triellen Maschinen und Geldzahlungen, und zur ungewohnten Demokratie. Zu dieser Zeit herrschen im durch Gebietsabtretungen noch zusätzlich geschwächten Deutschland bürgerkriegsähnliche Zustände, nachdem Wilhelm II im Anschluß an die Novemberrevolution letzten Endes doch noch als Kaiser abgedankt hat, und die Parteien der im August 1919 in Kraft getretenen Weimarer Verfassung wissen sich nicht anders zu helfen als die Aufstände der links- wie rechtsextremistischen Gruppen mit Hilfe des alten kaiserlichen Militärs niederzuschlagen oder dazu selbst wiederum antidemokratisch eingestellte Freikorps einzuberufen. Das ist vor allem dadurch zu erklären, dass die Parteien in der kurz vor Ende des Krieges eingeführten konstitutionellen Monarchie so gut wie machtlos gewesen waren und den plötzlich an sie gestellten Anforderungen nicht gewachsen waren. Eine weitere soziale Belastung der Bevölkerung stellte auch die, infolge der Kriegsanleihen, entstandenen Schulden, die abermals auf sie umgewälzt wurde und so die Ersparnisse der gebeutelten Bürger ausradierte und schließlich im Höhepunkt, der schon kurz nach dem Krieg einsetzenden Inflation 1923, mündete. Der Steppenwolfroman befindet sich mit seinem Erscheinungsjahr 1927 in den „goldenen Zwanzigern“, also in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und einer Verbesserung der sozialen Situation, bedingt durch die Einführung der Rentenmark, ausländischen Anleihen in Kombination mit einer Reduzierung der Reparationszahlungen im Dawes-Plan. Bei den Wahlen 1924 zeigt sich deutlich, dass die Anziehungskraft, die, die radikalen Parteien auf die Wähler ausüben stark von deren sozialer Lage abhängt, denn die Wahlergebnisse zeigen eine Mehrheit von republikanischen Parteien. Aber die Wahl des verdienten, ehemaligen Mitglieds der obersten Heeresleitung von Hindenburg 1925 macht deutlich dass die rechtsradikalen Tendenzen unterstützt durch die Beibehaltung des alten Verwaltungsapparates weiterhin vorhanden sind und sich lediglich zu diesem gegenrevolutionären, antidemokratischen Umfeld die ersten Anzeichen einer Konsumgesellschaft und in diesem Zuge auch zunehmende Technisierung bemerkbar machen.
Mit diesem ungefährem Bild vom zeitlichen Umfeld, in dem Roman geschrieben wurde, gehe ich nun gezielt auf einige exemplarische Textstellen ein. Hier sei zunächst erwähnt, dass ich nach abermalige Lektüre des Romans zu dem Schluss
gekommen bin, dass er so unweigerlich und offensichtlich den zweiten Weltkrieg kommen sieht, so dass ich mich in der Beweißführung mehr auf die Art und Weise wie Hesse seine Kritik dem Leser verständlich zu machen versucht und auf die einzelnen Kritikpunkte seiner Kritik eingehe als um einen Beweiß durch das Aufzählen der zahlreichen Textstellen bemüht bin.
