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1.1 Erfolgsgeschichte „Wer wird Millionär?“
Seit September 1999 läuft bei dem Privatsender RTL eine Show, die gänzlich ohne „sex and crime“ auskommt und trotzdem Einschaltquoten wie „Wetten dass...?“ hat (teilweise sogar über 10 Millionen!). Die Rede ist von der Quizshow „Wer wird Millionär?“ (WWM). Für den Sender ist sie eine attraktive Einnahmequelle, denn die Sendung ist vergleichsweise billig zu produzieren und RTL verdient sich mit meist über 3 Millionen DM pro Folge durch Werbeeinnahmen sehr gut an ihr 2 .
Das Konzept für dieses Format wurde in zweijähriger Arbeit von Mitarbeitern der Lo ndoner Firma „Celador“ entwickelt 3 . Show- Erfinder David Briggs und Produzent Paul Smith gelang es 1998, den britischen Fernsehsender ITV von der Rentabilität der Show „Who wants to be a millionaire“ zu überzeugen. So wurde mit der Erstaustrahlung am 4. September 1998 der Grundstein für einen weltweiten Erfolg gelegt 4 . Heute ist WWM in 56 Ländern zu sehen und fast überall ein Quotenhit. Gewinnt jemand die Million, ist das der Bildzeitung eine Seite 1-Schlagzeile wert. Gibt ein Hamburger Barmann an, von dem Gewinn seine Schulden begleichen zu wollen, macht ihn dies so sympathisch, dass diverse Boulevardmagazine über ihn berichten 5 . „Celador“ freut sich über den Erfolg und platzt inzwischen aus allen Nähten. Während sich die niederländische Produktionsfirma „Endemol“ hauptsächlich um die TV-Version kümmert, ist „Celador“ inzwischen dabei, die Nachfrage auszunützen und Spiele, Computerprogramme und Bücher mit dem Namen zu vermarkten.
Inzwischen haben auch andere Sender erkannt, dass man mit Quizsendungen gute Quoten einfahren kann: Z.B. produziert Sat 1 die „Quizshow“, das ZDF „CASH“ und der Nachrichtensender n-tv das „News-Quiz“.
Offenbar hat der momentane Quizshow-Boom auch Auswirkungen auf die Gesellschaft. Um diese zu verdeutlichen, geht ein Sternautor sogar so weit, eine alte lateinische Lebensweisheit zu verändern zu: „Nicht für die Schule lernen wir, sondern auch für „Wer wird Millionär?““ 6 . Selbst die Werbung ist inzwischen auf diesen Zug aufgesprungen. So wirbt z.B. das „DUDEN Lexikon der Allgemeinbildung“ mit: „Damit Sie bei jeder Quiz-Show gewinnen...“.
Es ist eine Frage der Zeit, wie lange dieser Boom noch anhalten wird. In England hört man vereinzelt die Meinung, dort sei er schon vorbei 7 . Nichtsdestotrotz ist es interessant, einmal zu untersuchen, warum WWM zu so einem erfolgreichen Format geworden ist. Und wenn man das wissen will, muss man untersuchen, was es in den Köpfen der Zuschauer auslöst!
2 vgl. Stern, S. 36 3 vgl. Spiegel TV 4 www.rte.ie 5 vgl. Stern, S. 31 6 vgl. Stern, S. 33
7 vgl. The Guardian
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1.2 Hinweise zu Themenwahl und Vorgehensweise
Schon seit mehreren Jahren bin ich engagierter Hobbyfilmer und habe mir inzwischen eine kleine Literatursammlung zum Thema „Film und Fernsehen“ angelegt. Als ich ein Buch zum Thema Drehbuchschreiben gelesen habe und meine Familie im Hintergrund WWM geschaut hat, ist mir aufgefallen, dass die Sendung in exzellenter Weise die im Buch beschriebenen Dramaturgiegesetze befolgt. Da diese Feststellung in den Zeitraum der Themenfindung für eine Facharbeit fiel, entschied ich mich WWM zum Thema zu machen.
Nachdem das Thema genauer definiert war, war ich vor die Frage gestellt: Was macht eigentlich eine erfolgreiche Sendung aus? - Eine Frage, die mich auch in Hinblick auf mein Hobby sehr interessiert hat. Bei der Recherche dazu bin ich verschiedenen Ansätzen begegnet und habe ich mich entschlossen, möglichst viele mit WWM in Verbindung zu setzen, sofern sie mit der Zuschauerwirkung zusammenhängen, denn die Wirkung auf den Zuschauer entscheidet letztlich über Erfolg und Misserfolg von Sendeformaten. Eine wichtige Anmerkung:
Wer diese Facharbeit liest, sollte die Show kennen und mit ihren Spielregeln vertraut sein, da ich diese aufgrund der Begrenztheit des Umfangs der Arbeit nicht mehr eina rbeiten konnte!
2.1 Der Titel „Wer wird Millionär?“
Der Titel „Wer wird Millionär?“ ist heute weit mehr als ein Titel. Er ist Markenname geworden und garantiert inzwischen auch Computer- und Brettspielen reißenden Absatz.
