Mehrphasengleichrichter Literaturverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Auswahlbegründung 3
2. Autor 3
3. Inhaltsangabe. 4
4. Interpretationsversuch. 5
4.1. Formanalyse. 5
4.1.1. Textart. 5
4.1.2. Sprache und Aufbau 5
4.1.3. Erzählperspektive 5
4.1.4. Überschrift. 5
4.2. Inhaltsanalyse 6
4.2.1. Zeit, Ort und Raum der Handlung. 6
4.2.2. Handlungsanalyse 6
4.2.3. Personencharakterisation 6
4.2.4. Kommunikationssituation. 7
4.3. Kernaussage 8
Die Kernaussage und die Überprüfung der Problematik an der Realität 8
5. Grafiken. 9
6. Quellenangaben. 10
7. Unterschriften 11
Mehrphasengleichrichter Literaturverzeichnis
1. Auswahlbegründung
Storms Novelle "Der Schimmelreiter" haben wir in der Ferberschen Buchhandlung in Gießen ausgewählt. Durch den ungewöhnlichen Titel "Der Schimmelreiter" sind wir auf dieses Buch aufmerksam geworden. Es ist ein kleines, damit leicht transportfähiges Buch, was vom Leseinhalt nicht zu kurz und nicht zu lang ist und zudem über einen bekannten Autor verfügt. "Der Schimmelreiter" ist recht gegensätzlich zu Lessings "Nathan der Weise", da "Der Schimmelreiter" leichter lesbar und verständlicher ist, und sowohl die sprachliche Ausführung als auch der Inhalt sich deutlich voneinander unterscheiden. Außerdem möchten wir etwas über das Land und die frühere Lebensweise der Leute im Norden erfahren, da diese Geschichte in Nordfriesland spielt. "Der Schimmelreiter" und "Nathan der Weise" sind beide vom Verlag Philipp Reclam und damit äußerlich recht identisch. Der Preis ist mit nur 6 DM sehr günstig.
2. Autor
Hans Theodor Woldsen Storm wurde am 14. September 1817 in Husum als der Älteste von dreizehn Kindern des Advokaten Johann Casimir Storm und seiner Gattin Lucie Woldsen geboren. Theodor Storm verbrachte in seinem Elternhaus eine sorglose Jugend. Das elterliche Haus in der Husumerau waren zunächst die Welt, in der er stille Stunden verbrachte oder mit seinen Geschwistern herumtobte. Die eigenartige Landschaft wirkte mit aller Macht auf den jungen Menschen, der dieses Stück Erde über alles liebte und unglücklich war, wenn er seine Heimat verlassen mußte. Aber nicht alleine die weite Landschaft und die graue Stadt mit ihrer großen Vergangenheit waren es, die dem Jungen frühe Anregungen boten, sondern auch die Sagen und Märchen dieser Gegend, die seine Großmutter und ganz besonders die "Märchenfrau" Lena Wies meisterhaft erzählen konnten. Nach der Volksschule ging er auf eine Gelehrtenschule, auf der er jedoch nicht sehr viel lernte, auch in literarischer Hinsicht nicht. In Lübeck vollendete er seine Gymnasialstudien und erlangte auch literarische Bildung. Auf Wunsch des Vaters studierte der Zwanzigjährige in Kiel, später in Berlin, zuletzt aber wieder in Kiel Rechtswissenschaft. Im Jahre 1843 kehrte Storm nach Husum zurück, um sich dort als Rechtsanwalt niederzulassen. Zwei Dinge sind es, die den Dichter in den folgenden Jahren maßgebend beeinflussen. Es sind die Liebe zu seiner Base Constanze Esmarch und die Schönheiten der Heimat. Neben dem großen Erlebnis der Liebe war es die Schönheit der Natur, die den Dichter formte. Die reiche Marschlandschaft, das Meer und die Heide wurden in dieser Zeit von Storm entdeckt. Seine ersten Erzählungen sind einfache Bilder aus dem bürgerlichen Leben. Im Jahre 1880 bezog der Dichter seinen Ruhesitz, um hier gerade seine bedeutendsten Novellen, als letzte und schönste den Schimmelreiter, zu schreiben. Öfter verließ er Hademarschen um seine Verwandten und Freunde in Berlin, in Weimar, vor allem aber in Husum zu besuchen. Sein siebzigster Geburtstag brachte ihm zahlreiche Ehrungen aus allen Teilen Deutschlands. Bald darauf warf ihn ein böses Krebsleiden, an dem er schon lange litt, endgültig nieder. Am 4. Juli 1888 verließ ihn das Leben. Wenige Tage später wurde der tote Dichter nach Husum gebracht, um in der Familiengruft beigesetzt zu werden. [Abbildung von Theodor Storm: Siehe Seite 9]. (vgl. Gerd Eversberg: Erläuterungen zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter", Seite 6-25) (vgl. Kulturstiftung der Länder: Die Storm - Handschriften aus dem Nachlaß von E. Storm) (vgl. Georg Bollenbeck: Theodor Storm - Eine Biographie)