Ganz allgemein lässt sich sagen, dass Hesse auf mehreren Ebenen seine gesellschaftskritische Stellungnahme zum Krieg vornimmt. Es sind grobgesagt drei unterschiedliche Ebenen zu erkennen und zwar die Ebene der allgemeinen Wortverwendung, die Textstellen mit direkter Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen und expliziten Warnungen vor dem Krieg. Auf diese drei unterschiedlichen Herangehensweisens Hesses um seine offensichtlich kritische Einstellung zum Krieg zu unterbreiten soll nun unter Zuhilfenahme einiger treffender Beispiele näher eingegangen werden:
Im Verlauf des gesamten Romans kommen in relativ kurzen Abständen immer wieder einmal unscheinbar wirkende Ausdrücke vor die dem Wortfeld Krieg zuzuordnen sind. Zur besseren Illustration soll eine schlichte Aufzählung der meisten Stellen dienen, in denen in einer irgendwie gearteten Form auf Krieg und seine Auswüchse eingegangen wird: S.34, 36 ,45 ,60f ,69 ,90 ,103 ,105 ,108 ,118, 150ff ,167,175,194,200, 204,216,230ff,251. Diese Tatsache wird im weiteren Verlauf der Beiweißführung indirekt bewiesen werden. In Anbetracht der zahlreichen begrifflichen Querverweise auf den Themenkomplex Krieg fällt allerdings auf, dass solche Begrifflic hkeiten im Vorwort des Herausgebers (s. S. 7-32) gänzlich fehlen. Stellt man sich den Herausgeber als Prototyp des typischen Bürgers der damaligen Zeit vor so wie sich Hesse ihn vorstellt, kann dieses Weglassen mit Intention ebenfalls als Kritik infolge der Charakterisierung des bürgerlichen Herausgebers, gewertet werden. Dieses Weglassen lässt sich durch, die am Bürgertum kritisierte Gedankenlosigkeit, deren undifferenziertes Denken erklären. Infolgedessen ist es nur logisch, dass ein solcher Bürger nicht dazu fähig ist die Tendenzen im Land richtig zu deuten oder überhaupt erst zur Kenntnis zu nehmen. Der Herausgeber verwendet zwar Ausdrücke wie „Zeitkrankheit“(S. 31) und „Neurose einer Generation“( S. 30) benützt dieser aber nur im Zusammenhang mit der Person Harry Haller um dessen Seelenkrankheit erklären zu können. So wie
der Krieg sich im Roman in Wörtern die ihn beschreiben manifestiert scheint auch die Zeitsituation und das Denken der Menschen auf das Vorbereiten des nächsten Krieges (s. S. 103) ausgerichtet zu sein. Dieser Eindruck des über dem Roman wie auch über der Weimarer Republik schwebenden Damoklesschwertes Krieg wird noch dadurch verstärkt, dass in Harry Hallers Gedanken (s. S. 34) und seinen Gesprächen sowohl mit dem Professor (s. S. 103,108) als auch mit Hermine (s. S. 118,152) als feste und sicherlich eintreffende Größe in Deutschlands Zukunft gehandhabt wird. Es ist immer wieder vom „nächsten Krieg“ (S. 205) die Rede. Diese von Harry Haller vertretene Auffassung lässt sich auch, durch die real in der Weimarer Republik abgelaufenen Ereignisse, beweißen, auf die der Autor nochmals gesondert, durch einige Anspielungen oder Seitenhiebe, eingeht. So nennt Hesse zum Beispiel eins von Harry Hallers Stammlokalen „Stahlhelm“ (s. S. 36,204). Bei dem real existierenden Stahlhelm, Bund deutscher Frontsoldaten handelte es sich um einen antiparlamentarischen Wehrverband, der unter anderem für die Ermordung des damaligen Außenministers Walter Rathenau verantwortlich war und die Massenbasis für große Kampagnen darstellte, wie z. B. die Organis ation des Volksbegehrens gegen den Youngplan, die Weimarer Republik erschüttern sollten. Mit diesen Seitenhieben, die immer wieder im Verlauf des Romans auftauchen, erreicht Hermann Hesse einen zusätzlichen Blic kwinkel beim Leser auf das Geschehen im Roman selbst wird aber zudem auf die tatsächliche Lage in Deutschland aufmerksam gemacht. Außerdem wirkt dieses unscheinbare Auftauchen von Realität in Roman wie die Darstellung der immer größer werdenden Popularität des antid emokratischen Gedankenguts. Denn ohne sich dessen voll auf bewusst zu werden akzeptieren die Stammgäste des Lokals die Präsenz des Nationalsozialismus bzw. sein Festsetzen in den Köpfen oder Einstellungen vieler Menschen.
