das Lehrer-Schüler-Verhältnis sehr distanziert. Dieser strengen und steifen Erziehung widersetzten sich viele aus der Klasse, doch Georg Trakl verhielt sich ruhig, obwohl er sehr darunter litt. Von den anfänglich 41 Schülern der Klasse stiegen nur 22 in die fünfte auf, 5 wiederholten, der Rest verließ die Schule nach der vierten. 1905 machten 14 die Reifeprüfung, jedoch verließ Georg Trakl schon vorher die Schule, nachdem er nach der vierten noch die siebte Klasse wiederholen sollte. Man weiß aber nicht, ob er dies aus „Überdruss“ oder aus „Überforderung“ tat.
Schon vorher hatte er immer eine gewisse Sonderstellung in der Klasse, weil er der einzigste Protestant war. Die Jugend von Georg Trakl war stark geprägt von seiner schlechten schulischen Laufbahn. Der gesellschaftliche Druck, besonders von Seiten der Eltern, die von ihm einen ordentlichen Beruf und eine akademische Berufsausbildung verlangten, belastete ihn sehr. Von Mitschülern wurde Georg Trakl als „Sonderling“ beschrieben. Oft war er in gebückter Haltung, nachdenklich, mit grübelndem Blick, suchend, verloren, starrsinnig und oft mit widerspenstigem Spott in seinen Mienen. Er soll aber auch viel gewiefter und allen voraus gewesen sein. Seine Lehrer sagten über ihn, dass er schwierig sei und den Unterricht nur interessant fände, wenn er zu „oppositionellen Äußerungen veranlasst werde“, was genau seiner inneren Auflehnung gegenüber allem Normalen in seinem Leben und der Gesellschaft entsprach. Aus seiner düster-pessimistischen Haltung heraus und seinem sehr großen Bedürfnis zur Auflehnung war auch seine Vorliebe für Werke von Henrik Ibsen und Nietzsche zu erklären. Diese galten allerdings bei den Lehrern als „Jugendverderber“. Auch die katholische Kirche fand das Benutzen solchen Materials im Unterricht nicht gut. Trotzdem war Georg Trakl ein großer Nitzscheverehrer. Denn genau wie er, lehnte sich Nitzsche gegen die „Unwahrhaftigkeit seiner Zeit“ und gegen die „verlogene Gesellschaftsmoral und das Erstarrtsein in oft gedankenloser Gewohnheit“ auf. Allerdings konnte Nitzsche aber auch genauso gut auf Ablehnung von Trakl stoßen. Außerdem hatte Georg Trakl eine Vorliebe für die Werke von Dostojewsky, Höldelin, Hofmannsthal und für die der französischen Dichter Baudelaire, Rimbaud und Verlaine. Unter deren Einfluss entstanden erste Gedichte und Kurzgeschichten, die er vor Gleichgesinnten im Dichterverein „Apollo“ (später „ Minerva“) vortrug. Diese Autoren verurteilten und zweifelten die Ideale, mit denen er in der Familie aufgewachsen ist, genauso an wie er. So entwickelte sich Trakl immer mehr zum „Protestant“ und zeigte das äußerlich z. B. durch pomadisiertes Haar, lange Koteletten und modische Anzüge, aber vor allem zeigte er dies durch seine dichterischen Werke.
Der innerfamiliäre Konflikt und das Gefühl „des nicht verstanden seins“ trieb Trakl schließlich in Suchtverhalten. Zunächst fing er an mit Süßigkeiten, dann Zigaretten und Alkohol, Chloroform, schließlich starke Beruhigungstabletten und letztendlich Kokain. Sein jüngster Bruder Fritz sagte, dass Georg schon früh mit Drogen begonnen hat. Außerdem war es damals in literarischen Kreisen nicht unüblich Drogen zu nehmen um gewisse Gefühlskomponenten zu verstärken. Aber für Trakl war der Auslöser eher die Fluchtmöglichkeit vor der Realität und um innere Spannungen zu mildern, seine Selbstsicherheit zu steigern und die großen Berührungsängste abzubauen. Zudem nahmen seine Mutter und seine „Lieblings“-Schwester Grete auch schon Drogen. Die Außenwelt und seine Familie betrachteten ihn immer mehr als Sonderling und Spinner. Seine Äußerungen über Selbstmordabsichten führten erst recht in der Familie zur Verunsicherung und Ratlosigkeit. So drängte der Vater noch mehr auf die Ausbildung zum Apotheker. Letztendlich begann Georg Trakl 1905 die Ausbildung in der Apotheke „Zum weißen Engel“ und sah als angenehme Nebenerscheinung die Möglichkeit, dort leicht an Drogen zu kommen. 1908 schloss er diese ab, und zog nach Wien, um Pharmazie zu studieren. Anfangs fühlte er sich in Wien überhaupt nicht wohl, doch änderte sich dies in Abhängigkeit von seiner Stimmung. In dem Jahr 1910, wo sein Vater starb, erwarb er sein
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Magistergrad und trat als Einjähriger Freiwilliger Sanitäter den Militärdienst in Wien an. 1911 wurde er zum nichtaktiven „Landwehrmedikamentenakzessisten“ ernannt. Die folgenden Jahre waren von finanziellen Schwierigkeiten geprägt und der vergeblichen Suche nach einer bürgerlichen Existenz, was sich in seinen Werken auch immer in seinen Gedichten wiederspiegelte. Er ging kurzfristig in seine alte Apotheke zurück, denn schon im April 1912 begann er einen sechsmonatigen Probedienst in der Apotheke eines Garnisonsspitals in Innsbruck. Diese brach er jedoch nach einem Monat ab und wurde wieder in die Reserve zurückversetzt. In der Zeit wohnte Georg Trakl bei der Familie von Ludwig von Ficker. Von Ficker war Herausgeber der Zeitschrift „Der Brenner“, in der er auch viele Gedichte von Georg Trakl veröffentlichte. Außerdem bot er Georg Trakl finanzielle Hilfe an und war auch später wichtigster Förderer des dichterischen Erbes Georg Trakls. Genau wie auch in Wien fühlte er sich anfangs überhaupt nicht in Innsbruck wohl, doch änderte sich auch dies.