Mehrphasengleichrichter Literaturverzeichnis
3. Inhaltsangabe
Einst reitet ein Geschäftsmann bei Unwetter an einem Deich entlang in die Stadt. Auf dieser Reise erscheint ihm mehrere Male eine gespenstische Männergestalt, die auf einem Schimmel lautlos an ihm vorbeireitet. Wenig später kommt er in einen Gashof, in dessen Stube der Deichgraf und die Gevollmächtigten eine Versammlung abhalten. Der Neuankömmling erzählt sein Erlebnis vom Deich. Plötzlich meint einer, dass dies nur der Schimmelreiter gewesen sein könne. Neugierig geworden fragt er, was es denn für eine Bewandtnis mit dem Schimmelreiter auf sich habe. Auf Aufforderung des Deichgrafen hin beginnt ein Schulmeister zu erzählen: "Einst leben der kluge und gebildete Kleinbauer Tede Haien und sein Sohn Hauke auf einem kleinen Bauernhof in Nordfriesland. Hauke hat den Drang nach Weiterbildung von seinem Vater geerbt. Um Hauke auf andere Gedanken zu bringen wird er zu den Deicharbeitern geschickt. Hauke lebt sehr zurückgezogen. Anstatt sich mit Freunden zu verabreden, geht Hauke oft auf den Deich hinaus. Er erkennt, dass die Deiche falsch konstruiert sind. Nachdem Hauke einen Kater einer alten Frau erwürgt hat, beginnt er bei dem Deichgrafen Volkerts als Kleinknecht zu arbeiten. Hauke steht dem Deichgrafen in allen Amtsgeschäften zur Seite. Er verliebt sich in die Tochter Elke des Deichgrafen. Währenddessen werden die Differenzen zwischen Hauke und dem Großknecht Ole Peters immer größer. Ein Jahr später kündigt Ole Peters seinen Dienst und heiratet. Hauke rückt zum Großknecht auf, allerdings kann er diese Stellung nicht lange halten, da sein alter Vater nicht mehr den Hof selbst führen kann und bald stirbt. Kurz vor seinem Tod übergibt der Vater Hauke seine neuerworbenen und ersparten Vermögenswerte und bestärkt ihn im Vorhaben, einmal selbst Deichgraf zu werden. Allerdings ist der Grundbesitz für den eines Deichgrafen viel zu klein. Nachdem der Deichgraf gestorben ist, wird Hauke als Nachfolger vorgeschlagen. Kurz entschlossen erklärt Elke, die Tochter des verstorbenen Deichgrafen, dass sie Hauke heiraten wolle, damit der nötige Grundbesitz vorhanden ist. So wird Hauke Haien der neue Deichgraf. Durch den neuen Deichbau, den Hauke entworfen hat, entzieht er sich der Freundschaft vieler im Dorf, denn zu seinem Plan muß viel mehr Erde angefahren werden als gewöhnlich, und außerdem ist es um vieles teurer. Eines Tages bringt Hauke einen halbverhungerten Schimmel nach Hause, den er wieder völlig einsatzfähig gemacht hat. Es ist ein feuriges Tier, das sich nur von Hauke reiten läßt. Seit dem ist ein Pferdeknochengerüst von einer Hallig verschwunden und die Leute glauben, der Schimmel des Deichgrafen hänge irgendwie mit diesem zusammen. Im neunten Jahr ihrer Ehe gebärt Elke ein Mädchen, das Wienke genannt wird. Das Kind ist geistig eingeschränkt, doch es wird trotzdem von ihren Eltern sehr geliebt. Im darauffolgenden Sommer läßt Hauke trotz verschiedener Gegenstimmen den alten Deich reparieren. Nach Neujahr hat das Marschfieber Hauke ergriffen. Als er wieder gesund geworden ist, besteigt er seinen Schimmel um die Deiche zu inspizieren, wobei er gravierende Mängel feststellt und einen Neubau des alten Teilstückes ins Auge faßt. Er berichtet das bei der nächsten Versammlung, doch da die Mehrzahl gegen einen Neubau des Deiches ist, fügt sich auch Hauke dem allgemeinen Beschluß. Ende Oktober bricht während eines Sturmes der alte Deich und das Marschland wird überflutet. Obwohl Elke und Wienke in ihrem Hause sicher gewesen wären, treibt sie doch die Sorge um Hauke hinaus auf dieses Marschland, wo sie beide von der Flut ertränkt werden. Hauke hat sich dieses Unheil mit ansehen müssen ohne helfen zu können. Er kann den Verlust seiner um allesgeliebten Frau und seines Kindes nicht ertragen und stürzt sich verzweifelt in die Fluten. Nun glaubt man ihn in stürmischen Nächten als unheilbringendes Gespenst zu sehen."