Darüber hinaus wird im Roman offen Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen geübt, wobei hier nur gesondert auf solche mit Bezug auf Krieg eingegangen werden soll. Da solche Kritik fast ausschließlich vom Protagonis ten Harry Haller geäußert wird wie ein solches direktes Kritisieren durch die Struktur und den Charakter des Protagonisten möglich wird. Besonders in den Manuskripten des Steppenwolfes S. 34-53 und S. 87-287 ist es Hermann Hesse möglich durch die
Realität wie sie der Ich-Erzähler erlebt ein Realitätsszenario zu schaffen, das es ermöglicht die Aspekte in der gesellschaftlichen Entwicklung, die dann auch zum Krieg geführt haben in kristallisierter Form von Kritik bzw. Realitätserleben Hallers darzustellen um dem geneigten Leser so einen besseren Blick auf die real existierenden kriegerischen Tendenzen ermöglichen zu können. Die Figur Harry Hallers scheint bisweilen zum Sprachrohr der politischen Ansichten Hermann Hesses selbst zu werden. Wobei aber zu beachten ist, dass Haller zumindest noch teilweise mit seinen Ansichten vom Bürgertum geprägt ist. Dies wird an seiner selbstanalytischen Bewertung deutlich, bei der er erkennt, dass auch er nicht die letzte Konsequenz aus seinen Erkenntnissen gezogen hat und sich nicht hat "an die Wand stellen und erschießen lassen“ (S. 167). Trotzdem oder gerade wegen dieser gesteigerten Kritikfähigkeit ist die Figur des Harry Haller geradezu prädestiniert auf einen nahenden Krieg hinzuweisen. Durch seine Außenseiterolle in der Gesellschaft hat er nicht zu befürchten irgendjemanden zu auf den Schlips zu treten bzw. deswegen um seinen Job bangen zu müssen. Außerdem verfügt er aufgrund seiner gedanklichen Grundkonzeption, sprich den überaus analytischen Verstand und vor allem die an Selbstverachtung grenzende Selbstkritik über einen „geschärften“ Blick für gesellschaftliche Missstände, die zu einem Krieg führen können und haben. Eine solche Einstellung Hallers wird seiner Behauptung, es gebe für ihn kein „>>Vaterland<<“ (S. 152), ein Schlagwort des wilhelminischen Zeitalters, mehr, deutlich. Wobei durch das Setzen der Anführungszeichen eine zusätzliche Distanz und Infragestellung des Begriffs und dessen Verwendung deutlich wird. Folglich behält eine solche Kritik ihre Glaubwürdigkeit und wirkt nicht konstruiert, wenn sie von so einem Menschen wie dem Steppenwolf und nicht etwa dem Professor in den Mund gelegt wird.
Als konkrete Kritikpunkte die im Roman erwähnt werden sind zunächst mehrere Bevölkerungsgruppen zu nennen, die fleißig den „nächsten Krieg vorbereiten“ (S. 152) sind wohl zunächst sämtliche, unmündige Bürger zu nennen, die sich erstens dem "common sense" unterworfen haben um nicht die Verantwortung des individuellen, eigenständigen Denkens auf sich nehmen zu müssen (s. S. 69) und zweitens so materialistisch eingestellt sind, dass sie folglich leicht zu ködern, ohne weiteres von Demagogen manipulierbar und im Krieg einsetzbar bleiben, sich also
„fabelhaft bewähren“(S. 205) werden. Haller stellt in seinem Gedicht „die Unsterblichen“ (s. 200f.) sogar die These auf es liege in der Natur des Menschen Kriege „(auszu)brüte(n)“. Auf diese Einstellung stützten sich die früheren Generäle (S. 151) und jetzt „beschäftigungslosen Offiziere“ (S. 108) und feilschen mit Kollektivlosungen und einfachen Lösungen der verspürten Orientierungslosigkeit, indem sie sich mit ideellen Werten wie dem „Vaterland“ dekorieren (S. 152), sie sich zu eigen und Nutzen machen. Ganz ähnlich verhält es sich mit den vermeintlichen Intellektuellen, die als „politisch unreif“ (Mileck, S.243) entlarvt werden. Das Ganze geht dann sogar so weit, dass sie „im besten Glauben“ (St, S.118) ihre Talente einsetzen das Volk „zu belügen“(S. 118) und sich trotz ihrer höheren Fähigkeiten ebenfalls voll Patriotismus zu „unverdaut(en)“ (S. 45) Kollektiv-Lösungen namens Faschismus oder Marxismus hinreißen lassen, der ihnen täglich von den meinungsbildenden Zeitungen aufgetischt wird. Die Art wie Zeitungen geschriebenen werden stehen zunächst ganz allgemein für die Lage eines Kulturausverkaufs, nennen aber auch den Grund in für die geringe Qualität im Inhalt der voll „alternder Ideologien“ (S. 151) ist. Die Zeitungen sind zur bloßen Plattform zur massenwirksamen Verbreitung zahlreicher Dolchstoßlegenden verkommen. So werden die Zeitungen selbst zum kriegsbegünstigenden Medium indem sie die sowieso schon vorhandene Unzufriedenheit der Bevölkerung auf und schürt diese noch zusätzlich, macht also die Bürger noch unzufriedener und anfälliger für die Radikalisierung. Bei der Szene beim Professor wie auch bei einem Gespräch mit Hermine ist vom „vaterlandslose(n) Gesellen“ (S.105, 151) die Rede, was einerseits die angekreidete Austauschbarkeit solcher „Schmähartikel“ (S.150) bestätigt andererseits durch die Verwendung der indirekten Rede beim Aufzählen der vorgebrachten Argumente gleic hzeitig deren Scheinlogik offenbart und Hallers These bestätig, dass es lediglich „einer einzigen Stunde Nachdenkens“ (S. 152) bedarf um „dasselbe Ergebnis (zu) finden“(S. 152).