Wenn man die Syntax untersucht, fällt vor allem auf, dass es sich um einen Fragesatz handelt. Eine Frage verlangt, sofern nicht rhetorisch, eine Antwort. Diese Antwort soll dem Zuschauer gegeben werden, wenn er die einzelnen Folgen der Sendung sieht. Außerdem definiert der Fragesatz eine klares Ziel, das die Kandidaten in der Sendung ve rfolgen: Millionä r werden! Ein Ziel, dem möglichst schwere Hindernisse (die Beantwortung der Fragen) in den Weg geworfen werden, ist das wohl wirkungsvollste Mittel der Dramaturgie, um Spannung zu erzeugen 3 . Beim Betrachter der Sendung wird dieses Ziel zu etwas, dem der Held nachjagt und an dessen Stelle der Zuschauer unbewusst Dinge setzt, die ihm wichtig sind 4 . Im Fall von WWM sind diese Dinge z.B. Selbstbes-
3 vgl. Vale S. 174 4 vgl. Mamet S. 47
4
tätigung der eigenen Bildung und eventuelle Anerkennung anderer, denen man sein Wissen mittels Beantwortung der Quizfragen im Verlauf der Sendung mitteilt. Eine weitere wichtige Komponente ist die Frage nach dem Subjekt des Satzes: Durch das Wort „wer“ im Titel wird die Absicht „Ziel erreichen“ um „Leute kennenlernen“ ergänzt - eine Absicht, die gut ankommt, man denke nur einmal an die zahllosen Talkshows und BigBrother.
Der Titel erfüllt seinen Zweck als wichtige Komponente der Dramaturgie, ist allerdings allein stehend nicht ausschlaggebend für den Erfolg der Sendung. Das kann man daraus ableiten, dass es der Titel allein, als er 1999 noch kein Markenzeichen war, längst nicht vermochte, so viele Zuschauer wie heute vor den Bildschirm zu holen 4 .
2.2 Der Ablauf der Sendung
Eine Seifenoper à la „Verbotene Liebe“ hat den Vorteil, dass jede Sendung Konflikte aufbaut, die erst in der nächsten gelöst werden. Da der Zuschauer wissen will, wie es ausgeht, schaut er sich die nächste Folge an, in der wiederum neue Konflikte aufgebaut werden. Es ist ein ewiger Kreislauf, in den man immer einsteigen-, allerdings schwer aussteigen kann. WWM hat sich von diesem Konzept etwas übernommen. Auch hier ist eine Folge Fortsetzung der vorhergehenden und hat gleichzeitig eine Spannungsaufbaufunktion für die nächste. Wenn die Sendezeit nach einer Stunde vorbei ist, ertönt ein Gong und unterbricht den Kandidaten auf seinem Gewinnzug. Erst am Anfang der nächsten Folge erfährt man, wie erfolgreich er letztlich gewesen ist. Dieser gekonnte Schachzug, um Publikum zu gewinnen, hat für die Produzenten auch einen praktischen Vorteil: Man muss sich nic ht an einen Zeitplan halten und läuft somit nicht Gefahr, hinterher kostenintensiv auf die exakt passende Länge zurechtschneiden zu müssen. Es ist allerdings sinnvoll, bis zum Ende der Sendung den Spannungsbogen so weit aufgebaut zu haben, dass sich der Zuschauer für den Fortgang, der in der nächsten Folge gezeigt wird, interessiert. Für die Kandidaten stellt diese Splittung auch kein Problem dar, weil jeweils drei Folgen für eine Woche an einem Tag produziert werden 5 . Sie müssen also, obwohl sie Freitags und Samstags in Köln-Hürth zu sein scheinen, in Wirklichkeit nur Dienstags da sein. Da trotzdem ein Live- Effekt entstehen soll, müssen sich Günther Jauch und die Kandidaten zwischen den einzelnen Aufzeichnungen umziehen. Der Zuschauer soll denken, die Sendung werde live ausgestrahlt. Das wiederum erhöht die Aufmerksamkeit, da man unbewusst ständig damit rechnet, etwas, z.B. einen Millionengewinn oder eine Panne, live mitzuerleben. Den Erfolg dieses unbewussten Gefühls zeigen vor allem Formel 1-Übertragungen, die viele Leute dazu veranlassen, nachts um
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3 Uhr aufzustehen, um ja nichts zu verpassen, obwohl sie sich am nächsten Tag die Wiederholung anschauen könnten. Bei WWM fand diese Live-Illusion allerdings ein jähes Ende, als schon morgens in der Zeitung stand, dass abends ein Mann die Million gewinnen würde. Der Quote hat dies allerdings nicht geschadet, was zeigt, dass der Live-Effekt bei WWM nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Um nun den Ablauf einer Sendung zu untersuchen, empfiehlt es sich, bei der Vorstellung der 10 Kandidaten zu beginnen. Jeder Kandidat wird ca. 3 Sekunden lang gezeigt und sowohl Name als auch Herkunftsort werden genannt. Interessant ist hier vor allem die Nennung des Heimatortes. In dem Buch „Einführung in den praktischen Journalismus“ werden von La Roche 10 Faktoren aufgezählt, die Interesse erzeugen. Zu diesen gehört unter anderem der Faktor „Nähe“. Entdecken wir unter den Kandidaten eine Person, die aus unserer Nähe kommt, hoffen wir, sie wird das Selektionsverfahren bestehen und in die Mitte kommen 5 . Das wäre dann, zumindest in einem kleineren Ort, sogar der Lokalpresse einen Artikel wert und der Bezug zum Zuschauer wäre wesentlich größer, da der Kandidat ja aus seinem Ort kommt und ihm somit vermeintlich ähnlicher ist als alle anderen. Die Macher von WWM scheinen dies bei der Auswahl der Kandidaten zu berücksichtigen, da sie darauf Rücksicht zu nehmen scheinen, dass die Herkunftsorte mö glichst unterschiedlich sind (Bild 1). Jedenfalls ist der Aspekt der Nähe wohl der wichtigste, der darüber entscheidet, wen der Zuschauer in der Mitte sehen möchte. Der optische Eindruck ist hier eher sekundär, da man den Kandidaten nur 3 Sekunden lang sieht und sich in dieser kurzen Zeit kaum einen Eindruck verschaffen kann, da das Gehirn ja auch noch Ort und Namen verarbeiten muss 6 .
