen wird. Zudem entstehen neue Arbeitsplätze mit Zukunft, welche über verschwindende Stellen hinwegtrösten. Breitbanddienste werden heute sogar mit Innovationen wie der Einführung der Elektrizität verglichen, die der Allgemeinheit enorme Wohlstandserhöhungen brachte.
Da die Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung auf Mensch und Umwelt noch nicht geklärt sind, und man die Zahl der neu zu erstellenden Antennen auch noch nicht genau kennt, bleibt diesem hohen Lob an das UMTS ein etwas bitterer Nachgeschmack.
Probleme entdecken und identifizieren 5
2.1.4 Das Gewerbe
Die Möglichkeit, alles zu jedem Zeitpunkt an jedem beliebigen Ort erledigen zu können, bietet auch dem Gewerbe einen Mehrwert, einen Konkurrenzvorteil. Der Arbeiter wird zum Beispiel künftig immer und überall auf seine gewohnte Benutzeroberfläche, Applikationen u.s.w. zugreifen können. Effizienz, Flexibilität, sowie das Mass an Kommunikation und Information werden zunehmen.
2.1.5 Die Kunden
Der einzelne Kunde will die sich bietenden neuen Kommunikationsmöglichkeiten ausschöpfen. Die Bandbreite, Netzabdeckung, der internationale Standard des UMTS und die Anzahl der Netzteilnehmer 7 sind seine Schlüsselfaktoren. Die Umweltverträglichkeit des Systems ist dem Kunden von geringer Wichtigkeit, sofern die davon ausgehenden externen Kosten nicht grösser sind, als sein Nutzen beträgt.
2.1.6 Die Anwohner
Schlafstörungen und Kopfschmerzen sind die Hauptauswirkungen starker elektromagnetischer Strahlung auf den Menschen, wird behauptet. Was wissenschaftlich noch nicht bewiesen werden kann wird aber von der Allgemeinheit nicht in Frage gestellt. Niemand möchte die Antennen in seiner Nähe haben, nutzen hingegen wollen fast alle die neue Technologie. 8 In vergangenen Jahren kam es immer wieder zu erfolgreichen Einsprachen von Anwohnern gegen den Bau oder Betrieb von Antennenanlagen in der Nähe von Wohngebieten.
2.1.7 Die ökologischen Interessenten
Für verschiedene Interessensgruppen (SPS, Pro Natura, Stiftung für Landwirtschaftsschutz und des Schweizer Heimatschutzes, Schweizer Energiestiftung SES, u.a.m) ist das UMTS den Zweck der Erhöhung der Umweltbelastung und der Verminderung der Lebensqualität.
Die erforderliche Anzahl an neuen Antennen, die für den Bau des UMTS-Netzes erforderlich sind (approximativ vier- bis zwölftausend neue Antennen!),
7 Die Anzahl der Nutzer schlägt sich zwar auf die Kommunikationsgeschwindigkeit (Daten-
durchsatz pro Zeiteinheit), aber der Nutzen wird dennoch vergrössert, weil die Technologie für bestimmte Dienste (wie Online-Konferenzen oder das Telefonieren mit Bild) nur mit einer grossen Anzahl Netzteilnehmer richtig funktioniert.
8 Vgl. Hag. „Ohne Antennen keine Handys“. Neue Zürcher Zeitung 07.11.2000: 13.
Probleme entdecken und identifizieren 6
die Strahlenbelastung des Mobilfunks und „kleinere“ Anliegen wie einheitliche Bewilligungspraxen sind die zentralen Anliegen der Umweltverbände. Wir haben mit Frau Nicole Wagner, Projektleiterin Umweltrecht und Umweltpolitik Pro Natura, Basel und stark Beteiligte an der öffentlichen Diskussion „UMTS und Umweltschutz“, darüber gesprochen: 9
¾¾Frau Wagner, was sind ihre Forderungen in Bezug auf den Bau der UMTS-Netze?