Um direkt vor dem „nächsten Krieg“ warnen zu können bedient sich Hesses auch des Mittels der expliziten, durch entsprechenden Sprachgebrauch unterstrichenen, direkten Darstellung der Schrecken des ersten Krieges, die schon in Vergessenheit geraten zu sein scheinen, wenn man das eifrige Hinarbeiten auf einen weiteren Krieg zu dieser Zeit betrachtet. Zwar finden sich im Verlauf des Romans immer
wieder Quer- oder Rückverweiße auf den ersten Weltkrieg, dieser wird aber nie mit solch sprachlicher Direktheit vorgebracht wie das auf Seite 250 der Fall ist. Der mit den einleitenden Worten „Oh Freunde, nicht diese Töne!“ beginnende Abschnitt besteht einzig und allein aus detaillierten Beschreibungen der Kriegsopfer. Bei diesem Zitat handelt es sich um einen 1914 von Hesse verfassten Aufsatz in der Neuen Züricher Zeitung, der sich gegen den beginnenden ersten Weltkrieg wandte, trug ebenfalls diese Überschrift (Materialien zum Steppenwolf, S. 336). Diese abermals autoboigraphische Stelle dient zwar im direkten Romankontext dem Herausstellen der Einsicht Harry Hallers, dass jeder Mensch zum Töten fähig ist andererseits zeigt es dennoch die Begleiterscheinungen eines Krieges in all seiner Deutlichkeit. Außerdem gelingt so durch die Härte der Sprache und die Gewalt der Bilder, z.b. „ineinander verknäuelte() Leichname“ eine Erinnerung an die Gräuel und das Leid des Krieges und hoffentlich im Anschluss, daran beim Leser ein genügend großer Grund gegen eine Wiederholung der Geschehnisse einzutreten.
Im Zuge der anklagenden Warnungen im Roman stellt die Groteske „Hochjagd auf Automobile“ (S. 230) eine weitere Vision Harry Hallers während seines Besuches im „magischen Theater“ als Abschluss und Höhepunkt der Entwicklung und des Romans dar. Im Verlauf der Geschehnisse bei denen Harry Haller seinen Jugend-freund wiedertrifft und die beiden gemeinsam in einem Kriegszenario, in dem sich die Maschinen gegen die andere Partei der Menschen aufgelehnt haben und nun einen erbitterten Krieg gegeneinander führen, ohne auf einer der beiden Seiten zu stehen, im Verlauf der Vision Autos und Menschen gleichermaßen zerstören. Das allgemein enthemmte Umfeld des magischen Theaters lässt auch hier einen offeneren Umgang mit der Problematik der Kriegsangst zu. Es wird außerdem deutlich welchen Stellenwert der Autor diesem Komplex zuspricht, denn er fasst ihn als Teil von Harrys zahlreichen Persönlichkeitsfacetten oder Komponenten seines Bewusstseins auf und erwähnt diesen gesondert. Hesse greift hier das Thema der „sich verselbständigten Maschine“(Huber, S. 106) auf, dem sich bereits vor ihm Autoren wie Ernst Toller „die Maschinenstürmer“ 1922 gewidmet haben und setzt dieses in einen neuen Kontext. Denn was zur Zeit der Romantik noch Schrecken- szenarien waren, hatten bereits ihre realen Entsprechungen in der „Vernichtungs-
maschinerie“ (Huber, S. 106) des ersten Weltkriegs gefunden. Auch hier wird wieder deutlich welche Bedeutung besonders auf den ersten Seiten bei der allgemeinen Beschreibung des Kriegsszenarios der Sprache zukommt. Hierbei handelt es sich wie im zuvor genannten Beispiel um eine sehr konkrete Sprache, die sich in der Benutzung der Adjektivgruppe „zerschmissenen,verbogene,halbverbrannte" (S. 230) äußert. Diese Adjektive geben mit dem ihnen innewohnenden Gewaltpotential die Zerstörung wieder ebenso verhält es sich mit den „Toten und Zerfetzten“ (St, S.230), die überall herum liegen. Sie sollen einen Eindruck von den wahren Kriegswirren vermitteln. Bei Betrachtung der Aussageabsicht