Jetzt stellt der Moderator eine Frage, die darüber entscheidet, wer in die Mitte gelangen wird. 4 Begriffe sollen anhand von genannten Kriterien sortiert werden. Wer als erster die richtige Lösung präsentiert, hat es geschafft. Die hier verlangte hohe Geschwindigkeit zum Lösen der Aufgabe hat zwei Funktionen. Zum einen soll ein messbarer Wert darüber entscheiden, wer in die Chance bekommt, und zum anderen sind die Kandidaten dazu gezwungen, möglichst wenig Sendezeit zu verbrauchen, da dieser Teil noch wenig dramatisch ist, solange man nicht einen der Teilnehmer favorisiert. Wenn dies nicht der Fall ist, ist für den Zuschauer einzig der Vergleich der Menge der richtigen Lösungen mit seiner Lösung von Bedeutung. Hat er z.B. die Lösung gewusst und sieben Personen im Studio haben sie nicht gewusst, fühlt er sich überlegen. Jetzt beginnt der Hauptspannungsbogen, den der Erfinder der Show David Briggs in einem Fernsehinterview mit einem Existenzkampf vergleicht: „Da draußen sind sie [die
4 ,5 vgl. Stern
5 vgl. La Roche, S. 70 6 vgl. Kerstan, S. 168 7 vgl. Spiegel TV
6
Kandidaten] Gladiatoren, sie kämpfen um ihr Leben!“ 7 Doch wie wird diese extreme Konfliktsituation erreicht? Zunächst einmal werden zwei Komponenten, die sich gege nseitig anziehen, also Affinitätscharakter haben, voneinander getrennt: Der Kandidat und das viele Geld, das dessen Leben erheblich zu verändern vermag 6 . Eine Störung und somit Grundlage für den Konflikt ist geschaffen. Der Protagonist hat jetzt nur ein Ziel, nä mlich möglichst viel Geld zu bekommen. Die Hindernisse, die ihn von dem Gewinn trennen, sind die Fragen. Um sie zu überwinden, hat der Kandidat sein Wissen und drei Joker, die er einsetzen kann, obwohl sie auch nicht zwangsläufig die richtige Lösung garantieren. Da der Schwierigkeitsgrad der Fragen vermeintlich proportional zu der Gewinnmenge steigt, ist es nützlich, die Joker möglichst lange aufzubewahren. Bis zum ersten Zwischenziel, der 1000 DM Frage, ist dies meist auch noch kein Problem, da die ersten fünf Aufgaben noch relativ leicht sind, damit selbst ein nicht so cleverer Zuschauer sich gebildet fühlt. Dramaturgisch ist dies noch nichts Besonderes. Der Modera-tor geht durch diesen „ersten Akt“ auch recht schnell durch und versucht nicht, etwas Unspektakuläres spannend zu machen. Der Zuschauer ist sich der Lösung meist sowieso schon sicher. Deshalb hält das Konzept sie hier mit einer humorvollen Note bei der Stange: Die falschen Möglichkeiten, die im lustigen Zusammenhang mit der jeweils richtigen stehen (z.B. „Jeder ist seines Glückes ...? A Bäcker, B Schreiner, C Schmied, D Zimmermann“).
Im „zweiten Akt“, dem Bereich bis zur 32 000 DM Frage, wird der Spannungsbogen aufgrund der anspruchsvolleren Fragen und des möglichen größeren Verlustes schon entscheidend verstärkt. Ist der Kandidat bei einer Frage angelangt, deren Antwort er sich nicht sicher ist, muss er entscheiden, ob er ein Risiko eingeht, bei dem er bis auf 1000 DM alles verlieren kann, oder einen Joker verbraucht, den er später vielleicht noch viel besser brauchen könnte. Die Affinität zieht ihn zu dem vielen Geld, die repulsiven Kräfte präsentieren ihm das Risiko, fast alles zu verlieren. Schon Goethe hat im Faust die dramatische Wirksamkeit dieser inneren Gespaltenheit erkannt: „Wehe mir, zwei Herzen schlagen in meiner Brust.“ Für den Drehbuchautor Eugene Vale zählt dieser Konflikt „zu den wertvollsten dramatischen Möglichkeiten“ 7 . Der Moderator verstärkt diesen Konflikt noch, indem er dem Kandidaten immer die Vorteile der Entscheidung, zu der dieser nicht tendiert, vor Augen führt. Der Zuschauer empfindet diesen Konflikt als höchst spannend, da er sich ständig fragt, wie er sich entscheiden würde und ob seine Lösung passend wäre.