So endet die Erzählung. Der Fremde bedankt sich und geht in sein Zimmer, um ausgeruht zu sein, wenn er am nächsten Tag seinen Ritt in die Stadt fortsetzt. (vgl. Hans Wagener: Theodor Storm: "Der Schimmelreiter", Seite 3-146) (vgl. Gerd Eversberg: Erläuterungen zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter", Seite 64-69)
Mehrphasengleichrichter Literaturverzeichnis
4. Interpretationsversuch
4.1. Formanalyse
4.1.1. Textart
Die Geschichte des Schimmelreiters ist in Form einer Rahmennovelle verfaßt. Eine Novelle charakterisiert eine Kurzerzählung mit einem zentralen Ereignis als Höhepunkt. Kennzeichen einer Novelle sind Wahrheitsansprüche, Dingsymbole (Schimmel, Hund, Katze u. s. w.), ein Wendepunkt (Deichbruch), u nd dramatische Steigerungen (Tod von Trin Jans, Deichbruch, Verlust von Frau und Kind). In einer Rahmennovelle ist die eigentliche Erzählung eingebettet in eine Darstellung über ihren Anlaß, ihre Quelle oder ihren Zweck. (vgl. Gerd Eversberg: Erläuterungen zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter", Seite 50-63)
4.1.2. Sprache und Aufbau
Sprache und Aufbau sind charakteristisch für eine Novelle. Diese Erzählung enthält einfache kurze Sätze und knappe Dialoge, die in der alten Rechtschreibreform verfaßt sind und öfters nur aus Gesten bestehen. Der Hauptsatz ist vorherrschend und glättende und füllende Bindewörter sind recht selten vorhanden. Charakteristisch für die Sprache ist, dass nichts verschleiert wird oder in der Stimmung aufgelöst wird. Es herrscht im Sprachstil vollkommene Klarheit, denn alles wird in dieser Novelle ohne Umschweife klar und genau benannt. Die Sprache ist häufig mit nordfriesischen Akzenten und Begriffen durchsetzt, die man sich allerdings im Buch nachschlagen kann. Die Kernhandlung (Erzählung Schulmeister) ist in drei Stufen aufgebaut, wobei der erste Teil sich auf die Jugend von Hauke Haien bezieht, der zweite Teil seinen Aufstieg zum Deichgrafen und den Bau des Deiches schildert und schließlich der dritte Teil sein Leben in der Familie beschreibt. Jeder der drei Kernhandlungen hat für sich einen Höhepunkt. Die ersten beide Teile sind in etwa gleich lang, der dritte Teil ist ungefähr um ein Drittel kürzer. (vgl. Gerd Eversberg: Erläuterungen zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter", Seite 64-69)
4.1.3. Erzählperspektive
Wie unter 4.1.1 erwähnt, enthält diese Geschichte eine Rahmenerzählung. Das heißt, dass hier Erzählstandpunktwechsel vorhanden sind. Zunächst beginnt Theodor Storm in der "Ich - Erzählperspektive", nachdem dann der Reiter die Geschichte ebenfalls in der "Ich - Erzählperspektive" fortfährt. Zur eigentlichen Geschichte kommt danach erst der Schulmeister in der "Er -Erzählperspektive". Ab hier ist die ganze Geschichte auf die Hauptfigur Hauke Haien bezogen. Alles geschieht nicht nur an ihn, sondern auch durch ihn. Zum Schluß tritt wieder der Reiter in der "Ich - Erzählperspektive" auf. Theodor Storm, der die Geschichte ursprünglich begonnen hatte, kommt zum Schluß nicht mehr zum Vorschein. Die Erzählperspektive des Schulmeisters wird gelegentlich durch die Erzählperspektive des Reiters unterbrochen. Diese Geschichte hat demnach einen dreifachen Rahmen, wodurch das geschichtliche und gespenstische Geschehen in weiter Ferne gerückt wird und damit die Echtheit der Überlieferung betont werden soll. (vgl. Gerd Eversberg: Erläuterungen zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter", Seite 96-120)