Ausserhalb der Bauzone: Möglichst wenig Antennen, d.h. Koordination der Anbieterfirmen untereinander. Berücksichtigung der geltenden Gesetze (NHG 10 und UWG 11 ). Mit anderen Worten die Vermeidung von Antennen in sensiblen Gebieten, wie etwa Schutzgebiete, Moorlandschaften,... Auch die Optik / Ästhetik ist uns ein Anliegen. Antennenstandorte sollten so gewählt werden, dass sie schützenswerte Landschaften nicht verstellen. Und ausserdem sind bei der Zuleitung die selben Kriterien anzuwenden. Sinnvoll wäre es, dass die Bewilligungsbehörden die Baugesuche aufgrund der oben genannten Kriterien überprüfen! Des weiteren erwarten wir von den Anbieterfirmen und von den Bundesbehörden, dass sie eine „neutrale“ Beratungsstelle in Sachen Mobilfunk einrichten (bezüglich Umweltschutz und Elektrosmog / Ge-sundheit).
¾¾Sind Sie mit dem Ausgang der Lizenzversteigerung vom 6.12.2000 12 zufrieden oder hätten Sie eher einen höheren Mindestpreis begrüsst?
Der Preis der Konzessionen ist uns egal, so lange die oben genannten Forderungen eingehalten werden. Bei diesem günstigen Preis erwarten wir von den Anbieterfirmen, dass sie die Schutzanliegen etwas kosten kann. Wäre der Preis sehr hoch gewesen, so hätten wir vom Bund erwartet, dass er etwas Geld für unsere Anliegen übrig hat.
¾¾Wie gedenken Sie ihre Forderungen gegenüber dem Bund und den Mobilfunkanlagen durchzusetzen?
Die einzige Möglichkeit die wir haben ist, bei Antennenstandorten ausserhalb der Bauzonen Einsprache zu erheben und so die Behörden und Anbieterfirmen zu zwingen das geltende Recht zu berücksichtigen.
¾¾Wie wird die Öffentlichkeit in Ihren Augen auf den nun noch stärker wachsenden Antennenwald reagieren?
Ich gehe davon aus, dass der Widerstand gegenüber dem Antennenwald wachsen wird.
9 Aus einer Befragung per E-Mail. 06.12.2000
10 Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG)
11 Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)
12 Die Versteigerung der vier UMTS-Frequenzen klappte erst im zweiten Anlauf. Beim ersten
Versuch am 13. November 2000 kam es gar nie zur eigentlichen Versteigerung, weil die zuständige Behörde, die ComCom (Kommunikationskommission), die Auktion vertagte, weil sich die Zahl der Bieter aus Fusions- und Rücktrittsgründen kurz vorher entscheidend verkleinerte. So waren am Tag der Auktion nur noch vier Bieter für vier Lizenzen übrig! Bei der Auktion am 6.Dezember 2000 wurden drei der vier Lizenzen schliesslich zum Mindestpreis von 50 Millionen Schweizerfranken vergeben. Von einigen Seiten (u.a. der SPS) wurde bemängelt, die ComCom hätte die Lizenzen zu billig veräussert.
Probleme entdecken und identifizieren 7
13 Für unsere Arbeit stellen wir den Anbieter ins Zentrum der Betrachtung.
Zusammenhänge und Spannungsfelder verstehen 8
2 Zusammenhänge und Spannungsfelder verstehen
Nachdem die Analyse der Interessenslagen der verschiedenen Anspruchsgruppen abgeschlossen ist, und wir damit die wichtigen Teile kennen gelernt haben, die das Verhalten des Systems wesentlich prägen, stellt sich jetzt die Frage, wo diese Schlüsselfaktoren genau im System anzusiedeln sind, worauf sie konkret Einfluss haben und wovon sie ihrerseits beeinflusst werden.