Dieser höchst dramatische Konflikt wird im „dritten Akt“, dem Bereich bis zur Millio- nenfrage, noch einmal extrem gesteigert - vorausgesetzt, der Kandidat schafft es bis
7
dahin. Hat er alle Joker verbraucht, stellt sich die Frage: Aufhören und sich mit dem bisher gewonnenen Geld zufrieden geben oder das Risiko eingehen, alles zu verlieren, um sich die Chance auf die Million zu erhalten. Verstärkt wird der Konflikt dadurch, dass der mögliche Verlust immer größer wird. Das alte Sprichwort „Wer hoch hinaus will, kann tief fallen“ kommt hier voll zur Geltung. Hat jemand bereits 250 000 DM erspielt und geht dann ein Risiko ein, kann er entweder 218 000 DM verlieren oder weitere 250 000 DM auf einmal gewinnen. Geldbeträge, die weit über dem Jahresverdienst der meisten Leute liegen. „Es ist wie beim Skat“ ,sagt Günther Jauch im Stern. „Sobald man ein bisschen Geld setzt, gewinnt das Spiel an Wert“ 7 . Die Dramatik dieses Haup tkonflikts zwischen Affinität und Repulsion ist sicherlich einer der Hauptaspekte, die den Erfolg der Sendung erklären. Der Zuschauer wird ständig mit folge nschweren Entscheidungen konfrontiert, die er so als Trockenübung und ohne Konsequenzen für sein Leben durchführen kann.
2.3 Die Fragen
Die wohl offensichtlichste Funktion, die die Fragen haben, ist das Schaffen von Interaktivität. Der Zuschauer wird bewusst in die gleiche Situation versetzt wie der Kandidat im Studio, die Fragen werden auch ihm gestellt 8 . Doch was reizt den Zuschauer an dieser Interaktivität? Ein wichtiger Faktor ist bestimmt, dass er sich ernst genommen fühlt. Auch er könnte sich als Kandidat bewerben. Er kann sich alle Fragen als an ihn gestellt vorstellen. Die menschliche Eigenschaft, unbewusst alles auf sich zu beziehen, wird damit direkt befriedigt. Doch das ist nicht alles! Die Fragen lassen dem Zuschauer viel Freiraum für eigene Gedanken. Kein Zeitlimit wie bei schlechteren Quizshows stört diesen Gedankengang. Lautet die Frage z.B. „Wo hat der Fernsehkanal ARTE seinen Sitz?“ (A Paris B Straßburg C Mainz D Baden-Baden) wird der Zuschauer in Gedanken vielleicht zunächst das ARTE-Logo sehen, sich dann an seinen Urlaub in Paris erinnern und überlegen, wo er schon einmal etwas über den Sender gelesen hat. Unterstützt wird er dabei vom Kandidaten im Studio, der dazu verpflichtet wird, seinen Gedankengang preiszugeben. Dadurch, dass die Fragen die unterschiedlichsten Themengebiete abdecken, erlauben sie den verschiedensten Leuten, eine bedeutsame Erfahrung zu machen, die oft weit intensiver ist als ihre Tagesroutine. Dirk Blothner stellt in seinem Buch „Erlebniswelt Kino“ anhand von Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen diesen Erlebensprozessen und dem Erfolg von Filmen her: Je intensiver Platz für eigene Gedankengänge gelassen wird, desto besser gefällt dem Zuschauer der Film 9 . Da WWM die-
6 vgl.Vale, S. 132 7 zit. nach Vale, S. 136
7 zit. nach Stern, S. 36 8 vgl. Hickethier, S. 194 9 vgl. Blothner, S. 13
8
sen unbewussten Prozess in großem Maße fördert (übrigens auch durch die Kameraarbeit [siehe 3.1]), kann man davon ausgehen, dass dies einen Großteil des Erfolges der Sendung ausmacht. Und noch einen weiteren Vorteil hat die Unterschiedlichkeit der gestellten Fragen: Jeder kann einmal mit Wissen glänzen oder sich selbst bestätigt finden, indem er mehr weiß als der Kandidat. Kinder wissen z.B., dass „Mautzi“ ein Pokemon ist, und die Mama kann etwas mit „Frida Lyngstad“ anfangen 8 . So wird jedem Zuschauer ein Erfolgsgefühl gegönnt und die Kommunikation vor dem Bildschirm wird gefördert. In Zeiten, in denen die direkten, zwischenmenschlichen Beziehungen immer mehr durch „Medienbeziehungen“ (damit meine ich z.B. Medienstars als „Freunde“ oder elektronische Kommunikation) ersetzt werden, ist dies sicherlich auch ein wicht iger Erfolgsfaktor der Sendung, der wiederum auch mittels Kameraführung unterstützt wird (siehe 3.1).
2.4 Die Kandidaten
Endemol veranstaltet ein aufwendiges Casting für die Kandidaten, die die Chance bekommen, die Million zu gewinnen. 100 der Personen, die zuvor an der kostenpflichtigen Bewerbungshotline eine Einstiegsfrage beantworten konnten, werden zurückgerufen. Sie müssen am Telefon sechs weitere Fragen beantworten und sagen, was sie sich von dem Gewinn anschaffen würden. Leute mit exotischen Wünschen werden denen, die sich z.B. ein Auto kaufen würden, vorgezogen 8 . Außerdem fällt auf, dass die unterschiedlichsten Leute ausgewählt werden: vom Barmann über die Hausfrau bis zum Pro-fessor.
Haben sie es einmal bis ins Studio geschafft, bekommt der Zuschauer auch viele Einblicke in ihr Leben. Bevor es mit den Fragen losgeht, stellt Günther Jauch Beruf, Famili-enstand und Herkunftsort des Kandidaten vor. Nach der 1000 DM-Frage wird eine dem Kandidaten nahe stehende Person vorgestellt, die im Publikum sitzt (siehe 2.6). Wenn bereits ein gewisser Geldbetrag gewonnen worden ist, fragt Günther Jauch nach dem Wunsch, den sich der Kandidat mit dem Geld erfüllen will. Am interessantesten ist jedoch, dass man eine Person kennen lernt, die ständig großen Konflikten ausgesetzt ist, da es um viel Geld und Prestige geht. Und jeder geht and ers damit um. Manche tun selbstsicher, sind aber unsicher, manche sind risikobereit, andere wissen viel, sind aber bescheiden etc.