Georg Trakl wechselte jetzt häufig seine Anstellung, da seine seelische Verfassung und auch die Dauerschädigung durch Alkohol und Drogen eine ständige Berufsarbeit nicht zuließen. Er war zu dem noch auf finanzielle Unterstützung seiner Geschwister angewiesen, was wiederum zu seiner depressiven Stimmung führte. Auch Reisen, die seine wenigen Freunde ihm ermöglichten, brachten ihn nicht aus seinem Tief heraus. Ein großer Schlag für ihn war auch die Fehlgeburt seiner Schwester Grete im März 1914. Seine Verzweiflung ließ er dann in sein Gedicht „Abendland“ einfließen
Bei Kriegsbeginn wurde Trakl als Reservist eingezogen. Seine Einheit wurde in Galizien stationiert und erstmals in der Schlacht von Grodek (8.-14.7.) eingesetzt. Nach dieser Schlacht musste er 90 Schwerverletzte ohne Medikamente und ärztliche Hilfe versorgen. Er wurde zudem noch Zeuge von mehreren Selbstmorden, und weil er mit diesem Schrecken nicht fertig wurde, versuchte er schließlich selbst sich das Leben zu nehmen. Daraufhin wurde er zur Beobachtung seines geistigen Zustandes in das Garnisonsspital in Krakau eingewiesen, wo ihn Ludwig von Ficker das letzte mal besuchte. Am 3.11.1914 starb Trakl an Herzlähmung und als Todesursache wurde eine Überdosis Kokain festgestellt. Trakl wurde auf dem Friedhof in Krakau begraben und 1925 werden seine Überreste nach Innsbruck überführt.
POETIK
Die literarische Entwicklung Trakls wird in vier Werkphasen gegliedert. In der ersten Phase fällt das noch im Zeichen von Impressionismus und Jugendstil stehende Frühwerk „Sammlung 1909“. In den Gedichten der zweiten Phase beginnt Trakl mit seiner bildhaften Manier, die in vier Strophenzeilen vier einzelne Bildteile zu einem einzigen Eindruck zusammenschmiedet. Die dritte Phase (1912-1914, „Sebastian im Traum) ist durch den eigentlichen „Trakl-Ton“ gekennzeichnet. Er verzichtet jetzt auf ein festes Metrum, auf Endreim und einheitliche Strophenform, er löst sich vom Reihungsstil zugunsten zeilenüberschreitender Handlungsabläufe oder Zustände. In der vierten Phase (1914) erreichen die Gedichte das Extreme, der Schauplatz verlagert sich von Hügel- und Ebenen-Landschaft ins unwirkliche Gebirge und die Verse werden verkürzt. Trakl spricht in seinen Gedichten oft von Verfall und Verwesung und bediente sich zweier Bildbereiche. Einerseits einen hellen, idyllischen und andererseits einen düsteren, die sich oft auch innerhalb eines Gedichtes überschneiden. In seinem letzten Lebensjahr, wo sich seine Menschenverachtung und -scheu steigerte, stand er dem Tier immer näher, das in seiner Dichtung Chiffre für das Schuldlose, vom Menschen Geopferte ist. Obwohl er ja sehr gläubig war, lässt er Gott und die Engel in den Gedichten schweigen. Auch typisch für Trakls Gedichte ist die Farbensymbolik, die nur im Textzusammenhang erklärt werden kann. Die Lyrik war vor allem Ausdruck der Konfrontation mit dem Grauen und der Sehnsucht nach einer heilen Welt, die er in der Natur suchte.
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WERKE 1905 Totentag ( Drama ) 1906 Fata Morgana ( Drama ), Traumland, Maria Magdalena, Barrabas und Verlassenheit 1906-1908 Don Juans Tod 1910 Ein Puppenspiel
1909-1912 Musik im Mirabel, Kleines Konzert, Vorstadt im Föhn 1909-1913 Gedichte ( u. a. Die schöne Stadt, Im Winter, Psalm, Verfall, Helian, Die Ratten )
1913-1915 Sebastian im Traum, Gedichte ( u. a. Elis, An den Knaben Elis, Ein Winterabend, Kaspar Hauser Lied, Grodek, Offenbarung und Untergang )
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