2.1 Identifikation des zentralen Kreislaufes
Da wir den Anbieter ins Zentrum unserer Betrachtung gestellt haben, waren wir auf der Suche nach einem Motor in der unternehmerischen Tätigkeit des Telekommunikationsanbieters, der die ganze Problematik antreibt. Unabhängig voneinander sind wir auf denselben zentralen Kreislauf gekommen. Um das Unternehmensziel zu erreichen, müssen zwangsläufig Erträge erwirtschaftet werden. Was aber sind die Vorraussetzungen, die es braucht, um erfolgreich Business im Telekommunikationsbereich der nächsten Generation zu betreiben? Sicher die Anzahl von Kunden, die von der Dienstleistung gebrauch macht. Kunden wird man aber nur erhalten, wenn dieser sieht, dass er mit der Dienstleistung einen Nutzen erfährt, der grösser ist als seine Opportunitätskosten. Ein hervorragendes Kommunikationsangebot (preislich, qualitativ u.s.w.) sichert einen grossen Kundennutzen. Ein hoher Standard an qualitativen Angeboten ist aber nur zu erreichen, wenn man beispielsweise stets im-stande ist, alle Optionen und Bedürfnisse des potentiellen Kunden zu befriedigen. Man muss an der Spitze des technologischen Fortschrittes stehen. Dies lässt sich aber nur durch neue Anlagen bewerkstelligen. Ob und wie hoch das Ausmass an Innovationen ist, hängt von unserem Willen und der finanziellen Potenz ab, Investitionen zu tätigen. Damit wären wir wieder bei den Erträgen; der Kreis schliesst sich.
Abbildung 1: Der zentrale Kreislauf
Zusammenhänge und Spannungsfelder verstehen 9
2.2 Das Netzwerk aufbauen
Nachdem der zentrale Kreislauf identifiziert ist, geht es darum, das Netzwerk kontinuierlich auszubauen.
So haben wir beispielsweise die Auswirkungen vom Bau neuer Anlagen geprüft. „Der Aufbau der neuen Mobilnetze dürfte in den nächsten fünf bis zehn Jahren rund 10'000 neue Antennen erfordern.“ 14 Je mehr Antennen aufgestellt werden müssen, desto stärker wird das Landschaftsbild geschädigt und desto höher wird die Strahlenbelastung sein. Die Zunahme an elektromagnetischer Strahlenbelastung dürfte zu mehr körperlicher (und womöglich auch rechtlicher) Beschwerden in der Bevölkerung führen und wird auch Auswirkungen auf die Umwelt haben. Ein getrübtes Landschaftsbild und körperliche Beschwerden verringern die Lebensqualität massgebend, was dem UMTS-Anbieter nicht gerade ein sehr gutes Image verschaffen wird. Die Folgen wären zum Beispiel weniger Kunden, was weniger Erträge und damit ein geringeres Investitionspotential bewirken würde u.s.w. Wenn wir aber zurück zum Ausgangspunkt der Antennen gehen, so müssen wir auch beachten, dass andererseits durch ein flächendeckendes Mobilnetz die Abdeckung steigt, was ein wichtiger Punkt für ein qualitativ hochstehendes Kommunikationsangebot ist. Und genau dieser Zielkonflikt widerspiegelt nur einen kleinen Ausschnitt aus der komplexen Problematik und dem Dilemma, mit denen der Anbieter fertig werden muss!
Abbildung 2: Der erweiterte Kreislauf mit Einbezug der „Antennenproblematik“
14 AP. „Unerrwünschte Antennenflut“. Neue Zürcher Zeitung 03.11.2000: 17.
Die Zahl über die genau benötigten Antennen ist noch ungewiss und die Einschätzungen der Fachleute gehen auch stark auseinander. Die durchschnittliche Antennenzahl aus den ver- schiedenen Quellen beträgt ungefähr 10'000.
Zusammenhänge und Spannungsfelder verstehen 10
So wie vorangehend gehen wir jetzt kontinuierlich mit den anderen Schlüssel-faktoren vor.
Wir schreiten beispielsweise mit den Lizenzkosten fort. Die Höhe der Kosten wirkt sich direkt auf die Ertragslage der Anbieterfirma und auf die Staatseinnahmen (Schuldenabbau) aus. Je höher die UMTS-Lizenz ausfällt, desto weniger Mittel werden wir künftig für andere Geschäftsbereiche wie die Investitionen übrig haben, was sich wiederum vielfältig auswirken würde. Gleichermassen gehen wir jetzt kontinuierlich mit den anderen Schlüsselfaktoren vor. In der Diskussion werden die Beziehungen und deren Eigenschaften geprüft und erörtert Das Resultat ist ein in sich geschlossenes Beziehungsgeflecht, das die Vernetztheit der komplexen Problematik wiedergibt (siehe Netzwerk auf S.11).