Doch welche Wirkung hat diese Charakterisierung für den Zuschauer? Laut Filmemacher Peter Kerstan liegt es in der Natur des Menschen, zunächst eine „Freund-Feind- Feststellung“ durchzuführen 9 . Findet er den Kandidaten sympathisch, gönnt er ihm ei-
9
nen hohen Gewinn und fiebert mit. Gefällt er ihm nicht, hofft er, dass er mit leeren Händen wieder nach Hause fährt. Dann setzt, glaubt man Knut Hickethier, eine „Ergebnisantizipation“ ein 19 . Der Zuschauer versucht zu prognostizieren, wieviel Geld der Kandidat zu gewinnen in der Lage ist. Um seine Prognose zu überprüfen und ggf. zu ändern, muss er den weiteren Verlauf der Sendung verfolgen. War sie zutreffend, freut er sich über die Selbstbestätigung. Vor allem diese beiden Faktoren halten den Zuschauer während der ersten, anspruchslosen Fragen vom Zapping ab. Die Frage nach dem Wunsch, den der Kandidat sich mit dem Geld erfüllen will, lässt den Zuschauer aufgrund der „interaktiven Kommunikationssituation“ (s.o.) an seine eigenen Wünsche denken. Aufgrund der im Casting bevorzugten, außergewöhnlichen Wünsche fallen dem Zuschauer eventuell sogar neue ein, die er sich unbedingt erfüllen will. Das Erinnert-Werden an eigene Wünsche hat außer der kurzzeitigen Euphorie des Zuschauers noch eine andere, sich positiv auf die Einschaltquote auswirkende Eigenschaft: Als erster Schritt auf dieses Ziel zu wird in diesem Moment eine Bewerbung bei WWM gesehen. Um dort zu bestehen, muss man viel wissen (das Buch „Bildung“ von Schwanitz ist bestimmt z.T. dank WWM zum Bestseller geworden) und Lösungsstrategien, z.B. betreffend des Einsatzes der Joker, entwickeln. Die Folge: Man schaut sich so viele WWM-Sendunge n wie möglich an, um von erfolgreichen Kandidaten zu lernen. So kann man auch teilweise erklären, was ich bei der Beobachtung von WWM-Zuschauern beobachtet habe: Wenn eine Person schlecht ist und schnell viele Joker verbraucht, wird die Sendung als langweilig empfunden und umgeschaltet.
2.5 Der Moderator
Günther Jauch (Bild 2), der Moderator von WWM, wurde 1956 in Münster geboren, hat Politik und Neuere Geschichte studiert und eine traumhafte Journalistenkarriere hinter sich 10 . Heute ist er laut Umfragen der beliebteste Moderator in Deutschland und wird vielfach als Quelle des Erfolges der Sendung gesehen. Doch das muss ein wenig relativiert werden. Die Sendung ist schließlich in vielen Ländern auch ohne ihn erfolgreich. Die Aufgabe des Moderators in WWM erfüllt er allerdings perfekt: Er versteht es, die schwere Lage, in der sich die Kandidaten befinden, um ein weiteres zu verschärfen. „Ich arbeite nach dem Prinzip der permanenten Verunsicherung“, sagt Jauch 11 und bringt es damit auf den Punkt. Inzwischen hat es sich zwar herumgesprochen, dass er, wenn er die Frage stellt, die Antwort noch nicht auf seinem Monitor hat. Dennoch suchen die Kandidaten und die Zuschauer am Bildschirm immer wieder bei ihm nach Hilfe. Z.B.
8 vgl. Stern, S.32 9 vgl. Kerstan, S.49
19 vgl. Hickethier, S. 194 in Bezug auf Hallenberg/Foltin, 1991
10
versuchen sie, aus seiner immer wieder anderen Mimik und Gestik Rückschlüsse auf die richtige Antwort zu ziehen 12 , und üben sich somit in Menschenkenntnis. Wenn sich der Befragte für eine Antwort entschieden hat, kitzelt Jauch die Auflösung bis aufs Letzte heraus und erhöht damit die Spannung um ein Vielfaches. Nicht umsonst werden die Werbepausen in diese Momente gelegt.
Günther Jauch führt seinen Job perfekt aus und ist dadurch und durch die ihm entgegengebrachte große Sympathie sicherlich ein wichtiges Glied in der Erfolgskette WWM - allerdings nicht das einzige!
2.6 Das Publikum
Das Studiopublikum tritt in WWM als eine Masse auf, die man aufgrund der nur minimalen Ausleuchtung nur selten bewusst wahrnimmt - höchstens akustisch, wenn es applaudiert. Es ist natürlicher Teil der Kulisse und immer verschwommen hinter dem Kandidaten und Günther Jauch zu sehen. Es gibt nur zwei Fälle, in denen das Publikum ins Bewusstsein gerückt wird: Beim Setzen des Publikumsjokers und wenn die dem Kandidaten nahe stehende Person gezeigt wird. All dies ist von den Machern perfekt durchdacht: Das Publikum soll den Zuschauer nicht von den Quizfragen und dem Konflikt, in dem der Kandidat steckt, ablenken. Es lässt Freiraum zum Selberdenken 10 . Einzig der/die Bekannte des Kandidaten wird zwischendurch, stellvertretend für das Publikum, immer wieder gezeigt. Diese Person, die dem Zuschauer ja vorher vorgestellt wurde, berührt den Zuschauer viel mehr als eine Masse applaudierender Leute. Man kennt den Trick aus den Boulevard-Magazinen: Nicht die Masse Toter schockiert, sondern detailliert beschriebene Einzelschicksale. In der Tagesschau hört man: „10 Tote bei Busunglück in Frankreich“ - im Boulevard-Magazin: „Ich habe Frau und Kind beim Busunglück verloren“. Nur Letzteres ist emotional, weil man sich unbewusst fragt, wie man sich selbst in solch einer Situation fühlen würde. Genauso wirkt der/die Bekannte: er/sie erinnert z.B. an die Konsequenzen, die der Gewinn bzw. das Scheitern hätte. Interessant für den Zuschauer ist auch zu sehen, wie der/die Bekannte im Publikum sich in der Krisensituation verhält, da er ihn/sie mit eigenen Partner vergleichen kann.