handelt es bei dieser Textstelle wohl um die deutlichste aber dennoch durch Verfremdung verschlüsselte Warnung vor dem Krieg. Die Verschlüsselung besteht vor allem noch in der Verfremdung der normalen Wirren und Auswüchse des Krieges in eine industrialisierte und technisierte Welt in der unpersönliche Maschinen mit den „schönduftenden Reichen“ (S. 230) koalieren und gegen die anderen Menschen kämpfen. Hier sei nur am Rande erwähnt, dass Teilaspekte in der Beschreibung dieser Endzeitstimmung sich bereits 1929 zu bestätigen scheinen. Denn seit diesem Datum fordert der Reichsverband der Deutschen Industrie unter anderem die unbeschränkte Herrschaft der Unternehmer in Deutschland, die Ausschaltung staatlicher Stellen aus dem Tarifwesen etc. Darüber hinaus waren es Industrielle wie Krupp oder von Schnitzler die am 20.2.1933 beschlossen Hitler mehrere Millionen Reichsmark zu Verfügung zu stellen.
Als zusammenfassende Bewertung soll nun eine Verbindung zwischen den kriegsbegünstigenden Aspekten die Hesse ankreidet und den realen Ursachen die zum zweiten Weltkrieg führten, geschaffen werden. Als reale Faktoren die zum zweiten Weltkrieg führten grundsätzliche können hier drei Bereiche unterschieden werden: Unter dem materialen Bereich sind Gründe wie die Bestimmungen des Versailler Vertrages und seine wirtschaftlichen wie auch sozialen Belastungen zählen, die Vergangenheit im Obrigkeitsstaat unter preußischer Vorherrschaft und damit auch die immer noch vorherrschende Staatsgesinnung etc. zusammengefasst. Der personale Bereich umfasst vor allem die persönlichen (Fehl-)Entscheidungen der
politischen Verantwortlichen, wie zum Beispiel die Einschätzung Friedrich Eberts, die Soldaten und Arbeiterräte, die in der Tat für kurze Zeit großen Einfluss hatten, würden ein Gegengewicht zu der monarchischen Reichswehr darstellten und mit dieser Einschätzung den alten Verwaltungsapparat und die Militärs in ihren Ämtern belies. Allerdings verloren besagte Räte schnell ihren Einfluss und es herrschte fortan ein rechtes Vakuum welches sich auch in der unterschiedlichen Rechtsprechung im Bezug auf links- bzw. rechtextremistisch motivierten Straftaten oder Putschversuchen. Der letzte Problemkomplex lässt sich mit formaler Bereich betiteln. Damit sind die verfassungsrechtlichen Grundlagen gemeint die es der Entwicklung von politischer Stabilität in der Weimarer Republik erschwerten und es schließlich der NSDAP erleichterten den Staat legal auszuhöhlen. Hierbei handelt es sich z.b. um das reine Verhältniswahlrecht, das die Existenz von vielen Splitterparteien zuließ und so die Koalitionsbildung erschwerte oder die Artikel 25 und 48, die dem Reichspräsidenten unausgewoben viel Macht zusprach und das spätere Präsidialsystem infolge seiner Möglichkeit mit Notverordnungen zu regieren, begünstigte. Es ist natürlich schwer zu entscheiden in welchem Ausmaß Hesse diese Tendenzen erkannt hat oder inwieweit es überhaupt für einem Zeitgenossen möglich war das tägliche Zeitgeschehen richtig zu erkennen und in Ric htung Krieg hin zu deuten. Aber es steht außer Frage, dass im Roman Erkenntnisse enthalten sind die sich auf die allgemeine Stellung dieser Zeit im Ablauf der Jahre handelt, denn so wie es im Roman mit „Neurose (einer) Generation“ (S. 30) angesprochen wird, so weißt die Zeit der Weimarer Republik so unterschiedliche Strömungen wie Wilhelminismus und Amerikanisierung aufeinander. Aber ebenso wird das politische Tagesgeschehen kommentiert und auf die antidemokratischen Organe der Regierung, wie