Zusammenhänge und Spannungsfelder verstehen 11
2.3 Festlegen der Intensitäten und zeitlicher Abhängigkeiten
Die bisherige Darstellung des Netzwerkes erweckt den Eindruck, dass die Veränderung einzelner Grössen sich unmittelbar auf andere auswirken würde, und dies mit gleich grosser Intensität. In Wirklichkeit sieht es aber anders aus. Hinter den einfachen Pfeilen befindet sich nicht nur eine Verknüpfung, sondern auch unterschiedliche Intensitäten und zeitliche Verzögerungen. Um die Vernetzung einer Situation richtig zu erfassen sind deshalb unbedingt die zeitlichen Verhältnisse und die Stärke der Beeinflussung und Beeinflussbarkeit miteinzubeziehen.
Als erstes machen wir uns an die zeitlichen Verzögerungen, denn die Kenntnis dieser wird später vor allem dann von Nutzen sein, wenn es darum geht, die Geschwindigkeit der Wirkung von Gestaltungsmassnahmen einzuschätzen. Bei den zeitlichen Beziehungen unterscheiden wir drei Arten:
Î kurzfristig (< 1 Jahr)
Î mittelfristig (1-3 Jahre)
Î langfristig (>3 Jahre)
Nun gilt es die einzelnen zeitlichen Abhängigkeiten in das Netzwerk einzutragen und die Stärke der Beeinflussung zu bestimmen:
Zusammenhänge und Spannungsfelder verstehen 15
Auswertung der Einflussmatrix
Abbildung 3: Auswertung der Einflussmatrix
2. Neue Anlagen 3. Qualität Komm.angebot 4. Kundennutzen 5. Kunden 6. Erträge 7. Werbung
8. Umweltschutzbemühungen 18. Lizenzkosten 9. Antennen 10. Strahlenbelastung
Gestaltungs- und Lenkungsmöglichkeiten erarbeiten 15
3 Gestaltungs- und Lenkungsmöglichkeiten erarbeiten
3.1 Verhaltensmuster der nicht lenkbaren Bereiche (Szenarien)
Mit der Hilfe von Szenarien versucht man die Zukunft möglichst genau vorherzusagen. Der Nutzen der Szenariotechnik besteht darin, dass man auf bestimmte Zukunftsereignisse vorbereitet ist und darauf reagieren kann. Als erstes wird ein Grundszenario erstellt, das auf die verschiedenen Bereiche des Problems eingeht. Um nicht in Gefahr zu laufen, eine einseitige und höchstwahrscheinlich falsche Annahme der Entwicklung einer Grösse zu tätigen, entwirft man üblicherweise noch verschiedene Alternativszenarien. Bei der Wahl der Szenarien darf man ruhig kreativ sein und seine Fantasien spielen lassen, sollte aber doch nicht zu abstrakte Theorien entwickeln.
3.1.1 Realistisches Grundszenario
Ohne Zweifel wird die UMTS-Technologie die Welt der Mobilkommunikation verändern. Sie wird aber auch in einigen anderen Teilgebieten unseres Lebens ihre Spuren hinterlassen.
Massgebend für den Erfolg der Technologie wird aber nicht nur das Potenzial dieser sein, sondern auch ihre Umweltverträglichkeit. Schon heute gibt es grossen Widerstand gegen Mobilfunkantennen in Wohngebieten. Wie schon früher erwähnt, sind die Folgen der nicht-ionisierten Strahlung auf Mensch und Tier noch nicht erforscht, wir wagen aber zu behaupten, dass die Strahlung einen gewissen (negativen) Einfluss auf den Menschen hat. Nun werden in den nächsten Jahren, während des Aufbaus der UMTS-Netze um die 10'000 neue Mobilfunkantennen in der Schweiz aufgestellt werden. Und um ein flächendeckendes Netz zu gewährleisten, müssen auch Antennen in stark besiedelten Gebieten aufgebaut werden. Die Folge davon wird ganz sicher heftiger Widerstand seitens der Wohnbevölkerung sein, was zu starken Konflikten führen wird.