4.1.4. Überschrift
1838 hatte Theodor Storm eine Erzählung mit dem Titel "Der gespenstische Reiter" gelesen. 1886 begann er mit der Arbeit an einer neuen Novelle, in dem er eine Deichsage verarbeitet hat. Da der Titel "Der gespenstische Reiter" schon vergeben war, wählte er wahrscheinlich bewußt in seiner Erzählung als Pferd einen Schimmel aus und nannte dann seine Novelle "Der Schimmelreiter". Weiterhin ist zur Überschrift nichts mehr zu finden.
(vgl. Gerd Eversberg: Erläuterungen zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter", Seite 55-63)
Mehrphasengleichrichter Literaturverzeichnis
4.2. Inhaltsanalyse
4.2.1. Zeit, Ort und Raum der Handlung
Die Geschichte "Der Schimmelreiter" spielt sich gegen Mitte des 18. Jahrhunderts in Nordfriesland ab. Die Landschaft ist eine Deichlandschaft an der Nordseeküste in Schleswig -Hohlstein vor Hattstedt (Beltringharder Koog) in der Nähe von Husum. Der Natur wird in dieser Erzählung eine zentrale Rolle beigemessen. Die beiden inneren Rahmenhandlungen spielen in derselben Umgebung und demselben Boden, wobei dort alle Handlungsabläufe, im Grunde genommen, auf die Sturmflut bezogen sind. [Landkarte: Siehe Seite 9]. (vgl. Gerd Eversberg: Erläuterungen zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter" Seite 57-63) (vgl. Hans Wagener: Erläuterungen und Dokumente zu T. Storm: "Der Schimmelreiter", Seite 4)
4.2.2. Handlungsanalyse
Hauke Haien ist der Schimmelreiter in der Novelle des Theodor Storm. Die Novelle schildert den Aufstieg eines armen Jungen zum Deichgrafen, der sich dem Kampf gegen das Meer, den Dorfbewohnern und den Aberglauben verschrieben hat. Storm hat nicht beabsichtigt, eine bloße Gespenstergeschichte zu erzählen. In dieser Novelle werden Tatsachen und Phantasie sehr geschickt verbunden, indem er u. a. ein Handlungskonzept entworfen hat, in dessen Mittelpunkt der Deichbauer Hauke Haien steht. Der erste Teil der dreistufigen Kernhandlung bezieht sich auf die Jugend von Hauke Haien, der zweite Teil schildert seinen Aufstieg zum Deichgrafen und den Bau des Deiches und schließlich der dritte Teil beschreibt sein Leben in der Familie. Die Handlung insgesamt hat auch "autobiographische Züge". Der Autor hat unserer Meinung nach versucht, seine Erfahrungen, die sein Leben geprägt haben, zu verarbeiten. Theodor Storm und Hauke Haien hatten z. B. beide unter schweren Krankheiten zu leiden und ein behindertes Kind. Beide hatten auch eine große Verbundenheit zur Natur und der Heimat. Die Novelle ist für den Leser ein fesselndes Werk, da man schon nach kurzer Zeit in mitten der Handlung "gefangen" ist. Die Spannung des Lesers wird mehr auf das Ende der Handlung gerichtet, da erst zum Schluß klar wird, was es eigentlich mit dem Schimmelreiter auf sich hat. (vgl. Gerd Eversberg: Erläuterungen zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter", Seite 50-120)