3.1 Die Kameraarbeit
Zu Beginn der Sendung wird der Betrachter durch eine Totale mit dem Studio vertraut gemacht. Er findet sich dort nun einigermaßen zurecht und die Suche nach Orientierung
12 vgl. Stern, S. 33 10 vgl. www.rtl.de 11 vgl. Stern, S. 36
10 vgl. Blothner, S.13
11
lenkt ihn nicht vom eigentlichen Geschehen ab. Jetzt werden die zehn Kandidaten durch jeweils eine Einstellung vorgestellt. Es fällt auf, dass abwechselnd etwas nähere und entferntere Bilder der Leute gezeigt werden. Der Grund dafür ist, dass die Macher den „Konturfehler“ vermeiden wollen, der entsteht, wenn Linien einer Einstellung denen der nächsten ähnlich sind. Dieser Fehler wird als störend empfunden, vermindert den Informationstransfer 11 und soll mit dieser leichten Änderung von einer Einstellung zur nächsten vermieden werden.
Während der Kandidat in der Mitte sitzt, passt sich die Aufnahme des Kandidaten immer den Frageneinblendungen an und variiert nicht. Einzig neben der Einblendung des Spielstandes (Bild 3) ist eine Nahaufnahme der Person zu sehen. Eine sehr emotionale Aufnahme, die auf das Schicksal der Person aufmerksam macht 12 . Im Vergleich zu den meisten Fernsehfilmen fällt auf, dass die Bilder relativ unbewegt sind. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Da die Zuschauer nicht durch ein Übermaß an Bewegung an den Bildschirm gefesselt werden 13 , wird die Kommunikation vor den Bildschirmen gefördert. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Ist z.B. eine Hürde in dem Konflikt erreicht, z.B. die 32 000 DM Frage, wird eine Kamerakranfahrt gemacht. Die Kamera fährt in einer totalen Einstellung um den Moderator und den Kandidaten herum. So eine Fahrt um etwas herum nennt Kerstan die „am intensivsten wirkende Aufnahmetechnik“, die die Aufmerksamkeit beim Zuschauer extrem erhöht 14 . Ist somit die Dramatik im Inhalt auf einem Tiefpunkt, wird sie durch eine Kamerafahrt wieder hergestellt. Der Zuschauer schaltet in dieser „Pause“ nicht um.
3.2 das Licht
Das Licht bewirkt im visuellen Bereich das, was Musik im auditiven Bereich erreichen kann: Stimmung erzeugen! WWM nutzt das und passt das Licht der jeweiligen Situation perfekt an. Ist eine glückliche Stimmung angesagt, zum Beispiel nach der richtigen Beantwortung einer Frage, wird alles sehr hell ausgeleuchtet. Der so genannte High-Key-Stil, der hie r angewandt wird, drückt „Hoffnung“ und „Glück“ aus 15 . Auffallend ist, dass das Licht, ähnlich wie in einer Disco, perfekt auf die Musik abgestimmt ist. Es wird kein Wert darauf gelegt, die Scheinwerfer zu verstecken. Sie werden sogar bewusst gezeigt und machen durch ihre Bewegung auf sich aufmerksam. Wenn die Euphorie dann allerdings vorbei ist, bündeln sich die Strahlen in einem Punkt: Der Mitte, in der der Kandidat jetzt wieder neuen Konflikten ausgesetzt wird (Bild 4). Die Grundbeleuc htung ist in den ve rschiedenen „Akten“ (siehe 2.2) unterschiedlich. Im „ersten Akt“ do-
11 vgl.Kerstan, S. 155 12 vgl. Folgner, S.51 13 vgl. Kerstan, S. 67 14 vgl. Kerstan, S. 80
15 vgl. Hickethier S. 79
12
miniert der High-Key-Stil, der ja, wie oben bereits erwähnt, der Szene eine hoffnungsvolle Stimmung verpasst. Der Zuschauer soll Hoffnung haben, dass der Kand idat weit kommt. Im „zweiten Ak t“ ist der Hintergrund schon wesentlich dunkler. Es ist eine Art Übergang zum „dritten Akt“, in dem ein extremer Low-Key-Stil die Stimmung der Zuschauer und auch des Kandidaten im Studio zu verändern vermag. Die Low-Key-Beleuchtung, die aus dem Hintergrund eine einzige Schattenfläche macht, ist laut Hickethier besonders geeignet, “dramatische Situationen“ und „psychische Anspannung“ zu vermitteln 12 . Diese unterschiedlichen Stimmungen unterstützen nicht nur den Inhalt, sondern fungieren auch als Orientierungs hilfe, die es Zuschauern, die die Sendung kennen und später einschalten, erlaubt, schnell zu erkennen, wie weit es der Kandidat bisher geschafft hat.