Die einzige Chance der Anbieter wird daraus bestehen, in den „sanften Mobilfunk“ 15 zu investieren, denn nur wer seinen Kunden auf längere Sicht umwelt-freundlichen Mobilfunk verkaufen kann, wird Erfolg haben. Die Theorie des sanften Mobilfunks ist im Salzburger Modell begründet. In Salzburg wurden in einer Studie die Strahlungsrichtwerte um fast die Hälfte vermindert und keine nennenswerten Störungen des Mobilfunkverkehrs festgestellt. Ähnliche Studien und deren Umsetzung werden wohl auch bald in der Schweiz Einzug halten. Die Anbieter werden sich um die Erforschung der Folgen von nicht-ionisierter Strahlung auf Mensch und Tier zu befassen haben. Anstrengungen werden auch in der Erforschung von neuen Antennenvarianten nötig sein. Weiter werden die Anbieter sich um die Frage der Netzabdeckung kümmern müssen. Wie heute schon bekannt ist, wird sich das Netz anfänglich nur auf Grossagglomerationen beschränken, in den abgelegenen Gebieten der
15 Sanfter Mobilfunk: Mobilfunk mit möglichst tiefen Strahlungswerten
Gestaltungs- und Lenkungsmöglichkeiten erarbeiten 16
Schweiz wird sich UMTS wohl kaum verbreiten, weil dort vor allem der Kosten-Nutzen-Effekt zu wenig attraktiv für die Anbieter sein wird. Die Anzahl der UMTS-Benutzer wird wohl anfangs ein bisschen klein sein. Die Abonnementsgebühren werden aufgrund der extremen Kosten, die beim Bau der Netze entstehen, wohl recht hoch sein. Sobald aber der wirkliche Nutzen der UMTS-Technologie bekannt sein wird, wird vor allem auch die junge Generation auf UMTS umsteigen wollen und später werden diese dann auch die höheren Altersschichten mitzuziehen vermögen. Im Bereich der entsprechenden UMTS-Geräte wagen wir eine ähnliche Entwicklung vorauszusagen, wie wir es bei den Mobilfunkgeräten der 2.Generation (Natel D,GSM) erlebt haben. Anfänglich werden die Preise recht stattlich sein, sicher werden sie aber ziemlich bald gesenkt, was wahrscheinlich aufgrund der Kooperation zwischen Anbietern und Geräteherstellern passieren wird, die direkt voneinander abhängig sind. Die UMTS-Technologie wird wohl etwa die gleiche Wirkung auf die Gesellschaft haben, wie es die Erfindung des Internets hatte. Die Gesellschaft wird wohl positiv (abgesehen von der Umweltverträglichkeit) auf den Technologiefortschritt reagieren, denn UMTS wird uns das Leben - wenigstens in gewissen Bereichen- wirklich vereinfachen.
Ebenfalls wird es der Fall sein, dass die Anbieter sich ihrer Verantwortung bewusst werden und im Bereich des Antennenbaus und der Erforschung der Strahlung unbedingt Investitionen tätigen werden, um die Kunden und den Rest der Bevölkerung über mögliche Auswirkungen der UMTS-Technologie aufzuklären und so das Fundament zur Akzeptanz dieser neuen Technologie zu legen.
3.1.2 Pessimistisches Szenario
Wie schon im realistischen Szenario erwähnt, wird vor allem die Umweltverträglichkeit eine wichtige Rolle spielen. Die Lizenz hat für jeden einzelnen Anbieter 50 bis 55 Mio. Fr. gekostet und der Aufbau jedes einzelnen Netzes wird über 1 Mia. Fr. kosten. Wahrscheinlich werden diese Kosten extrem an der Substanz der Unternehmungen nagen, was zur Folge haben wird, dass die Mittel in den Aufbau des Netzes und nicht in die Erforschung der Strahlung investiert werden. Die Folge wird grosser öffentlicher Widerstand sein und der Missmut der Bevölkerung wird sich wohl -unabhängig vom Nutzen der UMTS-Technologieauf die Anzahl der UMTS-Abonnementen niederschlagen. Aufgrund der gerade angesprochenen Kostenintensität werden sich die Anbieter beim Bau der Netze auf die schweizerischen Grossstädte und Agglomerationen beschränken müssen. Dadurch wird aber der Personenkreis, der UMTS benutzen kann sehr eingeschränkt. Die Netzteilnehmerzahl wird so ziemlich klein gehalten, was sich auf die Attraktivität von UTMS niederschlagen wird. Ein weiteres Problem werden die Gerätepreise sein. Es müssen neue Geräte entwickelt werden, um die Technologie voll auszunutzen. Dies wird sich ganz sicher auf die Verkaufspreise auswirken, die sicher in keinem Vergleich zu den heutigen Preisen von herkömmlichen Natels stehen. Ausserdem wird wohl UMTS nur von Geschäftsleuten und Multimediafreaks genutzt werden, die „herkömmlichen“ Leute werden wohl nichts mit UMTS anfangen können. Für das herkömmliche Telefonieren und das Versenden von Kurznachrichten (SMS) reichen ja die heutigen Natels völlig aus.