4.2.3. Personencharakterisation
Hauke Haien: Die Titelfigur Hauke Haien wächst ohne Mutter auf. Sein Vater erkennt schon früh das Interesse seines Sohnes an der Mathematik und unterstützt dies auch, wobei der Vater jedoch auch darauf Wert legt, seinem Sohn die körperliche Arbeit nahezubringen, die zum Überleben in der nordfriesischen Marsch unbedingt notwendig ist. Hauke Haien wächst als Einzelgänger auf, der von den Gleichaltrigen verspottet wird. Schon als Junge ist sich Hauke seiner Intelligenz und Überlegenheit durchaus bewußt und hat einen früh gefestigten Charakter, der ihn auf einen geraden Lebensweg bringt. Sein Charakter kennt nur Offenheit und Wahrheitsliebe. Ein gewisses Geltungsbedürfnis und großer Stolz scheinen auch im weiteren Verlauf der Geschichte sein Handeln zu steuern. Obwohl seine Gedanken nicht in erster Linie die Sorge um seine Mitmenschen dienen, setzt Hauke Haien mit seinen Vorstößen eine Verbesserung der Sicherheit durch, die endlich der Gesamtheit zugute kommt. Seine Arbeit als Deichgraf stellt Hauke Haien sogar noch vor sein Familienleben, das unter den ständigen Anstrengungen leidet. Zunächst ist er als Deichgraf zu den Leuten nachsichtig, später jedoch verhärtet sich der Deichgraf durch Verachtung. Die Widerstände treiben ihn an, aber lassen ihn andererseits nicht zur Ruhe kommen. Nach Vollendung des Deichbaus befällt ihn eine schwere Krankheit und er beginnt zu resignieren. Hauke stimmt zu, einen Schaden am alten Deich nur oberflächlich zu reparieren,
Mehrphasengleichrichter Literaturverzeichnis
obwohl er bessere Argumente hat. Zu seiner Unfähigkeit mit Menschen umzugehen, kommt zudem noch eine Schuld dazu, die ihm später bei einem Deichbruch zum Verhängnis wird und sein Leben deshalb freiwillig beendet.
Elke Volkerts: Die Tochter des Deichgrafen Volkerts ist eine ruhige und heimatverbundene Frau und geistig durchaus mit Hauke ebenwürdig. Sie lebt auf dem Hof des Vaters, wo sie den Haushalt führt und ihm bei der Arbeit im Deichgrafenamt hilft. Elke kann, was für eine Frau der damaligen Zeit eher ungewöhnlich ist, gut rechnen. Als Hauke Haien die Stelle als Kleinknecht auf dem Hof antritt, merkt sie sehr bald, dass die Interessen der beiden in weiten Teilen ähnlich sind. Elke bewundert und schätzt Haukes Fähigkeiten und verliebt sich innerhalb kurzer Zeit in ihn. Elke ist die gute Seele im Hintergrund von Hauke und hält ihm den Rücken frei. Sie stellt ihre Interessen weitestgehend hinter die ihres Mannes, weil sie einsieht, dass sich die anstehenden Aufgaben anders nicht bewältigen lassen. Elke versteht es immer wieder, ihren Mann bei seiner Arbeit zu unterstützen und ihm Halt zu geben. Sie scheint nicht zu merken, dass sie und Hauke nur nebeneinander leben und zwischen ihnen die Aufgabe des Deichgrafen steht, der sich Hauke sehr entschlossen stellt.
