Maßnahmen, die das gestiegene und immernoch steigende Umweltbewußtsein in der Beschaffung aufzeigen, sind folgende. Während der Einkauf in früheren Zeiten stur die Einsatzstoffe und Produkte bestellte, die angefordert wurden, ohne sie auf deren Umweltverträglichkeit hin zu überprüfen, findet heutzutage eine Absprache mit den anfordernden Abteilungen statt, ob nicht auc h weniger umweltbeeinflussende Einsatzstoffe verwendbar wären.
Den größten Einfluß auf die Umwelt hat die Produktion einer Unternehmung. Deshalb arbeitet der Beschaffungsbereich eng mit der Konstruktion und Fertigung zusammen. Schon während ein neues Produkt geplant wird, überlegen die Abteilungen gemeinsam, ob eine ressourcenschonendere Produktion möglich wäre, ob nicht auch umweltverträglichere Alternativen zu umweltschädlichen Einsatzstoffen denkbar wären usw. Natürlich wird auch bei der Beschaffung von nicht in der Produktion verwendeten Materialien, wie z.B. Büromaterialien auf Umweltschutz geachtet. So werden in Unternehmungen heutzutage z.B. meist wieder auffüllbare Druckerpatronen verwendet, anstelle der Wegwerfpatronen.
Durch das gestiegene Umweltbewußtsein haben sich auch die Kriterien des Einkaufs bei der Lieferantenbewertung verändert. Während es im Rahmen der „ABC-Analyse“ noch vor einigen Jahren beispielsweise für einen „A-Lieferanten“ genügte, dass der Lieferant preisgünstig war und die von ihm bezogenen Produkte der gewünschten Qualität entsprachen, so sind heutzutage weitere wichtige Kriterien, ob die Produkte wiederverwertbar, abbaubar, Einzelteile austauschbar sind, bedeutsam geworden. Weitere in den Vordergrund gerückte Kriterien sind die Verpackung der Produkte und ob der Lieferant in der Nähe des Unternehmens ansässig ist. Der Einkauf bemüht sich Produkte zu beziehen, deren Verpackung wiederverwendbar ist. Auch leihweise Verpackungen, die also an den Lieferer zurückgegeben und von diesem erneut genutzt werden , werden von Lieferanten immer häufiger angeboten. Ist der Lieferant in der Nähe des Unternehmens ansässig, so ist der Weg der Anlieferung nur kurz und der Transport verursacht keine Umweltbelastung. Auch das Transportmittel, mit dem die zu beschaffenen Güter transportiert werden, spielen bei der Beschaffung eine Rolle. So ist ein Transport per Bahn umweltschonender als per LKW. Mittlerweile ist es auch üblich, dass Einkaufsabteilungen umweltbezogene Lieferantenumfragen machen. Bei diesen Umfragen, müssen die Lieferanten beispielsweise angeben, ob und in welchem Umfang sie in ihrem Unternehmen Umweltmanagement betreiben. Es wird erforscht, ob sie auf die Auswahl ihrer Einsatzstoffe und auf umweltschonende Fertigungsverfahren achten. Aufgrund dieser Umfragen werden die Lieferanten bewertet und das Kriterium des Umweltbewußtseins der Lieferanten fliesst wiederum in die bereits erwähnte „ABC-Analyse“ der allgemeinen Lieferantenbewertung als Kriterium mit hoher Gewichtung ein.
Durch das gestiegene Umweltbewußtsein beim Beschaffungsverhalten treten natürlich auch Schwierigkeiten auf. So ist es beispielsweise sehr aufwendig einen Bewertungsfragebogen für Lieferanten zu entwerfen und diese anschließend auszuwerten. Auch fordert das Umweltbewußtsein oft einen höheren Preis. So sind umweltfreundliche Produkte oft teurer als die Umwelt belastende. Wird das Kriterium Umweltschutz bei der Lieferantenbewertung zu einer Priorität, so müssen z.B. höhere Preise in Kauf genommen werden, wenn z.B. ein Lieferant in unmittelbarer Nähe des Unternehmens ansässig ist, was aufgrund des kurzen Transportweges positiv zu bewerten ist, der Preis des benötigten Produktes aber wesentlich höher ist, als von einem Lieferanten der seinen Geschäftssitz beispielsweise einige hundert Kilometer entfernt hat. Hier zeigt sich, dass das gestiegene Umweltbewußtsein im Zielkonflikt mit anderen Zielsetzungen der Unternehmung, wie Kostenminimierung, steht. Außerdem müssen umweltverträgliche Einsatzstoffe die gleiche Qualität haben, wie die zuvor eingesetzten, schädlicheren. Denn wird hier zugunsten des Umweltbewußtseins die Qualität
vernachlässigt, so wird die Unternehmung dies anhand von Beschwerden von Kunden zu spüren bekommen. Durch den Einsatz teurerer, umweltfreundlicher Produkte ist die Unternehmung des weiteren gezwungen, diese Kosten an ihre Kunden weiterzugeben, gerade hier zeigt sich, dass eine Preiserhöhung aber nur bei gleichbleibender oder besserer Qualität der umweltverträglichen Produkte vertretbar ist.
Die beschriebenen Schwierigkeiten und Zielkonflikte machen deutlich, dass sich die Gewohnheiten sowohl in der Beschaffung als auch in der gesamten Unternehmung geändert haben oder noch ändern müssen. Zum Umweltmanagement und gegebenenfalls auch zur Inkaufnahme von Gewinneinbußen zugunsten des Umweltschutzes werden Industrieunternehmungen also verpflichtet, wenn sie weiterhin wettbewerbsfähig bleiben wollen. Anna Maria Wösthoff
Arbeit zitieren:
Anna M. Wösthoff, 2001, Das gestiegene Umweltbewußtsein beim Beschaffungsverhalten einer Industrieunternehmung - Vorgaben, Maßnahmen, Schwierigkeiten, München, GRIN Verlag GmbH
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