Gestaltungs- und Lenkungsmöglichkeiten erarbeiten 17
Durch die entsprechende Nichtakzeptanz seitens der Bevölkerung, dessen Individuen potenzielle Kunden sind, werden es die Anbieter nicht schaffen, genügend Kunden zu erhalten und je länger je mehr an betrieblicher Substanz einbüssen und es wird für die Anbieter die Gefahr auftauchen, durch erfolgreichere, ausländische Mobilfunkbetreiber aufgekauft zu werden.
3.1.3 Optimistisches Szenario
Obschon mit immensen Kosten verbunden, werden sich die UMTS-Anbieter ihrer Verantwortung bewusst und bemühen sich um eine transparente und neutrale Erforschung der nicht-ionisierten Strahlung und erlangen das Vertrauen der Bevölkerung.
Eventuell ringen sich einige Anbieter dazu durch, durch „Netz-sharing“ ihre Kosten zu senken. Eine weitere Folge des Neztsharings wird auch eine tiefere Strahlenbelastung sein, weil weniger Antennen aufgestellt werden müssen. Dadurch dass weniger Antennen aufgestellt werden müssen wird auch die Strahlenbelastung gesenkt. Dadurch, dass weniger Kosten für die einzelnen Anbieter anfallen werden, kann mit tiefen Verbindungs- und Abonnementspreisen gerechnet werden, was sicher zur Folge haben wird, dass sich viele Leute für die UMTS-Technologie interessieren werden.
Nicht nur die Preise werden einen Anreiz geben, sondern auch die Möglichkeiten, die sich durch die neue UMTS-Technologie ergeben. Vor allem auch die jüngeren Generationen werden von den Möglichkeiten begeistert sein und ähnlich euphorisch darauf reagieren, wie es heute beim Internet der Fall ist. Zusammen mit den mannigfaltigen Möglichkeiten, die UMTS bietet wird sich diese Tatsache auf die Anzahl der Abonnenten auswirken. Durch die daraus ausgelöste Nachfrage, werden die Preise für UMTS-Geräte im vernünftigen Rahmen liegen und sobald der Kampf der Anbieter um die Kunden seinen Lauf nehmen wird, werden die Kunden (wie es heute beim Mobilfunk der 2.Generation der Fall ist) praktisch umsonst mit entsprechenden Geräten versorgt werden. Dies wird natürlich wieder einen Anstieg der Netzteilnehmer auslösen, was zu einem höheren Kundennutzen führen wird, denn mit je mehr Personen man mit der entsprechenden Technologie kommunizieren kann, desto grösser ist ihr Nutzen.
Ein weiteres Schlüsselelement beim zukünftigen Erfolg von UMTS wird der M-Commerce 16 sein. Wie es heute schon teilweise im Internet der Fall ist, wird es später kein Problem sein, bequem und stressfrei von zuhause und unterwegs einzukaufen.
3.2 Lenkungsoptionen erfassen
Die lenkbaren Grössen dienen als Ansatzpunkte zur Behebung des Problems. Es stellt sich jetzt die Frage, welche lenkbaren Grössen sich am besten dafür eignen.
Eine sehr zentrale Bedeutung kommt dem Aufbau, der Art, der Umweltverträglichkeit und der Ausprägung des Funknetzes zu. In allen Szenarien spielt die „Antennenproblematik“ zwar nicht die einzige, aber eine sehr wichtige Rolle.