Ole Peters: Er ist Haukes Widersacher und ein tüchtiger Arbeiter, der nur über eine mittelmäßigen Intelligenz verfügt und engstirnig ist. Er vertritt das selbstbewußte Mittelmaß, das überall nein sagt. Seine Angriffe auf Hauke sind hinterhältig, wobei sich sein Haß auf alles rich-tet, was Hauke tut und schafft. Er hat kein Gespür für die wirklichen Probleme der Gesellschaft. (vgl. Gerd Eversberg: Erläuterungen zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter", Seite 92-95)
4.2.4. Kommunikationssituation
Hauke hat ein zwiespältiges Kommunikationsverhalten. Er wächst als Einzelgänger auf und legt keinen Wert auf Kommunikation mit Gleichaltrigen und wird verspottet. Andererseits kann Hauke in seiner Artikulation sehr nett, liebenswert und fürsorglich sein, allerdings nur wenn er mit seiner Frau und mit seiner Tochter zusammen ist. Er versteht es immer wieder Elke aufzumuntern und ihr gut zuzusprechen, obwohl er selbst vielleicht anderer Meinung ist. Hauke: "Laß dich nicht irren, dein Kind, wie du es tust, zu lieben; sei sicher, das versteht es!" (Storm, H. T. W., Stuttgart 1963, S. 118). Hauke hat einen starken Charakter und ein großes Selbst-bewußtsein und läßt dies andere, die im Dialog mit ihm stehen, spüren. Er hat die Fähigkeit seine Kommunikationsfähigkeit gegenüber seinen Widersachern am richtigen Ort und dem richtigen Zeitpunkt einzusetzen und versteht es, andere zu überzeugen. Während der Deicharbeiten tritt er in seiner Kommunikation bestimmend gegenüber den Deicharbeitern auf um zu zeigen, wer der Herr ist u nd um Aufstände zu unterdrücken. Sein Rivale Ole Peters dagegen ist, auf die Kommunikation bezogen, recht wortkarg. Er versucht ständig hinter Haukes Rücken die Leute gegen ihn aufzuhetzen. Ole Peters sagt lachend: "Ja, Marten Fedders, das ist nun so bei uns, und davon ist nichts abzukratzen; der alte wurde Deichgraf von seines Vaters, der neue von seines Weibes wegen." (Storm, H. T. W., Stuttgart 1963, S. 67). Auch bei dem Versuch, den Deichbau zu verhindern, scheitert Ole Peters mit seinen Argumenten. Elke Volkerts hat in der Frage, als es um die Nachfolge des alten Deichgrafen gegangen ist, ihre Überzeugungskraft bewiesen, indem sie unter schwierigen Bedingungen den Oberdeichgrafen überzeugt hat, dass Hauke der richtige Nachfolger ist. Die Kommunikation i m Allgemeinen findet nur in kurzen Sätzen statt und wird
häufig durch Gesten untermauert. Es werden einfache, mit der Umgangssprache durchsetzte, Wörter verwendet. Weiterhin ist die Kommunikation der Zeit und der Situation entsprechend im Allgemeinen etwas rauher und angespannter als heutzutage.
(vgl. Gerd Eversberg: Erläuterungen zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter", Seite 50-120)
Mehrphasengleichrichter Literaturverzeichnis
4.3. Kernaussage
Die Kernaussage und die Überprüfung der Kernaussage an der Realität
Ziele dieser Erzählung sind die Überwindung der Unwissenheit, Ausbreitung der Kultur, Freiheit sowie die Menschenliebe. Kern dieser Erzählung ist der Aberglauben der Menschheit. Der Deichgraf wird mit Teufelsspuk und Gespensterseherei in Verbindung gebracht. Das Volk verknüpft sofort den geheimnisvollen Schimmelspuk auf Jeverssand mit dem mysteriösen Schimmelkauf des Deichgrafen. Seit dem der Deichgraf diesen Schimmel besitzt, ist das Pferdegerippe auf Jewershallig verschwunden. Der Haß schlägt Hauke offen entgegen, als er mit Gewalt den Aberglauben unterdrückt, dass "etwas Lebendiges" in den neuen Deich eingegraben werden muß, damit er Bestand hat. Während der Bauzeit des Deiches kämpft er auch gegen den Aberglauben in seinem Dorf, was sich auf sein Ansehen auswirkt. Denn dort ist der Aberglaube sehr wichtig. Die Menschen brauchen ihn, um sich Naturerscheinungen erklären zu können, dessen Ursache man wissenschaftlich nicht nachweisen kann. Die Menschen glauben, mit abergläubischen Formeln und Bräuche überirdische Gewalten und Gefahren bannen zu können. Der Aberglaube trat und tritt auch heute noch in den vielseitigsten Variationen auf. Zum Beispiel soll es Pech bringen, wenn man unter einer Leiter durchgeht oder wenn einem eine schwarze Katze über dem Weg läuft. Vielleicht ist sogar die ganze BSE Krise ein einziger Aberglaube. Noch läßt sich wissenschaftlich nicht nachweisen, wo