der Stahlhelm-Bund als Symptom des sich immer weiter verbreitenden Nationalismus, eingegangen. Teilweise hat Hesses Kritik sogar eine Dimension die über das bloße Kritisieren der aktuellen Lebenssituation hinaus geht und man fast schon sagen kann er kritisiert die Natur des Menschen selbst, die, wie von Hesse diagnostiziert, schlimmsten Falls zu einem neuen Krieg führen kann. Zwar bezieht sich die Anklage des verantwortungslosen aber massenwirksamen Umgangs der Menschen mit den Zeitungen auf das damalige Zeitgeschehen aber könnte Hesses Kritik heute nicht ebenso für das Fernsehen
gelten? Denn nach wie vor sind viele Menschen infolge mangelnder Bereitschaft nachzudenken anfällig für die Interessen der Großkonzerne oder der möglicherweise machthungrigen Politiker egal ob sie nun von den Printmedien oder dem Fernsehen, das nur das zeigt was die Zuschauer sehen wollen, beeinflusst werden. Dass es sich bei diesen Textstellen auch wirklich um eine absichtliche Änderung hin zur Kritik an der Kriegsbesessenheit handelt und nicht etwa um eine Interpretation im nachhinein in diese Richtung mit dem zweiten Weltkrieg im Gedächtnis, lässt sich am Beispiel des Gasthauses zum Stahlhelm verdeutlichen. Denn auch dieses Lokal findet aufgrund, des durchaus autobiographischen Anspruchs des Werks, seine Entsprechung in Hesses Leben. Allerdings trug die Kneipe in Basel 1924, dem Jahr in dem Hesse mit der Arbeit am Roman „der Steppenwolf“ begonnen hat, den Namen „zum Helm“ (Materialien zum Steppenwolf, S. 156). Es muss sich also folglich um eine absichtliche Namensveränderung gehandelt haben, um so an die Praktiken dieser Vereinigung erinnern zu können.
Als abschließende Beobachtung soll noch erwähnt werden, dass auch im Bezug auf Hesses kritische Anwandlungen eine Parallele in Goethes Faust I finden lässt. Denn in der Szene "Hexenküche" bewertet die Figur des Mephistopheles ebenfalls das Verhalten des Königs im Vorfeld der Französischen Revolution 1789, in dem er zunächst das tatsächliche Verhalten des Königs im Verhalten mit den Meerkatzen (Goethe, V.2390-2428, 2447-2465) nachspielt und dann in seinem späteren Verhalten der Hexe (Faust, V. 2475-2517) gegenüber eine Lösungsalternative anbietet. Obwohl es sich bei Goethe um eine nachträgliche kritisierende Bewertung handelt und Hesse sogar die Fähigkeit bewiesen hat mit seinen Äußerungen dank der geschichtlichen Entwicklung richtig gelegen zu haben. Dennoch wird bei beiden Autoren der Anspruch deutlich ihrer Werke auf mehreren Ebenen ablaufen zu lassen. Vom heutigen geschichtswissenschaftlichen Standpunkt aus natürlich einfach die Ursachen des Krieges zu benennen dennoch ist es Hermann Hesse hoch anzurechnen diese Tendenzen und teilweise auch einige der Ursachen bereits vor dem zweiten Weltkrieg erkannt zu haben. Daran wird eigentlich schon deutlich, dass man die Schriftsteller zurecht als das Gewissen der Menschen bezeic h- nen kann. Allerdings liegt es dann immer noch in der Verantwortung der Leser die
entsprechenden Konsequenzen aus den mit Hilfe der Lektüre eines betreffenden Buches zu ziehen.
Sekundärliteratur:
Volker Michels -Materialien zu Hermann Hesses „Der Steppenwolf“, Suhrkamp Verlang
Felix Huber- Der Steppenwolf, Interpretationen Hermann Hesse Romane, Reclam Verlag
Joseph Mileck- Hermann Hesse, C. Bertelsmann Verlag
Arbeit zitieren:
Kerstin Iffland, 2001, Hesse, Hermann - Steppenwolf - Warnungen im Steppenwolf vor einem 2.Weltkrieg, München, GRIN Verlag GmbH
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