16 Kurzform für Mobile Commerce
Gestaltungs- und Lenkungsmöglichkeiten erarbeiten 18
In der Auswertung der Einflussmatrix haben wir zudem festgestellt, dass der Schlüsselfaktor „Antennen“ eine sehr aktive Grösse ist. Aktive Grössen eignen sich hervorragend für Lenkungseingriffe, weil sie eine grosse Hebelwirkung und einen grossen Multiplikatoreffekt erzielen. 17
Das Problem, wofür wir Lösungsmöglichkeiten suchen, definiert sich wie folgt: Wir brauchen ein Mobilfunknetz, das den Interessen und Anliegen der verschiedenen Anspruchsgruppen (dem Anbieter (uns selber), Natur- und Umweltschutzverbände, Kunden u.s.w.) gerecht wird. Welche Möglichkeiten stehen uns dafür zur Verfügung? Wir haben Möglichkeiten in einem Morphologischen Kasten festgehalten:
17 Peter Gomez und Gilbert Probst, Die Praxis des ganzeinheitlichen Problemlösens (Bern:
Haupt, 1999) 88-89
18 Mit Netz-schring ist die gemeinsame Nutzung eines Funknetzes mehrerer Anbieterfirmen
gemeint (wie Orange und Swisscom, die ein gemeinsames GSM-Netz betreiben).
19 Bei der Trennung von Standortbesitz und Netznutzer wird der Aufbau des UMTS-Netzes
komplett an eine unabhängige Unternehmung ausgegliedert. „Den Aufbau und der Betrieb des Funknetzes wird an dafür spezialisierte Unternehmen ausgelagert. Die Sendernetze werden dabei an eine neutrale Standortfirma verkauft, welche die entsprechenden Antennenplätze an die Anbieter bzw. Betreiber von Funkdienstleistungen weitervermietet. Durch den Verkauf der Standorte erhalten die Funknetzbetreiber bedeutende finanzielle Mittel zugesprochen, die sich fürs Kerngeschäft zielgerichtet einsetzen lassen. Zudem ist ein unabhängiger Standortbesitzer daran interessiert, möglichst viele Antennenplätze an alle Anbieter zu vermieten. Die Standorte werden besser ausgelastet und da mehrere Anbieter auf derselben Antenne Platz finden, kommt es zu einer Optimierung der Antennenzahl. Mehr gemeinsame Sendestandorte würden schnell zu einer höheren Netzdichte führen, womit die Distanz zwischen dem einzelnen Handy-Benutzer und der entsprechenden Basisstation massgeblich verringert und die Netzkapazität erhöht würde. Im Ausland hat sich die Trennung zwischen Stand-ortbesitzern und Netznutzern als vorteilhaft erwiesen.“
Matter Peter, Geschäftsleiter ComSite Engineering AG (die grösste unabhängige Standortfirma der Schweiz). „Zukunftsvision für die modernen Funknetze“. Neue Zürcher Zeitung 12.12.2000: 92.
20 Der Bund schreibt den UMTS-Netzanbietern eine Mindestabdeckung von 50% in der Schweiz
vor. Den Spielraum, den die Unternehmen geniessen und den wir im morphologischen Kasten ansprechen, bezieht sich vor allem auf die Höhe der Bandbreite, die an verschiedenen Lokalitäten verfügbar sein soll.
21 Bei der standortabhängigen Netzabdeckung konzentriert man sich auf wichtige Standorte wie
Flughäfen, Hauptbahnhöfe oder Autobahnraststätten. An diesen Standorten soll die verfügbare Netzkapazität hoch und immer verfügbar sein. Hingegen wird man beispielsweise auf der Auto- bahn eher selten eine Verbindung zum UMTS-Netz haben.
Gestaltungs- und Lenkungsmöglichkeiten erarbeiten 19
Uns stehen eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung, die alle von den drei verschiedenen Arten des Netzaufbaus ausgehen. Wir wählen drei Varianten, die wir im nächsten Kapitel detailliert miteinander vergleichen werden.