dieser Erreger herkommt. Jedenfalls löst diese Krankheit eine Massenpanik in unserer Gesellschaft aus, obwohl z. B. die Wahrscheinlichkeit, an einem Autounfall zu sterben, ungleich höher ist. Ohne dass wir es direkt merken, ist der Aberglaube ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Jeden Sonntag gehen die Leute in die Kirche um zu beten, um Unheil abzuwenden und um sich von Sünden zu befreien. Religionen sind letztendlich auch nichts anderes, als eine Form von Aberglaube. Wir Menschen brauchen allerdings den Aberglauben in einem gewissen Maße, denn er gehört einfach zum Menschsein dazu und macht das menschliche Leben lebenswerter. Hätten die Menschen keinen Aberglauben mehr, käme dies einer absolut aufgeklärten Gesellschaft gleich. Allerdings ist das aufgeklärte Denken, bezogen auf die absolut aufgeklärte Gesellschaft unvollständig, da der endgültige Bezugspunkt fehlt, denn der Kreis von Ursachen und Wirkungen würde kein Ende nehmen. Man sollte in Bezug zu Aufklärung und dem Aberglauben auf dem Boden der Tatsachen bleiben, weil das aufgeklärte Denken und damit die Abschwörung des Aberglaubens nicht das geringste Verständnis des Menschlichen bezogen auf z. B. den Sinn des Lebens, Geburt und Tod u. s. w. beiträgt und zudem dem eigentlichen Ziele dieser Erzählung von Theodor Storm z. B. Überwindung der Unwissenheit, Ausbreitung der Kultur, Freiheit und der Menschenliebe widerspricht. Der Mensch ist von Natur aus abhängig. Jeder muß ein Stückweit die Rationalität aufgeben und sich auf den Glauben verlassen. Jedoch darf er keine fanatische Züge annehmen, wie es im Schimmelreiter geschildert ist oder wie es zum Teil in der jüngsten Vergangenheit geschehen ist. Zur Zeit des Dritten Reiches wurde die Judenverfolgung praktiziert, weil vielen Menschen die Lüge glaubhaft gemacht worden war, dass Juden nach der "Rassenlehre" die deutsche Herrenrasse verunreinigen würden. Der Aberglaube in seinen fanatischsten Zügen jedoch wurde zur Zeit der Hexenverfolgung praktiziert, wo Frauen, die besonders schön oder häßlich waren oder rote Haare besaßen oder ein verdächtiges Verhalten an den Tag legten, gefoltert und/oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sind. Wir müssen gegen den gefährlichen fanatisierenden Aberglauben ankämpfen, so wie es Hauke Haien in der Novelle "Der Schimmelreiter" tut. Einmal jedoch kämpfte Hauke nicht gegen den Aberglaube an, worum es gegangen ist, eine schadhafte Stelle eines Deiches auszubessern. Er beugt sich der Entscheidung von Ole Peters. Diese Entscheidung wird ihm und dem ganzen Dorf zum Verhängnis. Als der
Mehrphasengleichrichter Literaturverzeichnis
nächste Sturm eintritt, bricht der Deich, und das Dorf wird zum größten Teil überflutet. Auch Elke und dessen Kind kommen auf dem Weg zu ihm in den Fluten um. Darauf schreit Hauke laut: "Herr Gott, ja ich bekenne es, ich habe meines Amtes schlecht gewartet!" (Storm, H. T. W., Stuttgart 1963, S. 141). Mit diesen Worten bekennt Hauke seinen Fehler. Er wußte, dass man in seiner Stellung die Verantwortung über viele Leben hat, konnte aber in dieser Sache den Dorfbewohnern nicht mehr die Stirn bieten und seiner Verantwortung gerecht werden. In dieser letzten Szene, in welcher der Deichgraf sich selbst opfert, um die Dorfbewohner zu retten, offenbart sich, dass er auch auf seine Art und Weise abergläubisch ist. Er denkt, dass Gott mit den anderen Mitleid hat, wenn sich der "Schuldige" umbringt. Und er fleht Gott an: "Herr Gott, nimm mich; verschon die andern!" (Storm, H. T. W., Stuttgart 1963, S. 143). Unserer Ansicht nach ist er nicht alleine an allem Schuld. Wenn die Dorfbewohner nicht nur um ihr Geld besorgt gewesen wären und die Wahrheit seiner Worte erkannt hätten, wäre der Deich nicht bei diesem Sturm gebrochen, und ihnen wäre viel erspart geblieben. Hauke Haien hat trotz seines starken Willens den Kampf gegen die Dummheit, die Sturheit und den Neid der Anwohner verloren. Der aufgeklärte Mensch Hauke Haien ist im Kampf gegen die Gewalt des Meeres und im Kampf gegen das soziale Umfeld gescheitert. So wie es Hauke Haien ergangen ist, ergeht es heutzutage ebenfalls vielen von uns, jedoch dürfen wir niemals aufhören gegen die Unmündigkeit und den fanatisierenden Aberglauben zu kämpfen.