3.3 das Design
Das Design von WWM ist wie der Titel Markenzeichen der Sendung. Es hat zwei grundlegende Elemente: Der Kreis und die Farbe Blau.
Den Kreis finden wir bei WWM vor allem im Logo (Bild 5) und in der Form des Stud ios. Der Kreis hat mehrere Eigenschaften. Zum einen ist er längst nicht so stabil wie beispielsweise ein liegendes Dreieck, allerdings auch nicht so instabil wie ein auf der Spitze stehendes Dreieck. Diese gewisse Bipolarität soll den Zuschauer unbewusst schon einmal auf das Prinzip von Affinität und Repulsion (siehe 2.2) einstellen, mit dem er im Verlauf der Sendung ständig konfrontiert wird. Zum anderen hat jeder Kreis einen Schwerpunkt, den Mittelpunkt. Man konzentriert sich voll auf die Mitte, die ja eine entscheidende Rolle bei WWM spielt. Nur wer es in die Mitte schafft, hat die Chance auf eine Million DM. Die Konzentration des Zuscha uers soll in dem einen Punkt gebündelt werden, da sich nur dort die Konflikte abspielen! Dies wird im Trailer vor allem am Ende deutlich gemacht, wenn die Kamera auf den Mittelpunkt des Logos zufährt, in dem sich ein Loch befindet, durch das die Kamera fährt und dann Moderator und Kandidaten zeigt. Auch im Studio finden wir den Kreis wieder: Das Publikum sitzt wie in einer Arena um den Kreis in der Mitte herum, in dessen Mittelpunkt sich das Geschehen abspielt. Alle Linien, z.B. auf dem Boden, führen auf das wesentliche hin. Ein Stilmittel, das nicht nur in der Filmkunst oft angewandt wird, um bestimmte Dinge zu betonen. Die Farben haben ein ganz ähnliche Funktion wie die Form „Kreis“. Nach den Lehren der Farbpsychologie drückt das dominierende Blau Ernst aus und bewirkt Vertiefung 13 . Es ist also vergleichbar mit der Funktion des Kreises, die Konzentration zu bündeln. Noch zwei weitere Farben fallen im Logo auf: Grün und Violett. Der Kalt-Warm-
13
Kontrast dieser beiden Farben verdeutlicht wie der Kreis die Bipolarität, geht aber noch einen Schritt weiter: Grün drückt laut Heimendahl 14 Bewahrung aus - Violett hingegen Verzicht. Man erfährt, wenn man so weit gehen will, symbolisch schon viel mehr über den zu erwartenden Konflikt! Das Grün steht dann für die Bewahrung der Chance auf die Million, das Violett für den Verzicht, z.B. durch frühzeitigen Jokereinsatz oder Ausstieg aus dem Spiel (Bild 6).
Für den Zuschauer ist das Design letztlich eine Hilfe, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, was ihn das dramatische Erlebnis intensiver erleben lässt und somit in eine vom Alltag abweichende Welt entführt. Da dies als positiv empfunden wird 13 , schaltet er auch das nächste Mal wieder ein.
4.1 Geräusche und Musik
Alle über 100 Sound- und Musikeffekte 14 , die bei WWM zum Einsatz kommen, sind synthetisch erzeugt. Im „Handbuch für praktische Filmgestaltung“ wird dem Einsatz solcher künstlicher Tönen ein hohe dramaturgische Wirksamkeit zugeschrieben. Der Abstraktionsgrad der Bilder werde erhöht und erweitere somit die Interpretationsmöglichkeiten für die Zuschauer 15 .
Die Musik richtet sich wie das Licht bei WWM nach den „Akten“: Im ersten Akt wiederholt sich ständig ein ca. 13 Sekunden langes Stück, das sich aus zwei Elementen zusammensetzt: Langsam spielende, synthetische Geigen, die Glück und Hoffnung suggerieren 16 , und ein schneller Beat, der die Kürze des Aktes unterstreicht. Im zweiten Akt setzt ein Herzschlagbeat ein, der bis zur Millionenfrage nicht mehr aufhört, solange der Kandidat über eine Frage grübelt. Er schafft es, dem Zuschauer die „drohende Gefahr“ vor Augen zu führen 16 , und David Briggs ist sogar der Meinung, der eigene Herzschlag passe sich diesem Rhythmus an 17 . Im dritten Akt setzt dann ein tiefe Schwebung, eine Überlagerung benachbarter Frequenzen ein, die unterbewusst eine große Spannung erzeugt. Wird der Telefonjoker gezogen, bei dem ein Zeitlimit eingebaut ist, hört man ein Geräusch, das an das Ticken einer Zeitbombe erinnert. Es verleiht dem Zeitaspekt eine viel größere Wirkung als lediglich die Einblendung der Uhr. Die Musik versieht WWM mit einer eher unbewussten Emotionalität und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Erlebnis des Zuschauers.
5.1 Zusammenfassung
12 vgl. Hickethier S. 78 13/14 vgl. Heimendahl, S. 201 f.