Beispiel einer Variante:
Variante „blau“: Wir entscheiden uns für eine Alternative in der wir von einer standortabhängigen Netzabdeckung, die wir mittels Netz-sharing mit der „Konkurrenz“ erreichen, ausgehen. Unsere Umweltschutzbemühungen sind im Bereich der Zusammenarbeit mit Umweltverbänden und Öffentlichkeit gross, doch was die wissenschaftliche Erfassung der tatsächlichen Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung angeht, reissen wir uns nicht gerade ein Bein aus. Wir haben auch nicht die nötigen finanziellen Mittel dazu, denn die Lizenzkosten und der kostenintensive Aufbau des UMTS-Netzes nagen an unseren Mitteln. Wir betreiben aber eine sehr offene Kommunikationspolitik, was die wahren Chancen und Gefahren unserer Dienstleistung angeht. Es ist uns ein Anliegen, dass sich unsere potentiellen Kunden wohl und sicher bei uns fühlen.
3.3 Indikatoren für die Zielerreichung
Indikatoren sind Grössen, die für uns (die Anbieter) von hoher Wichtigkeit sind. Die Entwicklung dieser einzelnen Indikatoren dient uns als Anhaltspunkt für die Interpretation der Lage, in der wir uns gegenwärtig befinden und zeigt uns auf, ob wir in Zukunft auf dem richtigen Weg sind und unsere Ziele erreichen werden.
Aus unserer Sicht ist die Gesellschaftliche Akzeptanz und unser Image von höchster Bedeutung, denn von diesen beiden Faktoren hängt es hauptsächlich ab, ob wir UMTS-Kunden an Land ziehen können. Weitere Indikatoren sind:
- Kunden; die Anzahl dieser zeigt uns, ob unsere Firma in Zukunft noch bestehen wird
- Netzteilnehmer; bestimmt die Attraktivität, die auf zukünftige UMTS-Benutzer einwirkt. Je mehr Netzteilnehmer es gibt, desto mehr Verbindungsmöglichkeiten hat ein zukünftiger UMTS-Nutzer. Es ist ganz klar, dass wenn nur wenige UMTS nutzen, dass die Attraktivität für Neukunden relativ gering wäre.
- Absatz der Mobiltelefone der 3.Generation; zeigt, wie stark die Nachfrage - unabhängig vom gewählten Anbieter- nach der UMTS-Technologie ist.
- Erträge; zeigen uns, wie profitabel UMTS für uns ist und wie die Zukunftsaussichten sind. Die Erträge und ihre Entwicklung sind ein wichtiger Indikator dafür, ob man in Zukunft in diese Technologie stärker inves- tieren soll oder eben auch nicht.
Mögliche Problemlösungen beurteilen 20
4 Mögliche Problemlösungen beurteilen
Mit Hilfe der morphologischen Methode haben wir drei unterschiedliche Lösungsvarianten erhalten. Jetzt müssen diese Alternativen noch einer detaillierten Bewertung unterzogen werden, wobei sich die beste Möglichkeit herauskristallisieren wird.
Eine klare Trennung von qualitativer und quantitativer Beurteilung ist hier nicht gut möglich. Wir verschmelzen die beiden Aspekte, sowie die Beurteilung über die Einhaltung der systemischen Lenkungsregeln in diesem Kapitel.
4.1 Detaillierte Beurteilung der Alternativen
Problemlösungen umsetzen und verankern 22
5 Problemlösungen umsetzen und verankern
Aus den bisherigen Schritten unserer Problemlösung ist hervorgegangen, dass die Faktoren Gesellschaftliche Akzeptanz, Strahlenbelastung und Umweltschutzbemühungen eine wichtige Rolle dabei spielen, ob UMTS erfolgreich sein wird.
Nun geht es im letzten Schritt darum Problemlösungen umzusetzen und zu verankern.
5.1 Stufengerecht und multidimensional verankern
Auffallend mag vielleicht der Aspekt erscheinen, dass in der Spalte Termin grösstenteils „ab sofort“ erscheint. Normalerweise werden in dieser Spalte Zeitspannen von Wochen bis Jahren eingetragen. In unserem Fall ist dies anders, denn die Anbieter müssen schnellstmöglich handeln um schon in der Aufbauphase von UMTS die Bevölkerung von der neuen Technologie zu überzeugen.
5.2 Früherkennung, Fortschrittskontrolle, Entwicklungsprozesse
Problemlösungen umsetzen und verankern 23
Arbeit zitieren:
Andreia Farrér, 2001, UMTS - Die komplexe Problematik, München, GRIN Verlag GmbH
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