(vgl. Gerd Eversberg: Erläuterungen zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter", Seite 96-120)
5. Grafiken
Hans Theodor Woldsen Storm Ort der Handlung
Grafik links: Georg Bollenbeck: Theodor Storm - Eine Biographie - Umschlagabbildung Grafik rechts: Hans Wagener: Erläuterungen und Dokumente zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter" - Seite 4 6. Quellenangaben (Literaturverzeichnis)
[1] Hans Wagener (Ferbersche Buchhandlung)
Theodor Storm: "Der Schimmelreiter"
Mehrphasengleichrichter Literaturverzeichnis
1963, 1998 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart Ergänzte Ausgabe 1998 ISBN 3-15-006015-X
[2] Gerd Eversberg (Ferbersche Buchhandlung)
Erläuterungen zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter" 8., überarbeitete Auflage, 1998 C. Bange Verlag, 96142 Holland ISBN 3-8044-0415-4
[3] Hans Wagener (Universitätsbibliothek Gießen) Erläuterungen und Dokumente zu Theodor Storm: "Der Schimmelreiter" Ergänzte Ausgabe 1993 1976 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart ISBN 3-15-008133-5
[4] Georg Bollenbeck (Universitätsbibliothek Gießen) Theodor Storm - Eine Biographie Lizensausgabe, 1988 Insel Verlag, Frankfurt am Main 1988 ISBN (keine)
[5] Peter Goldhammer (Universitätsbibliothek Gießen) Theodor Storm - Werke in einem Band Auflage, 1988 Carl Hanser Verlag München Wien Bestellnummer 10276-2
[6] Kulturstiftung der Länder (Universitätsbibliothek Gießen) Die Storm - Handschriften aus dem Nachlaß von Ernst Storm 1., Auflage, 1999
Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co., Heide ISSN 0941-7036
7. Unterschriften
Arbeit zitieren:
Maik Will, 2001, Storm, Theodor - Der Schimmelreiter, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Rolle Luthers für die deutsche Sprachgeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Der Siegeszug der neuen Medien in der Ganztagsschule
Soziologie - Kinder und Jugend
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Zu: Gottfried Keller: "Der grüne Heinrich"
Judith und Anna - Kellers Gese...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Sportlehrerkompetenz: Motivation im Schulsport
Motivierung durch den Lehrer i...
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Ausprägung der Gattung des Bildungsromans bei Hermann Hesses '...
Seminararbeit, 20 Seiten
Eine sprachgeschichtliche Analyse des Einflusses Martin Luthers und se...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 27 Seiten
Die Bildungsreform unter Karl dem Großen
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 12 Seiten
Leistungsbewertung im Sportunterricht
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Die Rhythmisierung des Lernens in der Ganztagsgrundschule
Seminararbeit, 16 Seiten
Siddhartha - Hesses Auseinandersetzung mit östlicher Dichtung und Phil...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 16 Seiten
Luthers Bedeutung für die Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftspra...
Hausarbeit, 19 Seiten
Zu den orthographischen Prinzipien des Deutschen
Theorie und Praxis
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Maik Will hat den Text Storm, Theodor - Der Schimmelreiter veröffentlicht
Maik Will hat einen neuen Text hochgeladen
muegge hat den Text Storm, Theodor - Der Schimmelreiter kommentiert
Der Schimmelreiter - Textausgabe mit Materialien
Theodor Storm, Peter Bekes, Volker Frederking
dani
super.
deine arbeit hat mir sehr bei meiner deutschhausaufgabe geholfen!!!DANKE!!!!
am Monday, May 27, 2002-
muegge
hey, supi geile arbeit!!! danke, wegen dir habe ich eine 2 in der deutscharbeit geschrieben!!! 10000000000000000000000000000000000 küsse !!!
muegge =)
am Sunday, December 14, 2003-