13 vgl. Blothner, S. 13 14 vgl. Making of WWM 15 Kramareck, S. 115 16 vgl. Hickethier 17 vgl. Spiegel TV
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WWM liegt ein perfekt durchdachtes Konzept zugrunde, das es schafft, extrem viele Zuschauer vor den Bildschirm zu locken. Entscheidend für den Erfolg sind drei Haup t-faktoren: 1. Durch eine perfekt durchdachte und ausgereizte Dramaturgie, die durch die formellen Mittel wirksam unterstützt werden, ist WWM spannender als manch ein Krimi! 2. Der Zuschauer wird durch die interaktive Kommunikationssituation in höchstem Maße ernst genommen. Sein Selbstwertgefühl steigt dadurch, was er wiederum als positiv empfindet. 3. WWM schafft es, die ganze Familie vor dem Fernseher zu vereinen. Dieser Aspekt war von den Machern zwar nicht geplant 14 , ist aber sehr entscheidend für den Erfolg der Sendung. In der Zeitschrift FLIMMO wird ein 9-jähriger Junge zitiert, ihm gefalle WWM so gut, weil er es mit der ganzen Familie gucke und ihm das viel Spaß mache. Fast alle anderen Fernsehformate töten Kommunikation vor den Bildschirmen, WWM unterstützt sie.
Literaturverzeichniss:
Bücher:
Blothner, Dirk: „Erlebniswelt Kino. Über die unterbewusste Wirkung des Film“ Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH & Co., 1999
14 vgl. Spiegel TV
15
Folgner, Reiner/ Birke, Tom: „Handbuch der Video und Filmgestaltung“ Augustus
Verlag, Augsburg 1992
Heimendahl, Eckart: „Licht und Farbe. Ordnung und Funktion der Farbenwelt“ Berlin
1961
Hickethier, Knut: „Film- und Fernsehanalyse“ Verlag J.B. Metzler Stuttgart Weimar
1996
Kerstan, Peter: „Der journalistische Film. Jetzt aber richtig.“ 1. Auflage, Verlag zwei-
tausendeins 2000
Kramareck, Johannes/ Pockrandt, Rainer/ Kerstan, Peter: „Du Mont´s Handbuch für
praktische Filmgestaltung“ Du Mont Verlag 1986
Mamet, David: „Die Kunst der Filmregie“ - Orginalausgabe 1991 „on directing film“
Alexander Verlag Berlin
Monaco, James: „Film verstehen“. Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe Juli 2000,
Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH
Schult, Gerhard/ Buchholz, Axel: “Fernsehjournalismus” List Verlag München 1997
Truffaut, Francois: „Wie haben Sie das gemacht, Her Hitchcock?“ - Orginalausgabe
1966 „le cinéma celon Hitchcock“ 22. Auflage, Carl Hanser Verlag München
Vale, Eugene: „die Technik des Drehbuchschreibens für Film und Fernsehen“ Mün-
chen: TR-Verlagsunion, 1987
Zeitschriften:
FLIMMO - Programmberatung für Eltern - Bayrische Landeszentrale für neue Medien
Februar - Mai 2001
Stern Nr. 45 2.11.2000 S. 30 - 38, „Die Millionärsmacher“ Autoren: Creutz, Oliver/
Draf, Stephan
Fernsehsendungen:
Spiegel TV Magazin [RTL] vom 18.3.2001
Making Of „Wer wird Millionär?“ [RTL] [Datum unbekannt: zwischen Dez. 00 und
Feb. 01]
„Wer wird Millionär?“ [RTL] vom 2.12.2000
Internetquellen:
The Guardian
http://www.mediaguardian.co.uk/mediaguardian/story/0,7558,403282,00.html
Wer wird Millionär im Internet
www.rtl.de/werwirdmillionaer.htm
16
Das Original im Internet http://www.whowantstobeamillionaire.co.uk/
Geschichte des Originals
http://www.rte.ie/tv/millionaire/history_body.html
WWM -Einschaltquoten:
Quelle:
http://www.rtl.de/rtlworld.html?page=http://www.rtl.de/werwirdmillionaer.html&banne
r=/world/shows/wer_wird_millionaer/home&Color=150050
3.9. - StaffelI 4,64 19,8 % 26,6 %
9.9.1999 Staffel II 27.1. - 7.2.2000 8,31 26,0 % 35,7 % Staffel III 26.5. - 10.6.2000 7,11 29,9 % 39,0 % Staffel IV 31.8. - 9.9.2000 8,15 29,8 % 37,4 % Staffel V 06.10 - 25.12.2000 10,02 32,3 % 39,53 %
Arbeit zitieren:
Christoph Schwab, 2001, Wirkungsanalyse der Sendung "Wer wird Millionär?" - Warum die Sendung so erfolgreich ist, München, GRIN Verlag GmbH
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C. sievers
Wirkungsanalyse "WWM".
Für eine Schulfacharbeit eine wirklich fundierte, gut gegliederte und gut formulierte Arbeit! Hat Spaß gemacht, sie zu lesen!
am Sunday, January 13, 2002-
Becker
WWM.
Der einzige interessante Artikel im Netz, den ich gefunden habe!
Eigentlich geht es mir um die Frage,die im Text zumindest schon teilweise beantwortet wurde, ob es bei der Bewerbung seriös zugeht, d.h. ob man aufgrund der richtig beantworteten Fragen oder nach nicht näher definierten Kriterien ausgewählt wird?
Ich habe nämlich bei der 100erauswahl alle Fragen richtig beantwortet und sehr gut die Schätzfrage "geschätz", bin aber mitnichten in die Sendung eingeladen worden, was, da "meine" Sendungen inzwischen gelaufen sind und ich die Kandidaten beurteilen konnte, nicht mit recheten Dingen zugehen kann.
Falls Sie noch nähere Informationen zu dem Thema bzw. einige Ratschläge haben, wäre ich Ihnen sehr verbunden.
Danke im Voraus.
am Sunday, February 10, 2002-